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Full text of "Philologischer Anzeiger. "Als Ergänzung des Philologus." [serial]"

-3 



K i 






THE LIBRARY OF THE 

UNIVERSITY OF 

NORTH CAROLINA 




THE LIBRARY OF THE 

UNIVERSITY OF 

NORTH CAROLINA 




ENDOWED BY THE 

DIALECTIC AND PHILANTHROPIC 

SOCIETIES 

BölLöMG ÖSE ONLY 




This book is due at the LOUIS R. WILSON LIBRARY onthe 
last date stamped under "Date Due." If not on hold it may be 
renewed by bringing it to the library. 


D?E E RET 


DATE 
DIE 



















































































































































Digitized by the Internet Archive 
in 2013 



http://archive.org/details/philologischeran14gtti 



, & 0° 



PHILOLOGISCHER 

ANZEIGER 



I ; 



ALS ERGÄNZUNG 

DES 

PHILOLOGUS 

HERAUSGEGEBEN 

VON 

ERNST von LEUTSCH. 

FÜNFZEHNTER BAND. 



1885. | 



GOTTINGEN 

VERLAG DER DIETERICHSCBEN BUCHHANDLUNG. 

1885. 




Göttingen, 

Druck der Dieterichschen Univ.-BTichdrnokorei 
W. Fr. Kästner. 



Nr. 1. «85. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



von 

Ernst von Leutsch. 



1. Syntax der griechischen spräche, besonders der atti- 
schen sprachform für schulen und für jüngere philologen , von 
J. N. Madvig. Zweite verbesserte aufläge. Braunschweig, Vie- 
weg 1884. 8. X, 301 p. 5 mk. 

Als der hochverdiente dänische philologe das werk, dessen 
zweite aufläge hier besprochen werden soll, im jähre 1847 zum ersten 
mal in die pädagogische und philologische weit hinausschickte, er- 
klärte er, daß theils der wünsch neben seine lateinische grammatik 
eine parallele darstellung des griechischen zu stellen, theils das be- 
wußtsein manche lehren der syntax auf richtigere oder doch besser 
ausgedrückte grund begriffe zurückgeführt, manches zuerst beobach- 
tet, manches zuerst faßlich formuliert zu haben ihn zur herausgäbe 
bewogen habe. Das werk sollte zunächst'^«! Schulbuch sein : daher 
erhielt der leser nur resultate; ausgeführte theoretische erörterungen 
gab der verf. vor- und nachher in besondern Abhandlungen (s. Kleine 
philolog. Schriften p. 1 — 377: vrgl. PhAnzeig! IX, 5, p. 325); als 
probe der dem buche zu gründe liegenden, nach erklärung des Ver- 
fassers sehr umfänglichen detailiintersuchungen konnten die gleich- 
zeitig mit der „syntax" im supplementheft II des Philologus erschie- 
nenen „Bemerkungen über einige puncte der griechischen wortfü- 
gungslehre" gelten. Eine formenlehre, ebenfalls dem betreffenden ab- 
schnitt der lateinischen grammatik entsprechend, sollte später folgen. 
Während die dänische ausgäbe zweimal aufgelegt und ohne veran- 
lassung von Seiten des Verfassers eine englische und eine holländische 
Übersetzung veranstaltet wurde, ward, wie in der vorrede der 
neuen aufläge p. VI geklagt wird , in Deutschland dem buche 
die beachtung, wenigstens die besprechung und öffentliche aner- 
Philol. Anz. XV. 1 



2 1. Griechische graininatik. Nr. 1. 

kennung entzogen, was der verf. theils auf die sich seit 1848 
gegen alles dänische richtende misstimmung theils (nach andeu- 
tung des Schlusses der vorrede) auf die Schwierigkeit zurückführt, 
einfachen Wahrheiten gegenüber hergebrachten Vorstellungen und 
vorurtheilen eingang zu verschaffen. 

Hierin ist, was von einem todtschweigen des buches gesagt 
wird, falsch ; ich erinnere an die eingehenden und durchaus sach- 
lichen besprechungen von Curtius in der Zeitschrift f. d. gymnasial- 
wesen I, 4, p. 98 — 105 und von Peter in den Jahrbüchern für 
philologie 19, 131 — 166 und an die sogar sehr anerkennende Voigts 
in der Allgem. lit.-ztg. von 1849 no. 19 und 20. Aber aller- 
dings ein allgemein anerkanntes handbuch ist die syntax nicht 
geworden. Man kann diese Zurücksetzung vielleicht ungerecht 
finden: Madvigs werk ist correct, klar, im ganzen übersichtlich, 
von solchen thorheiten , wie sie z. b. Kühner nur zu oft bietet, 
völlig frei. Oefters überragt er alle nebenbuhler, deren einige, 
wie Krüger, ihm an reichthum des inhalts freilich weit überlegen 
sind, durch richtigkeit der beobachtung und einfachheit der for- 
mulierung. Ich verweise auf den vom verf. selbst als gelungen 
hervorgehobenen abschnitt über den Optativ im nebensatz. Al- 
lein daß der Wissenschaft oder der praxis des griechischen Un- 
terrichts aus dieser nichtbeachtuog ein wesentlicher schaden er- 
wachsen wäre, kann ich nicht zugeben. Wenn Goodwin in der 
vorrede seiner Greek moods and tenses behauptet , daß gegen- 
über Hermann „a new era was introduced ly Madvig , ioJio has 
earned the lasting gratitude of scholars by Ms efforts to restore greek 
syntax to the dominion of common sense", so ist damit zwar das 
von Madvig erstrebte ziel gut ausgesprochen, insofern dieser von 
1835 an, in welchem jähr seine geistvolle abhandlung über das 
geschlecht in den sprachen (Kleine philologische Schriften p. 1 ff.) 
erschien, gegen die Hermann'sche bebaudlungsweise der spräche 
mit ihrem philosophischen aufbau und ihren künstlichen Unter- 
scheidungen angekämpft hat, und insofern auch das vorliegende 
werk von Hermanu'scher art sich möglichst entfernt hält. Aber 
was wird an stelle des verworfenen gesetzt? Das ideal einer 
syntax, welches Madvig p. 220 seiner Kleinen philologischen 
Schriften zeichnet und hier verwirklicht, und welches fordert, daß 
der darsteller „mit scharfer abstraction aus dem in hinlänglichem 
umfange wahrgenommenen sprachgebrauche das centrum der be- 



Nr. 1. 1. Griechische grarninatik. 3 

deutung jeder form und ihre entfaltung nach verschiedenen Seiten 
herausfinde" bedeutet gegenüber der angefochtenen Hermann'- 
schen richtung nur einen halben fortschritt. Daß Madvig, was 
man jetzt statistische methode nennt , noch nicht handhabt und 
daher die verschiedenen grade der häufigkeit und auch das 
fehlen bestimmter erscheinungen nicht mit genügender schärfe dar- 
zulegen vermag, daß also sein begriff von hinlänglichem umfang 
der Wahrnehmungen nicht hinlänglich ist, soll ihm nicht zum Vor- 
wurf gemacht werden, wohl aber, daß er übersieht, wie er mit 
seinem aufstellen von grundbegriffen ausschließlich auf grund des 
Sprachgebrauchs einer bestimmten zeit in den fehler seiner gegner 
fällt. Man kann Ölst sagen, daß die zur vorderthür hinausge- 
stoßene philosophie durch die hinterthüre wieder eingelassen wird. 
Ist z. b. die definition des infinitivs „der infinitiv drückt den 
begriff des verbums im allgemeinen in den verschiedenen 
zeiten aus" wirklich den sprachthatsachen abgelauscht und ge- 
eignet die einzelheiten des gebrauchs zum Verständnis zu brin- 
gen und nicht vielmehr eine abstraction des eigenen kopfes? 
Dieses wie andere definitionen haben nur den einen, doch gewiß 
geringen, werth eines rahmens, innerhalb dessen alle, auch die 
disparatesten, erscheinungen bequem platz finden. Der grund- 
irrthum liegt in der geringschätzung der historischen betrach- 
tungsweise , im übersehen der thatsache , daß den Attikern des 
5. und 4. Jahrhunderts nicht syntactische grundbegriffe vor- 
schwebten , sondern ihre constructionen theils von früher ererbt, 
theils den frühern nachgebildet sind , daß also der grundbegriff, 
wenn überhaupt, nur durch zurückgehen auf frühere zeit gewon- 
nen wird. Der höhn über die herleitung des infinitivs aus einem 
dativ (vorrede -, p. IX) hat sich an dem ganzen fünften kapitel 
des zweiten buches , wo alles eher als eine klare entwicklung 
vorliegt, gerächt. Auf anderes, wie z. b. die definition des da- 
tivs, will ich lieber nicht eingehen ; aber man vergleiche mit Mad- 
vigs behandlung dieses casus z. b. die in Kägi's eben erschiene- 
ner schulgrammatik: man wird daraus sehn, daß die wissenschaft- 
lich an sich ganz berechtigte (freilich der Verbreitung des buches 
und seiner benutzung auf der schule gewiß sehr hinderlich ge- 
wesene) beschränkung auf das attische idiom den methodischen 
fehler nicht entschuldigt. Es stimmt mit dem gesagten, wenn 
Madvig da, wo die sprachliche entwicklung keine Veränderungen 

1* 



4 1. Griechische grammatik. Nr. 1. 

von belang herbeigeführt hat, mit merkwürdigem Scharfblick das 
richtige trifft: seine definition des accusativs (Latein, grammatik 
§ 222), welche der darstellung des casus in der griechischen 
syntax unausgesprochen zu gründe liegt, ist noch allerneuestens 
wiederholt worden (Hübschmann, Zur casuslehre p. 61 ; G-ädicke, 
Accusativ im Veda p. 22). Die gerechtigkeit fordert es, daß die 
kleinen inconsequenzen nicht unerwähnt bleiben, deren sich Mad- 
vig zur freude des lesers schuldig macht: §123, anm. 1 wird eine 
entwicklungsgeschichte der constructionen mit orcoov gegeben, 
und § 61 b , anm. 1 hübsch darauf hingewiesen, wie z. b. avyyi- 
yiKinxm seine genetiv - construction an stelle der ihm von haus 
aus zukommenden rein dativischen von synonymen verben ent- 
lehnt hat. Solche beobachtungen hätten , wenn durchgeführt, 
dem verf. den wirklichen entwicklungsgang syntaktischer Ver- 
hältnisse vielfach aufgedeckt (auch ohne sanskrit!) Er hat 
darauf verzichtet und so ein werk geliefert , das gerade durch 
seinen mißerfolg besser, als irgend eine direkte argumentation 
es vermöchte, dargethan hat, daß geschichtliche betrachtungsweise 
für jede grammatik unentbehrlich ist, die mehr erstrebt als eine 
formlose aufzählung äußerlicher thatsachen. 

Dasselbe fehlen der verheißenen objectivität zeigt sich auch 
in der anordnung des Stoffs. Wiederholt werden verschiedene 
ausdrucksweisen für eine form der modernen aussage zusammen- 
behandelt, vgl. §6 über „man", §114 über die wiedergäbe des 
deutschen plusquamperfectums , § 199, anm. 2 über „ja", (letz- 
teres überhaupt nicht in eine grammatik gehörig). Statt ferner 
zuerst die functionen der wirklich vorhandenen sprachformen der 
reihe nach durchzubehandeln und darauf die Satzlehre aufzubauen, 
wird der numerus nur in klein gedrucktem anhang zur lehre 
vom artikel und die genera verbi zusammen mit dem ,,gerundiv" 
zwischen präpositionen und adjectiv (§ 82, 83) abgehandelt, je- 
ner wie diese mit der bemerkung, daß sie nicht in die syntax 
hineingehörten. Und im übrigen erhalten wir einen ganz eigen- 
artigen auf bau (Kleine philologische Schriften p. 104 ff.), gegen 
welchen z b. Krügers oft geschmähte und auch von Madvig ge- 
tadelte gliederung sich überaus günstig abhebt; die lehre von 
den nominalen functionen mit einschluß der genera verbi ist in 
einen I. haupttheil „von der Verbindung der Wörter im satze", 



Nr. 1. 1. Griechische grammatik. 5 

die lehre vom verbum zusammen mit Satzlehre und partikeln in 
einem II „die Verhältnisse der sätze u. s. w." eingeschoben. 

Auch der, durch die beisetzung der paragraphenzahlen der 
lateinischen Sprachlehre äußerlich bezeichnete, anschlug au das 
Latein hat die rein gegenständliche behandlung verhindern helfen. 
Wenn § 109 und 116 die Verbindung von /<e//.o> mit einem in- 
finitiv als ein stück des griechischen tempussystems dargestellt 
wird, so ist attischer Sprachgebrauch in lateinisches Schema ge- 
zwängt; man vergleiche, was gegenüber einer andern grammatik 
Bäumlein über solches verfahren richtig bemerkt hat Piniol. 12, 707. 
Die auf dem gleichen fehler beruhende bezeichnung des verbal- 
adjectivs auf 7hi. als gerundiv hat bereits Curtius gerügt (a. a. o. 
p. 98 f.). Unschädlicher ist die in einer griechischen grammatik 
dieses umfangs auffallende , nur bei einem vom latein ausgehen- 
den grammatiker begreifliche besonders eingehende behandlung 
der oratio obliqua. 

Alle diese bemerkungen gelten auch für die neue aufläge. 
Dieselbe schließt sich der ersten bearbeitung aufs engste an. 
Der plan des werkes ist in keiner weise, die fassung der regeln 
nur ganz gelegentlich verändert und , abgesehen von der Stel- 
lung einiger anmerkungen, die anordnung völlig gleich geblieben. 
Die Verbesserung, von welcher der titel spricht, beschränkt sich 
fast völlig auf die beispiele, deren manche weggeblieben, manche 
verkürzt oder aber mit genauerem citat versehen worden sind, 
während anderwärts neue zugefügt wurden. Daneben ist die und 
jene , nicht unter die alten regeln fallende einzelerscheinung in 
parenthese oder anmerkung berücksichtigt und so der Sprachge- 
brauch der tragiker und auch Herodots mehr zur geltung ge- 
bracht. Diese verschiedenen nachtrage entstammen meist Mad- 
vigs eigener lektüre; selten ist die berücksichtigung fremder 
forschung erkennbar; zu diesen spuren gehört, was § 74, 3. anm. 
über das Verhältnis von aiv und pziä bemerkt ist. Neu ist die 
vorrede. Der thatsächliche umfang ist gleich geblieben ; die erhö- 
hung der Seitenzahl von 286 auf 301 beruht anscheinend bloß 
auf dem Übergang zur antiqua. 

Die revision des einzelnen hätte viel genauer sein sollen. 
Aus der ersten aufläge sind vielfach falsche Schreibungen , wie 
rmäi , uajiQufier ) floridata , olurtlgmy iäguxu , Eltovvtt (§ 51 ), 
nenoiOeifxti (§53) und druckfehler (z. b. §42 «rf'Aet statt ärüei, 



6 2. Lexicographie. Nr. 1. 

§ 47 med. vemv statt vt'mr, § 13 l b , anm. 1 nagavia^ov statt na- 
Qaviö%oi> , § 194, anm. 2 ivdntev statt ivdnis*) stehen geblieben. 
An beibehaltenen falschen citaten merke ich, besonders aus den 
ersten kapiteln, an: § 2 b Xen. Mem 1,2,40 statt des richtigen 

1, 2, 39; § 3 a Xen. Anab. 4, 3, 10 statt Mem. 4, 3, 10; § 7 b 
Phaedo 232 statt Phaedrus 232 (A);§ 24 a Xen. Hell. 3, 3, 8 
statt 2, 3, 8; § 35 b Thuc. 8, 4 statt 8, 84; § 160 anm. Tlmc. 
5,3 statt 7,3. § 51 b heißt es in der ersten aufläge Xen. Hell. 

2, 1, 10, in der zweiten 2, 2, 10, das richtige ist 2, 1,20. Die 
paar fälle , wo vielleicht ein citat verbessert ist , werden mehr 
als aufgewogen durch die fälle , wo früher richtig geschriebenes 
verderbt ist: § 24 b , anm. 2 PI. Prot. 331 statt 311, § 36% 
anm. 4 Thuc. 1, 36 statt 1, 37. — Die beiden register waren 
schon in der ersten aufläge gehaltreich; daß in der zweiten an 
der spitze des buches nicht ein den gang der darstellung andeu- 
tendes Inhaltsverzeichnis, wofür der räum einer seite genügt 
hätte, hinzugetreten ist, bleibt im interesse der Übersichtlichkeit 
zu bedauern. Aber dieser mangel ist unter den Verfassern grie- 
chischer grammatiken epidemisch. 

Es wäre schlimm für die philologische Wissenschaft, wenn 
ein werk, das 37 jähre nach seinem ersten erscheinen fast un- 
verändert wieder ausgegeben wird, für deren fortschritt von we- 
sentlicher bedeutung wäre, zumal auf einem so viel bearbeiteten 
gebiete. Lernen kann der einzelne aus dem buche eines so be- 
deutenden Sprachforschers noch immer, wie ja auch Gottfried 
Hermann's älteste Schriften, wie selbst die ^vvtu^i^ des großen 
griechischen grammatikers noch heute von keinem ohne mannig- 
fache belehrung aus der hand gelegt werden; es mag dem „jun- 
gem philologen" förderlich sein, bei seinem lesen attischer pro- 
saisten sich Madvig zum grammatischen führer zu wählen , und 
so mag der Wiederabdruck des längst vergriffenen buches sich 
rechtfertigen lassen. Für die syntaktische Wissenschaft und die 
ihr gegenwärtig gestellten aufgaben aber wäre das buch auch 
dann unnütz, wenn es bis jetzt unzugänglich und keine gelegen- 
heit geboten gewesen wäre es auszubeuten. 

Jacob Wackernagel. 

2. Tensaurus Italograecus. Ausführliches histo- 
risch-kritisches Wörterbuch der griechischen lehn- und fremdwörter 



Nr. 1. 2. Lexicographie 7 

im lateinischen von G. A. Saalfeld. Wien, C Gerolds söhn 
1884. 1184 spalten, gr. 8. — 20 mk. . 

Das vorliegende werk Saalfelds bildet den abschluß seiner 
vor zehn jähren mit einer Leipziger doctordissertation begonne- 
nen gräkoitalischen d. h. auf die Sammlung und verwerthung 
der griechischen lehn- und fremdwörter im latein gerichteten Stu- 
dien. Da nun gerade in den letzten zehn jähren außerordent- 
lich viel nicht nur von ihm, sondern auch von anderer seite auf 
dem besagten gebiete gearbeitet worden ist, so war er in der 
glücklichen läge, für dieses abschließende werk eine ganze reihe 
der vortrefflichsten arbeiten benutzen zu können. Daß er dies 
gethan , daß er namentlich mit der ihm eigenen peinlichen ge- 
nauigkeit und gewissenhaftigkeit die einschlägige litteratur bis 
zur jüngsten gegeuwart, d. h. bis zu beginn der zwei jähre lang 
währenden druckleguug herangezogen hat, wird niemand in ab- 
rede stellen , der auch nur einen flüchtigen vergleich zwischen 
seinem Index vocabulorum graecorum in linguam latinam translato- 
rum und dem vorliegenden buche angestellt hat. Denn der Ver- 
fasser ist sichtlich bemüht gewesen , bei jedem von ihm aufge- 
zeichneten worte die belegstellen für dessen vorkommen in lin- 
guistischen und kulturhistorischen werken zu sammeln und die 
in den angezogenen stellen ausgesprochenen gedanken in kürze 
mitzutheilen. Diese litterarischen nachweise halte ich für die 
werthvollste gäbe des ganzen buches , weil sie ausführlich und 
mit geschick unternommen sind und weil sie der laie nicht, wie 
den größten theil des übrigen gebotenen , in guten lexicis und 
bereits vorhandenen einschlägigen werken vorfindet. Damit soll 
jedoch nicht gesagt sein , daß nicht auch das übrige dem fach- 
mann von großem nutzen sein könnte : hat er doch hier alles 
auf engem räum beisammen, was er sich sonst mit mühe zusam- 
mensuchen muß , überdies mit all den Verbesserungen , die die 
forschung der letzten jähre ergeben hat! 

Freilich zu einem „historisch-kritischen wörterbuche", 
wofür sich das werk ausgiebt, gehört doch mehr, als es uns 
bietet und der Verfasser selbst bei zehnjähriger thätigkeit in 
seinen mußestunden schaffen konnte. Denn um die ganze lati- 
nität gründlich durchzustudieren, dazu würde wohl kaum ein 
menschenleben hinreichen. Wird doch das großartige Wölfflinsche 
unternehmen eines historischen Wörterbuches der gesammten la- 



8 2. Lexicographie. Nr. 1. 

tinität hunderte der berufensten gelehrten jähre lang beschäftigen ! 
Ein h ist ori sehe s- Wörterbuch mußte vor allen dingen sämmt- 
liche belege für die betreffenden ausdrücke von ihrem ersten 
auftreten in der latinität bis zum ausgange des alterthums ent- 
halten, ja womöglich noch diejenigen formen bieten, die die Wörter, 
soweit sie nicht untergegangen sind, beim übergange in die rö- 
mischen tochtersprachen erhalten haben. Statt dessen giebt uns 
der verf. zwar vielfach eine reichliche Sammlung von belegstel- 
len , aber einmal nicht nach der Zeitfolge ihres Vorkommens, 
sondern nach den verschiedenen bedeutungen gruppiert, sodaß 
die älteste belegstelle öfter in der mitte unter den übrigen sich 
versteckt (z. b. bei gubemo — •AvßfQtaw) und sodann nicht ein- 
mal mit annähernder Vollständigkeit auch nur der zum belege 
herangezogenen Schriftsteller, geschweige denn, daß alle römischen 
autoren dabei berücksichtigung gefunden hätten. Und wie leicht 
wäre Vollständigkeit zu ermöglichen gewesen bei klassikern, von 
denen uns Specialwörterbücher oder genaue indices vorliegen wie 
bei Horaz (Zangemeister), Vitruv (Nohl), Quintilian (Bonneil) 
u. s. f. Wäre das Wörterbuch wirklich historisch, so würde 
es den bearbeitern des Wölfflin'schen Thesaurus die werthvollsten 
dienste leisten. So dürfte der index meiner „Griechischen lehn- 
wörter im latein" *) sich in dieser hinsieht noch nützlicher er- 
weisen, der zwar meist nur eine, aber immer die älteste littera- 
rische belegsteile bietet, daneben aber auch auf inschriftliche 
Überlieferung und die romanischen wortformen beständig rück- 
sicht nimmt. 

Vermißt habe ich ferner in Saalfelds werke eine graphische 
Unterscheidung zwischen ann^ tiQrjpitva und öfter bezeugten Wör- 
tern und ebenso, soweit möglich, zwischen urbanen und rustiken 
resp. zwischen gelehrten und volkstümlichen ausdrücken. Des- 
gleichen konnten die nur auf inschriften nachweisbaren formen 
durch besondere merkmale kenntlich gemacht werden , ja von 
diesen verdienten wieder diejenigen besondere beachtung , die 
sich nur auf inschriften der länder griechischer zunge (ei- 
gentliches Griechenland , Unteritalien , Kleinasien etc.) nachwei- 
sen lassen. 

Sodann durfte das Wörterbuch, wenn es ausführlich sein 

1) Gekrönte preisschrift der fürstlich Jablonowskischen gesell- 
Bchaft m Leipzig. S. Hinsei 1882. 18 mk. p. 326—544. 



Nr. 1. 2. Lexicographie. 9 

sollte, sich nicht auf eine anzahl von eigennamen beschränken, 
sondern mußte sie insgesammt aufnehmen, zum mindesten, so- 
weit sie lehngut geworden sind. Letzteres hat nun Saalfeld 
vielleicht beabsichtigt, wie ich aus der angäbe unter dem worte 
Alexander „wegen der formen Alexanter und Alixeuter hier zu 
nennen" schliefe, weil diese formen auf volksthümliche Verstümme- 
lung hinweisen ; aber er hat es keineswegs ausgeführt. Denn 
er hat sklaveunamen (also namen von Griechen und Griechinnen 
wie Lampadio , Lampadiscus etc.j und büchertitel wie Adelphoe 
oder beinamen wie Epicrates (Pompejus), Laertiades u. a. , die 
entschieden nicht zum lehnwörterschatz gehören , aufgenommen 
neben geographischen bezeichnungen wie Agrigentum , Ancona, 
Graecia, Scolacium. Aber wenn er Spercheos , Spartoe, Georgi, 
Syene etc. aufzählt , dagegen lehnwörtern wie Massilia (Maooa- 
Xiu), Italia (fttalia), Sipontum (£ini>~i), Tarentum (Tay«*,'), So- 
luntum (Zolov^), Rhegium oder Eegium (Pi]ytot>) u. a. die auf- 
nähme versagt hat, wo bleibt dann die konsequenz ? Ebenso 
wenig durfte neben götternamen wie Ares, Cybele u. a. die alt- 
italische auf einer Fuciner weihinschrift vorkommende form atoier 
(p)attia = Hatos und Pherephattia fehlen, worüber King, Italische 
Studien und Literar. centralblatt 1883, no. 52, spalte 1824 zu 
vergleichen sind. 

Auch die appellativa sind nicht vollständig vorgeführt. Ver- 
mißt habe ich z. b die beiden inschriftlich belegten salbennamen 
amimetum u^iur^ov , collyrium inimitabile und anicetum , drinijtop^ 
collyrium invictum, vgl. Heron de Villefosse et The'denat, cachets 
d'oculistes romains. Paris lrf82, p. 9 und 196; ferner das von 
Urlichs Vind. 824 bei Plin. Nat. hist. 37, 33 hergestellte und 
von Detlefsen in den text aufgenommene wort hyalopyrrichum 
statt der früheren lesart sualiternicum , den rebennameu Murgen- 
tinum, den Hehn, Kulturpflanzen 307, 3. aufl. mit n< yymt, tläog 
apniiov (tlesych) in Verbindung bringt u. a. Auch die littera- 
turnachweise könnten hier und da noch vermehrt werden; z. b. 
fehlt unter Pantheum die abband lung von Jordan über dieses 
wort (universitätsschrift von Königsberg 1882), unter electrum 
und lyncurium die ganze neuere bernsteinlitteratur, namentlich 
die Schriften von Genthe und Waldmann (progr. v. Fellin in 
Livland 1882). 

Doch genug der Ausstellungen ! Sie werden den wertb des 



10 3. Metrik. Nr. 1. 

tmches wenig beeinträchtigen für den, welcher darin eine be- 
queme übersichtliche Zusammenstellung der lehnwörter und ihrer 
litteratur sucht. O. Weise. 



3. I. Luthmer, De choriambo et ionico a minore diiambi 
loco positis. (Dissertationes Argentoratenses VIII). Argentorati 
apud Car. I. Truebner 1884. 99 p. 8. 

Daß der Verfasser dieser arbeit zwei eigentümliche that- 
sachen der griechischen rhythmik , nämlich die Vertretung des 
diiambus einerseits durch den Choriambus und andererseits durch 
den ionicus a minore, feststellt, verdient besonders darum un- 
seren beifall , weil dadurch die dissertation einen wesentlichen 
fortschritt auf dem wege der befreiung der griechischen metra 
aus dem schnürleibe des rhythmus der modernen musik bezeichnet. 
Auch werden wir der rücksichtslosen energie, mit welcher Luth- 
mer die beiden thatsachen von einem gesichtspunkte aus zu 
erklären sucht, unsere anerkennung nicht versagen dürfen, wenn- 
gleich nach ansieht des referenten der knoten nicht gelöst, son- 
dern zerhauen ist. Für Luthmer sind nämlich Choriambus und 
ionicus a minore durch silbenversetzung entstandene Variationen 
der iambischen dipodie ; die Voraussetzung und Ursache dieser 
silbenversetzung ist der umstand, daß in der iambischen dipodie 
der stärkste ictus auf der letzten länge ruht. Bedenkt man 
aber, daß die musiktheoretiker über den ictus der modernen 
musik keineswegs überall klar sind, und daß über den ictus in 
der antiken rhythmik durchaus nichts sicheres überliefert ist 1 ), 
so scheint es besser den ictus aus dem spiel zu lassen , zumal 
wenn man sieht, daß die Luthmersche theorie dazu führt, im 
ionicus a minore den hauptictus, auf die endsilbe zu legen, eine 
art der betonung, welche nicht als ansprechend bezeichnet wer- 
den kann 2 ). Ueberhaupt würde referent immer geneigt sein, 

1) Im allgemeinen hält referent es für das richtigste, in bezug 
auf die ictuirung der cola und dipodieen den von Westphal in seiner 
musikalischen rhythmik gegebenen gesichtspunkten zu folgen. 

2) Dafür daß der hauptictus im ionicus a minori auf die erste 
länge zu setzen ist, sprechen folgende umstände: 1) die analogie der 
modernen musik. 2) die analogie des iambus, weDn wir, wie ich wei- 
terhin ausführen werde, die identität des iambischen und des aufstei- 
genden ionischen rhythmus anerkennen, denn niemand wird im iam- 
bus den hauptictus auf die letzte der drei moren legen wollen (vrgl. 
z. b. Christ, Metrik 2 , p. 55). 3) Die ionici mit vierzeitiger länge w 1 — '• 
Hier muß Luthmer aufsteigende längen annehmen , deren existenz in 



Nr. 1. 3. Metrik. 11 

das silbenschema als das stabilere, den ictus als das leichter ver- 
änderliche element zu betrachten, wenn es sich um die historische 
entwickelung metrischer formen handelt. 

Nach der meinung des referenten sind ionicus und Choriam- 
bus nicht auf eine stufe zu stellen. Der rhythmus des ionicus 
a minori ist mit dem iambischen vollkommen identisch, denn der 
ionicus a minori ist nichts als ein langsamerer iambus, in welchem 
kürze sowohl als länge verdoppelt sind. Es kann daher nicht 
wunder nehmen , wenn gelegentlich zwei iamben statt eines io- 
nicus oder ein ionicus statt zweier iamben erscheint. Iam- 
bische dipodie und ionicus a minori sind Zwillingsgeschwister, 
und es wäre ein streit um des kaisers bart, wenn man fragte, 
welches das ältere ist. Dagegen haben wir im eintreten des 
Choriambus für den diiambns eine äußerung jenes taktwechsels 
zu erkennen , wonach innerhalb iambischer reihen durch Ver- 
schiebung der icten eine trochäische gegenströmung entstehen 
kann. Diese erscheinung zeigt sich in den versen vieler Völker, 
und ich habe auf der Dessauer philologenversammlung (1884) 
meine ansieht dahin ausgesprochen , daß hier der Schlüssel zum 
verständniß der logaöden zu suchen ist. Luthmer hat also that- 
sächlich einen bruchtheil der logaödischen verse behandelt, sein 
Standpunkt unterscheidet sich von dem des referenten nur da- 
durch, daß er die ictenverschiebung auf den je ersten fuß eines 
diiambus beschränkt, während referent kein hinderniß sieht, sie 
in jedem fusse eines iambischen Colons außer dem letzten und 
auch in mehreren auf einander folgenden fußen anzunehmen. 
Uebrigens würde Luthmer auch von seinem Standpunkt aus eine 
größere zahl von versen haben erklären können, wenn er erkannt 
hätte , daß in zwei benachbarten Choriamben die beiden zusam- 
menstoßenden längen zu einer vierzeitigen zusammengezogen 
werden können, so daß also — uu — uu — mit vierzeitiger mitt- 
lerer länge zwei Choriamben vertritt. Vergl. z. b. Aesch. Prom. 
128 sqq. = 144 sqq. (Luthmer p. 84) (xrfih cpnßqöf^' • qulia | 
yug u8e rü^ig nrtovymv | Ooait; äfiiXlaig ngoaf'ßa | tcv8e ndyov, 
fiavQCpag | ftnyig naoeinotaa (pgeretc . | aoainvoqögoi de [a* sTrsinfjav 

CtVQttl ' X?).. u — , — uu — I u — u — , — uu — u — u — , 

1 > i I 

uu- — — uv , u' — ; u u , uu— uui — luu — , u 1 — 

der griechischen rhythmik durch Pickel's argunientation (Dissertationes 
Argentoratenses III). die referent nicht als gelungen betrachtet, nicht 
alR erwiesen gelten kann. 



12 4. Epigraphik. Nr. 1. 

Schluß von Aesch. Sept. 720—726 = 727 — 733 (p. 85) Oiöi- 
noba. jjlaipicfQon)*; ■ J nttiÖoXtJOby d Fj>.iv uf Ötqvvh ' | — uu — , 
— uu — J — uui — i uu — , u> — — | Schluß von Soph. Electr. 1058 
— 1069 = 1070—1081 (p. 85) w iBntin pQoruiat qn- | /<u, xu- 
ta (aoi fiouöop olx- | rtjdv onu ioi<j ht^O" 1 ArytC- j öu/s", u%<>(jtvia 
CftQOVO Ottt'dt] j uu — , u — u — j — uu — , u — u — j — uu — , 

u — u — | — uui — i uu — , ui — — | Eurip. Troad. 565 — 567 vta- 
tiäv atsspatov fqief/et \ 'EiXudi xovyoryöq cp | (Ityvyüji 8? nuigidi 

71 81 i''Os' ' I u u — , u uu u uu — uu I — I uu j u O uu, u i — — 

Eurip. Heracl. 353 — 357= 362 — 368 et ob psy' «t^et*, £i6(joi | 
Gov ttXsov ov (tF.Xovtaij | co %tiv' 1 dgyodtv ik- I 0a>v' puyaht-yo- 
Qiai-\oiv de y } £f*.ttü q^tia*; ov qwptjati*'. j — uu — , — uu — j — uu — , 

t» i — • — | /\ i — , — uu j — uu i — i uu | uu i — i uu , u i — . 

Friedrich Haussen. 



4. Corpus Inscriptionum Latinarum, consilio et auctoritate 
Academiae litterarum regiae Borussicae editum. Volumen nonum : 
Inscriptiones Calabriae Apuliae Samnii Sabinorum Piceni latinae. 
Voluminis decimi. Pars prior : Inscriptiones Bruttiorum Luca- 
niae Carnpaniae comprehendens. Pars posterior : Inscriptiones 
Siciliae et Sardiniae comprehendens , . . . . edidit Theodorus 
Mommsen. Berolini, Georg Reimer 1883. fol. 124u.90mk. 
— [Vrgl. PhAnzeig. XI, 8, p. 433. — E. v. L.J 

Die bände IX und X, 1, 2 des CIL enthalten Unter- und 
Mittelitalien mit den zugehörigen inseln, band IX den osten, die 
augusteischen regionen II (Calabria et Apulia), IV (Samnium, Sa- 
bini, Sabelli), V (Picenum), band X den westen, 1 die regionen 
III (Bruttii, Lucania) und I (Campania, Latium adiectum) 2 Si- 
cilien, Sardinien, Corsica. Da Oberitalien, nämlich die regionen 
IX, X, XI in band V, die stadtrömischen inschriften in dem 
leider noch unvollständigen bände VI, die Pompejanischen wand- 
inschriften in band IV veröffentlicht sind, fehlen von Italien noch 
die für band XI aufgesparten regionen Mittelitaliens: VIII 
(Gallia cispadana) VII (Etruria) VI (Umbria) und ein theil von 
I (Latium antiquum), wofür band XIV in aussieht genommen ist. 

Das neue werk kann gewissermaßen als eine zweite aufläge 
der 1852 erschienenen Inscriptiones Regni Neapolitani (IRN) be- 
trachtet werden. Doch sind nicht nur die großen inseln (X, 2) 
neu hinzugekommen, sondern auch die nicht zum früheren kö- 



Nr. 1. 4. Epigraphik. 13 

nigreiche Neapel gehörigen nördlichen theile der regionen I, IV, V, 
nämlich die landstriche zwischen einer südlichen, von Terracina 
am tyrrhenischen meere über Fabrataria, Fregellae, Sora, Antinum, 
Carsioli, Reate, Falacrinae nach Castrum Truentinum am adriati- 
schen meere und einer nördlichen, von der mündung des Aesisflusses 
ins adriatische meer über Cupra montana, Septempeda, Cameri- 
num, Spoletium , fluß Nar, Ocriculum, Cures, Carsioli, Antinum, 
Praeneste, Velitrae, Ardea ans tyrrhenische meer laufenden linie. 

Dieser äußeren erweiterung des gebiets entspricht eine an- 
dere erweiterung des materials. Zunächst der urkundlichen grund- 
lage des werks : 

Auch für die gebiete der IRN hat sich Mommsen, was die 
noch erhaltenen inschriften angeht , nicht mit den abschriften 
begnügt, die er selbst in den jähren 1845, 1846 an ort und 
stelle für die IRN gemacht hatte. Mit ausnähme von Corsica 
(8 numm. X, 8034—8040, 8329) ist das ganze gebiet entweder 
von Mommsen selbst oder von seinen schillern auf inschriften 
hin abgesucht worden, von Mommsen selbst: Neapel, das übrige 
Campanien , Latium adiectum , Bruttii , Sicilien , Sardinien , Lu- 
ceria und Venusia in Apulien, von Heinrich Nissen : Campanien 
und Sardinien, von Friedrich v. Duhn : Campanien, von Hein- 
rich Stevenson : Sabinerland , von Johann Schmidt : Sardinien, 
von Georg Kaibel: Lucanien , Calabrien, Apulien, von Heinrich 
Brunn (für die Ritschl'schen tafeln des CIL, I) Unteritalien, von 
Heinrich Dressel : Hirpinerland , Abruzzen, Samnium, Picenum. 
Außerdem sind gelegentliche vergleichungen deutscher gelehrten 
und einheimischer lokalforscher dem werke zugute gekommen. 

Ebenso trefflich wie die urkundliche grundlage ist das hand- 
schriftliche und gedruckte material für die untergegangenen in- 
schriften zusammengebracht. Die vergleichung des Index aucto- 
rum ad vol. IX et X adhibitorum (IX, p. XXV — LXIX = X, 
p. XXV — LXIX) mit den Auetores praeeipue adhibiti der IRN 
lehrt, daß neben 431 diesen beiden katalogen gemeinsamen ti- 
teln das Verzeichnis des CIL 1027 neue aufweist, darunter 743 
von Schriftwerken , die schon vor dem erscheinen der IRN vor- 
handen waren (bei Franc, de Siano, Ischia wird kein jähr an- 
gegeben). Sechs quellenwerke, denen aber Mommsen nach seiner 
angäbe schon in den IRN wenig verdankte, sind sowohl im au- 
torenverzeichuisse als im texte des CIL übergangen. 



14 4. Epigraphik. Nr. 1. 

Mit der äußeren Vermehrung der schriftlichen quellen hat 
aber auch die innere durchdringung derselben gleichen schritt 
gehalten. Fast jedes ältere Schriftwerk, dem Mommsen inschrif- 
ten verdankt, ist in dem index nicht nur seinem titel nach an- 
geführt, sondern auch auf seinen werth, also vor allem auf seine 
quellen hin geprüft. Ueberhaupt ist allerorts das bestreben 
klar stets und überall auf die besten quellen zurückzugehen. 
Daher rührt es , daß Mommsen in der neuen bearbeitung viel- 
fach die Originalhandschriften von Schriftwerken benutzt, die er 
in den IRN nur im druck oder durch abschriften späterer kennt, 
z. b. den Cyriacus , Donius , Gudius , Smetius. Der besseren 
kenntnis gemäß sind die über quellenwerke der IRN handelnden 
artikel des index in CIL IX, X vielfach gründlich umgestaltet, 
vgl. z. b. : Aegyptius, Boissardus, Cyriacus, Holstenius, Iucundus, 
Ligorius, Manutius, Mazochi, Panvinius, Pighius, Pontanus u.s.w). 
Ueberall ist soweit möglich die filiation der handschriften und 
das Verhältnis zu den benutzten quellen auf's genaueste ange- 
geben (vgl. z. b. : anonymus Corvisierianus fünf handschriften, 
Augustinus Tyfernus sieben quellen , Donius Originalhandschrift, 
abschrift des Gori, Gudius sechs quellen, Iucundus drei quellen, 
Ligorius 10 handschriften fünf quellen, Lilius drei quellen, Me- 
tellus zwölf quellen, Panviuius fünf quellen, Pighius zehn hand- 
schriften, drei quellen, Sabinus fünf handschriften , Smetius zwei 
handschriften , sechs quellen, Waelscapple neun quellen). 

Fragen wir, welchen nutzen dieser ins großartige vermehrte 
kritische apparat für das neue werk gegenüber dem alten ge- 
habt habe , so genügt es , was den äußeren umfang anbetrifft, 
nicht die zahlen der IßN (7294 echte, 1003 verdächtige in- 
schriften) von denen des CIL IX (6419 e., 767 v.) und CIL X 
8422 e., 1509 v.) zusammen 14841 e., 2276 v. abzuziehen. Denn 
die differenz (7547 e. 1273 v.) ist zu vermindern um die in- 
schriften der in den IRN nicht vorhandenen inseln Sicilien, Sardi- 
nien und Corsica (1088 e. 445 v.) und der nördlichen gebiete 
(1854 e.). Aber auch die um 1088 -f- 1854 = 2942 verrin- 
gerte absolute differenz 7547 (rest 4605) bietet nicht die genaue 
zahl der aus dem früheren königreiche Neapel neu hinzugekom- 
menen inschriften. Denn zunächst sind 15 inschriften des CIL IX 
auch in band X enthalten (CIL IX, 6056—6070 = CIL X, 
6961 — 6975). Dann sind (außer 17 nicht ins CIL IX, X gehö- 



Nr. 1. 4. Epigraphik. 15 

rigen stadtrömischen Inschriften bei Fiorelli) 109 falsche inschriften 
der 1EN im CIL als echt erkannt worden , wohingegen 129 
echte der IRN im CIL unter die falschen oder fremdartigen 
verwiesen sind. Weiter sind viele einzelnummern der IEN im 
CIL auf mehrere nummern vertheilt, vieles was in den IKN nur 
in der adn(otatio) oder den add(endis) oder unter a b c u. s. w. 
oder unter 1, 2, 3 ff. einer nummer oder nur auf p(agina) der IRN 
aufgeführt ist, hat im CIL eine eigene nummer erhalten. Dem- 
gegenüber sind aber auch einige inschriften , die in den IRN 
eine besondere zahl haben, im CIL mit anderen in eine einzige 
nummer zusammengezogen oder unter 1, 2, 3 ff. einer zahl oder 
auf p(agina) des CIL aufgeführt. Den bedeutendsten unter- 
schied aber macht es, daß von den inscriptiones originis incertae 
und originis externae der IRN p. 365 — 380 n. 6311 — 6745, p. 
381 — 407 n. 6746 — 7197 die größte zahl als fremdartig nicht 
ins CIL aufgenommen worden ist, und daß auch in den früheren 
partieen der IRN einzelne inschriften als nicht mittel- oder un- 
teritalisch erkannt worden sind. Hauptsächlich hieran liegt es, 
daß (nach der vergleichung der nummern der IRN mit denen 
des CIL in band IX, p. 812—835 = X, p. 1191 — 1214;, die 
vorbin gefundenen 4605 neuen inschriften des früheren könig- 
reichs Neapel noch um weitere 287 zu vermehren sind. Unter 
14841 — (1088 -f 1854j= 11899 inschriften aus dem früheren 
köuigreiche Neapel sind also 4605 -|- 287 = 4892 seit dem 
jähre 1852 neu hinzugekommen, die ganze Sammlung des CIL IX, 
Xist gegenüber der IRN um (14841—7294=) 7547-4-287 = 
4892 -j- 2942 = 7834 gewachsen, also um mehr als die halfte. 
Wie sich die 4892 inschriften auf die einzelnen gebiete 
vertheilen, habe ich nur für die zweite region (IX, p. 1 ff., add. 
p. 651, add. auct. p. 693) untersucht. Es ergiebt sich, daß sich 
für Calabrien unter 258 -j- 81 -j- 18 = 357 inschriften 99 -j- 79 
-f 18 = 196 neue, für Apulien unter 709 -f 83 -f 4 = 796 
inschriften 172 -f- 82 -j- 4 = 258 neue, für das gebiet der Hir- 
piner unter 1226 -f- 40 -4- 1 = 1267 inschriften 397 + 39 + 
1 = 437 neue, im ganzen unter 2420 inschriften 891 neue 
finden. Welche Schlüsse für das leben der landschaften in römi- 
scher zeit und für die geschichte der epigraphischen Studien aus 
diesen zahlen und überhaupt aus der vertheilung der inschriften 
auf die einzelnen gebiete zu ziehen sind , wird eine eindringen- 



16 



4. Epigraphik. 



Nr. 1. 



dere Untersuchung wohl ergeben. Des raumes wegen muß ich 
leider darauf verzichten, das hier näher auszuführen. 

Von den neuen inschriften beruhen die meisten auf neuer ver- 
gleichung der steine. Aber für eine nicht unbeträchtliche anzahl 
ist das original selbst verloren und nur noch eine schriftliche 
grundlage vorhanden, die vor 1852 vorhanden, aber dem editor 
der IRN noch nicht bekannt war. 

In den regionen Hund IV (IX, p. 1 ff., p. 651 ff., p. 693 ff.) 
beruhen 

auf autopsie 



auf handschriftlicher 
grundlage 

18 + 25 + 7 = 50 

43 + 78 + 4 =125 

127+ 13 + 1')= 141 

326+ 1 + 3 ) = 327 



514+ 117 + 12 = 643 



in Calabrien 81 + 54 +11 = 146 

Apulien 129 + 4 + = 133 

Hirpinerland 270 + 26 + = 296 

Samnium 621+ 1*)+ 0=622 

soweit in 

den IRN 
vorhanden, 
zusammen 1 101 + 85 + 11 = 1197 ; 

Aber mehr noch als durch die Vermehrung des äußeren 
umfangs hat die Vergrößerung des urkundlichen materials dem 
neuen werke inhaltlich genützt. Man erkennt dies am besten 
bei einer betrachtung der inschriften, die in der einen Sammlung 
als verdächtig , in der anderen aber als echt erklärt werden. 
Um zunächst die 109 inschriften zu besprechen, welche aus den 
falschen der IRN unter die echten des CIL versetzt sind , so 
sind hiervon 50 stück in letzter zeit neu aufgefunden, während 
sie dem herausgeber der IRN nur aus unzuverlässigen abschriften 
bekannt waren. 42 weitere inschriften sind als glaubwürdig 
aufgeführt, weil zu den verdächtigen Zeugnissen der IRN andere 
werthvollere hinzugekommen sind. So beruhen auf Garucci und 
auf Mazochi je fünf inschriften, auf Accursius vier, auf Marciano 
und auf Victorius je drei, auf Bongianelli, Michael et Franciscus 
Monachus , Procaccelli , Rainoni und Verusius je zwei , auf An- 
gelelli, Angelus Antonius della Porta Guglionisensis (IX, 2828), 
Augustinus, Boccardus , Bongianelli, Corradinus, Cyriacus, Filo- 
nardianus lib., Flammia, Galletius, Giuliani, Gualterus , Iannelli, 
Infantino , Iucundus , Masciola, Naudaeus, Panvinius , Stoschius, 
1) 6407. 2) 6352. 3) 6354. 



Nr. 1. 4. Epigraphik. 17 

Vallambertus , Vitale Arianensis , Vulpius je eine. Es ergiebt 
sich schon aus dieser Zusammenstellung, daß von den 42 in- 
schriften einige (nämlich acht) auf mehreren der angeführten 
gewährsmänner beruhen. Nur einem veränderten urtheile über 
die schon in den IRN bekannte beglaubigung (z. b. über Lu- 
poli IX, 1238, 1259, 1272, X, 3849) verdanken ihre aufnähme 
unter die echten inschriften des CIL 17 nummern. 

Was nun die 129 inschriften angeht, welche in den IRN 
unter den echten, dagegen im CIL unter den fremden oder ver- 
dächtigen aufgeführt sind, so sind von diesen 86 als stadtrö- 
misch, 13 als sonst fremdartig, 23 als gefälscht, 7 als nicht 
antik erkannt worden. Diese bessere erkenntniß beruht nun 
zum geringsten tbeile auf inneren gründen (inschriften der stadt- 
römischen columbarien , vgl. die vorrede zu den inschriften von 
Puteoli. Hercules sanctissimus , Hercules servator IX, 250*, 
151* 215*. die sonstigen erhaltenen gefälschten und nicht anti- 
ken steine), zum weitaus größten auf äußeren Zeugnissen. Ent- 
weder sind die fremdartigen steine anderswo erbalten oder ihr 
fremder Ursprung ist direkt in den neubenutzten quellenwerken 
bezeugt , wie für die stadtrömischen : schon von Accursius , Cy- 
riacus, Gori, Manutius, Marius Sanutus, Passioneius, für die son- 
stigen fremdartigen von Accursius , Gudius , Iucundus, Muratori. 
Die gefälschten inschriften hat man meist daran als fälschungen 
erkannt, weil ihre gewährsmänner als falscher bekannt sind wie 
Bellabona, Consiglio, Corta, Claud. Franc. Grata, Grossi, Ligori, Vita, 
oder weil man ihrer lesung in einem bestimmten falle aus gewichti- 
gen gründen den glauben versagen muß wie z. b. Garucci und 
de Ulris X, 630*, 631* = IRN 4734, 4733. Daß IX, 214* = 
IRN 1538 nicht antik ist beruht auf dem Zeugnisse des Verrusius. 

Erkennt man schon an der behandlung der verdächtigen 
inschriften den wohlthätigen einfluß der verbesserten urkund- 
lichen grundlage , so liegt es nah zu fragen , wie diese verbes- 
serte grundlage den in beiden Sammlungen als echt aufge- 
führten inschriften zugutegekommen ist. Ich wähle hier das 
gebiet, welches Mommsen für die IRN nicht bereist hat: region 
III. Lukanien und Bruttium, X, p. 1 ff. Von den 507 in- 
schriften dieser region habe ich die nummern 1 — 258 hierauf 
untersucht. Es ergiebt sich, daß unter den 165 inschriften welche 
dem CIL X, 1 — 258 mit dem IRN gemeinsam sind, 68 geändert 
Philol. Anz. XV. 2 



18 4. Epigraphik. Nr. 1. 

sind mit 151 Veränderungen. Hierbei ist die bloße Verände- 
rung in der zeilenabtheilung und überhaupt die veränderte an- 
ordnung einer inschrift nicht einmal gerechnet. Manche inschriften 
sind in der neuen gestalt kaum als identisch mit denen der IRN 
wiederzuerkennen z. b. X, 22 = IRN 11; 54 = 29; 56 = 32; 
90 = 56; 92 = 59; 101 = 67; 141 = 381; 173 = 421. 

Was die anordnung des Stoffes angeht, so ist die in den 
IRN befolgte diokletianische kreiseintheilung Italiens durch die 
augusteische regioneintheilung ersetzt. Hieraus erklärt sich, daß 
die grenze zwischen Lucania (reg. III) und Campania (reg. I) 
(und in folge dessen auch die zwischen Lucania und Bruttii) im 
CIL X, tab. II südlicher läuft als in den IRN (tab.). Denn 
das gebiet von Salernum gehörte nach der regioneneintheilung 
zu Campanien, nach der kreiseintheilung aber zu Lukanien. Des- 
gleichen erklärt es sich , warum Campanien in den IRN weiter 
östlich ausgedehnt ist als im CIL. Die Hirpini gehören näm- 
lich unter August zu Calabrien-Apulien (reg. II), unter Diokle- 
tian zu Campanien. Ebenso gehörte Metapontum in der früheren 
kaiserzeit zu Lukanien , in der späteren zu Calabrien. Die au- 
gusteische region IV heißt in den IRN Samnium nnd Valeria. 
Hiergegen erklärt sich nicht aus der Verschiedenheit der regionen- 
und der kreiseintheilung, sondern aus einer genaueren erforschung 
der grenzgebiete , daß Campanien gegen Venafrum hin im 
CIL X weiter östlich ausgedehnt ist als in den IRN, daß die 
grenze zwischen Apulien, Samnium und zwischen Samnium und 
Picenum im CIL nördlicher läuft als in den IRN. 

Die begründung dieser von der früheren abweichenden ein- 
theilung hat Mommsen in den den einzelnen regionen vorauf- 
geschickten geographischen einleitungen gegeben , unter denen 
besonders werthvoll ist die über Campanien und Latium (anti- 
guissirnum, antiquurn, adiectum) X, p. 498 f. und die über Sicilien 
X, 713 — 716. Innerhalb der so festgestellten regionen ist für 
die einzelnen orte soweit möglich die aufeinanderfolge der IRN 
beibehalten. Gründlich umgestaltet sind aber hier die einlei- 
tungen. Diese geben aufschluß über die geschichte des orts in 
römischer zeit und über die geschichte der denkmäler. Für das 
eine sind die denkmäler schon benutzt , das andere stellt sich 
dar als eine kritische besprechung der eingangs zusammenge- 
stellten anderthalbtausend auctores. 



Nr. 1. 4. Epigraphik. 19 

Wie in den IEN so sind auch im CIL von den so geordneten 
eigentlichen öffentlichen inschriften getrennt: 1) die meilensteine 
(reg. IL IV. V, bd. IX, p. 580—603: reg. I. III: bd. X, p. 
683 — 715. inseln: X, p. 830 ff.) 2) das mit inschriften versehene 
hausgeräth (bd. IX, p. 604—650, bd. X, p. 841—958). 

Der meilensteine wegen hat Mommsen den geographischen 
einleitungen zu den regionen eine aus allen handschriftlichen 
quellen gezogene Übersicht der heerstraßen der betreffenden re- 
gion beigegeben. Den meilensteinen selbst schickt Mommsen 
den Itineraren folgend gleichsam als capitelüberschriften die ent- 
fernungen der einzelnen orte voraus und ordnet die erhaltenen 
meilensteine diesen entfernungeu ein. Es zeigt sich hierbei, daß 
die fundstätte (vielfach ist leider nur der jetzige aufbewahrungs- 
ort bekannt; meist nicht genau zu den von Mommsen angege- 
benen entf'ernungen stimmt (vgl. s. angäbe IX, p. 580 ff. mit 
der Übersicht p. 203 f.). Hierbei ist zu beachten, daß Mommsen 
aus den vielfach widersprechenden zahlen des itinerarium Anto- 
nini Aug. und der tabula Peutingeriana frei eine entfernungsta- 
belle der einzelnen orte konstruirt hat. Es ist hier ein gün- 
stiges feld für lokalforschung, insofern es fraglich erscheint , ob 
Mommsen sich in seiner entfernungsangabe geirrt hat oder ob 
wirklich die fundstätten oder steine nicht die ursprünglichen 
Standorte sind. Um nur einiges zu erwähnen , so erhebt sich 
gleich bei dem ersten meilensteine IX, 5936 (vom jähre 80 n. Chr.) 
die frage, ob das von Eom aus zurechnende C . XLII des steines 
mit Mommsen (a. a. o.) zu beziehen sei auf die straße Ab urbe 
Eostrata villa 24, Utriculi civitas21, Narnia civitas 12, Interam- 
nia civitas 8 (Mommsen ohne quellenangabe 9), Spolitio civitas 
18, Foro Flamini vicus 18 (it. Ant. 124, 8 — 125, 4), civitas 
Noceria 12 (it. Hieros. p. 614, 1,2), Dubios 8, Prolaque 8, Se- 
ptempeda 15 (it. Ant. p. 312, 1 — 3), also Eom Septempeda 144 
(Mommsen: 145), oder (via Flaminia) Ab Urbe Utriculi 47, Nar- 
niae 12, Ad Martis 16, Mevaniae 16, Nuceriae 18 und weiter 
(it. Ant. p. 311, 1—312, 3) = 140. Im ersten falle gehört 
IX, 5936 vor, im anderen hinter Septempeda. 

So können an der via Salaria (IX, p. 582 — 584) die steine 
5948, Nerva, LXVI, 5949, [LJXVII nicht genau zu Interocrium 
gestanden haben, da die entfernung Eom Interocrium nach Momm- 
sen 64 m. p. beträgt, desgleichen 5951, 5952, Magne(n)tius, Va- 

2* 



20 4. Epigraphik. Nr. 1. 

lentinian, CXIII nicht genau zu Arli (nach Mommsen von Rom 
110 oder 109), 5954, August, CXXIII, nicht tertio sondern 
quarto lapide ab Asculo (von Rom 119 römische meilen), 5946, 
Valentinian XXXXII nicht genau zu Reate (nach der tab. Peut. 
der Mommsen folgt 49, nachdem it. Ant. 48 m. p.), sondern zwi- 
schen Reate und Vicus Novus. Dagegen stimmen zahl und 
fundort genau überein bei 5943, August, 5944, Iulian , XXXI 
Ponticelli, 5950, August, XCVIIII Trisunci. 

Auf der via Venafro per Aeserniam Beneventum IX, p. 
589 f. hat 5979, • CX Villi* nicht, in vico Carpinone, qui ab Ae- 
sernia abest VI m. p. Bovianum versus' gestanden, weil sonst Ve- 
nafrum mit Centesimum zusammenfallen müßte (a Venafro ad 
Rotas m. p. 6 ab urbe 110?, a Rotis Aeserniam m. p. 7, Ae- 
sernia Bovianum 18). Sodann ist entweder die Mommsensche 
berechnung (Rotae Rom 110 v.M.) nicht ganz richtig oder 5977. 
CX hat zu Rotae gestanden , nicht weiter nordöstlich zu Mon- 
teroduni. Wenn 5996, Claudius II, XXI wie die meilensteine 
der via Appia Capua Beneventum 5981, 5986, 5987, 5991 von 
Capua aus zählt, wie Mommsen annimmt (p. 580 einleitung), muß 
der stein nicht zu Benevent, sondern zu Capua gestanden haben. 
Desgleichen haben 6003, 6004, V, VI und 6072 VIII, Hadrian, 
nicht zu Benevent, sondern zwischen Benevent und Forum no- 
vum und zwischen Benevent und Aeclanum gestanden. Was 
hier für die straßen des bandes IX gezeigt ist, könnte ich auch 
für band X (besonders die via Appia) nachweisen. Auch hier 
ist viel verschleppt, was ich aber der kürze halber nicht an- 
führen will, um so mehr, als ich ja , der gegend unkundig , die 
zahllosen Schwierigkeiten nicht zu lösen vermag. Es muß wie 
gesagt der lokalforschung überlassen bleiben die entstehung und 
Veränderung der straßenzü'ge genau zu verfolgen und mit den 
forschungen an ort und stelle eine vergleichung der meilensteine 
und itinerarien zu verbinden. Ansprechend hat Mommsen eine 
Veränderung der via Salaria vermuthet bei IX, 5953 (vom jähre 
der stadt 637) CXIX. Denn dieser alte meilenstein ist nicht 
zu Asculum (von Rom 119 v. M.), sondern weiter östlich ge- 
funden. In solchen vermuthungen ist übrigens Mommsen mit 
recht sehr vorsichtig (vgl. noch eine muthmaßliche änderung der 
via Appia zwischen Benevent und Aquilonia). Seine kurzen ein- 
leitungen zu den straßenzügen erweitern sich selten zu eigenen 



Nr. 1. 4. Epigraphik. 21 

Untersuchungen, wie bei der via Traiana Benevento Brundisium 
(IX, p. 592), der via Herculia Ab Aequo Tutico in Lucaniam 
IX, p. 599 = X, p. 709 — 711 , der via Appia Benevento per 
Tarentum Brundisium p. 602, der via Appia Roma Capuam (X, 
p. 683) der via Labiana port receptam Latinam (X, p. 695). 

Das auf die meilensteine folgende mit inscbriften versehene 
hausgeräth umfaßt : ziegel, Weinfässer, schusseln, amphoren, lam- 
pen, vasen , gefäße , handmühlen , siegel, Stempel, gemmen, ge- 
schnittene steine, Siegelringe, gläser, schleuderbleie, steinfiguren, 
tischfüße , maße und gewichte, knochen- und elfenbeintäfelchen, 
gold-, silber- und erzsachen, bleimassen und sonstiges bleigeräth. 

Diese ganze große masse der eigentlichen inschriften, der mei- 
lensteine, des hausgeräths hat Mommsen nicht nur nach der besten 
urkundlichen grundlage abgedruckt, er hat, wie auch schon in den 
IBN und wie überhaupt im CIL in der annotatio critica auch die 
sämmtlichen wichtigen handschriftlichen und gedruckten abschriften 
angegeben, und zwar so, daß die ableitung derselben aus ihren quel- 
len bis hinauf zum originale oder, wo dieses verloren ist, bis zur 
ersten bekannten abschrift, schon beim ersten überblick in die 
äugen springt. Er hat also hier für jede einzelne der 14841 e. 
-J- 2276 v. = 17117 inschriften das wiederholt, was er in dem 
Index auctorum für die handschriftlichen quellen geleistet hat : 
die zurückführung jeder sonstwo gedruckten inschrift auf ihre 
quelle. Daß in dieser anspruchslosen nebeneinanderstellung von 
titeln und zahlen nicht nur die hauptarbeit, sondern auch der 
hauptwerth des CIL steckt, ist nach dem gesagten von selbst 
klar. Was Mommsen in der vorrede als hoffnung ausspricht ist 
in erfüllung gegangen, jede ältere inschriftensammlung über den 
bereich des CIL IX, X ist jetzt veraltet, jede inschrift älterer 
Publikationen läßt sich mit geringer mühe im CIL wiederfinden. 
Bei den IHN und dem Catalogus musei publici Neapolitani ed. 
Fiorelli ist dies durch die nebeneinanderstellung der fortlaufen- 
den nummern der IRN und des catalogus mit denen des CIL 
gar leicht gemacht. 

Die ganze fülle von arbeit, die wir in dem vorstehend aus- 
geführten aufgezeigt haben, wäre für die Wissenschaft verloren, 
wenn nicht reichhaltige inhaltsübersichten den verarbeiteten stoff 
dem benutzer in bequemer form darböten. Nicht der unwichtigste 
theil des werkes sind daher die indices. Dieselben sind genau 



22 4. Epigraphik. Nr. 1. 

so eingerichtet wie die der IRN und wie die des CIL überhaupt. 
Ich brauche hierauf nicht näher einzugehen , da Albert Müller 
in diesem anzeiger XI, (1881), p. 443 gelegentlich seiner be- 
sprechung der acht ersten bände des CIL auch hiervon genü- 
gend gehandelt hat. 

Erwähnen muß ich jedoch, daß im band X die nomina und 
cognomina virorum et mulierum von Pompeji nach den anderen 
namen gesondert aufgeführt werden. Diesen theil der indices 
hat wohl wie alles pompejanische Carl Zangemeister der heraus- 
geber des bandes IV des CIL bearbeitet. 

Sind nun diese indices (IX, p. 701—812, X, p. 1023 — 
1190) vollständig? Ich habe diese frage in der weise zu lösen 
versucht, daß ich die jedesmal 51. inschrift nach jeder richtung 
hin in den indices aufsuchte. Begonnen habe ich dabei in 
band IX mit n. 1 in band X mit n. 9. Es hat sich dabei das er- 
freuliche resultat ergeben , daß die indices sehr sorgfältig ange- 
legt sind , so daß man unbesorgt Vollständigkeit derselben an- 
nehmen darf. Vermißt habe ich IX, 1580 Fl. Lupus, v. c. 
(pro?)cons. Camp(aniae?) (unter cos. und unter procos, Campan.), 
1631 Diomed(es) (cognom.), 1733 leiber (grammat. ei et i p. 
801, 2 steht wohl das leiberta derselben inschrift) 1937 . . . ania 
(nom. cogn.), 2141 c[eterisque] o[mnibus] d[is] i[mmortalibus] (litt, 
singul.), 3527 Noni . . . (nom. cogn.), 4350 conservae Lanipendae 
(cognomen, servi) , bei den vielen gleichlautenden meilensteinen 
Trajans heißt es ungenau 6003 cum similibus, ohne daß die zahlen 
angeführt sind. 

X ( — 2622) Sex. Statius Modestus (nom. in den IEN vorhan- 
den) 672 dies X kal. Maias post consecrationem Fl. Gratiani Au- 
gusti (imper.) 1132 . . . clio. L. f. (r)ufo (nom. cogn.), 1540 No- 
lanus (provinc: Nola), 1897, a) Ti. Caesaris, b) imp. Tiberius. Caesa. 
Aug. Ger. (imp. : Tiber Claudius), 2392 . . . aristo ... bis (cognom.). 

Ungern vermißt habe ich das folgende, was in die vorhan- 
denen kategorien schwer unterzubringen war: IX, 1 pleromariis, 
X, 60 ornamentis censor. | honorato. 1285 precario aqua recipitur. 
Bei der anfertigung des generalregisters zum CIL wird zu über- 
legen sein, ob die vorhandenen kategorien nicht noch zu ver- 
mehren sind. Vielleicht dürfte eine Zusammenstellung der sämmt- 
lichen altersangaben auf den zahllosen grabinschriften nicht ohne 
interesse sein. 



Nr. 1. 4. Epigraphik. 23 

Hinter den indices sind aufgeführt: 18) IX, p. 812 — 835 = 
X, p. 1191 — 1214. Zusammenstellung der fortlaufenden num- 
mern der IRN mit denen des CIL IX, X. 19) X, p. 1214— 
1218. Zusammenstellung der fortlaufenden nummern des Cata- 
logus musei Neapolitani ed. Fiorelli mit CIL X. 20) X, p. 
1219 — 1229. 19) IX, p. 836—847. Verzeichnis der heutigen 
Ortschaften von H. Kiepert verfaßt. 

Beigegeben sind den bänden karten 1) ad CIL X, p. 461 
n. 4719 (photographische wiedergäbe der inschrift), 2) geogra- 
phische karten von H. Kiepert entworfen. I : viae publicae Ita- 
liae (band IX und X gemeinsam). Bd. IX. II : Italiae regio II, 
III: regio IV, IV: regio V. Band X. II: Italiae regio II, III: 
regio I. IV: Sicilia, V: Sardinia. Ueber diese geographischen 
karten etwas zu sagen , ist unnöthig , da die vortrefflichkeit der 
Kiepertschen karten allgemein anerkannt ist. Doch will ich er- 
wähnen , daß mich die karten bei meinen Untersuchungen nicht 
unwesentlich unterstützt und in geographischen dingen nie im 
stiche gelassen haben. 

Ein störendes versehen ist X, index 3, Imperatores : die Ver- 
wechselung von n. 3682 (= IRN 2257) mit einer gott weiß 
woher genommenen n. 8475 , die in band X gar nicht existirt, 
da die letzte n. 8422 ist. Für 8475 (unter August, Tiber, 
Drusus söhn des Tiber) muß es überall 3682 heißen. 8475, 14 
[primum vicit] Apr. 14?, 15 [primum imperator app]ellatus est, 
11 Caesar Augustus, 17 (Germanici) [natalis] Mai 24 vermag ich 
im CIL X nicht nachzuweisen. CIL X, 3682 hat weniger als 
1 1 zeilen. 

Störende druckfehler sind folgende. Lies : Ind. auct. (IX, 
X), p. XXVII Androtius de Monticulo: Bd. IX, p. 527 [nicht 
547.] Fort. Ciucci. v. Nursina IX (nicht X) p. 427. Petrus Pon- 
tanelli: v. Ulubrana [X fehlt] p. 642. Dom. Raccamodoro: v. Fir- 
mana IX, p. 509 [nicht 507], IX, p. 7* n. 150* [= 1058] 
[nicht = 1058*]. 151* [= 1059] [nicht 1059*]. p. 821, n. 
3497 = X, 1542 [nicht 1542*]. 3502 = X, 1524 [nicht 1524*] 
die beiden inschriften sind auch in der vergleichung der IRN 
mit CIL (ind. 18) falsch angegeben. P. 822, n. 3833 = 522* 
[nicht 521*]. p. 827, n. 5855 = IX, 407 *6 [nicht 5]. p. 832, 
n. 6656 = 678 [nicht 678*]. X, p. 1 Sikro für Silero. Vor- 
aufgeschickt ist den beiden bänden (IX, X, p. V- XVI) der wid- 



24 5. Homeros. Nr. 1. 

mungsbrief der IEN an Borghesi und (p. XVII— XVIII) eine 
vorrede zu IX, X. August Chambalu. 

5. Arthur Lud wich, Aristarchs homerische textkritik 
nach den fragmenten des Didymos dargestellt und beurtheilt. 
Erster theil. Leipzig, Teubner, 1884. gr. 8. 635 p. 12 mk. 

Von den werken der viermänner, die den scholien des Ve- 
netus A zu gründe liegen , harrte nach den vortrefflichen aus- 
gaben des Herodian durch Lehrs und des Aristonikos und Ni- 
kanor durch Friedländer nur noch die schrift des Didymos über 
Aristarch's Homer-recension eines bearbeiters. Die fragment- 
sammlung bei M. Schmidt war durchaus ungenügend. Es war 
längst bekannt , daß Arthur Ludwich mit der Sammlung und 
bearbeitung der reste der Didymeischen schrift sich beschäftigte. 
Im jähre 1864 löste Ludwich in Königsberg eine Universitäts- 
preisfrage über Didymos und zwei Königsberger Universitäts- 
programme (1865. III. und 1868. I.) brachten proben seiner 
bearbeitung der fragmente (aus II. A). Seitdem hat Ludwich 
den gegenständ nie aus den äugen gelassen , sondern unausge- 
setzt daran gearbeitet und gebessert. Was wir also in dem vor- 
liegenden buche erhalten , ist das resultat zwanzigjähriger ein- 
gehender beschäftigung mit dem werke des Didymos und den 
Homerscholien , das buch ist eine reife frucht im wahren sinne 
des Wortes. Aber der gelehrte Verfasser bietet uns weit mehr 
als eine bloße fragmentsammlung : er will an der hand dieser 
fragmente eine darstellung und beurtheilung von Aristarch's 
Homerischer textkritik geben. Fürwahr ein unternehmen, wel- 
ches das interesse nicht nur der Homerforscher, sondern der 
gesammten philologischen weit erregen muß , allen denen aber, 
die mit dem Verfasser der meinung sind , daß die moderne Ho- 
merkritik auf abschüssige wege gerathen ist, die lebhafteste freude 
und genugthuung bereiten wird. „Die Homerkritik, heißt es im 
vorwort ganz richtig, ist bereits, entledigt aller fesseln der Über- 
lieferung, hier und da zu einem gaukelnden spiel ausschweifen- 
der phantasie ausgeartet." Und es thut wirklich noth , daß sie 
„aus ihren schwindelnden höhen auf den festen boden der Wirk- 
lichkeit zurückkehre, um einmal wieder die thatsachen der Über- 
lieferung in der nähe ins äuge zu fassen, festzustellen und nach 
ihrem werthe zu sichten." Daß zur lösung dieser zeitgemäßen 



Nr. 1. 5. Homeros. 25 

aufgäbe kein anderer so sehr befähigt ist als gerade Ludwich, 
bedarf keiner erörterung. 

Der vorliegende erste band enthält die fragmente der schrift 
des Didymos negi j^g ^Agiaxuo^itov SiOQ&wßewg. Für die frag- 
mente zur Ilias benutzte Ludwich in erster reihe selbstverständ- 
lich den Venetus A, den er selbst im jähre 1875 sorgfältig 
collationirt hat, in zweiter linie den Victorianus, den Venetus B, 
den Lipsiensis und Eustathios. Den Victorianus, welchen Bek- 
ker nur theilweise benutzte , hat Ludwich ebenfalls selbst ver- 
glichen. Den Townleianus konnte er nicht benutzen: dieser 
mangel ist jedoch gering anzuschlagen, da nach E. Maass' 
Versicherung (Hermes XIX 274) der Victorianus eine unverän- 
derte abschrift des Townleianus ist. Von Odyssee-handschriften 
hat Ludwich selbst die scholien des Marcianus 613 (M) und 
des Hamburgensis (T) vollständig verglichen. Was die einrich- 
tung der fragmentsammlung betrifft , so sind nicht nur solche 
scholien aufgenommen , die nach ihrem ganzen charakter und 
stil als Didymeisch gelten können, sondern auch andere angaben 
über lesarten , deren erwähnung im buche des Didymos nur 
vermuthet werden kann , so u. a. namentlich lesarten in den 
excerpten aus Aristonikos und Herodian. Notizen dieser art 
sind vorn mit einem stern * bezeichnet; mit demselben zeichen 
sind auch diejenigen scholien versehen, die wegen ihrerjetzigen 
form bedenken über ihren Ursprung aus Didymos oder über 
ihre glaubwürdigkeit erregen. Mit einem kreuz f bezeichnet 
der Verfasser solche notate, die er auch dem inhalte nach nicht 
für Didymeisch hält , die er aber doch nicht ganz ausschließen 
wollte. Daß von diesen zeichen in den fragmenten zur Odyssee 
verhältnismäßig viel häufiger gebrauch gemacht ist als in denen 
zur Ilias , ist bei der schlechten Überlieferung der Odyssee- 
scholien leicht begreiflich. Manchem wird die aufnähme vieler 
dieser unsicheren fragmente überflüssig erscheinen : der heraus- 
geber wollte indes lieber zu viel als zu wenig thun. 

Vorausgeht eine sehr werth volle einleitung, die in 53 pa- 
ragraphen ausführlich handelt über Aristarch's handschriftlichen 
apparat , seine ausgaben und Schriften und sein Verhältnis zur 
Vulgata, über entstehung , quellen und Schicksale des Didymei- 
schen buches , über das Verhältnis des Didymos zu Aristonikos, 
über den viermänner - commentar und dessen benutzung in den 



26 6. Pindaros. Nr. 1. 

scholien, über den Venetus A und die verschiedenen arten von 
scholien in demselben. In allem zeigt sich die eminente ge- 
lehrsamkeit und der große Scharfsinn des Verfassers. Auf grund 
eines durch bewunderungswürdigen fleiß zusammengebrachten 
reichen materials wird eine menge schwieriger und höchst ver- 
wickelter fragen entschieden und viele irrthümer und phanta- 
stische vermuthungen früherer forscher werden in glänzender 
weise berichtigt und widerlegt. Beispielsweise sei auf die aus- 
führungen über die anwendung des ausdrucks di%wq in den 
scholien (p. 31 ff.) und auf den abschnitt über die scholien mit 
ovtüuq (p. 141 ff.) verwiesen. Sehr angenehm berührt die vor- 
nehme ruhe in der behandlung von Streitfragen und der fast 
vollständige mangel an persönlicher polemik , durch den sich 
das buch auszeichnet. Den starken worten in anm. 163 wird 
jeder, der das betreffende buch genau kennt, nur bestimmen 
müssen. Wir begnügen uns vorläufig mit dieser kurzen anzeige, 
indem wir uns eine eingehendere Würdigung nach dem erschei- 
nen des zweiten bandes vorbehalten. Möge derselbe nicht zu 
lange auf sich warten lassen. 

6. S c h o 1 i a in Pindari epinicia ad librorum manuscriptorum 
fidem edidit Eugen i us Abel. Vol. II. Scholia vetera in Pin- 
dari Nemea et Isthmia continens. Berolini apud S. Calvary et 
socios. MDCCCLXXXIV. 524 pp. 8. (3 lieferungen ä 5 M.) 

Vorliegender band II bildet den anfang eines mit großem 
fleiß und Sorgfalt in angriff genommenen Werkes , dessen fort- 
setzung und Vollendung (band III: die scholia recentia zu allen 
epinikien , band I : die scholia vetera zu den olympischen und 
pythischen öden) bis ende 1885 bezw. 1887 in aussieht gestellt 
wird. Mit den scholien zu den nemeischen und isthmischen 
öden zu beginnen lag nahe, weil die wenigen davon existiren- 
den handschriften seit der editio Romana von 1515 so gut wie 
gar nicht benutzt waren ; denn die gelegentliche verwerthung 
des kurzen bruchstücks N. 1, 1 — 34 im Aug. E (= B bei 
Mommsen), welche vermuthlich von Mommsen an der von Abel 
p. 4 mit berichtigungen und Zusätzen angeführten stelle ge- 
meint ist, darf außer acht bleiben. 

Nach den Mommsenschen bezeichnungen , die der heraus- 
geber erfreulicher weise beibehält, benutzt er die handschriften 



Nr. 1. 6. Pindaros. 27 

B, B, D, T (letztere von A. Mau collationirt), U, V, Z; wobei 
er in D (für die Nemeen und Isthmien) nicht zwei , son- 
dern nur eine band anerkennt und die abhängigkeit der 
scbolien in U von T bestreitet. Außerdem fübrt er (nacb A. 
Mau's collation) eine bisher nicht bekannte handschrift als Z 
ein: „cod. Bibliothecae Angelica Romae C. 1. 1, signatus, saec. 
XVI [NB!], in quo insunt scholia veter a ad Olympia, Pythia et 
Nemeorum hypothesis" (nach p. 4 soll die Nemeorum hypothesis in 
der ed. Romana von 1515 ,,e codice Z libro simili u stammen). 
Seit Mommsen eine andere handschrift mit Z bezeichnet hat, 
ist die wähl derselben Signatur nicht zu billigen und muß be- 
sonders für 0. 2 — 7 Verwirrung stiften. Ferner ist zu erinnern, 
daß Abels Z sich für die Nemeorum hypothesis (also soweit die 
handschrift dem ref. bekannt ist) als abschrift aus T (Vat. C. 
121) herausstellt und neben T ebenso werthlos ist wie die von 
Abel bei seite gelassenen X, X, X, Y-, vgl. zu p. 8,7: Tjyov 
in T oblitteratum , in Z quinque litterarum spatio omissum est ; zu 
p. 10,3: nuod [für ntoi~\ Oiupdtov T, naoä avov Z ; zu p .13, 
6 : drj [für ol~\ xAiwvuloi T, ol dtxekeojvulot, Z , dtxsXf wvuloi Ro. 
Br. St. Ox., ol xlttovuTot, Be. Hy. Bö.-, zu p. 13, 5 ist das zweite 
Z druckfehler für Z. Gleichfalls läßt sich zeigen , daß Callier- 
gus zur ausfüllung der lücke in B = Vat. B (bei Abel p. 11, 
15 — 13, 10) den Vat. C = T benutzt hat ; auch die bei Mommsen 
(schob Thomano - Trieb 1867) aus H (== Vat. D, nach Ms ed. p. 
XV not. 16 in Calliergus händen gewesen) angeführten LAA. 
zur hypothesis der Nemeen stammen nach Abel vielmehr aus 
T. — Hinsichtlich des Z ist zu bemerken, daß Abel ihn gegen 
Böckh und Mommsen in saec. XVI setzt; auffallender noch ist die an- 
gäbe zu p. 30, 1 : „Aug E [meus Z]". Ist Z hier druckfehler 
für B, oder liegt der irrthum bei Böckh ? — Von Abel nicht er- 
klärt sind die bezeichnungen [TJ [Z] [VI. 

Interessant ist der Stammbaum der scholienausgaben , wel- 
chen Abel (abweichend von Mommsen) aufstellt : von Ro. stamme St., 
von St. sodann Ox. , daher unter Zuziehung Ro.'s Be. und für 
die Isthmien Hy. , Hy. für die Nemeen aus Be., Bö. endlich 
unter Zuziehung von Ro. aus Hy. Abel hat durchweg Bö. und 
Ro. verglichen ; die übrigen nur , wo diese beiden nicht über- 
einstimmten. — Beiläufig bedauere ich, daß Abel in der Signa- 
tur der ausgaben von Mommsen abgewichen ist. Raum hätte er damit 



28 6. Pindaros. Nr. 1. 

nicht verloren, wenn er nur überall sonst, wo er die betr. namen 
ausschreibt, sich der zeichen Mommsen p. XL VII ff. bedient hätte. 
Aus rücksicht gegen Ms. 's grundlegende ausgäbe sowie gegen die 
leser sollte man doch nicht ohne grund neue Signaturen einführen. 

Während die Ro. auf B (Vat. B) s. XII. beruht , tritt in 
den meisten übrigen mss. eine andere familie unter führung von 
V auf (D ist von da ab, wo B aufhört, mit B verwandt). Abel 
stellt nun p. 4 seine werthschätzung von B und V so dar : V libri 
genus plerumque in disponendis commatibus , B librum in singulis 
verbis constituendis secutus sum u . Wir leugnen durchaus nicht 
den werth der vergleichung von V , zumal in der angeführten 
richtung; aber wir vermissen doch den nachweis für die ver- 
allgemeinerte anwendung dieser anschauung , wie sie selbst bei 
völlig gleichartiger reihenfolge von einzelnen Wörtern und gan- 
zen scholien zu tage tritt. Mehr jedoch fällt uns auf, daß Abel 
gegen seinen zweiten satz vielfach verstößt: die abweichungen 
Abels von Böckh „in singulis verbis constituendis" beruhen oft auf 
ganz gleichgültigen abweichungen der handschrift V von B, 
ohne daß sich für die bevorzugung von V irgend etwas anfüh- 
ren ließe. Man kann in dieser hinsieht sagen: Abel bietet ei- 
nen nach V (soweit es angieng) durchcorrigierten scholientext. 
Wo V abbricht, N. 4,107 bis N. 6,64, tritt eine verschärfte 
controlle von B nebst häufigeren eigenen vermuthungen Abels 
ein ; von N. 6, 64 ab merkt man sofort wieder den alterierenden 
einfluß von V bis ib. 73. Daneben tritt, besonders später, der 
codex D so zu sagen als gegner von B auf; trotz Abels Ver- 
sicherung p. 4 : „antiquiorem aecuratiusque scriptum B librum non 
nisi gravibus de causis alteri [D] posthabui." 

Andere abweichungen Abels von Böckh sind nebensächlich: 
daß er die Überschriften nach Bg. bildet, daß die lemmata öfters 
verlängert oder gekürzt, daß die stellenangaben der vom scho- 
liasten angeführten citate in den text hineingesetzt und viele 
vermuthungen Böckh's (neben einzelnen von Ky. , Ht. , auch 
Schnitzer, Wiskemann u. a.) aufgenommen , endlich, daß einige 
male §-zeichen zugefügt sind. Vermißt habe ich im vergleich 
mit Böckh eine kopfüberschrift der einzelnen seiten, die bei Abel 
zur erleichterung des gebrauchs ungleich nöthiger ist. 

An eigenen conjeeturen Abels finde ich auf durchschnittlich 
4 quartseiten Böckh's je eine. Daß er sowohl p. 11, 13 oxiw- 



Nr. 1. 6. Pindaros. 29 

xoudfxuJT] statt des handschriftlichen SojSsxÜtt] , sowie p. 13, 
7 ir[ statt iß' in den text aufgenommen hat , kann ich nicht 
billigen ; p. 502, 5 f . , wo die vermuthung Reslers firj tiqoc sv 
Tioiov ti [Abel ev ttoTov ti] xai sregov xuiacxivu^itoj ihn selbst 
nicht befriedigt , ist wohl noog inov u (sc. veTxog) zu lesen. 
Bisweilen schwankt Abels ansieht in text und anmerkung ; öf- 
ters ist nicht völlig klar , auf welche mss. die im text gebotene 
lesart zurückgeht. Im übrigen sind, theils durch sorgfältigere 
entzifferung , theils durch benutzung der anderen handschriften, 
allerlei Kicken u. s. w. des codex B ergänzt und berichtigt, wie 
überhaupt die ganze arbeit den eindruck größter sorgsamkeit 
macht , den auch die hier gemachten ausstellungen nicht ver- 
wischen wollen. Der druck ist sehr correct; sehr selten findet; 
sich (außer den in den Add. et Corr. angeführten) winzige 
druckfehler. Genauigkeit tritt besonders Resler gegenüber deut- 
lich hervor, der die scholien zur letzten isthmischen ode in sei- 
ner dissertation Breslau 1847 herausgegeben hatte ; und selbst zu 
Mommsens bearbeitung der scholien von N. 9 — 11 kann Abel 
einige berichtigungen aus den handschriften liefern. In einer 
hinsieht freilich hat meines erachtens Abel die grenze über- 
schritten : er druckt die auf die scholien bezüglichen erörterun- 
gen von anderen gelehrten, vor allem von Härtung, Bergk, M. 
Schmidt , mit ängstlicher genauigkeit (oft seitenweis) ab und 
überlastet dadurch den schon ohnedies großen apparatus criticus. 
Es würde ausgereicht haben , am unteren rande der seite die 
dankenswerthen Verweisungen kurz zu machen , zumal da die 
angeführte literatur dem Pindarforscher leicht zu geböte steht 
und trotz Abel fast immer eigens nachgeschlagen werden wird. 
Wer sich mit der durchforschung des alten scholienmate- 
rials ad hoc abgibt , für den wird Abels ausgäbe der pindar- 
scholien eine zuverlässige fundgrube sein ; für den pindarforscher 
wird ihr werth sich je nach seiner Überzeugung von der größe- 
ren oder geringeren Wichtigkeit der scholien selbst bemessen. 
Möglich, daß Böckh , wenn er sie erlebt hätte, den in seiner 
praefatio p. VIII unten aufgestellten satz trotz oder wegen der 
heutigen Vermehrung des materials wiederholt haben würde; 
aber selbst Bergk hätte seine freude über die erfüllung seines 
Wunsches (ed. IV p. 37 unten) gewiß geäußert. Wir hoffen und 
wünschen , daß Abel sein mühsames werk glücklich vollendet, 



30 7. Thukydides Nr. 1. 

trotz Mommsens Versicherung praef. p. VIII, daß in hac opera 
ingrata et difficili vel studiosissimum veri animus deficiat. 

L. Bornemann. 



7. Die reden des Thukydides. Von R. C. Jebb, professordes 
griechischen an der Universität Glasgow. Autorisierte Übersetzung 
von J. Im el mann. Berlin, Weber 1883. 8. 65 p. — 1 mk. 60 pf. 
Man darf sich nicht wundern , wenn diese schrift , welche 
die reden des Thukydides zur Überschrift hat , in großen zügen 
kaum weniger als alles enthält, was den Thukydides angeht. 
Die reden im Thukydides sind die seele des werks , und wenn 
dieses wirklich , was es sein sollte , ein xt^fia ig ueC geworden 
ist , so sind sie es vornehmlich , die es dazu gemacht haben. 
Sie sind es , durch welche die thatsächlichen ereignisse des pe- 
loponnesischen krieges zu typischen beispielen allgemeiner 
gesetze umgeformt werden, ohne die auf die innere arbeit dabei, 
auf die die aktion bedingenden gedankengänge , auf das ganze 
hinter dem thatsächlichen liegende spiel der gefühle und ansich- 
ten nur geringes oder gar kein licht fiele. Der peloponnesische 
krieg bietet in sich ergreifende gegensätze , analog denen , die 
ein dramatischer dichter erfindet , und besitzt als gegenständ 
geschichtlicher darstellung betrachtet dramatische einheit in dem 
sinn, daß er eine einzige große handlung ist, wie man mit ana- 
logem bilde von dem Stoffe Herodots sagen kann, daß er epische 
einheit hat, sofern er sich , wenn auch nicht in den rahmen ei- 
ner handlung , doch in den rahmen einer erzählung bringen 
läßt. Diese einheit der dramatischen handlung geht durch fünf 
akte hindurch. Nach dem prolog, der die personen der gegner 
vorführt, steigert sie sich in dem schwanken des glucks von 
den nachtheilen, die die beiden theile in ihren bundesgenossen 
schädigen, bis zu den schicksalsschlägen , von denen sie selbst 
in eigner person betroffen werden, gipfelt dann in der peripetie 
der sicilischen expedition und hat, nachdem noch einmal in den 
siegen des Alkibiades ein aufflackern des glucks und ein retar- 
diren stattgefunden hat, nach seiner entfernung ihre katastrophe 
in der niederlage Athens. Auch dem stumpfsinnigsten autor 
konnten diese gegensätze, die in der handlung lagen, nicht 
gänzlich entgehen, und wäre Diodor der Verfasser gewesen, die 
5 akte hätte auch sein werk erkennen lassen. Aber Thukydi- 



Nr. 1. 7. Thukydides. 31 

des war ganz besonders befähigt, diese kontraste aufs wirkungs- 
vollste zur darstellung zu bringen, und zwar war er es darum, 
weil er das ganze gewicht und pathos der ereignisse selbst em- 
pfand , weil er sie mit der schärfe intensiver concentration er- 
kannte , und weil er , zum theil unter dem einfluß der spräche, 
die Vorliebe des Griechen für die antithese besaß. Mit bewußt- 
sein nun hat Thukydides die darstellung des krieges in seiner 
weise zu einem dramatischen kunstwerke gestaltet ; und wie im 
drama den reden die thaten entquellen , so ist dieses streben, 
in den geist der handelnden einzudringen, das motiv hinter der 
that zu finden und es mit aller möglichen logischen schärfe zu 
bezeichnen, die hauptquelle der reden in seinem werk, das ele- 
ment dramatischer lebendigkeit, zuweilen auch dramatischer Un- 
wahrheit , wenn der Verfasser den handelnden persönlichkeiten 
subtilere gedankengänge in den mund legt, als sie sich ihnen 
vermuthlich geboten oder ihren zuhörern empfohlen haben würden. 

Das etwa sind im allgemeinen die maßgebenden gedanken, 
die der Verfasser in dieser schrift in klarer schöner spräche 
dargelegt hat, die resultate, zu denen er in seiner tiefen kennt- 
niß des Thukydides gelangt ist und die er aus dem reichen 
schätze seiner gelehrsamkeit und bildung durch vergleiche die- 
ser thukydideischen reden mit den reden bei anderen histori- 
kern der antiken weit, des mittelalters bis auf die neuzeit herab 
zu einem sichereren und präciseren verständniß zu illustriren 
weiß. Die schrift gewährt einen genuß , wie er selten geboten 
wird. Sie ist nicht umfangreich, hat nur einige 60 seiten, zeigt 
aber auf jeder den meister und ist ein kabinetstück , auf das 
die philologie Englands stolz sein kann. 

Natürlich ist die frage, ob und wo und wie weit etwa 
die Wahrheit von dieser kunst afficirt wird, die hauptfrage , die 
hier zur entscheidung steht. Der Verfasser ist die besonnenheit 
selbst. Er unterscheidet noch zwischen diesen und jenen reden. 
In einigen, findet er, komme nichts vor, was nicht, wenn wir 
von der form absehen, dem inhalte nach von den rednern selbst 
oder bei den damaligen Verhandlungen wirklich so vorgebracht 
sein könnte , in andern dagegen seien stellen , welche bestimmt 
oder so gut wie bestimmt kenntniß späterer ereignisse voraus- 
setzten, so der sicilischen angelegenheiten, oder des dekeleischen 
krieges , oder der endlichen med erläge Athens. Zu der ersten 



32 7. Thukydides. Nr. 1. 

gruppe werden unter andern die antilogien der Kerkyräer und 
Korinthier, auch die reden des Perikles gerechnet. Aber wenn 
die Kerkyräer dort sagen a, 23, 20 : xul ovx alad-uvsTat zovg 
^iuxtdutpoviovg tpoßm tw v/jerigop iio'kefxriGeiovTag, so rührt das nicht 
von den Kerkyräern, sondern vom Thukydides selber her, denn 
es ist offenbar, daß Thukydides mit jenem dcpavsGidTtjv de 
Xoyco in a, 23,9 und dem folgenden tjyovfiat in: xovg *A&r\vai- 
ovg ljyovfiut fieyukovg yiyvoftivovg xul (pößov nugt^ovrag jolg 
yiaxidaifiovtotg avuyxuGut ig ro no'ksfiiiv , diesen gedanken als 
sein besonderes eigenthum sich vindicirt. Und eben so gewiß 
ist es, daß das ^luklov in der antwort der Korinthier «, 40, 2: 
xul xov vofjtov t<jp' vfiTv avrolg fiaXlov rj icp' rjftdv S^^Gnt, nicht 
damals, sondern erst nach dem abfall Joniens seine rechtferti- 
gung hat. Von dergleichen sind auch die reden des Perikles 
nicht leer. So haben die worte /?, 64,33: v\g lg uidoov xoig 
imyiyvofiivoig, ijv xul vvv vnsvdu>[x£v noxs (jtdvxa yuQ nitpvxs 
xal IXuGGovG&ui) , (jonj/j,?] xuxakiXstxpSTui , nicht zu der zeit, wo 
sie gesprochen gedacht werden, sondern erst nach Athens nie- 
derlage ihre rechte stelle. Es ist um so weniger grund , hier 
ängstlich zu sein , wenn wir sogar in einer rede des Perikles, 
«, 144, 16, die worte lesen: äW sxslvu fisv iv aXXaa Xoyqy afia 
xoig k'gyoig ÖtjIw^tjgsxui. Aber das heißt nicht, wie unser Ver- 
fasser mit den andern auslegern interpretirt : „Ich könnte noch 
mehr gründe für unsre hoffnung auf sieg anführen , diese aber 
will ich ein andermal, wenn wir schon in den kriegsereignissen 
stehen, darlegen," sondern geradezu: die sollen von mir, Thu- 
kydides, dargelegt werden («/*« idig tqyoig) , wenn ich die 
kriegsereignisse erzähle. Also ganz naiv und ohne scheu iden- 
tificirt sich hier der schriftsteiler mit dem redner, weil er ja 
überhaupt kein hehl daraus hat , wie er es mit den reden in 
seinem werk gehalten haben will. An der maßgebenden stelle, 
a , 22 , wo er über sein verhältniß zu den reden im werke 
sich ausläßt , ist er darüber deutlich genug. Nur darf man 
nicht sagen , wie der Verfasser thut , daß der ausdruck xd ö' 
h'gyu xwv nQu%3ivi(tiv, „thaten der handlung" thaten der rede 
zum gegensatz hat. Dieser ausdruck : tu <T toya xwv noux&ev- 
vxiv geht zurück, wie schon das fiiv-di zeigt, auf: off« fxiv 
Xoyco iinov , und der gegensatz ist, wie wenn gesagt wäre: 
oßa fitv Xöyco iinov, off« 6i i'gyui enqal-uv. Also an ,, thaten 



Nr. 1. 7. Thukydides. 33 

der rede" denkt Thukydides hier nicht; auch bei ^vfinuau 
yviufxt} nicht, wie der Verfasser meint, „an den allgemeinen ge- 
dankengang des sprechenden." Es ist hier nicht der räum 
weitläufig zu sein , daher sage ich kurz : r t %v(aiw.6u yvvü[xr] ist 
das thema , der hauptgedanke , der alle einzelnen gedanken in 
sich begreift , der hauptzweck , auf den alle gedanken der rede 
hinaus wollen, und [-/oin-up on iyyvtaza tij<; tSvpmxßijg ytcofitjg 
soll bezeugen, daß der Schriftsteller , wenn er die redner iu 8s- 
orzu sagen läßt, sich dem thema so nahe wie möglich gehalten, 
alles sonstige als nciQSQj a bei seite gelassen hat. Außer dieser 
^lunuau ~/io'mi t ist also jede rede des Schriftstellers eigenthum, 
womit natürlich nicht gesagt ist, daß er nicht auch von der 
wirklich gehaltenen rede, ja von der person des redners benutzt 
hat, was der dramatischen Wirkung seiner geschichtserzählung 
und seinem höheren kunstzwecke, den unser verf. so richtig er- 
kannt und so schön dargelegt hat , dienlich erscheinen mochte. 
Aber eine rede , wie sie gehalten worden , in sein werk aufzu- 
nehmen , verwehrte ihm das kunstgesetz , das über ihn gebot. 
Hätte er auch eine derselben in ihrer ursprünglichen fassung 
besessen oder im gedächtniß behalten, für sein werk würde er 
sie, wenn er sie nicht lieber ganz bei seite ließ, doch erst nach 
der form dieses gesetzes umgegossen haben, ebenso gut, wie die 
rede des kaisers Claudius bei Tacit. Ann. XI, 24 in keinem 
satze zu der bronzetafel stimmt, auf der die wirklich gehaltene 
später wieder aufgefunden ist. Damit aber, daß über die reden 
im werk, speciell über die Stellung , wo eine rede eintritt, über 
ihren typischen charakter neben der persönlichen individualisi- 
rung , ihre diktion und spräche , vor allem über ihren ganzen 
geistigen inhalt ein höheres gesetz als das der einfachen Wirk- 
lichkeit bestimmt hat, ist so wenig die historische Wahrheit ver- 
letzt , daß vielmehr erst durch dieses gesetz die bleibende echte 
Wahrheit gewonnen ist, wenn anders Thukydides der mann war, 
von seinem Standpunkte am ausgange der begebenheiten besser 
und wahrer als der einzelne redner zur zeit seiner rede die tie- 
feren motive zu sehen, die zu dem schließlichen ausgange ge- 
führt haben. So ist mit und zumal durch die reden in diesem 
geiste nicht eine historische erzählung, sondern wie dieser histo- 
riker es schaffen wollte, ein historisches drama geworden, ein 
werk, neben das kein anderes sich stellt , wie das erste so wohl 
Philol. Anz. XV. 3 



34 8. Eukleides. Nr. 1. 

auch das letzte in seiner art. Zugleich ist aber hier auch wie- 
der das klar, daß nur wer wie der Schriftsteller selber am ende 
des ganzen steht, über die bedeutung und Schönheit des einzelnen 
im werk das urtheil gewinnen kann. 

Schließlich darf ich es nicht unterlassen , dem Übersetzer 
besten dank dafür zu sagen , daß er durch den vorliegenden 
Separatabdruck den deutschen philologen diese herrliche schrift 
des Engländers in verstand niß voller und wirklich deutscher Über- 
tragung zugänglicher gemacht hat. [Vrgl. Philol. XL, p. 271. 
— E. v. L.~\. L. Herist. 

8. Euclidis opera omnia. Ediderunt J. L. Heib er g et 
H. Menge. Vol. I, libros I — IV continens. Lipsiae in aedi- 
bus B. G. Teubneri. MDCCCLXXXIII. Vol. II, libros V— IX 
continens. Ibid. MDCCCLXXXIV. 8. — 8 mk. 10 pf. 

Unter allen werken der profan-litteratur findet sich wohl 
schwerlich eines, welches über einen so großen theil der erde 
verbreitet gewesen ist und noch ist, als die Elemente des Euklid. 
Von diesem um das jähr 300 v. Chr. zusammengestellt, dienten 
sie Jahrhunderte lang an der hochschule zu Alexandria als grund- 
lage des mathematischen, insbesondere des geometrischen, Unter- 
richtes , wurden den Römern und später den Arabern bekannt, 
verbreiteten sich über das ganze große reich derselben und 
noch über dessen grenzen hinaus und gelangten namentlich durch 
sie in das christliche abendland; ihr inhalt bildet noch gegen- 
wärtig hier, ja man kann fast sagen bei allen eultur-völkern der 
neu-zeit, den anfangs- und ausgangspunkt der geometrie. Unter 
solchen umständen muß es gewiß der wünsch jedes wissenschaft- 
lich denkenden menschen sein , dieses und die übrigen werke 
Euklids in ihrer ursprünglichen fassung kennen zu lernen. Leider 
aber stößt die ermittelung derselben auf große Schwierigkeiten. 

Bei dem Jahrhunderte hindtirch in Alexandria fortgesetzten 
gebrauche der Elemente nämlich, um von diesen zuerst zu reden, 
war der Wortlaut derselben nicht unverändert geblieben. Denn 
nicht jeder lernende mochte in der läge sein, sich eine zeit- und 
geld kostende abschrift dieses großen und mit vielen figuren ver- 
sehenen werkes zu versebaffen ; gewiß auch zog es mancher der 
lehrenden vor, seinen schülern bloß einen auszug desselben, etwa 
nur die lehrsätze , in die bände zu geben und sie die beweise 



Nr. I. 8. Eukleides. 35 

selbst finden zu lassen. So konnten denn leicht exemplare von 
verschiedener form entstehen, randbemerkungen, die etwa vor- 
handen waren, beim abschreiben in den text gerathen, kurz, der 
ursprüngliche Wortlaut verdorben werden ; selbst absichtliche än- 
derungen , zu denen sich der eine oder andere berufen und be- 
rechtigt glaubte , fanden statt , denn wir wissen von Theon aus 
Alexandria (4. jahrh. n. Chr.) durch ihn selbst, daß er eine 
neue ausgäbe der Elemente veranstaltet und in dieser am ende 
des sechsten buches einen zusatz über kreissektoren gemacht hat. 
Daraus mag es sich auch erklären , daß , als arabische kaufen 
vom neunten Jahrhundert an den Euklid in das arabische zu 
übertragen befahlen , mehrere Übersetzungen nach einander an- 
gefertigt werden mußten , bis alle ansprüche , die man an eine 
solche stellte, befriedigt waren ; denn vermuthlich waren bei den 
ersten versuchen ungeeignete griechische band Schriften des Eu- 
klid zu gründe gelegt worden. Ueber die bisher nur im rnanu- 
script vorhandenen beiden berühmtesten dieser arabischen Eu- 
klide , den des Haggäg und den des Iskäc ibn Hunein , sowie 
über den 1594 in Rom gedruckten arabischen Euklid des Nasir 
ed-din oder Tussi hat in der Zeitschrift der deutschen morgen- 
ländischen gesellschaft bd. 35, hft. 2 und 3, 1881, p. 270 — 326 
Klamroth höchst interessante und werthvolle mittbeilungen ge- 
macht. Und wiederum mag die Verschiedenheit dieser arabischen 
Euklide die Ursache davon sein , daß die nach dem arabischen 
angefertigten Übersetzungen des Euklid in das lateinische durch 
Adelhard von Bath 1120 und Giovanni Campano um 1260 
(über die zwischen beide fallende Übertragung durch Gerhard 
von Cremona im 12. Jahrhundert ist bisher nichts näheres be- 
kannt geworden) mehrfach von einander abweichen. Freilich 
waren im christlichen abendlande die Vorstellungen vom Euklid 
das ganze mittelalter hindurch höchst dunkle und verworrene. 
Denn da bald nach dem bekanntwerden desselben aus dem ara- 
bischen auch lateinische Übersetzungen aus dem griechischen, 
welche , wie es scheint, nur den Wortlaut der definitionen, lehr- 
sätze und aufgaben, nicht aber die beweise, enthielten, und ins- 
besondere die sich auf dasselbe beschränkenden lateinischen 
bruchstücke des Euklid in den Schriften der römischen agrimen- 
soren zu einiger kenntnis gelangten, und da zugleich eine dunkle 
künde von dem oben genannten Theon von Alexandria anfing 

3* 



36 8. Eukleides. Nr. 1. 

sich zu verbreiten , so verstand man unter dem „Euklid" nur 
die definitionen , lebrsätze und aufgaben, die beweise aber sah 
man allgemein als den „kommentar" eines anderen an, meist 
des Theon oder des Campano. Ja , im verlaufe der zeit verlor 
sich auch die erinnerung daran, daß der Übersetzung des letz- 
teren , welche im ganzen mittelalter das größte ansehn genoß, 
ein arabischer text zu gründe gelegen hatte , und als die- 
selbe 1482 zum ersten male von Erhard Ratdolt aus Augsburg 
in Venedig gedruckt ward , glaubte man allgemein , eine Über- 
setzung aus dem griechischen vor sich zu haben. Um so mehr 
mußte man daber überrascbt sein , als man bemerkte , daß eine 
von Zamberti wirklich aus dem griechischen angefertigte latei- 
nische Übersetzung, Venedig 1505, (die erste ihrer art) mannig- 
fach vom Campano'schen texte abwich, und da man sich diesen 
widersprach auf keine weise zu erklären vermochte, verfiel man 
auf das ebenso einfacbe als originelle auskunftsmittel, beide Eu- 
klide , denjenigen Campanos und den Zambertis , in einer und 
derselben ausgäbe, Paris 1516 bei Henricus Stephanus und 
später Basel 1537 bei Herwagen, unvermittelt neben einander 
zu stellen. (Vergl. unsere schrift : ,,die Übersetzungen des Eu- 
klid durch Campano und Zamberti. Halle bei Schmidt 1882"). 
Der griechische text ward zum ersten male bei demselben Her- 
wagen in Basel gedruckt 1533, und hierauf folgten verschiedene 
andere griechische ausgaben, unter denen die 1703 in Oxford 
erschienene sich durch besondere stattlichkeit auszeichnet. Allen 
aber hatten bandscbriften zu gründe gelegen , welche aus der 
ausgäbe Theons hervorgegangen waren und daher den Euklid 
nicht in der ursprünglichen form entbalten konnten. Da ge- 
schah es, daß bei gelegenheit der französischen invasion in Ita- 
lien zu ende des vorigen und anfang dieses Jahrhunderts in der 
Vatikan - bibliothek eine augenscheinlich auf die zeit vor Theon 
zurückgehende handscbrift des Euklid aufgefunden ward; sie 
wurde nach Paris gesandt, und ist daselbst als „Vatic. 190" 
verblieben. Sie liegt der ausgäbe zu gründe , welche Peyrard, 
Paris 1814 — 1818, griechisch, lateinisch und französisch, nebst 
den übrigen werken herausgegeben, und welche bisher mit recht 
als die vorzüglichste gegolten hat. Da sie jedoch jetzt gänzlich 
vergriffen und kaum mehr zu haben ist, so erscheint eine neue 
ausgäbe als ein wirkliches bedürfnis. 



Nr. 1. S. Eukleides. 37 

Die mühe, eine solche zu besorgen, haben Heiberg und 

Menge übernommen, und zwar sollen von letzterem die Data, 
Phänomena und die Musik, von ersterem die Elemente, die Optik 
und Katoptrik bearbeitet werden. Von Heiberg sind denn auch 
bereits „Litterargeschichtliche Studien zu Euklid 1882", welche 
wir auch hier in betracht ziehen müssen (s. Jahrg. XII, p. 479 
— 480 dieser Zeitschrift) veröffentlicht, und die beiden oben ge- 
nannten theile des haupt- werkes , welche bisher erschienen sind 
und buch I — IX enthalten , sind von demselben herausgegeben. 
Da ferner Klamroth in seiner oben angeführten schrift aus der 
von ihm mitgetheilten thatsache, daß im arabischen Euklid, be- 
sonders in den stereometrischen büchern XI — XIII, eine ganze 
anzahl von Sätzen , scholien und corollarien fehlen , und viele 
beweise kürzer und einfacher sind , den Schluß gezogen hat , p. 
280, 815, 316, 326, den Arabern habe ein reinerer und ur- 
sprünglicherer text vorgelegen, während die auf uns gekommenen 
griechischen handschriften nur einen mit Zusätzen und glossen 
belasteten enthielten , da ferner diese schrift Klamroths bei den 
,,studien" von Heiberg nicht mehr hatte benutzt werden können, 
so hat derselbe diese in der that wichtige frage in einem beson- 
deren aufsatze in Schlömilchs Zeitschrift bd. XXIX, hist.-lit. abth. 
p. 1 — 22: „die arabische tradition dei Elemente Euklid's" behandelt. 
In demselben kommt er zu dem resultate, verschiedenes zwar, 
was bei den Arabern fehle , müsse des Zusammenhangs wegen 
im griechischen vorhanden gewesen sein, die frage aber, ob die 
von den Arabern benutzten handschriften von dem uns zuge- 
kommenen texte abwichen, müsse „unbedingt bejaht werden; 
denn es giebt (bisher unbeachtete) griechische handschriften, die 
in gewissen stücken mit den arabischen Übersetzungen so genau 
übereinstimmen, daß wir nothwendig annehmen müssen, daß Co- 
dices dieser classe von den arabischen Übersetzern benutzt wur- 
den", p. 6. Ein solcher codex ist in Bologna vorhanden, der 
in den büchern XI — XIII mannigfach mit den Arabern über- 
einstimmt. Die fassung desselben ist der art , daß man eine 
absichtliche kürzung des textes erkennt, gleichwohl aber ist der- 
selbe sehr beachtenswerth , „denn offenbar lag dem epitomator 
eine ausgezeichnete handschrift vor, wahrscheinlich aus der vor- 
theonischen classe, deren einziger Vertreter sonst Vatic. 190 ist", 
p. 13. „Eine dem Bonon. verwandte handschrift lag," nach 



38 8. Eukleides. Nr. 1. 

Heiberg, „dem arabischen Übersetzer vor, der die abweichungen 
von unseren übrigen handschriften noch mehrte," p. 15. Da 
also Heiberg der ansieht ist, der Bonon., sei, wie es ja auch von 
hause aus wahrscheinlich ist, nicht der einzige codex seiner art, 
sondern es hätten auch ihm „verwandte" existiert, so gestehen 
wir, nicht einzusehen, warum Klamroth mit seiner p. 280 
seiner schritt aufgestellten behauptuug, „daß dem Haggäg und 
dem Ishäc verschiedene griechische handschriften vorgelegen 
haben," nicht recht haben sollte, was Heiberg p. 17 bestreitet, 
nach welchem Ishäc die Übersetzung des Haggäg zu gründe ge- 
legt, und vieles „auch mit benutzung griechischer handschriften" 
geändert \m& verbessert, „aber zahl und Ordnung der sätze im 
großen und ganzen" beibehalten haben soll. War doch letzteres 
gewiß auch in den griechischen handschriften der fall. Ueber 
dieses alles jedoch wird man erst dann sicher zu urtheilen im 
stände sein, wenn über die verschiedenen arabischen Übersetzun- 
gen genaueres bekannt sein wird. Denn daß die Araber nicht 
bloß „zwei Übersetzungen", wie Heiberg p. 1 schreibt (auch daß 
p. 3 bei Tussi in buch III kein satz fehle, beruht auf einem 
irrthume, vrgl. Klamroth p. 272), hatten, sondern mehrere, kön- 
nen wir zwar aus „G artz : De interpretibus et explanatoribus Eu- 
clidis arabicis. Halae ad Salam MDCCCXXIII" p. 1—13 als 
wahrscheinlich vermuthen , jedoch, da Übersetzung, kommentar, 
bearbeitung nicht deutlich unterschieden sind, nicht bestimmt er- 
kennen; daß es sich aber so verhält, bestätigt Klamroth, indem 
er die Übersetzungen des Haggäg und Ishäc p. 270 als „die bei- 
den berühmtesten" bezeichnet. Im übrigen hat Heiberg mit 
vollem rechte bei seiner ausgäbe der elemente auch die Über- 
setzung des Campano , wenn sie auch nicht allenthalben zuver- 
lässig ist, als auf einem den Arabern zugekommenen vortheoni- 
schen texte beruhend, vielfach zu rathe gezogen. 

Seiner Euklid-ausgabe nun hat Heiberg folgende handschriften, 
der theonischen classe angehörig , zu gründe gelegt : einen Ox- 
forder aus der bibliotheca Bodleiana , saec. IX; einen Floren- 
tiner aus der bibliotheca Laurentiana, saec. X, für buch I — VII, 12 ; 
einen Wiener, saec. XI — XII, für buch I— -IX; einen Pariser, 
saec. XII, für buch I — VII; einen anderen Pariser, saec. XII, 
für buch VIII — IX; den oben genannten Bologneser, saec. XI, 
für buch I. Als Vertreter der vortheonischen handschrift konnte 



Nr. 1. 8. Eukleides. 39 

einzig und allein der bereits von Peyrard benutzte pariser Va- 
tican. 190, saec. X, dienen; und zwar bat derselbe, da wie Hei- 
berg mehrfach (Studien p. 178, praefatio zu vol. I, abhandlung 
in Schlömilchs Zeitschrift p. 14, 19) bemerkt, Peyrard s collation 
sehr unzuverlässig ist , von neuem collatiouiert werden müssen. 
In bezug auf die Verwendung dieser handschriften spricht sich Hei- 
berg Studien p. 180,jlahin aus, der Vaticanus sei zwar, als auf einer 
älteren, vortheonischen , handschrift beruhend, an sich als der 
bessere zu betrachten, jedoch sei derselbe in einer längeren zeit 
der Verderbnis mehr ausgesetzt gewesen als die übrigen , auch 
stehe er allein einer ganzen anzahl von theonischen handschriften 
gegenüber, und es gebühre ihm daher „nicht vor der hand im- 
mer der Vorzug" ; und man wird Heiberg hierin wohl beistimmen 
müssen. Wenn derselbe aber, ebenda, fortfährt: ,,im allgemei- 
nen darf festgehalten werden, daß da, wo die sicher verbürgte 
lesart Theons in solcher weise vom Vaticanus abweicht, daß kein 
gruud vorliegt, warum Theon die fassung des Vaticanus, wenn 
sie die ursprüngliche wäre , verlassen haben sollte , den theoni- 
schen handschriften der Vorzug zu geben und die Schreibung des 
Vaticanus als Verderbnis der kopisten anzusehen ist", — wenn 
Heiberg also so fortfährt, wird man sich eines zweifeis nicht ent- 
schlagen können. Denn derartige lesarten des Vaticanus , wie 
die hier bezeichneten, gegen welche keinerlei bedenken, weder 
sachlicher, noch sprachlicher, noch sonst irgend welcher art, vor- 
liegen , müssen als gute augesehen werden, und solche sollten 
wir, wenn die übrigen hier abweichen, für falsch und für „Ver- 
derbnis der kopisten" betrachten , bloß deswegen , weil wir uns 
nicht denken können, welchen grund wohl Theon, von dem wir 
sicher wissen, daß er änderungen vorgenommen hat, gehabt haben 
möge, hier solche anzubringen ? Wir sind vielmehr der ansieht, 
es würde besser heißen: in solchen fällen, wo der Vaticanus und 
die theonischen handschriften gleich gute und unbedenkliche, 
aber von einander abweichende, lesarten bieten, ist diejenige des 
Vaticanus , auch wenn sie allein einer größeren anzahl gegen- 
übersteht , als auf der älteren handschrift beruhend , vorzuzie- 
hen, und der autorität das übergewicht über die majorität ein- 
zuräumen. Glücklicher weise ist dies jedoch mehr eine princi- 
pien-frage als von praktischer Wichtigkeit, denn die anzahl der- 
artiger stellen dürfte keine große sein. Es könnte sogar scheinen, 



40 8. Eukleides. Nr. 1. 

als verfahre der herausgeber diesem soeben ausgesprochenen 
grundsatze gemäß, wenn er in I, 13 allen theonischen hand- 
schriften entgegen , welche u>q av bieten , mit dem Vaticanus 
schreibt lat ; in Wirklichkeit aber geschieht dies vorzugsweise 
deshalb , weil er letztere lesart durch Proclus unterstützt findet. 
Heiberg zieht nämlich außer den handschriften noch alte 
kommentatoren des Euklid mit zu rathe, wie den Heron (l.jahrh. 
v. Chr.), von dem er nach unserem dafürhalten mit recht, Stu- 
dien p. 158, annimmt, daß er einen kommentar zu den Elementen 
verfaßt habe, und den Proclus, 412 — 485 n. Chr. (also später 
als Theon), von dem wir einen kommentar zu buch I der Ele- 
mente noch besitzen. So werthvoll in vieler beziehung nun auch 
das , was uns von diesen alten kommentatoren erhalten ist , für 
uns sein muß, so scheint uns doch der herausgeber an manchen 
stellen, z. b. I. deff. 15, 18, in den axiomen, und Prop. 13 den 
angaben des Proclus eine allzu große bedeutung beizulegen 
(vergl. Studien p. 181 — 186, p. 217). Wir würden ihm hier 
nur dann beistimmen und beistimmen müssen , wenn wir sicher 
sein könnten , daß Proclus bei seinen citaten mit diplomatischer 
genauigkeit habe verfahren wollen und auch verfahren sei. Gegen 
die annähme aber, daß sich dies so verhalte, erheben sich schwere 
bedenken. Schon zu Proclus zeiten war der Wortlaut der de- 
mente nicht überall ein übereinstimmender (war doch schon die 
ausgäbe Theons erfolgt) , vortheonische rezensionen existierten 
gewiß noch und waren Proclus bekannt , derselbe beabsichtigte 
einen kommentar zum Euklid zu schreiben , wäre es da nicht 
vor allem nöthig gewesen, anzugeben, welche lesart er als „Eu- 
klid" angesehen wissen und seinen erläuterungen zu gründe le- 
gen wollte ? Gleichwohl geschieht dies nicht. Ferner : an einer 
auch von Heiberg, Studien p. 184 — 185, angeführten stelle p. 
330 — 331 (der Friedlein'schen ausgäbe des Proclus) verheißt er, 
die eigenen worte des Euklid zu gebrauchen (ein beweis , daß 
dies sonst nicht in seiner absieht lag), und thut es dennoch auch 
hier nicht. Sodann: wie gleichfalls Heiberg, Studien p. 184, 
186, bemerkt, citiert Proclus, p. 102, 14-, p. 200, 19; p. 223,21 
die aufgäbe I, 1 des Euklid die beiden ersten male in der ge- 
wöhnlichen, das dritte mal in veränderter Wortstellung. End- 
lich: bei gelegenheit des satzes I, 13 wird von ihm im Wort- 
laute der zu erklärenden proposition , p. 291, 20 cog av. } wie 



Nr. 1. 8. Enkleides. 41 

Theou bat, ia seinem kommentare aber, p. 292, 15 Idv ange- 
fübrt, und Heiberg folgert hieraus, Studien p. 186, das w* av 
an der erstgenannten stelle der Proclusbandscbrift sei nacb der 
tbeoniscbeu lesart verderbt worden, und nimmt ?'•/';< in den text 
auf (liest aber statt des von Proclus p. 291,22; 292, 15,17,26 
gebrauchten dvo mit den übrigen bandscbriften dvaü). Hätte 
es da nicht viel näher gelegen , zu schließen , Proclus habe es 
mit dem Wortlaute eben nicht so genau genommen, wie ja auch 
Heiberg, Studien p. 186, sagt: „also dürfen wir auch sonst für 
solche gelegentliche citate festhalten , daß sie aus dem gedächt- 
nisse angeführt worden und nicht immer wörtlich zu sein brau- 
chen"? Sollte jedoch hierauf erwidert werden, dies beziehe sich 
nur auf die im texte seines kommentars gelegentlich vorkommen- 
den citate, nicht aber auf den Wortlaut der zu kommentierenden 
sätze, so wäre zu entgegnen: wie Proclus beim Wortlaute der 
propositionen verfuhr , wird er ohne zweifei auch bei dem der 
definitionen , postulate und axiome verfahren sein , und umge- 
kehrt. Sehen wir nun den kommentar zu den axiomen bei Pro- 
clus an, so lesen wir bei ihm, p. 196, 15 — 197, 10: einige, 
z. b. Heron , der nur drei axiome aufgestellt habe, hätten die 
zahl derselben auf ein minimum beschränkt , andere sie vergrö- 
ßert, Pappus dem vernehmen nach ein neues hinzufügt, und Pro- 
clus selbst nennt, p. 193, 10 — 14, deren 5, obschon ihm auch 
die übrigen bekannt sind, wie wir daraus entnehmen, daß er sie, 
p. 196, 23 — 197, 5 fast alle anführt. (Wir können daher Hei- 
berg nicht beistimmen, wenn er, Studien p. 157, sagt: „(die 
axiome) 4 — 7 hatten zu Proclus' zeiten noch nicht in den ele- 
menten platz"). Nirgends aber begegnen wir bei Proclus einem 
worte der mißbilligung oder des tadeis darüber, daß man sich 
änderungen an den worten Euklids erlaubt habe , der gedanke, 
daß dies etwas unrechtes sein könne , liegt ihm so fern, daß er 
selbst ebenso verfährt, und wenn er davon schweigt, daß auch 
Theon am Euklid geändert habe , so geschieht es offenbar des- 
wegen , weil ihm dies als etwas so gewöhnliches und selbstver- 
ständliches erscheint, daß es einer besonderen hervorhebung gar 
nicht bedürfe. Man sieht eben deutlich , den alten kommenta- 
toren H eron , Pappus , Proclus war es nur darum zu thun , an- 
zugeben, wie Euklid geschrieben haben könnte und geschrieben 
haben sollte, ihrer meinung nach nämlich, nicht aber, festzustellen, 



42 8. Eukleides. Nr. 1. 

wie derselbe wirklich geschrieben hat. Sie haben nur 
die logische und mathematische seite im äuge , der sprachliche 
und geschichtliche gesichtspunkt aber, der für die nachweit der 
wichtigste ist, liegt ihnen (wie schon Hankel in seiner geschichte 
der mathematik p. 387 von Theon sagt) ganz fern ; und deshalb 
sind manche ihrer angaben nicht als unbedingt zuverlässig zu 
betrachten. Wir sind daher mit Heiberg völlig einverstanden, 
wenn er trotz seiner worte , Studien p. 181: ,, einen besonderen 
platz unter denselben (den alten Schriftstellern) nimmt der kom- 
mentar des Proclus zum ersten buche ein" doch an verschie- 
denen stellen, z. b. I, def. 19 (bei Peyrard 23), Prop. 3, 4, 8, 9 
die fassung desselben nicht aufnimmt , offenbar weil er dieselbe 
für unrichtig findet. 

In bezug auf das einzelne bemerken wir folgendes : Heiberg 
giebt den Euklid im griechischen urtexte mit kritischen anmer- 
kungen und einer lateinischen Übersetzung ; von einer Übertra- 
gung in eine noch andere spräche, wie sie bei Peyrard am platze 
war, hat er mit recht abgesehen, und ebenso wenig hat er be- 
absichtigt, einen kommentar zu verfassen. ■ — Die zahl der de- 
finitionen, oqoi, zu buch I beträgt bei Peyrard 35, bei Heiberg 
nur 33, indem def. 19 (Peyrard) mit gutem gründe wegge- 
lassen, def. 20—23, 24—26, 27 — 29, 30 — 34 (Peyrard) je zu 
einer einzigen vereinigt sind. Zu def. 15 und 18 mag bemerkt 
werden, daß dieselben bei Adelhard von Bath (vergl. unsere ab- 
handlung im suppl. zu Schlömilchs Zeitschrift XXV. Jahrg. 1880) 
mit Campano übereinstimmen. — Die zahl der postulate, ahrj- 
[acctu, beträgt bei Peyrard sechs, bei Heiberg nur fünf, da er 
das sechste Peyrards: ,,xre? dvo ev&siai y^tagiov ov negif^ovai* 11 
zu den axiomen zieht. ■ — Die zahl der letzteren, y.otxu evroiat, 
beträgt bei Peyrard und Heiberg neun, denn ersterem fehlt der 
soeben genannte satz an dieser stelle, dagegen hat er als fünftes 
,,»i» iuv dno atlocov loa ayatgtOrj, ra Xoina iörw nrißa", wel- 
ches Heiberg wegläßt. Ueberhaupt hält letzterer bloß die fünf 
von Proclus angeführten axiome für echt , und übersetzt nur 
diese , obschon nicht völlig in ihrer ursprünglichen aufeinander- 
folge, in das lateinische. Ebenso wenig aber , wie wir es billi- 
gen konnten, daß Proclus die zahl der Euklidischen axiome eigen- 
mächtig festsetzt, vermögen wir der von ihm vorgenommenen Ver- 
werfung mehrerer derselben zuzustimmen. Denn daß das axiom: xal 



Nr. 1. 8. EukleicJes. 43 

iav aviaoiQ iaa ftgogr^tj, zu ola iaz}v unaa" nicht gefehlt haben 
kann, ergiebt sich aus I, 21, wo dasselbe zum beweise herange- 
zogen wird ; daß das entsprechende oben angeführte (bei Pey- 
rard fünfte) von Heiberg verworfene axiom vorhanden gewesen 
sein muß, zeigen die beweise zu III, 7, 8, 11, wo dasselbe, 
wenn nicht uunöthige Weitläufigkeiten entstehen sollen , zur an- 
wendung zu bringen ist. Wenn ferner Proclus in bezug auf 
das axiom: „y.al zu avzov dmluaia tau aXXqXöig iarii" bemerkt, 
p. 196, 25 — 197, 5, dasselbe sei zu verwerfen, da es schon aus 
dem zweiten (gleiches zu gleichem addiert giebt gleiches) folge, 
und da man ebenso wie vom doppelten , so auch drei-, vier- 
u. s.w.- fachen sprechen könne, so hat er vom logischen Stand- 
punkte aus wohl recht, das leben und die spräche aber folgen 
nicht immer den regeln strenger logik. Da von allen denkbaren 
vielfachen das zwei-fache, von allen theilen der zweite am häu- 
figsten zur anwendung kommt, hat die spräche hiefür eigene 
worte gebildet: „verdoppeln" statt „mit zwei vervielfältigen", 
„halbieren" statt „mit zwei theilen" ; führt doch Adam Riese 
noch das „duplieren" und „medieren" als besondere rechnungs- 
arten auf; und ferner, haben nicht manche sprachen neben ei- 
nem „plural" noch einen, streng logisch betrachtet, überflüssigen 
„dual"? und gehört nicht gerade das griechische zu diesen 
sprachen? Im übrigen kommt auch das genannte axiom, sowie 
sein gegenstück : y.al zu zov avtov tj/Aiai] lau äWrjXoig iazCt" zur 
anwendung, z. b. bezüglich I. 38, III, 14. Sie werden daher 
wohl schwerlich bei Euklid gefehlt haben. Wenn endlich Hei- 
berg zu dem axiom: ,,x«J dvo svdeiui %u)olov oh negitiovaiv" 
bemerkt, Boetius lasse dasselbe weg, so trifft dies allerdings für 
die demselben zugeschriebene geometrie zu , die echtheit dersel- 
ben ist aber bekanntlich sehr fraglich , in der nirgends ange- 
zweifelten arithmetik aber p. 91, 9 — 10 (nicht 111, 20) der 
Friedleinschen ausgäbe lesen wir : „In geometria quoque idem pla- 
nius invenitur. JDuae enim rectae spatium non continent" (vergl. 
unsere abhandlung über Boetius im suppl. zu Schlömilchs Zeit- 
schrift XXIV. jahrg. 1879, p. 202 ; auf p. 175 seiner „Studien" 
verwechselt Heiberg in anm. 1) diese abhandlung mit der über 
Adelhard). Wir wollen nicht unterlassen , hier zu bemerken, 
daß uns das fehlen des axioms „Et si ab inaequalibus aequalia 
demas , quae relinquuntur erunt inaequalia", welches bei Campano 



44 8. Eukleides. Nr. 1. 

das vierte bildet, bei Adelhard von Bath jetzt nicht mehr als 
ein fehler des Schreibers (Adelhard — Abhandlung p. 148 — 149) 
erscheint ; auch dürfte zu beachten sein , daß sich bei dem mit 
Campano nahezu gleichzeitigen Leonardo Pisano , der bekannt- 
lich ebenfalls aus dem arabischen schöpfte, und öfter, wenn auch 
nicht gerade hier, den Euklid citierc, in seiner „Practica geome 
tria" p. 2 dieselben axiome finden , wie bei Campano , nur in 
etwas anderer reihenfolge und so, daß das vierte und fünfte 
axiom Campanos ihre stellen vertauscht haben. Als ein versehen 
endlich ist es zu bezeichnen, wenn in den anmerkungen zu den 
axiomen bei Heiberg ah. 5, ah. 4, ah. 5 — 6, etc. citiert wird, 
da hier nicht von postulaten («/'njpartf), sondern von axiomen 
(■/.onat srioiai) die rede ist. — Was die propositionen betrifft, 
so sind hier die Überschriften: ngOTaatg, ix&satg, nQogdioQtou('g, 
-/.aiaa^vi] weggelassen und verschiedene interpolierte sätze, zweite, 
mit „aXlcag" bezeichnete, beweise, corollarien und scholien in eine 
Appendix verwiesen ; u. a. auch der von Theon zu VI, 33 ge. 
machte zusatz über kreissektoren, und VII, 20, 22, welche Pey- 
rard noch in seine ausgäbe aufgenommen hatte , obschon sie im 
Vatic. 190 mit anderer hand zwischen die zeilen oder an den 
rand geschrieben sind. In buch V ist von den beiden defini- 
tionen 3, 4 (Peyrard), deren erstere in „Pfleiderers scholien zu 
Euklids Elementen Stuttgart 182 7" heft 4, p. 11, 64, 108, und welche 
beide von Hankel 1. c. p. 395 als verdächtig bezeichnet werden, 
die erstere aufgenommen , die letztere ausgeschlossen ; def. 9 
(Peyrard) ist gegen Hankel 1. c. p. 396 beibehalten, und deff. 
10, 11, welche beide von Hankel I.e. p. 401 als wahrscheinlich 
vor buch VI gehörig befunden werden, sind an ihrer stelle be- 
lassen ; in buch VI ist def. 5, welche Hankel 1. c. p. 339 und Pflei- 
derer 1. c. heft 4, p. 64, heft 5, p. 124—125 als eingeschoben 
erklären, zwar in den text aufgenommen, aber als interpoliert 
bezeichnet und nicht mit in das lateinische übersetzt; in buch IX, 
Prop. 19 ist, obschon im beweise sich ein fehler befindet, wie 
schon Peyrard , tom. II , praefat. p. XXXVIII — XLI, bemerkt, 
der text des Vatic. 190 beibehalten, da offenbar schon zu der 
zeit, als derselbe geschrieben wurde , so gelesen ward und eine 
wahrscheinliche coujeetur sich nicht hat finden lassen , u. s. w. 
Doch es kann nicht zweck dieser anzeige sein, satz für satz der 
elemente Euklids einzeln durchzugehen. 



Nr. 1. 8. Eukleides. 45 

Werfen wir daher nur noch einen kurzen blick auf die 
Optik desselben. Wegen verschiedener in der gewöhnlichen les- 
art vorkommenden Unklarheiten ist dieselbe mehrfach dem Eu- 
klid abgesprochen worden und Peyrard hat sie in seine ausgäbe 
der werke desselben nicht mit aufgenommen 5 Heiberg hat aber 
in Wien und in der bibliotheca Laurentiana zu Florenz zwei 
übereinstimmende bandschriften aufgefunden, in welchen die be- 
weise durchgängig ausführlicher und klarer sind als in der vul- 
gata, und bat diesen text in seinen Studien p. 93 — 129 veröf- 
fentlicht. Er ist , und mit gutem gründe , von der echtbeit der 
optik überzeugt. Denn , wenn dieselbe auch manches undeut- 
liche, ja, unsern kenntnissen nach, unrichtige enthält, so wird 
man dies theils der von den absckreibern verschuldeten Ver- 
derbnis des textes, theils den naturgemäß hinter dem heutigen 
Standpunkte zurückstehenden anschauungen der alten zuzuschrei- 
ben haben. In letzterer beziehung jedoch dürfte bei eingehen- 
derer prüfung sich manches anders gestalten, als man bisher zu 
meinen geneigt zu sein scheint. An verschiedeneu stellen näm- 
lich begegnen wir zeichen einer überraschend sorgfältigen und 
genauen beobachtung, und an manchen scheint man unserer an- 
sieht nach ohne begründete Ursache anstand genommen zu haben. 
So soll nach Heiberg Studien p. 133 der schluß von Prop. 11: 
■/.u) qmvegor, ort. zu iv fisrecogcp y.tiuttu y.oi.'.n qiavfjöeTat"' „sinn- 
los" sein. Allerdings sind diese worte nicht gerade deutlich, 
allein aus dem ganzen beweise geht klar hervor, daß sie nichts 
anderes besagen sollen , als : die fernen theile einer ebene er- 
scheinen einem über derselben befindlichen äuge erhöht , und 
zwar desto mehr, je ferner sie sind; die ebene erscheint dem- 
selben daher als eine kugelschalenartig ausgehöhlte fläche, in 
deren tiefsten punkte es sich befinde. Daß dies aber so ist, 
lehrt die erfahruug. Sollte nicht dem Euklid die Wahrnehmung 
vorgeschwebt haben, daß es dem auf dem meere sich befindenden 
vorkommt, als wenn sich der horizont erhöbe, und er sich in 
der tiefe einer kugelschalenartigen höhlung befinde? und sprechen 
nicht auch wir vom „hohen" meere? Ebenso wenig vermögen 
wir einzusehen , welche „irrthümer" und welche ,,erfahrungswi- 
drigkeit", Studien p. 133. 136, 139, 144 — 145, in Prop. 23 ge- 
funden werden könnten. Denn dieser satz besagt nichts an- 
deres, als : ein kreis (eine recht dünne kreis-sekeibe, ein cylinder 



46 8. Eukleides. Nr. 1. 

von sehr geringer höhe) erscheint dem in seiner ebene außer- 
halb seiner peripherie befindlichen äuge als eine gerade linie, 
nämlich als die (in der figur allerdings nicht gezogene) sehne 
BT, welche die zwei berührungspunkte der beiden vom äuge 
ausgehenden und den kreis berührenden sehstrahlen verbindet 
und auf der geraden vom äuge A nach dem mittelpunkte K 
des kreises senkrecht steht; und ebenso erscheint sowohl der 
nach dem äuge zu convexe, als der nach ihm zu coneave bogen 
des kreises als die sehne BF (befindet sich das äuge in unend- 
licher entfernung, so wird BT zu einem auf AK senkrechten 
durchmesser). Und verhält sich dies nicht so? Wenn jemand 
eine dünne kreisscheibe in einiger entfernung so vor das äuge 
gehalten wird, daß dasselbe in der ebene des kreises liegt, wird 
er dann, falls er es nicht bereits weiß oder aus anderen Ursachen, 
z. b. aus den licht-reflexen am mantel des dünnen cylinders, ab- 
nehmen kann, zu erkennen im stände sein, was er vor sich habe? 
Die krümmung vermag er, wie im ersten der beiden mit aXXoag 
überschriebenen beweise treffend hervorgehoben ist, nicht wahrzu- 
nehmen, er bemerkt nur einen geradlinigen gegenständ von der 
läge und große der berührungssehne BT, um so größer, bis zur 
länge des durchmessers , je weiter sein äuge vom kreise ent- 
fernt ist. Davon aber , daß er eine gekrümmte figur vor sich 
habe , und noch weniger davon , ob dieselbe kreisförmig , ellip- 
tisch oder sonst wie gekrümmt ist, vermag er nichts zu ent- 
decken. Ist doch die vertikal-projektion eines horizontal liegen- 
den kreises (das äuge in unendlicher entfernung) eine gerade 
linie , nämlich ein durchmesser. Weit entfernt also , unrichtig 
zu sein, bildet dieser satz vielmehr das gegenstück zu dem un- 
mittelbar darauf folgenden, Prop. 24, daß eine kugel, von einem 
äuge aus einiger entfernung betrachtet , als ein kreis erscheint, 
dessen ebene auf einer vom äuge nach dem kugel - mittelpunkte 
gezogenen geraden senkrecht steht, und welcber den grundkreis 
des vom äuge ausgehenden und die kugel berührenden von den 
sehstrahlen hervorgebrachten kegeis bildet; befindet sich das äuge 
in unendlicher entfernung, so erscheint die kugel als ein größter 
kreis. Wie in Prop. 23 eine fläche als eine linie erscheint, so 
erscheint in Prop. 24 ein körper als eine fläche, wie in Prop. 23 
eine krumme linie, der nach dem äuge zu convexe und der nach 
demselben zu coneave bogen des kreises, als eine gerade linie 



Nr. 1. 8. Eukleides. 47 

erscheint, so erscheint in Prop. 24 eine gekrümmte fläche, die nach 
dem äuge zu convexe und die nach demselben zu concave kugel- 
schale als eine ebene. Die beziehung beider sätze zu einander 
ist unverkennbar. Die vier vorhergehenden sätze, Prop. 19 — 22, 
aber zeigen Euklid von einer gewiß den meisten unbekannten 
seite, nämlich als praktischen geometer , denn er lehrt hier, 
Prop. 19, die höhe eines gegenständes aus dem schatten, Prop. 20 
dieselbe mit hilfe eines spiegeis, Prop. 21 die tiefe eines Schachtes 
oder brunnens, Prop. 22 eine (horizontale) länge messen. Diese 
vier sätze, vielleicht hervorgegangen aus alt-ägyptischen verfak- 
rungs-weisen, scheinen den keim gebildet zu haben, aus welchem, 
weiter entwickelt, die antiken messungsmethoden hervorgingen, 
denen wir (nach Cantor: Agrimensoren p. 20) in Herons werk 
über die dioptra und in verschiedenen, praktische geometrie behan- 
delnden, schritten des mittelalters begegnen. Kurz, man sieht, auch 
die bisher wenig beachtete optik bietet manches bemerkenswerthe. 
Das hier mitgetheilte wird gedoch genügen , zu erkennen, 
daß trotz der seit Peyrards zeiten vermehrten und verbesserten 
hülfsmittel der kritik auch jetzt noch die ausgäbe des Euklid ein 
sehr schwieriges unternehmen ist. Wer aber, von dem bestreben 
geleitet, die geometrie an der quelle kennen zu lernen, und die 
worte des alt-ineisters Euklid, des arorgetom)?, selbst zu verneh- 
men, die hier besprochene ausgäbe zur hand nimmt, der wird sich 
überzeugen , daß sie mit der sorgfältigsten erwägung aller in 
frage kommenden Verhältnisse verfaßt ist und wird den auf sie 
verwandten außerordentlichen fleiß dankend bewundern. Erei- 
lich bleibt noch vieles disputabel und von subjectiver meinung 
abhängig, manche stellen sind vorhanden, von denen der her- 
ausgeber selbst überzeugt ist, daß sie eingeschoben sind , die er 
aber zu entfernen vorsichtiger weise gleichwohl bedenken ge- 
tragen hat; nach allem aber, was zur zeit veröffentlicht ist, dürfen 
wir die begründete hoflnung hegen , von den Elementen einen 
nicht allein lesbaren, sondern auch vielfach einfacheren, und 
daher der arabischen tradition ähnlicheren, text zu erhalten, als 
wir bisher besaßen, und die Optik unserem Verständnisse näher 
gerückt zu sehen. Muthmalilich wird die vorliegende ausgäbe 
für eine reihe von jähren ebenso die maßgebende bleiben , wie 
dies bis zu ihrem erscheinen mit der Peyrardscheu der fall war. 

H. Weißenborn. 



48 9. Schotten zu Piaton. Nr. 1. 

9. FriedericusGiesing, de scholiis Platonicis quae- 
stiones selectae. Pars prior: de Aeli Dionysi et Pausaniae At- 
ticistarum in scholiis fragmentis. Diss. Leipzig 1883. 8. 70 p. 

In den letzten jähren hat sich die philologische forschung 
auch der früher arg vernachlässigten scholien - litteratur zuge- 
wendet. Theils hat man kritische hearbeituugen der einzelnen 
scholien- Sammlungen ins äuge gefaßt und die Veranstaltung von 
guten ausgaben unternommen , theils sucht man den inhalt der 
scholien zu erforschen und für die erklärung der Schriftsteller 
und sonstige philologische zwecke mehr nutzbar zu machen. In 
letzterer beziehung gilt es vor allem , den Ursprung und die 
quellen der scholien -Sammlungen zu ermitteln und darnach den 
werth derselben zu bestimmen. In jüngster zeit hat nun die 
forschung auf diesem gebiete ganz verkehrte wege eingeschla- 
gen und diese falsche richtung hat bereits solche dimensionen 
angenommen , daß es angezeigt erscheint ihr ein energisches 
halt zuzurufen. Sie geht darauf aus, für verschiedene scholien- 
sammluugen die werke der atticisten Ailios Dionysios und Pau- 
sanias als hauptquellen nachzuweisen, ein unternehmen, das nach 
meinem dafürhalten durchaus verfehlt ist. Den ersten schritt 
auf dieser schiefen ebene that Ernst Schwabe in seinen Unter- 
suchungen über die quellen der Thukydides-scholien (Leipziger 
Studien IV [1881] p. 67 ff.). Aus Pausanias wird in einem 
scholion zu VI, 21 das wort 'Eynoxonidai erklärt. Dies citat 
und der umstand , daß in den fragmenten des Ailios Dionysios 
und des Pausanias einige male auf Thukydides bezug genommen 
wird, bilden für Schwabe den ausgangspunkt seiner Untersuchung. 
Zwar zeigen die scholien, die sich mit den entsprechenden frag- 
menten der beiden lexikographen berühren , meist nur eine ge- 
ringe ähnlichkeit mit diesen, zum theil sind sie sogar verschieden. 
Aber dadurch läßt sich Schwabe nicht beirren. Der hauptbe- 
weis für die benutzung der beiden atticisten in den scholien liegt 
für ihn nicht in den fragmenten derselben, sondern in der Über- 
einstimmung gewisser scholien mit glossen des Photios. Und 
hier haben wir die quelle des fehlers, der sich durch die ar- 
beiten Schwabe's und seiner nachtreter wie ein rother faden 
hindurchzieht. Hauptquellen (fontes principales) des Pho- 
tios waren die lexika des Dionysios und Pausanias: 
darum müssen alle scholien, welche mit Photios 



Nr. 1. 9. Scholien zu Piaton. 49 

übereinstimmen, aus einem der beiden atticisten 
stammen. Die thatsache also, daß Ailios Dionysios und Pausa- 
nias zu den hauptquellen des Photios gehörten, verdichtet sich bei 
ihnen fast zu dem glauben, daß sie seine einzige quelle waren. 
— Den gedanken, daß Photios aus einer Thukydides-handschrift 
erklärungen Thukydideischer ausdrücke in sein lexikon aufge- 
nommen , weist Schwabe von vornherein ab. Und doch scheint 
mir nichts sicherer als dieses : ein nicht geringer theil der glossen 
des Photios, aus denen Schwabe die benutzung der atticisten 
an den entsprechenden stellen der scholien gefolgert hat, ist un- 
zweifelhaft aus den Thukydides-scholien geflossen: tv aagaa^öv . 
nqifiva* ixgovovzo . uy%co[xu).ov . t(fo).xu . idöggonof . veoxuzucid- 
zoig . ud/uaza . fXBZUzü^ua&ui . OfjiaiXftta . ngoasxeizo . öZQazuntÖov 
inoiijaatzo . vnaycoyoLQ . vntinofxsv . negiiecog u. a. Andererseits 
sind thukydideische ausdrücke , deren erklärung bei Photios in 
der that aus einem der beiden atticisten zu sein scheint, in den 
scholien anders erklärt: vgl. Phot. tvijdeg (schol. Thuk. III, 83), 
ei/.ü%a (schol. Thuk. V, 16), naiÖixü. (schol. Thuk. I, 132), qa-fiav 
(schol. Thuk. IV, 10). Jedenfalls kann von einer benutzung der 
beiden atticisten in größerem umfange keine rede sein. 

Schwabe ist von der richtigkeit seiner vermuthung so völlig 
überzeugt , daß er die anwendung derselben methode auch an- 
derswo empfiehlt und namentlich in den Aischines- und Demo- 
sthenes-scholien die benutzung der atticisten für sicher hält. Diese 
mahnung ist nicht ohne erfolg geblieben. Theodor Freyer 
ist mit seinen Untersuchungen über die quellen der Aischines-scho- 
lien (Leipziger Studien V [1882] p. 239 ff.) ganz in die fuß- 
stapfen von Schwabe getreten und hat diesen noch überboten. 
Das einzige in dieser abhandlung, was auf Zustimmung rechnen 
kann, ist der excurs p. 257 — 263, wo gezeigt wird, daß Har- 
pokration und Pollux nicht die atticisten ausgeschrieben, sondern 
dieselben quellen wie diese benutzt haben. Das gesunde urtheil, 
das der Verfasser hier bekundet, sucht man sonst vergebens. 
Die arbeit beruht durchweg auf falschen Voraussetzungen. Die 
annähme , daß in den Aischines - scholien Ailios Dionysios und 
Pausanias benutzt seien, stützt sich auf die bemerkung im schol. 
I, 89 . . . n<tQazi]Qi]ziov ozt tcp fiep 6t6/xazt xi^QtjPzai oi na- 
Xaiol ztjg inx/.ijzov , ovxhi [Atvzoi xai zco qi^uzi , ag qxxaiv oi 
'Azziy.iaiai Mit oi 'Azziv.ißtai sollen Ailios Dionysios und Pau- 
Philol. Anz. XV. 4 



50 9. Schotten zu Piaton. Nr. 1. 

sanias gemeint sein. Aber waren diese denn die einzigen atti- 
cisten? Kann der scholiast nicht an andere gedacht haben, die 
ihm zeitlich näher standen? Ich zweifle überhaupt, daß er an 
bestimmte personen gedacht hat. Uebrigens paßt der ausdruck 
1 ' AnvMGtal auf die genannten lexikographen gar nicht: wir 
pflegen sie atticisten zu nennen, weil sich in ihren fragmenten 
viele atticistische bemerkungen finden; Photios und Eustathios 
und die andern quellen nennen sie niemals ' Airixiaral. Außer- 
dem führt Freyer drei scholien an, die mit fragmenten der bei- 
den grammatiker übereinstimmen sollen. Aber trotz seiner zu- 
versichtlichen behauptung ist Schol. II, 87 im IlaWabioo nicht 
aus Pausanias und Schol. I, 191 inaxzQOiiilTjg nicht aus Ailios 
Dionysios, Schol. I, 126 stimmt zwar mit Ailios Dionysios überein, 
braucht aber nicht gerade aus diesem abgeschrieben zu sein : 
der unterschied von yslolog und yslotog war allgemein bekannt 
und ist älter als Ailios Dionysios, wie Ammonios p. 36 (d. i. 
Herennius Philo) zeigt. Nach diesen „beweisen" für die benu- 
tzung der atticisten hält Freyer sich für berechtigt, eine große 
reihe von scholien auf deren werke zurückzuführen. Es genügt 
(ganz wie bei Schwabe) die Übereinstimmung mit Photios und 
Suidas — denn deren hauptquellen sind ja die beiden atticisten 
— oder mit Hesych : denn daß Hesych (von Diogenian ist nicht 
die rede) die atticisten benutzt hat, steht für ihn fest. 

Von einem beweis kann unter solchen umständen natürlich 
keine rede sein. An keiner einzigen stelle scheint mir eine di- 
rekte benutzung des Ailios Dionysios oder Pausanias festgestellt, 
so wenig wie bei Harpokration und im fünften Bekkerschen 
lexikon, mit welchem viele glossen in den Aischines-scholien am 
meisten ähnlichkeit haben. Die Untersuchung der quellen der 
Aischines - scholien muß in ganz anderer weise vorgenommen 
werden. Die bemerkungen von F. Schultz (Jahrb. f. philol. 
93, 289 ff.), über welche Frey er geringschätzig urtheilt, scheinen 
mir sehr beachtenswerth. Da die scholien üherall eine gewisse 
Selbständigkeit in der benutzung des quellen-materials verrathen, 
so ist sehr zu bezweifeln, ob wir im stände sind an allen stellen 
eine bestimmte quelle zu ermitteln. Die Untersuchung wird 
hauptsächlich festzustellen haben, welche scholien auf gute alte 
Überlieferung zurückgehen und welche in späterer zeit zuge- 
setzt sind. 



Nr. 1. 9. Schotten zu Piaton. 51 

Das epimetrum, welches Freyer seiner abhandlung beigege- 
ben hat , ist ein wunderbares produkt leichtfertiger unkritik. 
Weil in den fragmenten des Ailios Dionysios und Pausanias 
häufig die ausdrücke ol naXaioi, naqu ro7g naXaiotg u. ä. vor- 
kommen, soll überhaupt an allen stellen in scholien und Wörter- 
büchern , wo sich diese formein finden , einer der beiden attici- 
sten benutzt sein. Mit diesem probaten mittel werden von ihm 
eine menge glossen nicht nur aus Eustathios, Photios, Suidas 
und den Bekkerschen lexika, sondern auch aus Hesych, Ammo- 
nios (!), den scholien zu Aristophanes , Deniosthenes , Plato, Lu- 
kian auf die beiden atticisten zurückgeführt. Daß dieselben 
ausdrücke in derselben bedeutung auch von andern grammati- 
kern gebraucht werden , von Harpokration , Pollux , Athenaios, 
Pamphilos , Didymos , ja selbst von Aristophanes von Byzanz, 
kümmert ihn nicht. Geradezu lächerlich ist die behauptung, 
daß ol nalaioi etc. nur die alten Attiker oder attische Schrift- 
steller bedeuten könne und daß Eustathios sich ungenau aus- 
drücke, wenn er ol nulawl auch für A'ti.iog Jiorvoiog und IJav- 
curiug brauche. Wer auch nur einigermaßen den Eustathios 
kennt, muß wissen, wie häufig und in wie verschiedenen beden- 
tungen die ausdrücke ol nalawl , xara rovg naXaiovg etc. von 
ihm gebraucht werden : die alten Griechen , die alten Athener, 
die attischen schriftsteiler, die alten schriftsteiler überhaupt und 
dann sämmtliche von ihm benutzte autoren werden unterschieds- 
los nach belieben durch ol 7ia).aiol etc. bezeichnet, die Verfasser 
der rhetorischen lexika nicht minder wie die Homer-scholiasten, 
wie Aristophanes von Byzanz , Sueton , Herennius Philo, Athe- 
naios, Herodian, Choiroboskos etc. Es ist betrübend, über der- 
artige dinge belehren zu müssen. 

Nach diesen einleitenden bemerkungen, die ich im interesse 
der sache für geboten erachtete, wende ich mich zu der arbeit 
vonGiesing. Ihr erscheinen fällt zusammen mit meinen „Un- 
tersuchungen über die quellen der Plato-scholien" (Jahrb. suppl. 
XIII, 773 — 862). Als ich zuerst von Giesing's schrift künde erhielt, 
bedauerte ich, daß ich sie nicht mehr für meine abhandlung be- 
nutzen konnte, da deren druck bereits vollendet war. Nachdem 
ich sie aber gelesen, mußte ich mir sagen, daß ich nichts daraus 
gelernt. Giesing bewegt sich in dem geleise, das ich soeben cha- 
rakterisiert habe : Schwabe und Freyer sind seine Vorbilder und 

4* 



52 9. Schotten zu Piaton. Nr. 1. 

gewährsmänner. Giesing will die lexika des Ailios Dionysios 
und des Pausanias als hauptquellen der Plato-scholien nachwei- 
sen und bedient sich dazu derselben methode wie Schwabe und 
Freyer. 

Wiewohl ich mich mit dem hinweise auf meine abhandlung 
begnügen könnte , so will ich doch , um mein urtheil zu recht- 
fertigen , den inhalt der Giesing'schen schrift kurz skizzieren. 
Wie wir p. 9 erfahren, war der Verfasser mit seiner arbeit fer- 
tig, als er auf die (im jähre 1880 erschienene) dissertation von 
Mettauer und Sauppe's recension derselben (Gott. gel. anz. 1881, 
p. 1626) aufmerksam gemacht wurde. Er hat sich aber nicht 
veranlaßt gesehen, auf diese beiden gelehrten weiter rücksicht 
zu nehmen. Sauppe (Giesing nennt ihnSaupius!) wird mit den 
Worten abgefertigt : ipse autem v. d. causas certas quibus hanc sen- 
tentiam illustret deesse concedit. Mit Mettauer sich in controver- 
sen einzulassen halt er nicht für nöthig, weil jener sich wesent- 
lich auf Naber's hypothesen stütze : was keineswegs richtig ist. 
Hingegen erhält Freyer ein gleiches lob , wie es dieser seinem 
Vorgänger Schwabe ertheilt hat. Nur in einem punkte ist Gie- 
sing nicht ganz mit Freyer einverstanden, über das verhältniß 
des Suidas zu Photios. Freyer vertritt Boysen's ansieht, daß 
Suidas nicht aus Photios abgeschrieben, sondern dieselben quel- 
len benutzt hat. Giesing bemerkt dagegen, daß Photios und 
Suidas vielfach glossen der atticisten , die bei Eustathios und 
anderen vollständig erhalten sind , verändert und verkürzt ha- 
ben, aber doch auch in solchen fällen avtole^ei übereinstimmen 1 ). 
Er vermuthet daher , daß Photios und Suidas nicht die werke 
der atticisten selbst, sondern ein umfangreiches lexikon, welches 
bereits die (verkürzten) lexika der atticisten und anderer ent- 
hielt, benutzt haben. Dies ist in der that der einzig mögliche 
Standpunkt für die gegner der abhängigkeit des Suidas von Pho- 
tios. Es fragt sich nur, ob die existenz eines solchen lexikons, 
das im wesentlichen dem des Photios geglichen haben muß, 
wahrscheinlich ist, ob nicht die größere Wahrscheinlichkeit dafür 
spricht, daß eben Photios es war, der diese verschiedenen lexika 

1) Das von Giesing angeführte beispiel ist recht unglücklich ge- 
wählt; denn an der stelle p* 1827, 62 hat Eustathios nicht ein rheto- 
risches lexikon, sondern die schrift des Herennius Philo benutzt (coli. 
Ammon. s. v. vtak^s). 



Nr. 1. 9. Scholien zu Piaton. 53 

in einander arbeitete , da wir von ihm wissen , daß er alle die 
werke, die in seinem lexikon benutzt sind, wirklich besaß. 

Im 2. capitel werden diejenigen scholien aufgezählt und 
besprochen, die mit fragmenten des Ailios Dionysios oder Pau- 
sanias übereinstimmen. Hier befindet sich der Verfasser auf ei- 
nem sicheren boden, Ailios Dionysios wird ein mal ausdrück- 
lich citiert und die genaue Übereinstimmung einiger scholien 
mit andern fragmenten der beiden atticisten zeigt, daß sie auch 
sonst benutzt sind. Dennoch hat es Giesing schon hier an der 
nöthigen vorsieht und besonnenheit fehlen lassen. Von den neun 
scholien, die aus Ailios Dionysios entlehnt sein sollen, sind fünf 
auszuscheiden. Wenn der scholiast 8i]fioCfi£vov durch ÖTjfxoxo- 
novrza, naiigOvra, dantvuvru erklärt, so kann nicht Ailios Dio- 
nysios seine quelle sein , der Sijfiovodo.i nur durch naC^siv er- 
läutert (Eust. p. 901 ,12 ... örjixovoüai naga zö) q>iXoo6(fq> 
niauövi io Tzal^siv. Et. Mg. 265, 36 dr/^ovaüui' nai£,en>. ovtani 
niarar). Vielmehr führt die vergleichung von schob Plat., Ti- 
maios und Hesych darauf, daß die erklärung des wortes dtj- 
fiolo&at von einem älteren grammatiker oder Plato-commentator 
herrührt und daß aus diesem sowohl der scholiast als Ailios 
Dionysios, Diogenian und Timaios geschöpft haben. Aehnlich 
steht es mit der glosse snriXvyuaüfÄsroc. Die glossen uzza und 
nilrri sind aus dem redner-lexikon , dessen gemeinsame benu- 
tzung durch Photios , den Verfasser des fünften Bekkerschen le- 
xikon und den Plato-scholiasten ich nachgewiesen habe. Die 
glosse yevvijzui (schob Phileb. 30 D) weist Giesing (wie Mettauer) 
irrthümlich Ailios Dionysios zu , sie stammt aus Pausanias , wie 
sich mit Wahrscheinlichkeit aus Eustathios ergiebt (Eust. p. 239, 
32 nennt zuerst den Ailios Dionysios, dann ein anderes lexikon : 
iv sraoo) de cfjoi'cp Xs^uo) qeoeTui d. i. wahrscheinlich Pausanias, 
und fährt alsdann fort: alXa^ov de ort v.%1., wo also gleichfalls 
Pausanias zu verstehen ist). Von den 6 scholien , die Giesing 
dem Pausanias zuweist, gehören ihm in Wahrheit nur zwei (a/xog- 
yig und xpsvdog (poinxtxov). Auch a/xirit] (schol. Euthyd. 370 D) 
wird ohne grund auf einen der beiden atticisten zurückgeführt. 

Das 3. capitel ist de Boetho betitelt und richtet sich gegen 
Naber, der diesen lexikographen für eine hauptquelle des Pho- 
tios und des Plato-scholiasten hielt. Die polemik ist schwach 
und oberflächlich und bewegt sich in allgemeinen redensarten. 



54 9. Schollen zu Piaton. Nr. 1. 

Naber hat allerdings hier wie in vielen anderen dingen weit 
über das ziel hinausgeschossen und dem Boethos eine menge 
glossen zugewiesen, die nichts mit ihm zu schaffen haben. Aber 
Giesing bemüht sich vergeblich den Boethos ganz zu eliminieren. 
Mit der bloßen behauptung, daß alle glossen, welche Naber als 
eigenthum des Boethos ansah, den atticisten gehören, ist nichts 
gewonnen. Giesing's ansieht , daß Ailios Dionysios und Pausa- 
nias als hauptquellen der Plato-scholien gelten müssen, weil letz- 
tere so oft mit Photios übereinstimmen , ist nicht um ein haar 
besser als die theorie Nabers, daß Photios alle glossen, die sich 
auch in den Plato-scholien finden, aus Boethos habe. Das heißt 
eine falsche hypothese durch die andere ersetzen. - — Nachdem 
Boethos auf diese leichte art abgefertigt ist, geht der Verfasser 
im 4. capitel lustig darauf aus , unter vergleichung von Eusta- 
thios, Photios, Suidas, dem fünften und sechsten Bekkerschen 
lexikon etc. glossen der atticisten in den scholien nachzuweisen. 
Von einer wirklichen quellenuntersuchung , von einer sorgfälti- 
gen prüfung der Verwandtschaftsverhältnisse der verschiedenen 
quellen, von einer berücksichtigung des Sprachgebrauchs der at- 
ticisten ist keine rede. Ganz willkürlich werden die verschie- 
denartigsten scholien bunt durch einander geworfen und einfach 
alles , was in ähnlicher weise bei Eustathios oder Photios etc. 
erklärt wird, auf die atticisten zurückgeführt, als ob Eustathios 
und Photios keine anderen quellen benutzt hätten als die Schrif- 
ten des Ailios Dionysios und des Pausanias. Zu Schob Eep. 
521 C (ogtqccxov n£(ji6TQoq>ij) wird Eust. p. 1161, 35 herange- 
zogen, obgleich das scholion keine spur von ähnlichkeit mit Eu- 
stathios zeigt, und sofort geschlossen, daß beide aus einem atti- 
cisten schöpfen : in Wahrheit hat Eustathios an dieser stelle Sue- 
ton ausgeschrieben. Dann wird das Clarkianus-scholion zu Ly- 
sis 206 E mit Eust. p. 1289, 50 verglichen und die ganze aus- 
einandersetzung über das astragalenspiel auf ein rhetorisches 
lexikon zurückgeführt. Eustathios hat aber aus dem rhetorischen 
lexikon nichts als die notiz, daß der knöchel jonisch aargaydlt] 
hieß und der aßjQdyalog auch aOTQtxog genannt wurde, während 
die beschreibung des spiels aus Sueton stammt. Giesing pole- 
misiert dann gegen mich, weil ich fast alle von Eustathios er- 
wähnten naidial auf Sueton zurückgeführt habe: die polemik 
entbehrt so sehr jeglichen grundes, daß ich eine Widerlegung 



Nr. 1. 10. Scholien zu Demosthenes. 55 

derselben für überflüssig halte. Von den 19 scholien, welche 
Giesing wegen der Übereinstimmung des Eustathios aufführt, 
bleiben nur zwei übrig, die wirklich mit einiger Wahrscheinlich- 
keit aus einem der von Eustathios benutzten rhetorischen lexika 
abgeleitet werden können: qxn.v'kov und ofiov. Nicht besser steht 
es mit den 82 scholien , für welche die Übereinstimmung mit 
Photios als beweis für die entlehnung aus einem der atticisten 
gelten soll : das ganze register ist werthlos , nur sehr wenige 
von diesen glossen stammen wirklich aus Ailios Dionysios oder 
Pausanias, die übrigen sind theils aus Boethos theils aus Dioge- 
nian theils aus dem Bachmann'schea lexikon theils aus dem red- 
ner-lexikon. Ganz dasselbe gilt von den Verzeichnissen solcher 
scholien, die mit Suidas oder mit dem sechsten und fünften 
Bekkerschen lexikon übereinstimmen. Auf diese weise werden 
ca. 200 scholien zusammengebracht, die aus den atticisten stam- 
men sollen. Zuletzt werden auch noch kleine bemerkungen der 
scholiasten und Schreiber wie 'AtTixaig, '^ättixov rolto u. ä. auf 
die atticisten zurückgeführt! z. b. schol. Phaedr. 227 B rmv 16- 
ycov siatia] ' Attmri r\ avrra^ig, schol. Euthyph. 15 C sxwv sivai^ 
, ^T7i/.6v tovro, tiai nugilxei th tivai. Als ob Ailios Dionysios 
und Pausanias Plato-scholiasten gewesen wären. Mit einer so ge- 
ringen kenntnis der grammatischen litteratur , wie sie der Ver- 
fasser bekundet, kann man derartige Untersuchungen nicht führen. 

Leopold Colin. 

10. Aemilius Wangrin, Quaestiones de scholiorum 
Demosthenicorum fontibus. Pars prior: de Harpocratione et 
Aelio Dionysio Pausaniaque Atticistis. Diss. Halle 1883. 8. 39 p. 

Der Verfasser will die quellen der grammatischen glossen 
in den Demosthenes - scholien erforschen. Er steht gleichfalls 
unter dem einfluß von Schwabe und Freyer und ist möglichst 
bemüht eine ausgedehnte benutzung des Ailios Dionysios und 
des Pausanias nachzuweisen. Die ähnlichkeit vieler scholien mit 
Harpokration entgeht ihm zwar nicht ; aber er sucht die zahl 
der aus Harpokration abzuleitenden glossen von vornherein zu 
beschränken : nur solche scholien sollen aus Harpokration stam- 
men, die ganz genau mit ihm übereinstimmen, weil nämlich die- 
ser vollständig erhalten sei [cum Harpocrationis copiae integrae no- 
iis servatae sint) ! Demgemäß läßt er es bei glossen , die zwar 
mit Harpokration übereinstimmen , aber auch anderswo ähnlich 



56 10. Scholien zu Demosthenes. Nr. 1. 

erklärt werden , entweder unentschieden , ob sie aus Harpokra- 
tion oder anderswohei stammen , oder er zieht es vor die atti- 
cisten als quelle anzunehmen. Das Vorhandensein einer gleich 
oder ähnlich lautenden glosse bei Photios (Suidas) oder im 
fünften Bekkerschen lexikon *) ist auch für ihn in den meisten 
fällen ein sicherer beweis für die benutzung eines der beiden 
atticisten. Doch gehen wir etwas genauer auf den inhalt ein. 
Zuerst werden vier scholien angeführt, die sich in dieser form nur bei 
Harpokration finden. Wangrin hat nicht beachtet, daß sie alle mit 
der epitome, also auch mit Suidas übereinstimmen. Vielleicht sind 
sie aus Suidas : eines derselben (p. 477, 22 agfioatai) steht nur im 
Monac. B und in der ed. Parisina, in welche viele Suidas-glossen 
geflossen sind. — Es folgen glossen, die auch sonst vorkommen. 
Gleich bei dem ersten scholion (p. 415, 4 alaßaaTodrjy.ai) schwankt 
Wangrin zwischen Harpokration und den atticisten , weil lex. 
Bekk. 375, 13 dasselbe bietet: er weiß also nicht, daß letztere 
glosse aus Harpokration ist und daß im sechsten Bekkerschen 
lexikon auch excerpte aus Harpokration (epitome) enthalten sind. 
Das scholion zu p. 1278, 27 (artfitjiog uyäv) ist ohne zweifei 
aus Harpokration (Epit. = Suid. lex. Bekk. 459, 26 lex. rhet. 
Bekk. 202, 7). Wangrin ist anderer meinung: da nach Cobet 
Naber Boysen u. a. in den Bekkerschen lexika viele glossen 
der atticisten erhalten sind , so will er das scholion lieber auf 
diese als auf Harpokration zurückführen. Einen weiteren beweis 
soll Suidas bieten, weil dieser aus Photios abschreibt (Wangrin 
folgt hier der ansieht Cobets und Nabers) und weil Photii lexicon 
p aene tot um ex Pausaniae et Dionysii lexicis conflatum esse constat ! 
Wangrin merkt also nicht, daß alle eine und dieselbe Harpo- 
kration - glosse bieten. Aus Harpokration (Epit.) sind auch die 
scholien zu p. 1354, 4 xlrjz^Qsg (auch zu p. 1356, 8 Kcoliäg), 
zu p. 558, 16 xvfxßiov, zu p. 170, 6 naio&oSofiog, zu p. 42,29 
negioroiftt^ezat, zu p. 96, 28 nivdxiop, zu p. 354, 29 eana&äro*, 
zu p. 1278, 4 xlijdog : Wangrin weist xvpßiov . ömadödopog . 
iaaax}Ü7o den atticisten zu. — Dann werden solche scholien auf- 
geführt, die nicht ganz mit Harpokration stimmen. Unter diesen 

1) P. 8 anm, wird nach dem vorgange von Freyer p. 256 eine 
reihe von glossen, die bei Photios und im fünften Bekkerschen lexi- 
kon gleich lauten, in parade aufgeführt zum beweise gegen F. v. Sto- 
jentin , daß im fünften Bekkerschen lexikon die beiden atticisten be- 
nutzt sind (vgl. Jahrb. suppl. XIII, 825). 



Nr. 1. 10 Scholien au Deinosthenes. 57 

rnag das eine oder das andere aus Harpokration stammen , die 
meisten stehen blos im Monac. B (also aus Suidas?). Einige 
sind überhaupt nicht aus einem lexikon , sondern theils erklä- 
rungen älterer commentatoren (die auch in das lexikon des Har- 
pokration übergegangen sind, wie sntxexijQV^svvti p. 352 , 4 und 
{riaaog p. 313, 23), theils bemerkungen späterer scholiasten. 
Ueber das Verhältnis der scholien zu Harpokration werden wir 
also durch den Verfasser in durchaus ungenügender weise belehrt. 
Noch mehr aber fordert der zweite theil der abhandlung 
unsern Widerspruch heraus. Indem der Verfasser eine reihe gram- 
matischer scholien auf die werke des Ailios Dionysios und Pau- 
nias zurückführen will, operiert er mit denselben falschen krite- 
rien, die wir hinlänglich bei Schwabe, Freyer und Griesing ken- 
nen gelernt haben. Zunächst werden einige scholien angeführt, 
die mit fragmenten der beiden atticisten übereinstimmen sollen. 
Schob p. 411, 26 ufazrjgiog und p. 503, 21 yiloiog können aus 
Suidas oder sonst einer jüngeren quelle sein. Das scholion zu 
p. 23,13 kann nicht aus Ailios Dionysios sein, da cixiwig nicht 
erklärt wird und dafür nvQoijri zugesetzt ist. Schob p. 537, 29 
inl x6qqi]<i stimmt mit Et. Mg. 360, 35, während die worte des 
Ailios Dionysios anders lauten. Ebenso wenig kann das scholion 
zu p. 579, 2 aus Ailios Dionysios entlehnt sein, da die erklä- 
rung des Wortes tiqÖ^svoi von der des atticisten abweicht: das 
scholion stimmt vielmehr mit schob II. J377 und mit dem ex- 
cerpt aus Aristophanes von Byzanz (Miller Melanges p. 433 
und frg. Paris. § 15 bei Nauck) als mit dem fragment des Ai- 
lios Dionysios. Demnach ergibt sich aus der vergleichung der 
Demosthenes - scholien mit den fragmenten des Ailios Dionysios 
und Pausanias kein beweis für die benutzung der beiden atti- 
cisten in den scholien. Wangrin hält aber den beweis für er- 
bracht und führt deshalb eine reihe anderer scholien auf die 
beiden lexikographen zurück , wenn die betreffenden ausdrücke 
von Photios und im fünften Bekker'schen lexikon in derselben 
weise erklärt werden. Bei den meisten ist keine spur von Wahr- 
scheinlichkeit vorhanden, daß sie aus Ailios Dionysios oder Pau- 
sanias excerpiert sind. Bei manchen läßt sich direkt das gegen- 
theil beweisen. Ueber die Eteobutaden findet sich eine notiz 
bei Eust. p. 1644, 47 tov 8s B<>vzü8ov Gvrßezov ol 'Eze oßov- 
tadai, yivoi noXv aal Xa/uTigör , and nvog Bovrov , äcp" ov yi- 



58 11. Tacitus. Nr. 1. 

vovg oi isgsig na&iazavto, cpaaiv, 'Adr/v^at. neu tiolv 'Etsoßov- 
tddai ol alrj&äg ix zov Bovzov. Eustathios hat vermuthlich ein 
rhetorisches lexikon benutzt. Dasselbe schrieb Photios aus : *Ezso- 
ßovzddat 1 . yevog noXv (nar) }.U(j.tzq6v, und Bovtov , aep' ov (ot) 
leosig xa&iOTavzo ' A&ijt'ijaiv. Man beachte wohl, daß hier all- 
gemein von priestern die rede ist. Dagegen wird nur die prie- 
sterin der Athena Polias genannt von Harpokration : 'Ezsoßov- 
tädai' . . . yh'og nao^ ^jt&ijvaloig, o'iov ol dXrj&äg anh Bovtov. 
izsov yäg zo dXtj&sg . in 8s zovzcov xa&Cczazo rj ligsia ztjg Ho- 
Xiädog. Mit Harpokration stimmt fast wörtlich Photios in einer 
zweiten glosse 'Ezeoßovzddai (die verkürzt vorliegt im fünften 
Bekkerschen lexikon 257, 4 und im Patmischen lexikon), und 
schol. Aesch. II, 147 erklärt ganz in derselben weise. Auch 
schol. Dem. 573, 9 kommt Harpokration und der zweiten Pho- 
tios-glosse nahe: 'EzEoßovzdSqv de zov alri&äg svyevij ■ tb yug 
opofitt anb Bovzov zivbg ag%aiov yiyoisv ' Adr]vaiov . xai zo izsov 
tb uXq&dg. Man erkennt also ganz deutlich, daß Harpokration, 
Photios (in der zweiten glosse) und der Aeschines - scholiast aus 
der quelle des Eustathios (d. h. einem der beiden atticisten) 
nicht geschöpft haben können. Freyer (p. 325) trägt kein be- 
denken, alle stellen aus den atticisten abzuleiten. Wangrin wagt 
über das Demosthenes-scholion keine entscheidung. 

Der versuch, die attischen lexika des Ailios Dionysios und 
des Pausanias als quellen der Demosthenes-scholien nachzuweisen, 
muß als gescheitert angesehen werden. Viele grammatische glos- 
sen stimmen mit den Aeschines - scholien und dem fünften Bek- 
ker'schen lexikon (resp. Photios) überein, gehen also auf diesel- 
ben quellen wie diese zurück. Ein theil der scholien, welche 
"Wangrin für die atticisten in anspruch nimmt, scheint überhaupt 
nicht aus lexikalischer quelle geflossen zu sein. Vielfach haben 
die scholiasten die angaben ihrer quellen modificiert und nach 
belieben verkürzt und erweitert, so daß es oft unmöglich sein 
dürfte eine bestimmte quelle zu ermitteln. Auch hier kommt 
es vor allem darauf an, eine Scheidung von älteren und jüngeren 
scholien vorzunehmen. Leopold Colin. 

11. F. Meyer, De personificationis quae dicitur usu Ta- 
citeo. Gottingae MDCCCLXXXIV. 29 p. 4. [Gymnasial- 
programm.] 



Nr. 1. 11. Tacitus. 59 

Unter personification verstellt der verf. der anzuzeigen- 
den abhandlung hier nur die Verbindung eines abstracten sub- 
jects mit einem prädicatsverbum der tbätigkeit. Mit Sorgfalt 
und fleiß bat er die beispiele dieser ausdrucksweise bei Tacitus 
gesammelt und zur Würdigung derselben auch gelegentlich den 
gebrauch bei Cäsar, Sallust und Livius verglichen. Der reiche stoff, 
dessen darlegung , soweit es möglich war , durch hinweise auf 
das Lexicon Taciteum von Gerber und Greef vereinfacht wird, 
ist in drei abschnitte eingetheilt : im ersten werden namen von 
ländern und Städten , die statt der personen gesetzt sind , und 
verwandtes behandelt; im zweiten sachliche und abstracte be- 
griffe , die nicht statt persönlicher stehen ; im dritten dasjenige, 
was sich in den beiden ersten nicht unterbringen und auch nicht 
wohl anders subsumieren ließ (quae ad rationes revocari non po- 
tuerint). In jedem abschnitte ist das enger zusammengehörige 
in gruppen vereinigt. Diese eintheilung hat jedoch manches 
mißliche ; abgesehen von dem irrationalen reste führt sie zu Wieder- 
holungen und zur trennung gleichartiger fälle. Man vergleiche 
Ann. IV, 15 , 8 accusante provincia mit XIII, 33, 2 accusante 
Asia ; die analogie ist offenbar : beide male ist die provinz Asien 
die klägerin gegen einen finanzbeamten ; da aber das eine mal 
der eigenname , das andere mal der gattungsname als subject 
steht , hat der verf. nach seiner disposition die sätze getrennt. 
Aehnliche fälle begegnen nicht selten: Ann. I, 76, QAchaiam ae 
Macedoniam onera deprecantis und II, 42, 23 provinciae Suria at- 
que Iudaea . . deminutionem tributi ordbant ; Hist. II, 32, 8 pro- 
vinciam . . contremuisse und III, 79 , 3 trernere urbem ; Ann. I, 
2, 12 provinciae . . statum abnuebant und Hist. I, 61, 3 si ab- 
nuerent [sc. Galliae); Ann. II, 19, 7 silvas . . palus ambibat und 
XV, 4, 5 amnis . . partem murorum ambit; Ann. II, 20, 14 Ro- 
manos . . montes claudebant und Hist. V, 11, 13 duos colles . . clau- 
debant muri; Ann. I, 47, 3 multa quippe et diversa angebant (sc. 
Tiberium) und Hist. IV, 68,1 cuncta in deterius audita Mucianum ange- 
bant. Es leuchtet ein, daß die hier paarweise zusammengestell- 
ten beispiele zusammengehören; der verf. aber mußte diese und 
andere, zwischen welchen das gleiche Verhältnis obwaltet, trennen. 
Bei dem zuletzt angeführten fiel noch das particip ins gewicht. 
Aber wenn dies ebenso der fall ist Hist. III, 9, 25 recitatae pro 
contione epistulae addidere fiduciam, dann ist es nicht anders IV, 



60 12. Mythologie. Nr. 1. 

3 , 17 addidere alacritatem Vespasiani litterae tamquam manente 
hello scriptae; und doch werden die beiden sätze getrennt be- 
handelt. Die personification , wie sie vom verf. bestimmt wird, 
vollzieht sich durch das prädicat; daher war es vielleicht rich- 
tiger , die anordnung auf dieses zu gründen und die beispiele 
nach der begriffssphäre der verba zu gruppieren. So ließ sich 
das gleichartige vereinigen, Wiederholung vermeiden und mög- 
licherweise eine fortschreitende entwicklung der personification 
durch die folge der Taciteischen Schriften hindurch erkennen. 
Der umsichtige verf. hat diesen gesichtspunkt nicht vernachläs- 
sigt, ist aber nicht über vereinzelte andeutungen (p. 12; 18; 19) 
hinausgekommen. Auch die Wichtigkeit des prädicats verbums 
für die personification entging ihm nicht (p. 9; 10; 22; 23; 24), 
doch scheint er sie noch zu unterschätzen. Eine Scheidung der 
aus den reden und beschreibenden partien entnommenen beispiele 
von den aus der erzählung geschöpften unterläßt der verf. , da 
er beobachtet haben will , daß die dort vorkommenden personi- 
ficationen nicht durch kühnheit hervorragen ; aber in der rede 
des Seneca Ann. XIV, 53, 20 constatiert er (p. 22) doch einen 
fall von ausnehmender kühnheit. Wenn so dem leser manches 
bedenken erweckt wird, so verdankt er dies eben der vom verf. 
gebotenen anregung. Meyers schrift wird , namentlich solange 
das Lexicon Taciteum noch unvollendet ist, eine schätzbare fund- 
grube sein; durch manche gelegentliche bemerkungen z. b. über 
die Variation im stile des Tacitus hat sie noch besonderen werth. 

12. W. H. Röscher, nektar und ambrosia. Mit einem an- 
hang über die grundbedeutung der Aphrodite und Athene. 
Leipzig 1883. 8. 116 p. 

Durch seine neuste mythologische Studie führt Röscher in 
wohlbekannter gelehrter und lichtvoller art den nachweis, daß 
zwischen den antiken Vorstellungen von nektar und ambrosia 
und denen vom honig der weitgehendste parallelismus besteht. 
Was er vorbringt , sind thatsachen , die durchweg klar und un- 
parteiisch dargestellt sind und für sich selbst sprechen 1 ). Röscher 

1) Nur selten ist ref. mit den ausführungen Roscher's im einzel- 
nen nicht ganz einverstanden. So z. b. p. 51 ff. Hier wird Nägelsbach's 
ansieht, daß die Unsterblichkeit der götter eigentlich auf dem ge- 
nusse von nektar und ambrosia beruhe, gegen die angriffe Bergk's ver- 
theidigt, besonders durch den hinweis , daß die h e r o e n durch den 



Nr. 1. 12. Mythologie. 61 

zieht daraus nun den schluß: daß der honig — der bald als speise, 
bald, mit wasser verdünnt, als berauschender meth genossen 
WU rde — das „Substrat" sowohl der mythischen götterspeise (am- 
brosia) wie des göttertrankes (nektar) sei; aus der gemeinschaft- 
lichkeit dieses Substrates erklärt er die (ganz vereinzelte) ver- 
tauschung beider bezeichnungen. 

Sind damit aber jene mythischen Vorstellungen wirklich 
vollständig analysirt? Sind sie lediglich Spiegelbilder eines 
Objektes der Wirklichkeit und haben bei ihrer bildung nicht ver- 
schiedene factoren neben und in einander gewirkt, die es 
nachzuweisen gilt? Ref. bekennt, daß ihm persönlich Roschers 
einfache vergleichende methode nicht überall völlig ausreichend 
erscheint; er glaubt, daß bei der analyse der meist sehr compli- 
cirten mythischen gebilde die rechnung nach abzug eines solchen 
„physischen Substrates" in Wahrheit selten oder nie ganz rein 
aufgehen wird. So scheint ihm Röscher hier den von den frü- 
heren forschern — vielleicht einseitig — hervorgehobenen Zu- 
sammenhang des nektars mit dem „himmlischen wasser" gar zu 
gering angeschlagen zuhaben. Leitet nicht gerade der p. 13 — 22 
mit großer gelehrsamkeit geführte nachweis , daß der honig im 
alterthum ganz allgemein als himmlischer thau galt, wieder 
auf dieselbe fährte? Und gehen damit nicht die beiden schein- 
bar verschiedenen physischen „Substrate" psychologisch in 
einander über? Doch die beantwortung dieser und ähnlicher 
fragen möge Röscher überlassen bleiben, der das neuerdings im 
anschluß an sein buch wiederholt besprochene problem hoffent- 
lich einer revision unterziehen wird. 

Den anhang bilden zwei knappe , durch eine reihe von 
überraschenden combinationen ausgezeichnete aufsätze über die 
grundbedeutung der Aphrodite und der Athene , von denen 
jene als mondgöttin, diese als gewittergöttin erklärt wird. Ge- 
wiß liegt Wahrheit in Roschers ausführungen , schwerlich aber 
die ganze Wahrheit. Ref. wenigstens hat hier wiederum ganz 
ähnliche bedenken, wie bei der hauptuntersuchung ; er neigt 

genuß der götterspeise unsterblich gemacht werden. Aber folgt dar- 
aus, daß die Unsterblichkeit der götter denselben grund hat? Der 
bekannte p. 55 angeführte glaube, daß meineidige götter jahrelang 
vom genuß der ambrosia und des nektars ausgeschlossen wurden und 
dabei freilich in einen tiefen schlaf (Röscher: todesschlaf) verfielen, 
spricht doch eher dagegen, als dafür. 



62 12. Mythologie. Nr. 1. 

sich sogar zu der ketzerischen , von H. D. Müller (Mythol. der 
griech. stamme II, p. 392; vgl. p. 69) in paradoxer schärfe aus- 
gesprochenen ansieht, daß sich das wesen der griechischen haupt- 
gottheiten überhaupt nicht auf ein physisches phaenomen zu- 
rückführen läßt, aus dem alle einzelnen eigenschaften „wie die 
äste und zweige eines baumes aus gemeinsamer wurzel" empor- 
geschossen wären. Vor allem wird man die meist erst nachträg- 
lich entwickelten ethischen eigenschaften 2 ) nicht durchweg aus je- 
nem „physischen substrat" ableiten dürfen. Hierin ist Röscher, 
unterstützt durch ausgebreitetes wissen und nie versagende com- 
binationsgabe, wohl nicht selten hinausgegangen vnsg id iayta[x- 
fxt'va (vgl. bes. p. 100 ff.). 

Leider kann die vorstehende, den zwecken dieser blätter 
gemäß sehr summarisch gehaltene Übersicht nur einen sehr un- 
vollkommenen begriff geben von der in dem gehaltreichen büchiein 
ausgestreuten reichen fülle von beobachtungen und vermuthungen, 
in denen die verschiedensten mythologischen und religionsgeschicht- 
lichen probleme berührt werden. Zu weiterer Charakteristik 
greift ref. noch eine reihe von einzelheiten heraus, die er in et- 
lichen punkten glaubt berichtigen oder ergänzen zu können. 

P. 37 (vgl. p. 74) wird für den Dionysoscult „vermu- 
thungsweise" eine periode angenommen, wo der altheimische 
meth die stelle des weines vertrat. Diese auch vom ret. getheilte 
ansieht ist bereits von K. Tümpel ausgesprochen in seiner resul- 
tatreichen Untersuchung über „Ares und Aphrodite" (Fleckeisens 
jahrbb., supplem. XI [1880], p. 236 anm.); auch sonst treffen 
in diesen dingen die ansichten beider forscher zusammen 3 ). Den 
von Röscher gebrauchten ausdruck „gott des methes" würde ref. 
vermeiden. — Die Persephone Meliradtjg sowie die sage von 
Glaukos, der in einem honigfasse erstickte, wird p. 57 sehr 
ansprechend aus der sitte hergeleitet, den honig als einbalsami- 
rungsmittel anzuwenden. Auch die p. 72 behandelte sage von 
Komatas in der \dgva% scheint hierher zu gehören. Bei dieser 
gelegenheit erinnert ref. daran, daß es wohl an der zeit wäre, 

2) Vgl. hierüber die beherzigenswerthen ausführungen H. D. Mül- 
lers a. a. o. II, 195 ff., 46 2 . 

3) Tümpel's vom ref. in Fleckeisen's jahrbb. 123 (1881), p. 289— 
305 besprochene arbeit hat in Deutschland bisher nicht die beachtung 
gefunden, die sie verdient. Ein verständnisvolles referat von J. Martha 
in der Revue critique 1881, p. 468 f. 



Nr. 1. 12. Mythologie. 63 

den einfluß der verschiedenen bestattungsarten auf die bildung 
der so vielfach sich kreuzenden Vorstellungen vom jenseit sy- 
stematisch zu untersuchen. Schätzenswerthe fingerzeige in dieser 
richtung giebt H. D. Müller Ares p. 48 f., Mythol. II, 50; in 
"weiterem umfange ist der Stoff angearbeitet von Fr. Franz in 
seinen „mythologischen Studien" (progr. v. Villach 1880), die frei- 
lich nichts sind , als ungeordnete und ungesicbtete collectaneen. 

— P. 76 und 92 wird sehr mit recht betont, daß man bei der 
Aphrodite die spuren echt griechischer elemente aus den über- 
wiegenden orientalischen ausscheiden müsse. Die historischen 
grundlagen für eine derartige sonderung hat aber bereits Tümpel 
(Ares und Aphrodite p. 685 ff.) zu geben versucht und — zu- 
nächst für die thebisch - boiotischen kulte und mythen — auch 
wirklich gegeben. Röscher läßt Tümpels ausführungen leider 
unberücksichtigt. — P. 87 vertritt Aphrodite ndvÖtj/xog im 
gegensatz zu Olgurla den „gemeinen , rein sinnlichen trieb". 
Doch ist diese freilich schon in altattischer zeit entstandene auf- 
fassung nicht die ursprüngliche, wie Tümpel a. a. o. p. 702 ge- 
zeigt hat. Für seine gleichsetzung der ursprünglich thebischen 
nürd tj \i o g mit der kadmeischen Demeter giebt Baunack's von 
ganz anderen gesichtspunkten aus gewonnene erklärung des na- 
mens drjfx^TijQ aus J rj fi o-pi] r // g eine nachträgliche bestätigung 4 ). 

— Die paarung von Aphrodite und Ares ist schwerlich aus 
einer bloßen „dichterischen speculation" entsprungen (p. 93)-, 
daß sie vielmehr auf thebischen cultverhältnissen beruht, ist von 
Tümpel p. 705 ff. scharfsinnig und mit glück nachgewiesen worden. 
Ebenso könnte man versucht sein, das Verhältnis der Charis und 
der Aphrodite zu Hephaest — anders als Röscher p. 93 — aus den 
religionsgeschichtlichen Verhältnissen der Hephaistosinsel Lemnos 
herzuleiten, wo die träger des Charis-kultes, die Minyer, von den 
tyrsenischen Aphroditedienern verdrängt wurden : vgl. die vom 
ref. in Fleckeisens jahrbb. 123 (1881), p. 301 gegebenen nach- 
weise. Daß die Tyrsener (tyrsenischen Pelasger) hauptträger des 
orientalischen Aphroditedienstes waren, glaubt ref. a. a. o. p. 298 



4) Vgl. Baunack's bernerkungen „über den namen JijfirjttjQ und 
Zur bildung der griechischen eigennamen überhaupt" im Rhein, mus. 
XXXVII, 474—479. Auch der name des eleusinischen Jtj/uo-yöwv, der 
nach H. D. Müller II, 301 ursprünglich der geraubte söhn der göttin 
war, scheint für jene etymologie zu sprechen. 



64 13. Literaturgeschichte. Nr. 1. 

(vgl. Ersch und Gruber „Kabiren" 2. Sect. XXXII, 20) wahr- 
scheinlich gemacht zu haben. 

Doch genug dieser nachtrage , welche die lebhafte theil- 
nahnie bezeugen mögen , mit der ref. Roscher's Untersuchungen 
gefolgt ist. — In der methode und anläge entspricht die haupt- 
studie durchaus den früheren , wohl von Mannhardt's „germani- 
schen mythen" beeinflußten arbeiten. Auf eine gesammtüber- 
sicht der resultate (p. 9 — 12) folgt eine mittheilung des beweis- 
materials in sieben parallelgruppen 5 ). Vielleicht wäre die um- 
gekehrte anordnung gerathener gewesen; dabei hätte der Unter- 
suchung leicht etwas von jenem reize „dramatischer Spannung" 
verliehen werden können, den man jetzt — freilich ohne schaden 
für die sache — vermißt. 

Zum schluß sei noch darauf aufmerksam gemacht, daß das 
büchlein neben der mythologischen seite noch ein zweites inter- 
esse hat. Es bietet zahlreiche werthvolle beobachtungen über 
griechischen aberglauben und besonders über jene incunabeln 
der naturbetrachtung , die man neuerdings mit dem gut ge- 
wählten namen „volksphysiologie" getauft hat. Gerade hier aber 
ist eine häßliche Kicke in dem gebäude der alterthumskunde : 
wenn es auch durchaus gut zu heißen ist, daß man — an- 
ders , als in der germanistischen Schwesterwissenschaft — diese 
dunkeln und problematischen gebiete zuletzt in angriff nimmt. 
Röscher besitzt einen feinen Spürsinn gerade in diesen dingen ; 
außerdem verbindet er eine tüchtige belesenheit in den einschlä- 
gigen, noch lange nicht ausgenutzten antiken Schriftstellern (be- 
sonders den ärzten) mit einer eingehenden, bei einem philologen 
sehr seltenen kenntnis des entsprechenden modernen materials. 
So ist er denn, wie wenige, gerüstet für diese aufgaben. Möchte 
er sich entschließen, die hier noch vergraben liegenden schätze 
zu heben und „uns anderen philologen" in einem zusammen- 
hängenden werke, etwa über griechischen Volksaberglauben, zu- 
gänglich zu machen! 

5) Wiederholungen waren dabei wohl nicht ganz zu vermeiden; 
aber mußten umfangreiche Zeugnisse zweimal ausgeschrieben werden, 
wie das z. b. p. 21 f., 50 f., 36, 61 (hier nicht ganz correct) geschehen ist ? 

O. Crusius. 
13. Dr. Karl Sittl, geschichte der griechischen literatur 



Nr. 1. 13. Literaturgeschichte. 65 

bis Alexander den Großen. Erster theil. München, Th. Acker- 
mann. 1884. 359 p. 8. 4 mk. 80 pf. 

Daß es dem Verfasser dieser neuen griechischen literaturge- 
schichte (sie ist ende august 1883 ausgegeben, und der am 21. 
September zu früh verschiedene Bursian hat die widmung noch 
erlebtj, welcher sich erst im jähre vorher (1882) fast gleichzei- 
tig durch zwei bücher über ganz disparate gegenstände , eine 
Münchener preisarbeit über »die Wiederholungen in der Odyssee« 
(vgl.DLZ. 1883, nr. 11, p. 368 ff.) Philol. Wochenschrift 1882, nr- 
46, p. 1441 ff. Ph. Anzeig. XIII, 1, p. 15 und die schrift ȟber 
die localen Verschiedenheiten der lateinischen spräche mit besonderer 
berücksichtigung des afrikanischen lateins« (Ph. Anzeig. XIII, sppl. 
2, p. 777;, beim philologischen publikum eingeführt hat, nicht an be- 
gabung, umfassender belesenheit und kraft zu leichter produktion 
oder reproduktion , auch nicht an dem nöthigen Selbstvertrauen 
fehlt, beweist zur genüge das kühne wagnis, das er jetzt auf sich 
genommen hat, welches in der that bei der kürze der frist stau- 
nen erregen muß. Wer sich gleich zu beginn seiner gelehrten 
schriftstellerei die schwerste und gigantische aufgäbe des mei- 
sters , eine neue entwicklung der griechischen literatur unter 
fruchtbar wirkenden gesichtspunkten , auf die schultern bürdet, 
für den ist einmal freilich der Standpunkt des nonum prematur 
in annum ein völlig überwundener , und andererseits kann die 
beschaffung des materials ihm nicht besondere Schwierigkeiten 
bereitet haben. Letzteres ist, wie sich zeigen wird, hier auch 
kaum der fall gewesen. Daß sich Sittls gedruckte wiederdurch- 
arbeitung des literargeschichtlichen Stoffes nach Bernhardy und 
vor allem nach Bergk auf die zeit bis Alexander beschränken soll, 
ist gewiß wohl persönlich zu entschuldigen , sachlich aber doch 
sehr zu bedauern : erst das baldige erscheinen des zweiten thei- 
les, der die minder bequeme hälfte, das drama und vor allem 
die attische prosa, enthalten wird, mag uns eine gewähr für die 
Vorbereitung des ganzen aus langer hand liefern. Zu welchem 
behufe aber bei solcher beschränkung in der einleitung p. 5 — 7 
eine skizze der abschnitte der hellenistischen perioden, »mit denen 
man sich gewöhnlich wenig mühe macht«, gelegentlich vorgetragen 
wird (1) reproduktion vermittelst der philologie bis auf Augu- 
stus ; man beachte die günstige beurtheilung der alexandrini- 
schen poesie, die mit ,,der lateinischen litteratur der renaissance" 
Philo!. Anz. XV. 5 



66 13. Literaturgeschichte. Nr. 1. 

verglichen wird, 2) die »renaissance der schönen p rosa«, d.h. 
die zeit der jüngeren sophistik, beredsamkeit, rhetorik, gramma- 
tik und lexicographie und des rhetorischen epos unter Nonnos 
bis 450 n. Chr., 3) die geschichtsschreibung und großartige, 
werthvolle Sammelliteratur bis Konstantinos Porphyrogenne- 
tos 950 n. Chr.), ist absolut nicht ersichtlich. Auch für die 
abgrenzung der ziele des buches ist nicht klar, ob Alexan- 
ders thronbesteigung oder tod gemeint ist : wenigstens wird die 
»jüngere komödie« p. 4 nicht zur attischen periode gezählt (s. 
dagegen die treffenden bemerkungen Bergks II, 448), und wie 
weit sich der verf. auf die rhetorische und philosophische prosa 
einlassen wird, ob er Dinarch, Demetrios, Theophrast, Eudemos, 
Dikäarck noch mit hineinnehmen wird, bleibt abzuwarten. 
Aber auch über den zweck des buches und den kritischen 
maßstab, der anzulegen ist, werden »begriffsstutzige« (88) leser 
mit keinem worte aufgeklärt, da eine vorrede gänzlich fehlt, 
wohl ein äußeres zeichen der hast, mit der das buch auf den 
markt geworfen wurde. Und doch muß uns das bedürfniß nach 
einem solchen buch, wie es ist, motivirt worden sein, wenn wir 
es nicht für überflüssig oder , was ich nicht thue , für ein pro- 
dukt der buchmacherei im verlagsinteresse halten sollen. Hätte 
es wenigstens dem berechtigten wünsch , Bergks gesammtabriß 
in der Encyklopädie von Ersch und Gruber in buchform zu be- 
sitzen, einen ersatz geboten! Und doch mag so etwas vorge- 
schwebt haben. Fragen wir, welche Stellung Sittls buch zu den 
vorhandenen literaturgeschichten einnimmt , so müssen wir sa- 
gen, es ist weder populär , noch wirklich kritisch ; der anläge 
nach können wir es als einen kürzeren Bergk bezeichnen. Für 
ein populäres buch fehlt die nöthige ruhe der klaren Schilderung 
und erzählung des inhalts , für ein wissenschaftliches buch ge- 
nügende Selbständigkeit, obwohl der schein davon vorhanden ist. 
Denn das ist klar , eigene Studien im griechischen liegen fast 
nur bei Homer vor, für dessen Würdigung aus dem material der 
„Wiederholungen" (deren Chronologie ich nicht ohne große ein- 
schränkung folgen kann) die resultate von neuem im Zusammen- 
hang vorgetragen werden , und das zeigt auch die eintheilung 
des Stoffes: auf das größte drittel über Homer (45 — 166) folgen 
in kap. 4 8 das nachhomerische epos (167 — 243), in kap. 9 
und 10 die lyrik (244 — 341) und in kap. 11 16 seiten über 



Nr. 1. 13. Literaturgeschichte. (37 

die anfange der prosa (342 — 357). Es ist schon von anderer 
seite hervorgehoben worden, daß die zweite hälfte des bandes 
kaum etwas neues enthalte : ihr steht jetzt zur interessanten ver- 
gleichung Bergks zweiter band gegenüber. Sittls historische 
darstellung setzt entschieden mancherlei und, wie mir scheint, für 
nur allgemein gebildete leser zu viel voraus: er unterbricht sie zu 
häufig mit allerlei meist recht modernen bemerkungen, er liefert 
mit einem worte mehr ein theilweise oberflächliches raisonuement 
zur literaturgeschichte als eine belehrende Schilderung der Lite- 
ratur. Besonders berücksichtigt sind archäologische gesichtspunkte. 
Wie die Zwischenbemerkungen, welche ja entschieden oft schla- 
gend sind , so stören nicht selten der ton der darstellung , mit 
welchem vom hohen pferd herab über alte und neue forscher 
abgesprochen wird, oder die phrasen, welche ihre meinungen bei 
seite schieben helfen sollen , und die selbstbewußte art , mit der 
das eigene urtheil hingestellt wird, oft ohne jede abwehr gegen nahe 
liegende unwahrscheinlichkeiten. Einige proben genügen. P. 80 
heißt es von den sachlichen Asidersprüchen im Homer : „Wenn 
Lachmann behauptete , schreibende autoren seien solchen verse- 
hen eher ausgesetzt, dachte er wohl (?) an die Vielschrei- 
ber unserer zeit, die mehr auf den reinertrag als 
auf die durchbildung ihrer arbeiten sehen"! Lach- 
mann soll in so ernster Untersuchung an die Zeitungsschreiber 
gedacht haben! Und weiter: „Die schrift gestattet vielmehr (!) 
jedenfalls (!) eine planmäßigere und glattere ausführung". Das 
wußte Lachmann nicht? Aber ihm fielen eben nur die unüber- 
sichtlichen , vieltausendzeiligen gedichte der epenschreiber ein. 
Weiter: „Hoffen wir, daß dieses pedantische meistern des dich- 
ters allmählich ein ende nimmt (wie Haupt es beim Homer ge- 
than)". Führt etwa das genialische meistern sicherer und auf 
festem boden zum psychologischen verständniß ? Andere kraft- 
worte liefert kap. 12, welches den „Schluß" auf anderthalb Sei- 
ten enthält, obwohl die disposition des ganzen es z. b. mit dem 
dritten über Homer (45 — 166) auf eine stufe bringt: „Athen 
erscheint vor Solon und den Peisistratiden bloß als ein großes 
bauerndorf". Es wecken wohl erst die „jonischen refugies" 
„die redegewandtheit , welche den Athenern angeboren war?" 
„Es ist also nicht zu viel gesagt , wenn wir behaupten , diese 
schnell fertige zunge habe Athen an die spitze der grie- 

5* 



68 13. Literaturgeschichte. Nr. 1. 

einsehen literatur gebracht" (359). Diesen zeitungsphrasen von 
Vielschreibern unserer zeit und schnellfertiger zunge mußte der 
verf. bei aller Zuneigung in einem wissenschaftlichen buche im 
eigenem interesse aus dem wege gehen. 

Es erhellt aus dem gesagten, daß das werk an mangeln 
nicht arm ist. Ich formuliere mein urtheil dahin, daß es für 
gelehrte zwecke nur mit größter vorsieht zu gebrauchen ist und 
zur orientirung schlechthin nicht empfohlen werden darf, obwohl 
man in Belgien darin sogar „den meister erkannt hat". Die 
methode giebt zu nicht unerheblichen bedenken anlaß, und die 
resultate, soweit neue vorliegen, sind weder sicher, noch des rau- 
mes wegen genau genug begründet. Anregungen in einzelnen 
können bei einem manne, wie es der verf. ist, nicht ganz feh- 
len : ob sie zu wirklicher bereicherung unseres Wissens führen, 
darüber wird sich erst mit der zeit einigung erzielen lassen. 
Noch erwähne ich, daß Sittl sich mit Flachs geschichte der grie- 
chischen lyrik 1(1883) wegen principieller meinungsverschieden- 
heit nicht hat auseinandersetzen wollen. Doch dürfen uns ab- 
weichende ansichten über literarhistorische forschung und kritik 
in homerischen dingen, wenn auch eine einigung ausgeschlossen 
erscheinen muß, nicht abhalten Sittls darstellung näher zu prüfen. 

Gleich die einleitung (1 — 7) giebt anlaß zum Widerspruch, 
da der bogen bei einigen vulgären gedanken zu straff angezo- 
gen wird. Die eidographische darstellung der literatur sei bei 
den Griechen am zulässigsten , weil jeder als Spezialist auftritt 
und in der festen typik von seinem Vorgänger gleichsam die 
griffe lernt: so fehle der dilettantismus (obwohl schon Aristo- 
phanes Frösche 89 ff. seiner spottet, s. Droysens übers, zu den 
Vögeln 1442), und der brustton der Überzeugung klinge überall 
durch. Wenn es dann vom anbruch des hellenismus heißt: 
„Schon Ion versuchte sich in mehreren fächern", so wäre die 
rechte einschränkung jenes zu stark urgierten gedankens die 
gewesen : „Doch waren schon die ältesten tragiker Pratinas und 
Phrynichos auch als melische thäter thätig, und auch Aeschylos 
versuchte sich in der elegie" (s. Bergk III 263. 267. 284). 
Das hätte freilich die antithese in ihrem glänz abgestumpft. 
Wenn dann nach der bemerkung, der realismus der Griechen 
führe zu schwächen , wozu das fehlen der Sentimentalität zu ge- 
hören scheint, gesagt wird : „auch das naturgefühl ist dem Hei- 



Nr. 1. 13. Literaturgeschichte. 69 

lenen noch fremd" , so ist auch das in dieser Schroffheit ein 
schillernder ausdruck. „Der sinn für die natur fehlt den alt- 
deutschen meistern gewiß nicht; aber sie hinterließ uns keine 
andere äußerung dieses sinnes als die, welche der Zusammenhang 
mit geschichtlichen vorfallen oder mit den empfindungen er- 
laubte , die in lyrische gedichte ausströmten". Diese worte W. 
Grimms, welche er über das mhd. nationalepos und die minne- 
sänger an A. v. Humboldt schrieb (Kl. sehr. I, 523), passen ge- 
nau auf die Griechen. Mit feinsinnigem verständniß betonte Th. 
Bergk, selbst ein großer freund des naturlebens, wie seine ver- 
gleiche lehren, bei Alkäos (II, 108), daß die naturschilderung 
der punkt sei, von dem aus das lyrische gefühl sich weiter ver- 
breite, und noch nachdrücklicher bei Alkman (II, 236), daß er 
freude habe an der natur, an der großartigen landschaftlichen 
Schönheit der Umgebung Spartas, er, der die melodien eines lie- 
des eben den vögeln abgelauscht haben will. "Wie wird Sittl 
jenem interessantesten bruchstück von der gewalt und stille der 
nacht (vgl. Ovid Met. VII, 185 ff.) gerecht? „Der berge wi- 
pfel und der thale Weitungen , felsriffe und Schluchten ruhen 
wie von einem feenhaften zauber belangen : nicht mehr rauschen 
die zitternden, beweglichen blätter, nicht mehr sausen die gipfel 
der bäume: nicht mehr schlüpft das gewürm durch gras und 
kräuter : das wild des waldes weilt in der tiefe der höhlen, 
die schwärme der bienen in den engen zellen , was in den ab- 
gründen der dunkeln meerfluth webt und athmet, ruht unter der 
stillen Wasserfläche : selbst die zu ewiger unruhe verdammten, 
in unablässiger eile die luftregionen durchfliegenden vögel 
schlummern" (paraphrase von Bergk). Hatten also die alten 
Griechen doch sinn für naturschönheit? Oder wie stände es um 
ihre harmonische aesthetische durchbildung im allgemeinen? 
Wie paßte es zu dem mit recht gepriesenen feinen sinn der 
Spartaner für musik (359) im besondern? Ohne scharfe defiui- 
tion freut sich Sittl auch hier des schablonenhaften gegensatzes : 
„Jungathen empfand endlich auch für die natur ein etwas sen- 
timentales gefühl" (4). — - Der dritte gedanke der einleitung be- 
trifft die neue periodisirung. Statt der üblichen Scheidung in 
eine archaische und klassische epoche wird mit anderem namen, 
der um nichts zutreffender und bequemer ist , eine literarisch- 
politische eintheilung hervorgesucht, 1) in die epische und asia- 



70 13. Literaturgeschichte. Nr. 1. 

tische , 2) rhetorische und attische periode. Die suhsumirung 
der kunstlyrik unter den namen der epischen periode ist miß- 
rathen und schief : ebenso fügt sich der mit recht gepriesene 
vorort Sparta (Bergk II, 203 f.) unter die bezeichnung 
des ostgriechischen , nur durch den hartnäckigen zwang einer 
neuen theorie , die bei lichte besehen gleißender schein ist und 
Schwindel. Denn auch der satz : „Unter dem beistand der re- 
dekunst wird das drama in Athen geschaffen" (3) ruht nur 
auf einer pointe. Wer das liest, muß denken, die redekunst sei 
früher ausgebildet worden (s. Bergk II, 460), und Sittl ordnet 
auch so : kunstprosa der Sophisten , redekunst des Demosthenes, 
rhetorische geschichtsschreibung des Thukydides und Xenophon, 
ferner Plato, drama, Pindar, Simonides, abgestorbenes epos. So 
wird glücklich „die rhetorische periode" gewonnen. Fast mit 
mehr recht könnte man bei gleicher Übertreibung in jenem tbat- 
kräftigen Jahrhundert von einer „dramatischen" epoche sprechen ; 
denn zur zeit der Schöpfung jener literaturgattungen war es ge- 
wiß das drama, welches der ausbildung der beredsamkeit man- 
nigfache auregung lieh (Bergk III, 176). Aber das wahre liegt 
eben in der mitte ; dabei kommt die „schnellfertige zunge" der 
Athener nicht zu kurz. Nach Sittl ist der Dionysoskult nicht 
alt; erst die Peisistratiden führten „die dramatischen auffüh- 
rungen" ein (359), wo es vorsichtiger heißen mußte: die wett- 
kämpfe für tragische chöre, denn sie förderten doch nur ein 
element, das sie im volke bereits vorfanden. 

Wenn das kap. 1 von der „lyrischen Volksdichtung" (8 — 25) 
so beginnt : „Als die Griechen von ihren indogermanischen brü- 
dern sich trennten, war ihnen die dichtkunst längst nicht mehr 
fremd" (8), so wissen wir zunächst wieder nicht, ob das fatale 
„nicht mehr" etwa den alten satz : „die poesie ist so alt wie 
der mensch" in abrede stellt-, doch ist nach dem Schluß p. 25 
wohl an typische pflege der dichtung zu denken , wie „in der 
kunst die Griechen alles handwerksmäßige von den Semiten ler- 
nen konnten". Ich finde Bergks „Vorgeschichte" nur einmal 
/für Solon) p. 22, 4 citirt, habe mir aber seinen namen auf je- 
der seite notirt, vgl. I, 390—407. 307—359, besonders 325 f., 
349—359. 401 — 404, z. b. „einen gewissen rhytbmus" B. 390. 
222. 353, oder die noten 9, 5. 13, 3 = 353, 127. 383, 209 
u. s. w. Anm. 6, p. 20 =r Ersch und Gruber 314, 8]. In 



Nr. 1. *13. Literaturgeschichte. 71 

den „geschichtlichen rahmen" der lyrischen Volksdichtung von 
der proethnischen periode bis auf die zeit vor Homer mit tro- 
chäisch-iambischem rhythmus , reim und alliteration (vgl. noch 
über diese „erinnerung an die archaische poesie" bei Aeschylos 
und Sophokles Bergk III, 154), strophischer gliederung und re- 
frain „kann sich, was wir von der poesie des griechischen Vol- 
kes im allgemeinen wissen, einfügen ; denn über die grenzen der 
zeit erhaben ist alles , was das volk singt und sagt" (9). Sehr 
schön ! Aber wie kärglich und vereinzelt die reste , und wie 
unsicher das princip ! Darnach zimmert Sittl einen „geschichtli- 
chen rahmen" für das profane Volkslied (beim wiegen , betteln, 
heirathen, klagen, trinken, zaubern, arbeiten, spotten, 9 — 15) und 
die „griechischen kircheninkunabeln" (15 — 25). Daß der wille bes- 
ser ist als die that, erkennt der verf. und ruft daher seiner phan- 
tasie die neugriechischen Volksdichtungen zur hülfe: ; ,nur liegt 
auf den meisten ein trüber schleier, den wir für das alterthum 
durch sonnige lebensfreude ersetzen müssen" (15; man vergleiche 
das verunglückte bild: „der schleier wird durch freude ersetzt"! 
mit dem klassischen satze : „Die hochzeitsfeier war unzertrenn- 
lich vom gesange" , llj. Neu ist nicht einmal die form yt- 
XiS'uinfAÖ^ 10, 4 (s. Bergk PLG . III, 672); zur sache konnte 
noch auf die deutschen gegenstücke von der sommerverkündigung 
bei W. Grimm Kl. sehr. I, 383 verwiesen werden ; denn paral- 
lelen und notizen werden von allen seiten bereitwillig zusam- 
mengestellt. Die traditionelle delphische hymnenpoesie auf den 
milden oder drachentödtenden Apollo, den freudigen chor-päan 
und ernsten einzel-nomos aus Kreta (priestersänger Chrysothe- 
mis und Philammon — Bergk 324. 325. 392. 402), verkörpert in 
Delos Ölen , dem Sittl die angebliche erfindung des hexameters 
abspricht , da „dieses versmaß im Apollokult nicht von anfang 
an heimisch war (17), sondern erst durch das epos , nicht um- 
gekehrt, hineinkam". „Dies beweist der dialekt der orakel und 
der ganze charakter des verses" (31). Ich gestehe, daß mir die 
Sicherheit dieses beweis es räthselhaft bleibt, handelt es sich 
doch nur um vermuthungeu. Nach Bergk I, 386 f., von dem 
Sittl hier abweicht, verdankt der hexameter seinen Ursprung 
nicht den alten säugern des epischen liedes (in kurzzeilen , p. 
383), sondern er zählt ihn gerade zu den langgezogenen rhyth- 
men der hieratischen poesie (Ölen ist ihm der erfinder), aus der 



72 13. Literaturgeschichte.* Nr. 1. 

erst Homer ihn in die weltliche übertragen habe (328. 335 II, 
113). Ölen und Pamphos , im attischen Demeterkult thätig, 
sind historische persönlichkeiten (17. 18 = Bergk 403). Zu diesen 
Hellenen kommen die sogenannten Thraker, d. h. gedeutet der thra- 
kisirte indogermanische sängerheros Orpheus und Thamyris, der 
mythische barbarische feind der Griechen (über Leibethra, Pim- 
pleia, den Olympos und die arische anschauung vom götterberg 
p. 21. 22 sei wieder auf Bergk 31 7 f. 319 f. verwiesen) und ein 
fremdes, orientalisches element imLinoslied auf Adonis (=Bergk 321 
— 323. 353. 391). Noch verknüpfte Sittl (24) damit die vermu- 
thung , daß im Linosgebiet (Argos , Böotien und Euboea oder 
nach S. Argos , Theben und Chalkis) die Schildbeschreibung 2 
483 ff. entstanden sein möge. 

Kap. 2 „die epische dichtung vor Homer" (26 — 44) zer- 
fällt in zwei theile : entwickelung zum epos 26 ff. und ausbau 
der sagen 34 ff. ; der erstere nach Bergk , der zweite selbstän- 
dig gegen Müllenhoff und die vertheidiger der aeolismen. Bergk 
reiht I, 359 — 380 an die profane volkspoesie die sagenerzäh- 
lung : er gelangt von dem märchen aus über die beschauliche 
Spruchweisheit und die sprüchwörter , bei denen die erzäh- 
lende form der gleichnißrede anstatt des kerns der Weisheit 
betont wird, die theils das menschenleben, theils die thiersage 
betreffen , also auch über die schon vor Aesop bekannte thier- 
fabel zu ihr hinüber, um dann stil und metrum der alten lieder 
zu besprechen. Sittl folgt ihm (mit der neigung, Aesops person 
wieder zu verflüchtigen) ganz schmucklos, nur daß bei ihm das 
märchen auf die thierfabel folgt, citirt Bergk aber wieder nur 
einmal bei den hexametrischen c«»o (-fragmenten p. 29 nach 
Ersch und Gruber p. 316, 97. Ob nun hier oder vielmehr 
I, 359 die quelle für folgenden satz: 

bei Bergk an beiden orten: bei Sittl p. 29: 

,,Neben der poesie geht die „Neben dem märchen stellt 
sagenerzählung her" sich unmittelbar die epische er- 

zählung" 
zu suchen ist , kann ich nicht ausmachen , aber das psychologi- 
sche verständniß für die seltsame construktion von „sich stellen 
neben dem" dürfte damit wohl richtig gefunden sein. (Auch der 
vorige abschnitt begann schon mit neben : „neben den fabeln 
hörten auch die kleinen gerne märchen"; soll es nicht heißen: 



Nr. 1. 13. Literaturgeschichte. 73 

„hörten die kleinen auch gerne märchen"?) Zu anfang wird 
p. 26 nach Bergk 369, 175 sogar geklagt, daß die Sprichwörter „für 
die erkenntniß des volksgeistes noch nicht recht nutzbar ge- 
macht" sind. Die kurzen strophischen (31, Bergk I, 383 f.) epi- 
schen Volkslieder mit iambisch-trochäischen doppelversen wurden 
im munde kunstgeübter sänger zu , .epischen gesängen", die nach 
längerer gesangesübung mit einem vollständigen bruch 
(!) von der langzeile zum hexameter übergingen! Wie vor- 
sichtig warnte dagegen Bergk, der den großen dichtergeist Ho- 
mer den schweren schritt zum hexameter thun läßt (I, 386. 
388. 406 f.): ,,der fortschritt war doch durch seine Vorgänger 
gewiß schon überall vorbereitet, da alle kunst bei den Helle- 
nen sicher und stätig , nicht sprungweise sich entwi- 
ckelt hat" (381). Es folgt das metrum. Für den Ursprung 
des hexameters wird Bergk wieder citirt , aber falsch (statt I, 
283 lies 383) ; eine abweichung ward oben berührt. Eine durch 
den von außen hineingetragenen grundgedanken zusammengehal- 
tene reihe von einzelliedern, wie es das nibelungenlied und die spani- 
schen und französischen epen sind, haben wir in den homerischen 
gedichten nicht vor uns. Sondern erst das genie des iliasdich- 
ters „Homer" erschaute, „wenn wir recht sehen," für die 
einheitliche handlung der Uias, welche früheres episodisch er- 
zählt, den richtigen moment , in welchem Achills rühm seinen 
gipfel erreicht, und bei diesem kühnen schritt zum wahren epos 
„erscheint z. b. Verletzung der Wahrscheinlichkeit, um die kom- 
position zu fördern , als unvermeidlich". Man vergleiche mit 
dieser ausführung , in der übrigens der letzte satz für die me- 
thode des verf. höchst belehrend ist, wieder Bergk I, 406 f.: 
„Der schritt von den schlichten volksmäßigen gesängen zu 
der mit bewußter kunst geübten dichtung ist ein schwieriger und 
bedeutender. Seit alter zeit gab es heldenlieder die fülle, aber 
erst mit Homer beginnt das große nationale epos .... In 
solcher zeit konnte ein gewaltiger dichtergeist es unternehmen, 
an die stelle des einzelliedes ein größeres zusammenhängendes 
epos zu setzen". Wie Bergk (I, 730), so ist Sittl chorizont (101). 
Ein ebenbürtiger jüngerer dichter , 'dem die noch vorhandenen 
mängel „das geheimniß der epischen komposition" erschlossen, 
schritt „zu vielleicht höherer kunst als Homer" vor und wählt 
für die Odysseusmythen „das mittel der selbsterzählung", viel- 



74 13. Literaturgeschichte. Nr. 1. 

leicht weil sein Vorgänger einmal dem „Sprichworte" folgte, oder 
nach alter sitte des Orientes (in denkönigsinschriften); so ward er 
bei der freiheit der phantasie gegenüber den alten liedern, wel- 
che ganz aufgingen (41 ; Homer hat eben ihr gedächtniß voll- 
ständig verlöscht, Bergk I, 406) zum wirklichen „schaffer" 
(noiritrig). Sittl lehnt aber mit recht Nieses entwicklung der 
homerischen poesie entschieden ab. Das kompositionsgeheimniß 
ging den späteren bei dem eifer um die technik verloren. Nur 
Thebais und Arktinos' epen werden günstiger beurtheilt. 

Indem ich die zweite selbständigere hälfte über die trennung 
historischer und mythischer sagentheile, über das local der Ver- 
schmelzung des achäischen (Bergk I, 416) und indogermanischen, 
d. h. die verunglückte und rein aus dem geist des Widerspruchs 
geflossene bestreitung der von mir bearbeiteten aeolismen zu gun- 
sten des ionismus aus raumrücksichten , so sehr ich es auch be- 
dauere, hier übergehen muß, mit der bestimmten erklärung, daß 
weder diese erörterung noch der subsidiärartikel im Philologus 
XLIII, 1 — 31 , auf den ich die leser verweisen kann, mich ir- 
gendwie anderen sinnes gemacht hat und ich demnächst an an- 
derem orte ausführlich diesen rattenkönig zu entwirren hoffe l ), 
bleibe ich , wovon die komposition des buchs hier ablenkt, bei 
den homerischen epen stehen, deren bild kap. 3 (45 — 166) „aus 
dem wirrsale der subjektiven meinungen rein objektiv zu ent- 
werfen" unternimmt. Wir kommen endlich zur wirklichen lite- 
raturgeschichte. Die erste nichts besagende note ist charakte- 
ristisch für die gelegentliche art des citirens des gelehrten appa- 
rats, für den vieles aus Bernhardy, manches aus der umfassenden 
bücherkenntniß des verf. entnommen ist. Er weicht von Bergks 
einrichtung eben darin ab, daß er die geschichte der Schriftstel- 
ler, der ausgaben u. s. w. mit summarischer kritik hineinfügt. Die 
noten füllen bisweilen die halbe seite und beengen die darstel- 
lung sehr; manches findet sich doppelt, vgl. 163, 5 mit 132, 1 
und 131, 3. Die komposition des buchs dient der Übersicht- 
lichkeit in höchst geringem maße : seitentitel, kleinere abschnitte 
mit benennung, detaillirte columnenüberschriften fehlen gänzlichj 
freilich mit einigem recht bei den ungleich kleinen kapiteln, 
aber zum schaden der klarheit z. b. in dem abschnitt von 120 

1) Ist inzwischen geschehen. Vgl. dr. Karl Sittl und die homeri- 
schen aeolismen, Berlin, Weidmann, 1884. 97 p. 



Nr. 1. 13. Literaturgeschichte. 75 

Seiten über Homer. Wir werden leicht drei theile sondern : 1) 
historisch-methodisches 45 ff. , 2) analyse 88 ff., 3) geschichte 
der gedichte 117 ff. Genauer lauten die abschnitte (die römi- 
sche ziffer bezeichnet ihre Ordnung bei Bergk) : Charakteristik 
der homerischen dicbtung (VIII), Homer als persönlichkeit (II)? 
homerische frage (IV), methode der forschung, analyse der Ilias 
(V), Chorizonten (III, I, 511), analyse der Odyssee (V), Aöden 
und rhapsoden (I), geschichte des textes, der Homerexegese (III 
und X), bedeutung Homers für die literatur (IX), verhältniß 
zur kunst (III, I, 483 f.). Am unselbständigsten ist von diesem 
kap. das letzte drittel 117 ff. , wie folgende Übersicht zeigt : 
rhapsoden, Chios, Homeriden, Peloponnes, Kreophylier, Kynaithos, 
(iämtir uoiör/r , art von handwerk, agone , festvorträge aus Ho- 
mer und Hesiod, lorbeerzweig Hesiods, Terpander, Helikon 117 
— 123 = Bergk I, 485. 481. 486. 483. 490. 489. 500. 493.492. 
491. 438. 435. 437. 492. 437, text: attische abschritten, Um- 
setzung ins ionische aiphabet, Euripides und Alexanders exem- 
plare , Dikäarch, Aratos, Rhianos, Zenodot, Aristophanes, Kalli- 
stratos, Aristarch, Pergamener, von Krates keine ausgäbe, Timon 
123— 130 = Bergk 886. 883. 892. 893, 20. 894. 895 ff A. 26, 
exegese: Theagenes, Sophisten, zeichen der Alexandriner, Krates 
133— 137= Bergk 889.891. 897, 31. 903, kritische Schriften: 
Didymos , Ammonios, Herodian, Porphyrios, Herakleitos (in un- 
glücklicher interpolation von Sittl ,,als der dunkele" angespro- 
chen!) 137 — 140 = Bergk 906— 908. 912, 77, paraphrasen 141 
(s. Bernhardy 211), Demosthenes Thrax = Bergk 911, 74, sprach- 
liches: Demokrit, Philetas, excepte von Aristarchs fahic aus dem 
commentar , Seleukos , Apion („der antisemit , eine in der ge- 
schichte der reclame wichtige persönlichkeit", 142), Zenodor, 
Longin, Apollonius (141— 143) = Bergk 892. 895. 898, 38. 905. 
907.909.911, realien : Telephos, Hermogenes, Demetrios, Apol- 
lodor, Menogenes, Dorotheos, Neoteles 143 f . = Bergk 878, 10. 
905, scholien, lazogiai 144 ff. = Bergk 910 u. A. 67 (Bernh. 
204 ff), Eustathios, Tzetzes, Moschopulos 146 f. = Bergk 911 f., 
neuere kommentare und hülfsmittel 147 f. nach Bernh. II, 215 
ff, Wirkung Homers auf die geistige bildung : Xenophanes 149 
= Bergk 874. 875, 4, Batrachomyomachie, Arachno-, Gerano-, 
Psaro- und Galeomyomachia 151 f. = Bergk 772 f. 774, 85 (über 
die ed. princ. des Kreters Laonikos und die Übertragung des 



76 



1 3 . Literaturgeschichte . 



Nr. 1. 



Demetrios Zenos, 'OpriQOxtpiQa, Pelagios, Eudokia (Athenais) s. 
Bernh. 230. 229. 457 f.), Wirkung auf die literatur : elegie, 
melik , tragödie , prosa , Thukydides , lehrsätze der philosophen, 
gelehrte und bekämpfung des anthropomorphismus durch Xeno- 
phanes, Heraklit, Zoilos (der übrigens günstig beurtheilt wird), 
Caligula 154— 158 = Bergk 879 ff. 876, 7. 891, 14. 876.890. 
875. 891. 875, 5, bei den Eömern : Livius Andronicus, Matius, 
bearbeitung des Pindarus Thebanus, Vergil, indischer Homer (nur 
wird statt Aelian Dio Chrysostomos citirt) 1 58 f. = Bergk 882 ff. 
u. a. 22 (Übersetzungen von Leontios Pilatos, L. Valla, E. Hes- 
sus , Pope, Chapman, Dacier, Stolberg 161 f. = Bernh. 218 f.), 
Wirkung auf die kunst (Inghirami, Overbeck, Flaxman , Genelli 
= Bernh. 80) Phidias = Bergk 483 f. 878 u. a. 82. Der letzte 
abschnitt , in welchem der verf. wieder in seinem element ist, 
weist das größte plus an neuerem material bis auf die reliefs 
von Gjölbaschi auf. Daß ich ihm mit dieser stoffvergleichung 
nicht unrecht thue, beweisen folgende zwar etwas paraphrasirte, 
aber doch übereinstimmende sätze : 

Bergk 907. Sittl 138. 

Dem Aristarch gegenüber be- Er (Didymos) wahrte gegenüber 
wahrt sich Didymus volle un- Aristarch sein selbständiges ur- 
abhängigkeit des urtheils. theii. 

911. 141. 

Von prosaischen paraphrasen . . . Obwohl jene (die paraphrasen) 
eine zur Ilias , die bisher gar für die kritik des textes und 
keine beacbtung gefunden hat, der scholien bedeutung haben, 
obwohl sie nicht ganz werthlos sind sie noch fast gar nicht ver- 
sein dürfte. werthet. 

910. 145. 

eine andere scholien Sammlung, die zweite scholienklasse , die 
welche vorzugsweise die erklä- das exegetische element mit al- 
rung ins äuge faßt; die alle- legorisch-philosophischem beige- 
gorien . . . sind fleissig benutzt, schmacke in den Vordergrund 



stellt. 



885. 



161. 



Wie Homer in den neueren zei- Es ist nicht meine sache , wie 
ten in der literatur sowie in Homer der neueren literatur 
der kunst . . . anregend gewirkt als leiter diente, darzulegen, 
hat, . . . auszufuhren, ist nicht 
unseres amtes. 



Nr. 1. 13. Literaturgeschichte. 77 

Vgl. auch den satz 874, 15 = 149, 21 f. Welche „epiker" 
130, 2 gemeint sind (Quintus und Tryphiodor), erfährt nur, wer 
Lehrs Arist. p. 68 nachschlägt. Bei der besprechung des Ari- 
starch , gegen den Zenodot übrigens doch wohl zu schlecht weg- 
kommt , hatte ich den eindruck , als werde Bergks erzählende 
darstellung zum theil vorausgesetzt. Namentlich citiert aber wird 
Bergks literaturgeschichte hier nur zweimal, wenn ich nicht irre, wo 
Sittl abweicht, z b. von der annähme fortlaufender musikalischer 
begleitung des aödenvortrags (121, 5) und von der ansieht, daß 
die städteexemplare des Homer auf die Peisistrateische ausgäbe 
zurückgehen (124, 5), weil sie nacheuclidisch sind und das ori- 
ginal von jener wohl in den Perserkriegen verbrannte , obwohl 
Sittl doch p.123 „das Leipzig der griechischen buchhändler (ihnen 
wird schon die procedurder büchereintheilung „unbedenklich" beige- 
legt, 125) abschriften der attischen recension nach allen weltgegen- 
den" versenden läßt. Nicht citiert wird Bergk, wenn er die ab- 
weichungen der Homercitate bei Plato u. a. auf eine nebenüber- 
lieferung zurückführt (887 u. a. 893,21), während Sittl p. 123 
in ihnen irrthum , d. h. willkür , gedächtnisschwache und unge- 
nauigkeit , erkennt; trotzdem empfiehlt er sie p. 132 für den 
kritischen apparat. Die textbücher der rhapsoden (wohl nach 
Müllenhoff Zur geschichte der Nibelungen noth) , das in älteren 
ionischen vorlagen geschriebene digamma (123), die parallele 
der alexandrinischen ausgaben mit den ersten drucken (Ari- 
starch — Scaliger, 128), die Überzeugung, daß Aristarch conjek- 
turen in den text gesetzt habe (129), die billigung der auflösung 
kontrahierter formen durch Nauck (der sonst mit seinem „Stück- 
werk" ziemlich schlecht fährt 129. 133) mag man sich recht 
wohl gefallen lassen: aber wer hat recht, Bergk, der Aristarchs 
ausgaben „an nicht wenigen stellen" (897), oder Sittl, der sie 
„wenig" von einander abweichen läßt (130)? Vgl. Ludwichs 
Aristarch. — Ich habe damit die körner aus der spreu hervor- 
gesucht und wende mich zum anfang des kapitels, um die me- 
thode zu prüfen. 

Die „Charakteristik" zählt als spuren der entwicklung der 
homerischen kunstepen (die kunstdichtung wird p. 53 „richtiger 
akademische dichtung" genannt) aus der volksliteratur, welche 
ein genie vermittelte, auf: die typik der stehenden beiwörter, formein 
und zahlen, „bequeme Conventionelle Scheidemünze", die den dichter 



78 13. Literaturgeschichte. Nr. 1. 

vorkräftezersplitterung schützte, aber auch zur entlehnung indivi- 
dueller verse verführte, die sprungweise darstellung, die „einem pe- 
dantischen revisor (wie Schümann) großes kopfschütteln verursacht", 
sinnliche anschaulichkeit und unmittelbarkeit ohne reflexion und 
ethische betrachtung, malerische gleichnisse (178 in Ilias, 29 in 
Odyssee). Einen sichtlichen fortschritt bezeichnen rhetorische fragen 
und die geniale Charakteristik der personen durch den Iliasdichter- 
Die poetische Wahrheit siegt über prosaische Wahrscheinlichkeit 
(52). Dieser satz , der ganz nach der kecken Homerpoetik des 
Berner „poesieforschers" Frey duftet, ist für Sittls betrachtung 
von größter Wichtigkeit : er wird noch erweitert ; denn die vor- 
trefflichsten künstler haben oft absichtlich gegen die gemeine 
Wirklichkeit gefehlt. Damit sind Lachmann und Kirchhoff frei- 
lich gerichtet. Und Sittl klagt: „kaum mehr beachtung und 
verstandniß bei den „lösern" findet das fallenlassen der motive, 
und ungerechter (!) beurtheilung unterliegen die retardierenden 
momente", denen der homerische stil entspricht. Im vergleich 
zum Volkslied findet der verf. „die syntaktische periode kunst- 
reich entwickelt". Zu den echten kunstmitteln des genies zählt 
weiter die späte hesiodisierende epische etymologie, und zwar mit 
belegen aus dem schiffskatalog und dem schluß der Odyssee, die 
nicht zum alten epos gehören ! ! (53). Was bietet nun die „rein 
objektive" Charakteristik nach der nichtformalen seite? Nichts, we- 
nigstens nicht an dieser stelle. Ganz so leicht hatte es sich Bergk 
freilich wieder nicht gemacht (780 — 873). Die besprechung der per- 
sönlichkeit (54 — 62), die nicht „mit Apion den geist Homers von ei- 
nem medium citieren lassen" will (eine würdige probe von dem moder- 
nisierenden ungeschmack !), schiebt Kyme und Smyrna (wegen der 
aeolisierenden tendenz des Ephoros? 55) bei seite zu gunsten 
des Homeridensitzes Chios und betont nach Niese ionische loca- 
litäten, ionische wagenkämpfe und die „ionischen Stammesgötter 
Zeus, Athene und Apollo", erwähnt „aus pietätsrücksichten" He- 
rodots Zeitbestimmung (natürlich wird seine specielle anordnung: 
Hesiod und Homer einfach umgestellt), kommt aber unter strei- 
fung „erheiternder episoden" in den neueren combinationen mit 
ihrer ,,beneidenswerthen siegesgewißheit" beinahe auf denselben 
ansatz : 900 — 700 v.Chr., berührt das archäologische material und 
faßt Homeros nicht als „rein appellativen namen" (62), was sich 
Lesches p. 176 (nach Welcker und Robert) ruhig gefallen lassen 



Nr. 1. 13. Literaturgeschichte. 79 

muß, trotzdem doch Welcker den namen Aesop (= Aethiop) „will- 
kürlich deutete" (28 = Bergk 373, 190). Die „homerische frage" 
förderte viele Sünden gegen poesie und geschmack, so das nil admirari 
(63). Um's gleich zu sagen , Sittl scheint mit seinem nimium 
wohl zufrieden. Verhältnismäßig früh mögen rhapsoden die 
epen aufgezeichnet haben , eine ansieht die gewiß lob verdient : 
aber wie verträgt sich der satz : „schriftliche exemplare besaßen 
auch in der attischen periode in der regel nur rhapsoden und 
lehrer" mit dem ausdruck von den leselustigen Griechen , die 
„das Leipzig" versorgte (123)? „Alle neueren (d.h. die lieder-- 
jäger) vergassen (d. h. vor Sittl? nein, vor Nutzhorn) die fe- 
stigkeit der beweismittel für Peisistratos' Sammlung zu unter- 
suchen" (66). Onomakritos dem Orphiker „konnte für Homer 
keine zeit übrig bleiben". (Ein anderes mal hatte Solon wich- 
tigeres zu thun). Ein Staatsexemplar wird wohl nicht ange- 
nommen (oder doch p. 123?). Charakteristisch ist der satz: „Lönnrot 
gedachte Finnlands Peisistratos zu werden" (73). Die unhisto- 
rische, aus Peisistratos' kunstmäcenatenthum entsprossene und in 
der kaiserzeit sehr verbreitete legende spricht nicht gegen die ur- 
sprüngliche einheit der gedichte. Auf diesen beweis kommt es 
ihrem flinken vertheidiger allein an. Die unitarier sind ja „ih- 
ren antipoden au poetischem gefühle weit überlegen , wenn sie 
auch zu viel hineininterpretieren und in der polemik die winkel- 
züge der theologischen apologeten getreulich nachmachen" (69 f.). 
Die „liederjäger" passieren wieder Madvig-Nutzhorns kritik. Der 
strenge methodiker Sittl fügt betreffs der epenvergleichung den 
satz hinzu: „die Oberflächlichkeit glaubt ja schon genug gethan, 
wenn sie griechisches und fremdes nebeneinandersetzt" (also wie 
oft in den noten unter dem text?). Die sachliche antikritik gi- 
pfelt in der geistreichen phrase: ,,da schon in den ältesten kunst- 
denkmäleru den Griechen gerade ein wunderbares kompositions- 
talent von seinen lehrmeistern (Orientalen) scheidet, können wir 
nicht begreifen , warum nicht dasselbe talent auch in den älte- 
sten werken der Literaturgeschichte sich gezeigt haben sollte" (73). 
Wenn also Lachmann durch seine Zergliederung des Nibelungen- 
liedes" „ermuthigt" war (70), so hat Sittl seine kenntniß der 
kunst berauscht. Wir werden uns durch seinen analogieschluß nicht 
bestechen lassen. Also „gerade an der komposition dieses mei- 
sterwerkes (Ilias) scheitert Lachmanns hypothese" (72). Obwohl 



80 13. Literaturgeschichte. Nr. 1. 

„nicht einmal in Griechenland alle epischen Sänger 
großes talent besessen haben mögen", so hat Sittl doch ,,eine zu 
gute meinung von der dam aligen kraft der phantasie": 
ein sammler war bei diesen Griechen unmöglich, so ein „unge- 
wöhnlicher schwachkopf und sündenbock" (85 f.), „eine geistes- 
schwache marionette" (106). Sittl, der diese titel zu gebrauchen 
bequemer findet als ihn psychologisch verstehen zu wollen (ob- 
wohl er selbst wieder einen „mit noth ringenden bänkelsänger" 
kennt, p. 115), richtet nun den doch bisweilen „mitleidigen" 
(111, 5) „berühmten epigraphiker A. Kirchhof?" (siel so wird 
der fachhomeriker beseitigt) mit den schlichten Worten : „es ist ein 
glück, daß das kühne gebäude auf recht schwachen beweisen 
ruht; diese sind längst erschöpft" (105). Da ist aber doch der 
interpolationsfanatismus erst recht das reine Danaidenfaß ! „Wenn 
auch Jacob und Bekker mäkeln" (96), Düntzers und Grotes 
zwei epen , „diese siamesischen zwillinge , nicht befriedigen", 
Bergks, Nabers und Nieses Uriliaden eine bequeme annähme, 
unmethodisch und zu wenig vorsichtig sind (75) , so bietet uns 
der neuste anhänger „der kern- und krystallisationstheorie" ein 
rein objektives bild von der ursprünglichen einheit der Ilias, 
„an der die forschung festzuhalten hat" (79). Niemand kann solche 
Zuversicht gutheißen. Obgleich er Nieses rücksichtslosigkeit ta- 
delt, welche „die mittel in den äugen besonnener forscher kompro- 
mittiere" (81), ist doch bei ihm nicht „zwivel herzen nächgebür", 
was die gültigkeit seiner „psychologischen erklärungen der 
einschiebsei" und seiner „entschuldigungen der Widersprüche" an- 
geht. Diese beiden grundsätze lieferte die prüfung der mittel 
(76 — 85): 1) die menge von Interpolationen, Düntzers Panacee, 
wird genauer rubriciert (politische , redactionelle — dahin auch 
A 611 — , weiter moralische und ausspinnende arabesken, glos- 
sierende verse und doppelrecensionen) ; aber die aalglätte bleibt 
2) möchte Sittl „fast sagen" : „gerade die Verschiedenheit des tones 
verräth oft die gleichheit des Verfassers", 3) versuche über sprach- 
liche und metrische unterschiede verdienen noch „kaum erwäh- 
nung", \and 4) „auch die größeren Widersprüche sind nicht von 
belang, sobald man nachweisen kann, daß der dichter damit ei- 
nem besonderen zwecke diente". Das glaubt nun der willfäh- 
rige apostel von Freys Homerpoetik zu können. Ich muß mich 
auf wenige proben beschränken. Natürlich bewegt sich die ganze 



' 



Nr. 1. 13. Literaturgeschichte. 81 

homerische frage zunächst zwischen eleu verschiedenen auffassungen 
von der thätigkeit des letzten ,,dichters" : diese ist nach Lachmann 
und Kirchhoff geringer anzuschlagen; die gegner erklären sie 
für die eines genialen mannes. Aber es ist kein geringes lob, 
welches Kirchhoffs kritik von besonnenen forschem gespendet 
wird, daß sie immer auf festem boderi geblieben ist. Das kann 
man von den gegnern und dem verf. kaum sagen. Die zweite 
Streitfrage betrifft den ersten dichter : für die gegner ist er iden- 
tisch mit dem letzten , und einige dutzend interpolatoren folgen 
ihm ; nach anderen verrathen die jüngeren theile eine gewisse 
Planmäßigkeit, die älteren aber führen auf verschiedene grund- 
lagen. So also muß die frage jetzt formuliert werden : hie ur- 
sprüngliche einheit und interpolationen in masse , hie ursprüng- 
liche einzelgedichte oder -lieder unter der decke planmäßiger 
bearbeitung, aus der etliche interpolationen zu sondern sind. 

Der kern der alten Ilias war nach Sittl A — E, A und 
O 2 — ^J^" 1 (86 — 100). — Dazu gehört das proömium und die „mei- 
sterhafte einleitung" A 1 — 610 mit den reden und der perso- 
nencharakteristik. Von dem, was Lachmann „vorgebracht" hat, 
„ist wirklich nur von belang A 423", Darauf „genügt" die 
autwort : 1) „der dichter schweigt an diesem tage von Apollos 
thätigkeit überhaupt", 2) „seine phantasie schuf, umdenkleinen 
Widerspruch, der den hörern entging [sie !) , unbekümmert, jene 
herrliche scene der Athene", „die nur Achilleus sichtbar 
erscheint, während die übrigen personen einfach unberücksich- 
tigt bleiben" (86 f., vgl. Bergk 554). Der dichter brauchte eine 
göttin, mithin „kümmerte er sich weder um die kollision mit der 
sonstigen erzählung, noch um das größere bedenken, daß er an 
die phantasie des hörers große anforderungen stellt"! Also 
dieser soll es sich entgehen lassen: vorher entging es ihm von 
selbst ! Mit diesen leeren phrasen werden die kunststückchen 
der erklärung gläubigen lesern empfohlen. Dagegen erinnere 
ich an das ehrliche unbefangene geständniß, welches ein anderer 
interpolationskritiker , aber weit strengerer methodiker, Chr. 
Heimreich, ablegt: „es bleiben nur zwei wege : entweder die Lach- 
mann 1 sche liedertheorie oder die annähme einer interpolation" 
(progr. v. Ploen 1883, p. 6). Wenn dieser weiter erklärt, es 
„ist durch die aufeinanderfolgenden Untersuchungen von M. 
.Haupt, Köchly und G. Hinrichs aufs evidenteste erwiesen, daß 
Philol. Anz. XV. 6 



82 13. Literaturgeschichte. Nr. 1. 

die ganze Chryseisepisode nichts ist als ein homerischer cento" (13), 
so ist sie für Sittl „ein außerordentlich geschicktes , ruhe ath- 
mendes bild des friedens, das reichlich formelhafte verse braucht" 
(87). Da ist freilich eine einigung ausgeschlossen, und gegen- 
gründe sind unnütz : allzu groß wird der schade solcher methode 
nicht werden. Im „böotischen" schiffskatalog gelangt Sittl „zu 
strophen von je drei versen, oft mit einem oder zwei versen als 
abschluß" (88): also das rechenexempel geht immer auf. „Da 
Stasinos einen Troerkatalog gab, so kannte er den in B noch 
nicht". Das nannte Bergk 565 allerdings unwahrscheinlich; 
er meinte, seine dürftigkeit habe jenen zur einreihung eines neuen 
bestimmt. Im übrigen stimmt Sittls Iliasanalyse häufig mit Bergk, 
vgl. die erhebung der teichoskopie und noeoßsi'a (89. 92 = 
Bergk 567. 590), die parallele der mauer- und heerschau in J 
(90 = 567. 572), das frivolere Zeitalter der Aphroditeepisode 
(90 = frivole willkür, Bergk 576), auch über spräche und me- 
trik (102 =721 f.). Richtig wird betont, daß Z und H einen 
mehr lyrischen Charakter haben (90), daß K von jeher in den 
jetzigen Zusammenhang gehörte (92), wohl auch, daß M — O von 
einem einzigen Verfasser herrühren (94). 

Da das motiv der Odyssee (100—117) sich zersplittert, so 
legt der Verfasser „weniger gewicht auf die künstlichere kom- 
position". Gegen Kirchhoff, der die erkennungsscene i/> 111 — 
176 dem bearbeiter zuschreibt, sagt Sittl nach der mittheilung, 
ursprünglich sei die folge die gewesen: xp 87. 153 (rc/'qpp« 5' 
statt arrag) —156. 163 — 164. 88—93. 96—112 (mit TlijvElnnrjv 
statt Tt}leuct%nr). 166 ff.: 1) „so scheint mir die Schwierigkeit mit 
den „einfachsten" mittein gehoben" (das ist wohl sache des 
geschmacks, „der qualitativ und quantitativ sehr verschieden ver- 
theiltist" (117), und daher nicht discutabel), und 2) wenn einiges 
im , jüngeren nostos" Kirchhoff „irritiert" : „ein epischer dich- 
ter erzähle nicht mit der peinlichen genauigkeit eines Protokoll- 
führers", weiter 3) wenn Kirchhoff / 16 ff. an»/ 242 schiebt, dann 
erzähle Odysseus ungefragt seine leiden, und Aretes zweite 
(kleider)frage werde erst nach vielen hundert versen beantwortet 
(105 ff.). Sollte denn Odysseus auf die frage tj 238. 239: rk 
n 6$ sv tlg avdgcöv; rig u. s. w. nur mit einer zeile seinen na- 
men sagen, ohne auf tj 239 hin die leiden zu berühren? Si- 
cherlich kommt zunächst die erste, dann die zweite frage an die j 



Nr. 1. 13. Literaturgeschichte. 83 

reihe: der bearbeiter freilich mochte auf die kleider „das meiste 
gewicht legen". „Mit diesen stützen fallen natürlich auch die 
weiteren folgerungen Kirchhoffs". Der verf operiert nun „un- 
abhängig". Der „halbselbständige" trabant Telemachie wird als 
eine art Vorspiel durch s 1 — 27 mit « 87 und e 28 — £ 331 verbunden. 
„Auf die chronologische Verwirrung lege ich weniger gewicht, 
da man einem dichter in solchen nebensachen(I) nicht zu 
genau auf die finger sehen darf" (107 f.). So wird auch dieser 
sichere beweis entfernt. Die gegengründe über das Verhältnis 
von a und ß (Wiederholungen 78 ff.) sind ungenügend, s. Rothe 
Philol. Wochenschrift, 1882, sp. 1446 und meine anmerkung 
zur achten aufläge von Faesis Odyssee zu u 279 ff. Unecht 
sind ferner n 84-102. 103 — 132. 308 ff. 7—15. 93—532, 
in 533 ff. die predigtsentenzen, (« v. n nicht zu trennen) y. 528 
-530. 532. I 1—89. 138 — 149. 152—386. 565—640 (mittel- 
griechische kataloge, 111). v 125 — 187. In der zweiten hälfte 
v — \p 296 finden sich viel episoden und füllstücke, zum theil 
„vielleicht das werk eines einzigen, welcher die Telemachie ein- 
fügte" (also !) : „dieser redaktor , das kind einer orakelsüchtigen 
zeit, gab dem Telemach den propheten Theoklymenos mit" (115); 
er „zeigt mangel an routine", ist also auch ein „sündenbock" ! 

Ich breche ab, da ich hinlänglich gezeigt zu haben glaube, 
welchen selbständigen werth das frühgeborene buch hat und von 
welcher art die methode der arbeit ist. Auch in der zweiten 
hälfte, die etliche halbleere Seiten zeigt, herrscht ein etwas cava- 
lierer ton und überkritische vernichtungslust, unter der beson- 
ders Alkman, Stesichoros und Alkäos leiden. Wenig glücklich 
ist auch hier der krieg gegen die aeolismen Alkmans (300 f.) 
geführt; Pindar fehlt noch. Die neue Schreibung „Eugamon" (177) 
ist nicht einleuchtend. — Der „bauernsänger" oder „meistersänger" 
(218) Hesiod kann die Theogonie, die nicht zur „hellenischen bibel" 
avancierte (208), nicht gedichtet haben (202). Sittl schließt sich 
eng an Pausanias an, wogegen Bergk I, 965 — 970 weit vorsich- 
tiger urtheilt. Auch hier wird ein selbständiger überblick über 
die schichten gegeben (205 ff.). Das citatenmaterial ist nicht ge- 
ring. Eoehl IGA. 325 (268) war nach den Imagines X, 4 zu 
citieren; 146, 8 fehlt Polack Curae secundae ; 264, 2 lies wie 6, 262, 2 
Müller de scriptis oder syllogis Theognideis, 311, 15 lies Samos für 
Ibykos. Druckfehler sind nicht selten und zum theil häßlich 

6* 



84 14. Geographie. Nr. 1. 

wie todenreich (111), dreimal: Odysse, namen für nomen (17, 4), 
dessen der (153, 18); 129, 3 lies E. Kammer, 164Bolte. Der 
bavarismen wie Polyb (5), weberinen (warum nicht auch ver- 
hältnise?), gestanden sein (43), (fragt), streitwägen (85), weiters 
(115. 211) zu geschweigen, kann ein stil (vgl. oben p. 71. 72), 
der von „einem tönenden bild der griechischen musik" (286) 
spricht und stets nach geistreichelnden kraftphrasen hascht, nicht 
zu wiederholter lectüre reizen. So wenig kann ich an dem buche 
rühmen. Gustav Hinrichs. 

14. Karten von Mykenai. Auf veranlassung des 
archäologischen instituts aufgenommen und mit erläuterndem text 
hrsg. von hauptmann Steffen. Nebst einem anhange von H. 
Lolling. Berlin, D. Keimer 1884. 2 bl. fol. 48p, 4. 12mk. 
Am Winckelmannsfeste 1882 legte hauptmann Steffen dem 
archäologischen institut in Berlin die resultate seiner topogra- 
phischen aufnahmen in Argolis dar ; jetzt liegen dieselben ver- 
öffentlicht vor. Es ist eine angenehme pflicht der kritik, wirk- 
lich vollendetes ohne Umschweife als vorzüglich anzuerkennen. 
In den topographischen arbeiten , welche die Offiziere und be- 
amten des großen generalstabes im verein mit auf klassischem 
boden weilenden archäologen unternommen haben , und die in 
mustergültiger form die presse verlassen, haben wir es durchge- 
hend mit werken zu thun, auf welche die deutsche Wissenschaft 
stolz sein kann. In der äußeren ausstattung zeigen diese karten 
von Mykenai, besonders durch die anwendung eines sehr hervor- 
stechenden bräunlichen tones für die höhen, noch einen fortschritt 
gegen die karten von Attika, von denen die erste , Neu - Athen, 
in der nämlichen anstalt (H. Petters in Hildburghausen) ange- 
fertigt war. Die ganz ausgezeichnete herstellung rechtfertigt 
den etwas hohen preis. 

Das erste blatt, im maßstabe von 1:12500, umfaßt die 
nordspitze der argivischen ebene mit dem von westen und osten 
sich nach dem Treton hin zusammenschließenden gebirgsland. 
Mit nahezu plastischer klarheit treten rechts die gipfel Elias 
Berbatiotikos , Euböa, Szara und prophet Elias, links Aetolithi 
und Aeto Vuno hervor. Die höhenlinien sind sehr genau und 
in kurzen Zwischenräumen gezogen , besondere Sorgfalt ist ver- 
wendet auf die Verzeichnung der vielen Qtvfiaza, der meist tro- 



Nr. 1. 14. Geographie. 85 

ckenen wasserrinnen. In der Senkung zwischen Szara und pro- 
phet Elias sehen wir die ruinen von Mykenai, am südrande der 
karte die des altberühmten Hera-tempels. Wie bei den karten 
von Attika sind antike Überreste durch rothe färbe bezeichnet. 

Das zweite blatt zeigt in dem großen maßstabe von 1 : 750 
die akropolis von Mykenai allein, mit genauer angäbe aller an- 
tiker mauerreste. Ein profil der akropolis-höhe und ein plan der 
befestigungen von Tiryus vervollständigen dies blatt. 

Hauptmann Steffen hat sich aber, ebenso wie von Alten 
bei den mauern des Peiraieus, nicht mit der aufnähme begnügt, 
sondern alle altgriechischen befestigungen in Mykenai und der 
umgegend einer genauen Untersuchung vom militärischen Stand- 
punkte aus unterworfen. Die sehr eingehende Schilderung füllt 
den größten theil des beigegebenen textheftes. Der stil ist aus- 
führlich und militärisch deutlich. An der anwendung der ter- 
mini der jetzigen militärischen theorie, wie debouchiren, etappen- 
straßen und ravin, auf die heroische zeit darf man nicht anstoß 
nehmen : sind auch die namen für klassische forschungen unge- 
wohnt, die begriffe sind für alle zeiten konstant. 

Das wichtigste ergebnis jener Untersuchungen ist die ent- 
deckung eines ausgedehnten hochstraßennetzes , welch s die fe- 
stung Mykenai mit dem norden, also mit Korinth, und mit dem 
Heraion verband. Ueberall weist Steffen die einsieht nach, mit 
welcher die erbauer die militärisch günstigste läge für ihre Straßen 
und befestigungen erwählten. Danach war Mykenai der vor- 
geschobene posten, der ein offensives vorgehen von Korinth ge- 
gen die argivische ebene decken und stützen sollte. Doch ist 
diese Verwendung der wichtigen position erst die spätere. Ur- 
sprünglich war vom meere aus der rand der ebene, Nauplia, 
Tiryns, Midea, Mykenai befestigt, zweifelsohne auch zur bekäm- 
pfung von Argos. Die mythologie bietet Steffen namen für diese 
historischen Vorgänge. Die Proitiden herrschen in Argos, wäh- 
rend die Perseiden, zur see anlangend, den rand der ebene be- 
setzen. Alsdann wandern die Pelopiden über den Isthmos und 
dringen von der Korinthia über die berge nach der Argeia vor. Sie 
nehmen jetzt besitz von der alten Perseiden-burg Mykenai und 
bauen diese in neuerer kunstmäßigerer weise aus. Das interesse, 
welches sie an der Verbindung dieser vorburg mit Korinth haben, 
bethätigen sie durch anläge von drei hochstraßen. So hat 



86 14. Geographie. Nr. 1. 

fleisch und blut gewonnen, was E. Curtius bemerkt hat (Pelo- 
ponnes II, 403) , daß „die Verschiedenheit des mauerwerks von 
der rohesten kyklopischen art bis zum quaderähnlichen kunstbau 
beweise , daß in verschiedenen zeitperioden hier gebaut worden 
ist, und daß die geschichte Mykenais eine größere ausdehnung 
hat, als man nach maßgabe der spärlichen Zeugnisse anzunehmen 
geneigt ist". 

Außer der hauptfestung , die genau beschrieben wird , hat 
Steffen noch eine reihe von nvQyot , welche hier und da, doch 
nicht planlos, in den bergen stehen, aufgesucht und geschildert 
und gewinnt schließlich „den eindruck eines großartigen befesti- 
gungssystems, welches bogenförmig vom Aetolithi über die haupt- 
position von Mykenai bis über die Klisura hinausreichend die 
ganze ca 15 kilometer lange front des nördlichen und nordöst- 
lichen grenzgebirges umspannte". 

Ohne auf das einzelne dieser fortifikatorischen Studien ein- 
zugehen, will ich nur erwähnen, daß auch die von Bursian ver- 
mißte quelle Perseia jetzt aufgefunden ist. Sie befindet sich al- 
lerdings nicht mehr iv to&g igsmioig Mvuipaiv (Paus. II, 16, 6), 
sondern oberhalb der akropolis in der thalsenkung zwischen 
Szara und prophet Elias ; das wasser war ohne Zweifel in an- 
tiker zeit zur Unterstadt und dem unteren theile der bürg geleitet. 

Alsdann ist noch zu verzeichnen , was durch Lollings mit- 
arbeiterschaft für die topographie dieser gegend neu festgestellt 
worden ist. Der kürzeste weg zwischen Korinth und Argos 
über Klenia und die hochebene von Berbati ist in der that, wie 
Curtius (Pelop. II, 513) als wahrscheinlich bezeichnete, die alte 
KovionoQtia. Der wasserreiche bach aber, den er erwähnt, ist 
der Asterion. Diese benennung ist neu ; denn man glaubte bis- 
her diesen namen einem dicht am Heraion befindlichen Qtvfxa 
beilegen zu dürfen, wie den des 'Eltv&tQiov v5o>q dem nächsten 
qtvfxa auf der westlichen seite ; aber sie ist ganz sicher aus zwei 
gründen : einmal ist dies der größte fluß der Argeia neben dem 
Kephisos und Inachos, und man begreift jetzt erst, wie diese 
drei so zusammen genannt werden konnten , wie es Pausanias 
(II, 15, 5) thut; und dann verschwindet derselbe wirklich noch 
jetzt in einer schlucht, wie es Pausanias (17,2) beschreibt, näm- 
lich in der Klisura. Auch die fixirung der namen Euboia und 
Akraia ist jetzt sicher. Curtius und Bursian bezeichnen so auf 



Nr. 1. 15. Topographie. 87 

ihren planen unbedeutende hügel in unmittelbarer nähe des He- 
raion, während ihre beschreibung es im unklaren läßt, ob sie 
nicht mit Euböa den ganzen großen jetzt Evvia genannten gi- 
pfel meinen. Es ist jetzt kein zweifei , daß dieser den alten 
namen behalten hat, und daß die Akraia {anavtmqv rov 'Hquiov 
Paus. II, 17, 2) der Elias Berbatiotikos ist. Das 'Eltvdi(jiot> 
vÖojq findet Lolling an der hochstraße zwischen Mykenai und dem 
Heraion in einer fließenden quelle in der nähe der Panagiakapelle. 
Weniger sicher ist die lokalisirung von Tenea und Petra. 
Im teneatischen thale bezeichnet Curtius (Pelop. II, 550) drei 
punkte als fundorte von alterthümern , Chiliomodi , Klenia und 
Athiki und fügt hinzu, die Teneaten hätten in zerstreuten Woh- 
nungen zwischen ihren ackern gelebt. Lolling wählt den zweiten 
punkt als den eigentlichen ort der y.oi(A> h wesentlich auf die an- 
gäbe des Pausanias (II, 5, 4) gestützt, daß Tenea 60 Stadien 
von Akrokorinth entfernt sei. Aber die zahlen des Pausanias 
scheinen gerade für diese gegend unzuverlässig zu sein. Die 
entfernung von Mykenai bis zum Heraion soll 15 Stadien be- 
tragen. Das ist einfach falsch. Der wirkliche abstand kommt 
nicht heraus, wenn man auch nicht wie Steffen den von Doerp- 
feld nachgewiesenen attischen fuß zu 0,296, sondern einen grö- 
ßern zu gründe legt. Der ausweg , Pausanias habe von der 
grenze des mykenischen gebiets an gerechnet, erscheint mir im 
hinblick auf den deutlichen ausdruck unmöglich. Ist doch dem- 
selben Pausanias in dieser gegend noch eine bedenkliche Über- 
treibung nachzuweisen. Er sagt von den mauern von Tiryns 
(II, 25, 8): TTsnoCrjzai do)a>i> Xidcay, fii/edog t%cov exuaioi; Xiüog 
cag an altüv jU//<5' av UQxk v »iPtp&^tai luv fAiygözuiOf ino t,ev- 
yove ijfiiörcop. Das trifft nach Steffen nur für einzelne hervor- 
ragend schwere blocke zu. Das conto des periegeten ist also 
mit zwei neuen posten belastet. 

15. G. Loeschcke, die Enneakrunosepisode bei Pausa- 
nias. Ein beitrag zur topographie und geschichte Athens. 
Dorpat 1883. 4. 26 p. 1 mk. 

Wie nach einer einlaßkarte wird mau jeden, der das gebiet 
der athenischen topographie betritt , mit recht fragen , welche 
Stellung er zur Pausanias frage einnehme. Denn adhuc sub 
indice lis est. Auf der einen , der radikalen seite bedenkt man 



88 15. Topographie. Nr. 1. 

den periegeten mit einer blüthenlese von grobheiten und erklärt 
den oft einzigen zeugen für so unglaubwürdig , daß sich jede 
sonst plausible annähme auch gegen ihn rechtfertige-, auf der 
andern warnen die besonnenen conservativen , daß es „leichter 
sei, Pausanias vorschnell zu verurtheilen , als ihn nach allen 
Seiten hin richtig zu verstehen". Für jene ist nun gerade die 
Enneakrunosepisode beweisend, daß auf die Ordnung in Pausa- 
nias beschreibung gar nichts zu geben sei (v. Wilamowitz, Aus 
Kydathen p. 136). Um so mehr ist es interessant, dieselbe zum 
gegenständ einer eingehenden abhandlung gemacht zu sehen. 

Loeschcke nimmt zu jener frage erst am Schlüsse seiner schrift 
deutlich Stellung. „Ich halte, sagt er p. 21, die anschauung, 
die neuerdings v. Wilamowitz über den schriftstellerischen cha- 
racter des periegeten verbreitet hat, für gesund an würzet und 
kern, glaube aber, daß sie einige wilde schössen getrieben hat, 
die möglichst bald wieder fallen müssen. Hierzu rechne ich na- 
mentlich die Vorstellung, als ob die autorität des Pausanias in 
fragen athenischer topographie erschüttert sei". Loeschcke glaubt 
also dem Pausanias noch etwas, auf dem felde der topographie 
Athens sogar soviel, daß er seine angaben nur dann als irrig 
verwerfen will , wenn „der anlaß zum irrthum aus dem cha- 
racter von Pausanias quellen oder seiner arbeitsweise mit Wahr- 
scheinlichkeit nachgewiesen ist". Das ist eine verhältnismäßig 
humane behandlung des vielgeschmähten. Für die Enneakru- 
nosepisode will Loeschcke seine autorität geradezu retten und 
jene trotz v. Wilamowitz und Wachsmuth richtig eingliedern. 

Diese eingliederung gelingt nun auf die weise, daß der Ver- 
fasser nach dem vorbilde Gr. F. Ungers die Enneakrunos gänz- 
lich von der bekannten quelle im Ilisos-bette scheidet. Die von 
Peisistratos gefaßte quelle, welche Pausanias erwähne, habe viel- 
mehr an der bürg in der nähe der stelle gelegen, wo nach ein- 
ander die odeia des Perikles, des Ariobarzanes und des Herodes 
sich erhoben hätten ; denn stets habe es nur &n odeion in Athen 
gegeben. Die andern gebäude, welche Pausanias in der nähe 
der quelle nennt, liegen dann ebenfalls nicht weit von der akro- 
polis: nämlich die heiligthümer der Demeter und Köre und des 
Triptolemos, d. h. das eleusinion, südlich vom areopag, und der 
tempel der Artemis eukleia zwischen areopag und pnyx, an der 
stelle von Hagia Marina. Der weg des periegeten (voncap.8, 5 



Nr. 1. 15. Topographie, 89 

bis 14, 5) sei alsdann der, daß er von dem Standorte der rv- 
Qaptoxznvni zwischen areopag und bürg hindurch nach dem Odeion 
gehe und nach umwanderung des areopags wieder auf die agora 
zurückkomme. 

So ansprechend auch Loeschckes vorgehen im ganzen er- 
scheint, so fürchte ich doch, daß er gerade bei dem eben skiz- 
zirten hauptpunkt, der fixirung der Enneakrunos, sich auf einem 
irrwege befindet. Glücklicherweise kann man eine menge von 
einzeih eiten, die Loeschcke mit Scharfsinn durchführt, als richtig 
zugeben, ohne jenen hauptpunkt mit ihm annehmen zu müssen. 

Der Verfasser hat , meine ich , recht übel gethan, einen als 
gesichert geltenden fixpunkt der athenischen topographie wieder 
zu verrücken. Mit gewichtigen gründen und zeiagnissen ist ihm 
hier Milchhöfer entgegengetreten, in der neulich erschienenen zu- 
sammenfassenden darstellung der athenischen topographie (Bau- 
meisters Denkmäler p. 186). Zu dem dort gesagten füge ich 
I noch die frage, wie denn Pausanias (I, 14, 1) von der Ennea- 
krunos sagen könne: ygiura yal dict ndoqg t^g nöXsäg töit, 
nriyri öe avztj i^öfrj, wenn es doch noch außerdem die quelle im 
Ilisosbette gab? 

Klarheit in der topographischen folge bei Pausanias ist, 
glaube ich, nur zu erlangen, wenn man sich das system der 
Wanderung stets vor äugen hält, welches er zwar wunder- 
licher, aber consequenter weise befolgt. Deutlich hat dies Hirsch- 
feld (Archäol. zeitg. 1882, p. 122) skizzirt. Pausanias wählt 
sich nämlich einen möglichst günstigen mittelpunkt , geht von 
diesem aus in einer bestimmten richtung nach einer seite, so- 
weit er überhaupt kann, dann wendet er um, geht zurück 
nach dem ausgangspunkt und verfolgt eine andere richtung wie- 
der bis zur grenze. 

Der natürliche mittelpunkt von Städten ist die agora. So 
verweilt Pausanias , in Korinth angekommen , zuerst auf dieser 
(II, 2, 6 — 3, 1), dann verfolgt er den weg nach Lechaion, dann 
den nach Sikyon , beide mit dem ausdrücklichen zusatze fx tt;g 
ayogäg. In Sparta wird nach beschreibung der agora (III, 11, 
2 — 11) von derselben aus zuerst die Aphetais- straße verfolgt, 
dann bei 12, 10 wieder, und bei 14, 1 zum dritten male bei 
der agora begonnen. 

Diese art zu sehen und zu schildern kann man pedantisch 



90 15. Topographie. Nr. 1. 

und unpraktisch finden, aber Pausanias hat sie befolgt; und 
manche Schwierigkeit dürfte verschwinden, wenn man diesen 
Schlüssel anwendet und dabei nicht außer acht läßt, daß der pe- 
rieget vom rückweg, der ihn ja an schon geschildertem vorbei- 
führte, nichts zu sagen pflegt. Man darf also im allgemeinen 
nicht kreiswege, sondern radiale bei ihm suchen, die an der pe- 
ripherie plötzlich aufhören. 

Athen war nun eine nölig xuxüs i(j(jv/j.070fAr](A£v)i (Müller 
Fr. hist. II, 254); um so schwieriger war es, eine periegese prak- 
tisch einzurichten , um so complicirter sind auch die wege des 
Pausanias geworden. Da er aber beim beginne jeder neuen 
Wanderung den ausgangspunkt deutlich bezeichnet, so ist meines 
erachtens die bestimmte Ordnung nicht zu verkennen. Ich un- 
terscheide außer dem eintritt vier Wanderungen. Der eingang 
(cap. 2, 4 — 6) bringt den reisenden von einem nordwestthore, 
ob es nun das peiraiische oder das dipylon war , bis zur agora 
im Kerameikos. Diese , und zwar den platz an der oiou ßaoi- 
Xsiog , wäblt sich Pausanias zum centralpunkt. Die erste Wan- 
derung (3, 1 — 14, 5) führt ihn von jenem platze südwärts über 
alle sehenswürdigen bauten und bildwerke der südlichen hälfte 
der agora bis zu den tvgawoiizöv-xa, dann zwischen areopag und 
bürg hindurch zum odeion des Ariobarzanes, darauf entlang der 
Straße zum thore hinaus nach der Kallirrhoe, jenseit des Ilisos 
(vnsfj 7>/i xQi'jrrjv) zu den beiden heiligthümern der Demeter und 
Köre und des Triptolemos, und noch weiter hinaus («Vi dncüit^oo) 
zu dem tempel der Eukleia. 

Mit den Worten vtisq de tbv Ke^a^sutov aal atoav xt\v xakov- 
(litr^ ßaoiXaov befindet sich Pausanias wieder am ausgangspunkt ; 
deutlich wird auf 3, 1 zurückgegriffen. Es beginnt jetzt die 
nördliche Wanderung (14, 6 — 16, 3). Er sieht jenseit der kö- 
nigsstoa, d. h. nördlich von ihr den tempel des Hephaistos und 
das heiligthum der Aphrodite Urania und geht an dem l E(jfA?/g 
ayogalvc, der in der nähe eines marktthores sich befand, vorbei 
auf die arod noixiXiq los, die man sich füglich in der nordost- 
ecke des marktes denken mag , sodaß die hermen in parallelen 
linien von der aiod ßmailtiog nach norden und von der notxlXt] 
nach süden führten. Damit schließt die zweite Wanderung. 

'ji&ijvmoig 8e tv rjj «yoga — hier sind wir wieder am alten 
punkte, in der nähe der ßaoilewi, und nun geht es in die ost- 



Nr. 1. 15. Topographie. 91 

stadt (17, 1 — 19, 6). Am prytaneion werden wir ausdrücklich 
bedeutet, daß sich der weg theilt: Pausanias wandert hinunter 
(sV tu. xüzm r^- nölemv) zum Sarapeion und dem tempel der 
Eileithyia; es folgen olympieion, Kijnot, Kynosarges, Lykeion, 
Agrai mit dem tempel der Artemis Agrotera und das Stadion. 

Da der perieget hier nicht mehr weiter kann , so beginnt 
er die vierte Wanderung (20, 1 — 29, 1), diesmal vom Prytaneion 
aus. Den weg von der agora bis dahin wiederholt er natürlich 
nicht. Er geht die rginodsg entlang zum tempel des Dionysos 
und dem theater, steigt zum Asklepieion, dann zur bürg hinauf 
und besucht endlich den areopag. 

Ist hiemit das richtige getroffen , so wird man sich nicht 
mehr wundern dürfen , daß Pausanias vom tempel der Eukleia 
und dann wieder vom Stadion plötzlich abbricht; sind dies doch 
nur die endpunkte jener radialen Wanderungen. Dann hat auch 
Hirschfeld recht, daß man nicht von einer Enneakrunos - episode 
sprechen dürfe. Das 8, 6 und dann wieder 14, 1 erwähnte 
odeion wäre das bekannte des Ariobarzanes Philopator, welches 
Herodes blos umbaute , die Enneakrunos wäre die quelle im 
Ilisosbette, die tempel der chthonischen gottheiten und der Ar- 
temis lägen jenseit des flusses. Dabei kann die ansetzung des 
eleusinion südlich vom areopag (Loeschcke p. 15 f.) immer noch 
vollkommen richtig sein. Denn es ist durchaus nicht ausgemacht 
(vgl. Milchhoefer a. a. o. p. 187. 198), daß die von Pausanias 
genannten heiligthümer mit dem eleusinion identisch sind ; viel- 
mehr scheint die stelle 14, 3 darauf zu deuten, daß er sie un- 
terscheiden will. 

Aber ein schlimmer anstoß bleibt. Pausanias sagt ausdrück- 
lich , die Enneakrunos sei nahe an dem odeion gewesen ; und 
die entfernung beträgt — nicht viel unter einem kilometer. 
Hier scheint mir die eigentliche Schwierigkeit, nämlich eine lücke, 
vorzuliegen. Diese ist möglicher weise nur durch schlechte Über- 
lieferung entstanden, vielleicht trägt auch Pausanias selbst die 
schuld. In beiden fällen aber erklärt sich ihr entstehen am 
besten, wenn wir an der existenz eines zweiten odeion vor 
dem thore festhalten. Denn dieses ist noch nicht aus der weit 
geschafft, wenn wir auch mit Loeschcke glauben, daß das 20, 4 
erwähnte xat&aitevaofia nichts anderes ist als das schon bei der 



92 16. Kaisergeschichte. Nr. 1. 

ersten Wanderung berührte odeion '). Nehmen wir an, hier vor 
dem thore lag ein zweites, seit Perikles seiner ursprünglichen 
bestimmung entfremdetes, zum wachtlokal, magazin und gerichts- 
saal (vgl. Milchhöfer p. 186) benutztes odeion, so wird jener 
sprung begreiflich. Entweder nämlich hatte Pausanias nach den 
Worten Jiövvaog xeizat &sag ä£iog noch von dem wege zum 
thore hinaus und vom zweiten odeion gesprochen und war 
dann fortgefahren nXtjalov dt iazt v.qi]vi] X7s. , und ein textver- 
derber hat den sprung vom ersten zum zweiten odeion gemacht; 
oder Pausanias selber hat bei der ausarbeitung seiner reiseno- 
tizen zu den uns vorliegenden * Attiv.6. diese confusion begangen. 

1) Loeschcke (p. 22 f.) betrachtet scharfsinnig und meines erach- 
tens richtig jene xcaaaxsvaßfin-notiz als in der studirstube des Pausa- 
nias entstanden. Hiermit wird eine art der erklärung eröffnet, die 
wohl recht fruchtbar werden kann. Irre ich nicht, so legte Pausanias 
zu seinenx werke durch ausgedehnte eigene reisen und beobachtungen 
nur den grund ; zur ausarbeitung aber verwandte er außer den mitge- 
brachten tagebüchern auch in ausgiebiger weise seine bibliothek. Ist 
es ein wunder, wenn die aus letzterer stammenden daten nicht immer 
richtig eingeordnet und verarbeitet sind? Ganz ähnlich wie jenes 
xamaxtvacfta ist gewiß auch der letzte satz von 18, 9 hineingekom- 
men , nämlich in der studirstube hinzugefügt und nicht richtig ver- 
werthet. Das gymnasium des Hadrian war nur ein umbau des gym- 
nasiums des Ptolemaios; also hätte die bemerkung schon cap. 17, 2 
eingegliedert werden sollen (vgl. Milchhoefer p. 169). 

M. Erdmann. 



16. R. Raffay, die memoiren der kaiserin Agrippina. 
Wien, Hoelder 1884. 8. V, 91 p. 2 mk. 40 pf. 

Schon bei A. Stahr haben die memoiren der Agrippina viel 
unheil angerichtet und auch Raffay scheint in der vorliegenden 
Untersuchung nicht glücklicher als Stahr gewesen zu sein. — 
Peter, dessen fragmentsammlung der verf. nicht zu kennen scheint 
— wenigstens nicht citirt — gibt drei fragmente dieser memoi- 
ren •, und es ist schwer, wenn man bei der sache bleiben will, 
über diese zum theil wenigstens nichtssagenden bruchstücke ein 
buch von fast hundert seiten zu schreiben. Wenn der versuch 
doch gemacht werden sollte, so mußte man doch ausgehen von 
den drei sicher überlieferten fragmenten , aus ihnen die kenn- 
zeichen der fragmente feststellen , welche für dieses werk ent- 
scheidend sind, um dann zunächst bei den Schriftstellern, denen 
wir jene drei fragmente verdanken, und dann auch bei anderen 



Nr. 1. 17. Kaisergeschichte. 93 

weitere bruchstücke ausfindig zu machen. Mit einem worte, man 
mußte in streng methodischer weise von dem sicher beglaubigten 
zum zweifelhaften fortschreitend vorsichtig boden zu gewinnen 
suchen. Ob ein derartiges suchen und untersuchen bei dem äu- 
ßerst mangelhaften material resultate haben würde, ist allerdings 
eine andere frage , die sich nicht mit derselben Zuversicht be- 
antworten läßt. — Jedenfalls ist dies nicht der weg, den der 
verf. eingeschlagen, wie schon seine kapitelüberschriften andeuten, 
die übrigens mit dem inhalt der kapitel durchaus nicht immer 
übereinstimmen: 1) der Verfasser derannalen; 2) die Verfasserin 
der memoiren ; 3) zeit und zweck der abfassung ; 4) fragmente ; 
5) über Tiberius ; 6) über Livia ; 7) schluß. 

Der verf. gibt in seinem werke zerstreute bemerkungen von 
sehr verschiedenem inhalt und werth über die quellen des Ta- 
citus und über die von demselben behandelten Zeitverhältnisse 
und personen ; fragen, die sich selbst dann nicht erschöpfen ließen, 
wenn sein buch auch den drei- oder vierfachen umfang bekommen 
hätte. — Zu einer geordneten beweisführung wird nirgends auch 
nur der ansatz gemacht. — Um nur eines herauszugreifen , so 
möchte ich schließlich nur noch protestiren gegen die auslegung 
des epigrammes : 

Roma domus fiet : Veios migrate Quirites 
Si non et Veios occupat ista domus. 

Das soll heißen (p. 15): „der in den bürgerkriegen ver- 
ödete und verwüstete Staat war von einer familie occupirt und 
eine possessio geworden — — so gehörte Rom einer bestimmten 
familie, wie Korinth den Bacchiaden gehört hatte". 

Man begreift kaum, wie diese einfachen verse, die sich auf 
Neros goldenes haus und den mangel an geeigneten bauplätzen 
in Rom bezogen, so mißverstanden werden konnten. 

V. Gardthausen. 



17. Carl Fuchs, geschichte des kaisers L. Septimius Se- 
verus. Wien, Konegen 1884. 8. IX, 124 p. 3 mk. 

In erfreulicher weise wendet sich die historische forschung 
der bis dahin arg vernachlässigten kaisergeschichte zu ; wir be- 
sitzen — um von den älteren werken wie z. b. Tillemonts zu 
schweigen — neuere zusammenfassende darstellungen von Duruy, 
Schiller, Hertzberg, Ranke, die natürlich Spezialuntersuchungen 



94 17. Kaisergeschichte. Nr. 1. 

und monographiert über einzelne perioden keineswegs überflüssig 
machen. Aber auch speziell über die zeit des kaisers Septimius 
Severus besitzen wir außer den quellenuntersuchungen von Kreu- 
tzer und J. J. Müller eine verhältnißmäßig umfangreiche neuere 
litteratur: J. G. Schulte, de imperatore L. Septimio Severe 
Münster 1869; Höfner, Untersuchungen zur geschichte des 
kaisers Septimius Severus. Gießen 1875 (in drei heften erschie- 
nen); A. de Ceuleneer, Essai sur la vie et le regne de Septime 
Severe. Bruxelles 1880; Gellens- W ilf o r d, La famille et 
le cursus honorum de Septime SeVere. Paris 1884. Dazu kommt 
nun noch die an der spitze dieser anzeige erwähnte geschichte 
dieses kaisers von Carl Fuchs. 

Wenn zu zehn dai Stellungen desselben gegenständes noch 
eine elfte kommt, so wird und muß das publicum zunächst die 
berechtigung und nothwendigkeit prüfen , inwiefern das neue 
werk die alten ersetzt oder ergänzt. 

Der verf . erzählt in chronologischer reihenfolge die geschichte 
des kaisers Septimius Severus wesentlich nach Spartian, Cassius 
Dio und Herodian. Das bestreben neues und eigenes zu bieten, 
das sich nicht verkennen läßt , verführt den verf. manchmal zu 
annahmen, die sich nicht begründen lassen. Wenn er z. b. aus 
den Worten Spartians (Sev. 8, 10) aliud sperantem herausliest, der 
bruder des kaisers habe sich hoffhung auf den thron gemacht, 
so besagt diese stelle genau besehen doch nur, daß derselbe in 
die provinz abgehen mußte , während er gehofft hatte, in dem 
bevorstehenden kämpfe ein commando zu erhalten. 

Im übrigen versteht es sich von selbst, daß der verf. we- 
sentlich mit demselben material arbeitet und arbeiten muß, wie 
seine Vorgänger und besonders de Ceuleneer, der ebenso wie 
der verf. keineswegs willens ist, den Herodian gänzlich aus der 
reihe der historiker streichen zu lassen. Der verf. weist in der 
einleitung allerdings hin auf „die abweichende Stellung in den 
quellen, die besonders Dio Cassius und Herodian in ihrem gegen- 
seitigen verhältniß zugetheilt wird", sieht man aber näher zu, so 
bemerkt man sehr bald, daß die resultate einer derartigen theo- 
retischen auffassung durchaus nicht so bedeutend sind, ein eige- 
nes werk rechtfertigen zu können. Dabei ist das werk von Ceu- 
leneer dem neuerdings erschienenen in bezug auf darstellung ent- 
schieden überlegen, ebenso wie in bezug auf Vollständigkeit. Bei 



Nr. 1. 18. Antiquitäten. 95 

dem viel größeren umfang 1 seines werkes findet Ceuleneer platz, 
auch die inneren zustände des reiches zu behandeln und zu 
dem zwecke inschriften , münzen und denkmäler heranzuziehen 
in größerm umfang als es in dem werke von Fuchs geschehen. 

Wie man aus der fassung des titeis schließen kann — aber 
nicht muß — fehlt die geschichte des Privatmannes Septimius Severus 
vollständig, selbst die frage nach dem geburtstage seines helden, 
die Hirschfeld kürzlich in den Wiener Studien 1884 behandelt 
und beantwortet hat, wird überhaupt nicht aufgeworfen, sondern 
die darstellung beginnt mit der erhebung des Didius Iulianus 
und wird dann biographisch herabgeführt bis zum tode des 
kaisers. 

Nach dem gesagten braucht das gesammturtheil wohl kaum 
noch näher begründet zu werden: 

Wer künftig die zeit des Septimius Severus studiren will, 
wird gut thun, nach wie vor sich an das vollständigere und um- 
fassendere werk von Ceuleneer zu halten. 

V. Gardthausen. 

18. Gr. Bloch, de decretis functorum magistratuum orna- 
mentis. De decreta adlectione in ordines functorum magistratuum 
usque ad mutatam Diocletiani temporibus rempublicam. Accedit 
appendix epigraphica. Paris, Thorin 1883. 8. VIII, p. 185. (These). 

In der römischen kaiserzeit war es üblich, senatorische Stel- 
lung in außerordentlicher weise zu verleihen, theils durch auf- 
nähme in eine bestimmte senatorische rangklasse mit allen dazu 
gehörigen rechten (adlectio inter quaestorios, praetorios, consulares), 
theils nur durch ertheilung von titel und rang (ornamenta) , also 
der bloßen ehre ohne die mit der rangklasse verbundenen poli- 
tischen rechte. Diese einrichtung , welche durch schriftsteller- 
zeugnisse , wie durch inschriften vielfach zu belegen ist , wurde 
in neuester zeit, nachdem früher A. W. Zumpt im Khein. mus. 2, 
p. 149 ff. darüber gehandelt, von Nipperdey (Leges annales in 
Abhandl. der sächs. gesellsch. d. wiss. V, 69 — 88) dadurch wesentlich 
gefördert , daß die adlectio und die ertheilung der ornamenta in 
ihrem unterschied erwiesen wurde, von Mommsen, Staatsrecht 1, 
439 — 450 hinsichtlich beider arten im allgemeinen und hinsicht- 
lich der ornamenta speziell erörtert, endlich hat Willems, Le se*- 
nat 1, 626 ff. die anfange dazu in der republik besprochen. Der 



96 18. Antiquitäten. Nr. 1, 

verf. der obengenannten pariser doctordissertation , die Gaston 
Boissier gewidmet ist, will nun die ganze institution nach den 
verschiedenen Seiten, die dabei in frage kommen, nach Ursprung, 
bedingungen , recht der Verleihung, einzelnen modalitäten , poli- 
tischem princip monograpisch behandeln und zugleich eine Sta- 
tistik der beispiele geben, und er hat sich damit einen gegen- 
ständ gewählt, der eine zusammenfassende neue behandlung wohl 
verdiente. 

Was den Ursprung betrifft, so hat der verf. gegen Nipperdey 
recht, wenn er die aus der letzten zeit der republik erwähnten 
Vorgänge anerkennt, auch liegt es an sich nahe zu fragen, wie 
er thut , ob sich nicht dieser Ursprung genauer fixieren lasse ; 
wenn nun aber p. 8 f. mit rücksicht auf die lex coloniae Gene- 
tivae (Eph. epigr. 2, p. 113, CCXXIIII), wo einem decurio, der 
einen andern einer höheren rangklasse angehörigen mit erfolg 
denunziere , dessen klasse zuerkannt wird , die ganze institution 
für den römischen senat auf die den Senatorenstand betreffenden 
Strafgesetze zurückgeführt wird, so paßt dies zu der allgemeinen 
anwendung nicht. Die aus der republik überlieferten fälle sind 
zu vereinzelt, als daß man eine gesetzliche grundlage erkennen 
könnte. Dagegen hat sich allerdings an diese fälle das verfah- 
ren Cäsars in einer ausdehnung und wohl auch in einer form 
angeschlossen , welche den Sueton (Caes. 76) berechtigte , eine 
Verletzung des herkommens darin zu sehen. — Die auseinander- 
setzung über die ertheilung für die ornamenta (p. 25 — 71) konnte 
gegenüber von Mommsen nichts wesentlich neues ergeben , da- 
gegen hatte der verf. der adlectio, welche bei Mommsen, da sie 
dem kapitel über den senat angehört, noch nicht eingehender 
besprochen ist, freieres feld vor sich. Da feststeht, daß die Stel- 
lung der adlecti dem rechtsinhalt nach derjenigen der ordent- 
lichen mitglieder der betreffenden klasse gleich war, so sind hier 
die hauptfragen, durch wen und in welcher weise die ertheilung 
stattfand und wie sie in den verschiedenen perioden der kaiser- 
zeit gehandhabt wurde. Es war schon vorher bekannt, daß sie 
an der censorischen funktion der kaiser hing, vor Domitian also 
an den censuren der kaiser, von ihm an dagegen an der freien 
handhabung der lebenslänglichen potestas censoria. Das vom 
verf. beigebrachte material steht denn auch durch die zeitliche ver- 
theilung der beispiele damit im einklang, obwohl nicht hier allein der 



Nr. 1. 19. Antiquitäten. 97 

grund der häufung der beispiele im zweiten Jahrhundert zu suchen ist. 
Welche konsequenzen die darin liegende raöglichkeit, die zahl der Se- 
natoren zu vermehren, für die kaiserliche macht, für das interesse der 
Verwaltung, für die heranziehung municipaler und provinzialer ele- 
mente hatte, ist ausführlich erörtert. Schließlich wird auch noch 
die bedeutung der die spes senatoria gewährenden ausdrücke 
lato elavo clonare und in amplissimum ordinern adlegere, in ihrem 
unterschied unter sich und gegenüber der ertheilung der orna- 
menta besprochen. — Die Statistik wird in der weise gegeben, 
daß die mit den ornamenta ausgezeichneten zugleich mit der er- 
örterung über die sache aufgezählt, dagegen die adlecti in der 
appendix epigraphica nach der Zeitfolge zusammengestellt werden. 
Die arbeit zeugt von tüchtigen epigraphischen und geschicht- 
lichen Studien und giebt einen nützlichen beitrag zu der Ver- 
fassung der kaiserzeit. Die lateinische fassung , die durch die 
bestimmung als doktoratsthese veranlaßt war, läßt strengeren 
anforderungen gegenüber manches zu wünschen übrig. 

E. Herzog. 

19. G. Bloch, les origines du senat romain, recherches 
sur la formation et la dissolution du sönat patricien. Paris, E. 
Thorin 1883. VII, 332 p. 8. 

Aus veranlassung der Studien für die eben besprochene 
doktoratsthese ging der verf. von dem senat der kaiserzeit aus 
auf die Ursprünge dieser behörde über , und wie gründlich er 
dies thut, zeigt der umfang dieses zweiten gleichzeitig mit dem 
andern erschienenen buchs. Es wird uns aber in demselben kei- 
nesweg bloß die Urgeschichte des römischen senats, sondern auch 
die des ganzen römischen Staats gegeben und daneben noch viel 
statistisches material aus der historischen zeit, wie denn über- 
haupt der rückschluß aus der späteren zeit als methodisches 
mittel reichlich angewandt wird. Wer nicht gerade begeistert 
ist für die rekonstruktion von Urzeiten , könnte leicht mit einem 
gewissen grauen dieses buch in die hand nehmen und, wenn er 
begonnen hat sich hineinzulesen, über das weite aushohlen seufzen. 
Indessen, je weiter man muthig vordringt, desto mehr verliert 
sich dieses gefühl und macht einem entschiedenen interesse für 
diese Untersuchungen platz. Die einzelnen aufstellungen zu kri- 
tisieren , würde zu weit führen ; es möge genügen , die wesent- 
Philol. Anz. XV. 7 



98 19. Antiquitäten. Nr. 1. 

liehen gedanken des verf., der auch in dieser schrift sich mit der 
litteratur über die römische Verfassungsgeschichte wohl vertraut 
zeigt, wiederzugeben. Zu gründe liegt die bekannte these, daß 
die dreitheilung der altbürgerschaft nicht eine geschichtlich ge- 
wordene , sondern eine ursprüngliche sei , wofür die analogieen 
von andern Völkern möglichst vollständig beigebracht werden. 
Was aus der lokalen erweiterung der Stadt oder aus der suc- 
cessiven Vermehrung von senat, ritterschaft und priesterthümern 
für die entgegengesetzte anschauung entnommen werden könnte, 
wird abgewiesen ; die drei tribus sind vom anfang an da , aber 
mit ungleichem recht: in senat und priesterschaft waren zuerst 
nur die Ramnes vertreten , successive folgten die andern nach, 
während der reiterdienst, der nicht in parallele mit der mitglied- 
schaft im senat zu stellen ist, von anfang an allen zustand. 
Für den senat werden aus den munizipalen decemprimi ebensolche 
Vorsteher von zehn dekurien entnommen, und auch diese würde 
soll ursprünglich nur den Ramnes zugestanden haben. Es fragt 
sich nur, ob denn nicht in dieser bevorzugung der einen tribus 
doch auch wieder ein geschichtliches moment stecken würde. 
Auch auf die Organisation und geschichte des ritterstandes wird 
ausführlich eingegangen und dabei ausgeführt, daß die centuriae 
nur die kadres gebildet hätten, während die militärische einthei- 
lung in den türmen gelegen sei; daher können auch die VI 
svffragia ebenso wie die XII andern centurien 1200 mann ent- 
halten haben. Natürlich kommt auch die Organisation des ein- 
zelnen geschlechts zur besprechung. Die einheit desselben ist 
repräsentiert durch den geschlechtsältesten , welcher der pater 
ist, während die andern, auch wenn sie patres famüias sind, pa- 
tricii heißen; sie ist kenntlich an dem gemeinsamen cognomen, 
die geschichte des patriciats liegt in der entfaltung der cognomina, 
die eben den werth zeigen , den die gens auf ihre einheit legt 
(p. 142 ff.). — Die ausbildung des patriziats liegt vor der tar- 
quinischen zeit; der verfall begann aber auch schon vor dieser 
durch die abnähme der zahl der geschlechter, welche durch die 
kriege, die heirathen unter sich und die wirthschaftliche Verfas- 
sung veranlaßt war. Dies veranlaßt eine Statistik der patrici- 
schen geschlechter, bei welcher mehr herauskommt als bei 
Mommsen, weniger als bei Willems - — natürlich nicht ohne hy- 
pothetische annahmen. Die ausfüllung der lücken erfolgte zuerst 



Nr. 1. 19. Antiquitäten. 99 

dadurch , daß man die alten geschlechter theilte, — daher der 
ausdruck patres conscripti, nach Willems die auf der liste zusam- 
mengeschriebenen — , dann die minores gentes einführte, weiter kam 
dann das plebejische element herein; all das aber störte die ur- 
sprüngliche Organisation und erleichterte dem zweiten Tarquinier 
sein tyrannisches vorgehen. Der charakter des Senats aber wird 
dadurch alteriert, daß nicht mehr bloß geschlechtsälteste, sondern 
mit der republikanischen magistratur auch juniores hereinkommen. 
Die plebs, die nicht bloß aus der clientel hervorgegangen war, 
sondern durch die eroberungen in den Staat hereinkam , wirkt 
durch das beispiel ihres familienrechtes auflösend auf das patri- 
zische. Dies veranlaßt auch ausführliche erörterung des plebejer- 
rechts und eingehen auf die hervorragenden plebejischen fami- 
lien. Unter den plebejern sind die aus dienten hervorgegange- 
nen weniger geachtet: unter den 59 gentes plebeiae, welche vor 
367 genannt werden, sind 15, welche zwar tribunen und aedilen, 
aber keinen quästor oder consulartribun stellen ; diese zeigen 
zugleich durch ihre von patriciergeschlechtern hergenommenen 
namen den Ursprung aus der clientel. In die curien wird nicht 
die plebs überhaupt, wohl aber die plebs urbana eingetheilt, und 
ebenso mußte jeder plebejische eques equo publico, jeder Senator 
und weiterhin auch jeder eques equo privato in eine curie einge- 
schrieben werden. Mit diesem eintreten der plebejer in die curien 
aber war auch der abschluß des patriziats verbunden ; denn die 
curien waren es gewesen , welche die cooptation von patriziern 
vorgenommen hatten ; mit dem eintreten von plebejern in die- 
selben verloren sie dieses recht. 

Ich habe hier ohne genaueren anschluß an die disposition 
des buchs den wesentlichen inhalt hervorgehoben. Man sieht, 
daß der senat als solcher nicht der einzige , nicht einmal der 
hauptsächliche gegenständ der schrift ist, sondern daß sie viel 
weiter greift. Die rekonstruction des alten römischen Staats und 
seiner entfaltung in der vorhistorischen zeit, wie sie hier gegeben 
ist, zeigt, daß man die verschiedenen demente der tradition, je 
nachdem man sie zusammensetzt, immer wieder zu neuen bil- 
dern gestalten kann und zwar natürlich um so vollständiger, je 
reicher diese kenntnis der tradition ist. Das wesentliche inter- 
esse liegt dabei immer in der erklärung des Übergangs von dem 
rein patricischen in den gemischten patricisch-plebejischen staat; 



100 20. Geographie. Nr. 1. 

aber so umfassend in dieser beziehung das vom verf. entworfene 
bild ist, so fehlt doch ein unentbehrlicher zug , die frage nach 
der vertheilung der gewalt , beziehungsweise nach der Stellung 
des Senats zur regierung. Ohne gleichzeitige berücksichtigung 
der hieran sich knüpfenden probleme , bloß von der Zusammen- 
setzung und Organisation der politischen kreise aus, kommt man 
nicht zu dem, was die geschichtliche bewegung von einem zu- 
stand zum andern ausmacht. E. Herzog. 

20. Heinrich Nissen, Italische landeskunde. Erster 
band. Land und leute. 8. 566 p. Berlin, Weidmann. 
1883. — 8 Mk. 

Es ist eine wohl immer noch nicht zur genüge in ihrer 
berechtigung anerkannte und gewürdigte forderung des „letzten 
Niebuhrianers", daß die alte geschichte, um kern und mittelpunkt 
der humanistischen Studien zu bleiben, eine darstellung erreichen 
müsse, welche die alte weit von denselben lebensfragen bis zum 
gründe bewegt zeigt, die noch heute zum theil ungelöst die 
menschliche gesellschaft beschäftigen. Gerade diejenigen dieser 
lebensfragen, die durch ihre gewalt über den einzelnen auf alle 
socialen und politischen gemeinschaften den mächtigsten einfluß 
zu üben vermögen , die materiellen interessen , die Nitzsch vor 
allem im äuge hat , haben von seite der alterthumswissenschaft 
noch immer nicht in dem grade eine methodische behand- 
lung erfahren , wie es der bedeutung dieser gewaltigen bei der 
gestaltung aller menschlichen dinge mitwirkenden naturmächte 
entsprechen würde. 

Freilich stellt die peinliche abhängigkeit von der zufälligen 
beschaffenheit des quellenmaterials einer betrachtungsweise , die 
sich das hohe ziel steckt , das ringen der freien sittlichen per- 
sönlichkeit mit diesen naturgewalten, die Wechselbeziehungen 
zwischen beiden in ihren mannigfachen phasen zu vergegenwär- 
tigen , die allergrößten Schwierigkeiten entgegen , die sich für 
den alterthumsforscher steigern durch die nothwendigkeit einer 
strengen nationalökonomischen Schulung , wie sie eine derartige 
geschichtsauffassung unbedingt voraussetzt. Zudem entbehrten 
wir bisher — insbesondere für die römische geschichte — der 
grundlage , auf der sich eine solche darstellung aufbauen muß, 
einer landeskunde , welche die physischen bedingungen des ge- 



Nr. 1. 20. Geographie. 101 

schichtlichen lebens, die basis der wirthschaftlichen existenz der 
antiken bevölkerungen umfassend und zugleich ins einzelne ein- 
dringend zur anschauung gebracht hätte. 

Um so freudiger begrüßen wir die — die letztgenannte 
lücke glänzend ausfüllende — „Italische landeskunde" Nissens, 
ein werk , welches in der Weidmannschen Sammlung neben 
Mommsens römischer geschichte ohne zweifei den ersten platz 
beanspruchen kann. Es bedarf für uns , die wir als schüler 
Eitters und Peschels auch von der alten geographie längst un- 
endlich viel mehr, als die früher übliche anhäufung gelehrter 
notizen aus dem alterthum verlangen , kaum noch eines hinwei- 
ses auf die große der Schwierigkeiten , welche ein derartiges 
werk zu überwinden hatte. Auf der einen seite fordert die 
geographie der mittelmeerländer den weiten blick des geschulten 
historikers und seine eindringende kenntniß des geschichtlichen 
Verlaufes in alter , mittlerer und neuerer zeit , auf der anderen 
ein streng methodisches philologisches wissen, endlich — und 
das ist fast die hauptsache — das vielseitigste verständniß für 
die ergebnisse der modernen naturwissenschaft, die — wie Nis- 
sen mit recht betont — geradezu die grundlage der landeskunde 
bildet. 

All' diesen anforderungen wird Nissens werk in hohem 
maße gerecht , was um so lebhaftere anerkennung verdient , als 
— abgesehen von der kurzen kompendiarischen behandlung in 
Kieperts trefflichem lehrbuch , welches zuerst die moderne be- 
trachtungsweise auf Italien angewandt hat, — eine umfassende 
bearbeitung der aufgäbe überhaupt noch nicht vorlag. — Der 
geograph wird die probleme der allgemeinen erdkunde ebenso 
erschöpfend berücksichtigt finden, wie der alterthumsforscher die 
eigentlich historische landeskunde. Alle geographischen de- 
mente kommen zu lebendigster anschauung : die gesetze, welche 
die gestaltung des bodens bedingten, die physische bildung und 
gliederung des landes, hydrographische eigenart, klima und Ve- 
getation. Von dem stillen walten der tellurischen kräfte , wel- 
ches den boden für die entwicklung der antiken kultur bereitete, 
verfolgen wir die mannigfachen Wandlungen des physischen ge- 
schickes des landes bis auf die verhängnißreiche zeit des unter- 
ganges dieser kultur, wo „die malaria von der küste ins innere, 
aus dem gründe die hügel hinansteigt und in emsiger stille das 



102 20. Geographie. Nr. 1. 

leichentuch gewoben wird für Etrurien und Latium , Apulien 
und Großgriechenland." — Dabei ist die Schwierigkeit, in der 
fülle des hier zuströmenden Stoffes die richtige auswahi zu tref- 
fen , auf das glücklichste gelöst ; nie ist außer acht gelassen, 
daß für die zwecke einer historischen darstellung die geogra- 
phie eben nur als das in betracht kommt, was sie Kant einmal 
genannt hat, als substrat der geschichte. Ueberall sind die 
beziehungen zwischen den geographischen Verhältnissen und dem 
menschenleben in der feinsinnigsten weise klargelegt. Wie geist- 
voll wird z. b. die bedeutung des meeres im antiken leben ge- 
schildert, von der allgemeinen erörterung über die „potamische 
und thalassische phase" in der entwicklung der alten weit bis 
zur constatirung der ferneren beziehuDgen zu naturgefühl, spräche, 
dichtung, landschaftsmalerei! Wie lebendig wird uns das trei- 
ben der seevölker im westlichen mittelmeer, die entwicklung 
der nautik , der handeis- und der kriegsmarine : welche fülle 
von belehrung gewährt auf der anderen seite die betrachtung 
der landesnatur in ihrer einwirkung auf wirthschaft, kultur, 
volkscharakter, geschichte. In großer Vollständigkeit ist zusam- 
mengetragen , was für diese fragen an antiken angaben zu ver- 
werthen war, und das lückenhafte und spröde material zu einer 
darstellung verarbeitet, deren frische und unmittelbarkeit zu- 
gleich von der lebendigsten persönlichen anschauung des landes 
zeugniß ablegt. Nicht selten erhebt sich die edle einfache 
spräche zu hoher poetischer Schönheit, während andererseits die 
tiefe persönliche hingebung des verf. an seinen stoff in einer 
gewissen wohlthuenden wärme der darstellung zum ausdruck 
kommt. Wir erinnern z. b. an das , was gegen einen satz Kit- 
ters bemerkt wird , der dem Poland den italischen charakter 
bestreitet. „In einer derartigen behauptung, — meint Nissen — , 
äußert sich der einfluß einer Vergangenheit, welche diesseits der 
Alpen nicht minder drückend lastete, als jenseits, welche die 
heiligen rechte der nationen einer kümmerlichen Staatskunst 
zum opfer brachte." 

Den band beschließt eine musterhafte Übersicht über die 
volksstämme, welche nach und neben einander träger des histo- 
rischen lebens der halbinsel und der dazu gehörigen inselweit 
gewesen. Sprachgeschichte und denkmäler bilden den festen 
grund, auf dem sich diese darstellung aufbaut. Von den pseu- 



Nr. 1. 20. Geographie. 103 

dohistorischen berichten und combinationen der antiken wie der 
modernen „Urgeschichte" wird gründlich abstrahirt. — Ueber- 
haupt wird der leser sofort beim eintritt in das Studium des 
Werkes auf den richtigen Standpunkt gestellt durch eine treffliche 
einleitung über die quellen , in der der verf. „durch eine Über- 
sicht über den umfang und den werth der Überlieferung die 
grenzen aufzudecken sucht, an welche die italische landeskunde 
gebunden ist." 

Daß in einem werke, welches aus so vielen und verschie- 
denartigen Wissensgebieten zu schöpfen hat , einzelne versehen, 
manche anfechtbare aufstellungen mit unterlaufen , liegt in der 
natur der sache und ist bei den dem einzelnen gesteckten gren- 
zen unvermeidlich. Um so anerkennenswerther ist es, daß selbst 
eine eingehende kritik von naturwissenschaftlich - geographischer 
seite (Kirchhoff? im Liter, centralbl. (1884) p. 677) nur sehr 
wenige und geringfügige ausstellungen zu machen vermocht hat, 
die hier natürlich nicht wiederholt werden sollen. Was die an- 
tiquarisch-historische seite betrifft , so wird dieselbe bei der ge- 
rade hier profunden gelehrsamkeit des verf. kaum in viel höhe- 
rem grade zu einwänden anlaß geben. 

Formell hätten wir unsererseits etwa auszusetzen, daß der 
problematische Charakter gewisser fragen , die noch gegenständ 
der diskussion sind und es vielleicht immer bleiben werden, hie 
und da verwischt erscheint. So heißt es z. b. gleich p. 2 : „Be- 
reits im 14. Jahrhundert vor Chr. sind italische abenteurer aus- 
gesegelt, um das ferne Nilland zu plündern." — p. 122: „Mit- 
telitalien unterhielt den regsten verkehr mit der phönicischen 
hauptstadt. Eom schloß bereits 509 v. Chr. einen handelsver- 
trag mit ihr ab". — Was den ersteren punkt betrifft, so folgt 
erst p. 116 ein hinweis auf die strittige deutung der betreffen- 
den ägyptischen denkmäler. Beim zweiten punkt erhält der 
leser überhaupt keine ahnung, daß es sich um eine doch min- 
destens noch offene frage handelt. Es wäre kleinliche krittelei, 
dergleichen zu bemängeln , wenn das buch sich bloß an fach- 
leute im engeren sinne wenden würde •, der weite leserkreis aber, 
der ihm bestimmt ist, dürfte doch eine etwas weniger apodicti- 
sche fassung in solchen dingen wünschenswerth erscheinen las- 
sen. Hat doch der verf. selbst in anderer beziehung z.b. mit 



104 20. Geographie. Nr. 1. 

der definition gewisser geographischer grundbegriffe dem nicht 
fachmäßig geschulten leser concessionen gemacht. — 

Nebenbei bemerkt scheinen uns übrigens gegen die kritische 
autorität des Polybius, die bekanntlich für Nissens stellungs- 
nahme zur frage des handelsvertrages so wesentlich mitentschei- 
dend war, gerade hier bedeuken gerechtfertigt, aus einem gründe, 
der unseres Wissens in der diskussion der frage noch nicht gel- 
tend gemacht ist. Derselbe Polybius nemlich , der 3, 23 aus- 
drücklich anerkennt, daß in dem von ihm ins jähr 509 gesetz- 
ten handelsvertrag sowohl von einer römischen handelsmarine, 
wie von römischen kriegsschiffen die rede ist, behauptet in der 
darstellung des ersten punischen krieges (1, 11), um die groß- 
artigkeit des damaligen auftretens Roms ins glänzendste licht 
zu setzen (zo (ityalöxpvfcov Kai nctfjußolov iijg Pojfiatcov alytatcog), 
daß den Römern vorher niemals auch nur ein gedanke an die 
see gekommen wäre (ovo' inivoiav olötnoti nou^aäfxstoi zr t g &u- 
Xaiftjg). Zur zeit der ersten Überschreitung der meerenge von 
Messina hätten sie kein verdecktes schiff, kein kriegsschiff, kein 
leichtes bot besessen (ov% oiov y.aiäcpQa-A7og avzoig vnt t (j^s tavg 
aXV ovde xa&olov (AaxQOV nloiov ovöe Xifißog ovds sig xrP..). 
Allerdings sind die von der tradition ein paar mal erwähnten 
früheren maritimen Unternehmungen Roms, wie Nissen in dem 
schönen kapitel „über die kriegsmarine" mit recht bemerkt, 
ohne bedeutung, allein sie genügen — zusammengehalten mit dem 
inneren Widerspruch bei Polybius selbst, — gegen die kritische 
auffassung des letzteren in dieser frage begründete zweifei zu 
erwecken. — 

P. 117 sagt Nissen — gewissermaßen zur stütze für die 
von ihm acceptirte deutung der namen der auf den ägyptischen 
denkmälern des 14. jahrh. erscheinenden „Völker vom nord- 
meer" — : „Uebrigens berichtet die alte sage selbst von gro- 
ßen seezügen , zu denen die helden der verschiedenen helleni- 
schen stamme sich vereinigen , läßt die bekannte lydische sage, 
welche Herodot mittheilt, die Etrusker zu schiffe von Asien nach 
Italien auswandern." Vgl. dagegen p. 8, wo diese von Herodot 
in Lydien eingeholte künde von der dorther erfolgten einwan- 
derung der Etrusker als eine der unglücklichsten fabeleien be- 
zeichnet wird, die je aufgezeichnet worden sind. 

Nicht recht verständlich ist uns, warum Herodot mit seiner 



Nr. 1. 20. Geographie. 105 

ablehnung der lehre von der dreitheilung der den alten be- 
kannten erdfeste einen beachtenswerten Scharfsinn bewährt ha- 
ben soll (p. 69). Für uns ist diese negation nur ein Symptom 
eines beschränkten geographischen gesichtskreises. Angesichts 
der Vorstellung , welche die zeit und Herodot selbst von der 
horizontalen ausdehnung der drei hauptglieder der alten weit 
gehabt hat, angesichts des verschwommenen, verzerrten bildes, 
auf dem Europa über die beiden anderen erdtheile sich hinzog 
und bei seiner unergründeten ausdehnung nach nord und west 
die letzteren an breite ins unabsehbare zu überragen schien, 
lag eine polemik gegen die thatsächlich so tiefbegründete drei- 
theilung ja außerordentlich nahe. — 

Logisch und sachlich unhaltbar scheint uns der satz (p.158): 
„Von einem politischen begriff Italien kann im alterthum nur 
im vorübergehenden sinne die rede sein. Das letzte von uns 
durchlebte Jahrzehnt hat ihn überhaupt erst in die erscheinung 
gerufen." Einmal läßt sich einwenden , daß , wenn letzteres 
richtig wäre, folgerechter weise im alterthum auch vorüberge- 
hend von einem solchen begriff nicht die rede sein könnte. 
Nun ist es aber gar nicht richtig, daß der genannte begriff erst 
in der neuzeit in die erscheinung getreten. Ranke hat mit 
recht darauf aufmerksam gemacht, daß der gedanke, Italien eine 
politische Selbständigkeit zu schaffen , „die idee eines in sich 
vereinigten und zugleich unabhängigen Italiens zum ersten male 
unter Odoaker in der weit erscheint." Dieser satz ist quellen- 
mäßig zu begründen. Malchus (Fragm. 10 bei Müller Fr. H. 
Gr. IV, p. 119) spricht von einer gesandtschaft des römischen 
Senats nach Constantinopel , die den auftrag hatte : dela&ai zov 
ZtjvcoTog nazQixiüv ts altä) (' Oöodxty) dnoGTEilou u^iav aal vr\v 
tiäv 'Iraläv loviqi icpehai 8 toixqo iv. Bei Ennodius (Vita 
Epiphanii ed. Hartel. p. 351, 7) ist die rede von einem auf Ita- 
lien beschränkten imperium : Italici fines imperii. (Vgl. Eanke, 
W. G. IV, 371). 

Schwer verständlich ist ref. der durch seine leidenschaft- 
lichkeit von dem sonstigen ton des buches unerfreulich abste- 
chende ausfall gegen die italienische paläoethnologie (p. 447). 
Wer wird in dieser disciplin, die namen wie Pigorini aufzuwei- 
sen und an streng methodischer arbeit wahrlich genug geleistet 
hat, mit Nissen nur eine „ohne gelehrten ballast blühende mo- 



106 Bibliographie. Nr. 1. 

dewissenschaft" erblicken wollen? Gewisse in der natur des 
materials liegende schwächen , insbesondere die einmischung des 
dilettantismus können doch nimmermehr zu einem derartigen 
allgemeinen urtheil berechtigen. — 

Und so werden denn andere anderes einzuwenden haben ! 
Allgemein aber wird die freudige anerkennung sein , daß hier 
die alterthumswissenschaft mit einem Standard work beschenkt 
worden ist, allgemein auch der wünsch, daß der zweite der 
städtekunde gewidmete band dem ersten recht bald folgen möge. 

Robert Pöhlmann. 

Bibliographie. 

Ausgegeben ist G. Hirttis in München elegant ausgestatteter 
und illustrirter catalog seines kunstverlags ; er wird auf verlangen 
gratis versandt. 

Mittheilungen von Fr.A. Brockhaus in Leipzig, 1884, nr. 3: 
über Schliemann und Tiryns, p. 47. 

Mittheilungen von B. G. Teubner in Leipzig, 1884, nr. 5: 
abth. I : theorie der musischen künste der Hellenen, von A. Roß- 
bach und R. Westphal. 3 bde., 3. aufl. — Römische Chronologie 
von dr. L. Holzapfel. — Die attische beredsamkeit, von F. Blaß, 
abth. 4, 2. aufl. — Die homerischen hymnen, erklärt von dr. A. 
Gemoll. — Spicilegium Iuvenalianum, scr. Rud. Beer. — Philo- 
demi de musica librorum quae exstant omnia ed. Joh. Kemke. — 
Die sagen des classischen alterthums, von H. W. Stoll, 2 bde., 5. aufl. 

Ausgegeben sind : F. A. Brockhaus verzeichniß ausgewählter 
werke ; — Neuerer und neuester verlag der J. G. Cotta'schen 
buchhandlung in Stuttgart; — Verlag von W. Engelmann in 
Leipzig, philologie und Sprachwissenschaft ; — Akademische Ver- 
lagsbuchhandlung von J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) in Frei- 
burg i. Br. , 1884 august; — Verlag von Paul Neff in Stutt- 
gart, meist bilderwerke, sehr zu beachten ; — Weihnachts-catalog 
von Friedrich Andreas Perthes in Gotha; — Verlag von E. M. 
Schroeder in Berlin , bildnisse berühmter pädagogen ; — Grie- 
chische und römische classiker aus dem verlage von B. Tauch- 
nitä in Leipzig; — Sammlungen griechischer und lateinischer 
schriftsteiler im verlage von B. G. Teubner in Leipzig ; — Neuig- 
keiten und fortsetzungen aus der Weidmännischen buchhandlung 
in Berlin, ausgewählte werke aus derselben buchhandlung. 

Besonders versandt von der Weidmann 1 sehen buchhandlung 
prospect von: Jahrbuch der königlich preußischen kunstsamm- 
lungen, zugleich enthaltend den inhalt der bände von 1880 an. 

F. Vieweg in Paris versendet prospect von Revue celtique 
publice avec le concours des prineipaux savants . . . par H. Gaidoa : 
angegeben ist der inhalt der ersten fünf bände von 1870 an. 



Nr. 1. Bibliographie. 107 

Kataloge der antiquare : Bibliotheca philologica , lagerver- 
zeichniß (no. 74) des schleswig-holsteinischen antiquariats (E. v. 
Maach) in Kiel ; — K. F. Köhler' s antiquariat in Leipzig, katalog 
nr. 407, darin die bibliothek von C. von Paucker. 

Verzeichnis der wichtigeren publicationen auf dem gebiete der alter- 

thuniswissenschaft 1885. I. 

Deutschland. Oesterreich. Schweiz. 

1. Aufsätze, historische und philologische, Ernst Curtius zu seinem 
70. geburtstage am 2. sept. 1884 gewidmet. Mit 4 taff. u. 14abbild. 
im text. Berlin, Asher u. co. 1884. 8. III, 434 p. 15 mk. 

(Inhalt : H. G. Lolling, die meeresenge von Salamis, (taf. I), p. 1. 

— Mein?-. Geher, Eastors attische königs- u. archontenliste , Y>. 11. 

— Adolf Holm, lange fehde, p. 21. — Max Fraenkel, zur geschichte 
der attischen finanzverwaltung, p. 35. — Carl Frick, zur kritik des 
Ioannes Malalas, p. 51. — Konrad Trieber, kritische beitrage zu 
Africanus, p. 67. — Ludwig Jeep, zur geschichte Constantin des 
großen, p. 79. — Alexander Conze , das Berliner Medearelief (tafel 
II), p. 97. — Adolf Michaelis, zur Zeitbestimmung des Silanions, 
p. 105. — Rudolf Schoell, griechische künstlerinschriften, p. 115. — 
Rudolf Weil, olympische miscellen , p. 125. — Wilh. Dörpfeld, der 
antike Ziegelbau und sein einfluß auf den dorischen stil, p. 137. — 
Ludwig Gurlitt , bemalte marmorplatten in Athen, p. 151. — Ri- 
chard Borrmann, über eine etruskische aschenciste des Florentiner 
museums, p. 167. — Adolf Furticängler, Hectors lösung. Ein relief 
aus Olympia durch einen griechischen Spiegel ergänzt, (taf. 4), p. 
195. — Gustav Koerte, die Kreter des Euripides, p. 195. — Heinr. 
Jordan, der tempel der Vesta, die Vestal innen und ihr haus, p. 209. 

— Karl Purgold, olympische weihgeschenke , p. 221. — Heinrich 
Dressel, numismatische beitrage aus dem grabfelde bei Piedimonte 
d'Alife (Allifae. Phistelia), p. 245. — Wilh. Gurlitt, Paionios und der 
ostgiebel des Zeustempels in Olympin, p. 259. — Wilh. Dittenberger, 
epigraphische miscellen, p. 285. — Beruh. Kubier, athetesen in Aristo- 
phanes, p. 3Ö3. — Carl Curtius, über Pliniushandschriften in Lü- 
beck, p. 325. — Arthur Milchhoefer, über die läge des „Kolonos" 
in Athen, p. 339. — Gust. Hirschfeld, zur typologie griechischer 
ansiedelungen im alterthum , p. 353. — Christian Beiger, Goethes 
und Schillers beschäftigung mit der poetik des Aristoteles, p. 375. 

— Phil. Sputa, über die beziehungen Sebastian Bach's zu Chr. Friedr. 
Hunold und Mariane von Ziegler, p. 403. 

2. Becker, Gustav, catalogi bibliothecarum antiqui. I. Catalogi 
saeculo XIII. vetustiores. II. Catalogus catalogorum posterioris aetatis. 
Bonn, Cohen u. söhn 1885. 8. IV, 329 p. 8 mk. 

3. Blümner, Hugo, das kunstgewerbe im alterthum. Abth. I: 
das antike kunstgewerbe nach seinen verschiedenen zweigen. Prag 
n. Leipzig, Tempsky u. Freytag 1884. 8. VIII, 267 p. 1 mk. (Das 
wissen der gegenwart bd. 30). 

4. Boehme, Jos., de Theophrasteis quae feruntur negl G>]^sicov 
excerptis. Hamburg 1884. 8. 84 p. 1 mk. 60 pf. 

5. Catonis , M. Porci de agricultura liber , M. Terenti Varronis 
rerum rusticarum libri III ex rec. Heinr. Keilii. Vol. I, fasc. II. 
Leipzig, Teubner 1884. 8. XVII, 111—320 p. 6 mk. 

6. Cicero 's rede für den dichter Archias hrsg. v. Frd. Richter u. 
Alfr. Eberhard. 3. aufl. Leipzig, Teubner 1884. 8. 36 p. 45 pf. 

7. Commentationes philologae in honorem Augusti Reifferscheidii 



103 Bibliographie. Nr. 1. 

scripserunt discipuli pientissiini. Breslau, Koebner 1884. 8. VII, 

92 p. 2 mk. 40 pf. 

(Inhalt: G. Faltin, de locis nonnullis libelli qui inscribitur 'Afty- 
vuiiav nokmitt, p. 1. — A. Otto, die versumstellungen in den vier er- 
sten elegieen des 4. buchs des Properz, p. 10. — G. Wissowa , de 
Athenaei epitome observationes, p. 22. — G. Schmeißer, de Etruscorum 
deis Consentibus qui dicuutur p. 29. — P. Prohasel, Analecta critica 
p. 35. — J. Brzoska, Cassius Severus quando suuni de declamationi- 
bus iudicium a Seneca rhetore traditum (Contr. III, praef. 8) fece- 
rit p. 40. — F. Paetzolt, Lectiones Lucianeae p. 47. — J. Sko- 
ivronski, de scholiis Olyrnpiodori p. 54. — P. Regell, auguralia p. 61. — 
R. Peter, de Romanorum precationum carminibus, p. 67. — L. Cohn, 
de Heraclide Pontico etymoiogiarum scriptore antiquissimo p. 84). 

8. — — Jenenses ed. seminarii pbil. Jenensis professores vol. III. 
Leipzig, Teubner 1844. 8. 333 p. 6 mk. 

(Inhalt: Guido Hertzsch, de scriptoribus rerum imperatoris Ti- 
berii Constantini p. 1 — 48. — Otto Knott , de fide et fontibus Po- 
lyaeni p. 49 — 96. — Oscar Streicher, de Ciceroni-; epistolis ad fami- 
liäres emendandis p. 97 — 214. — Frid. Sigismund, de haud negatio- 
nis apud priscos scriptores usu p. 215 — 262. — Franc. Fischer, de 
patriarcharum Constantinopolitanorum catalogis et de cbronologia 
octo primorum patriarcharum. Accedunt eiuscemodi catalogi duo 
adhuc non editi p. 263-333. 

9. Duruy, Victor, geschichte des römischen kaiserreichs von der 
schlacht bei Äctium und der eroberung Aegyptens bis zum einbruch 
der barbaren. Aus d. Franz. übers, von Gustav Hertzberg. Mit ca. 
2000 illustr. u. einer anzahl taff. Leipzig, Schmidt & Günther 1884. 
4. Liefrg. 1. 80 pf. 

10. Enni , Q. , carminum reliquiae. Accedunt Cn. Naevi belli 
poenici quae supersunt. Emend. et adnot. Lucianus Mueller. St. Pe- 
tersburg, Ricker 1884. 8. XLVIIT, 295 p. 8 mk. 

11. Eucheri , S., Lugdun. episcopi, libellus de formulis spiritalis 
intelligentiae. Ad optimorum codicum fidem portentosa interpolatione 
liberavit et rec. Fr. Pauly. Graz, Leuschner & Lubensky 1884. 8. 

12. Gitlbauer , Michael , philologische streifzüge. Lfg. 1. Frei- 
burg, Herder 1884. 8. 80 p. 1 mk. 60 pf. 

13. Graf, Ernst, die Antiopesage bis auf Euripides. Halle. Diss. 
1884. 8. 97 p. 1 mk. 50 pf. 

14. Grohs, Hugo, der werth des geschichtswerks des Cassius Dio 
als quelle für die geschichte der jähre 49 — 44 v. Chr. Berlin, Calvary 
1884. 8. VI, 140 p. 3 mk. 

15. Heinemann, Otto von, die handschriften der herzogl. biblio- 
thek zu Wolfenbüttel beschrieben. 1. abth. Die Helmstedter hand- 
schriften. I. Mit einer ansieht der alten bibliothek in lichtdruck u. 
10 taff. Schriftproben. Wolfenbüttel , Zwissler 1884. 8. XII, 380 p. 
15 mk. 

16. Höhten , Rob. , de Stesichori et Ibyci dialecto et copia ver- 
borum. Diss. Gryphisw. (Stralsund, Bremer) 1884. 8. 78 p. 1 mk. 

17. Jahrbücher für klass. philologie hrsg. v. A. Fleckeisen. Sup- 
pl.-bd. 14. Heft 1 : Karl Sittl, der adler und die weltkugel,als attribute 
des Zeus in der griechischen und römischen kunst p. 1 — 51. — Ludw. 
Jeep, quellenuntersuchungen zu den griechischen kirchenhistorikern 
p. 53 — 178. — Guil. Abraham, studia Plautina p. 179—244. — Ernst 
Kuhnert, statue und ort in ihrem verhältniss bei den Griechen. Eine 
archäologische Untersuchung p. 245 — 338. 

18. Lezius, Jos., de Plutarchi in Galba et Ottone fontibus. Diss. 
Dorpat (Schnakenburg) 1884. 8. . 182 p. 1 ink. 50 pf. 



Nr. I. Bibliographie. 109 

19. Marquardt, Joach., u. Theod. Mommsen, handbuch der römi- 
schen alterthümer. 5. bd. Joach. Marquardt , röm. Staatsverwaltung. 
2. aufl. bes. v. H. Dessau u. A. v. Domazewski. Leipzig, Hirzel 1844. 
8. XVI, 621 p. 12 mk. 

20. Mehlis, C, die Heideisburg bei Waldfischbach und ihre denk- 
mäler. Mit 3 tafeln. (Aus Bonn. jahrbb.). Nürnberg, Schräg 1884. 8. 
27 p. 60 pf. 

21. Meissner, Carl, de iambico apud Terentium septenario. 
Bernburg (Leipzig, Teubner) 1884. 8. 39 p. 1 mk. 60 pf. 

22. Maler , Konr. , die römischen begräbnißstätten in Württem- 
berg. Stuttgart (Wildt) 1884. 4. 50 p. 1 mk. 40 pf. 

23. Paucker, Carl v., supplementum lexicorum Latinorum fasc. 5. 
Berlin, Calvary lb85. 8. p. 385—464. 3 mk. 

24. Roth, Carl Ludw., römische geschieh te nach den quellen er- 
zählt. In 2. neubearb. aufl. hrsg. u. ergänzt von Adolf Westermeyer. 
Theil 2. Mit 25 abb. 3. münztaff. 2 karten. Nördlingen, Beck 1885. 
8. XI, 408 p. 5 mk. 20 pf. 

25. Sammlung der griech. dialektinschriften von F. Bechtel, A. 
Bezzenberger etc. hrsg. v. Herrn. Coltitz. Heft 4. Fr. Blass, die elei- 
schen inschriften. Fr. Bechtel, die arkadischen inschriften. Ad. Bez- 
zenberger, die pamphylischen inschriften. Nachträge. Göttingen, Van- 
denhoeck & Ruprecht 1884. 8. VI, p. 314—410. 4 mk. 50 pf. 

26. Schneider , J. , die alten beer- und handelswege der Germa- 
nen, Römer u. Franken im deutschen reiche nach örtl. Untersuchun- 
gen dargestellt. Heft 3. Leipzig, Weigel 1884. 8. 20 p. 1 mk. 

27. Schönfeld, Georg, de Taciti studiis Sallustianis. Diss. Leip- 
zig 1884. 8. 59 p. lmk. 

28. Servii grammatici qui feruntur in Virgilii carmina commen- 
tarii rec. Geo. Thile et Herrn. Hagen. Vol. II. fasc. II. In Aeneidos 
libros IX— XU commentarii. Leipzig, Teubner 1884. 8. p. 307— 650. 
10 mk. 

29. Singer, J. , humanistische bildung urid der classische Unter- 
richt. Die beiden Elektren. Zwei streifzüge in die gebiete der päda- 
gogik und der philolog. kritik. Wien, Konegen 1884. 8. IX, 88 p. 
2 mk. 

30. Studien, altitalische, hrsg. von C. Pauli. Heft 3. Mit 1 taf. 
Hannover, Hahn 1884. 8. VH, 199 p. 8 mk. 

31. Studien, Berliner, für class. philologie und archäologie hrsg. 
v. Ferd. Ascherson. 2. Halbband. Berlin, Calvary 1884. 8. p. 357 
—783. 11 mk. 50 pf. Bd. II. Hälfte 1. ib. eod. XH, 268 p. 8 mk. 

(Inhalt : H. Weißenborn, die irrationalen quadratwurzeln bei Ar- 
chimedes und Heron p. 357 — 408. — Adalbert Horawitz, griechische 
studien. Beiträge zur geschichte des Griechischen in Deutschland. 
I. stück, p. 409 — 450. Frid. Cauer, de fabulis Graecis ad Romam 
conditam pertinentibus p. 451 — 470. Paul Reinh. Wagler, de Aetna 
poemate quaestiones criticae p. 491 — 602. Leop. Cohn, de Hera- 
clide Milesio grammatico scripsit fragmenta coli. disp. illustr. p. 
603 — 718. — F. B. Leidenroth, indicis grammatici ad scholia Ve- 
neta A exceptis locis Herodiani speeimen p. 719— 783. — Bd. II, 1: 
W. Soltau, die gültigkeit der plebiscite p. 1 — 176. — H. R. Grund- 
mann, quid in elocutione Arriani Herodoto debeatur p. 177 — 268. 
ib. 1884. 8. 8 mk. 

32. Tacitus, das leben des Agricola. Schulausgabe von A. A. 
Draeger. 4. aufl. Leipzig, Teubner 1884. 8. IV, 50 p. 60 pf. 

33. Teichmüller , Gust. , literar. fehden im 4. jahrh. vor Chr. 
2. bd. Zu Piatons Schriften, leben u. lehre. Die dialoge des Simon. 
Breslau. Eoebner 1884. 8. 10 mk. 



110 Kleine philologische zeitung. Nr. "1. 

34. Testament, das neue, griechisch nach Tischendorfs letzter re- 
cension u. deutsch nach dem rev. Luthertext mit angäbe abweichen- 
der lesarten beider texte hrsg. v. 0. v. Gebharclt. 2. dur. ausg. Leipzig, 
Tauchnitz 1884. 8. XVIII, 913 p. 5 mk. 

35. Testamentum novum Graece. Rec. Constantin de Tischendorf. 
Ed. stereot. IX ad ed. VIII maiorem coinpluribus locis emendatam 
conformata. Leipzig, Tauchnitz 1884. 8. XXX, 437 p. 2 mk. 70 pf. 

36. Weise, Ric. , Vindiciae Iuvenalianae. Diss. Hall. (Leipzig, 
Fock) 1884. 8. 69 p. 1 mk. 

37. Xenophon Hellenica erkl. von L. Breitenbach. Bd. I. Buch 
I. II. 2. aufl. Berlin, Weidmann 1884. 8. 244 p. 2 mk. 25 pf. 

38. Zeller, Ed., vortrage und abhandlungen. 3. Sammlung. Leip- 
zig, Fues 1884. 8. 285 p. 6 mk. 



Kleine philologische zehintg. 

Mitteilungen über Narni (das alte Nequinum) und dessen 
geschichte — dabei ein blick auf bischof Juvenalis, um 370 
p. Chr. — enthält ein aufsatz in Münch. allg. ztg. 1884 beil. 
zu 260. 26. 

Ueber die ausgrabungen römischer niederlassungen bei 
Rottweil berichtet Münch. allg. ztg. nr. 267, wonach zu erwäh- 
nen, daß, obwohl man erst mit aufdeckung der grundmauern 
des zweiten gebäudes beschäftigt ist , man doch eine fast ganz 
erhaltene cella und ein hypocaustum mit praefurnium erkennt, 
welch letzteres wahrscheinlich zugleich als küche diente. Un- 
ter den gefundenen mahlsteinen ist ein großer, eigenthümlich 
zugehauener von granit. Von zwei säulenschäften mit sockel 
ist der eine sehr gut erhalten. Von eisen fanden sich verschie- 
dene Werkzeuge, nägel, schreibegriffel, theile eines pferdegeschirrs, 
eines kettenpanzers und ein schwert; von kupfer und bronze 
viele münzen aus der ersten kaiserzeit, ein äußerst feines me- 
daillon in getriebener arbeit und fibeln, theils mit email, und 
ein besonders merkwürdiger, als fingerring gearbeiteter cassetten- 
schlüssel. Von ganz vorzüglicher Schönheit sind die bruchstücke 
von gläsern , namentlich irisirende , und förmlich überwältigend 
ist die menge bruchstücke von scherben, von der feinsten stahl- 
harten siegelerde bis zum wuchtigsten henkel der thönernen 
amphora. Nur schade, daß die überaus große mannichfaltigkeit 
ihrer formen und Ornamentik wenig passende stücke zusammen- 
finden läßt. Sollte es aber gelingen, beim fortschreiten der 
ausgrabungen die gräberstelle zu entdecken , so ließe sich nach 
dem reichthum und der feinheit der objecte in den zerstörten 
fundsteilen wohl vieles schöne erwarten. 

Ueber die philologen - Versammlung in Dessau berichtet 
Münch. allg. ztg. beil. zu nr. 275. 276. 277. 278. beil. zu nr. 
279 : in letzterer stelle wird kurz über Gerlachs Vortrag über 
das Dessauer Philanthropin in seiner bedeutung für die reformbe- 
strebungen der gegenwart referirt, aus welchem hier das Schlußwort 



Nr. 1. Auszüge aus Zeitschriften. 111 

stehen mag: „noch ungünstiger liegen die Verhältnisse in der 
gegenwart. Deutschland ist ein militärstaat geworden , dessen 
streng gebundener character auch in der gestalt des Schulwe- 
sens zum ausdruck kommt. Die constitutionellen formen, mit 
denen er sich umgeben hat, sind noch zu neu, als daß ihr mil- 
dernder einfloß schon dieses gebiet hätte erreichen können. In 
solcher zeit sehnsüchtigen wartens richten sich die blicke gern 
zurück nach erscheinungen früherer perioden, in denen vorbild- 
lich sich andeutet , was man in vollendeterer gestalt von der 
zukunft erhofft. Solcher art ist auch für uns die bedeutung des 
Philanthropins." Sehr beachtenswerthe freie worte, wie man 
sie leider nur zu selten hört : es macht sich doch auch in der 
leitung der Universitäten eine gleichmacherei bemerkbar, welche 
nicht nur für das erziehungswesen , sondern überhaupt für die 
gedeihliche entwicklung der Wissenschaft von den nachtheiligsten 
folgen sein kann. 



Auszuge aus Zeitschriften 

Hermes, bd. XIX, heft 3 : H. Buermann, zur textkritik des Isaios 
p. 325. — M. Schanz, zu den sogenannten dWf'f«? , p. 369. — L. 
Schwabe, die opiniones philosophoruni des Celsus, p. 385. — Th. 
Mommsen, die italische bodentheilung und die alimentartafeln, p. 393. 
— U. Wachen, papyrusurkunde über einen sklavenkauf aus dem jähre 
359 n. Chr. p. 417. — K. Zacher, leimruthen p. 432. — Th. Momm- 
sen, lingonische legionsziegel, p. 437. — U. v. Wilumowitz-Mbllendorff, 
Hippys von Rhegion, p. 442. — Miscellen: H. Dessau, archaische 
bronce — inschrift aus Palästina, p. 453. — W. Studemund, zur ci- 
stellaria des Plautus, p. 456. — K. Steffenhagen , der Gottorfer codex 
der Notitia Dignitatum, p. 458. — U. v. Müamowitz-Mbllendorff, Au- 
sonii epistulae X1J, p. 461. — 'Eliv&igioy vdmo, p. 463. — K. Linche, 
zu Cicero de senectute , p. 465. — C. Robert, der wagen der nacht, 
p. 467. — dögnog und diln^ov, p. 469. — Berichtigung zu p. 306, 
p. 472. 

Heft 4. C. Robert, Alcyoneus, p. 473. — H. Dessau, der steuer- 
tarif von Palmyra, p. 486. - E. Maaß, die Iliasscholien des codex 
Leidensis, p. 534. — F. R. Susemihl, drei schwierige stellen der ari- 
stotelischen politik, p. 576. — Br. Keil, de Isocratis papyro Mas- 
siliensi, p. 596. — Miscellen: Th. Mommsen, eine inschrift des 
älteren Plinius, p. 644. — Br. Keil, ad orationem quae inscribeba- 
tur 'AtiZavdgog. p. 649. — G. Wissowu, Ps. Lysias ).6yos innuffioo, § 23 
p. 650. — Register. 

IS eue Jahrbücher für philologie und pädagogik , von A. Fleekeisen. 
CXX1X. bd. 6. heft. 46. Das letzte chorlied der sophokleischen Elek- 
tra von Th Plüß, p. 353—360. - 47. Zu Sophokles Elektra (v. 92) 
von G. Kern, p. 360. — 48. Isaios bei Dionysios von Halikarnasos, 
von M. Buermann, p. 361 — 365. — 49. Zu der sphärik des Theodo- 
sios, von F Hultsch, p. 366 368. - 50. Miscellen, von K. E. Ge- 
orges, p. 368. — 51. Anz. v. H. Ziemer: vergleichende syntax der in- 
dogermanischen comparation (Berlin 1884), von O. Langlotz, p. 369 — 
379. — 52. Die annalen des Tanusius und Volusius, von L. Schioabe, 
p. 380—386. — 53. Die abfassungszeit von Ciceros Cato maior, von 
Th. Maurer, p. 386-390. — - 54. Emendationes Vergilianae , von F. 



112 Literatur. Nr. 1. 

Baehrens, p. 391—412. — 55. Zu Horatius öden (III 8, 5. II 1, 6), 
von F. Härder und A.A. Dräyer, p. 412 — 414. — 56. Zu Caesar, von 
H. Gilbert, p. 414 -416. 

Rheinisches museum von O. Ribbeck und Fr. Rücheier, XL, hft. 1 : 
zu Bergks poetae lyrici, ed. IV, von Fr. Blaß. — Juvenals geburts- 
jahr, von L. Schwabe. — Cod. Hamilton 329 (Galenos), von E. Well- 
mann. — Ueber tempelorientirung, III., von H. Nissen. — Zu Apule- 
ius, von E. Rohde. — Ueber die Galater-kriege der Attaliden, von 

F. Kopp. — Zur entzifferung der messapischen inschrift, von W. 
Deecke. — Mi sc eilen. -- Zu Sophokles könig Oedipus, von R. 
Nahe. — Antisthenis fragmentum. Von R. Muenzel. — Naevius Bel- 
lum Punicum bei den grammatikern , von F. B. — Zu Ovids Ibis, 
von E. Hoffmann. — Demetrius der kyniker, von L. Traube. — Zu 
Florus , von demselben. — Zu Granius Licinianus, von demselben. — 
Conjectanea, sc. J. van der Vlied. — Zur Schlacht bei Himera, von 

G. Busolt. — "Ofxvvfii, von Th. Aufrecht. — Nachtrag zu bd. XTXIX, 
p. 630, von /. Sommerbrodt. 

Literatur 1885, 

(dem Philologus und PhAnzeiger zugesandt). 

Caesaris, C. Iulii, Commentarii de bello civili. Für den schulge- 
brauch erkl. von Albert Doberenz. 5. aufl. besorgt von Gottl. Beruh. 
Dinier. Leipzig, Teubner 1684. 8. XII, 308 p. Karte. 

— — belli Gallici libri VII cum A. Hirti libro octavo. In usum 
scholarum ed. Rernardus Dinter. Lipsiae , Teubner 1884. 8. XVI, 
253 p. 

Schirmer, Karl, über die spräche des" M/Brutus in den bei Cicero 
überlieferten briefen. Metz 1884. 4 (Progr.). 26 p. 

Hartfelder, Karl, deutsche Übersetzungen klassischer schriftsteiler 
aus dem Heidelberger humanistenkreis. Heidelberg 1884. 4. 34 p. 

Nies, Aug., zur mineralogie des Plinius. Mainz 1884. 4. 27 p. 

Schneidewin, Max., deutsch-lateinisch gefaßte disponierende Über- 
sicht der Ciceronianischen Miloniana und Sestiana. Hameln , Brecht 
1884. 8. 48 p. 

Harpf, Adolf, die ethik des Protagoras und deren zweifache mo- 
ralbegründung kritisch untersucht. Heidelberg, Weiß 1884. 8. 72 p. 

Ulbrich, Herrn., der literarische streit über Tacitus Agricola. 
Wien 1884. 8. (Progr. v. Melk). 

Hermann, K. F., lehrbuch der griechischen antiquitäten hrsg. von 
H. Blümner und W. Hiltenberger. 2. bd., 1. abth. : die griechischen 
rechtsalterthümer. 3. verni. u. verb. aufl. umgearb. v. Th. Thalheim. 
Freiberg in Br. u. Tübingen, Mohr 1884. 8. 160 p. 

Andvonici qui fertur libelli ntgl nad^iJou pars prior de affectibus . . . 
Edid. Xav. Kreuttner. Heidelbergae, Winter 1884. 8. 50 p. 

Cauer, Fr., de fabulis Graecis ad Romam conditam pertinentibus. 
Berolini, Calvary 1884. 8. 54 p. 

Cohn, Leop., de Heraclide Milesio grammatico. Scripsit fraginenta 
collegit disposuit illustr. Berolini, Calvary 1884. 8. 111 p. 

Raucker, Carl, vorarbeiten zur lateinischen Sprachgeschichte. Hrsg. 
von Herrn. Roensch. 3 theile in einem band. Berlin, Calvary 1884. 
8. 143 p., 80 p., 117 p. 

Soltau, Wilh., die gültigkeit der plebiscite. Berlin, Calvary 1884. 
8. XII, 176 p. 

Biographisches Jahrbuch für alterthumskunde begr. v. C. Bursian, 
hrsg. von Iw. Müller. 6. jahrg. 1883. Berlin, Calvary. 127 p. 8. 



Nr. 2. 3. 1885. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



von 



Ernst von Leutsch. 



21. Sprachgeschichtliche Studien von Heinr. Dietr. Müller. 
Göttingen, Vandenhoeck u. Ruprecht 1884. 8. IV, 202 p. 4mk. 40 pf. 
Vorliegendes buch des als my then - und Sprachforschers 
bekannten Verfassers bietet zwei abhandlungen , von denen die 
erste kürzere „Vocalwandel durch regressive assimilation" mir 
die bemerkenswerthere zu sein scheint. In derselben wendet 
sich der verf sehr energisch gegen das in der Sprachwissen- 
schaft jetzt fast allgemein herrschende dogma von der ursprüng- 
lichkeit des e- und des o-lautes in der indogermanischen Ur- 
sprache Ihm steht noch heute die früher allgemein herrschende 
ansieht fest, daß die dreiheit der vokale, welche das sanskrit 
zeigt, den vokalbestaud der Ursprache wiedergiebt und daß dem- 
gemäß e und o erst gebilde der europäischen Spracheinheit, 
bezüglich der einzelnen sprachen sind. Obgleich ich nicht im 
stände bin in allen einzelheiten der beweisführung des Verfassers 
beizustimmen, und obgleich ich eine strenge chronologische Schei- 
dung der einzelnen entwickelungsperioden des e-lautes — um 
diesen handelt es sich fast ganz ausschließlich — entschieden 
vermisse , so scheint mir doch der verf. für die entwickelung 
desselben zwei wichtige gesichtspunkte aufgestellt zu haben. Er 
nimmt nämlich erstens an , daß ein ursprüngliches a zu e ge- 
färbt wird durch den einfluß eines i oder eines bereits nach e 
hin gefärbten a der folgenden silbe, vorausgesetzt, daß nicht zu 
schwere konsonantengruppen dazwischen stehen , und zweitens, 
daß a in offener , unbetonter silbe die neigung entwickelt zu e 
herabzusinken. Für den ersten satz weist er auf das nebenein- 
anderstehen von formen wie «*<* und £>-C, unö und ini, naQti 
Philol. Anz. XV. 8 



114 21. C4rammatik. Nr. 2. 

und neQi und ähnliches hin. Hierbei hätte er auch a*ti und 
üjuqri erwähnen können, in denen der umlaut nicht eingetreten 
ist offenbar wegen der dazwischen stehenden doppelkonsonanz. Die 
volle Wirkung dieses umlautgesetzes tritt jedoch erst hervor in der 
Verbindung mit dem zweiten gesetz, wenn anders man hier von ge- 
setzen reden darf. So erklärt z. b. Müller den graeco-italischen 
genetiv genesos {ysysoi — generis) aus ursprünglichem gänasos da- 
durch, daß erstens das unbetonte a der zweiten silbe zu e wird, 
also ganesos , und dieses seinerseits auf das betonte a der ersten 
silbe umlautend wirkte. Durch diese gesetze hat nun Müller 
viele erscheinungen des europäischen vokalismus zu erklären 
versucht, so das vorwalten des e - vokals in verbalstämmen wie 
qifjw , Äpyro, ferner das e der reduplikationssilbe und anderes. 
Manches dagegen, was zur stütze seiner ansieht hätte dienen 
können , scheint mir der verf. bei seite gelassen zu haben , so 
vor allem den vocativ der o-stämme, gp/Af, hone, iithauisch vilhk, 
ksl. vlüce. Da sicherlich in der europäischen periode der Vo- 
kativ noch auf der ersten silbe betont war, so war also der 
Stammauslaut a unbetont und offen und färbte sich demgemäß 
zu e. Einen ähnlichen proceß hat später auf dem boden der 
einzelsprache der nominativ durchgemacht in den lateinischen 
pronominibus iste, ille, nur daß hier zwischen a und e erst o 
als mittelstufe dazwischen liegt. Auch auf suffixe wie (asvo, itgo 
u.s.w. hätte hingewiesen werden können. 

Alle räthsel des vokalismus werden freilich durch den uach- 
weis dieser lautneigungen nicht gelöst. Denn warum heißt es 
ytQag , a4Xag u. s. w. mit betontem e in offener silbe bei a der 
nachfolgenden ? und warum steht in unbetonter offner paenul- 
tima a wie in dät>aio^ i xdftaTot;? Hier könnte man progressive 
assimilation des vokals annehmen, wie steht es aber in özöfiu^og, 
aiovux'i u. s. w. ? Und wie in lateinisch nemora neben griechi- 
schem vifiea und lateinischem genera? 

Namentlich habe ich in Müllers schrift fast jede andeutung 
über die umstände vermißt, welche die Umgestaltung des ursprüng- 
lichen a zu o begünstigt haben. Mir scheinen da außer o und u 
der folgenden silbe (vrgl. z. b. volumus im verhältniß zu velimus), 
vor allem unmittelbar benachbarte konsonanten, besonders la- 
biale und nasale von einfluß gewesen zu sein. Jedoch eine 
ganz besondere Vorliebe für o (lateinisches u) scheint mir zu be- 



Nr. 2. 21. Grammatik. 115 

stehen, was auch Müller p. 20 flüchtig streift, in unbetonter, 
mit einfachem konsonant schließender endsilbe. So erklärt es 
sich, warum es yivog neben yivsog heißt ; so erklärt sich ferner 
der nominativ der männlichen und neutralen o-stämme wie rpi'Xog, 
(pilnr, roiTo, istud, bei denen die barytonierten stamme die oxy- 
tonierten nach sich gezogen haben werden. Das gleiche wird 
für die genetivendung griechisch og , lateinisch us, is gelten, 
vielleicht auch trotz andrer quantität für den genetiv pluralis 
auf 03v , lateinisch um. Dann sei hingewiesen auf bildungen 
wie Qt'itooQ, stamm qijtoq neben oxytoniertem uoqz/jq, auf kompo- 
sita wie utjTQonüimo neben ttuti'jü. Weiter denke man an ad- 
verbia wie rsiog^ oder richtiger tijog im Verhältnis zu skt. tävat. 

Interessant ist das Verhältnis der endung der ersten person 
pluralis. Denn das nebeneinanderbestehen von dorisch peg und 
lateinisch mus wird sich wohl nur so erklären lassen, daß selbst 
noch in graeko - italischer zeit die form masi gebräuchlich war. 
Im griechischen hat nun das auslautende i vor seinem verschwin- 
den noch umlaut des a zu * bewirkt , während im italischen i 
spurlos abgefallen sein mag , so daß die endung mas regelrecht 
in mos überging So weit ich sehe, entziehen sich dieser verdum- 
pfung von ursprünglichem as in os nur die nominative pluralis 
wie z. b. uiöfje*'. Jedoch ist es bemerkenswerth , daß das Um- 
brische auch hier noch formen mit dem erwarteten o-laut kennt, 
so tuderor für tuderos. Ist etwa für das griechische der differen- 
zirungstrieb dem genetiv singularis gegenüber bestimmend ge- 
wesen? — Soviel über die erste abhandlung. 

Für gänzlich verfehlt muß ich Müllers zweite abhandlung, 
die schlechtweg den titel „Etymologische forschungen" führt, er- 
klären. In derselben sucht er unter starken seitenhieben auf 
die bisherige art des etymologisierens feste gesetze für die be- 
deutungsentwickelung aufzustellen, wobei mir der verf. den geist 
der spräche so zu sagen in spanische Stiefel einzuschnüren scheint. 
Denn soweit ich sehe, führt er alles auf die drei grundanschau- 
ungen der erhebung, in welcher zugleich die der erzeugung ent- 
halten ist, des Zusammenseins und der trennung zurück. Er 
kommt auf diese weise zu einer einförmigkeit der anschauungen, 
die nach meiner ansieht in dem wesen der spräche nicht liegen 
kann. Warum sollen z. b. alle benennungen der erde lediglich 
von ihrer erzeugenden kraft ausgehen? Eine gewaltsamkeit ist 

8* 



116 21. Grammatik. Nr. 2 

es ferner für jede auf a ausgehende wurzel noch gleichbedeu- 
tende nebenformen auf i und u anzusetzen , und bei denen mit 
tenuis anlautenden auch noch gleichwertige „paraphone" mit an- 
lautender media und aspirata anzunehmen. So erhält man also 
gleichbedeutende wurzeln nach dem schema ha hi hu , ga gi gu, 
gha ghi ghu, die nun ihrerseits aller möglichen erweiterungen 
fähig sind. Es ist leicht ersichtlich, daß bei solchen annahmen 
alles mögliche sich kombinieren läßt. 

Auffallig ist es andrerseits , wie häufig der Verfasser worte 
von einander getrennt wissen will , die bisher unbeanstandet 
als zusammengehörig gegolten haben. So soll z. b. (p. 61) 
nQogqn'iö) „fest anfügen, verbinden, festbinden" sich nicht begriff- 
lich mit cpvco „erzeugen" vermitteln lassen. Warum aber soll 
das nicht möglich sein durch den mittelbegriff „daran wachsen 
lassen"? Man denke noch an das homerische h r' rap« ol qpr 
X*iQi- Ebensowenig würde ich mich „völlig rathlos" fühlen 
(vgl. p. 193), wenn man von mir verlangte conficere „aufreiben", 
interficere u. s. w. mit facere „machen" begrifflich zu vermitteln. 
Und sollte sich wirklich drehen und drängen in keinen begreiflichen 
Zusammenhang bringen lassen, wie verf. p. 85 behauptet? 

Auch gegen die handhabung der lautgesetze muß man viel- 
fach einspruch erheben. So halte ich für das latein prothetische 
vokale für unerweisbar, während ich mich z. b. gegen die an- 
nähme des abfalls von s vor muta gar nicht so sträuben kann 
wie der Verfasser. 

Ich unterlasse es auf noch weitere einzelheiten einzugehen, 
wozu sich noch reiche gelegenheit böte. Ich gebe gern zu, daß 
manches einzelne scharfsinnig erörtert ist , und daß manches, 
was der Verfasser vorbringt, anregung zu erneuter prüfung und 
weiterer forschung geben wird. So scheint mir z. b. die p. 42 
gegebene etymologie von althochdeutsch diorna aus gründen der 
bedeutung den vorzug vor der jetzt allgemein herrschenden zu 
verdienen; beachtenswerth ist ferner das p. 118 über av&gca* 
fing und das p. 163 über aiyi'Xixp gesagte. Ebenso ist die p. 96 
gegebene Zusammenstellung über die entwickelung des begriffes 
„sehen" nicht ohne interesse. Aber im ganzen betrachtet kann 
ich doch nur bedauern , daß die schließliche frucht der arbeit 
zu der darauf verwendeten mühe in keinem Verhältnis steht. 

Constantin Angermann. 



Nr. 2. 22. Iuba. 117 

22. Maria-Renatus de laBlanchere, de rege Iuba 
regia Iubae filio. Thesim facultati litterarum Parisiensi propo- 
nebat M. R. de la Bl. Parisiis ap. E. Thorin. MDCCCLXXXIII. 

8. 156 p. 

Die abband lung darf abgeseben von ihrem inhalt auch inso- 
fern ein besonderes interesse beanspruchen, als sie zeigt, wie all- 
mählich auf dem gebiete der wissenschaftlichen arbeit eine an- 
näherung der französischen gelehrten an die deutschen sich wie- 
der anbahnt. Der Verfasser, kein neuling unter den archäologen 
und epigraphikern , hat das französische Afrika auf reste der 
römischen Vergangenheit hin mit Selbstverleugnung und Sach- 
kenntnis durchforscht und die resultate seiner und seiner lands- 
leute Studien mit denen der deutschen auf dem gründe der ei- 
genen anscbauung des landes zu vereinigen gesucht. Geogra- 
phie und geschichte, epigraphik und numismatik, archäologie 
und litteraturgeschichte werden zu demselben herangezogen und 
erwecken über die Vielseitigkeit des gelehrten Verfassers von 
vornherein ein günstiges urtheil ; auch das nimmt uns für ihn ein, 
daß er ohne scheu die planlosigkeit der ausbeutung der römi- 
schen ruinen unter der französischen herrschaft namentlich in 
Caesarea anerkennt und tadelt , in der hoffnung hierdurch die 
aufmerksamkeit seiner regierung von neuem auf sie zu lenken 
und eine änderung zu bewirken. 

Die dissertation soll das thema noch nicht erschöpfen ; in 
einer zweiten bereits begonnenen schrift verspricht vrf. (p. 3) zu 
behandeln „Le roi Iuba historien et arcMologue" ; in unserer will 
er im gegensatz zu früheren arbeiten der bisher vernachlässigten 
politischen Wirksamkeit des königs zu ihrem rechte verhelfen 
(regis regnique historiam quatenus fieri possit quaerimus). So giebt 
er sich alle mögliche mühe aus inschriften und münzen neues 
material zu gewinnen ; aber doch ist der ertrag nur gering und 
unbedeutend (wie daß Iuba als römischer bürger C. Iulius ge- 
heißen), und so muß er zur allgemeinen Schilderung des landes, 
in welchem der könig geherrscht , zur bestimmung der grenzen 
des numidischen und mauretanischen reiches (wobei er sich merk- 
würdiger weise auf die vorzüglichen karten Kieperts in dem 
achten band des Corpus inscriptionum latinarum nirgends beruft), 
beschreibung der baudenkmäler und Untersuchung über den kö- 
niglichen Stammbaum seine Zuflucht nehmen, um das über einen 



118 22. Iuba. Nr. 2. 

großen rahmen gespannte bild zu füllen. Auf dem mit fester 
und sicherer hand gemalten hintergrund erscheint die figur des 
helden unverhältnismäßig klein, und suchen wir ihre einzelnen 
züge schärfer ins äuge zu fassen , so verschwimmen und ver- 
schwinden sie, und es bleibt doch nichts anderes von ihm übrig 
als was schon Plinius (Nat. hist. V, 16) über ihn ausgesprochen: 
studiorum claritate memorabilior etiam quam regno. Wir wollen 
uns nicht weiter auf die vermuthungen einlassen , mit welchen 
der verf. die Überlieferung über die politische thätigkeit des 
Iuba zu ergänzen sucht; sie betreffen nichts wesentliches, und 
er selbst nennt p. 8 das gefundene neue tenue und bekennt p. 56, 
daß jener ihm scheine ante omnia quietem suam cordi habuisse. 
Demnach muß sich de la Blanchere zuletzt doch noch entschlie- 
ßen, in dem fünften kapitel p. 110 — 144 über die schriftstellerei 
zu handeln, um so seinem werke einigen inhalt zu gebeD. 

Damit betritt er ein bekanntlich bei uns in Deutschland in 
der letzten zeit fleißig bearbeitetes feld ; gefördert aber hat er 
selbst zunächst die Untersuchung noch nicht; den allgemeinen 
gesichtspunkten und der hauptsächlichen Charakteristik der 
Schriften fehlt es an einer eindringenden durchforschung des de- 
tails und an einem gründlichen Studium der einschlagenden, al- 
lerdings weitschichtigen litteratur. Z. b. meint er (p. 126), daß 
Cassius Dio und sein epitomator Zonaras in der darstellung der 
ereignisse in Afrika während der jähre 205 — 201 sich nicht mit 
Polybius begnügt, sondern eundem fontem adierint, ex quo ipsa 
(die historia Polybii) defluxerat, d. h. die des Iuba, da diese multo 
uberior, diligentior et in omnibus rebus etiam Polybio probior gewe- 
sen sei , während Zonaras in diesem abschnitt nicht über Dio 
hinausgegangen , jedenfalls Iuba nicht eingesehen hat und 0. 
Gilbert in den Göttinger gelehrten anz. 1875, bd. I, p. 321—350 
evident die direkte benutzung des Iuba durch Dio abgewiesen 
hat (s. H. Haupt Piniol. XXXX, p. 378); Blanchere ist hier 
ohne prüfung Keller gefolgt. Ebenso irrt er in der beurtheilung 
des Appian. den er sogar über Livius stellt (p. 126), bestochen 
durch die rhetorische , alle Schwierigkeiten übertünchende dar- 
stellung. Eichtiger spricht er sich im wesentlichen über Plu- 
tarch aus, schießt aber dann vollständig über das ziel hinaus, 
wenn er lediglich deshalb, weil in der biographie des Antonius 
die behandlung der Kleopatra eine glimpflichere ist als in der 



Nr. 2. 22. Iuba. 119 

gewöhnlichen tradition , lind Iuba ihre tochter geheirathet hat, 
vermuthet, daß nicht, wie man bis jetzt geglaubt, Dellius unmit- 
telbar dem Plutarch hier vorgelegen hat, sondern Iuba und durch 
diesen erst Dellius. Wichmann (de Plut. in vit. Bruti et An- 
tonii fontibus, Bonner Dissertation 1874), auf welchen sich Blan- 
chere beruft, sagt vorsichtig sogar über Dellius (p. 62): Minime 
vero id neglegendum erit de Dellii historiis nihil certi nobis notum 
esse ; itaque etiamsi coniciamus Mo duce Plutarchum usum esse for- 
tasse in tota posteriori parte, tarnen caveamus , ne aliis argumentis 
deficientibus id pro certo affirmemus. Wie wenig halt hat nun 
erst die von Blanchere weiter hierauf gebaute hypothese über 
Iuba! P. 128 sagt er übe) sie zwar nur: Iubam hunc auctorem 
[Dellii) fuisse paulo übest quin asserara, eine halbe seite später ist 
er aber von ihr schon so überzeugt , daß er emphatisch dem 
Iuba für die erhaltung so wichtiger nachrichten über Kleopatra 
dankt : JJtut est , gratiae Jubae quam maxvmae agendae s\mt quod 
nobis tarn pretiosa de Antonio, Cleopatra et rebus in Oriente gestis 
optime exposita dederit, Dellii que de Parthicis rebus, Augusti de ci- 
vili bello testimonium nobis per Plutarchiemreddat. Uebersehen hat ferner 
der verf., daß das citat aus dem dritten buch der ^Itßrxu aus Plu- 
tarchs Kleinen parallelen stammt und also keinen glauben ver- 
dient fp. 116); von den Physiologa , welche auf dem einzigen 
zeugnis des falschere Fulgentius beruhen, berichtet er zwar, daß 
einige gelehrte an ihrer existenz zweifelten : warum aber hat er 
sie überhaupt unter den werken Iubas aufgezählt? ebenso wenig 
verdient hier die von ihm vermuthete schrift De re rustica einen 
platz. ITngen auigkeiten (wie den tadel p. 110, daß C. Müller 
die l Pu)fjtaXxrj loroqfa nur aus zwei büchern habe bestehen lassen, 
während dieser mit recht sagt, daß sie wenigstens zwei 
bücher gehabt haben müsse, oder die angäbe p. 2, daß Heeren 
anstatt L. Merokrin der Verfasser des aufsatzes über die Aetia 
des Varro im Philol. III. p. 267 ff. sei), will ich außer acht 
lassen und nur über die allgemeine beurtheilung, welche Iubas 
schriftstellerische thätigkeit hier erfährt, einige bemerkungen machen. 
Blanchere erklärt p. 122 das urtheil C. Müllers für zu streng, 
da dieser zwar die fülle der gelehrsamkeit anerkannt, aber acu- 
men ingenii et severitatem vermißt habe , hält demselben die all- 
gemeine anerkennung des Iuba bei anderen Schriftstellern des 
alterthums entgegeu und folgert daraus, daß wir uns mit unserer 



120 22, luba. Nr. 2. 

eigenen kritik, welche nur unbedeutende trümmer des jenen be- 
kannten weiten und großen baus zur unterläge habe, bescheiden 
müßten. Indes, daß die alten vielfach, namentlich an historische 
leistungen einen ganz anderen maßstab anlegten als wir heut- 
zutage, bedarf keiner auseinandersetzung, und dann gründet sich 
unsere Charakteristik, daß luba ein emsiger aber unselbständiger 
Sammler, gewissermaßen ein Vorgänger des Konstantinos Porphy- 
rogenetos gewesen sei, nicht etwa auf den inhalt einzelner frag- 
mente; vielmehr bezeugen Tatian und Clemens von Alexandria 
es ausdrücklich , daß die 'AaovQiaxü auf Berosos zurückgingen, 
und die gleiche anlehnung an die quellen ist dem werke über 
Libyen und dem über den Orient wie auch der Otatgi^Sj larogia 
nachgewiesen (s. meine abhandlung über den werth der histori- 
schen schriftstellerei Iubas p. 5 ff.); und wenn von den elf frag- 
menten, welche aus der römischen archäologie auf uns gekommen 
sind, drei (fragm. 1. 2. 3 bei Müller Fr. H. G. III, p. 469) wört- 
lich mit Dionys von Halikarnaß übereinstimmen, in drei weiteren 
die nachrichten nach ausdrücklicher Überlieferung aus anderen 
autoren entnommen sind (fragm. 6. 12. 17), von dem siebenten 
und achten (fragm. 4 und 11) dies höchst wahrscheinlich ge- 
macht ist, und von den drei übrig bleibenden eins nur den na- 
men Numantia enthält (fragm. 15), das zweite eine antiquarische 
bemerkung (fragm. 14), das letzte (fragm. 18) eine das heimath- 
liche Chäronea betreffende notiz bei Plutarch (s. meine abhand- 
lung p. 12 f.), so werden wir, denke ich, einen ausreichenden 
beweis dafür geliefert haben, daß auch die ' Poofta'i'xij ag%atoXoyia 
nur als eine kompilation anzusehen ist, welcher zwar der rühm 
der gelehrsamkeit und auch der ehrlichkeit , da die benutzten 
autoren (vielleicht an der spitze jedes abschnitts) genannt waren, 
gebührt, nimmermehr aber der einer historischen leistung. Für 
die ( 0(ioi6trjisg gesteht Blanchere selbst zu, daß des Plutarch aus 
luba geschöpfte römische fragen Varroniana aut saltem Varrone 
digna bringe (p. 137). 

Der beabsichtigten ausführlichen behandlung dieses Stoffes 
muß also eine erneute gründlichere durcharbeitung des materials 
vorangehn, wenn sie sichere resultate versprechen will. 

Die inschriften scheinen sorgfältig mitgetheilt zu sein; we- 
nigstens ergab eine vergleichung der dem achten band des C. I. L. 
entlehnten nur eine abweichung (nr. 4 auf p. 87 = Wilmanns 



Nr. 2. 23. Mythologie. 121 

nr. 9351, vixi ann.v. statt annv). Das latein ist anders als 
das in Deutschland übliche, besonders in der anwendung des 
konjunktivs imperfecti , auch in der consecutio temporum , liest 
sich aber leicht und bequem. Fehler wie solerte (p. 3), despondi 
als infin. praes. pass. (p. 93), huiusdem (p. 125) u. a. sind wohl theils 
auf rechnung des druckers theils auf die der großen äußeren 
Schwierigkeiten zu setzen , mit welchen der verf. bei der abfas- 
sung seiner schritt zu kämpfen hatte ; sie ist auf den forschungs- 
reisen durch Afrika entworfen , in Algier während der muße- 
stund en des lehrerberufs ausgearbeitet, in Toulouse gedruckt und 
in Paris revidiert (p. 153). Hermann Peter. 

23. Ausführliches lexikon der griechischen und römischen 
mythologie im verein mit Th. Birt, O. Crusius . . . unter 
mitredaktion von Th. Schreiber herausgeg. von W. H. Rö- 
scher. Mit zahlr. abbild. Leipzig, Teubner 1884. 8. Lief. 
1-4. Sp. 1—704 a 2 mk. 

Wir dürfen in diesem unternehmen einen neuen versuch 
begrüßen, die unübersehbar reiche fülle der mythischen Überlie- 
ferung nicht bloß den Specialforschern , sondern jedem freunde 
klassischer Studien möglichst vollständig vor äugen zu führen. 
Das neue lexikon nimmt — sicher ein glücklicher und zeitge- 
mäßer gedanke — die lange genug unterbrochene reihe mytho- 
logischer Wörterbücher wieder auf, welche von dem lexikon des 
Hederich bis zu dem 1835 vollendeten band Wörterbuch Ed. Ja- 
cobi's reicht. Der herausgeber W. H. Rosch e r, durch zahlreiche 
arbeiten als gründlicher kenner des gegenständes und eifriger 
forscher bekannt, durfte sich zu dieser aufgäbe wie wenige an- 
dere berufen fühlen, zumal ihm in Th. S chrei b er ein ebenso er- 
fahrener kunstmytholog zur Seite trat, endlich eine stattliche reihe 
bewährter forscher als mitarbeiter sich in die durchführung der 
einzelnen aufgaben theilten. Wir wissen dem herausgeber be- 
sonderen dank, daß er auf seine anfänglich angekündigte absieht, 
ein neues systematisches handbuch zu schaffen , verzichtet hat. 
Besitzen wir ja doch in Prellers griechischer mythologie eine 
zusammenhängende reproduktion der mythen, welche, trotz be- 
deutender und anerkannter mängel , als repertorium sich einge- 
bürgert hat und noch stets mit vielem vortheil benutzt werden 
dürfte. Gerade die lexikalische anordnung bot gelegenheit, hin- 



122 23. Mythologie. Nr. 2. 

sichtlich der Vollständigkeit und Übersichtlichkeit mit Preller, 
auch in dessen neuen bearbeitungen , erfolgreich zu concurriren. 
Je reiner in einem solchen lexikon die absieht, als repertorium 
zu dienen , zu tage tritt , um so besser wird es seinem zwecke 
entsprechen. Es könnte scheinen , als ob in dieser beziehung 
den vornehmsten prüfstein die behandlung der großen olympi- 
schen gottheiten abzugeben hätte. Denn was gäbe es in einer 
mythologie wichtigeres als die götter und wonach hätte der rath- 
suchende benutzer eines lexikons häufiger zu greifen als nach 
den artikeln Apollon, Aphrodite, Athena u. s. w. Wir bedauern 
hervorheben zu müssen , daß der herausgeber — zugleich der 
Verfasser jener aufsätze — hier, wie uns scheint, mit wenig 
glück verfahren ist. Vergleicht man Achilleus (Fleischer) , Ar- 
gonautensage (Seeliger) und noch viele andere der heroenmytho- 
logie angehörige , zum theil vom herausgeber selbst bearbeitete 
artikel mit Apollon, Aphrodite, Athene, so dürfte ein wesent- 
licher abstand bemorklich sein. Zunächst genüge es nur auf 
das äußere mißverhältniß hinzuweisen , daß Achilleus z. b. mit 
51 spalten, Apollon dagegen, von der kunstmythologie abgesehen, 
mit 25, Athene gar nur mit 12 spalten bedacht ist. Asklepios, 
ein gewissermaßen in der entwickelung stehen gebliebener gott 
mit kümmerlichem mythus und einförmigem eulte wird auf 16 
spalten in knappster fassung behandelt, ohne daß irgend eine 
notiz zu viel wäre Hingegen sind der Aphrodite 17 spalten 
gewidmet , wobei der verf. keineswegs mit dem räume gekargt 
hat, um die alte unrichtige hypothese der orientalischen abstam- 
mung mit neuen stützen aus Orient und oeeident zu versehen. 
Es zeigt sich in diesen aufsätzen, daß der forscher W. H. Röscher 
dem lexikographen störend in den weg getreten ist. Wir neh- 
men keinen anstand, in dem aufsätze Asklepios von E. Thr am er 
das maß und die form dessen zu sehen, was wir, trotz der grö- 
ßeren Schwierigkeit der aufgäbe auch bei den übrigen göttern 
zu erwarten berechtigt waren. Wir meinen eine kurze referie- 
rende wiedergäbe der mythen , der genealogischen Verhältnisse, 
jedenfalls aber auch die vollständige aufzählung der beinamen, 
gesichtet nach dem eultgebrauche und dem der dichter, endlich 
eine geordnete übersiebt über die eultstätten , eultvereinigungen 
und feste. Wer nach diesen dingen in den Eoscherschen auf- 
sätzen sucht , wird sicher oft enttäuscht wieder nach älteren 



Nr. 2. 23. Mythologie. 123 

biichern greifen müssen , aus dem gründe weil der Verfasser, 
seinem lexikalischen ziele zuwider, vorgezogen hat, den leser in 
hypothetische Untersuchungen über die grundbedeutung der gott- 
heiten und die genealogie ihrer zahlreichen functionen einzuweihen. 
Der benutzer ist allzuhäufig von dem zufall abhängig , ob die 
von ihm gesuchten thatsachen der grundhypothese des verf. ent- 
sprachen oder nicht. Wir gestatten uns den bezeichneten um- 
stand an dem artikel Athene näher zu beleuchten. Röscher ist 
von der idee beherrscht, daß Athene die gewitterwolke resp. 
blitz und donner bedeute. In gezwungener Systematik, die un- 
seren handbüchern geläufig , dem glauben der alten aber fremd 
ist, trennt er das wesen der Athene in sechs kategorien, seinen 
aufsatz in sechs capitel, denen auf einer halben spalte noch ein 
dürftiges siebentes über den cult angehängt ist. Die oberste 
spitze der eintheilung ist die gewitterbedeutung , aus der die 
functionen metaphorisch abgeleitet werden Göttin des krieges 
und der kriegsmusik ist Athene, weil das gewitter als kämpf, 
die blitze als waffen, der donner als schlachtenlärm gilt. Spinnen 
und weben, den weiblichen fleiß , überhaupt jede kunstfertigkeit 
beschützt sie , selbst die schwerfällige schmiedekunst (sp. 682), 
weil wölken und nebel eine art von gespinnst, ein kleid sind; 
klugheit und verstand dagegen wird ihr zugeeignet, entweder 
als Übertragung von weben und spinnen oder weil der gedanke 
wie ein blitz den verstand erleuchtet. Ueber ackerbau und 
baumzucht waltet sie, weil die gewitter beide dinge gefährden. 
Schutzgöttin der städte endlich ist Athene, wie der verf sp. 684 
meint, weil diese function aus allen übrigen schon genügend er- 
helle. Dem leser dürfte diese leichtgeschürzte logik der mythen- 
entwickelung weniger einleuchtend erscheinen. Setzen wir aber 
den fall, daß er sich über gestalt und bedeutung der Athenever- 
ehrung in Athen unterrichten wollte, so wird er nur spärlichen 
andeutungen begegnen. Die bemerkung sp. 685, die Stadt sei 
der göttin zu ehren gleichbenannt worden — etwa wie ameri- 
kanische städte Washington, Bismarck heißen? — dürfte ihn 
schwerlich dafür entschädigen, daß er über die TJaXidi; außer 
dem nackten namen nichts erfährt. Die TluQ^fm.: wird kaum 
genannt, nur die eigenschaft der Jungfräulichkeit sp. 678 aus 
der unbezwinglichkeit der gewitterwolke erklärt. Eine Jungfrau 
unbezwinglich wie eine gewitterwolke zu nennen, ist ein wunder- 



124 23. Mythologie. Nr. 2. 

licher vergleich, noch wunderlicher aber, daß der verf. kurz vorher 
auch der Gorgo die bedeutung einer gewitterwolke beimißt, wodurch 
die unbezwinglichkeit dieses naturobjectes von ihm selbst wenig- 
stens als constituirendes merkmal geleugnet wird. Diese forschungs- 
methode täuscht den leser unnöthiger weise über die Schwierigkeit 
mythologischer Untersuchungen hinweg. Der verf. würde sicherlich 
stutzen , wollte jemand , sich nun im besitze der richtigen me- 
thode wähnend , die im lexikon übergangene thatsache einer 
cultgemeinschaft von Athene und Hades (Strab. p. 411) in Ko- 
ronea, der Stadt der pamböotischen feste , durch das unheilvolle 
dunkel der Wetterwolke erklären oder die 'A&tjvä MtjTtjfj in Elis 
(Paus. V, 3, 2) für eine metapher des von blitzen schwangeren 
gewölkes ausgeben. Das bemühen, die scheinbar launische ge- 
staltung der gottheiten aus poetischen und poesielosen vergleichen 
zu erklären, ist nicht neu. Lauer, Preller, namentlich aber die 
„vergleichenden" mythologen haben in dieser richtung nachge- 
rade ihre phantasie erschöpft, ohne daß ihren resultaten bis 
jetzt ein bleibender werth sich zuerkennen läßt. Hierdurch al- 
lein schon hätte sich Röscher abhalten lassen sollen , specimina 
dieser interpretationskunst in den Vordergrund zu stellen , an- 
statt dieselben , wofür ihm den dank niemand verweigern 
würde, in ein gesondertes capitel „deutungen" zu verweisen, 
etwa wie seine mitarbeiter bei Artemis , Ares , Asklepios und 
Achilleus verfahren sind. Es will uns scheinen als ob diese 
artikel nicht zum wenigsten besser gelungen , zum theil vorzüg- 
lich sind , gerade weil sie die deutung hintanstellen , dieselbe 
nicht zum gerippe ihrer darstellung machen Die ansichten, 
welche Röscher nicht hier zum ersten male ausgesprochen hat, 
bleiben deswegen interessant genug und werden jedem forscher 
manches zu denken geben. Der beschränkte räum des lexikons 
ist aber wenig geeignet, ihnen eine sicherere geltung zu ver- 
schaffen, als es den bisherigen arbeiten Roschers gelungen ist. 

In keiner philologischen disciplin ist der tadel leichter, das 
bessermachen schwerer als in der mythologie. Es scheint, als 
ob hier erst ganz neue probleme aufgestellt werden müßten, um 
einen wirklichen fortschritt zu bewirken. Der herausgeber hat 
deshalb mit unrecht geglaubt , das von ihm geleitete lexikon 
bezeichne einen wesentlichen fortschritt der mythologischen Wis- 
senschaft, wenn er die forschende seite derselben im äuge hatte. 



Nr. 2. 23. Mythologie. 125 

Wir können ihm dieses nicht zugeben, -wohl aber sind wir über- 
zeugt, daß sein unternehmen der forschung sehr werthvolle dienste 
leisten kann. So weit sich nach den vorliegenden vier liefe- 
rungen bereits ein urtheil fällen läßt, so enthalten sie unter den 
800 titeln eine geordnete Zusammenstellung der Überlieferung 
von theilweise imposanter Vollständigkeit. Aeußerst werthvoll 
sind die sehr zahlreichen verweise auf die Specialliteratur, in de- 
nen weniges übergangen zu sein scheint. Auf nachtrage in einzel- 
heiten hat sich der herausgeber ausdrücklich vorgesehen. Indem 
wir uns eine vollständigere liste vorbehalten , berühren wir nur 
folgendes, was uns aufstieß: sp. 5, 28 wird bei Acca Larentia 
nach Mommsen dem doppelsinne des wortes lupa eine bedeutung 
beigemessen, ohne daß im referate des mythus von diesem zuge 
die rede war; 5, 34 beim todtenfest der Acca Larentia wurde 
auch Iupiter angerufen ; in dem vortrefflichen aufsatze über 
Achilleus ist sp. 61, 29 das citat Paus. III, 20, 8 unrichtig 
statt III, 24, 5; 73, 6 KvotQ heißt Adonis auch inschriftlich 
(C. I. Gr. I, 5966); 73, 17 die Unsicherheit, ob der name <bt- 
qih).7j^- griechisch oder semitisch ist, dürfte sich leichter besei- 
tigen lassen als manche Schwierigkeiten in der erklärung der göt- 
terbeinamen, die nach obsoleten etymologieen der alten gedeutet 
werden; 73,32 die Verehrung des Adonis auf Kythera ist nicht 
zu belegen, dagegen fehlt die interessante notiz des Stephanus 
Byz. s. v. 'Afiado7-a über den tempel eines Adonis-Osiris; endlich 
hätte es den deuter der Aphrodite und Hera als mond ebenso 
wie den leser interessiren können , daß Aristoteles und andere 
behaupteten, Athena bedeute oder heiße der mond (die stellen 
bei Welcker Griech. götterl. I, 305). 

Bei der vielköpfigkeit des Unternehmens ist es nicht mehr 
denn natürlich, wenn hier und da ein leichter Widerspruch zwi- 
schen den einzelnen mitarbeitern auftritt , bisweilen zu leiser 
polemik sich zuspitzend. Diesen und ähnlichen nicht schwerwie- 
genden ausstellungen gegenüber heben wir die werthvolle bei- 
gäbe hervor, welche das lexikon in Ed. Meyer's artikeln über 
die götter des Orients und den kunstmythologischen skizzen, 
größtenteils von einem kenner wie A. Furtwängler verfaßt, 
erhalten hat. 

Das lexikon bringt nicht alles , was wünschenswerth wäre, 
aber es bringt sicherlich sehr vieles. Wir hoffen, daß es unter 



126 24. Alte geschieht. Nr. 2. 

den händen seiner kenntnißreichen und thätigen mitarbeite« einen 
regen fortgang nehme, und wünschen ihm jetzt und in Zukunft 
möglichst zahlreiche freunde. A. Enmann. 



24. E. Evers, das emporkommen der persischen macht 
unter Cyrus (nach den neuentdeckten inschriften). Berlin, Gärtner 
1884. 4. Programm des Königstädtischen realgymnasiums. 

Die nunmehr durch zahlreiche Schriften über ihre historische 
bedeutung bekannten drei inschriften , der sogenannte Cyruscy- 
linder, die annalen Nabünähids, und eine dritte inschrift des Na- 
bünähid (P i n c h e s Proceedings of the society of bibl. archeol. 
1882) bilden das substrat auch dieser Untersuchung, welche mit 
hülfe dieser an räthseln so überreichen texte und der literari- 
schen Überlieferung der Hebräer und Griechen zu folgenden er- 
gebnissen über das emporkommen der Perser gelangt. Im jähre 
606 wird Ninive von den Medern und Babyloniern erobert; beide 
Staaten sind dann bestrebt sich den weg nach dem mittelmeer 
durch eroberung zu sichern. In Persien benutzen die Achäme- 
niden diese günstige gelegenheit , um sich zu selbständigen kö- 
nigen von Ansan zu machen, 559 trat Kyros an die spitze des 
Staates, 549 besiegte er Astyages und gewann sein reich. Damit 
war zugleich Nabünähid der gefahr entgangen , die von den 
Medern drohte, allein das aufstreben der persischen macht schien 
ihm später gefährlich und so verband er sich mit den Lydern 
gegen Kyros, der sofort die letzteren angriff und 546 Sardes 
nahm. Kyros bemächtigte sich hierauf des elamitischen gebietes 
und griff von da aus Babylonien an, Obschon Nabünähid , der 
durch meuchelmord auf den thron gekommen war, Nabükudur- 
usur's thaten sich zum vorbild nahm und befestigungen anlegte 
und alte kultstätten restaurirte , so hatte er doch zahlreiche 
gegner, vor allem die priester des Merodach und Nebo, die ihn 
deshalb auch, weil er durch den kult der altbabylonischen gott- 
heiten ihr ansehen schmälerte, als ketzer bezeichneten und sagten, 
Merodach habe zur strafe den Kyros geschickt, ebenso befanden 
sich die in Babylon angesiedelten Juden im gegensatz zu ihrem 
könig. Mit diesen unzufriedenen setzte sich Kyros in Verbin- 
dung, 538 eroberte er Babylon, belohnte die priester des Mero- 
dach und Nebo sowie die Juden für ihre mitwirkung, diese ver. 
rätherische hülfeleistung ist aber durch die bewunderung , die 



Nr. 2. 24. Alte geschichtc. 127 

man der gestalt des Kyros entgegenbrachte , verwischt worden, 
und erst mit hilfe der inschriften wieder für uns erkennbar 
geworden. 

In fünf excurse sind die bemerkungen über den historischen 
werth der inschriften , über das jähr der eroberung von Ninive, 
über den regierungsantritt des Kyros und die genealogie des- 
selben und endlich über die controverse , ob Kyroü ein Elamite 
oder Arier gewesen sei, ob also Ansan gleich Elam ist, verwiesen. 
Evers hält fest, daß Kyros ein Perser war, bezüglich seiner 
vorfahren erscheint ihm noch immer wahrscheinlich , daß vor 
Achämenes zwei oder drei uns unbekannte Perserkönige geherrscht 
haben, die möglicher weise nach Herod. VII, 11 Kambyses und 
Kyros genannt werden können. 

Ich halte die ergebnisse dieser sorgfältigen Untersuchung 
nicht für gleichmäßig richtig. Kyros zum Elamiten zu machen 
oder mit anderen ihn als Semiten zu betrachten, hätte man besser 
unterlassen , vor allem nicht auf solche gründe hin, um derent- 
willen diese frage in zwei Jahrgängen des Museon zum ständigen 
artikel geworden ist; dem entgegen zu treten hatte Evers gewiß 
recht-, seine hypothese über die rolle, welche die Merodach- und 
Nebopriester und die Juden spielten, scheint mir jedoch im hin- 
biick auf den Wortlaut der Nabünähidinschrift nicht zutreffend, 
es ist doch mindestens ebenso wahrscheinlich , daß die babylo- 
nischen priester nach eroberung der Stadt durch Kyros sich so 
äußerten, wie sie es thun, weil ihnen Kyros duldung angedeihen 
ließ. Dergleichen muthmaßungen halte ich alle für verfrüht ; so lange 
wir nicht eine genaue Übersetzung und ausgäbe der inschriften 
besitzen, so lange uns nicht bestimmt gesagt werden kann, wer 
die inschrift abgefaßt hat, zu welchem zwecke sie entstanden ist; 
kurz so lange solche kapitalfragen aller kritik nicht genügend 
von seite der assyriologen beantwortet sind, ist mit den angahen 
der inschriften für die darstellung der geschichte und für die 
kritik der antiken Überlieferung nichts oder nur sehr wenig zu 
machen. Das muß abgewartet werden und es ist daher jede 
philologische arbeit auf dem gebiet der keilschriften, jeder zuver- 
lässig und genau publicirte text eine größere förderung unserer 
kenntnis , als die kühnsten hypothesen, die auf einer noch sehr 
unsicheren grundlage, welche erst verbreitert und befestigt werden 
muß, errichtet sind. Ich gestehe, daß mir die behandlung der keil- 



128 25. Griechische geechichte. Nr. 2. 

inschriften durch historiker, das interpretiren derselben durch 
solche, die nicht assyriologen von fach sind, wie heute der stand 
unserer kenntnis dieser denkmale ist, durchaus gleich erscheint 
mit der art gewisser linguisten , die sprachen , mit deren Wort- 
schatz sie manipuliren, nur aus dem lexikon kennen. 

Adolf Bauer. 

25. Julius Beloch, die attische politik seit Perikles. 
Leipzig, B. G. Teubner 1884. IV u. 369 p. 7 mk. 60 pf. 

Die geschichte der politischen parteien in Athen und den 
einfluß derselben auf die innere und äußere politik soll das vor- 
liegende werk behandeln. Freilich für die zeit des peloponne- 
sischen krieges und des Demosthenes war schon manches gethan, 
aber die dazwischen liegende zeit war weniger eingehend be- 
handelt. Doch auch in den genannten Zeiträumen blieb eine nach- 
lese nicht ohne ergebniß. 

Bevor Beloch in die Untersuchung selbst eintritt, behandelt 
er einleitend die parteien und die regierung. Die attische 
demokratie hatte das grundprincip der gleichheit aller bürger vor 
dem gesetze , aber es war allmählich daraus eine tyrannei der 
mehrheit über die besitzenden klassen geworden. Nur ein kleiner 
schritt fehlte noch , und Athen wäre zur aufhebung alles eigen- 
thums gelangt. Eine Wendung in diesen dingen war schwierig, 
denn wer auf die Umwandlung der demokratie hinarbeitete, be- 
ging damit einfach hochverrath. Dazu das complicierte beamten- 
wesen. Die übelstände dieses Systems lagen auf der hand. 
Athen hatte wohl ministerien, aber es hatte kein cabinet. Cap. I: 
Perikles' stürz. Perikles' kriegführung *) war verfehlt. Das 
System der reinen defensive hieß nichts anderes , als die militä- 
rischen und finanziellen mittel Athens nutzlos erschöpfen. Durch 
die masse der nichtbesitzenden war er emporgekommen, hatte 
sich dann später auf den mittelstand gestützt. Sein stürz war 
eine niederlage der herrschenden partei ohne gleichen; wie tief 
sie empfunden wurde , zeigen die Acharner des Aristophanes. 
Nun kam die masse des Demos wieder zur herrschaft. Cap. II: 
Kleon und Nikias. Aber dem führer Kleon stand Nikias 

1) Es sei darauf hingewiesen, daß zu demselben resultat gleich- 
zeitig von Pflugk-Bartung, Perikles als feldherr, Stuttgart, W. Kohl- 
hammer 1884, p. 82 ff. gelangt ist. 



Nr. 2. 25. Griechische geschichte. 129 

gegenüber. Freilich war dieser nicht im stände dem anprall zu 
widerstehen. Die niederlage der Spartaner auf Sphakteria drängte 
ihn noch mehr zurück. Das alte thema von Nikias landesver- 
rath ließ sich jetzt mit ganz anderem erfolg variieren; und das 
schlimmste war, daß die partei der besitzenden ihre niederlage 
niemand anderem verdankte, als ihrem führer. Aber die Schlacht 
bei Amphipolis raubte dem demos den führer. Jene expedition 
nach Thrakien hatte mitten in den friedensverhandlungen nur 
dann sinn , wenn der krieg auf unbestimmte zeit weitergeführt 
werden sollte. Als grund konnte Kleon dafür geltend machen, 
daß im nächsten jähre der dreißigjährige friede zwischen Sparta 
und Argos zu ende war. Cap. III: Nikias und Alki- 
b i a d e s. Doch stand der demos nicht verlassen da. Hyper- 
bolos , dessen ostrakismos Beloch p. 49 ff. in das richtige licht 
setzt, wurde bald durch Alkibiades verdrängt. Er hatte den 
fehler , daß ihn im entscheidenden augenblick der muth verließ 
alles an alles zu wagen. Cap. IV: die reaction konnte 
sich nur schwache hoffhung auf seine Unterstützung machen 
(Beloch p. 69 ist im irrthum), doch war ihre herrschaft nur von 
kurzer dauer. Cap. V: Alki b ia des un d Kle oph o n kämpf- 
ten nun mit einander. Die Arginusenschlacht brachte den feld- 
herrnproceß. Die trierarchen Theramenes und Thrasybul waren 
mit der rettung der schiffbrüchigen beaixftragt worden. War dies 
ohne hintergedanken geschehen? Es war zu verlockend, sich 
selbst von jeder Verantwortlichkeit zu reinigen und zugleich 
diese Verantwortlichkeit den politischen gegnern zuzuschieben. 
Aber der spieß wurde umgedreht. Dennoch gelang es nicht die 
friedensvorschläge Spartas zur annähme zu bringen. Cap. VI: 
die zweite Oligarchie der dreißig brachte erst den frieden. 
Sie war nur von kurzer dauer. Im kämpfe gegen die attischen 
emigranten erhielt sie von Sparta keine Unterstützung. Daß 
diese haltung Spartas während der revolution in Athen ein un- 
verwelkliches blatt in dem ruhmeskranze des spartanischen volkes 
sei (p. 110), ist schön ausgedrückt, entbehrt aber allen realen 
hintergrund. Cap. VII: die restaurierte demokratie 
trat eine traurige erbschaft an. Die krisis wurde zwar über- 
wunden , schon nach acht jähren war Athen im stände einen 
neuen krieg zu führen (p. 113), aber doch nur mit persischem 
gelde. Der alte rivale Sparta machte nach der schlacht bei 
Philol. Anz. XV. 9 



130 25. Griechische geschichte. Nr. 2. 

Knidos friedensanerbietungen, aber nur ein sehr hoher grad von 
Optimismus konnte von der fortführung des krieges mehr erwarten. 
Thrasybul kämpfte zwar noch mit erfolg, aber die mittel wurden 
doch nur durch harte besteuerung der besitzenden aufgebracht. 
Sie führten jenes stürz herbei. Cap. VIII: Athen nach 
dem königs frieden war wieder in der hand der besitzenden. 
Von den alten führern war niemand mehr übrig, und unter dem 
jungen nachwuchs keiner, der befähigt gewesen wäre, den leer- 
gewordenen platz einzunehmen. Timotheos spielte nach dem von 
Beloch leider nur kurz behandelten zweiten seebunde Athens 
nur vorübergehend eine rolle. Cap. IX: Kallistratos von 
Aphidna war zwar der bedeutendste redner seiner zeit, aber 
ein finanzgenie (p. 134) ist er nicht zu nennen. Die Schlacht 
bei Mantinea führte seinen stürz herbei. Den intriguen seiner 
gegner fiel er zum opfer. Cap. X: der bundesgenossen- 
krieg führte wieder einen Umschwung in der regierung herbei. 
Aristophon, ein mäßiger köpf, klagte Timotheus an, und sein 
freund Hegesippos, ein Chauvinist durch und durch, half jenem 
den sieg erringen. Chares schloß mit Artabazos ein bündniß 
und ging in Kleinasien aggressiv vor. Daß in Thrakien eine 
Stadt nach der andern an Philipp verloren ging, hatte nicht viel 
zu bedeuten gegenüber den großen interessen, die in Kleinasien 
auf dem spiele standen ; dagegen konnte der abschluß eines 
bündnisses mit Phokis die schon schwierige läge nur noch ver- 
wickeln. Aber die politik des Chares und Aristophon , die nur 
an das heute dachte, ohne das morgen in erwähnung zu ziehen, 
brach bei der ersten ernsteren Schwierigkeit haltlos zusammen. 
Cap. XI: Eubulos' Verwaltung sah als ihre hauptsäch- 
lichste aufgäbe die pflege der materiellen interessen an, das prin- 
cip der nichtintervention war richtschnur des politischen han- 
delns. Gegen Eubulos trat Demosthenes auf. Die bitteren er- 
fahrungen seiner jugend hatten seinem charakter ihren Stempel 
aufgeprägt. Der fanatismus gegen Philipp machte ihn blind 
gegen alle anderen interessen Athens. Für den philokratischen 
frieden war er selbst thätig; ließ damals sogar seinen alten streit 
mit Meidias fallen , er , der noch soeben nach dem blute des 
gegners verlangt hatte, stand für die elende entschädigung eines 
halben talentes von der klage ab. Cap. XII: Demosthenes' 
erste regierungsjahre brachten den kämpf mit Philipp 



Nr. 2. 25. Griechische geschichte. 131 

und den ersten , allerdings vergeblichen angriff auf Aeschines. 
Cap. XIII: der zweite krieg gegen Philippos wurde 
frivol begonnen , Diopeithes' angriff auf Kardia von der atti- 
schen volksgemeinde gut geheißen. Wenn Demosthenes den 
krieg für nothwendig oder für vortheilhaft hielt , so war ja gar 
nichts dagegen zu sagen, daß er ihn erklärte; daß er den krieg 
aber in einer so perfiden und hinterlistigen weise vom zäune 
brach, läßt sich wohl verstehen, aber nimmermehr entschuldigen. 
Daß Athen der gefahr des heiligen krieges entging, hatte es nur 
dem taktvollen auftreten des Aeschines zu verdanken. Aber 
die schlacht bei Chaeronea ließ das stolze gebäude des hellenisch- 
antimakedonischen bundes zusammenstürzen. Cap. XIV: De- 
mosthenes und Demades theilten sich dann in die politik. 
Daß die hauptsächlichsten Vertreter der vier politischen richtun- 
gen in der regierung saßen , ist charakteristisch für die Unklar- 
heit der politischen läge. Cap. XV: die erhebung gegen 
Makedonien machte dem ein ende. Wohl wurde das glück 
der waffen nochmals versucht , aber der klägliche ausgang des 
„nationalkrieges" ist der beste beweis dafür, daß die ganze be- 
wegung eine künstlich gemachte war, der jeder wahre enthu- 
siasmus fern lag. 

Schon bei der charakterisirung der auffassung Beloch's 
wurde einzelnes moniert Unstreitig hat die arbeit ihre großen 
Verdienste und wird auf jeden mitforschenden anregend wirken, 
aber nicht unbedingten beifall finden. Beloch redet häufig von 
einer partei der besitzenden, aber diese bezeichnung ist verfehlt 
und trifft den kern der sache nicht. Besitz kann sich auf mo- 
bilia und immobilia erstrecken. Daß aber die eigenthümer beider 
die gleichen interessen verfolgen, ist nicht anzunehmen, ja 
widerspricht allen erfahrungen. Die besitzenden nach Beloch 
sind nun ohne zweifei die inhaber der mobilia, vor allem des 
geldes. Mit einem modernen ausdruck bezeichnet, wäre es die 
Manchesterpartei. Ein charakteristischer Vertreter derselben ist 
der Verfasser der schrift von den einkünften. Mit diesem Stand- 
punkt zu sympathisieren, ist geschmacksache; jedenfalls aber 
verdient des Eubulos politik, die nur in dem anhäufen des gel- 
des in den eignen vier pfählen ihre befriedigung findet, keines- 
wegs das ungetheilte lob , welches ihr Beloch spendet. Hiermit 
hängt die beurtheilung des Demosthenes zusammen. Es ist ja 

9* 



132 25. Griechische geschieh te. Nr. 2. 

heutzutage mode geworden, diesen „beiden der tribüne" (p. 185) 
fast zu einer bemitleidenswerthen person der komödie zu machen. 
Daß daher Beloch sich von den einseitigkeiten der Grote'schen 
schule, wie der Verehrer des Demosthenes freigehalten hat, ist 
durchaus zu bestreiten. Auch Lykurgos kann einer einseitigen 
beurtheilung nicht entgehen. Fast scheint es , als ob Beloch 
mit sich selbst hier noch nicht in's reine gekommen sei , denn 
p. 236 heißt es: „kein Sophismus war ihm zu schlecht, keine 
Übertreibung zu grell, wenn nur der gegner damit zu verderben 
war", aber wenige zeilen weiter p. 239 ist von seiner „erprobten 
rechtschaffenheit" die rede. Es gewinnt den anschein , daß Be- 
loch Droeges tüchtige arbeit De Lycurgi peeun. publ. admini- 
stratione Mindae 1880 nicht benutzt hat. Den oligarchen Athens 
weiß Beloch nur schlechtes nachzusagen. Sie sind nur auf Un- 
terdrückung des volkes bedacht, dulden keine freie meinung. 
Wahrhaft schreckliche leute ! Aber wie ist es da möglich, daß 
sie sich wiederholt mit der radikalen linken verbinden? Ist dies 
bündniß wirklich so unnatürlich , oder finden sich doch punkte, 
in denen sich die interessen beider gegenüber den capitalisten 
vereinigen? Man muß die zeit der Pisistratiden zum verständ- 
niß herbeiziehen. Ich denke mir unter den oligarchen alle grö- 
ßeren grundbesitzer vertreten. 

Nun ist auch zu erwägen, daß durch die einfalle der Spar- 
taner in Attika die besitzungen derselben ruiniert waren. Erst 
jähre mußten darüber vergehen , bevor die ölplantagen wieder 
ertragsfähig waren. 

Die arbeit nimmt für sich das verdienst in anspruch, mehr 
als sonst die wirtschaftliche läge Attikas berücksichtigt zu haben. 
Mit recht sind die sozialen zustände an mehr als einer stelle 
zur beurtheilung herbeigezogen , aber in manchen punkten wäre 
eine größere ausbeute von nutzen gewesen. So sind die große 
Eleusisinschrift aus dem jähre 329/8 (Bulletin de corr. hellen. 
VII, p. 387 ff. VIII, p. 194 ff.) und Köhlers aufsatz : Attische 
psephismen aus den jähren der theurung in Mittheilungen des 
detitschen archäologischen instituts VIII, p. 211 ff. gar nicht ver- 
wandt. Auch die handelspolitik Athens im vierten Jahrhundert 
war zu berücksichtigen. Hier haben wir für die beziehungen 
Athens zum bosporanischen reiche verschiedene Urkunden : C. I. A. 
II, 1, 311 und Rhein, mus. n. f. XXXIII, p. 418 ff. u. a. m. 



Nr. 2. 26. Geographie 133 

Doch dies sind mehr akademische erwägungen. Im einzel- 
nen findet sich manches, was der bessernden hand bedarf. P. 13 
ist von beschränkungen der kleisthenischen Verfassung die rede. 
Kaum mit recht, denn Kleisthenes hat, soviel wir wissen, an 
der von Solon getroffenen Ordnung in dieser beziehung nicht 
gerüttelt. Fehlerhaft ist es den „chef der finanzverwaltung" 
o in] T?/*; dioixrjötmg zu bezeichnen. So nennen ihn durchweg 
doch nur die gefälschten Urkunden in der kranzrede , während 
seine offizielle bezeichnung in inschriften 5 int ty diotm'j a s i 
lautet, vgl. Gilbert, Griech. staatsalterth. I, p. 231. 

Der umfangreiche anhang (p. 265 — 369) enthält manches 
interessante Freilich konnte in dem ersten haupttheil : „die stra- 
tegenliste" manches kürzer gefaßt werden. Daß jedes jähr einer 
der Strategen vom ganzen volk und aus allen Athenern erwählt 
wurde, während neun Strategen in den phylen gewählt wurden, 
wobei eine jedesmal leer ausging, wird schwerlich anklang finden. 
Wenn Beloch als analogon die wähl resp. erloosung der neun 
archonten aus den zehn phylen herbeizieht , so verkennt er da- 
mit die wirkliche Sachlage Die neunzahl der archonten existierte 
vor den zehn phylen. Es giebt ferner nicht den geringsten an- 
hält zu vermuthen , daß die archonten in den phylen gewählt 
seien, vgl. Piniol, suppl.-bd. V, 1, p. 128 ff. Die bis jetzt gel- 
tende ansieht über die Strategenwahl wird also nicht aufzugeben 
sein. Dankenswerth ist die Zusammenstellung des Strategenver- 
zeichnisses von 441 — 356,5. Weitere excurse behandeln: Pe- 
rikles' proceß, Kleons buleia, Laches' proceß, den ostrakismos des 
Hyperbolos, zur geschichte der jähre 404 und 403, Athens reickspo- 
litik im korinthischen kriege, Timotheos 1 amtsentsetzung, zur Chrono- 
logie des bundesgenossenkrieges, Demosthenes' hellenischen bund. 

Manche Spezialuntersuchung ist Beloch entgangen; am mei- 
sten hat es mich gewundert, nirgends einen hinweis auf Droysens 
lehrreiche einleitungen zu den komoedien des Aristophanes zu 
finden. Hugo Landwehr. 



26. Karten von Attika, aufgenommen durch Offiziere 
und beamte des preußischen generalstabes, mit erläuterndem text 
herausgegeben von E. Curtius und J. A. Kaupert. Heft II 
mit text von A. Milchhoefer. Berlin, D. Reimer 1884. 4 
u. fol. 4 karten. 49 p. 12 mk. 



134 26. Geographie. Nr. 2. 

Das zweite heft des vorzüglichen werkes bringt uns vier 
karten in dem maßstabe von 1 zu 25000. Das erste blatt, 
Athen-Peiraieus, kombinirt die aus dem ersten hefte in doppelter 
große bekannten aufnahmen von Kaupert und von Alten und 
fügt die umliegenden gebiete dazu , im nordwesten schließt das 
gebirge von Skaramanga, der alte Korydallos, ab. Blatt II fügt 
sich östlich an und umfaßt wesentlich den von Steffen aufgenom- 
menen Hymettos. Die nördliche fortsetzung bildet das dritte 
blatt, das uns in die fruchtbare Kephisos-ebene, das ntötor, führt ; 
dasselbe hat v o n A 1 1 e n hergestellt. Im vierten endlich, westlich 
vom dritten, also nördlich vom ersten, zeigt sich vornehmlich das 
scheidegebirge zwischen der thriasischen und athenischen ebene ; 
die section ist von Siemens gezeichnet und, vermuthlich weil 
der alte name jenes gebirges schwankt , nach dem modernen 
gute Pyrgos (Amalienruhe) benannt. Die vortreffliche ausfüh- 
rung der karten, welche immer aufs neue den beschauer erfreut, 
ist so bekannt, daß es keines lobes mehr bedarf. 

Das beigegebene textheft ist diesmal ganz von Milchhoefer 
verfaßt. Es begegnet darin außer dem, was jeder dort suchen 
wird , auch manches überraschende, neue : so die beschreibung 
zweier auffallender anlagen auf dem Korydallos , die von Alten 
entdeckt hat, eine Schilderung der Wasserleitungen in der Sektion 
Kephisia und ausführliches über die attischen grabanlagen. Be- 
sonders interessant ist aber der gewinn in der bestimmung der demen. 
Seit Leakes epochemachendem buche und der inschriftensamm- 
lung von L. Ross ist doch manches schwankend geblieben ; Milch- 
hoefers eingehende behandlüng der verschiedenen einschlägigen 
fragen auf grund des topographischen materials, das ja noch kei- 
nem forscher so vortrefflich vorgelegen hat , ist ein bedeutender 
fortschritt. Gesund ist vor allem seine methode (p. 37), das ge- 
gebene terrain in erster linie zu befragen und zur grundlage weiterer 
bestimmung en zu machen. Zuerst sind die stellen zu suchen , wo 
nach der bodenbeschaffenheit ein demos gelegen haben kann, 
dann dazu in der Überlieferung die namen. Ansprechend ist die 
achtung vor der autoritat Leakes, dem mit recht nur selten wi- 
dersprochen wird. Gesund ist auch die art, wie aus modernen 
namen und volksgewohnheiten auf antikes geschlossen wird. Das 
bergheiligthum des hagios Elias auf dem Hymettos wird noch 
jetzt in regenbedürftigen zeiten von ganzen pilgerkarawanen auf- 



Nr. 2. 26. Geographie. 135 

gesucht: wie nahe liegt es, hier die cultstätte des Zeus ofi^iog 
zu finden. Ein Rhevma Baiana erhält uns den alten namen 
Pallene, wie Marusi noch vom tempel der Artemis Amarysia und 
Arakli von einem Herakleion sich herleitet. 

Mustern wir die lange reihe der gaue, so kommen für die 
erste Sektion in betracht die namen: Halimus, Phaleron, Xypete, 
Echelidai, Thymoitadai, Korydallos, Lakiadai, Keiriadai und Oion 
Kerameikon, abgesehen von den städtischen demen und dem 
Peiraieus. 

Von diesen war die läge von Lakiadai von jeher aus Pau- 
sanias (I, 37. 2) sicher, nämlich bei dem jetzigen botanischen 
garten, sonst nicht viel Milchhoefer hat jetzt außer Xypete 
allen ihren platz angewiesen, natürlich nicht immer so, daß jeder 
zweif'el ausgeschlossen wäre. Der wichtige gau Phaleron ist von 
ihm im Widerspruche mit Ulrichs in der nähe der Sotis-kapelle 
an dem Misia - gebiete festgesetzt, doch glaubt er, daß der ort 
weithin decentralisirt gewesen sei. Damit ist Halimus an das 
Vorgebirge Trispyrgi gerückt , in dessen nähe wir es schon auf 
dem Kiepert'schen atlas von Hellas verzeichnet finden. Die Ort- 
schaft Echelidai, die wohl keinen demos bildete, sehen wir am 
fuße des ,,feldberges" '), der auf der Peiraieus-karte des ersten 
hefts ,,berg des Pausanias" heißt. Daß auf demselben nicht Xy- 
pete gelegen haben kann, hat schon Ross bemerkt. Thymoitadai, 
der hafen des Theseus, lag unterhalb des verfallenen weilers 
Kerasini am diebshafen. Die stelle von Korydallos ist im gleich- 
namigen gebirge gefunden worden. Ueber Keiriadai spricht sich 
Milchhoefer leider nicht genauer aust diesem demos, den Leake 
und Boss ganz unbestimmt lassen, ist sein platz an der grenze 
des Kerameikos auf grund einer notiz in Bekkers Anecdota (s. v. 
ßaQa&yov) zugewiesen worden , was aber weder in diesem text- 
hefte, noch in dem von Curtius verfaßten text zur karte von 
Athen zu finden ist. Oion, welches Leake „südwestlich, zwischen 
der heiligen straße und der nördlichen langen mauer" ansetzt, 
wird aus raummangel von hier fortgewiesen ; Milchhoefer schlägt 
zwei platze dafür vor, ohne sich zu entscheiden. 

Die zweite Sektion, Athen - Hymettos, wird durch das nord- 

1) Der recensent in der Berliner Philologischen Wochenschrift 
bemerkt mit recht, daß die Übersetzung der eigennamen Feldberg, 
Hirtenberg, Ziegonberg ins deutsche nicht korrekt sei. 



136 27. Archäologie. Nr. 2. 

südlich ziehende gebirge durchschnitten. Westlich von diesem 
finden wir die demen Alopeke, Gargettos, ober- und unter- Agryle, 
ober- und unter - Ankyle und Aixone ; östlich ober- und unter- 
Paiania und vielleicht Cholleidai. Bei bestimmung von Gargettos 
stehen sich Leake, Kiepert und Milchhoefer einerseits und Ross 
und Bursian andererseits gegenüber, welch letztere diesen gau 
in dem klostergute Garito am Pantelikon finden. Bei ansetzung 
von ober- Agryle dagegen geht Milchhoefer von Leake ab, der es 
an der stelle des jetzigen klosters Kaisariani vermuthete : Milch- 
hoefer macht sehr wahrscheinlich, daß hier die durch ihre quelle 
berühmte örtlichkeit KvXXov 7n' t na zu suchen ist. 

Mit dem dritten blatte ist der text kürzer geworden, um 
die Veröffentlichung nicht aufzuhalten , und weil eine reihe wich- 
tiger topographischer fragen erst dann gründlich behandelt werden 
kann, wenn die aufnähme von Attiha fertig vorliegen wird. Von den 
demen waren Kephisia, Athmonon und Pallene schon bestimmt: 
der erstere heißt noch jetzt so , Athmonon wurde durch Stuart 
in Marusi wiedergefunden, Pallene schon von Leake an den fuß 
des Hymettos gesetzt. Jetzt ist auch Phlya lokalisirt , an der 
stelle von Chalandri. Neu ist sodann die sehr plausible annähme 
einer zusammenhängenden reihe von handwerker- demen. Ent- 
lang den thonlagern des Kephisos zogen sich alsdann von He- 
phaistiadai bis zum Kerameikos sieben von metall- und thonar- 
beitern bewohnte dörfer. 

Im text der vierten Sektion beschäftigt sich Milchhoefer aus- 
führlicher mit dem gau Acharnai , dessen genaue läge weder 
Leake noch Ross bestimmt haben. Er findet ihn nicht in Menidi, 
sondern aus militärischen erwägungen in der ebene bei ober- 
Liossia. Aber auch Paionia hat nach seinen angaben nicht an 
der stelle von Menidi gelegen ; genauere festsetzung lehnt er 
noch ab. Sicherer sind die gaue Hermos, schon von Leake bei 
Chaidari angesetzt, und Skambonidai zu bestimmen ; auch Phrygia, 
während Sypalettos mir der namensähnlichkeit wegen an dem 
platze von Sepolia vermuthet wird. M. Erdmann. 



27. Terres cuites d'Asie mineure publikes parW. Froeh- 
ner. Paris, H. Hoffmann. 33, Quai Voltaire. 1881. 58 p. 
text und 40 tafeln. 4. 

Schon seit mehreren jähren hat sich Kleinasien in größerem 



Nr. 2. 27. Archäologie. 137 

maße als fundgrube der kostbaren terracotten erwiesen. Neben 
Tarsus, dessen funde schon früher von dem Verfasser behandelt 
worden sind und jetzt in dem vorliegenden prachtwerke neu 
vertreten werden, ist auf der Westküste besonders Smyrna, so- 
dann auch die statte der orte Phocaea, Grynium, Myrina ergiebig 
gewesen. In vorzüglichen lichtdrucken hat derselbe eben so ge- 
lehrte wie kunstverständige archäologe eine stattliche zahl der 
in Pariser privatsammlungen befindlichen kleinasiatischen stücke 
herausgegeben und mit einer geschmackvollen längern oder kür- 
zern erklärung ausgestattet. Eine bestimmte Ordnung hat nicht 
befolgt werden können : in bunter reihe erscheinen die sorgfältig 
ausgewählten figuren , indessen werden die verschiedenen stile 
genau unterschieden, auch die spuren der bemalung angegeben. 
Nur die erste tafel , eine kleine Herme aus Tarsus, gehört dem 
altern strengen stile an, die übrigen figuren, deren gemeinsames 
merkmal eine auffallende länge der proportionen bildet, zeichnen 
sich durch eine weiche anmuth gefällig aus , am wenigsten die 
neue klasse der myrrinäischen Statuetten. Einige, z. b. Eros als 
älterer knabe mit einem ehernen pfeil in der linken (taf. 29 
und 43) vergleicht der verf. treffend mit der kunst eines Praxi- 
teles, die mehrzahl reicht bis in die römische zeit hinunter; auch 
unter ihr bewundert man meisterwerke , wie das familienmahl 
taf. 2, auf taf. 10 eine allerliebste frau, welche wasser aus einem 
schlauch in ein lustrationsbecken gießt, auf taf. 12 einen ge- 
kauerten satyr mit einem schlauch (aus Aegypten) u. a. m. Die 
stilistische Würdigung aller werke läßt nichts zu wünschen übrig. 

Dem gegenstände nach gehören die meisten stücke dem 
kreise der Aphrodite und des Eros an, beiderlei arten in den 
mannigfaltigsten Variationen. Auch der bakchische kreis ist reich 
vertreten, in geringerem maße die großen götter ; auch an alle- 
gorischen wesen, der Nike, Tyche, Eirene u. s. w., fehlt es nicht. 
An die heroensage erinnert nur ein nicht ganz erhaltener Nio- 
bide (taf. 27). 

Andere werke beziehen sich auf das theater, prächtige mas- 
ken (taf. 26. 31. 37), taf. 24 in einer gruppierung mit Aphro- 
dite, welche eine mächtige bärtige maske hält und mit der rechten 
hand Eros zurückhält , welcher das neue Spielzeug zu erlangen 
strebt. Ferner taf. 36 ein kauernder karrikierter satyr, und 
wohl auf taf. 8 ein kahlköpfiger grämlicher philosopb. 



138 27. Archäologie. Nr. 2. 

In das gebiet des genre, welches durch einen epheben neben 
seinem rosse taf. 16 vortrefflich repräsentiert wird, spielen auch 
mythische Vorstellungen hinüber : auf jenem häuslichen mahle 
wird der mann , zu dessen fußen ein zwerg schläft , durch die 
leier als ein anderer Paris, die frau durch eine phrygische mutze 
als eine zweite Helena , neben welcher Eros sitzt , bezeichnet, 
auf taf. 30 das kind, das die mutter spielend umfängt, als Eros. 
Diesen bildungen scheint der verf. , dessen erklärungen im 
allgemeinen nur lobend anerkannt werden können, eine zu tiefe 
bedeutung beizulegen , indem er mystische Vorstellungen des se- 
ligen lebens nach dem tode darin sucht, eine in Prankreich 
nicht seltene richtung, welche vor 20 jähren in Biardots behand- 
lung der terracotten am schärfsten hervortrat , in der Lenor- 
mantschen mythisch - historischen auffassung jenes epheben vom 
verf. selbst mit vollem rechte zurückgewiesen wird. 

Gewagt ist ferner die Verbindung der sandalenlösenden Aphro- 
dite (taf. 7) mit der berüchtigten monocremos (monocnemos?) des 
Petronius cap. 86. Die göttin steht zwar nur auf einem beine, 
zeigt aber das erhobene so deutlich , daß es sogar vorzugsweise 
interessiert. Ich gehe nicht so weit wie Wilamowitz, der nur 
einen witz des romans gelten läßt, weil die übrigen Schilderun- 
gen ernstlich dem geltenden kunsturtheil entsprechen, aber die 
bisherigen erklärungen und vermuthungen genügen auch mir 
nicht. Vielleicht dachte der schriftsteiler an das zweite unvol- 
lendete gemälde des Apelles, das größtentheils nur die contouren 
angab, und schrieb monogrammon. 

Bei einem bilde (taf. 39 und 40) hat den verf. seine gelehr. 
samkeit irre geleitet. Die gruppe des Pan und einer bakchantin 
erklärt er vortrefflich. Wenn er aber die nymphe Alke nennt, 
so hat er das epigramm der anthologie 6, 315 misverstanden. 
Wie der anfang beweist, ist es eine nachahmung des Simonides 
fr. 113. Die worte «*•*' k/U«v, welche der verf. für einen ei- 
gennamen hält , beziehen sich also auf die hülfe Pans vor der 
schlacht bei Marathon. 

Wie für die vorzügliche vorliegende gäbe, so hat man auch 
für das versprechen dank zu sagen , daß sie nicht die einzige 
bleiben soll. Möge es bald erfüllt werden! 

Urlichs. 



Nr. 2. 28. Griechische alterthümer. 139 

28. Hermann Dierks, De tragicorum histrionum habitu 
scaenico apud Graecos. Gottingae 1883. 8. 51 p. (Diss.). 

Der Verfasser hat sich die aufgäbe gestellt, alles, was sich 
aus bildlichen und schriftlichen quellen über des costüm der 
griechischen tragödie entwickeln läßt , zusammenzustellen und 
daraus, so weit es möglich ist, die Veränderungen, welche das- 
selbe im laufe der zeit durchgemacht hat, darzulegen. Nach 
einer Übersicht über die schriftlichen quellen , welche in drei 
abschnitte zerfällt (Lucian , von Lucian bis Thespis , Pollux), 
werden die bildlichen quellen vollständig aufgezählt. Es folgen 
sodann die stellen der tragiker, welche das costüm betreffen, und 
zwar nach folgendem schema: 1) masken, 2) garderobe, 3) kopf- 
bedeckungen, 4) insignien; in den beiden ersten abschnitten wer- 
den dann jedesmal die stellen aus Aeschylos, Sophokles und Eu- 
ripides getrennt aufgeführt; zu nr. 3 ist nur weniges bemerkt, 
und zu nr. 4 werden die attribute 1) der götter und göttinnen, 
2) der könige, 3) der heroen, 4) der greise, 5) der priester und 
6) der schutzflehenden genannt, woran sich unter 7) einiges über 
bekränzung reiht. Dem darauf folgenden abschnitte über das 
costüm seit Euripides werden die ausführungen bei Pollux zu 
gründe gelegt; hier werden zunächst die masken, nach h'OKtva 
und sy.ay.ivu no'.nfona gegliedert, dann die garderobestücke, und 
zwar F.roxsvoi (tunicae, pallia a) tutina, b) %la(ivdtg) und sxaxev- 
oi f^dJjTt^ (dii et deae, reges et reginae, heroes et heroides, vates, 
servi et servae), und endlich die fußbekleidung behandelt. Hierauf 
folgen zwei excurse, von denen der erste eine Übersicht über die 
bisherige litteratur giebt , der zweite von der materia und dem 
usus ornatus histrionum handelt. 

Abgesehen davon , ob diese theilung völlig richtig ist , ist 
zu bedauern, daß der stoff durch dieselbe sehr zerrissen wird, 
so daß die arbeit den eindruck einer Sammlung des noch zu 
verarbeitenden materials macht. So wird über den kothurn an 
sechs stellen gehandelt, p. 6, 9, 16, 17 ff., 42, 48. Sachlich 
haben wir mehrere bedenken geltend zu machen. Zunächst halten 
wir die von uns Philologus XXXV, p. 353 f. gegebene deutung 
des aoifKhicv durch die ausführungen des Verfassers für nicht 
widerlegt. Wir entwickelten dort, daß das wort nach Photius 
zwar mit TtQoyaatQidtnv und nQoarrotidio% identisch sei, diese stücke 
seien indessen durch überziehen eines tricots so eng wie möglich 



140 28. Griechische alterthüuier Nr. 2. 

mit dem körper verbunden und so sei die bezeichnung (stofjuttiov 
von den polsterstücken auf das tricot selbst übertragen , so daß 
Pollux (IV, 115 und II, 235) dieselbe recht wohl durch räv 
vnoxQizöJv aioli] beziehungsweise oy.evt'j hätte erklären können. 
Wenn nun der Verfasser die meinung aufstellt, da das nooazfQ- 
pidiov zur nachahmung der weiblichen brüst, das ngoyacjigiSiov 
zur Verstärkung des bauches bestimmt sei, so müsse amfidiiöv 
eine res gewesen sein, qua totum oranium heroum et heroidum corpus 
amplificatur, und die Tigoortgrldia und hgoyctazoldia seien über 
dem öcofjiiTioi angelegt, so ist die von den ngocrTsoriöia gegebene er- 
klärung schwerlich richtig, da es sich bei den großen dimensio- 
nen des antiken theaters keinenfalls an erster stelle um nachah- 
mung der weiblichen brüst handeln konnte, und da ferner nir- 
gends bezeugt wird, daß das ngoaregvlStov nur in weiblichen 
rollen getragen sei ; brüst und leib sind vielmehr die einzigen 
theile des körpers, welche bei der tragischen garderobe einer 
Verstärkung bedurften, da die arme durch die pigföev größere 
dimensionen erhielten und die beine durch die lange tunica ver- 
deckt wurden. Auch hat die deduction des Verfassers die schwäche, 
daß sie lediglich Photius berücksichtigt und Pollux vernachläs- 
sigt. Wenn Dierks sodann das acapuTiov in den qÜkiu övaztjta 
oi tu bei Lucian Somn. 26 angedeutet findet, so sind durch diese 
worte vielmehr Unterröcke bezeichnet, welche bei der langen tu- 
nika nicht entbehrt werden konnten. 

Sodann wird bei der recension der bildlichen quellen aus- 
führlich darauf eingegangen, daß auf den von Maaß, Mon. d. 
Inst. XI, taf. 30. 31. 32 publicierten pompejanischen fresken 
den tragischen figuren der kothurn fehlt. Maaß glaubt dieselben 
nicht auf römische tragödien beziehen zu sollen, da bei dieser zurzeit 
der entstehung der bilder (vor 15 p. Chr.) der kothurn üblich gewesen 
sei; er nahm daher an, die originale stammten aus der epoche des 
Hellenismus, und in dieser sei der kothurn nur noch bei auffüh- 
rungen an den althergebrachten festen beibehalten, an den neu 
eingeführten jedoch abgeschafft, so daß damals beide sitten neben 
einander bestanden hätten. Die beseitigung des kothurns, durch 
welche der Schauspieler größere beweglichkeit bekommen habe, 
sei folge der richtung der tragödie seit Euripides ; jene zeit habe 
den göttern und heroen auf der bühne ein mehr menschliches ausse- 
hen verleihen wollen. Daraus erkläre sich auch das fehlen des ko- 



Nr. 2. 28 Griechische alterthümer. 141 

thurns auf dem von Wieseler Denkmäler des b. VI, 2 mitge- 
theilten vasenbilde. Hiegegen macht der verf. zunächst richtig 
geltend , daß dieses bild als auf das satyrspiel bezüglich hier 
nicht angezogen werden könne , da zuvor der beweis geführt 
werden müsse , daß die Schauspieler im satyrspiel den kothurn 
getragen hätten, und hebt sodann hervor, daß man nicht sehe, 
wie später der kothurn wieder eingeführt sei, was nach Lucian 
allgemein der fall gewesen zu sein scheine. Die richtigkeit der 
bemerkung über die tendenz der alexandrinischen zeit zugegeben, 
so führe dieselbe doch nicht nothwendig zur abschaffung des ko- 
thurn8. Dierks selbst trifft freilich schwerlich das richtige, wenn 
er nachzuweisen versucht , die figuren ohne kothurn seien auf 
die römische bühne zu beziehen, auf welcher damals der kothurn 
aller Wahrscheinlichkeit nach nicht üblich gewesen sei. Um dies 
zu zeigen, wird die von Maaß angeführte stelle aus Cic. de finn. 

III, 14, 46 auf griechische stücke bezogen, die freilich damals 
in Rom aufgeführt wurden, und Ovid. Am. III, 1, 14 sowie 
Hör. A. P. 90 f. durch die annähme beseitigt, cothurnus sei aus 
griechischer anschauung heraus einfach für „tragödie" gesetzt. 
Wenn dies nun auch für manche stellen zugegeben werden kann, 
und wenn auch nirgends ausdrücklich der gebrauch des kothurns 
für die römische bühne der kaiserzeit bezeugt ist , so giebt es 
doch eine anzahl von stellen aus verschiedenen Jahrhunderten, 
welche mit nothwendigkeit auf die annähme des kothurns für 
die römische bühne führen und dem Verfasser entgangen zu sein 
scheinen. So Ovid. Am. II, 18, 13: Sceptra tarnen sumpsi cu- 
raque tragoedia nostra Cremt, et huic operi quamlibet aptus eram. 
Risit Amor pallamque rneam pictosque cothurnos sceptraque privata 
tarn cito sumpta manu. III, 1, 63: Altera me Sceptro decorus al» 
toque cothurno. Trist. II, 553: Et dedimus tragicis scriptum re- 
gale cothurnis Quaeque gravis debet verba cothurnus habet. Ex Ponto 

IV, 16, 29: Musaque Turrani, tragicis innixa cothurnis. Sen. Ep > 
76, 31: praesente populo elati incesserunt et cothurnati, simul exie- 
runt , excalceantur et ad staturam suam redeunt. Martial. XI, 9: 
Clarus fronde Iovis, Romani fama cothurni, Spirat Apellea redditus 
arte memor. Tertull. de spect. 23 : Sic et tragoedos cothurnis ex- 
tulit (seil, diabolus); vgl. ferner Cyprian. Epist. II , 2 , p. 46 
Frohen, und Lactant. Inst. div. VI, 20. Ist somit dieser nachweis 
dem Verfasser nicht gehingen, so ist auch seine ansieht über die 



142 28. Griechische alterthümer. Nr. 2. 

beziehung jener pompejanischen fresken irrthümlich. Wir haben 
vielmehr mit Leo Rhein, mus. XXXVIII, p. 344 anzunehmen, 
daß die kothurne lediglich aus künstlerischen rücksichten wegge- 
blieben sind. Aehnlich fehlt mehrfach auf abbildungen , die 
auf die komödie zu beziehen sind, die fußbekleidung gänzlich 
(vgl. unter anderen Wieseler Denkmäler des b. IX, 7, 9, 11, 
12, 13, 15), während doch in Wirklichkeit nie personen mit 
nackten fußen aufgetreten sein werden ; daß es ferner im inter- 
esse des künstlers lag, den kothurn wegzulassen, wird durch die 
vergleichung der vatikanischen mosaik (Wieseler a.a.O. VIII, 1 — 11) 
und des von Robert Mon. d. Inst. XI, 13 edierten Schauspielers 
einleuchtend. Ob übrigens die figuren auf römische oder auf 
griechische stücke zu beziehen sind, wird sich nicht feststellen 
lassen, ist auch von geringer bedeutung. 

Ohne auf weiteres näher einzugehen , wollen wir noch fol- 
gendes hervorheben. P. 28 zu Aeschylos hätte das byssoskleid 
der Antigone Sept. v. 1039 erwähnt werden sollen; p. 29 ist 
die bemerkung über die hüte des Danaidenchors doch zweifelhaft ; 
p. 35 wäre zu in (Jieaov xtxägiiu eine nähere erklärung dieser 
auffallenden haartracht wünschenswerth gewesen; ebendaselbst 
wird der onkos beiläufig erwähnt, aber erst p. 47 folgt eine 
allerdings auch nur kurze ausführung über denselben. Warum 
p. 36 die bei Pollux genannten üxaxtva ngaamna nicht aufge- 
führt sind, bleibt unklar; auch geht die bemerkung, daß zu Ae- 
schylos' zeit fast nur solche in gebrauch gewesen seien, zu weit. 
P. 37, anm. 5 vermuthet der Verfasser wohl mit recht, die bys- 
soskleider seien meist gelb gewesen ; wir verweisen ihn darüber 
auf Blümner Technologie und terminologie der gewerbe und künste 
p. 187 und desselben privatalterthümer p. 413, anm. 4. 

Auf die correctur hätte mehr Sorgfalt verwandt werden sollen ; 
Vgl. Z. b. p. 33 ngiufi o OijöOfAui ; p. 35 xwrüx m /aog und mgi- 
xcojuoi'. Namentlich ist in den citaten oftmals gefehlt; so steht 
p. 9: Cassius Dio LXIX, 14 für LXIII, 22, 4; p. 28: Oed. 
Col. 159 für 1597; p. 37: Poll. IV, 12 für IV, 120; p. 38: 
Ar. Av. 116 für 1116; p. 42: Sommerbr. Scaen. 19 für 190. 
Das latein ist nicht übel , doch ist uns p. 47 aufgefallen : per- 
aonas fuisse tanto pondere, ut histriones parvas pelles personis sub- 
misissent. 

Der reiche stoff konnte natürlich auf 50 seiten nicht gründ- 



Nr. 2. 29. Römische geschichte. 143 

lieh abgehandelt werden, der Verfasser hätte sich daher lieber 
einen einzelnen abschnitt zur erschöpfenden bearbeitung auswählen 
sollen ; jedoch ist das gebotene eine recht nützliche Zusammen- 
stellung des bislang zerstreuten materials. In der hauptsache 
zeigt sich indessen wieder, daß die zu geböte stehenden quellen 
nicht ausreichen , um die Veränderungen des tragischen costüms 
genau erkennen zu lassen. Der Verfasser ist in dieser beziehung 
nicht über einige allgemeine bemerkungen hinausgelangt. 

A. Müller. 



29. Der kaiser Hadrian. Gemälde der römisch-hel- 
lenistischen weit zu seiner zeit. Von Ferd. Gregorovius. 
Zweite neugeschrieb. aufl. Stuttgart, Cotta 1884. X, 505 p. 12 mk. 

Das werk , welches ich hier anzuzeigen habe , hat ein ähn- 
liches Schicksal erfahren, wie J. Burckhardts „Zeit Constantin's 
des großen". Beide bücher sind vor etwa einem menschenalter 
zuerst erschienen, haben sich damals in gleicher weise einer be- 
rechtigten allgemeinen anerkennung erfreut und liegen uns nun 
(Burckhardt seit 1880) in neuen auflagen vor. Während aber 
Burckhardt nur einzelnes nachgetragen und den kern un- 
angetastet gelassen hat , bietet uns Gregorovius ein ganz 
neues werk ; nicht nur der alte titel „Geschichte des römischen 
kaisers Hadrian und seiner zeit" ist verändert worden , nicht 
nur die litteratur der drei letzten Jahrzehnte auf den verschie- 
densten gebieten durchgearbeitet und ausgenutzt: vor allem ist 
der Charakter der darstellung ein völlig anderer geworden. In 
der ersten aufläge führte der junge historiker und philolog seine 
fachgenossen in die Untersuchung selbst hinein und ließ sie an 
derselben theilnehmen : jetzt wendet sich der berühmte geschicht- 
schreiber des mittelalterlichen Rom an das große gebildete pu- 
blikum ; aller gelehrte apparat , sogar alle lateinischen stellen 
sind aus dem texte entfernt und auch in den anmerkungen wer- 
den nur Verweisungen auf andere werke gegeben, nirgends eine 
ausführlichere begründung der aufgestellten ansieht. Dafür nimmt 
das „gemälde der römisch - hellenischen weit", in welcher sich 
Hadrian bewegt, einen desto breiteren räum ein. Gregorovius 
führt uns mit dem unruhigen kaiser durch sein gesammtes reich 
und zeichnet uns meist auf grund eigener anschauung in kurzen 
scharfen strichen bilder seiner Städte und gegenden , zum theil 



144 29. Römische geschichte. Nr. 2. 

wahre kabinetstücke, wie dies ja bei dem Verfasser der italischen 
Wanderungen natürlich ist. Auch der gelehrte wird diesem geist- 
vollen und beredten periegeten gern folgen , wenngleich er hier 
und da einen leisen zweifei nicht wird unterdrücken können. 
Das erste buch „politische geschichte" schließt sich dem gange 
des lebens von Hadrian an, das zweite enthält in systematischer 
form eine Übersicht über den Staat und das geistige leben unter 
ihm, wobei es nicht zu vermeiden war auch ganz allgemein be- 
kannte dinge in die darstellung hineinzuziehn, um dem bedürfnis 
des größeren leserkreises rechnung zu tragen ; ich denke dabei 
namentlich an die ersten kapitel „das römische reich", „die pro- 
vinzen des reichs, ihre Verwaltung u. s. w.", „städte, municipien, 
colonien" u. s. f. 

Was nun den helden anbetrifft, so ist bereits von einem re- 
censenten hervorgehoben worden, daß der grundgedanke, er erst 
habe die beiden hälften der antiken weit, Hellas und Rom, ein- 
ander näher gebracht (p. 9), nicht das richtige getroffen hat. 
Gregorovius unterschätzt die in dem zeitgeiste gegründete macht 
der sophistik, und seiner behauptung p. 343 „den sieg der so- 
phistik hat der philhellene Hadrian entschieden" möchte ich 
Bernhardy's autorität gegenüberstellen (Griechische literaturge 
schichte I 3 , p. 583) „fürsten haben hierauf durch sold und Stif- 
tungen nur mittelbar eingewirkt-, das gepräge des Zeitalters war 
innerlich so fertig und bestimmt, daß jene nur seinem genius 
huldigen konnten". Doch will es mir so scheinen, als habe jener 
gedanke nur die wähl des Hadrian als Staffage für ein allge- 
meines Zeitgemälde motivieren sollen, auf die gesammte dar- 
stellung hat er keinen eben bestimmenden einfluß ausgeübt 5 
manche sätze stehen mit ihm sogar in einem gewissen Wider- 
spruch, z. b. p. 255: „auch zur zeit Hadrians, wo der mächtig 
aufstrebende hellenismus das geistige übergewicht im reiche be- 
saß, regte sich die reaktion des lateinischen bewußtseins gegen 
das griechenthum". 

Viel eher würde ich Gregorovius beipflichten, wenn er den 
p. 62 ausgesprochenen vergleich Hadrians mit einem menschen 
der renaissance des 15. Jahrhunderts zum ausgangspunkt seiner 
Charakteristik gemacht hätte , und soll seine weltgeschichtliche 
bedeutung bezeichnet werden, so wird man mit Ranke (Weltge- 
schichte III, p. 291) sagen müssen, daß sich unter ihm die idee 



Nr. 2. 29. Römische geschichte. 145 

der angeborenen menschenrechte allmählich bahn zu brechen 
anfängt. Hadrian ist nicht nur philhellene sondern kosmopolit, 
der allen stammen seines reiches gerecht zu werden und sie 
nicht durch die von ihm ernannten behörden, wie seine Vorgänger, 
sondern durch eigenes unmittelbares eingreifen einander näher 
zu bringen sucht ; infolge dessen aber war er unrömisch und rö- 
mischen Schriftstellern unverständlich, welche sich vergebens ab- 
mühen die eigenart seines wesens zu ergründen; keine in sich 
geschlossene persönlichkeit, sondern leicht von allen möglichen 
eindrücken erregbar (wenn auch nicht zu leiten) jind von einer 
fast nervösen unruhe gejagt, sentimentalisch zuweilen, aber im 
verkehr mit gelehrten , für welche er es liebte den mittelpunkt 
zu bilden, forciert witzelnd, noch in der todesstunde skeptisch 
und pessimistisch, kurz in vielen dingen durchaus modern. Es 
ist in der that merkwürdig , wie eine ganze reihe von zügen, 
welche den modernen menschen charakterisieren , sich schon in 
Hadrian finden, z. b. das ersteigen hoher berge, um im anblick 
der aufgehenden sonne und der weithin ausgestreckten landschaft 
zu schwelgen. Sie sind von Gregorovius auch nicht unberück- 
sichtigt gelassen (p. 62 f.), aber unseres erachtens nicht in das 
gebührende licht gestellt worden ; weit nachdrücklicher hat sie 
Th. Kock „Die Engelsburg und kaiser Hadrian" (Neues Schwei- 
zerisches museum V, 1865, p. 103 — 167) gewürdigt, welcher 
viel geistreiches enthaltende aufsatz Gregorovius entgangen zu 
sein scheint. 

Kleinmeisterei ist einem solchen werke gegenüber nicht an- 
gebracht ; bei dem umfang der herangezogenen litteratur können 
falsche Schreibungen von namen (z. b. Jaenecke für Jaenicke, 
% Pierino für Perino p. 328) leicht mit unterlaufen, auch sonst 
kleine ungenauigkeiten ; z. b. heißen die lehrer des Verus(p. 308) 
nicht Scaurus und Harpokrates, sondern Scaurinus und Harpo- 
kration, und wenn Gregorovius ebendaselbst zwei rhetoren Celer 
und Caninius nennt , so hat Capitolinus (Vit. Ver. 2), auf wel- 
chen er sich beruft, jedenfalls nur einen einzigen Celer Caninius 
gemeint, wohl den aus Philostratos unter dem erstereu namen 
bekannten rhetor (Friedländer Darstellungen I 5 , p. 166); auch 
der einwand ist nicht richtig, welchen er p. 83 gegen Hübners 
(CLL. VII, p. 100) beziehung des ambulare in den versen des 
Florus Ego nolo Caesar esse, ambulare per Brittannos auf die bri- 
Philol. Aoz. XV. 10 



146 30. Kaisergeschichte. Nr. 2. 

tannische expedition Hadrians evliebt; es widerstreitet derselben 
nicht, wie er glaubt, der begriff ambulare, sondern unterstützt 
sie vielmehr, da das wort grade von dem marschieren der Sol- 
daten in der damaligen zeit gebraucht wird. So können wir 
uns auch nicht allenthalben seinem urtheil über litterarische per- 
sönlichkeiten anschließen und beurtheilen z. b. Sueton weit un- 
günstiger als er, wenn er ihn p. 329 einen schriftsteiler „von 
humanistischer bildung und vielem talent doch ohne schöpferi- 
sches genie" nennt , während wir nur fleiß und gelehrsamkeit 
und eine gewisse nüchternheit des urtheils anzuerkennen vermögen, 
im gegensatz zu Appian , der „nicht ein trockenes aber nütz- 
liches" werk geliefert (p. 326), vielmehr mit seinem rhetorischen 
aufputz auch die ihm etwa vorliegende gute Überlieferung ent- 
stellt hat, sodaß seine benutzung die äußerste vorsieht erfordert. 

Die schriftstellerische thätigkeit des Hadrian hat Gregoro- 
vius gelegentlich bei der besprechung der allgemeinen pflege 
der einzelnen litteraturgattungen behandelt, und da der kaiser 
nirgends eigene selbständige Produktivität zeigt, sondern sich 
nur von den bestrebungen seiner zeit leiten läßt , so geschieht 
ihm damit in einer geschichte der zeit auch sein recht; eine 
erneute zusammenfassende bearbeitung dieser seite seines Wir- 
kens bleibt noch eine lohnende aufgäbe. 

Welchen beifall übrigens die neue bearbeitung gefunden 
hat, beweist, daß nach wenigen monaten der zweiten aufläge 
eine dritte gefolgt ist. Hermann Peter. 

30. Les Chrötiens dans l'empire romain de la fin des An- 
tonins au milieu du Ille siecle 180 — 249 (suite de l'Histoire 
des pers^cutions de l'13glise, par B. Aube), 1 vol., le 
eMit. 8. 2e eMition. 12. Paris, librairie acad^mique Didier 
et Cie. 1881. VI und 530 p. 7 fres. 50 c. 

Dieser dritte band von Aube"s geschichte der vorconstan- 
tinischen kirche in ihrem verhältniß zum römischen Staat zeugt 
von kritischem tact und einer gründlichen beherrschung des ge- 
stimmten quellenmaterials. Dankenswerth ist auch die fleißige 
umsichtige berücksichtigung, die der Verfasser stets der legende 
und deren meist so trüben quellen, den märtyreracten, für deren 
kritische analyse er den reichen handschriftlichen apparat der 
Pariser nationalbibliothek vielfach zu gründe gelegt hat, ange- 



Nr. 2. 30. Kaisergeschichte. 147 

deihen läßt. Weiter bietet unser verf. , unter gebührender aus- 
beutung der bezüglichen rechtsquellen , der Digesten , der Ke- 
ceptae sententiae des Iulius Paullus und des Codex Theodosianus, 
hervorragend verdienstliche Untersuchungen über die staatsrecht- 
liche Stellung des judenthums im römischen Staat (p. 73 — 78). 
Großes lob verdient endlich die glänzende darstellung Aub^'s. 
Das buch weist aber auch einige mängel auf: die juridische 
basis der Christenverfolgungen hat wenigstens zuweilen nicht 
die erforderliche beachtung gefunden. Die kritik der märtyreracten, 
so scharfsinnig in detaillirten nachweisen von Ungeschicklichkeiten, 
läßt wiederholt die unabweisbare consequenz vermissen. Nach 
Tillemonts Vorgang scheut sich unser verf. häufig , aus den ge- 
gebenen prämissen die sich daraus mit nothwendigkeit ergebenden 
Schlüsse zu ziehen. Von dem nur in ausnahmefällen zulässigen 
grundsatze, aus unechten hagiographischen actenstücken einen 
historischen kern zu eruiren, macht Aube einen bedenklich aus- 
giebigen gebrauch. Endlich vernachlässigt er in höchst unge- 
bührlicher weise die neuere literatur, zumal die deutsche. Samuel 
Basnage's schon recht tüchtige Annales politico-ecclesiastici, tom. 
II, Le Blants epochemachende, 1866 erschienene, abhandlung „Sur 
les bases juridiques des poursuites dirig^es contre les martyrs", 
P. Garns, 0. s. B., Kirchengeschichte Spaniens, band I, Regens- 
burg 1862, R. A. Lipsius, Chronologie der römischen bischöfe, A. 
Harnack, Chronologie der bischöfe von Antiochien, Th. Keim, 
Aus dem urchristenthum, p. 120, 130 f. 171-203, Albert Hauck, 
Tertullians leben und Schriften, Erlangen 1877, endlich die ar- 
beiten des referenten l ) scheinen für Aube gar nicht zu existiren. 

1) In rein sachlichem interesse seien hier folgende aufsätze des 
berichterstatters erwähnt: I. „Christenverfolgung Maximins I." (Zeit- 
schrift für wissenschaftliche theologie 1876, (XIX, hft. 4, p. 526— 574). 
II. ,, Alexander Severus und das christenthum", Zeitschr. für wiss. theol. 
XX (1877), hft. I, p. 48—89. III. „Das christenthum und der rö- 
mische staat zur zeit des kaisers Septimius Severus", Jahrbücher für 
protestantische theologie" IV (1878), hft. 3, p. 273—327. IV. Kritik 
des buches von Hauck, Tertullians leben und schritten, Philol. an- 
zeiger IX, nr. 7, p. 475 — 484. V. Das christenthum unter Vespasianus, 
„Zeitschr. für wiss. theol. 1878 (XXI), hft. 4, p. 492-536. VI. „Der 
bekenner Achatius" Zeitschr. für wiss. theol. 1879 (XXII), hft. 1, p. 
66 — 99. VII. „Die angebliche Christenverfolgung zur zeit der kaiser 
Numerianus und Carinus, Zeitschr. für wiss. theol. XXIII (1880), hft. 1, 
p. 31 64, hft. II, p. 165-197), endlich VIII. mein artikel „Chri- 
stenverfolgungen" in der F. X. Kraus'schen Real-Encyklopädie 
für christliche archäologie, liefg. 3 (Freiburg i. Br. 1880), p. 215— 
288; zumal p. 227 ff. 

10* 



148 30. Kaisergeschichte. Nr. 2. 

In den beiden ersten kapitoln (p. 1—52) befaßt sich Aube" mit 
den äußeren Schicksalen des christenthums unter kaiser C o m m o- 
dus (reg. märz 180 bis 31. dec. 192). P. 29 findet sich ohne alle 
quellenangabe die dem historischen Zusammenhang durchaus wider- 
sprechende behauptung, die Christen hätten damals von den heid- 
nischen behörden ihr leben und ihre freiheit zuweilen mit geld 
abgekauft: „Tres-exceptionnellement les chretiens etaient frappes ä 
mort. Ils avaient de Vargent, ou en savaient trouver dans les res- 
sources de Vassociation. S'ils etaient arretes, ils se rä- 
chet aient". Freilich erzählt Tertullian (De fuga in per- 
secutione cap. 12— 14) ähnliches, aber das bezieht sich auf 
die zeiten des Septimius Severus (reg. 193 — 211) resp. 
auf die jähre 202 ff. und wird auch vom verf. selber später (p. 
212 f.) richtig in diesem sinne aufgefaßt und verwerthet. Die 
schwierige stelle Euseb. Hist. eccl. V, 21 (gleichzeitige hinrichtung 
des christlichen Senators Apollonius und seines anklägers) wird 
ungenügend interpretirt (p. 32 — 40), zum theil deshalb, weil 
Aube noch immer an der authentie des apokryphen toleranz- 
edictes des ersten Antoninus festhält 2 ). — Die partien über das 
christenthum unter Septimius Severus (chap. III: La persecu- 
tion de Severe et la loi de Tan. 202, p. 53 — 141, chap. IV: 
L'Eglise et ses premieres epreuves sous le regne de Septime 
SeVere, p. 142 — 236) bilden den glanzpunkt des Aube'schen 
buches : die reichen schönen wissenschaftlichen ergebnisse stehen 
im richtigen verhältniss zu der stets consequenten schneidigen 
kritik des verf., die hier zuweilen sogar etwas radical sein 
dürfte. Das uns durch Spartianus (Septim. Sever. cap. 17) 
aufbewahrte, gegen jüdische und christliche propaganda ge- 
richtete gesetz des Septimius (Iudaeos fieri sub gravi poena ve- 
tuit. Idem etiam de Christianis sanxit) wird correct interpre- 
tirt (p. 70 ff.). Was zunächst das verbot der jüdischen prose- 
lytenmacherei betrifft, so weist Aube' in Übereinstimmung mit 
dem historischen Zusammenhang unter berufung auf Digest., 
XLVIII, 8, 11 und Iulius Paullus, Eeceptae sententiae V, 22, 
3 et 4 überzeugend nach, daß jenes verbot durchaus kein novum 
in der auf das judenthum bezüglichen gesetzgebung war (p. 73 ff.). 

2) Vgl. meine abhandlung „das christenthum unter kai- 
ser Commodus", „Jahrbücher für protest. theol." X, (1884, het't 2, 
p. 228—268, heft 3, p. 395-434. 



Nr. 2. 30. Kaisergeschichte. 149 

Ich vermisse da die berücksichtigung eines Eus. h. e. VI, 12 erzählten 
speciellen Vorfalles — ein orientalischer christ namens Domninus 
konnte zum israelitischen glauben abfallen (statt zum heiden- 
thum), ohne im mindesten von der Staatsgewalt belästigt zu werden 
— , woraus hervorgeht, daß der kaiser eine förmliche Verfolgung des 
judenthums, das dem Staate ja stets als religio licita et adscita 
galt , gar nicht beabsichtigt hat. Bezüglich des Verbotes dei- 
ch ristlichen propaganda nimmt Aube mit fug ein zweifaches 
an, erstens daß dieses von Spartian erwähnte gesetz das einzige 
antichristliche rescript des imperators ist, und zweitens daß der 
biograph diese Verfügung richtig resumirt hat (dieses gegen die 
völlig willkürliche entgegengesetzte annähme Keim's, „Aus dem 
urchristentlium" p. 197, wo von einem im jähre 202 ergangenen 
absoluten verböte des christenthums durch Septimius die rede 
ist). Ebenso behauptet der verf. (p. 77 f.) mit recht, daß die 
beiden an den römischen stadtpräfecten und die übrigen Statt- 
halter in Italien und in den provinzen gerichteten rescripte, 
worin der kaiser das verbot der theilnahme an einem collegium 
illicitum erneuerte (Digest. I, 12, § 14), zwar die Christen treffen 
konnten, aber keineswegs unmittelbar gegen sie gerichtet waren, 
und nicht minder zutreffend fügt er hinzu: rien ne sera.it plus arbitraire 
que de les rattacher ä l'edit de 202 qui interdit les proselytismes juif 
et chretien. — Die Wirkung des septimianischen christenedictes 
unterschätzt der verf. Der erwägung gegenüber, daß der ener- 
gische Soldatenkaiser kein verbot zur nichtbeobachtung er- 
lassen konnte , erscheint das schweigen darüber bei Tertullian, 
der übrigens als apologet seine gründe hatte, die immerhin christen- 
feindliche Verfügung todtzuschweigen , um den kaiser selber den 
heiden gegenüber als unveränderlichen christenfreund gelten zu las- 
sen, und die nichterwähnung jenes rescriptes in den märtyreracten 
nur als argumentum e silentio. Aube läßt auch unberücksichtigt, 
daß Septimius, der despotische fürst, niemals den majestäts- 
processen — eine wahre klippe für die rechtlosen Christen ! — 
einhält gethan hat. — P. 91 deutet Aube das lacte christiano 
educatus (Tertull. ad Scapulam cap. 4) wohl zu speciell auf eine 
„christliche amme" Caracallas ; daß er christliche gespielen ge- 
habt, läßt sich daraus schließen; aber der Spartian., Antoninus 
Caracallus cap. 1 erwähnte „conlusor puer (des siebenjährigen 
kaisersohnes) ob Tudaicam religionem gravius verberatus" ist nicht der 



150 30. Kaigergeschichte. Nr. 2. 

gewöhnlichen interpretation zufolge, der auch ich früher huldigte, 
mit unserm verf. (p. 91 f.) als christenknabe aufzufassen, sondern 
als jugendlicher proselyt des judenthums 3 ) — Daß es unter Septi- 
mius Severus zu keiner zeit, weder zwischen 197 und 202 noch 202ff., 
zu irgend einer erheblichen Christenverfolgung in Gallien ge- 
kommen ist, dies hat Aube* (p. 96 ff.) vortrefflich nachgewiesen. 
Besonders lehrreich und interessant ist der nachweis (p 96 — 105), 
daß man das martyrium des bischofs Irenäus von Lyon, welches 
ich selbst früher auf 202 ff. datirte, als apokryph anzusehen hat. 
Wichtiger als das schweigen des Tertullian und Eusebius, worauf 
Aube* zu viel gewicht legt, ist der umstand, daß der bezügliche 
bericht des Gregor von Tours (Hist. Franc. I, 27), weil mit 
abenteuerlichen sagenhaften zügen reichlich verbrämt, werthlos 
ist. Was aber das berühmte zeugniß des Hieronymus in 
seinem bald nach 400 verfaßten commentarius Isaiae cap. 64 be- 
trifft (Irenaeus vir apostolicus , episcopus et martyr), so möchte 
Aube das et martyr entweder mit rücksicht auf den umstand, 
daß der kirchenvater in zwei früheren schritten, wo er doch 
des Irenäus gleichfalls mit anerkennung gedenkt , ihm das prä- 
dicat märtyrer vorenthält (De scriptoribus ecclesiasticis und epistola 
ad Theodor am missa), als einglossem eines spätem abschrei- 
bers betrachten oder aber annehmen , Hieronymus hätte das et 
martyr lediglich unter dem eindruck der gerade damals (bald nach 
400) sich ausbildenden tradition über das martyrium des berühmten 
bischofs von Lyon hinzugefügt. Zu gunsten dieser letzteren al- 
ternative beruft sich unser verf. (p. 104) auf die wahrscheinlich 
gerade dem fünften Jahrhundert angehörende pseudojustinische 
schrift Quaestiones et responsiones ad orthodoxos , wo Irenäus mär- 
tyrer genannt wird. Aube" hält es nicht für unwahrscheinlich, 
daß Irenäus in jenem schrecklichen gemetzel ungekommen ist, das 
die truppen des Septimius Severus nach der besiegung des Clo- 
dius Albinus zu Lyon anrichteten , und das unterschiedlos 
heiden wie Christen traf. Hiernach kann also von einem 
martyrium des bischofs in kirchlich - christlichem sinne nicht 
die rede sein. — Die schwierige stelle Tertull. ad Scap. cap. 4 : 
Et nunc a praeside legionis et a praeside Mauretaniae vexatur 
hoc nomen etc. bezieht Aube" (p. 231) mit fug erstens auf einen 



3) S. meinen auf'satz .,d as Jude nthu m im Römerreich" 
Zeitsöhr. für wiseenach. thool. XXVTI (1884), htt, 2, p. 147-155. 






Nr. 2. 30. Kaisergeschichte. 151 

posthumen rest der septiiniauischen Verfolgung im jähre 211 
und zweitens ausschließlich auf afrikani sehe Vorgänge, 
nicht etwa theilweise auch auf eine zu Leon in Spanien insce- 
nirte Christenhetze (vgl. die treffliche iuterpretation dieser stelle 
durch Gams a. a. o. p. 234 f.). — In den abschnitten über 
Alexander Severus (p. 284 — 351) hätte unter den zahl- 
reichen momenten, die unter einem so edlen, christenfreundlichen 
fürsten den Christen vurschub leisten mußten, in erster linie auch 
der umstand betont werden müssen , den aber Aube gänzlich 
übersehen hat, daß Alexander jede anklage wegen maj es tä ts- 
ver brechen untersagte (vgl. Cod. Iust. 1. I ad leg. Iul. maiest. 
a. 224 (X, 8) bei Le Blant , p. 362, note 7: maiestatis crimina 
cessant meo saeculo). Die entscheidende stelle Lamprid. Alex. 
Sev. cap. 22 : Christianos esse passus est ist richtig interpretirt 
(p. 299 f.). Zu p. 332 ist zu bemerken, daß es nicht zwei apo- 
kryphe Alexander- martyrinnen namens Martina und Tatiana 
gibt, sondern daß, was schon Tillemont gesehen hat, beides 
namen einer mythischen heiligen (Martina Tatiana) sind. P. 
332 — 34 7 weist Aube die acta s. Callisti papae sehr geschickt als 
ein elendes gefälschtes machwerk nach , aber es ist unkritisches 
harmonistisches verfahren, wenn er (p. 347 — 350) den Callistus 
auf grund jener acten resp. auf grund einer willkürlichen deutung 
derselben in einem volksau fstand umkommen läßt! Nicht 
minder ist die inkonsequenz zu rügen, mit der Aube zuerst den 
satz aufstellt, die heilige Cäcilia und genossen nebst dem bi- 
schof Urban verdankten ihre historische existenz nur den gänz- 
lich gefälschten acten , und dann dennoch in jenen heiligen ge- 
schichtliche persönlichkeiten erblickt, die vermuthlich in der va- 
lerianischen Verfolgung gelitten hätten (p. 352 — 417). Was 
allein berechtigt, wenigstens in der heiligen Cäcilia eine ge- 
schichtliche persönlichkeit zu erblicken , ist die thatsache , daß 
schon im jähre 499 nachweislich eine kirche ad sanetam Caeci- 
liam in Rom existirte (vgl. Henschenius, Acta Sanct. Boll. s. 14. 
april. p. 203). Die erwähnung der heiligen im Pseudo-Damasus 
um 530 (bei R. A. Lipsius, Chronologie der römischen bischöfe, 
p. 274, nr. XVIII), ist freilich kein beweis, da dort bereits ei- 
nige züge den gefälschten acten entlehnt sind. — In den aus- 
führungen über Maximin I. (p. 418 — 460) finde ich (p. 438 f.) 
den unter jenem kaiser die cappadociachen Christen verfolgenden 



152 31. Römische alterthümer. Nr. 2. 

Statthalter Serenianus (vgl. Firmiliani epistola 75 ad Cyprianum, 
Cypriani opera ed. Hartel) im Widerspruch mit Herodian (ed. 
Irmisch) 1. VI, cap. 9, nr. 14, VII, cap. 1, nr. 7. 10, Capi- 
tolin. Maximini cap. 9 identificirt mit dem Lampr, Alex. Sev. 
cap. 68 erwähnten früheren ratbgeber des Alexander Severus. 
In der schwierigen stelle Origenes, Exhortatio ad martyr. cap. 41 
ed. Lommatzsch 4 ) versteht Aube unter ,,Ffß,a«»t«" nicht etwa 
fälschlich, wie Pagi, eine illyrische Stadt Germania, auch 
nicht, wie S. Basnage, eine orientalische Stadt Germanicea 
in der provinz Euphratesia, sondern richtig „Deutschland", 
wo Maximin krieg führte. — Der versuch Aube"s (p. 467 — 498), 
in Übereinstimmung mit H. Hurt er „Ss. Patrum opera se- 
lecta, vol. IX, Oeniponti 1880, p. 203 f. Annot. 1 ad Vincentii 
Lerinensis commonitorium I, cap. 17, al. 23, und Uhlhorn, 
artikel „Philippus Arabs", Real-encyklop. für protest. theol. von 
Herzog, zweite aufläge, nicht Constantin den großen, sondern 
schon Philippus Arabs (reg. 244 — 249) als den ersten christ- 
lichen kaiser nachzuweisen, der freilich nur heimlich, mehr bloß 
als mensch christ gewesen, ist als verfehlt zu betrachten, da 
die beiden entscheidenden stellen, der brief des Dionys 
von Alexandrien an Hermammon, bei Eus. h. e. VII, 10 und 
Eus. h. e. VI, 34 — das „xasVjffi ?o'joc" bezieht sich nicht nur 
auf die erzählung von der dem Philippus vom antiochenischen 
bischofe zugemutheten kirchenbuße, sondern auch in demsel- 
ben maße auf die angebliche christlichkeit dieses kaisers, — theils 
nicht genügend gewürdigt, theils willkürlich interpretirt werden. 
Vgl. noch Rud. Hilgenfeld, „Römischer Staat und christen- 
thum" Zeitschr. f. wiss. theol. (1881), XXIV, p. 291—331, zu- 
mal 328 ff., sowie meinen aufsatz ,, Christen Verfolgung 
unter kaiser Claudius II", Zeitschr. f wiss. theol. 1884 
(XXVII) hft. 1, p. 37-84 

4) „IJctvkog /Atv Uyiiw El (vgl. I, Corinth. XV, 32) xarä äp&Qw- 
nov l&tiQKtfxdxrjCa li> 'Efiffa)' ij/utl? (fs ' El xaia ä v#q (onov a v y q i- 
&qp iv rtg fiavia". 

Franz Görres. 

31. Ueber die rechtliche grundlage der leges contractus 
bei rechtsgeschäften zwischen dem römischen Staat und privaten 
von Leopold Heyrovsky, privatdocent an der Universität zu 
Prag. Leipzig, Breitkopf und Härtell 881. 8. VIII, 108 p. 3 mk. 



Nr. 2. 31. Römische alterthümer. 153 

32. Die römische grundsteuer und das vectigalrecht. Ha- 
bilitationsschrift von Bernhard Matthias s. Erlangen, Dei- 
chert 1882. 8. III, 84 p. 

Die beiden vorliegenden werke, so verschieden sie ihrem 
hauptzwecke nach sind, treffen doch zusammen in der eingehen- 
den behandlung desselben themas: sind die bestimmuugen des 
privatrechts auf die geschäfte des staatlichen Vermögensverkehrs 
anwendbar oder nicht ? Heyrovsky entscheidet sich für die Ver- 
neinung, Matthiass für die bejahung dieser frage. 

I. Der erstere giebt, indem er sich auf die zeit der republik 
beschränkt, zunächst zu, daß in Rom von alters her eine gleich- 
stellung der privat und Staats -vermögensrechtlichen beziehungen 
insofern stattgefunden habe, als die g r u ndb e gr i f f e des Ver- 
mögensrechts, so weit deren factische Voraussetzungen vorhanden 
sind, auf die römische gemeinde ebenso bezogen werden wie auf 
den einzelnen bürger. Wie bei diesem findet sich auch bei je- 
ner eigenthum, freilassung, forderuug, schuld, erbschaft, vermächt- 
niß : es giebt , wie ein privatvermögensrecht und einen privat- 
prozeß , so auch ein gemeindevermögensrecht und einen admini- 
strativprozeß. Im einzelnen jedoch unterscheiden sich die in- 
stitute des staatlichen Vermögensverkehrs sehr wesentlich von 
den correspondirenden einrichtungen des privatrechts. Eigenthum 
hat zwar der Staat wie der private; aber die privaten formen 
des eigenthumswechsels , mancipation und usucapion , sind dem 
öffentlichen Vermögensrecht ebenso fremd , wie die des beutege- 
winns und der assignation dem privatrecht. Ebensowenig kennt 
das privatrecht das System der occupatio und possessio des öffent- 
lichen bodens. Das nexum und die bürgschafts- und pfandver- 
hältnisse des privatrechts berühren sich gar nicht mit den publi- 
canencontracten und dem ius praediatorium des öffentlichen Ver- 
mögensrechts. Auch sind bei den Vermögensgeschäften des Staats 
mit privaten die für die privaten Willenserklärungen vorgeschrie- 
benen formen nicht erforderlich (p. 15 16). Soweit steht der 
Verfasser auf dem boden der bisherigen forschung. 

Er geht jetzt über auf die leges contractus der magistrate 
d. h. die Vertragsbestimmungen, welche vom magistrat im namen 
des Staates einseitig aufgestellt und durch einfache annähme sei- 
tens des privaten contrahenten rechtsverbindlich werden. Er 
weist nach, rlaß sich dieselben sehr wesentlich von den leges 



154 31. Römisehe alterthürner. Nr. 2. 

contractus der privatverträge hinsichtlich ihrer Wirkungen und 
ihres rechtlichen fundaments unterscheiden. 

1 . Zunächst sind mit den magistratischen leges contractus 
häufig rechts wir kungen verbunden, wie sie durch Verabredun- 
gen zwischen privaten niemals herbeigeführt werden konnten. 

Erstlich ist nämlich für das privatrecht eine Übertragung 
der Obligation außer unter mitwirkung des drittschuldners (no- 
vation) unstatthaft, vielmehr nur eine Übertragung des klagrechts 
(actio) zulässig. Im staatsrechtlichen Vermögens verkehr wird die 
Obligation und ihr klagrecht nicht geschieden , sondern die ma- 
gistratische lex contractus hat die Wirkung, daß ohne mitwirkung 
des staatsschuldners ein directer Übergang der staatlichen forde- 
rung auf den privaten contrahenten vermittelt wird. Der letztere 
erhält einen civilrechtlichen anspruch gegen den staatsschuldner 
(dare debeto), vgl. p. 19 ff. Insbesondere geht durch die lex 
dicta praedibus vendendis die forderung des Staats gegen die prae- 
des auf den praediator unmittelbar über (p. 25). 

Zweitens begründet die magistratische lex contractus bei der 
bonorum sectio für den käufer eine civile universalsuccession (p. 26), 
im gegensatz zu den correspondirenden gleichzeitigen instituten 
des privatrechts. Die bonorum venditio des civilprozesses sei 
wahrscheinlich spätem Ursprungs und nach analogie der staat- 
lichen sectio bonorum eingeführt (p. 39. 105). 

Drittens ging durch die lex dicta praedibus vendendis nicht 
nur das forderungs-, sondern auch das p fandrecht des Staats 
an den gutem der praedes und den praedia subsignata auf den 
praediator über, nur daß dasselbe beim letztem in der form des 
e igen th ums, vergleichbar der privatrechtlichen fiducia, er- 
scheint (p. 44). Dem frühern eigenthümer stand nach getilgter 
schuld gegen den prädiator eine der actio fiduciae analoge obli- 
gatorische klage auf rückgabe der früher obligirten guter zu. 
Eine derartige Wirksamkeit zu gunsten dritter wohnt den ver- 
tragen des altern römischen privatrechts nicht inne (vgl. p. 46). 

Viertens stand den publicanen das pfändungsrecht gegen 
die vertigalienpflichtigen nach der ansieht des Verfassers bloß 
auf grund der Zusicherung desselben in einer lex contractus (cen- 
soria) zu. Eine solche Verabredung , wodurch dem einen con- 
trahenten eine so weitgehende gewalt über dritte personen ge- 
geben wurde, ist dem privatrecht fremd (p. 49). 



Nr. 2. 31. Römische alterthümer. 155 

2. Nicht bloß die Wirkungen, sondern auch die rechtliche 
begründung der magistratischen leges contractus sind grund- 
sätzlich verschieden von denen des privatrechts. Letztere haben 
ihren rechtlichen grund in dem im anschluß an die Injurecession, 
mancipation, den verbal-, real- oder consensualcontract erklärten 
privatwillen, mittelbar in gesetz oder gewohnheit. Der rechtliche 
grund der magistratischen leges contractus hingegen beruhte auf 
dem imperium des beamten, der als träger des allgemeinen willens 
seinen Satzungen, auch wo sie durch die Volksgesetzgebung nicht 
bestätigung fänden, den privaten gegenüber zwingende kraft verlieh. 

Dem sehr scharfsinnigen beweise dieser behauptung einge- 
hend zu folgen, würde hier zu weit führen. Es sei nur im ein- 
zelnen folgendes bemerkt. 

Erstens begab sich der römische Staat zur zeit der republik, 
auch wo er mit einem privaten in verkehr trat, seiner Oberhoheit 
nicht (p. 75). Er spricht mit dem privaten contrahenten, wo es 
sich um die feststellung der leistuugen desselben handelt, in der form 
des gesetzes , im imperativ , während er seine gegenleistung im 
futurum verheißt. Er bindet auch dritte, bei dem vertrage nicht 
betheiligte personen unmittelbar, wie er ihnen rechte gewährt. 
Er behält die Jurisdiction über die richtige erfüllung der ver- 
trage seinen eigenen beamten vor. 

Zweitens erscheint der zur leitung des Staatshaushalts be- 
rufene magistrat als träger des Staatswillens auch ohne mitwir- 
kung der Volksgemeinde. Seine befugniß reicht in dieser hin- 
sieht weit über die des prätors bei der rechtspflege hinaus. Der 
prätor schafft nämlich durch sein edict kein eigentliches recht, 
sondern giebt nur kund, welche grundsätze er bei ausübung der 
rechtspflege beobachten werde. Er kann ferner gerichtlichen 
schütz nur für seinen amtskreis und sein amtsjahr und nur so- 
weit gewähren, als dieser schütz von ihm auch wirklich nachge- 
sucht wurde. — Der magistrat bei besorgung des Staatshaushalts 
jedoch spricht sich in der lex contractus nicht bloß allgemein dar- 
über aus, wie er künftig die ihm obliegenden amtsgeschäf'te füh- 
ren werde, sondern vollzieht unmittelbar das staatliche geschäft, 
zu dessen vornehmen er berufen ist. Seine handlung ist auf eine 
stufe zu stellen nicht mit dem edictum perpetuum, sondern mit 
der vom prätor im einzelnen rechtsstreit auf grund desselben er- 
lassenen entscheidnng. So wie diese ist auch jeder censorische 



156 32. Römische alterthümer. Nr. 2. 

vertrag ein definitiver, schlechthin gültiger staatsact, durch wel- 
chen nicht bloß der betreffende beamte, von dem er ausgegangen, 
sondern auch alle übrigen beamten gebunden sind. Und wie 
es für die rechtskraft des prätorischen decrets nicht darauf an- 
kommt, ob die entscheidung materiell auf dem gesetz beruht 
oder bloß auf magistratischer Satzung, so waren auch die bestim- 
mungen der magistratischen lex contrarius rechtsverbindlich ohne 
rücksicht auf ein volksgesetz. Hieraus erklärt sich, daß dieselben 
schlechthin auch dritte verbinden, ferner daß sie eine civile suc- 
cession bewirkten (p. 61 ff.). 

II. Dem gegenüber behauptet Matthiass, daß der staats- 
rechtliche gedanke nicht nur bezüglich der rechtlichen begrün- 
dung der steuerforderung — auf die es dem Verfasser in erster 
reihe ankommt — sondern auch auf andern gebieten nur in den 
formen des privatrechts leben gewinne (p. 31). Er vermag je- 
doch die mit Scharfsinn und griindlichkeit durchgeführte darle- 
gung von Heyrovsky nicht zu erschüttern. Ob das internatio- 
nale vertragsrecht sich in den formen des privatrechts bewegt 
habe, wie Matthiass behauptet (p. 31), mag dahingestellt bleiben 
und nur an die mitwirkung der fetialen erinnert werden. Aber 
auch dieses zugegeben, so folgt daraus doch nichts gegen die 
ansieht Heyrovskys, der ausdrücklich eine Wechselbeziehung zwi- 
schen dem privatrecht und dem Staatsrecht feststellt. Gänzlich 
verfehlt aber ist der versuch Matthiass', die steuerforderung des 
Staats beim bürgertribut entsprechend der civilrechtlichen sponsio 
auf die professio des Steuerzahlers zu gründen, so bescheiden er 
auch diesen versuch unternimmt (p. 30). Ebensowenig wird man 
ihm beipflichten können, wenn er die Verpflichtung zur Zahlung 
des tributum soll als eine resolutivbedingung für das behalten 
der possessio am ager provincialis und letztere als eine art pre- 
carium construirt. Muß er doch selbst zugeben, daß das privat- 
rechtliche precarium mit der possessio sich nicht deckt (p. 34 ff). 
Was nutzt also solch' eine construetion ! Schließlich hat verf. 
im rückblick (p. 75 ff.) sich von seiner früheren ansieht wesent- 
lich abgewandt und ist Heyrovsky beigetreten. Er sagt näm- 
lich, daß das vectigalrecht , von den begriffen des privatrechts 
ausgehend, neue geschäftsformen entwickelt habe und zwar habe 
die competenz hierzu in der dominirenden gewalt 
des Staates, speziell in der gewalt des beamten 






Nr. 2. '62. Komische alterthümer. 157 

gelegen (Heyrovsky p 81 ff.) vgl. p. 76. Die ganze ab- 
handlung von Matthiass erhält dadurch eine Zwiespältigkeit, wie 
sie durch den character als gelegenheitsschrift entschuldigt 
wird. Will der Verfasser aber die beziehungen des vectigalrechts 
zu verwandten erscheinungen des deutschen rechts erforschen, so 
wäre vielleicht zu erneuter kritik der vorliegenden arbeit zu 
ratheu. Dieselbe würde sicherlich dem Verfasser und der Wis- 
senschaft nutzen bringen. 

Im übrigen enthält die abhandlung von Matthiass eine sehr 
ansprechende darstellung der römischen grundsteuer und des vec- 
tigalrechts, die zwar zu anfang auf der autorität der bisherigen 
Schriften über diesen gegenständ — insbesondere auf Kodbertus 
abhandlung in den Jahrbüchern für nationalökonomie und Stati- 
stik bd. IV — , später aber auf höchst eingehendem, selbstän- 
digem quellenstudium beruht. 

III. Schließlich möchte ich zur frage nach dem Ursprung 
des römischen Steuersystems auf die regulirung des Staatshaus- 
halts in den landstädten hinweisen , die ja im wesentlichen alt- 
latinischer herkunft ist. Hier wurden nach dem gesetz von 
Urso die hauptsächlichsten gemeindelasten, die bauten, soweit die 
erträgnisse aus dem gemeindevermögen zu deren bestreitung nicht 
ausreichten, noch in wahrscheinlich alter weise durch band- und 
Spanndienste (munitiones) ausgeführt. Zu letztern ist nach capitel 
98 des gesetzes von Urso verpflichtet: qui in ea colonia ... do- 
mi eil i um pr aediumv e habebit neque eius coloniae colonus erit, 
. . . uti colonus; sie werden auferlegt in homines singulos puberes 
und in iumenta plaustraria. 

Diese munitiones stehen in strengem gegensatz zu den auf 
dem bür gerrecht beruhenden persönlichen gemeindelasten 
d. h. der Verpflichtung zur Übernahme von höhern und niedern 
gemeindeämtern. Dieser gegensatz pflanzt sich in der kaiserzeit 
fort in der Scheidung der munera personarum und der munera pa- 
trimonii oder intributiones . Letztere ruhen jetzt ausschließlich auf 
dem grundbesitz und zeigen im einzelnen den fortschritt zur 
Steuer, die statt der band- und Spanndienste geleistet wird (viae 
collatio, cloacarium, pro aquae forma). Wie weit die militärpflicht 
der Verpflichtung zu den munitiones entsprechend begründet ist, läßt 
sich aus kap. 103 des Ursonnensischen gesetzes — coloni incolaeque 
contributi — nicht mit gewißheit feststellen. W. Ohnesseit. 



158 33. Römische literatur. Nr. 2. 

33. Geschichte der römischen litteratur von W. S. Teuf fei. 
Vierte aufläge bearbeitet von L. Schwabe. Leipzig, druck und 
verlag von B. G. Teubner 1881—82. XVI und 1238 p. 14 mk. 

Die Vorzüge der Teuffelschen litteraturgeschichte, übersicht- 
liche eintheilung , klare und bündige , meist treffende urtheile, 
reiche litterarische nachweise, sind allbekannt und brauchen bei 
der vierten aufläge nicht eigens noch gerühmt oder bewiesen zu 
werden: sie erheben das buch zwar nicht zu dem bedeutendsten, 
aber doch praktisch brauchbarsten werke über die römische lit- 
teratur. Ebenso wenig ist aber auch bei der anzeige der von 
L. Schwabe bearbeiteten neuen aufläge eine erörterung darüber 
am platze , ob nicht eine andere eintheilung und bekandlung, 
die systematische , welche eine tiefere auffassung der litteratur- 
geschichte zur Voraussetzung hat und eine pragmatische darstel- 
lung ermöglicht , wie sie Bernhardy gegeben , den vorzug ver- 
diene vor der von Teuffei gewählten chronologischen anordnung, 
welche eine mehr äußerliche auffassung und darstellung begün- 
stigt: in dieser beziehung war Schwabe, dessen arbeit hier be- 
urtheilt werden soll , unbedingt an die einrichtung seines Vor- 
gängers gebunden und konnte und durfte nichts ändern. Es 
kann sich hier nur darum handeln, in wie weit Schwabe seiner 
aufgäbe gerecht geworden, etwaige mängel und versehen im ein- 
zelnen zu beseitigen und die literarhistorischen forschungen und 
die fortschritte unserer kenntnisse seit dem erscheinen der dritten 
aufläge allseitig zu verwerthen. Daß das letztere in sorgsamer 
weise geschehen , davon zeugen zahlreiche artikel und sind ein- 
zelne belege unnöt.hig. Die nämliche Sorgfalt finden wir aber 
überhaupt verwandt auf die berichtigung irriger oder zweifel- 
hafter ansichten und behauptungen Teuffels, so wie auf die Ver- 
besserung des ausdrucks. Es ist hier häufiger auch im kleinen 
korrektur nöthig gewesen, als es vielleicht auf den ersten blick 
scheinen könnte. So sind beispielsweise consequenter als früher 
neben den jähren a. u. c. die jähre vor Christi geburt hinzuge- 
fügt , § 9 am Schlüsse „die lateinische spräche plebejisch 
gehalten", „lateinische" als überflüssig gestrichen ; § 1 3 Teuffei 
„die poetische kraft der gestaltung solcher stoffe war 
bei ihnen doch nicht vorhanden", Schwabe genauer „die fähig- 
keit zur poetischen gestaltung"-, § 16 anmerk. 6 Teuffei: „die 
musikbegleitung erfolgte tibiis paribus etc." , Schwabe zur vermei- 



Nr. 2. 33. Römische literatur. 159 

dnng des mißversf ändnisses , als rühre die musikbegleitung von 
dem dichter selbst her: „ein musiker lieferte die beglei- 
tung. Sie erfolgte etc."; § 67 über die tabulae Iguvinae ist als 
nicht hierher gehörig gestrichen; § 94 anmerk. 7 hatte Teuffei 
aus den Worten : quia is et scribebat fabulas et agebat einen un- 
berechtigten schluß auf die lebenszeit des Livius Andronikus ge- 
zogen , Schwabe tilgte die bemerkung; § 134, 11 läßt Teuffei 
unentschieden, ob das Vorbild der vokalgemination, welche Accius 
in das latein einzuführen versucht hat, im oskischen oder grie- 
chischen zu suchen sei, Schwabe übergeht die letztere ver- 
muthung einfach mit stillschweigen ; § 156, 4 wird die angeb- 
liche thätigkeit des historikers Sisenna als Plautuserklärer bei 
Schwabe mit recht geläugnet ; § 170, 9 Vicellius und Fonteius 
über etruskische disciplin bei Schwabe neu hinzugekommen ; 
§ 185 und 186 sind die handschriften der philosophischen werke 
Cicero's viel eingehender und gründlicher behandelt; § 200, 3 
ist die sehr unsichere vermuthung bezüglich des Scribonius Aphro- 
disiensis gestrichen; 214, 6 über Catull's gedichte hat eine er- 
weiterung erfahren; § 219, p. 428 ist in der anmerk. 4 eine 
zwar sehr kurze, aber nothwendige bemerkung über die bedeu- 
tung der inschriften der kaiserzeit hinzugefügt ; p. 431 anmerk. 4 
ist auf die eigentümliche und interessante thatsache aufmerksam 
gemacht, daß unter den pompejanischen wandinschriften bis jetzt 
keine stellen aus Horaz gefunden worden sind; § 220, 4 ist 
über das monumenttim Ancyranum weit eingehender gehandelt, 
ebenso § 221, 3 über das geschichtswerk des Asinius Pollio, 
234, 6 über die abfassungszeit der gedichte des Horaz , 245, 7 
über die handschriften des Tibull ; 254, 5 über die Priapea ist 
neu hinzugekommen , während diese gedichte bei Teuffei incon- 
sequenter weise bereits in dem allgemeinen theile abgehandelt 
worden waren § 34, 2 ; erweiterung l ) haben wieder erfahren 
266, 6 über die sogenannte spruchsammlung des Sextus, 313, 6 
über die handschriften der nat. hist. des Plinius, 331, 1 und 2 
über die lebensschicksale Juvenals; hier äußert sich Schwabe 
bei der ungewissen grundlage unserer nachrichten mit recht vor- 
sichtiger; 333, 1 entscheidet sich Schwabe ebenfalls mit recht 

1) Es sind hier nicht solche erweiterungen gemeint, welche erst 
in folge neuerer nach dem erscheinen der dritten aufläge angestellter 
Forschungen möglich wurden. 



160 33. Kölnische literatur. Nr. 2. 

für den vornamen Publius bei Tacitus; 340,10 handelt er ein- 
gehender über die handschriften der briefe des jüngeren Plinius; 
421, 4 hatte Teuffei behauptet, Ausonius sei ursprünglich heide 
gewesen, und später zum christenthum übergetreten vielleicht bei 
seiner berufung an den hof, vielleicht in der jugend durch den 
einfluß frommer tanten. Statt diese ungegründeten vermuthun- 
gen zu wiederholen begnügt sich Schwabe damit , den thatsäch- 
lich vorhandenen gegensatz zwischen dem äußerlichen christen- 
thum und der durchaus antiken bildung , denk- und ausdrucks- 
weise des dichters zu constatieren; 423, 2 äußert sich Schwabe 
ebenfalls mit recht zurückhaltender über die frage, ob ein grie- 
chisches original des Diktys wirklich existirt habe, Teuffei ist 
viel mehr geneigt, die existenz eines solchen zu läugnen. 

Daß sich die sorgfältige revision auch auf formale kleinig- 
keiten erstreckte, beweisen z. b. stellen wie § 137, 6 Teuffei: 
„interesse für prodigien", Schwabe: „interesse für traumdeu- 
tung, Vorzeichen"; 162, 5 Teuffei: „akrisie", Schwabe: 
„urtheilslosigkeit"; 238, p. 494 Teuffei: „trichoto- 
misch", p. 488 Schwabe: „in drei theile"; §272 Teuffei: 
„Vespasian und Titus — werden zu bald gefolgt von dem 
bösartigen wütherich Domitian", Schwabe „werden zu bald in 
der regierung abgelöst", aber weshalb nicht auch 147, 3: 
„worin zehn palliatendichter aufgezählt werden in einer überaus 
wunderlichen reihenfolge" statt „in einer überaus wunder- 
lichen lokation", oder 186, 1 p. 333 „dafür, daß das werk 
sich ursprünglich auf sechs bücher erstreckte" statt „für die ur- 
sprüngliche erstreckung auf sechs bücher", oder 195,7 „den 
er — als eine lächerliche person hinstellte und an dem er 
nichts gutes ließ" statt „den er — hinstellte und nichts gutes 
an ihm ließ". So werden sich noch manche kleinigkeiten finden, 
welche der Verbesserung bedürfen. In sachlicher beziehung sind 
dem ref. unter anderen folgende bedenken aufgestoßen : § 2 be- 
darf die behauptung „die schriftsteiler waren lange zeit fremde, 
wenig geachtet und mit der armuth ringend" mit rücksicht auf 
die historische literatur doch der einschränkung ; 16, 6 : der ge- 
wöhnlichen, auch von Schwabe noch vertretenen ansieht, daß die 
tibiae sinistrae den höheren ton gehabt, tibiae dextrae den tieferen, 
steht entgegen Plin. Nat. hist. XVI, 172, vgl. Dziatzko zu Ter. 
Phormio p. 23; §19: statt „für das epos günstig war der trieb 



Nr. 2. 33. Komische Literatur. 161 

der Körner auf das erhalten" genauer: „für das historische 
eposetc"; §25 „(Horaz) ve r handelte (doch wohl „b e handelte") 
in seinen späteren lebensjahren fragen des lebens und der litte- 
ratur in wirklichen briefen in epischen maßen" richtiger gewiß 
„in briefform", jedenfalls sind diese briefe nicht nur für den 
adressaten, sondern auch für ein größeres publikum bestimmt ge- 
wesen, § 28 : „da derjenige welcher — mit glänzender begabung 
in der weise des Lucilius weiter arbeitete, Horaz, mit nachdruck 
dieselbe richtung verfolgte , jedoch ausschließlich nach der Seite 
des socialen und litterarischen lebens etc." ; um mißverständnisse 
zu vermeiden, ist der zusatz nothwendig, daß auch die schärfe 
der persönlichen satire des Lucilius bei Horaz wegfällt ; § 29 : 
„im ganzen kannten die Körner das landleben zu genau, als daß 
sie es idealisirt hätten": der grund , weshalb den Kömern das 
idyll ziemlich fremd blieb , ist vielmehr darin zu suchen , daß 
in der zeit , wo die Kömer in folge ihrer eifrigen beschäftigung 
mit der griechischen litteratur sinn für das idyll hätten bekom- 
men können, die ländlichen Verhältnisse Italiens sich in einer 
so trostlosen Verfassung befanden, daß sie dieselben nicht füglich 
idealisiren konnten, § 35: „die Verarmung von formenlehre 
wie syntax beginnt schon in dieser zeit (d. h. in dem ersten 
Jahrhundert der kaiserzeit") : bezüglich der syntax ist eher das 
gegentheil der fall, § 36: „die ältesten geschichtschreiber zogen 
es sogar vor , griechisch zu schreiben , hauptsächlich wohl , weil 
das lateinische für schriftliche darstellung noch wenig ausgebil- 
det war, aber gewiß zugleich, um die künde des geschehenen 
im engern kreise der patricier zu halten": zu den 
ältesten geschichtschreibern gehört doch auch der plebejer 
Cincius Alimentus (wonach auch anmerk. 3 zu berichtigen), also 
muß mindestens statt „patrizier" „gebildeten" gesetzt werden ; 
übrigens findet sich für die vermuthung von einer art geheim- 
haltung der thaten des römischen volkes in einem engeren 
kreise unseres wissens nicht der geringste anhält; § 93, p. 138 
muß die bezüglich der älteren dramatischen dichter ausgespro- 
chene behauptung „die positionslänge haben sie kaum aner- 
kannt" in dieser allgemeinheit geradezu als unrichtig bezeichnet 
werden. Am Schlüsse dieses abschnittes begegnen wir der be- 
hauptung „von den vokalen schrieb man in den casus- und 
verbalendungen vor den jähren 520/234 außer a nur o 
Philol. Anz. XV. 11 



162 33. Römische literatur. Nr. 2. 

und e" •, es ist dies allerdings schon eine Verbesserung der ganz 
falschen behauptung Teuffels „von den vokalen chrieb man vor 234 
außer a nur o und e" ; hiernach müßten die alten Römer gar 
kein u und i gekannt haben! aber, was die endungen 
betrifft, hat es denn nicht bereits vor 234 eine u - deklination, 
eine ^-deklination und -konjugation gegeben? vgl. ferner borid 
loucarid violasit louci piacli auf den ältesten iuschriften , placari 
auf der uralten Dueuusinschrift ; § 97 wird über den Miles glo- 
riosus des Plautus geurtheilt: „im ganzen wohl angelegt und 
heiter ausgeführt", aber gerade die anläge des Stückes hat zu 
den stärksten bedenken anlaß gegeben, vgl. jetzt die zweite 
aufläge der ausgäbe von Brix ; bei der erwähnuug des Trucu- 
lentus vermißt mau eine bemerkung über den auffallend stark 
verdorbenen text , in welchem er uns überliefert ist; 109 ist bei 
der erwähnung des Donatuscommentars nachzutragen , daß wir 
keine scholien zum hautontimor. besitzen-, es würde sich überhaupt 
vielleicht empfehlen, auch die von bekannten grammatikern 
herrührenden scholiensammlungen , also des Donat , Porphyrion 
und Acron , Servius bei den commentirten Schriftstellern selbst 
eingehender zu behandeln; 127, 3 wird erwähnt, daß der söhn 
des Africanus maior augur war, eher verdiente erwähnung, daß 
er die würde des flamen Dialis bekleidete, eine angesehene, aber 
politisch einflußlose Stellung , was offenbar mit seiner kränklich- 
keit zusammenhängt; 162 ist bezüglich der Charakteristik des 
Cornificius nicht unwesentlich zu bemerken, daß er sich in sei- 
nem werke als eifrigen anhänger der Gracchen und gegner der 
aristokratie zeigt, vgl. IV, 22, 31 das letzte beispiel der adno- 
minatio, IV, cap. 45 das beispiel der demonstratio : so etwas würde 
Cicero nun und nimmer geschrieben haben; p. 265 wird Vale- 
rius Cato mit iinrecht der zeit nach v o r Lukrez gesetzt ; §167,2 
hat Schwabe die von Teuffei citirten worte Schweglers über 
die etymologieen Varros gestrichen , in folge dessen vermis- 
sen wir aber nicht nur die begründung der vorhergehenden 
vermuthung, daß Verrius Flaccus Varro's werk de L. Lat. viel- 
leicht mißachtete , sondern es fehlt nun auch ein zwar nicht 
empfehlendes , aber doch charakteristisches merkmal der gram- 
matischen anschauungsweise Varro's; 179, 14 wäre bezüglich 
der rede de imperio Cn. Pompei die schulmäßige disposition zu 
erwähnen; 198, 6 und 7 nimmt Schwabe wie Teuffei für das 



1 



Nr. 2. 33. Komische literatur. 163 

werk de excellentibus ducibus exterarum gentium ohne jedes bedenken 
Nepos als Verfasser in anspruch , während die sache doch noch 
immer zweifelhaft ist , jedenfalls paßt die berufung auf Jen mit 
der feder nicht vertrauten Vitruv und vollends auf die litera- 
risch ganz ungebildeten Verfasser des bellum Africanum und Hispa- 
niense nicht; §212 hätte erwähnung verdient, daß die fragmente 
des Varro Atacinus einen wesentlichen fbrtschritt in der technik 
des hexameters über Ennius hinaus bekunden ; 228, 1 könnten 
auch noch die inneren gründe augedeutet werden, welche für 
die thatsache sprechen, daß Vergil die ausarbeitung der Aeneis 
an verschiedenen enden angegriffen hat, auf diesen punkt bezieht 
sich auch die erst unter nr. 4 erwähnte programmabhandlung 
von Conrads; 235, 6 wird die mangelhafte bekauntschaft des 
Horaz mit der römischen gesclnchte , welche der libertino patre 
naius nicht mit der muttermilch eingesogen , hervorgehoben , es 
ist aber überhaupt mancher unrömische zug in dem wesen und 
Charakter des Horaz , so tritt z. b. in der Schilderung des be- 
haglichen lebens fern von allem ehrgeiz der gegensatz zu der 
echt römischen anschauungsweise sehr scharf hervor. Daß übri- 
gens Horaz den altern und Jüngern Afrikanus miteinander ver- 
wechselt habe, ist ganz unglaublich und stützt sich nur auf die 
höchst unsichere stelle in der achten ode des vierten buches. 
Freilich behauptet Schwabe (nach Hertz) , daß Horaz dies auch 
Sat. II, 1, 71 gethan , aber hier ist der irrthum auf Seiten der 
deutschen gelehrten , nicht des römischen dichters , vgl. Cic. de 
or. II, 6, 22, eine stelle, die Lainbin bereits citirt hat; die von 
Hertz angeführte stelle Cic. de off. III, 2 hat mit den worten 
des Horaz gar nichts zu schaffen; 248, 3: die sechs letzten he- 
roiden kann Ovid nicht in späteren jähren, d. h. in seiner Ver- 
bannung geschrieben haben, dazu fehlte ihm sicher die neigung; 
es wird wohl nichts übrig bleiben, als dieselben dem dichter ab- 
zusprechen ; 256, 5 ist die polemik gegen Teuffei, daß Livius 
sein werk wohl bis zum tode des Augustus in 150 büchern habe 
führen wollen , verfehlt : Livius hat allem anschein nach noch 
nach dem tode des Augustus an dem unvollendet gebliebenen 
j werke gearbeitet und konnte es dann so einrichten, daß er mit 
I dem 150. buche zum abschlusse gekommen sein würde; daß er 
von vorn herein das werk auf 150 bücher augelegt habe, ist 
niemanden eingefallen zu behaupten ; 279 beginnt mit den worten : 

11* 



164 83. Römische Literatur. Nr. 2. 

„auf gleicher höhe des servilismus (mit Vellejus), nicht aber des 
talentes steht Valerius Maximus". Ohne den Vellejus von star- 
ker Schmeichelei freisprechen zu wollen , kann man doch be- 
haupten, daß ihm durch die einfache gleichstellung mit Valerius 
Maximus unrecht geschieht: Vellejus hat nicht, wie Valerius, 
die schlimme regierungsperiode des Tiberius gesehen und ist 
als soldat seinem feldherrn treu ergeben (wer denkt dabei nicht 
an die Veteranen Napoleons I?), ein umstand, der uns bis zu 
einem gewissen grade mit seiner haltung aussöhnt , für Valerius 
liegen ähnliche milderungsgründe nicht vor; 303 vermissen wir 
bei der Charakteristik der Pharsalia des Lukan die bemerkung, 
daß das epos durchaus prosaisch angelegt und durchgeführt 
ist, dies möchten wir als den hauptmangel bezeichnen, den Lukan 
durch rhetorische und pathetische darstellung zu verdecken suchte; 
bei Valerius Fl accus hingegen würden wir die poetische 
begabung hervorheben , er ist in dieser beziehung der bedeu- 
tendste der nachklassischen epiker ; 320, 4 hätte noch erwäh- 
nung verdient, daß bei Silius Italicus die römischen und kartha- 
gischen anführer im einzelkampf wie die homerischen beiden auf- 
treten und ebensogut ihre ngtaielat haben. Ohne zu den mo- 
dernen Verächtern des Tacitus zu gehören , nehmen wir doch 
mit rücksicht auf seine beurtheilung des Tiberius anstand, zu 
unterschreiben , was Teuffei Schwabe von ihm rühmen p. 763 : 
,,er entwickelt in der charakterzeichnung und psychologischen 
analyse eine meisterschaft ohnegleichen"; 333,6 wird als erstes 
amt des Tacitus das kriegstribunat angesehen, die sache ist be- 
kanntlich streitig, aber die behauptung Schwabe's, daß Tacitus 
frühestens 80 quästor gewesen, setzt als frühestes geburtsjahr 55 
fest , es steht jedoch nichts im wege , 54 oder allenfalls 53 als 
solches anzusehen, so daß Tacitus auch 79 quästor gewesen sein 
könnte. Bezüglich der abfassungszeit der annalen werden auch 
von Schwabe die bekannten worte Ann. II, 61 angeführt, uns 
ist es aber nie begreiflich gewesen , wie eine bemerkung über 
die erweiterung der südgrenze des reiches mit der rückgabe der 
eroberungen an der ostgrenze hat in Verbindung gebracht wer- 
den können. Doch wir brechen ab, in einem werke wie das 
vorliegende, können naturgemäß eine reihe von kleinigkeiten be- 
denken erregen oder correktur erheischen ohne den wesentlichen 
werth zu beeinträchtigen: wir freuen uns, daß dasselbe nach dem 



Nr. 2. 34. Comenius. 165 

tode des verdienstvollen Verfassers in Schwabe einen so tüchtigen 
bearbeiter gefunden hat. 

34. Richard Hill er, die latein-methode des J. A. Co- 
menius. Separat - abdruck der wissenschaftlichen beilage zum 
dreizehnten Jahresberichte über das königl. schullehrer - seminar 
zu Zschopau 1882/83. Zschopau 1883. 46 p. 8. 

Die methode des lateinunterrichts nach Comenius darzu- 
stellen und zu beurtheilen, ist die aufgäbe des Hillerschen Pro- 
gramms. Dieselbe „kann man nur verstehen und würdigen, 
wenn man den ganzen manu kennt ; denn auch sie ist nur ein 
ausfluß, eine consequenz seiner gesammtanschauung" (p. 4). Da- 
her gibt der verf. im ersten abschnitt (p. 4 — 9 „die psycholo- 
gisch pädagogische grundlegung zur latein-methode des Come- 
nius") eine gedrängte darstellung der pädagogischen ideen des 
Comenius, soweit deren kenntniß zur Würdigung seiner methode 
im Sprachunterricht nöthig ist. Der zweite abschnitt (p. 9 bis 
zum Schluß, „die methode des Comenius für den lateinunterricht 
selbst") gibt : ,,A. Die allgemein gültigen regeln bei erlernung 
der sprachen überhaupt" (p. 10). „B. Werthschätzung und 
zweck der lateinischen spräche nach Comenius" (p 12). „C. 
Die Ursachen des bisherigen mißerfolgs des lateinunterrichts und 
die versuche einer Verbesserung der methode" (p. 13). „D. Die 
theoretische darlegung der methode des Comenius" (p. 14). „E. 
Skizzierung der nöthigen Schulbücher durch Comenius" (p. 22). 
„F. Die von Comenius verfaßten Schulbücher" (p. 31). „G. Das 
Unterrichtsverfahren des Comenius" (p. 44). ,,H. Einige beur- 
theilungen der latein-methode des Comenius". 

Man muß dem verf. dank wissen für den fleiß, mit dem er 
alles auf den lateinunterricht bezügliche aus den werken des 
Comenius zusammengesucht und übersichtlich zusammengestellt 
hat. Auch die in betracht kommende litteratur ist in gebüh- 
render weise benutzt und p. 2 mit anerkennenswerther genauig- 
keit verzeichnet. Die darstellung leidet stellenweise an einer 
gewissen breite, die selbst in den oben angeführten capitelüber- 
schriften zu tage tritt. Gewonnen hätte die arbeit ohne zweifei, 
wenn der verf. Comenius in seinem Verhältnis zu den Vorgän- 
gern und gleichzeitigen pädagogen gezeigt hätte. 

Die ausstattung ist gut Tind der druck im ganzen correkt. 
P. 2 oben darf es natürlich nicht 1617 heißen. P. P. 



166 Bibliographie. Nr. 3. 

Bibliographie. 

Ausgegeben : Bibliotheca philologica oder geordnete Über- 
sicht aller auf dem gebiete der classischen alterthumswissenschaft 
wie der altern und neuern Sprachwissenschaft in Deutschland und 
im ausländ neu erschienenen bücher, herausgegeben von Max 
Heyse. Jahrgang XXXVII, erstes heft, jauuar bis juni 1884. 
Vandenhoeck u. Euprecht. Göttingen 1884. 

Am 5. januar 1885 verstarb in Berlin Georg Ernst Reimer 
im 81. jähre: als buchhändler jedem philologen rühmlichst be- 
kannt, hat er auch in mancherlei ämtern sich Verdienste erwor- 
ben , welche Berliner Zeitungen in anerkennenden nachrufen 
dankbar hervorheben. 

Aus den mittheilungen der Verlagsbuchhandlung B. G. Teubner 
1884, nr. 6 heben wir hervor: Lexicon Aristophaneum compo- 
suerunt O. Kaehler et O. Bachmann •, Catulli Veronensis liber. 
Kec. et interpretatus est Aem. Baehrens vol. II ; auch mit dem 
titel : Commentarius in Catullum. Scr. Aem. Baehrens; Martialis 
Epigrammata edidit Walth. Gilbert; Metrik der Griechen und 
Römer für die obersten klassen der gymnasien und angehende 
Studenten der philologie bearbeitet von Lucian Müller, 2. aufläge. 

In Ronen wurde, wie die Vossische ztg. v. 12 jan. 1885 
mittheilt, auf der universitäts - bibliothek ein brief des prior der 
Sorbonne, Fischer, aus dem jähre 1470 aufgefunden, der über 
die einführ ung des buchdrucks in Paris durch die 
Deutschen Martin Kranz, Ulrich Gering und Michel Freiburger be- 
richtet und angiebt, daß diese drucker sich als lehrlinge Guten- 
bergs und diesen ausdrücklich als erfind er des buchdrucks 
bezeichneten. Das dokument ist für Gutenbergs anspräche zu 
beachten. 

Versendet ist von der Verlagsbuchhandlung R. Voigtländer 
in Kreuznach ein verzeichniß von novitäten, darunter J. C. Andrä 
heroen, griechische heldensagen 

Verzeichniß der wichtigeren publicationen auf dem gebiete der alter- 
thumswissenschaft 1885. II. 
Deutschland. Oesterreich. Schweiz. 

39. Aischylos übers, von Joh. Gust. Droysen. 4. umgearb. aufl. 
Berlin, Hertz 1884. 8. DL 476 p. 6 mk. 

40. Busch, Wilh., de bibliothecariis Alexandrinis qui feruntur 
primis. Diss. Schwerin, (Leipzig, Fock) 1884. 8. 56 p. lmk. 50pf. 

41. Carstens, C, de accusativi usu Euripideo. Diss. Jena, (Pohle) 
1884. 8. 85 p. 1 mk. 50 pf. 

42. Caesnris, C. Iulii, commentarii de bello Gallico. In usuin 
scholl, rec. et verborum indicem tabulamque Galliae antiquae add. 
Mich. Gitlbuuer. Pars I. Freiburg i. Br., Herder 1884. 8. VII, 130 
und 114 p. 1 mk. 20 pf. 

43. Comicorum Atticorum fragmenta. Ed. Theod. Koch. Vol. II. 
Novae comoediae fragmenta. Pars I. Leipzig, Teubner 1884. 8. 
582 p. 14 mk. 

44. Cur/ins, E. u. J. A. Kaupert, karten von Attika. Auf veran- 



Nr. 3. Bibliographie. 167 

lassung des kaiserlich deutschen archäologischen instituts und mit Un- 
terstützung des königl. preuß. ministeriunis der geistlichen-, unterrichts- 
und naedicinalangelegenheiteu aufgenommen durch Offiziere und be- 
amte des königl. preuß. großen generalstabes mit erläut. text. 3. hft., 
5 karten. Berlin, D. Reimer 1884. fol. 12 mk. 

45. Dombart, Bernhard, Commodian-studien. Wien, Gerold's söhn 
1884. 8. 92 p. (Aus sitzungsber. d. Wiener akad.). 

46. Eucken, Rud., Aristoteles anschanung v. freundschaft u. von 
lebensgütern. Berlin , Habel 1884. 8. 44 p. (Virchow's u. v. Hol- 
tzendorffs Sammlung gemeinverständl. wissenschaftl. vortrage hft. 452). 

47. Euripides Iphigenie in Taurien. Textausgabe für schulen v. 
Chph. Zieyler. 2. aufl. Mit einem anhang enthaltend neue verglei- 
chungen des cod. Laurent. 32, 2 und Vaticanus Palat. 287 und krit. 
bemerkungen. Freiburg i. Brsg. 1884, Mohr. VI, 74 p. 1 mk. 

48. Eusebü canonum epitome ex Dio7iysii Telmaharensis ebronico 
petita sociata opera verterunt notisque illustrarunt Carolus Siegfried 
et Hernie. Geher. Leipzig, Teubner 1884. 4. VIII, 94 p. 6 mk. 

49. Eutropii breviarium ab urbe condita ed. Carolus Wagener. 
Leipzig, Freytag 1884. 8. VIII, 90 p. 1 mk. 20 pf. 

50. Finster, Georg, aus der mappe eines fahrenden. Bilder aus 
Italien und Griechenland. Frauenfeld, Huber 1884. 8. VIII. 337 p. 4 mk. 

51. Forchhammer, P. W. , erklärung der Ilias auf grund der in 
der beigegebenen originalkarte von Spratt und Forchhammer darge- 
stellten topischen und physischen eigenthümlichkeiten der troischen 
ebene. Ein beitrag zur erledigung der homerischen frage. Kiel 1884, 
von Maack in Comm. 8. XI, 163 p. 10 mk. 

52. Fraenkel, Arthur, studien zur römischen geschiente. Heft 1: 
der amtsantritt der römischen consuln während der periode 387 — 532 
d. st. — Das verhältniß des römischen kalenders zum julianischen 
während des Zeitraums 410-552 d. st. Breslau, Kern 1884. 8. VIII, 
136 p. 5 mk. 

53. Gerhard, Ed., etruskisehe spiegel. 5. bd. Im auftrage des 
kais. deutschen archäolog. instituts bearb. von A. Kläffmann und G. 
Körte. 2. hft. Berlin, G.Reimer 1884. 4. p 17— 24 u. 10 taff. 9 mk. 

54. Gigantomachie, die, des pergamenischen altars. Skizzen zur 
Wiederherstellung derselben entworfen von Alex. Tondeur, erläut. von 
Adf. Trendelenburg. 6 lichtdrucktafeln. Mit text. Berlin, Wasmuth 
1884. 8. XX, 76 p. 24 mk. 

55. Gregor'i l'ulamae archiep. Thessalonicensis prosopopoeia ani- 
mae aecusantis corpus et corporis se defendentis cum iudicio. Aureo- 
luni libellum philologis philosophis et theologis aeque commendabilem 
post. Adr. Turne' nun graece denuo separatim editum emendavit ad- 
notavit et commentariolo instruxit Alb. Jahn. Halle, Pfeffer 1884. 8. 
XII, 61 p. 2 mk. 75 pf. 

56. Herodoti historiae. Ad recens. suam recogn. Henr. Stein. 
2 voll. Berlin, Weidmann 1884. 8. IV, 366, 389 p. 5 mk. 40 pf. 

57. Hesiodi quae feruntur omnia rec. Alois Rzach. Accedit cer- 
tamen quod dicitur Homeri et Hesiodi. Leipzig, Freytag 1884. 8. 
XVI, 264 p. 3 mk. 

58. Homers Odyssee erkl. v. I. U. Faesi. Bd. 2, ges. VII — Xn. 
8. aufl. besorgt von G. Hinrichs. Berlin, Weidmann i884. 8. 236 p. 
1 mk. 80 pf. 

59. Horatius Flaccus, Q., erkl. v. Adf. Kießling. 1 thl. : öden 
u. epoden. Berlin, Weidmann 1884. 8. XXVIII, 396 p. 3 mk. 

60. Iamblicki de vita Pythagorica liber. Ad fidem codicis Flo- 
rentini rec. Aug. Navck. Accedit epimetrum de Pythagorae aureo 
carmine. Petrop'oli. (Leipzig, Voß) 1884. 8. LXXXV1, 369 p. 2 taff. B mk. 



168 Bibliographie. Nr. 3. 

61. Kariowa, Otto, römische rechtsgeschichte. Bd. I: Staatsrecht 
u. rechtsquellen. Hälfte 1. Leipzig, Veit u. co. 1885. 8. 400 p. 10 mk. 

62. Keil, Bruno, Analecta isocratea. Prag, T erupsky ; Leipzig, 
Frey tag 1885. 8. XII, 160 p. 4 mk. 

63. Kiepert, H. , karte von Lykia. Nach den ergebnissen der in 
den jahren 1881 — 82 ausget'. österr. expedition — — 1:30000. 2 bl. 
Wien, Gerold 1884. 8. 12 mk. 

64. Klotz, Rieh., studia Aeschylea. Leipzig, Hinrichs 1884. 4. 
36 p. 1 mk. 60 pf. 

65. Lange, Ludw., de XXIV annorum cyclo intercalari commen- 
tatio. Leipzig, (Hinrichs) 1884. 4. 23 p. 1 mk. 20 pf. 

66. Lincke , Ernst Martin , de elocutione Isaei. Diss. Leipzig, 
(Fock) 1884. 8. 61 p. 1 mk. 20 pf. 

67. Marx, Anton, de S. Propertii vita et librorum ordine tern- 
poribusque. Diss. Leipzig, (Fock) 1884. 8. 84 p. 1 mk. 50 pf. 

68. Neumann, Carl , geschichte Roms während des Verfalles der 
republik. Bd. 2: von Sulla's tode bis zum ausgange der catilinari- 
schen Verschwörung. Aus seinem nachlasse hersgeg. von Cr. Faltin. 
Breslau, Koebner 1884. 8. VII, 812 p. 7 mk. 

69. Ovidii Nasonis, P., carmina edd. H. St. Sedlmayer, A. Zin- 
gerle, O. Güthling. Vol. III: Fasti Tristium libri Ibis Epistulae ex 
Ponto Halieutica fragmenta. Scholarum in usuni ed. Otto Güthling. 
Leipzig, Freytag 1884. 8. LXVI, 354 p. 2 mk. 

70. Phaedri Augusti liberti fabulae Aesopiae. Ed. Alex. Riese. 
Leipzig, Tauchnitz 1885. 8. X, 72 p. 45 pf. 

71. Sailustii Crispi C. bellum Catilinae rec. Aug. Scheindle.r. 
Leipzig, Freytag 1885. 8. VIII, 33 p. 

72. — — bellum lugurthinum rec. Äug. Scheindler. Ibid. VII, 
64 p. 50 pf. 

73. Seelmann, Emil, die ausspräche des latein nach physiologisch- 
historischen grundsätzen. Heilbronn, Oenniges 1885. 8. XV, 397 p. 8 mk. 

74. Sophokles Philoctetes. Scholarum in usum edd. Fr. Schubert. 
Leipzig, Freytag 1884. 8. XV, 47 p. 40 pf. 

75. Tacitus, Germania antiqua. Cornelii Taciti libellum post 
Maur. Hauptium cum aliorum veterum auetorum locis de Germania 
praeeipuis ed. Karl Müllenhof. Berlin, Weidmann 1883. 8. IV, 170p. 2mk. 

76. Taciti, Cornelii, opera quae supersunt. Rec. loa. Müller. 
Vol. I: Libros ab excessu divi Augusti continens. Leipzig, Freytag 
1884. 8. VI, 336 p. 1 mk. 50 pf. 

77. Tibulli, Albii, elegiae cum carminibus pseudo -Tertullianis. 
Ed. Ed. Hiller. Accedit index verborum. Ed. stereot. Leipzig, 
Tauchnitz 1884. 8. V, 271 p. 1 mk. 80 pf. 

78. Vergü's gedichte. Erkl. v. Th. Ladewig. 2. bdehn. : Aeneide 
I -VI. 10. aufl. von Carl Schaper. Berlin, Weidmann 1884. 8. V, 
271 p. 1 mk. 80 pf. 

Skandinavien. 

79. Bugge , F. W. , „Apostlernes Gjerninger". Indledet oversat 
og forklaret. 2. hefte. Med 1 kart. Kopenhagen, Steen 1884. 8. 

3 bl. 569 p. 

80. Koch, J. B., Gloser og Anmaerkninger til Cieero's Katilina- 
riske Taler. Kjobenhavn, Prior 1884. 8. 50 p. 65 ore. 

81. Livii, T. , historiarum Romanarum libri qui supersunt. Ex 
rec. Jo. N. Madvigii. Iterum edid. J. N. Madvigius et J. L. Ussin- 
gius. Vol. III. Pars I. KJ0benhavn 1884. 8. 240 p. 2 kr. 

82. Madvig , Jo. Nie. , Adversariorum criticorum ad scriptores 
Graecos et Latinos vol. III. Kopenhagen, Gyldendal 1884. 8. 282p. 

4 kr. 50 Öre. 



Nr. 3. Bibliographie. 169 

83. Monrud, M. J., de locis quibusdam Plotiuianb. Chnstiania 
1884. 8. 10 p. 25 0rc. (Ans: Christiania Vidensskabsselskabs For- 
bandliriger 1884, no. 5). 

Niederlande. 

84. Crusius, G. A., Volledig Griekseh-Nederduitsch woordenboek 
voor de gedichten van Homerus beneevens eene verklaring der moe- 
ielijkste plaatsen der gebruiken en iustellingen van het beiden tijdvak, 
en van de eigennaraen. Ten dienste der scbolen zusamengesteld en 
voor Nederduitsche scbolen bewerkt door Hm. Pol. Nieuwe (titel-) 
uitg. Arnhein, Nijmegen 1884. 8. IX, 506 bl. 3,50 ü. 

85. Jidatfr/, rüHv divdr/.« dnoaiokwp e codice Hierosolymitano 
nunc Constantinopolitano nuperrime prirnus edid. Philotheos Bryennios 
in usum stud. iuventutis repetiit J. J. Prins. Leyden, ßrill 1884. 8. 
16 bl. 0,30 f. 

86. Herwerden, H. van, Studia critica et epicritica in Pindariun. 
Utrecht, Beijers 1884. 8. 72 pl. 0,90 fl. 

87. ' Hqoöoto v ioToyim. Praesertim in usum schob rec. et brevi 
adnot. instr. Henr. van Herwerden. Vol. I. Utrecht, Kemink. XXIV, 
306 p. 2,50 fl. 

88. Kappeyne van de Cappella, .]., Beschouwiugen over de Co- 
mitia. Uitgeg. door de koningl. akad. van wetensch. te Amsterdam. 
Amsterdam, Joh. Müller 1884. 4. II, 100 p. 1,50 fl. 

89. TUyte, W. , over drie handschriften op Papyrus bebend onder 
de titeis van Papyrus du lac Moeris, du Fayoum et du Labyrinthe. 
Uitgeg. door de k. akad. van wetensch. Met 8 platen en 1 kaart. 
Amsterdam, Joh. Müller 1884. 8. II, 50 p. 1,80 fl. 

90. Woltjer , J. , Latijnsche grammatica voor gynmasien. Gro- 
ningen, J. B. Wolters 1884. 8. XVI, 339 p. 3,75 fl. 

England und Nordamerika. 

91. Aeschylus Agamemnon. Emend. .!?. Margvlionth. London, 
Macmillan 1884. 8. ^l sb. 6 d. 

92. Aristotles Ethics illustr. with essays and notes by Sir Ar- 
chehald Grant. 4th ed. revised. 2 vols. London, Longmans 1 884. 8. 
940 p. 32 p. 

93. Durny, V., History of Rome and the roman people. Vol. 2. 
2 parts. London, Paul, Trench & co. 1884. 8. 30 sb. 

94. Eaton, D. C, Handbook of greek and roman sculpture prin- 
cipally from the ,,bausteine" of C. Friedrichs. 2nd ed. Boston 1884. 
8. IV, 415 p. 10 sh. 

95. Homer's Uiad. Books 1 — 12. With an introduction a brief 
homeric grammar and notes by D. B. Munro. London, Frowde 1884. 
12. 470 p. 6 sh. 

96. Newman, F. W., comments of the text of Aeschylus. London, 
Trübner 1884. 8. 138 p. 5 sh. 

97. Peter, Carl, chronological tables of Greek history. Accom- 
panied by a short narratives of events with references to the sources 
of Information and extracts from the ancient authorities transl. by G. 
Chawven. Cambridge 1884. 8. 

98. Salhcsfs Catilinarian conspiraey. Ed. by A. M. Cook. Lon- 
don, Macmillan 1884. 12. 220 p. 4 sh. 6 d. 

99. Sayce, A. H., the ancient empires of the east. A series of 
essays. London, Macmillan 1884. 8. 6 sh. 

100. Watson, P. B., Marcus Aurelius Antoninus. With Portrait. 
London, Low 1884. 8. 15 sh. 

101. Xenophon's Oeconomicus. With an introduction explanatory 
notes critical appendix and lexicon by Hubert A. Holden. London, 
Macmillan 1884. 12. 530 p. sh. 



170 Bibliographie. Nr. 3. 



Belgien. 

102. Jacob, P. L. bibliophile {Paul Lacroix), les courtisanes de 
l'ancienne Rome avec nn avant - propos. Bruxelles, Brancart 1884. 
12. 223 p. 5 frc. 

103. Mee.sler de Ravestein, E. de, Musee royal d'antiquites et d'ar- 
mures. Muse'e de Ravestein. 2e ed. Bruxelles 1884. 12. 672 p. Urs. 

104. Ruelens , C. , la premiere edition de la table de Pentinger. 
Bruxelles 1884. 8. 32 p. 1,50 fr. 

Frankreich. 

105. Arbois de Jubainville, B. d', le cycle niythologique irlandais 
et la mythologie grecque. Paris, Thorin 1884. 8. XU, 411 p. 8 frcs. 
(Cours de litterature celtique II). 

106. Aristnphane. Traduction nouvelle avec une introduction et 
des notes per A. Poyard. 8. ed. Paris, Hachette 1884. 8. XII, 
528 p. 3 fr. 50 c. (Chefs d'oeuvre des litteratures anciennes). 

107. Beaudouin, Mondry , Etüde du dialecte chypriote moderne 
et rnedieval. Paris, Thorin 1884. 8. 152 p. 5 frcs. (Bibliotheque 
des ecoles d'Athenes et de Rome fasc. 36). 

108. Berger, Ernest, Stylistique latine. Traduite de l'allemand 
sur la 7e edition par Ferdin. Gache et Sully Piquet; revue et adaptee 
aux besoins des eleves francais par Max Bonnet. Paris, Klincksieck 
1884. 8. VIII, 290 p. 

109. Blanchard, Gustave, Cesar sur les cötes guerandaises. Nan- 
tes 1884. 8. 56 p. (Aus: Bulletin de la soc. archeol. de Nantes et 
de la Loire inferieure). 

110. Bloch, G., de decretis functorum magistratuum ornamentis; 
de decreta adlectione in ordines functorum magistratuum usque ad 
mutatam Diocletiani temporibus rempublicam: accedit appendix epi- 
graphica. Paris, Thorin 1883. 8. VIII, 185 p. 

111. — — , les origines du senat romain. Recherches sur la for- 
mation et la dissolution du senat patricien. Paris, Thorin 1883. 8. 
VIII, 334 p. (Bibliotheque des e'coles d'Athenes et de Rome, fasc. 29). 

112. Boissier , Gaston, Ciceron et ses amis, etude sur la societe 
romaine du temps de Cesar. 7. ed. Paris, Hachette 1884. 8. 419 p. 
3 frc. 50 c. 

113 Borghesi, Bartolomeo, Oeuvres completes. T. 9: publiö sous 
les auspices de M. le ministre de l'instruction publique par les soins 
de Tacademie des inscriptions et belies lettres. IT. partie: Les prefets 
de Rome. 8. II. III. Ibid. 1884. 16. Paris 1884. 4. p. 235-395. 

114. Breal, Michel et Anatole Bailly, lecons de mots : les mots grecs 
groupes d'apres la forme et le sens. 2. ed. Paris, Hachette 1884. 18. 
XII, 96 p. 1,50 fr. 

115. Brunet, Gustave, une narration fabuleuse de la vie d'Alex- 
andre le Grand extrait d'un catalogue inedit des incunables conser- 
ves ä la bibliotheque de la ville de Bordeaux. Bordeaux 1884. 8. 
15 p. (Aus: Actes de l'acad. des sciences belies lettres et arts de 
Bordeaux 1882/83, fasc. 2). 

116. Casati, M., Fortis Etruria. Paris 1883. 47 p. (Aus: Com- 
ptes rendus de l'acad. des inscriptions). 

117. Chatelavi, Emile, lexique latin-francais 3. ed. Paris, Ha- 
chette 1884. 16. a 2 col. IV, 845 p. 6 frc. 

118. Chetail, vie de l'empereur Julien sournumme l'apostat (IVe 
siecle). Saint-Etienne 1884. 8. 224 p. 3 frc. 

119. C/eonidr, 1'introduction harmonique de. La division du ca- 
non d'Eiiclide 1p genmetrp. Vannrts havmoniqurs de Florence. Tra.- 



Nr 3. Bibliographie. 171 

duetion frangaise avec oonimeutaire perpetuel par Ch. Emile Ruelle. 
Paris, Firmin et Didot 1884. 8. 66 p. avec figure6. (Aus: Aumiaire 
de l'assoc. pour les e'tudes grecques 1883). 

120. Dareste , Rodolphe , la transcription des ventes en droit 
hellenique d'apres les rnonuments epigraphiques recemrnent deoouverts. 
Paris, La Rose et Forell 1884. 8. 28 p. (Aus: Nouvelle Revue du 
droit francais et e'tranger). 

121. Delisle, Leop., notice sur im manuscrit de l'abbaye de Lux- 
euil copie' en 625. Paris 1884. 4. 16 p. 4 planches. (Notices et 
extr. des manuscrits t. 31 pt. "2). 

122. — , Leop., Inventaire des manuscrits de la BibKotheque Na- 
tionale Fonds de Cluni. Paris, Champion 1884. 8. XXV, 413 p. 

123. Desjardim, E., l'inscription geographique de Coptos et l'ar- 
ticle de M. Mommsen dans l'Ephemeris (fasc. 5, p. 5-17); la nouvelle 
liste des centurions de Lambese. Angers 1884. 8. 23p. (Aus: Bul- 
letin des antiquite's africairies 111, fase. 8). 

124. Dezeimeris , Reinhold , a propos d'un manuscrit d'Ausone. 
Lettre ä Henri Barckhausen. Bordeaux 1882. 8. 14 p. (Aus: An- 
nales de la faculte des lettres de Bordeaux 1882, no. 4). 

125. Dumont, Albert, Terres-cnites orientales et greV-o-orientales: 
Chaldee, ^ssyrie, Phenicie. Cbypre et Rhodes. Paris. Thorin 1884. 
4. 39 p. 

126. Dunan, Charles, les argumenta de Zenon d'Elee contre le 
mouvement. Nantes 1884. 8. 45 p. 

127. Duruy , Victor, histoire des Romains depuis les temps les 
plus recules jusqu'ä Pinvasion des barbares. T. 7 et dernier. Paris, 
Hachette 1884. 8. 740 p 4 cartes. 7 planches. 25 f'rcs. 

128. JEpiyraphie du departement du Pas de Calais. Ouvrage pu- 
blie par la Coinmission departeroentale des monuments historiques. 
T. 1. fasc. 1. 2. Arras 1884. 4. 228 p. 

129. Friedländer, L. , rnoeurs romaines du regne d' Auguste ä la 
fin des Antonins. Traduction libre faite sur le texte de la 2e edition 
allemande avec des considerations generales et des remarques par Ch. 
Voget. T. 1: comprenant la ville et la cour les trois ordres, la so- 
ciete et les femmes. Vol. 2 compr. les spectacles et les voyages des 
Romains. Paris, Reinwald 1884. 8. XLVIII, 441 p. u. VII, 504 p. 

130. Gamber, Stanislas, un rheteur chretien au V. siecle. Clau- 
dius Marius Victor. Marseille 1884. 8. 53 p. 

131. Girard, Jules, Essai sur Thucydide. Paris, Hachette 1884. 
18. XVI, 302 p. 3 fr. 50 c. 

132. — — , Etudes sur la poesie grecque Epicharme Pindare 
Sophocle Theocrite Apollonius. Paris, Hachette 1884. 16. VI, 355 p. 
3 fr. 50 c. 

133. Haussoullier, B., Quomodo sepulcra Tanagraei decoraverint. 
Paris, Thorin 1884. 8. IV, 116 p. 7 planches. (These). 

134. Heran de Villefosse , A. et H. Thedenat, Inscriptions ro- 
maines de Frejus. Tours et Paris, Changrin 1884. 8. 196 p. 

135. Ilervieux, Leopold, notice historique et critique sur les fahles 
latines de Phedre et de ses anciens imitateurs directs et indirects. 
Paris, Firmiu-Didot 1884. 12. 69 p. 

136. - — les fabulistes latins depuis le siecle d'Auguste jusqu'a 
la fin du moven äge. Phedre et ses anciens imitateurs directs et in- 
directs T. 1. 2. Paris, Firmiu-Didot 1884. 8. VIII, 731 und 858 p. 

137. Hild, J. A., Etudes de religion et de litterature anciennes II. 
Juvenal. Notes biographiques. Paris, Leroux 1884. 8. 66 p. 

138. Homere, l'Iliade d'. Texte grec revu et corrige' d'apres 
les documents authentiques de la re'cension d'Arietarque aoeompagno 



172 Bibliographie. iSTr. 3. 

d'un coininentaire critique et explicatif prece'de d'une introduction et 
suivi des prolegomenes de Villoison, des prolegomenes et des prefaces 
de Wolf de dissertations sur diverses questions homeriqaes etc. par 
Alexis Pierron. 2. ed. corrigee. Chants Xlü - XXIV. Paris, Hachette 
1884. 8. 628 p. 8 frcs. ^Collection d'editions savantes). 

139. Tmbert-Gourbeyre, Recherches sur les Solanum des anciens. 
Paris, Bailiiere 1884. 8. 140 p. 

140. Jullian, Camille, de protectoribus et dornesticis Augustorum. 
Paris, Thorin 1883. 8. 104 p. (These). 

141. — — , les transforinations politiques de lTtalie sous les ein- 
pereurs romains. 43 av. J.-C. 330 apres J.-C. Paris, Thorin 1884. 8. 
220 p. (Bibliotheque des ecoles d'Athenes et de Rorne fasc. 37). 

142. Jurten de la Graviere, la marine des Ptoleme'es et la marine 
des Romains. T. 1. 2. Paris, Plön 1885. 8. 256 p. et 2 cartes, 
220 p. et 2 cartes. 

143. Lufaye, Georges, histoire du culte des divinites d'Alexan- 
drie Serapis Isis Harpocrate et Anubis hors de l'Egypte depuis les 
origines jusqu'a la naissance de l'ecole neoplatonicienne. Paris, Tho- 
rin 1884. 8. 346 p. 5 planches. 10 fr. (Bibliotheque des ecoles 
d'Athenes et de Rome, fasc. 36). 

144. Laugier, F., la Station ad Horrea. Draguignan 1885. 8. 
29 p. (Extrait). 

145. Le Hir, abbe, Etüde biographique: Francois Lenormant. 
Lyon 1884. 8. 98 p. 

146. Lenormant, Francois, la Grande-Grece paysages et histoire. 
T. 3: La Calabre. Paris, Le'vy 1881. 18. 446 p 

147. — — , Histoire des peuples orientaux. Nouv. ed. Paris, 
Le'vy 1884. 18. VIII, 196 p. 

148. LSpaulle , Emile, etude historique sur M. Aurelius Probus 
d'apres la numismatique du regne de cet empereur. Lyon 1884. 
4. 115 p. 

149. Levy- Brühl, L., quid de deo Seneca senserit. Paris, Ha- 
chette 1884. 8. 73 p. 2 fr. (These). 

150. Longnon, Auguste, Atlas historique de la France depuis Ce- 
sar jusqu'a nos jours. Livr. 1. Paris, Hachette 1885. XII, 66 p. 4. 
5 feuill. fol. 4 fr. 50 c. 

151. Lucrece , de la nature des choses livre V: Analyse litte- 
raire par Patin. Texte latin publ. d'apres les travaux les plus 
recents de la philologie avec un commentaire critique et explicatif 
un avertissement et un preambule par E. Benoist et Lantoine. Paris, 
Hachette 1884. 8. 172 p. (Collection d'editions savantes). 

151a. Madvig, J. N., Syntaxe de la langue grecque principalement 
du dialecte attique. Traduite par l'abbe Hamant avec preface par 
O. Riemunn. Paris, Klincksieck 1884. 8. X, 358 p. 

152. Manilius , M. , les cinq livres des Astronomiques. Traduc- 
tion en vers par Louis Riconart. Paris, Picard 1884. 8. 333 p. 

153. Marquis- Sebie, Georges, Droit romain : Essai sur la legisla- 
tion de Trajan. Droit fraucais etc. Bordeaux 1884. 8. 178 p. (These.) 

154. Martha, Jules, manuel d'archeologie etrusque et romaine. 
Paris, Quentin 1884. 8. 319 p. 143 figures. 3 fr. 50 c. 

155. Maspero , G. , histoire ancienne des peuples de l'Orient. 
3. ed. Paris, Hachette 1884, 18. VIII, 658 p. 9 cartes. 5 fr. 

156. Miller, Em., catalogue des manuscrits grecs de la biblio- 
theque royale de Madrid. Paris 1884. 4. 116 p. (Notices et extraits 
de la Bibliotheque nationale). 

157. Mommscn, Theod., rinscription gt'ographique de Coptos; la 



Nr. 3. Bibliographie. 173 

nouvelle liste des centurious de Lambese. Paris 1884. 8. 11 p. 
(Extrait du Bulletin des antiquites africaines i'asc. 9, juillet 1884). 

158. Nageotte, E., Histoire de la litterature latine depuis ses ori- 
gines jusqu'au 6. siecle de notre ere. Paris, Garnier 1885. 559 p. 

459. Omont, H. , Notes sur les ruanuscrits grecs du British Mu- 
seum. Paris 1884. 8. 40 p. (Aus: Bibliotheque de l'ecole des Chartes 
t. 45, p. 314- 350). 

160. Fetitcalm, Andre, les Gaulois et leurs institutions avant la 
conquete romaine. Paris 1884. 8. 59 p. 

161. Pierron, Alex., Histoire de la littei'atuie grecque. 12. ed. 
augmente d'un appendice bibliograpuique. Paris, Hachette 1884. 18. 
V11I, 656 p. 4 fr. 

162. Piaute, theätre de. Traduction nouvelle accompagnee de 
notes par J. Naudet. Nouvelle ed. revue et corrigee. t. 3. Paris, Gar- 
nier 1884. 18. 588 p. (Bibliotheque latine francaise). 

163. Quicherat, L. et A. Daveluy , dictionnaire latin-f'ran9ais re- 
dige sur un nouveau plan. Avec im vocabulaire des uoras geographi- 
ques mythologiques et historiques par L. Quicherat. 36. tirage. Pa- 
ris, Hachette 1884, 8 ä 3 col. XX, 1468 p. 

164. Quintus-Smyrnee , la Guerre de Troie ou la fin de l'Iliade. 
Traduction nouvelle par JE. A. Berthault. Paris, Hachette 1884. 18. 
XXXII, 315 p. 3 fr. 50 c. 

165. Rabany , Gh., les Schweighaeuser, biographie d'une famille 
de savants alsaciens d'apres leur correspondance inedite. Paris, Ber- 
ger-Levrault 1884. 8. 132 p. et portrait. 

166. Reinach Salomon , Manuel de philologie classique. Tome 
2 appendice. Paris, Hachette 1884. 8. XVI, 315 p. 7,50 fr. 

167. Riemann , Othon, Etüde sur la langue et la grammaire de 
Tite Live. 2e ed. revue corrigee et considerablement augmentee. Pa- 
ris, Tborin 1884. 8. 334 p. (Bibliotheque des ecoles d'Athenes et 
de Rome, fasc. 11.) 

168. ScMumberger, Gustave, Sigillograpbie de l'empire byzantin. 
Paris. Leroux 1884. 4. VII, 749 p. 1100 dessins. 100 fr. 

169. Seignobos, Charles, Histoire de la civilisation. Tomel: Les 
ages prehistoriques. Histoire ancienne del'Orient; Histoire des Grecs; 
Histoire romaine; le moyen äge jusqu'a Charlemagne. Paris, Masson 
1884. 18. IV, 424 p. 105 figures. 

170. Taciti , Cornelii , opera. Oeuvres de Tacite. Texte latin 
revu et publie' d'apres les travaux les plus recents avec un commen- 
taü'e critique pbilologiqne et explicatif une introduction des argu- 
ments et des tables analytique par Emile Jacob. Annales livres 1 — 6. 
2e ed. revue et corrigee. Paris, Hachette 1884. 8. LH, 427 p. 7 fr. 50 c. 
(Editions savantes). 

171. The'rnn, Emmanuel, Etüde sur les religions anciennes. Mont- 
pellier, Lepine 1884. 18. XVIII, 545 p. 

172. Thomas, Ant, , de loannis de Monsterolio vita et operibus 
sive de Romanarum litteravum studio apud Gallos instaurato Carolo 
IV regnante. Paris, Thorin 1883. 8. VIII, 114 p. (These). 

173. Tissot, Charles, Exploration scientifique de la Tunisie. Geo- 
gra/phie comparee de la province romaine d'Afrique. T. 1 : Ge'ogra- 
phie physique. Geographie historique chorographie. Paris, Ministere 
de l'instr. publique 1884. 4. VIII, 697 p. 

174. Veyries , A., Les figures criophores dans l'art greco-romain 
et l'art chretien. Paris, Thorin 1884. 8. XVII, 83 p. 2 fr. 25 c. 
(Bibliotheque des ecoles d'Athenes et de Rome, fasc. 39). 

175. Virgile, les Bucoliques et les petits poemes de, traduits vers 



174 Bibliographie. Nr. 3. 

pour vers en regard du texte latin par Philibert Le Dtic. Bourg, Martin- 
Bottier 1884. 8. 167 p. (Aus: Revue litteraire et historique de l'Ain). 

176. — Oeuvres de. Texte publ. d'apres les travaux les plus re- 
cents de la philo]., avec im coininentaire critique et explicatif une 
introduction et une notice par E. Benoist. Bueoliques et Georgiques. 
3e tirage revu. Paris, Hachette 1884. 8. CXXVI1I, 360 p. 7 fr. 50 c. 
(Collection d'e"ditions savantes). 

177. Zeller, Ed., la philosophie des Grecs consideree dans son 
developpeinent historique. Traduit de l'allemand avec l'autorisation 
de l'auteur par Emile Boutroux. 2e partie , 1. sect. Socrate et les 
Socratiques; Piaton et l'ancienne academie. Tome 3, traduit par 
Belot. Paris, Hachette 1884. 8. 359 p. 10 fr. 

Italien. 

178. Babrio , saggio di on testo e commento delle favole di, per 
cura di Salvatore Concato. Bologna, Zanechelli 1884. 8. 36 p. 1 1. 

179. Baroni , Sisiuio, grammatica della lingua latina. Nuova 
edizione. Partei. Fonologia morfologia. Parte II. Sintassi. Padova 
1880. 1884. 

180. Baut-, F., introduzione scientifica alio studio del greco e 
del latino tradotta in italiano da J. Romano. 2. ed. Torino , Loe- 
scher 1884. 8. VIII, 96 p. 1,50 1. 

180a. Bellabarba, Espartero , i Pelasgi ed i Fani: saggio filolo- 
gico. Ragusa 1884. 8. 82 p. 1,50 1. 

181. Brugi, studii sulla dottrina roniana delle servitü prediali. 
In Archivio giuridico vol. 32. Pisa 1884. 8. 

182. Cara , Cesare A. de, Esaine critico del sistema filologico e 
linguisto applicato alla mitologia ed alla scienza delle religioni. Prato 
1884. 8. 415 p. 

183. Castellani, C, le biblioteche nell' antichita dai tenipi i piü 
renioti alla fine del impero roniano d'occidente. Ricerche storiche. 
Bologna 1884. 16. XIV, 60 p. 2 lire. 

184. Catalogo della collezione ,,Amilcare Ancona" di Milano. 
Monete romane consolari ed imperiali: moöete bisautine e delle zecche 
mediaevali e moderne. Milano 1884. 8. VIII, 345 p. con tavole. 

185. — — „Angelo Remedi" di Sarzana. Monete romane con- 
solari ed imperiali, delle zecche italiani mediaevali e moderne. Mi- 
lano 1884. 8. XI, 361 p. con tavole. 

186. Cerrato, Luigi , de quarta Tantali poena apud Pindarum. 
Casali apud Monferratenses 1884. 16. 19 p. 

187. Cesare, C. Giulio, i commentarii de bello Gallico illustr. 
da Feiice Ramorino. Torino, Loescher 1884. 8. XXXVI, 380 p. con 
carta della Gallia eil ine. in legno. 3,50 lire. 

188. Ciccaglione, Federico, il diritto degli antichi popoli d'Italia. 
Napoli 1884. 8. 

189. C'ipolla, C, due frammenti di antico codice del granimatieo 
Probo. In Atti dell' accademia di Torino. Vol. XIX, disp. 3a. To- 
rino, Loescher 1884. 8. 

190. — — , Ricerche sulle tradizioni intorno alle antiche imini- 
grazioue nella laguna. In Archivio Veneto t. XXVII, parte II. 

191. Cocchia, E., la patria di Enuio ed il nome di Plauto. To- 
rino, Loescher 1884. 8. 82 p. 2 lire 50 c. 

192. Comenciui, Luigi , Studii di sintassi greca in relazione alla 
sintassi latiua ed italiaua. Benevento 1884. 8. 111 p. 

193. Cornelio Fejjote , le vite commentate da Giacomo Cortese. 
Torino, Loescher 1884. 8. XI, 173 p. 2 1. 



Nr. 3. Bibliographie. 175 

194. Corradini, F., di una recente opinione sulle Georgiche di 
Virgilio. Memoria. In Nuovi Saggi della accad. in Padova. Vol. IX, 
parte 1. Padova 1884. 4. 

195. Corsi, Carlo, le stoicismo romano considerato particolar- 
meDte in Seneca. Con una lettera del prof. A. Conti. Prato 1884. 
8. IV, 331 p. 4 lire. 

196. Curtius, Ern., storia greca. Prima ediz. ital. fatta sulla. 4a 
ed. orig. tedesca da Giuseppe Müller e Gaetano Oliva corredata di 
nuove aggiunte dall' autore. Vol. III ed ultimo fino alla caduta dell' 
indipendenza greca. Torino, Loescher 1884. 8. 893 p. 11 lire. 

197. Curzio Rufn, Q., la storia di Alessandro il grande comruen- 
tata da E. C'occhia. Torino, Loescher 1884. 8. XVI, 144 p. 2 lire. 

198. Farubulini, David, Archeologia ed arte rispetto ad un raro 
monumento greco conservato nella Badia di Grottaferrata. Koma 1883. 
8. XII, 236 p. 

199. Ferfai, E., delle relazioni che vogliono stabilirsi tra il Bu- 
siride di Isocrate e il dialogo Platonico dello stato. In Atti del Isti- 
tuto veneto. Serie VI, t. 2 disp. 5. Venezia 1881. 8. 

200. Ferrero, iscrizione e ricercbe nuove intorno all' ordinamento 
delle armate dell' impero romano in: Atti dell' accad. di Torino. 
Vol. XIX, disp. 6. 

201. Gabba, Bassano , di Marco Aurelio Antonino imperatore. 
Confereuza. Milano, Dumolard 1884. 16. 48 p. 1 lire. 

202. Garbato, Agostino , Erinna antica poetessa greca: saggio 
critico. Venezia, Naratovich 1884. 8. 

203. Gaudensi, sui collegi degli artigiani in Roma. In Archivio 
giuridico. Vol. XXXlI, fasc. 3. 4. Pisa 1884. 8. 

204. Gay , R. , la conquesta dell' Italia antica, sommario storico 
dalle origine'al 222 a Cr. Milano 1884. 8. 96 p. 1 1. 

205. Gentile, J. , Publio Ventidio Basso, Ascolano. In Rivista 
storica italiana. Anno I, fasc. 3. 

206. Gera, Vettor, Discorso sull' agricoltura presso i Romani 
letto nelV accad. agraria di Conegliano il 16 agosto 1780 e pubbl. 
dai fratelli Brandolin. Venezia 1*84. 8. 47 p. 

207. Gioia, G. , Memorie storiche e documenti sopra Lao, Laino, 
Sibari, Tebe-Lucana, delle Magna Grecia citta antichissime. Napoli, 
Detken e Rocholl 1883. 16. 158 p. 3 lire. 

208. Giordann, F. , considei - azioni topografiche e fisiche di Roma 
e Campagna Romana. Roma, Comizio agrario 1884. 8. 96 p. 

209. Gnesoito, F., del contegno di Orazio vei-so Augusto. Ricerca. 
Padova 1884. 8. 95 p. 

210. Gregorio, Jacobus de, de Isocratis vita scriptis et discipulis 
dissertatio. Palermo 1884. 8. 53 p. 3 lire. 

211. Hodgkin, T., la battaglia degli Apennini fra Totila e Nar- 
sete (a. D. 552) in Atti della Deput. di storia per Je provincie di Ro- 
magna. 3. ser., vol. II, fasc. 1. 

212. La Mantia, Vito, storia della legislazione italiano I. Roma 
e Stato Romano. Torino, Bocca 1884. 8. 750 p. 14 lire.'; 

213. Lanfranchi, Vinc. , de oratoribus romanis acroasis. Sancti 
Benigni in Salassis 1884. 8. 24 p. 

214. Lattes, E. , l'ambasciata romana per le XII tavole. Milano 
1884. 8. 21 p. 

215. Luciano scritti seelti commentati da G. Setti. Torino, 
Loescher 1884. 8. XX, 123 p. 8. 2,50 1. 

216. Luciuni , C. S. , Catalogo illustrato delle antiche monete 
romane disposte in ordine cronologico nel suo monetiere in Acqua- 
viva delle Fonti. Bari Gissi e Avellino 1882. 8. 34 p. 



176 Bibliographie. Nr. 3. 

217. — — , Catalogo illustrato delle monete della Magna Graecia 
con cenni storici delle citta cui appartenevano disposte nel suo mo- 
netiere in Acquaviva delle Fonti. Bari Gissi e Avellano 1882. 8. 60 p. 

218. Mancini, Girolaruo. i manoscritti della libreria del coroune 
e dell' accademia etrusca di Cortona. Cortona 1884. XXXI, 284 p. 41. 

219. Matrfovuni , Gaetano, le ultime scoperte archeologiche di 
Fornovo San Giovanni e Caravaggio. Bergamo 1884. 8. 50 p. 

220. Mattioli , Luigi, storia di Roma dai tempi piü remoti fino 
alla caduta del suo impero iu occidente. Parte 1. Regno e reppu- 
blica. II. Impero. Napoli, N. Jovene e Co. 1884. 8. 5,50 1. 

221. — — storia del Oriente antico. Napoli, N. Jovene 1884. 
8. 1,50 1. 

222. Mecchi, F. E., la fondazione dell' antico navale di Fermo e 
delle cittä Asculuni Novana Cluana e Potentia secondo Plinio il vec- 
chio. Memoria. Foligno 1884. 8. 27 p. 1,50 lire. 

223. Melani, A. , arcbitettura italiana. Parte 1 : arcbitettura pe- 
lasgica etrusca italo-greca e romana. Milano, Hoepli 1884. 16. XIII, 
188 p. 2 lire. ( Manual i Hoepli). 

224. Michelangeli, Luigi Alessandro, ad Anacreontis quae feruntur 
avfxnociaxa fjjuw/ußMt emendationes. Ep. II et III. Bononiae, Zanichelli 
1884. 8. 15 p. 

225. Nardis, Vincenzo de 1 baroni de, Omero e Dante nei loro 
tempi: Studio di comparazione; traduz. dall' originale greco di suo 
fratello Domenico de Nardis. Roma 1884. 8. 

226. Narducci, Pietro, Roma sotterranea. Illustrazione della 
cloaca massima; studii tecnici. S. 1. Roma 1884. fol. 8 p. 

227. — — , fognatura della citta di Roma sulla sinistra del Te- 
vere. Roma 1884. 8. 14 p. 

228. Pietrogr ande, Giacomo, sigilli improntati sopra antiche lu- 
cerne fittili del territorio atestino. Roma 1884. 8. (Aus: Gli Studii 
in Italia). 

229. — — , di un aquilifero della legione XIa macedonica. To- 
rino, Loescber 1884. 8. 19 p. 

230. — — , Iscrizioni romane nel Museo di Este. Roma 1883. 8. 

231. — — , Giuseppe Furlanetto e l'arcbeologia. Memoria. Pa- 
dova 1884. 8. 78 p. 2 1. 

232. Piatone dialoghi trad. da Ruggero Bonghi. Vol. IV (conti- 
nuaz.) Eutidemo. 2a ed. corretta. — Aristotele il I. libro delle Con- 
futazioni sofisticbe con proemio e note. Livorno 1883. 18. XX, 
593 p. 4,40 lire. 

233. Puntoni, P. , Studii di mitologia greca ed italica. I. Sulia 
formazione del mito di Ippolito e Fedra. Pisa 1884. 8. VII, 167 p. 

234. Quintiliano , M. Fabio, 11 libro Xo della Instituzione ora- 
toria commentato da Domenico Bassi. Torino , Loescher 1884. 8. 
XXVIII, 91 p. 1,20 lire. 

235. Raffaelli, F., Nuovo campo di studii per la storia antica 
del Piceno in Archivio storico per le Marone e per 1'Umbria. Vol. I, 
fasc. n. Foligno 1884. 8. 

236. Rocchi, A., la badia di Santa Maria di Grottaferrata. Roma 
1884. 16. 200 p. 5 1. 

237. Ruberio, Luigi, il Poliziano filologo. Torino, Loescher 1883. 8. 

238. Schiaparelli, Lettura sulla geografia preistorica dell' Italia 
antica. In Atti dell' accad. di Torino. Vol. IX, disp. 6. 

239. Studii di filologia greca, pubbl. Agnea Silvio Piccolomini. 
Vol. I, fasc. Iu. Torino, Loescber 1884. 8. 

240. Valletti, Feiice , la ginnastica in Roma. Studii storici. 
Roma, Paravia e Palermo 1884. 147 p. 2,50 lire. 



Nr 3. Bibliographie. 177 



Spanien. 

241. Ciceron, M. Tulio, obras completas. Version castellana di 
Marceüinn Menendez y Pelayo. T. V. Madrid, Navarro 1884. 8. 347 p. 
T. VI. ib. XVI, 351 p. (Biblioteca cläsica vol. 73). a 14 reales. 

242. Epicteto, Mäximas de, traduc. libremente por Antonio Zozaya. 
Madrid 1884. 8. 175 p. 2 reales. (Bibliot. economico - filosöfica. 
vol. XIV). 

243. Fernandez Merino, A. , Estudios de literatura griega. Safo 
ante la critica moderna. 3a ediciön. Madrid, Gaspar 1884. 4. 80 p. 
10 reales. 

244. Ovidio Nason, P., las heroidas. Traduccion en verso castel- 
lano por Diego de Mesla. Madrid, L. Navarro 1884. 8. 383 p. 14 reales. 

245. Poetus griegos, antiquos; La Musa helenica; traduccion en 
verso por D. Angel Lasso de la Vega. Madrid 1884. 8. 192 p. 3 real. 
(Biblioteca universal vol. 95). 

246. Polibio Megalopolitano, Historia universal durante la repu- 
blica romana; versiön castellana de D. Ambrosio Pui Bamba adicio- 
nada con todos los fragmentos descubiertos hasta ahora. Tomo I. 
II. III. Madrid, Navarro 1884. 8. 434, 438, 518 p. 42 reales. (Bi- 
blioteca cläsica vol. 71. 72. 74). 

Griechenland. 

247. IlKVTd^tji, .JtjjxrjQiog, cvXloyh naQSoyujv. 'Ev 'Afhqvms 1884. 
8. 404 p. 5 Jqa^fi. 

Ungarn. 

248. Büszel, Aurelius, Az ökori klassikusok tanulmänya etc. (das 
studiura der alten klassiker als ein hauptmittel unserer bildung). Bu- 
dapest, Kökai 1883. 8. 155 p. 

249. Findly , H. , über antike maaße und gewichte. Budapest, 
akademie 1883. 8. 164 p. (Hungarice). 

250. Kont , Ign. , die griechische tragödie nach Euripides. Bu- 
dapest, Kiliän 1884. 8. 107 p. (Hungarice). 

251. Pozder, Karl, fremdwörter im griechischen und lateinischen. 
Budapest, akademie 1883. 8. 77 p. (Hungarice). 

252. Spitkö, Ludwig, das griechische theater. Vortrag. Arad. 
Gyulai 1884. 8. 21 p. (Hungarice). 

253. Szelceres, Koloman, die mathematik der Griechen. Rosenau 

1883. 8. 45 p. (Hungarice). 

254. Wiener , Markus , die aretologie und ontologie des Aristo- 
teles. Budapest, Lampe 1884. 8. 24 p. (Hungarice). 

Beilage A. Schulschriften und programme. 

255. Studia Nicolaitana. Dem scheidenden rektor prof. dr. Theo- 
dor Vogel dargebracht von dem lehrerkollegium der Nikolaischule zu 
Leipzig. Leipzig, Giesecke u. Devrient 1884. 8. 145 p. (Insunt: JR. 
Meister, eine neue inschrift von Mytilene, p. 1 — 14; J. Baunack, bei- 
trage zur altgriechischen onomatologie, p. 15 — 62; H. Voigt, über ei- 
nige neugefundene kyprische inschriften, p. 63—74). 

Beilage B. Academica und dissertationen. 
Berlin. 256. Vuhlen, Joh., (observationes Aristophaneae). Berlin 

1884. 4. 30 p. (Ind. lectt.). 

Bonn. 257. Luebbert, Ed.. commentatio de Pindari carminibus 
dramaticis tragicis eorumque cum epiniciis cognatione. Bonn 1884. 
4. 23 p. 

Philol. Anz. XV. 12 



178 Bibliographie. Nr. 3. 

Breslau. 258. Hertz, Martin, de Carolo Odofredo Muellero 
ex actis Universitatis Vratislaviensis excerpta. Breslau 1884. 4. 13 p. 

259. Reiffersckeid, Aug., 1. Festrede zu Kaisers geburtstag: vom 
kaiserthurn. 2. Analecta Horatiana nova. ib. 1884. 16 p. 4. 

260. Bednarz, Georg., de universo orationis colore et syntaxi 
Boetbi. ib. 1883. 8. 31 p. 

261. Brück, Sylvius, quae veteres de Pelasgis tradiderint. ibid. 
1884. 8. 60 p. 

262. Cohn, Leopold, De Heraclide Milesio grammatico. Berolini 
1884. 8. 36 p. (Habilit.-scb.rift). 

263. Cotta, Carl, Quaestiones grammaticae et criticae de vitis a 
scriptoribus Historiae Augustae conscriptis. Vratislaviae 1883. 8. 81p. 

264. Heidler, Theodorus, de compositione metrica Promethei fa- 
bulae Aeschyleae capita IV. ib. 1884. 8. 46 p. 

265. Henniq, Otto, de P. Ovidii Nasonis poetae sodalibus. ibid. 
1884. 8. 58 p. " 

266. Hitze, Aemil., de Sexto Pompeio. ib. 1883. 8. 34 p. 

267. Meuß, Henric, de dnayayy^g actione apud Atbenienses. ib. 
1884. 8. 34 p. 

268. Ruske , Lothar, de A. Gellii noctium Atticarum fontibus 
quaestiones selectae. Glaciae 1883. 8. 72 p. 

Dorpat. 269. Naguiewski, Darius , de Iuvenalis vita observa- 
tiones. Rigae 1883. 8. 66 p. 

270. Stern, Ernst von, Catilina und die parteikämpfe in Rom 
der jähre 66- 63. Dorpat 1883. 8. 178 p. 

Goettingen. 271. Kuklinski, Robert, Critica Plautina commen- 
tationibus grammaticis illustrata. Berolini 1884. 8. 54 p. 

272. Thimme, Adolf, Quaestionum Lucianearum capita quattuor. 
Halis 1884. 8. 

Greifswald. 273. Kießling, Ad., Coniectaneorum spicilegium 
II. Gryphiswald. 1884. 4. 8 p. 

Halle. 274. Keil, Henr., Emendationum Varronianarum, pars II. 
Halae 1884. 4. 10 p. 

274a. , oratio de Fr. Aug. Wolno. Halle 1884. 4. 8 p. 

275. Bestmann, H. J., Quaestionum ethicarum particula I. Halis 
1884. 8. 19 p. 

276. Bieligk, Ernst, de casuum syntaxi a Floro historico usurpata. 
ib. 1884. 8. 87 p. 

277. Boehme, Joh., de Theophrasteis quae feruntur tisqI (Sqpiiay 
excerptis. ib. 1884. 8. 84 p. 

278. Erxleben, Rieh., de comparativi cum comparata re coniuneti 
usu Herodoteo. ib. 1884. 8. 50 p. 

279. Guenther, Carl, de genuini quem vocant dativi usu Home- 
rico. ib. 1884. 8. 87 p. 

280. Hildebrandt , Franc. , de Hecyrae Terentianae origine. ib. 
1884. 8. 51 p. 

281. Kriege, Herrn., de enuntiatis concessivis apud Plautum et 
Terentium. ib. 1884. 8. 52 p. 

282. Schaar, Henr., de comparativi apud Homerum significatione. 
ib. 1884. 8. 82 p. 

183. Schollmeyer, Ernst, Quid Cicero de poetis Romanorum iu- 
dieaverit. ib. 1884. 8. 28 p. 

284. Schuenemann , Otto , de cohortibus Romanorum auxiliariis 
pars altera addenda ad Hassencampii dissertationem Gottingensem a. 
1869. ib. 1883. 8. 58 p. 

285. Schulze, Ernst Theodor, De Q. Aurelii Symmachi vocabu- 
lorum formationibus ad sermonem vulgarem pertinentibus. ib. 1884. 8. 



Nr. 3. Bibliographie. 179 

286. Spangenberg, Erich, de Atbeniensium publicis institutis ae- 
tate Macedonum commutatis. ib. 1884. 8. 55 p. 

287. Stier, Hugo, de scriptore priore adversus Aristogitonein ora- 
tionis quae Demosthenis esse fertur. ib. 1884. 8. 37 p. 

288. Weise, Rieh., Viudiciae Iuvenalianae. ib. 1884. 8. 69 p. 

289. M'eiße, Sarnson , Philo von Alexandrien und Moses Maimo- 
uides. Ein vergleichender versuch, ib. 1884. 8. 31 p. 

Heidelberg. 290. Cledonii ars grammatica. Scr. Henr. Bertsch. 
Heidelbergae 1884. 4. 64 p. Diss. 

Jena. 291. Goetz, Georg, Glossarium Terentianum rec Jenae 
1884. 4. 18 p. 

292. — , de Stati Silvis emendandis. ib. 1884. 4. 8 p. 

Königsberg. 293. Friedländer , L., Martialis liber speetaeu- 
lorum cum adnotationibus. Königsberg 1884. 4. 22 p. 

Marburg. 294. Caesar, Julius, Additamentum disputationis de 
Aristide Quintiliano. Marburg 1884. 4. 5 p. 

295. - , Adnotata de Aristoxeni elementis rythmicis. Marburg 
1884. 4. 12 p. 

296. Bormann, E., bemerkungen zum schriftlichen nachlasse des 
kaisers Augustus. ib. 1884. 4. 40 p. 

297. Heil, Bernhard, logographis qui dieuntur num Herodotus 
usus esse videatur. ib. 1884. 8. 62 p. 

298. Menk , Adolf, de Anthologiae Palatinae epigrammatis se- 
pulcralibus. ib. 1884. 8. 55 p. 

299. Sternko])/, Guil., Quaestiones chronologicae de rebus a Ci- 
cerone inde a tradita Cilicia provincia usque ad relictam Italiam ge- 
stis deque epistulis intra illud tempus (a. 704 et 705) datis aeeeptisve. 
ib. 1884. 8. 70 p. 

300. Uthoff, Herrn., Quaestiones Hippocrateae. ib. 1884. 42 p. 
München. 301. Ansems , Bernard, bedeutung und gebrauch 

von dtd bei Homer. München 1883. 8. 79 p. 

302. Antoniades, Chr., kaiser Licinius. München 1884. 8. 30 p. 

303. Reich, Heinr. Willi., die beweisführung des Aeschines in 
seiner rede gegen Ctesiphon. 1. hälfte. Nürnberg 1884. 8. 84 p. 

304. Schaefler, J. , die sogenannten syntactischen graecismen bei 
den augusteischen dichtem. Amberg 1884. 8. 95 p. 

305. Shorey , Paul, de Piatonis idearum doctrina atque mentis 
humanae notionibus commentatio. München 1884. 8. 59 p. 

Rostock. 306. Früzsche , Franc. Volkmar , de numeris doch- 
miacis. Rostock 1884. 4. 8 p. 

Upsala. (Upsala Universitets arsskrift. Filosofi Spräkvetenskap 
och historiska Vetenskaper). — 307, Frigell, Andreas, Collatio codi- 
cum Livianorum atque editionum antiquissimarum contul. colleg. com- 
mentationibus instruxit Pars I. Libr. I — III continens. Upsaliae 
1878. 8. 

308. Sandstroem, C. E., Studia critica in Papinium Statium. ib. 
1878. 8. 61 p. 

309. — — , Emendationes in Propertium Lucanum Valerium 
Flaccum. ib. 1878 8. 44 p. 

310. Kniis , O. V., de digamino Homerico quaestiones III. Up- 
saliae 1879. 8. p. 225 - 373. 

311. Brolen, Carl Axel, de philosophia L. Annaei Senecae. ib. 
1880. 8. 85 p. 

312. Frigell, Andreas. Epilegomena ad T. Livii librum primum. 
ib. 1881. 80 p. 

313. , Epilegomena ad T. Livi, librum XXI. ib. 1881. 56p. 



180 Kleine philologische zeitung. Nr. 3. 

314. Danielsson, 0. A., Grammatiska anniaerkningar. I. 0m de 
indoeuropeiska femininstainmarne pä -I och nägra därmed beslägtade 
bildningar i grekiska och latinska spraken. ib. 1881. 8. 63 p. II. 
Om de grekiska substantiverna med nominativändelsen -tu. ib. 1883. 
8. 59 p. 

315. Frigell, Anders, Propertiae Elegiae duodecim suecicis ver- 
sibns expressit adnotationibusqne instruxit. ib. 1883. 8. 22 p. 

Dissert. 316. Nilin, Nils Fredrik, Priscianea. Upsaliae 1884. 
8. 66 p. 

317. Oesterberg , P. J., de structura verborum cum praepositio- 
nibus compositorum quae extant apud C. Valerium Flaccnm P. Papi- 
nium Statium M. Valerium Martialem eommentatio. Holmiae 1883. 
8. 15 p. 

318. Rüdström, P. , de imaginibus Sophocleis a rerum natura 
sumptis. Holmiae 1883. 8. 42 p. 

Utrecht. 319. Baijon, Job. Marinus Simon, de tekst der brieven 
van Paulus aan de Hörnernen, de Corinthiers en de Galatiers als voor- 
werp van de conjecturaalkritik beschouwd. (Diss. theol.). Utrecht 
1884. 8. XII, 196 p.^ 

320. Coenen , Frid. Henr. , de usu particulae conditionis apud 
Aristophanem. Groningen 1879. 8. 112 p. 

321. Ijsendijk, Arentius van, de T. Macci Plauti Persa. Utrecht 
1884. 8. 100 p. 

322. Koe, Salomon Siewerd de, De conjecturaalkritiek en het 
evangelie naar Johannes. Diss. theol. Utrecht 1883. 8. XII, 288 p. 

323. Knyper, B. H. Steringa, de fontibus Plutarchi et Appiani 
in vita Sulla enarranda Utrecht 1882. 8. 143 p. 

324. Wolf, Aert Gerhard , ad jus italicum. (Diss. jurid.). Ut- 
recht 1883. 8. 210 p. 

325. — , Fredericus Henr. Elias, Observationes ad scholia in Pla- 
tonem. Utrecht 1884. 8. 120 p. 

Kleine philologisrhe zeitung. 

In Odessa wurden den 27. august die Sitzungen eines ar- 
chäologischen congresses eröffnet. Die theilnahme beschränkte 
sich, wenn man von einigen gelehrten namentlich aus den öster- 
reichischen Slavenländern absieht , auf Vertreter der russischen 
Wissenschaft. Die archäologische gesellschaft in Odessa hatte als 
Vorbereitung im laufe des sommers ausgrabungsexpeditionen an 
die mündungen des Dniepr und Dniestr gesandt, bei welcher 
gelegenheit auf der insel Beresan reste einer antiken nekropole 
aufgedeckt waren. Die gefundenen gegenstände bildeten eine 
mit dem congreß verbundene archäologische ausstellung. Aus 
den Sitzungen der klassischen Sektion verdient hervorgehoben zu 
werden, daß der dozent W. Latyschow aus S. Petersburg bereits 
die ersten druckbogen der von ihm unternommenen Sammlung 
der in Eußland gefundenen griechischen inschriften vorlegen 
konnte. Der gedanke, die größtentheils in Stephani's Compte- 
Kendus zerstreut publicirten, theils aber auch unedirt in südrus- 
sischen localmuseen vorhandenen epigraphischen denkmäler durch 
eine art von corpus zugänglicher zu machen, veranlaßte die S. 
Petersburger philologische gesellschaft zu diesem unternehmen, 



Nr. 3. Kleine philologische zeitung. 181 

desseu ausführung einem geübten epigrapbiker anvertraut werden 
konnte. Der commentar ist lateinisch , nicht russisch, obgleich 
einzelne zum glück nicht maßgebende stimmen letztere spräche 
eines derartigen nationalen Werkes für würdiger erachteten. 

St Petersburg. Nach langer Verhandlung ist im monate august 
das neue russische universitätsgesetz durch den kaiser in seiner end- 
gültigen gestalt sauetionirt worden. Den letzten Streitpunkt bil- 
dete der wahlmodus der rektoren. Eine ministerconferenz entschied 
sich dafür , die ernennung des engeren universitätsrathes , aus 
dem rektor, den dekanen und dem inspector für die studirendeii 
(universitätsrichter) bestehend, von dem professorencollegium auf 
den unterrichtsminister zu übertragen. Dem rektorsoll dadurch 
die rolle eines Vertreters der regierung , etwa der eines deut- 
schen universitätscurators entsprechend , verliehen werden. Die 
centralisation fördernd ist auch das neue recht des ministers, unter 
umständen unabhängig von der fakultätsnomination vakante Pro- 
fessuren zu besetzen. Das iustitut der privatdozentur wird or- 
ganisirt. Der künftige professor soll drei jähre privatim docirt 
haben, wobei übrigens abkürzung dieser frist ausnahmsweise ge- 
stattet ist. Zur Unterstützung der privatdozenten wird eine jähr- 
liche summe von 60000 rubel ausgesetzt. Außerdem kommen 
ihnen wie den professoren die individuellen honorare für ihre 
Vorlesungen zu gut , was bisher nicht der fall war. Dadurch 
wird die materielle läge der Universitätslehrer verbessert, die 
wie bisher ein gleichmäßiges gehalt — der Ordinarius 3000 ru- 
bel, der extraordinarius 2000 rubel — beziehen. Nach 25jäh- 
rigem dienst tritt die frage der pensionirung oder Wiederwahl 
auf je 5 jähre ein. Die pension beträgt 2400 rubel, nach 30jäh- 
rigem Staatsdienst 3000 rubel, mit einer zulage von 1200 rubel 
bei fortsetzung der Vorlesungen. In den studiengang tief ein- 
greifend ist die abschaffung der jahrescurse, cursexamina und 
-Versetzungen, was die promulgirung der Studienfreiheit nach 
deutschem muster in sich schließt. Nach 4jährigem — bei me- 
dicinem öjährigem Studium können sich die Studenten , wenn 
ihnen alle obligatorischen Vorlesungen testirt sind, ztvm examen 
melden, welches nicht mehr ausschließlich vor den fachprofes- 
soren, sondern vor einer aus dozenten und regierungsexaminatoren 
gemischten commission abgelegt wird — also eine art Staatsexa- 
men. Die examinatoren erhalten eine besondere geldentschädi- 
gung. Außerdem steht es dem examinirten frei durch prüfung 
und vertheidigung einer gedruckten abhandlung sich um einen 
gelehrten grad zu bewerben. Wie bisher giebt es zwei grade, 
magister und doktor. Die fakultät kann von jetzt ab im falle 
einer ausgezeichneten dissertation dem magister auch sogleich 
den doktortitel zuerkennen Erwähnt sei noch schließlich , daß 
der neue etat 260 ordentliche und 125 außerordentliche Profes- 
suren vorsieht gegenüber 218 resp 103 lehrstühlen des letzten 



182 Kleine philologische zeitung. Nr. 3. 

Universitätsstatuts von 1863. Das neue gesetz bezieht sich auf die 
sechs Universitäten mit russischer Unterrichtssprache; die ehemals 
polnische jetzt russificirte Universität Warschau, ferner Dorpat 
und Helsingfors richten sich nach besonderen bestimmungen 

Die.ausgrabungen in Griechenland werden rüstig fortgesetzt: so 
berichtet Müneh. allg. ztg. 1884, nr. 277 folgendes : Athen, 20. septbr. 
In dem Asklepios-heiligthum zu Epidauros und dem Amphia- 
reion zu Oropus in Attica betreibt man gleichzeitig ausgrabungen ; 
auch die schon vor jähren begonnenen ausgrabungen des Eleu- 
sinischen heiligthums sind wieder aufgenommen. Während diese 
Unternehmungen von der „archäologischen gesellschaft" in Athen 
ausgehen , hat die regierung selbst eine gründliche und syste- 
matische reinigung der Akropolis von Athen beginnen lassen. 
Schon bei der vor zwei jähren von Eustratiades begonnenen bloß- 
leguug eines theiles des alten burgfelsens im Südosten des Par- 
thenons hatte sich eine so überraschende fülle der schönsten und 
merkwürdigsten alt-attischen denkmäler gefunden , daß für eine 
umfassende durchsuchung des bodens der Akropolis die höchsten 
erwartungen wachgerufen wurden. Eine solche wird von Sta- 
matakis , jetzigem generalephoros der alterthümer , im größten 
maßstabe geleitet werden, und schon hat man mit dem abbruch 
der mittelalterlichen und türkischen befestigungsmauern begon- 
nen, welche die bürg bis jetzt rings umgeben und entstellen. 
Zur technischen leitung dieser arbeiten ist der architekt des deut- 
schen archäologischen instituts, dr. Dörpfeld, von der griechischen 
regierung berufen worden. Ein anderer, für Griechenland nicht 
minder wichtiger Personenwechsel steht an der Athenischen Uni- 
versität bevor, da die bisher von Bussopulos bekleidete professur 
der archäologie durch die abberufung dieses gelehrten erledigt ist. 

Ueber dr. Peschels doctor-dissertation „über den begriff des 
tragischen im modernen drama; eine kritik der aristotelischen 
poetik" 1848 berichtet ausführlich Münch. allg. ztg. 1884, beil. 
zu nr. 277. 278. 

Interessante mittheilungen über die alterthümer in Dal- 
matien und ganz besonders über die darüber existirende li- 
teratur enthalten aufsätze in der Münch. allg. ztg. beil. zu nr. 
264. 279: sie gehen bis auf Spon u. a. zurück. 

Beachtenswerthe ansichten über den jetzigen zustand unse- 
res Schulwesens, namentlich über den einfluß des instituts der 
einjährig freiwilligen enthält das referat über die general- Ver- 
sammlung des Vereins für social - politik in Münch. allg. ztg. 
nr. 281. 

Die seit 1883 begonnenen ausgrabungen in Rottenburg haben 
jetzt ein erfreuliches resultat ergeben, wie folgende notiz in Münch. 
allg. ztg. nr. 288 darthut: Es gelang nämlich die disposition 
des castells, seine wesentlichen theile, den lauf der außenmauern, 
die Stellung der thore , die bedeutendsten inneren gebäude in 



Nr. 3. Kleine philologische zeitung. 183 

zum theil beträchtlichen resten zu linden und so ein wichtiges 
geschichtliches monument zum verständniß zu bringen. In den 
letzten tagen wurden aber auch außerhalb des castells zwischen 
diesem und der weilerburg gebäude aufgedeckt, die allgemein 
interessant und in den grundmauern vollständiger erhalten sind ; 
u.a. wurde ein hypocaustum in einer Vollständigkeit aufgedeckt, 
wie ein solches nicht leicht sonst existirt. 

Nach der Münch. allg. ztg. nr. 289 hat das bayrische mi- 
nisterium des innern beschlossen die ferien an den Universitäten 
und lyceen zu kürzen und ist deshalb mit dem preußischen mi- 
nisterium in Verbindung getreten. 

Ueber die Übersetzung des Sophokles von G. Wendt bringt 
eine sehr lobende beurtheilung die Münch. allg. ztg. beil. zu 
nr. 293. 

Die ansieht des hauptmann E. Bötticher über das von 
Schliemann ausgegrabene Troja, daß es nämlich eine urzeitliche 
feuer-nekropole gewesen sei — s. Ph. anz. XIV, nr. 3, p. 165 — 
widerlegt ausführlich W. Dörpfeld in Münch. allg. ztg. beil. zu 
nr. 294. 

Mainz. Unter den aus dem flußbett des rhein neuerdings 
gehobenen gegenständen, welche den ort der römischen rhein- 
brücke bestimmen, ist ein unlängst gefundener denkstein aus 
der classe derer wichtig, welche römischen legionen in die von 
ihnen ausgeführten öffentlichen bauten einzufügen pflegten. Der 
stein trägt noch spuren der falz, durch welche er in das bau- 
werk eingefügt war , sowie ein mit blei versehenes Zapfenloch, 
und ist außerdem mit länglichen Ornamenten versehen , welche 
höchstwahrscheinlich senkel darstellen , wie deren von eisen im 
hiesigen museum vorhanden sind. Die inschrift lautet : LEG. 
XIIII. G. M. V. . > C. VELSI. SECV. {Legio deeima quarta. 
Gemina. Martia Victrix . Centuria Gaii Velsii seeundi). Nun stand 
aber die 14. legion vom jähre 15 vor bis 43 n. Chr. in Mainz, 
von wo sie nach England versetzt wurde , um 70 n. Chr. wie- 
der nach Mainz zurückzukehren , und zwar ausgezeichnet mit 
dem beinamen Martia Victrix ; da sie nun bis 100 n. Chr. in 
Mainz blieb, so muß der gefundene stein und mit ihm das bau- 
werk, von welchem er ein theil war, in die zeit von 70 bis 
100 n. Chr. gehören. Somit bildet unser legionsstein den Schluß- 
stein des bereits durch andere materialien geführten beweises, 
daß es eine großartige römische brücke war , welche die beiden 
ufer des Rheins bei Mainz verband. Münch. allg. ztg. 1884, 
nr. 288. 

Eine reihe von Schriftstellern weiblichen geschlechts , ins- 
besondere philosophinnen, bespricht ein aufsatz in Münch. allg. 
ztg. beil. zu nr. 298. 

Eine eingehende und sehr zu beachtende besprechung des 



184 Kleine philologische zeitung. Nr. 3. 

Anonymus de situ orbis 11. II, herausgegeben von M. Manitius, 
findet sich in Münch. allg. ztg. nr. 302. 

Von der feier des 70ten geburtstags E. Curtius berichtet 
Münch. allg. ztg. beil. zu nr 302. 

Die sechste aufläge von Lübke's Geschichte der architektur, 
bd. 5, wird ausführlich im BAuzeig. 1884, nr. 297 besprochen. 

Ueber beitrage zudem Grimm-denkmal berichten RAnzeig. 

1884 nr. 302 und andere Zeitungen: ebenso wird berichtet über 
die Grimm-ausstellung in Cassel zu ehren des auf den 4. januar 

1885 fallenden 100jährigen geburtstag von Jacob Grimm : dieser 
tag ist in Berlin, Königsberg, Göttingen und andern Universi- 
täten festlich begangen , nirgends so erhebend wie in Hanau, 
über die feier daselbst hat das comite daselbst einen besondern 
bericht im druck erscheinen lassen. Weiteres s. unten in nr. 4. 

Wichtige entdeckungen sind auf C'apri gemacht , worüber 
folgendes berichtet wird : man hat bei gelegenheit von anpflan- 
zungen von olivenbäumen die Überreste eines großartigen , aus 
der ersten kaiserzeit stammenden palastes gefunden. Man stieß 
zunächst auf ein sehr schönes, aus kostbaren marmorplatten her- 
gestelltes mosaik. Ein nebenraum war mit dem gewöhnlicheren 
römischen mosaik bedeckt. Die wände, obgleich nur in geringer 
höhe erhalten, zeigen doch noch spuren sehr schöner und schätz- 
barer maierei; von anderen zahlreichen räumen, die noch unter 
der erde verborgen liegen (ein bergsturz vom Monte Turro Grande 
scheint die villa verschüttet zu haben) sind wenigstens sichere 
spuren aufgefunden. Zu der villa führt ein weg , welcher auf 
bogen angelegt war; einige spuren der letzteren sind noch sicht- 
bar; auch reste eines aquädukts, der die villa mit wasser versah, 
sind aufgefunden worden. Um die aushebung der mosaikfuß- 
böden zu verhindern, von welcher die ruinen bedroht waren, 
hat die regierung sie wieder bis auf weiteres mit erde zudecken 
lassen. Man hofft, daß gründliche nachforschungen werden an- 
gestellt werden, um den ganzen ruinenkomplex an das licht zu 
bringen. Sie liegen auf der Tragara, nach der bai von Salerno 
zu , an einem punkt , den man wohl als einen der herrlichsten 
der ganzen insel bezeichnen kann. — Berliner tageblatt 1885, 
nr. 23. 

Eine wichtige entdeckung ist von dr. Petrie in Egypten 
gemacht worden. Er ist neuerdings an einer stelle, sieben meilen 
von Jeh E Barood, au der eisenbahnlinie von Kairo nach Alex- 
andrien, mit ausgrabungen beschäftigt gewesen und dort auf aus- 
gedehnte ruinen gestoßen, die er zweifellos als zu dem alter- 
thümlichen, von Herodot erwähnten Naucratis gehörig identifizirt. 
Auch hat er bewiesen, daß diese Stadt nicht, wie der geschichts- 
schreiber sagt, auf dem Nil, -sondern auf dem alten kanal stand. 
Berliner tageblatt 1885, nr. 23, beil. 1. 

Berlin. Bei einer fahrt *mit der Stadtbahn sieht man zur 



Nr. 3. Auszüge aus Zeitschriften. 185 

zeit hinter dein grundstück der national-galerie, auf einem wüsten 
platze der ehemaligen Cantianstraße, einen griechischen altarbau 
aufgerichtet. Es ist dies ein stück des pergamenischen 
frieses im gipsabguß , welches denselben in seiner ursprüng- 
lichen aufstellung zu veranschaulichen bestimmt ist. Die stufen, 
welche zum altar geführt haben , sowie die über demselben be- 
findlich gewesene Säulenhalle sind hierbei durch holz und be- 
malung hergestellt , und die aufrichtung hat den zweck, ein ur- 
theil über die erforderlichen abmessungen des raumes zu ermög- 
lichen , in welchem der fries dereinst seinen definitiven platz 
finden soll. Schon dieses dürftige provisorium läßt es erkennen, 
einen wie völlig anderen und bei weitem großartigeren eindruck 
als in seinem gegenwärtigen zustande das herrliche kunstwerk 
machen wird, wenn es sich in einer würdigen, seiner ursprüng- 
lichen möglichst ähnlichen aufstellung der betrachtung darbietet. 
Berliner tageblatt 1885, nr. 27, beil. 1. 



Auszüge aus Zeitschriften. 

Deutsche litteraturzeitung herausgegeben von Max Roediger, Jahrg. 
1884; nr. 45: Ernst Essen, ein beitrag zur lösung der aristotelischen 
frage. Berlin, Steinitz 1884. 8. 164 p. 4 mk. E. Heitz. — E. 
Buchlwltz, die homerischen realien. Bd. III. Leipzig, Engelmann 1884. 
Xu, 404 p. J. Renner. — Seriptores historiae Augustae iterum rec. 
H. Peter. 2 voll. Lipsiae, Teubner 1884. 8. XL1I, 299 und 401 p. 
7 mk. 50 pf. H. J. Müller. 

Nr. 46. Th. Gomperz , über ein bisher unbekanntes griechisches 
Schriftsystem aus der mitte des vierten vorchristl. Jahrhunderts. Wien, 
Gerolds söhn 1884. 8. 59 p. 1 mk. 30 pf. E. Maaß. — N.Fritzsche, 
de Q. Horatius Flaccus lyrische gedichte in neuer weise übertragen 
und geordnet. Trier, Lintz 1884. 8. XVIII, 260 p. 3 mk. 60 pf. 

Nr. 47. Straßburger abhandlungen zur philosophie. Freiburg 
i. Br., Mohr 1884. 8. 222 p. 7 mk. R. Encken. — Wernicke, C, 
de Pausaniae periegetae studiis Herodoteis. Berlin, Weidmann 1884. 
8. 116 p. E. Maaß. — Q. Aurelii Sgmmachi quae supersunt ed. 
Otto Seeck. Berlin, Weidmann 1883. 4. CCXII, 355 p. 15 mk. A. 
Schoene. 

Nr. 48. Res gestae divi Augusti. Ex monumentis Ancyrano et 
Apolloniensi iterum edidit Th. Mommsen. Berlin, Weidmann 1883. 
LXXXVII, 223 p. 8. 12 mk. Borrnann. - J. von Apell, Argento- 
ratum. Berlin, Mittler u. s. 1884. 8. 45 p. 3 mk. Hollaender. 

Nr. 49. K. F. Hermann, lehrbuch d. griech. antiquitäten, hrsg. 
v. H. Blümner u. W. Dittenbergcr, Bd. II. Abth. 1 : Lehrbuch der 
griech. rechtsalterthümer umgearb. v. Th. Thalheim. Freiburg i. Br., 
Mohr 1884. 8. 160 p. 4 mk. Büchsenschütz. — E. Pottier, Etudes 
sur les lecythes blancs antiques ä representations füne'raires. Paris, 
Thorin 1883. 8. 160 p. 6 frcs. C. Robert. 

Nr. 50. Cicero's rede für L. Flaccus. Erkl. v. Adolf du Mesnil. 
Leipz., Teubner 1883. 8. VI, 235 p. 3 mk. 60 pf. A. Eberhard. — 
M. Tullii Ciceronis ad M. Brutuin orator. rec. F. Heerdeqen. Leipz., 
Teubner 1884. 8. XXXVIII, 86 p. 3 mk. 20 pf. Th. Stangl. 

No. 51. Arthur Ludwich, Aristarcbs homerische textkritik nach 
den fragmenten des Didymos dargestellt u. beurthoilt. Nebst bei lagen. 

Philol. Anz. XV. 13 



186 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 3. 

Theil I. Lpz, Teubner 1884. 8. VIII, 635 p. 12mk. G. Hinrichs. 

— Fr. Aug. Woljius, Prolegornena ad Homerum vol. I. Ed. III quam 
curavit Rud. Peppmüller. Adiectae sunt epistolae Wolfii ad Heyniuni 
scriptae. Halle, Waisenhaus 1884. 8. VIII, 307 p. 2 mk. 40 pf. 
Joh. Henne?-. 

Nr. 52. Andronici qui fertur libelli nfgi nctftcuv pars prior de af- 
fectibus. Novis codd. adhibitis rec. et quaestiones ad Stoicorum doc- 
trinam de affectibus pertinentes adiecit Xaverus Kreuttner. Heidel- 
berg, Winter 1884. 8. 50 p. 1 mk. 60 pf. E. Wellmann. — Die 
ersten drei kapitel der metaphysik des Aristoteles. Grundtext, deutsche 
Übersetzung und kritisch-exegetischer commentar von C'k. Wirth. Bay- 
reuth 1884. 8. 99 p. Fr. Susemihl. — ■ Carl Taucher , vorarbeiten 
zur lateinischen Sprachgeschichte hrsg. v. Herrn. Roensch. 3. thl. iu 

1 bde. Berlin, Calvary 1884. 8. III, 143, 80. 117 p. 15 mk. - T. 
Macci Plauti comoediae. Tomus I, fasc. 1. Trinuniruus ed. III a Fr. 
Schoell recognita. Tom. II, fasc. V Poenulus ed. G. Goeiz et G. Loews. 
Leipzig. Teubner 1884. 8. LXIV, 199 p. ; XXVI, 176 p. 10mk.60pf. 

— Jul. Beloeh, die attische politik seit Perikles. Leipz., Teubner 1884. 
8. IV, 369 p. 7 mk. 60 p. W. Nitzsche. — Jul. v Pßugk- Harthing, 
Perikles als feldherr. Stuttgart, Kohlhamruer 1884. 8. IX, 143 p. 

2 mk. 60 pf. H Landwehr. — Karl Lud. Roth, römische geschichte 
nach den quellen erzählt In 2. neu bearb. aufl. von Ad. Westermayer. 
Theil 2. Nördlingen, Beck 1883. 8. XII, 408 p. 5 mk. 80 pf. L. 
Müller. — A. Veyrics, les figures criophores dans l'art grec l'art greco- 
romain et l'art chretien. (Bibliotheque des ecoles franc. d'Athenes et 
de Rome fasc. 39). Paris, Thorin 1884. 8. VII, 81 p. 10 fres. R. 
Kekule. 

Literarisches centralblatt für Deutschland , herausgegeben von Fr. 
Zarncke , 1884, nr. 46: Be.rgk , Theod. , fünf abhandlungen zur ge- 
schichte der griechischen philosophie und astronomie hrsg. v. G. Hin- 
richs. Leipzig, Fues 1883. 8. VII, 189 p. 4 mk. — Euclidis ele- 
menta. Ed. et latine interpretatus est J. L Heiberg. Vol. II, libros 
V-IX continens. Leipzig, Tenbner 1884. 8. XX, 437 p. 4mk. 50pf. 

— Baar, Ad., Lucianea. Goerz, Wokulat 1884. 8. 31 p. {Blaß). — 
Hervieux, Leop. , les fabulistes latius depuis le siecle d'Auguste jus- 
qu'a la fin du moyen äge. Phedre et ses anciens imitateurs directs 
et indirects. T. I. II. Paris, Didot 1884. 8. VIII, 729, 851 p. 24 mk. 
A. R(iesc). — Meyer, Wilh., über die beobachtung des wortaccentes 
in der lateinischen poesie. München 1884. 4. 120 p. 3 mk. 60 pf. 
A. R{iese). - Statu, P. Papinii, Achilleis et Thebais. Rec. Ph. Kohl- 
mann. Fasc. II: Thebais. Cum indice nominum. Leipzig, Teubner 
1884. 8. XVIII, 475 p. 4 mk. 80 pf. A. R(iese). - Studia Nico- 
laitana. Leipzig, Giesecke u. Devrient 1884. 8. 145 p. 

Nr. 47. Bruns, Ivo , Lucrezstudien. Freiburg i. Br. , Mohr 1884. 
8. 80 p. 2 mk. A. R(iese). — Wagler, Paul Reinh , de Aetna poe- 
mate quaestiones criticae. Berlin, Calvary 1884. 8. 107 p. 4 mk. — 
Ciceronis, M. Tullii, ad M. Brutum orator i-ec. F. Heerdegen. Leipz., 
Teubner 1884. XXXVIII, 86 p. 8. 3 mk. 30 pf. A F(ußner). 

No. 48. Aristotelis de anitna librilll. Rec. Gtiil. Biehl. Leipzig, 
Tenbner 1884. 8. VIII. 136 p. 1 mk. 20 pf. Wohlrah. ~ Meyer, 
Ed., geschichte des alterthums. Bd.I: geschichte des Orients. Stutt- 
gart, Cotta 1884. 8. XIX, 647 p. 12 mk. G. Eibers). - Nitzsch, 
K. W., geschichte der römischen republik Nach des verf. hinterlass. 
papieren hrsg. v. Georg Thouret. Bd. I. Leipzig, Duncker u. Hum- 
blot 1884. 8. XV, 199 p. 4 mk. S[ieylin). — Plotini Enneades prae- 
misso Porphyrii de vita Plotini deque ordine librorum eius libello 
ed. Ric. Volkmann. Vol. Tl. Leipzig, Teubner 1884. 8. LVI, 524 p. 






Nr. 3. Literatur. 187 

5 mk. 40 pf. P. Ovidii Metamorphoseon libri XV , ed. A. Zingerle. 
Prag, Leipzig, Tempsky, Freytag 1884. 8. XXX, 335 p. 1 mk. 70 pf. 
A. P(icse). 

Nr. 49. Hinrichs, Gust., dr. Karl Sittl und die homerischen aeo- 
lismen. Berlin, Weidmann 1884. 8. 97 p. 2 mk. P. C[auer.) — 
Die Orestie des Aeschylus brsg. v. Theod. Heyse. Halle a. S. 1884, 
Waisenhaus. 121 p. 8. oq. — O tp Kmv&tavtivovnöXu ' Elltjpixog tpi- 
koloyixog ßvkloyog. MtcvgoyooJ'dntog ßißkio§rj?.r}. llagdgTtjutt tov te iv/uov. 
Konstautinopel, Lorentz u. Keil 1884. 4. '20, 44, 22 p. F. H. — 
Wlastoff, Georges, Promethie Pandore et la legende des siecies St. 
Petersbourg 1883. 8. IV, 242 p Cr(usius). - Mitchel, Lucy M., a 
history of ancient sculpture. London 1883, Paul Trench & co. XXXI, 
766 p. T. S(chreiber) 

Nr. 50. Cfomperz, Tb., ein bisher unbekanntes griech. schriftsy- 
stem. Wien 1884 , Gerolds s. 59 p. V. G(ard)iausen). — Homeri 
Iliadis carmina ed. Guil. Christ. Pars IL Lpz. , Teubner 1884. 8. 
P. C(auer). — Saalfeld, G. A. E. A., Tensaurus italo-graecus Wien, 
Gerold 1884. 8. IV, 1181 p. 20 mk. W. 

No. 51. Aristotelis ethica Eudemia. Eudemi Rhodi ethica. Ad- 
iecto de virtutibus et vitiis libello recogn. Franz. Suxemihl. Leipzig, 
Teubner 1884. 8. XXXVII, 199 p. 1 mk. 80 p. Wohlrab. - Schleu- 
ßinger, Aug., studie zu Caesar's Ptheinbrücke. Mönchen, Linclauer 1884. 
8. 40 p. 80 pf. L. — Martha, Jules, manuel d'archeologie etrusque 
et romaine. Paris, Quantin. 318 p. 3 mk. 60 pf. Pa(uli). — H. 
Jordan, Marsyas auf dem forum in Rom mit 3 taff. Berlin, Weid- 
mann 1883. 8- 30 p. 1 mk. 60 pf. T. S(chreiber). 

Nr. 52. Cohausen, A. v., der römische grenzwall in Deutschland. 
Militärische und technische beschreibung desselben. Mit 52 foliotaff. 
abbild. Wiesbaden, Kreidel 1884. 8 VIII, 363 p. 24 mk. F.R{ühl). 
— Leidenroth, F. B., Indicis grammatici ad scholia Veneta A exceptis 
locis Herodiani specimen. Berlin, Calvary 1884. 8. 65 p. 3 mk. 
P. C(auer). — Fr. Spiro, de Euripidis Phoenissis. Inest tabula. Ber- 
lin, Weidmann 1884. 8. 66 p. 2 mk. K. St. - Biese, Alfr., die 
entwieklung des natnrgefühls bei den Römern. Kiel, Lipsius u. Ti- 
scher 1884. 8. VI, 209 p. 4 mk. — U. Albert, Maurice, le culte de 
Castor et Pollux en Italie. Paris, Thorin 1883. 8. Vü, 172 p. (Bi- 
bliotheque des ecoles d'Athenes et de Rome , fasc. 31. Cr{usius). — 
Pellegrini, Astore, la raccoltae archeologica. Chiellini in Livorno, Li- 
vorno 1883. 8. 34 p. 12 taff. T. S(chreiber). 

Literatur 1885, 

(dem Philologus und PhAnzeiger zugesandt;. 

Waqler , Paul Bernh., de Aetna poemate quaestiones criticae. 
Berolini', Calvary 1884. 8. 107 p. 

Cornntentationes philologae in honorem Augusti Reifferscheidii scri- 
pserunt discipuli pientissimi. Vratislaviae, Koebner 1884. 8. 92 p. 

Sojihoclis Philoctetes scholarum in usum ed Frid. Schubert. Lip- 
siae, Freytag 1884. 8. XIV, 47 p. 

Eutropi breviarium ab urbe condita ed. Carolus Wagener: Lip- 
siae, Freytag 1884. 8. VIII, 90 p. 

Bruns, Ivo, Lucrezstudien. Freiburg i. Br. und Tübingen, Mohr 
1884. 8. 80 p. 

Bradley, A. C, die Staatslehre des Aristoteles. Autorisirte Über- 
setzung von J. Imelmann. Berlin, R. Gaertuer 1884. 8. 83 p. 

Leidenroth, F. B., Indicis grammatici ad scholia Veneta A exceptis 
locis Herodiani specimen. Berolini, Calvary 1884. 8. 65 p 



188 Literatur. Nr. 3. 

Wirth, (Jb., die ersten drei kapitel der metaphysik des Aristoteles. 
Grundtext deutsche Übersetzung und kritischer commentar. Bayreuth 
1884. 8. 59 p. 

Ulile, Paul, Quaestiones de orationum Demostheni falso adiectarum 
scriptoribus I. Hagen in Westf. 1883. 8. 120 p. 

Prammer, ignaz, zur lexikographie von Caesar de bello Gallico. 
Wien 1884. 8. (Progr. von Wien VIII. Bezirk). 30 p. 

Beck, J. W. , Sulpicius Apollinaris. Adiecta est appendix disser- 
tationis „de diflferentiaruni scriptoribus latinis. Groningen 1884. 8. 
Progr. des gym. Groningen. 60 p. 

Lim, T. , ab urbe condita libri ed. Antonius Zingerle. Pars III. 
Lib. XXI-XXV. Lipsiae, Freytag 1885. 8. IV, 247 p. 

Schvarcz, Julius, die staatsfornienlehre des Aristoteles und die 
moderne Staatswissenschaft. Leipzig, G. Wolf 1884. 8. 78 p. 

Froehner , W. , le cornput digital Paris. (Aus: Annuaire de la 
soc. franc. de numismatique). 

Herodoti historiarum libri IX. ed. H. R. Dietsch. Editio altera 
cur. H. Kallenberg. Vol. I. Lips., Teubner 1884. 8. XLII, 412 p. 

Hinrichs, Gustav, dr. Karl Sittl und die homerischen aeolismen. 
Berlin, Weidmannsche buchhandl. 1884. 8. 97 p. 

Meusel, H., Lexicon Caesarianum. Fase. I Berolini, W. Weber 
1884. 8. 192 p. 

Terentii Afri , P. , Adelphoe. Texte latin publ. . . par Frederic 
Plessis. Paris, Klincksieck 1884. 8. 119 p. 

Merguet, H., lexikon zu den Schriften Cäsar's und seiner fortsetzer. 
Mit angäbe sämmtlicher stellen. Erste liefg. Jena, Fischer 1884. 4. 
144 p 

Curtius. E. u. /. A. Kaupert, karten von Attika. Erläuternder 
text. Heft 2 von Arthur Milchhöfer . Karten, heft 2, 4 blätter. Ber- 
lin, Dietr. Reimer 1883. 4 in fol. 49 p. 

Ciceronis , M. Tullii ad M. Brutum orator. rec. F. Heerdeqen. 
Lipsiae, Teubner 1884. 8. 86 p. 

Schneider, Gust. , die platonische metaphysik aufgrund der im 
Philebus gegebenen prineipien in ihren wesentlichen zügen dargestellt. 
Leipzig, Teubner 1884. 8. X, 172 p. 8. 

Dionysii Thracis ars grammatica ed Gust. Uhlig. Leipzig, Teub- 
ner 1884. 8. C, 224 p. 

Heibig, Wolfgang, das homerische epos aus den denkmälern er- 
läutert. Mit zahlreichen abbild. Leipzig, Teubner 1884. 8. VIII. 
352 p. 

Denkmäler des klassischen alterthums zur erläuterung des lebens 
der Griechen und Römer in religion , kunst und sitte, lexikal. bearb. 
von . . . und dem herausgeber A. Baumeister . Liefg. 3 — 7. München 
1884. 4. 

Studi di filologia greca pubbl. dr. E. Piccolomini. Vol. I, fasc. 
2. 3. Torino, Loescher 1884. 8. 

T. Livii historiarum romanarum libri qui supersunt ex rec. Jo. 
Nie. Madvigü. Iterum Jo. Nie. Madvigius et Jo. L. Ussingius. Vol. 
III, pars 1. Libros XXXI — XXXV continens. Hauniae, Gyldendal 
1884. 8. 



Druck fehler, 
neft I, p. 70, z. 7 von oben ist statt ,,9chwindel" zu lesen 



schwindet. 



Nr. 4. 1885. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Pkilologus 



Ernst von Leutsch. 



35. Beiträge zur historischen syutax der griechischen spräche 
herausgeg. von M. Schanz. Heft 2: Stephan Keck, über 
den dual bei den griechischen rednern mit berücksichtigung der 
attischen inschriften. Würzburg, Stuber 1882. 64 p. 1 mk. 80 pf. 

Wilhelm von Humboldt hatte , wie der verf. p. 1 erinnert, 
einst versprochen den dual speciell im griechischen von Homer 
an bis zu dessen völligem verschwinden aus der spräche durch 
alle schriftsteiler zu verfolgen. Dieser plan ist von seinem Ur- 
heber nicht ausgeführt, von keinem andern wieder aufgenommen 
worden. Aber eine reihe zum theil recht tüchtiger einzelunter- 
suchungen leistet dafür annähernd ersatz. Unter diesen nimmt 
die neueste, die hier zu besprechende Kecks, eine hervorragende 
stelle ein. Die von ihm bearbeiteten denkmäler bieten den vor- 
theil, daß sie wirklich gesprochenes griechisch enthalten, daß sie 
chronologisch fixierbar sind und daß sie zum theil gerade der 
zeit angehören, in welcher der dual allmählich erlosch, und sind 
so für die statistische beobachtungsmethode, wie sie der Verfas- 
ser handhabt , sehr geeignet. Man erhält von ihm eine klare 
übersichtliche Zusammenfassung seiner beobachtungen ; p. 3 — 10 
sind alle dualbeispiele der redner, 11. 12 die der inschriften, 
rede für rede, inschrift für inschrif't, aufgeführt, dann p. 13 — 57 
die einzelnen formen im Zusammenhang besprochen, auch p. 42 
— 49 die Verbindungen von dvo und uuqoj genauer erörtert, 
p. 58 — 64 kurz über das wesen des duals und über congruenz- 
verhältnisse gehandelt. 

Soweit verdient der verf. alles lob. Und niemand wird 
anstehen seiner arbeit vor derjenigen Röpers , De dualis usu 
Piniol. Anz, XV. 14 



'90 35. Griechische! grammatik. Nr. 4. 

Platonico (Bonn 1878) den vorzug zu geben. Aber andererseits 
steht sie bedeutend hinter andern in der gleichen Sammlung er- 
schienenen syntactischen Untersuchungen zurück. Einmal zeigt 
Keck wenig sprachgeschichtlichen sinn. Man hat den eindruck, 
daß der Verfasser nach dieser richtuug wenig Studien gemacht 
und seine citate aus Humboldt u. s. w. mehr zur Verzierung der 
ihrer natur nach schmucklosen erörterung beigebracht habe, als 
daß er wirklich gelernt hätte sprachliche thatsachen richtig zu 
würdigen. Belege hiefür später. Es berührt auch eigentüm- 
lich, p. 53 f. eine ausführliche erörterung über -zov und -rr/t zu 
lesen und dabei erwähnt zu finden, daß Curtius in PI. Euthyd. 
274 A iqxxtrj* vorgeschlagen habe, während Curtius erörterung 
selbst (Verbum 1, 74—79) nicht genannt ist. Der vierte band 
von Delbrücks syntactischen forschungen mit den einsichtigen 
bemerkungen über den dual auf p. 19 ff. ist ebenfalls unberück- 
sichtigt geblieben. Man würde sich an dergleichen weniger stoßen, 
wenn nicht eine gewisse ostentation linguistischer kenntnisse in 
der schritt hervorträte. 

Die hauptsache wird dem Sprachforscher immerhin sein, rich- 
tige nachweise über die thatsachen zu erhalten. Die redner sind 
gut ausgebeutet, nur p. 15 das citat üsiu bei Isä. 3, 69 falsch, 
irrig auch p. 19 rolv uvttdixoit aus Dem. 46 , 10 angeführt, 
während es in einem gesetz steht. Für echtheitsfragen und Zeit- 
bestimmungen sind mit recht die ansätze von Blaß zu gründe 
gelegt; nur wären Antiphons tetralogien besser außer rechnung 
geblieben. Daß der verf. von solchen unechten reden, welche von 
Zeitgenossen der klassischen redner verfaßt in den redensammlungen 
der letztern überliefert sind, gelegentlich so spricht, als ob sie 
für grammatische Untersuchungen von minderer bedeutung wären 
(p. 18. 56), ist zwar verkehrt, thut aber geringen schaden. Man 
wird kein bedenken tragen die frequenztafel von p. 10 zu ac- 
ceptieren und danach die redner so zu gruppieren , daß Ando- 
cides, Isäus und Antiphon mit je 43, 42, 37 belegen auf hun- 
dert Bekkerischen Seiten (Antiphon ohne die tetralogien mit ei- 
nigen procenten mehr) an der spitze stehen, dann in weitem ab- 
stand Isocrates mit zwölf und Lysias mit elf, hierauf Lycurg mit 
acht und Demosthenes mit sechs belegen folgen, endlich Aeschi- 
nes mit je zwei belegen und Dinarch ohne jeden beleg den 
schluß bilden ; hiebei sind dvo und 8voit außer rechnung gesetzt, 






Nr. 4. 35. Griechische grainmatik. 191 

alles unechte , reden und briefe , mit gezählt ; ohne die briefe 
würde z. b. Aeschines ohne beleg dastehen. Hyperides, bei dem 
genaue procentuale rechnung nicht möglich ist, wird mit seinen 
im ganzen sechs beispielen wohl etwa zu Lysias und Isocrates 
gestellt werden dürfen. 

Ziemlich mangelhaft ist die ausnutzung des epigraphischen 
materials , obwohl gerade nach den erörterungen von "Wecklein, 
Curae epigraphicae p. 13 — 18 und Riemann , Revue de philolo- 
gie 5, 165 f. eine möglichst vollständige berichterstattung will- 
kommen gewesen wäre. Bei einer arbeit , die auf so genaue 
chronologische ansätze ausgeht und mit löblicher schärfe sogar 
die jähre festzustellen sucht, in welchen einzelne endungen zum 
letzten mal gebraucht worden sind, muß es als ein bedenklicher 
nachtheil erscheinen, wenn die inschriften, welche im jähre 1882 
im Corpus inscriptionum Atticarum vorlagen , ohne weiteres als 
die einzigen zeugen behandelt werden. So kommt es, daß der 
inzwischen erschienene zweite band von C.I.A. II eine fülle von 
nachtragen liefert , und nun vielfach bestimmt hingestellte be- 
hauptungen hinfällig werden. Wohl ist wahr, daß auf diesem 
gebiete das quellenmaterial niemals abgeschlossen ist. Auch 
war von dem Verfasser , der das erscheinen jenes bandes natür- 
lich nicht abwarten konnte, nicht zu verlangen, daß er alle zer- 
streuten iuschriftlichen publicationen durchsehe. Aber C.I.G. I 
und Böckhs Staatshaushaltung II und III hätten allein schon 
die wichtigsten ergänzungen geliefert. Aber nicht einmal von 
dem ausgebeuteten gibt die schrift ein völlig richtiges bild : alle 
die dualischen nomina , bei welchem das zahlwort nicht ausge- 
schrieben, sondern bloß durch zwei striche gegeben ist, natürlich 
ohne unterschied für die ausspräche und also auch für die gramma- 
tik, sind mit dem Sternchen, dem zeichen des nackten duals, ausge- 
stattet. Daß auf p. 56. 57 die für die redner gewonnenen chronologi- 
schen ansätze nicht, wie es der zweck der schrift eigentlich verlangt 
hätte, mit den inschriftlichen ergebnissen confrontiert sind, mag mit 
der dürftigkeit der ausbeute in C.I.A. II, 1 entschuldigt werden. 
— Im folgenden gehe ich die einzelnen endungen durch. 

Endung -a (Keck p. 13): Zu qiula uQyvoü ist zuzufügen 
C.I.A. 2, 649, 6, bei (ptäla ynvau. und dem accusativ yovaä oi- 
taiüu (C.I.A. III) der stern zu streichen; bei letzterem kann 
Zahlzeichen oder zahlwort in der lücke gestanden haben. Daß 

14* 



192 35. Griechische grammatik. Nr. 4. 

übrigens in einem Schatzverzeichnis der kaiserzeit plötzlich ein 
solcher dual auftaucht, beruht jedenfalls auf künstlicher nachah- 
mung älterer denkmäler. Das eventuelle fehlen eines zahlworts 
würde dabei verständlich. Als neue beispiele kommen hinzu, 
als nom. fem. unq>i8fa a^gjvgü] 2, 685, 6, als acc. dt/jXa in- 
schrift von Eleusis (Dittenb. Syll. 13,) 51. 53, und als acc. masc, 
wofür Keck kein beispiel hat, nagaGTara 2, 789 B 44. 790 B 4. 16. 
*803 b , 76; bei den adjectiven außer obigem weitern beleg (?) 
für dgyvgrt noch vaVkiva nni^niXa 2, 652 B 36. 

Keck vindiciert p. 37 im anschluß an Wecklein und andere 
dem Attischen eine weibliche dualform des particips (anders noch 
p. 13). Die betreffende stelle O.I.A. 2, 692 A 45 lautet: \8io 
Gcpg^aylde }.i&irm igvGovv EX.02A tbv öaxTvltor, r\ ö' htga ag- 
yvgovv. Böckh, Hicks, Köhler schreiben r^ovcn, Graux , Revue 
de phil. 1,263 (dem Dittenberger, Sylloge p. 505 anm. 22 folgt) 
singularisch f%ovaa. Kecks gegenbemerkungen gegen den letz- 
tern sind zu thöricht um widerlegt zu werden. Die Schwierig- 
keit der stelle liegt darin , daß beim ersten glied '/ srt'ga sup- 
pliert werden muß: richtet sich nun das particip, das mit r\ h&ga, 
wenn es dastände , construiert werden müßte , nun , da es nicht 
dasteht, nach dem gemeinsamen dual ? Dies ist nicht wahrschein- 
lich, schon wegen der Stellung zwischen adjectiv und Substantiv 
des ersten gliedes und wegen der großen Unklarheit, die ent- 
stehen würde ; viel verständlicher ist „zwei siegel , ein den ring 
golden habendes , das andere silbern". Ganz sichern entscheid 
können immerhin nur parallelstellen geben. Dabei fällt aber 

649, 21 ff.: [nqiQuylds li&ivco 8v~\o ftgvGovv j[_6v daxrvlinr "I 

tj ö' 8T?Qa agyvgovv auch für den fall weg, daß die von frühern 
herausgebern vorgeschlagene , von Köhler aber nicht aufgenom- 
mene ergänzung [/} szfqvc fy? t~] richtig wäre ; denn dann steht 
eben das vermißte // sriga da. — 2, 657 und 658, wo Köhler 
auch i^ovaa schreibt, sind zu fragmentarisch. Dagegen 2, 660, 21 
liest man an genau entsprechender stelle: GcpayiSia Xi'&ita ovo 
igvaovv s%oi> 70i> 5«[xt]JJ[j]o;', rj Ös agyvgovv ; daß hier der re- 
dactor der liste , nachdem er das deminutivum und damit ein 
neutrum eingesetzt hatte, das particip EX02A in fyov und nicht 
in exovi'a umänderte, begreift man nur, wenn er eftovaa las. 
Damit ist die frage entschieden. Schon Graux a. a. o. hat die 
inschrift so verwerthet-, Kecks bemerkung, Graux bezeichne die 



Nr 4. 35. Griechische gramrnatik. 193 

stelle als unsicher, ist unrichtig. Zudem zeigt 2, 667, 40 genau 
dieselbe fassung wie 660, 21 , sodaß an ein zufälliges versehen 
nicht gedacht werden kann. Das r t de beider stellen macht 
keine Schwierigkeit, ob man es nun als flüchtigkeit der redaktion 
oder als grammatische freiheit auffasse. — So bleibt der femini- 
nale dual des activen particips einstweilen unbelegt, während 
der des medialen durch ßovXavofitvai* (siehe unten) gesichert ist. 
Danach muß auch Kecks „endurtheil" p. 37 eine etwas behut- 
samere fassung erhalten. 

Endung co (p. 16 f.): Keck stellt p. 19 die behauptung 
auf, die endung -m komme auf den inschriften nach ol. 95, also 
nach 396, nicht mehr vor. Innerhalb dieser zeitgrenze, welche 
übrigens für Kecks eigene beispiele, die nicht über das jähr des 
Euklid hinausgehen, noch zu spät ist, halten sich ganz oder na- 
hezu die belege aus den Schatzverzeichnissen C. I.A. 2, 642 — 659 : 
rj).G) 2, 642, 8. 652, 17 ; if<pd!a (dessen beleg aus C. I.A. 1, add. 
547, 3 zu streichen ist, da er auf einer nicht sicher beweisbaren 
ergänzung beruht) 2, *645, 15. *652 A 17. 652 B 10. *656, 10, 
x«coo 2, 646, 16, u/jXeo 2, 652 B 27; dazu die adjective masc. 
Xqvöc6 2, 649, 9. 658, 3, $<»k«?xcc 2, 651, 5. 652, 42, femin- 
öwOstg) 2,649,7, lidUm 652 A 45 (in einer inschrift, aus der 
Keck selbst p. 37 den betreffenden passus citiert) , neutr. vno- 
$vlo) 652 B 27, iQvßü 2, 652 BIO, /.u7axt%Qvaa>fi?rm 652 B 27, 
und wohl auch uqyvqw 650, 3. 

Aber daneben zeigen auch jüngere denkmäler dieses -co : 
C.I.A. 2, 660 (390/89 a. Ch.) />. 9 ?,Xm , 56 i^Öt'co , 9 und 52 
masc. %gvGcö, 64 neutr. naraasxQvacofihco ; 2, 661 („titulus ei qui 
praecessit , aetate subpar" Köhler) z. 28 hq>8iü) , '^qvg<x>\ 2, 665 
(um 385 a. Ch.) z. 12 dantvlim uoyvfjoö; 2, 668 (kurz nach 
385/4 a. Ch.) z. 26 %Qvaita, 19 fem. ninixyiow, 26 neutr. dni'Qco • 
2,669 (ebenso) z. 12 fem. nsQtxgvam; 2,672 (376/5 a. Ch.) z. 14 
iKp8io3 uQyvfjco int%ovam ', 2,682 (einige jähre nach 365/4) z. 11 
o^juw; 2, 684 (ungefähr gleichzeitig, jedenfalls später als 368/7) 
z. 10 ft>q>8iw uQyvQco ; 2,689 (nicht jünger als 350 a. Chr.) z. 11 
tjdpö) ^a?.xw'?, 4 y>alxm? Dann, da 691, 11 die ergänzung 
?naQyi)(j[m~] nicht beweisbar ist, hört in den schatzurkunden -co 
auf; -oi für die zweizahl findet sich zuerst C.I.A. 2, 678 B 11 
(um 370 a. Ch.) xü8oi 8vo\ dann 697 (um 350 a. Ch.) z. 4 
masc. inaQyvQoi, £nf%Qvaoi. Im femininum und neutrum begegnen 



194 35. Griechische grammatik. Nr. 4. 

-ctt, beziehungsweise -a schon früher , jenes bereits vor Euklid 
und dann in den schatzlisten des vierten Jahrhunderts in ni{>6- 
vai 652 A 20. 27. 660,10. 677, 33; rtftcfiSdai 652 A 27. 664,2. 
710, 9; Cfidlai 672, 36; sGiügai %aXxai 678 B 29; ntgiusigv- 
ocouevai, e%ovaai 652 B 36; igvaäg 652 B 19 u. s. w. Dieses 
in oqigayidia Xi&iva 660,21; norrigia 678 B 30, Xv^vtla 35 u. s.w. 
Die seeurkunden haben von ihrem beginn , im dritten Jahrzehnt 
des vierten Jahrhunderts, an kein -co mehr, gleich 789 A 66 
adoxtftoi (8vo), A 25. B 52 vorrnvc, während sich -« in nagaarära 
und -b in xXi(iaxi8e auf denselben noch findet. Wir können so- 
mit etwa sagen, daß auf inschriften ungefähr im dritten Jahrzehnt 
-07 dem -oi und -orc zu weichen begann , daß es sich aber in 
registern, wo von alters her üblich war zweiheit der gegenstände 
durch duale form zu bezeichnen, bis in die mitte des Jahrhun- 
derts hielt. Dazu stimmt der gebrauch der redner vorzüglich; 
hier haben wir nach 370 a. Chr. nur noch im jähre 364/3 bei 
Isäus 6, 6 Too adulcpcö , vlco , 36 nignoi^rco ; im jähre 362 bei 
[Dem.] 49, 6. 8. 44 und im jähre 353/2 bei [Dem] 47, 64. 
77. 82 8v' oßoXco, sonst keine belege, außer einige male rovrca 
(vgl. Keck p. 9, 18 f. 56). Auch das einzige noch unerwähnte 
beispiel aus CIA. II stimmt hiezu (947, 4 /Jinaxögco); die be- 
treffende inschrift wird durch ihre Orthographie der ersten hälfte 
des vierten Jahrhunderts zugewiesen. 7co fteoö dagegen hat die 
übrigen duale weit überlebt (CIA. 3, 5, 22); der bis jetzt äl- 
teste inschriftliche beleg ist inschrift von Eleusis Ditt. 13, 46. 
Ich füge noch bei, daß Keck p. 16 bei aiecpurm, xavto, Ttapffiotm 
die sterne zu streichen sind. 

Endung s (Keck p. 21): Bei uanidt ist der stern zu 
streichen, sowie anzumerken, daß Kirchhoff 1,162 b 3 aon(8i\ß~\ 
ergänzt; bei (pdo!8f kann in der lücke sehr wohl ein 8vo ge- 
standen haben. Nachzutragen sind die masculinischen nomina- 
tive n68s C.I.A. 2, 642, 10. 652, 20. 677, 34, orange 651, 5. 
652,24, ygln? 656,12. 691,11; die femininalen xQvafüe 2, 656, 
15, xarjpoi'de 2, 652 A 22. 660,11, aygayiSe 2, 652 A 45. B 35. 
665, 12. 668, 19, amlids 677, 31; diese beispiele stehen mit 
denen für -m auf gleicher linie. Die weitem: xltuny.iSs 790 B 
17. 26, auf einer seeurkunde des vierten Jahrzehnts, i'7To8eg(8e(?) 
758 A II, 21 (frühestens 334 a. Chr.), arXfjyiSs 766,62 (gegen 
oder um 330 a. Chr.) erweisen die größere lebenski-aft dieser 



Nr. 4. 35. Griechische grammatik. 195 

endung. Andererseits kommen gegenbeispiele mit -f* schon vor 
Euklid vor (Keck p. 12); ich führe die ältesten belege aus 
C.I.A. II an: yhöateg 672, 46, aqsQnyTösg 682, 17 (376/5; be- 
ziehungsweise 365 — 60 a, Chr.); vgl. hiemit , was Keck p. 57 
über die redner giebt. 

P. 22 kommt der Verfasser auf den dual der nomina auf 
-*4- und -oq zu sprechen. Leider helfen die inschriften nicht zu 
einem entscheid zwischen nalss, nö'iti , tzoXj], was wegen der 
räthselhaftigkeit der letzten form zu bedauern ist. Aber für das 
ueutrum wird die nachricht der alten von einer endung -et, welche 
schon durch die platonische Überlieferung theilweise gestützt 
wird, glänzend durch die längst bekannten formen der übergabs- 
urkunde von 398/7 C.I.A. 2, 652 ZKE/1E (A 24) und ZETTE 
(B 26) bestätigt. Es ist unbegreiflich, daß Köhler die durch 
die Orthographie der inschrift an die hand gegebene Schreibung 
axtlei, &vyci aufgeben und dafür so monströse formen wie axeXe, 
&i?i in den text setzen konnte (vgl. Dittenberger , Herines 17, 
36 anm.). Ebenso wenig verstelle ich, wie Keck sagen kann, 
daß auf inschriften, so viel ihm bekannt sei, kein dual auf -tt 
vorkomme, da doch in den von ihm anderswo citierten Curae 
epigraphicae Weckleins p. 13 f. ausführlich über diese formen 
gesprochen wird, freilich mit sehr wenig einsieht. Formen, die 
man nicht in der elementargrammatik gelernt hat, einfach anzu- 
zweifeln und zu sagen certe non crediderim Aristophanem Thesm. 
256 reo aaiXst, vel Eq. 983 nv.tvsi öVo %Q7]ai(im voluisse, während doch 
das traditionelle C allerdings schon von Herodian gelesene: 1,420, 
11 ff. Lentz) reo axfXr/ , -ixsiuj xQijaium nicht besser attisch ist, 
als zw t]Xoi und /.ovo/ 8io yQycsium es wäre, und die damit gleich- 
gesetzten formen ntor/.a'/.l} h rrgsaßij sich höchstens aus dem dual 
von -evg erklären lassen, — hätte sich der Verfasser einer schrift 
nicht sollen beigehen lassen , deren aufgäbe es war die hand- 
schriftlichen texte aus den inschriften zu berichtigen. Hier zeigt 
Keck (p. 23) richtigeren blick, wenn er den neutralen dual 
auf -// den inschriften und den rednern abspricht ; er hätte ihn 
der Atthis überhaupt absprechen dürfen ; inschriftliches r,xtl7j, 
£tv?i] dvo (C.I.A. 2, 660, 12. 63) ist natürlich plural (vgl. ibid. 
z. 21). Beiläufig: womit will Köhler sein [_Öiu Öi'kj e]rij C.I.A. 
2, 557, 10 „während zweier jähre" rechtfertigen? 

Ich gehe zu den endungen des genetivs und dativs über ; 



196 35. Griechische grammatik. Nr. 4. 

aiv (p. 15): Beim dativ rapiiaiv kommen als weitere belegstellen 
hinzu 2, *834»>, I, 3. 35. 38. II, 2. 75 (328 a. Chr.). Neu die femi- 
ninalen dative atrjlaiv , lidivaiv aus dem fünften Jahrhundert 
(inschrift von Eleusis Ditt. 13, 49) und ßi)vl?vo(iivaiv bündnis 
mit Eretria Dittenb. 52, 2 (um 390), endlich der genetiv qui- 
gaiv 2, 834 b , 11,42 (328 a. Chr.). — oiv (p. 20. 24): Zu Otolv 
liefern die beiden eleusinischen inschriften Dittenb. 13 und C.I.A. 
2, 834 b zahlreiche weitere belege in beiden casus , dazu (frühe- 
stens aus dem ersten Jahrhundert a. Chr.) Dittenb. 378, 6 ein 
&eoh im dativ. Zum genetiv 'Aväxaw , den Keck irrthümlich 
der zweiten declination einordnet, füge man 2, 699, II, 30 (mitte 
des vierten Jahrhunderts), zum genetiv nnöofa 1054, 42 (347 a. Chr.). 
Neu sind nölsoiv (dativ) bündnis mit Eretria Dittenb. 52, 2 und 
daxrvXoiv (genetiv) 1054, 50. 56. 74. 83. — Ich möchte übri- 
gens zu p. 20 fragen, wie Keck dazu kommt das &sofo der eleu- 
sinischen inschrift C.I.A. 1, 5 als masculinum zu fassen, und 
hervorheben, daß zaXaviom unbelegt ist, indem an der erstem 
der beiden belegstellen (1 , 273 f.) die ergänzung 8vo?v ia[).äv- 
toiv] zwar wahrscheinlich aber nicht beweisbar, an der zweiten 
(2, 380, 27) bloß 7uläf?[ooi<~] zulässig ist, wovon gleich nachher. 
P. 25 ist HEPOIN mit einem stern zu versehen; die anmerkung 
dazu ist thöricht. 

Ueber die Verbindung des genetivs und dativs von 8vo mit 
nomina ist, zum theil im anschluß an Keck p. 19.42 — 49, fol- 
gendes festzustellen. Auf den inschriften gilt bis um die mitte 
des vierten Jahrhunderts ÖvoTv mit dualischem nomen ; es dauert 
noch über diese zeit ; das jüngste mir bekannte beispiel ist dvoTv 
>)[*8Qaiv 2, 834 b , II, 42 (328 a. Chr.). Daneben kommt es aber 
auf dvoiv wie Svo mit pluralischem nomen zu verbinden. Ich 
weiß nicht, ob man bereits 791, 36 (377/6 a. Chr.) xcanäv dyar- 
ridwi' ||| und 802 b , 39 ■Aancör || (um 348 a. Chr.) dahin ziehen 
soll; sicher aber 1055, 64 agdocräraiq 8voit> lidtvoig (345 a. Chr.), 
741 Ag 4 czecfdvwr dvoh> (330 a. Chr.), 807 b , 117 &tf a^t^ogevai 
dvoiv (323 a. Chr.), 834 b , 32 dvolv nhoaitoi[g] , wo indeß die 
Überlieferung auch ohwaizoir gestatten würde. Nicht verwerthbar 
ist 1055, 3 ixazöv nsvrrjxovra 8volv dga^xäv (trotz des homeri- 
schen V.0VQO3 8l'03 Kai 77 SIT l]XOVTa). 

Ein weiteres war das aufgeben von 8voh selbst. Der alt- 
hergebrachte flexionslose gebrauch von 8vo (vgl. Keck p. 39) läßt 



Nr. 4. 35. Griechische grainmatik. 197 

sich aus den iuschriften nicht sicher belegen , wohl aber zwei 
Umgestaltungen der flectierten form. Einmal in das noch immer 
räthselhafte dvüv , zuerst 2, 167, 78 8vsiv a[vri£vy — J. Keck 
setzt die inschrif't in Alexanders des großen zeit, hat also ebenso 
wenig als sein Vorgänger Röper p. 20 in den Addenda p. 411 
gelesen, daß Köhler sich nachträglich der meinung Schäfers und 
Wachsmuths anschloß, wonach die Urkunde bald nach 307 auf- 
gezeichnet wurde. Dann 302/1 a.Chr.: 1138,7 [y.~]lt]o(y>v 8vhv 
[i/^]nrtr/<^/if'io)i' und aus ungefähr derselben zeit 2, 281,5 8vvv 
ocöfA^ttrcov — a^\vreay.tv(tnfjt'imr. Eben dahin stelle ich C.I.A. 2, 
591, 4 (von Keck gar nicht erwähnt) [ajtjkjai^ JTEI x«? <jt[Jj- 
aat~] xre. Köhler liest 8v(o)i und bemerkt, daß die inschrift den 
letzten jähren des vierten Jahrhunderts angehöre. Aber 8vat ist 
für Attica bis jetzt erst für eine viel spätere zeit nachgewiesen 
(siehe unten), während gerade in den jähren, denen die inschrift 
angehört, Svtlv sehr beliebt gewesen sein muß. Es läßt sich 
auch leichter in den text einsetzen: 3t>«0>. Endlich bald nach 
229 a. Ch. 2, 380, 27 Svei» ralan — . Es ist klar, daß die 
zwei (drei) stellen mit vollständiger nominalform maßgebend sein 
müssen, also nicht mit Köhler avri&yoiv (?), zaXäi>ioii', sondern 
nur dt'Ti&yoifi?), raXavicav ergänzt werden darf (Keck wider- 
spricht p. 47 dem p. 46 gesagten). Jenes 8velv rm/A«<<,', äirt- 
t,vyoiq widerlegt, wenn richtig ergänzt, die regel der alten, wo- 
nach diese form des Zahlworts In) pövtje yevmrjg jIQstui (Phry- 
nichus p. 210 Lob. u. a. m.). Die regel ist nicht einmal, trotz- 
dem es Poppo Proll. ad Thucyd. I, p. 224 behauptet, sonst 
völlig richtig; vgl. iv heoi Sveh bei Hegesipp (Ath. 7, 290 B). 
Aber allerdings hat Svsh überwiegend dem genetiv gedient (vgl. 
z. b. den index zu Aristoteles); im dativ war eben später 8vai 
das beliebteste. Worauf die thorheit des Arcadius (G. Meyer, 
Griech. grammatik p. 323), daß Svefo dem femininum angehöre, 
beruht, weiß ich nicht. Das völlig pluralische 8val weist Keck 
p. 40 aus 2, 467, 27. 469, 76. 471, 48 nach, wozu noch Eph. 
Arch. 1202 bixöow 8vaiv (Wecklein p. 28) kommt, unter welchen stel- 
len keine älter als das ende des zweiten Jahrhunderts a. Chr. ist. 
Außerhalb Atticas ist es viel früher belegt : so in der nicht 
lange vor 300 a. Chr. aufgezeichneten inschrift von Teos Lebas, 
Asie mineure 86, 26 (über C.I.A. 2, 591, 4 siehe oben). 

Beiläufig noch eins ; bei Röper, De dualis usu p. 21 heißt es : 



198 35. Griechische grammatik. Nr. 4. 

„pro 8rn Plato interdum birroi usurpat, formam a vulgari consue- 
tudine longius remotam, sed apud tragicos frequentem ; etiam hoc mo- 
dum eius dicendi significat". Hiemit vergleiche C.I.A. 2, 836 B 
c — k 19. 62. 64. 107 und. sonst ocp&alpöi dir rot (Riemann, Re- 
vue de philol. 5, 165 anm.). 

Ueber den gebrauch in artikel und pronomen ist nichts we- 
sentliches beizufügen-, femininales mir (Keck p. 27) findet sich 
auchDittenb. Syll. 52,2. C.I.A. 2, 660, 33. 36. 672, 26. 34. 682, 
20. 744 B 9 ; häufig in 834 b mit dsoh ; Dittenb. Syll. 378, 6. Weib- 
liches rohotv 2, 650, 8. 652 A 28. 656, 5. Warum sagt der 
Verfasser kein wort von nVtjX-? 

Zu anfang des syntactischen abschnitts p. 58 f. stellt der 
Verfasser die substantiva zusammen, welche bei den rednern und 
auf den inschriften überhaupt vorkommen, damit daraus ersehen 
werde , bei was für Wortklassen der dual beliebt werde. Und 
richtig hebt er hiebei die fälle hervor, in welchen 8vo (oder 
a/tqoi) nicht dabei steht. Aber die ausführung ist sehr mangel- 
haft. Zunächst ist das zu grund gelegte Verzeichnis ungenü- 
gend; so ist das inschriftliche "Hoojv (p. 25) nicht angeführt; 
mehrfach sind mit dem schon gerügten irrthum in schriftliche bei- 
spiele , wo das zahlwort durch das Zahlzeichen ausgedrückt ist, 
durch einen stern als eines Zahlworts entbehrend gekennzeich- 
net; so außer früher bemerktem ßoe, auf p. 21 ohne stern ge- 
geben: 1,276, 16. 17, an der belegstelle des Wortes, haben wir 
BOERP — BOEJT; hier läßt doch das W[o] bei dem zweiten 
ßÖF aufs bestimmteste annehmen, daß auch ßos tQ\yuta\ des Zahl- 
worts nicht entbehrte. 

Sodann hätten, was besonders für die redner in betracht 
fällt , die fälle in eine besondere klasse gestellt werden sollen, 
wo der dual des Zahlworts nicht bedurfte, weil die zweiheit aus 
vorhergehender nennung der betreffenden personen oder gegen- 
stände sich ergab. Besonders klar ist dies gleich beim ersten 
auf p. 58 augeführten beleg tovtoip roh' diu^ijnaiv Isaeus 5, 15; 
am anfang des § steht: 8vo yan 8in&ijiiai nmcpdttjnav. Eben 
solcher art sind a8g).qi8oh' , [MQnxioir , naifte, naidoiv , nö\ss % 
Tiohj, nolFOii 1 , f)vya7t-'ni>iv. Auch TQrnvn und Xoyniv gehören hie- 
her: die zweizahl ist hier durch die abhängigen genetive gege- 
ben. In Isae. 6, 6 zcä fii.r ovv ddelcfca uvto), odttsq iyeriadtjr, 
ttfirfm unuifi? itt^tVTijadtrjv' mir <V uftfXcpaiv rf/ fitv ktiqu ovx 



Nr. 4-, 35. Griechische grammatik. 199 

jjv aggfv naifttov . . . , ex flf Tjjg sTf'oag ijgtijv v't<» 8vo , leistet 
beim ersten nomen das folgende uiirfo , beim zweiten die regie- 
renden worte t~i (isv srioa — ?'x de rr/g st^qu^ für das zahlwort 
ersatz. Und wenn, was ich nicht glauben kann , Hyperides fr. 
55, 167 Bl. noyarati richtig sein sollte, so fiele es, als appo- 
sition , natürlich außer betracht. Dittenberger , Syll. 52. 2 roh 
ät'Xsoir gehört auch hieher. 

Nach diesen Streichungen und unter zusatz des aus den 
von Keck nicht ausgebeuteten inschriften sich ergebenden ma- 
terials erhalten wir folgendes bild des nackten duals : er steht 

1) bei körpertheilen: x s 'L >£ or -> '/£Q''" or. Keck fügt aus 1,324 b, 
II, 42 (rm) 'qiftuXucb (tov xiuroS) hinzu!! Beachtenswerth ist, 
daß von den sieben beispielen von pluralischem %i*TQ£g aus den 
rednern (p. 59 anm.) nicht weniger als vier den tetralogien des 
[Antiphon] angehören. An den drei andern stellen , die alle 
älter als 350 sind, ist vielleicht ohne weiteres der dual einzu- 
setzen. — Mit den körpertheilen stehn die zugehörigen geräthe 
auf einer linie (vgl. Ar. Eccl. 348 ig reo xo&ngvco -zm noö' 
tvdsic It/Atjv). Daraus erklärt sich trqpdico, sicher ohne zahlwort 
2, 652 A 17: <i7s(pix»r] , ir(pd[l]co , ogpog } vnodsgCg. Sonst wird 
auch diesem das zahlwort oder das Zahlzeichen beigesetzt; 
758 A II , 40 (gegen 330) wird eine weihung von nmdta 
durch eine frau berichtet ; es ist offenbar ein paar gemeint. — 
Sprachlich ist das wort auch abgesehen von seiner dualischen 
form von hohem interesse : erstens als ein beispiel , wie auch 
Wörter, die uns für Attica nur aus inschriften bekannt sind und 
von der literatur ausgeschlossen waren , in die yoiiij übergehen 
konnten (inschrift von Halicarnaß C.I.G. 2663, 7 und Moeris 
s. v. faeoTia) — wofern man nicht annehmen will, daß es ur- 
sprünglich auch andern mundarten eigen gewesen sei. Sodann 
als die einzige ableitung aus dem kürzern stamme von nvg. Das 
wort ist wohl ein deminutivum, wie so viele bezeichnungen von 
gegenständen der kleidung und des putzes aus leicht begreifli- 
cher Ursache es sind , und beruht auf *iv-j}va-ig vgl. nuoonig, 
pnodeQt'i •, aus *ivovnl.dior — *iiovtdinr hätte attisch ivoidiov wer- 
den sollen ; das ro beruht gerade so wie das co in dorisch lag 
für ovg auf dem streben nach angleichuug an rörn'c u s.w. Be- 
sonders ist Theocrits ufjcptoqg zu vergleichen, das aus dem aus 
Bva.7- abstrahierten nominativ olag nachdem muster von rwir.ag- 



200 35. Griechische grammatik. Nr. 4. 

avs/joaasntji; und ähnlichen gebildet ist; auch hier sollten wir 
Uficpovtjg erwarten. Vielleicht ist im halicarnassischen allerdings 
erst römischer zeit angehörigen iroidtov das ursprüngliche bewahrt 
und damit der beweis geliefert, daß das wort anderwärts ein 
von Athen unabhängiges dasein hatte. 

2a) reo JtoexoQm, *A\äv.oiv, 700 Oscö nebst roiv ösoiv: allge- 
mein bekannte götterpaare. Ebenso gewiß i'iqcov CIA. 1 , 3 
(Add. p. 5) neben ijgq) ibid. 

2b) reo ra^ia. Kaum hier zu nennen ist 1, 79, 14, weil 
sich der dual auf die zweizahl der 8vo dtSne, deren wähl z. 10 f. 
vorgeschrieben wird, zurückbezieht, wohl aber 2, 570, 3 raftiouv 
(ohne artikel, wie C.I.A. 1, 5, 5 &soiv) von den Schatzmeistern 
der Plotheer, deren zweizahl allen demoten bekannt ist, und ta- 
(jtiaiv 7ou> üeoh (ebenfalls ohne artikel) 2, 834b (add.) I, 3.35. 
38. II, 2. 75, bezeichnung des notorischen schatzmeisterpaares, 
das vom rauiag roiv Oeoiv an den betreffenden stellen unter- 
schieden und mit ihm als rupicu roh &eoh I, 37 zusammenge- 
faßt wird. 

Notorisch war ferner für jeden leser der inschriften C.I.A. 
1, 318 und 319 die zweiheit der nyiilpiars wie der xXinav.s, 
von denen in jenen die rede ist. Ebenso bei reo hcpdalfua rov 
xtoi'og 1, 324° II, 43 und tw Innm zco ^svyvvfxivco I, 8, wo auch 
ohnedies der dual nicht besonders auffiele. Und so ist an und 
für sich nagaorüra 2, 803 b , 76 ( schiffsinschrift von 341 a. Chr.) 
nicht anstößig, da zwei die normalzahl der nugacträrai beim at- 
tischen schiffe ist (Böckh, Seewesen p. 126). Bedenken erregt 
der umstand , daß dieses beispiel eines duals auf -« ein men- 
schenalter später fällt als die jüngsten, die sonst bis jetzt nach- 
gewiesen sind. Diese finden sich in den ältesten navalen Ur- 
kunden, aber hier regelmäßig mit beigegebenem Zahlzeichen. Wie 
sollte nun in einem Verzeichnis, in dem sonst das dasein von naoa- 
arürai einfach durch die setzung von „naQuorärag" constatiert wird, 
der redactor plötzlich darauf gekommen sein, einer längst außer 
gebrauch gekommenen dualform sich zu bedienen? Das wort steht 
am zeilenende, ich vermuthe na(>aoräru\_(f\. 

c) Klar sind auch 8axzvli<o und uvridixotv in C.I.A. 2, 665, 
12: oqiQuyide 8vo uQyvgco daxTvltm [ßiovaa] und in dem gesetz 
bei Dem. 46, 10: toiv avridixoiv tndruyxeg tlvai dnoxgi'vaaOai 
allrfknig. 



Nr. 4. 36. Griechische grarximatik. 201 

3) Es bleibt C.I.A. 1, 472: al n ia to&s KiXmv na[8oi{v) 
htOijy.trr i9«i-o(r)ro/(j'), wohl das älteste beispiel überhaupt. Der 
gebrauch des nackten duals hat zur Voraussetzung, daß entweder 
die beiden söhne abgebildet oder genannt waren oder aber Kylon 
nur diese zwei besaß (vgl. PI. Alcib. 118 E zm TlsgiKleovg vlif). 

Anders steht es mit 2, 758 A II, 21 bnodegide, neben 
atlsyyide dem jüngsten beispiel von -a auf inschriften (kurz vor 
330 a. Chr.). Weder dafür, daß im unterschied von den son- 
stigen außer A II, 39 nur aus einzelnen stücken bestehenden 
geschenken zwei vnndagide aufgeführt werden, noch dafür, daß 
dieselben ohne zahlangabe schlechtweg als paar hingestellt sind, 
läßt sich eine begründung finden. Sollten die zwei daselbst ge- 
lesenen stricheichen wirklich , wie es den anschein hat , E be- 
deuten und nicht vielmehr vnodsQt'da einzusetzen sein? (vgl. 758 
A II, 26. 29. 31. 37. III, 18, 23). Jacob Wackernagel, 

36. Antonius Sickinger, de linguae latinae apud 
Plutarchum et relicjuiis et vestigiis. (Diss. Heidelb.) Friburgi 
1883. 8. 87 p. 

Plutarch bemerkt im zweiten capitel des Demosthenes , daß 
er sich erst spät die lateinische spräche angeeignet habe und 
daß seine kenntnis derselben nicht so weit reiche, um die reden 
eines Cicero richtig beurtheilen und seine beredsamkeit mit der 
des Demosthenes vergleichen zu können. Diese notiz ist ver- 
schieden gedeutet und namentlich für quellenkritische Untersu- 
chungen verschiedentlich ausgenutzt worden. Die einen wollten 
darin nur den bescheidenen sinn des Schriftstellers erkennen und 
meinten , seine nicht geringe kenntnis des latein gehe schon 
daraus hervor, daß Plutarch eine große zahl lateinischer Schrift- 
steller gelesen und benutzt habe. Auf der andern seite wurde 
behauptet, Plutarch könne Schriften lateinischer autoren nicht in 
dem umfange benutzt haben, weil er eine zu mangelhafte kennt- 
nis des latein besaß , und zum beweise hierfür berief man sich 
außerdem auf zahlreiche stellen, an denen Plutarch lateinische 
ausdrücke theils falsch anführe, theils falsch übersetze und er- 
kläre. Diese letztere ansieht hat jetzt das übergewicht. Indes- 
sen scheint man Plutarch doch vielfach unrecht gethan zu haben, 
indem man theils an einigen stellen fehler statuiert hat, wo keine 
begangen sind, theils dem Plutarch fehler zur last legt, die er 



202 36. Griechische grammatik. Nr. 4. 

möglicherweise seinen quellen entnommen hat. Jedenfalls aber 
darf jene notiz nicht als ein argument gegen die benutzung la- 
teinischer Schriftsteller ins feld geführt werden. Denn dieselbe 
vermeintliche Unkenntnis der lateinischen spräche, die man z. b. 
als grund gegen die benutzung des Varro mit anführte, hat doch 
nicht verhindert, den Coelius Antipater, Valerius Antias, Sallust 
u. a. als quellen des Plutarch anzunehmen. Und in Wirklich- 
keit ist die Unkenntnis auch nicht gar so groß und die fehler 
und inconsequenzen sind entweder nicht vorhanden oder lassen 
sich zum theil wenigstens erklären. Dies ist im wesentlichen 
das resultat oben genannter abhandlung, in welcher alle stellen 
des Plutarch , an welchen lateinische ausdrücke vorkommen , im 
zusammenhange geprüft und die art , wie Plutarch bei der wie- 
dergäbe und erklärung lateinischer Wörter verfuhr, untersucht 
wird. Wir müssen dem Verfasser für die vollständige Zusammen- 
stellung des materials und für die vielfache berichtigung frühe- 
rer irrthümer dankbar sein. Auf selbständige behandlung quel- 
lenkritischer fragen , wozu hier und da gelegenheit gewesen 
wäre, hat sich der verf. nicht eingelassen. 

Sickinger handelt zuerst über die Schreibung und betonung 
der lateinischen Wörter bei Plutarch. Er sucht gewisse principien 
aufzustellen, nach welchen Plutarch bei der wiedergäbe von vo- 
kalen, konsonanten und endungen lateinischer ausdrücke im grie- 
chischen verfuhr. In den handschriften herrscht in dieser be- 
ziehung große Verwirrung und Unregelmäßigkeit, ebenso in den 
ausgaben. Sickinger bemüht sich die inconsequenzen, deren sich 
die herausgeber (auch noch Sintenis theilweise) schuldig machten, 
zu beseitigen, theils auf grund rationeller erwägungen theils mit 
hilfe inschriftlicher Zeugnisse. So wird zwar lateinisches i bis- 
weilen durch s wiedergegeben {/lo^ariuioi;^ Känettoliov), nicht 
aber gehen ij und i in einander über: daher ist Zv.intm\ zu 
schreiben, nicht JSxqaiwr, wie die handschriften oft bieten; ebenso 
0r]tioileig (nicht (Z>(r(uAfci s ). Unstatthaft ist ferner die Schreibung 
Ktxi'lio^ für KarKiXiog u. dgl. Als einzig richtige Schreibung wird 
vmiai (Nonae) erwiesen, wofür in den handschriften sich auch die 
formen löiui töiiai tünui finden. Vielfach werden lateinische 
namen und ausdrücke im griechischen modificiert und ihnen ins- 
besondere griechische endungen gegeben, z. b. layxia (lancea), 
xü/y.to*; (calceus), Ovl'i'8i% (Vindex) u. a. Eigentümlich ist bei 



Nr. 4. 36. Griechische graminatik. 203 

Plutarch die betonung einzelner Wörter : alle Wörter der ersten 
declination behandelt er als paroxytona KXsonüzQav , Teuri'uv, 
'AOhäiav (coronam), (plu/Atvixa)* , [iei(OQiti/,i etc. Die endung' der 
Wörter der zweiten declination ist meist durch o,' wiedergegeben 
(so auch asrüroif); nur patronus und Terminus sind gräcisiert zu 
nuTtibjr und Tto/jooi. In der dritten declination bekommen ei- 
nige Wörter auf is und er die endung der zweiten deklination 
o*' : 'AnQtliog (Aprilis) , Kvnivd/uo^ (Quirinalis) , JSsntefAßQiog etc. 
Stärkere änderungen sind K a h X i o ^ Ooutio*; und anölia 6 n i- 
(ii a, wo Sickinger assimilation der enduugen annimmt, ferner 
op'iz = ovatio und o£« = om's u. a. Im großen und ganzen 
können Sickinger's aufstellungen auf Zustimmung rechnen. Nur 
wäre zu wünschen gewesen , daß er auf den diesbezüglichen 
Sprachgebrauch des Polybius Diodor Dionys von Halicarnaß 
Appian und anderer griechischer Schriftsteller rücksicht genom- 
men und dieselben mehr zum vergleich herangezogen hätte. 
Z. b. der name Manlius wird von griechischen Schriftstellern con- 
stant Mülliag wiedergegeben; der name Aequi durch slUuvoi 
(wie bei Plut. Cam. 2) , auch bei Dionys und Appian ; zu dem 
namen Ovälr^ {Valens) ist KX/ifuj^ zu vergleichen, wie im grie- 
chischen regelmäßig für Clemens gesagt wird. Ariovistus heißt 
in den handschriften (Caes. 19) ' Acjtnf-vvio^ : Dittenberger wollte 
' AnioviGTog, Sickinger will ' dgioßtatog schreiben; ich glaube, es 
ist ' sfgn'oviGToc zu schreiben wie bei Appian (nv consonantisch 
auszusprechen: vgl. 'Oovixovlu^ Fab. Max. 1. J^t-'govwg <I>6koviog 
in inschriften Dittenberger Hermes VI, 302). — Die form övw- 
Qbi (Quaest. Rom. 13) ist schwerlich richtig , sondern nach (jijyi 
(Qu. Rom. 63) in ovwqi zu ändern: daß Plutarch hier die ur- 
sprüngliche quantität des i im äuge hatte (Sickinger p. 24), ist 
undenkbar. Ebenso ist nach TovQKOväro^ (Fab. Max. 9) der 
circumflex herzustellen in narguTog otvuio^ etc. 

Der zweite abschnitt enthält eine Zusammenstellung aller 
etymologien und erklärungen lateinischer ausdrücke, die sich in 
den Quaestiones Romanae und den römischen biographien finden. 
Diese erklärungen rühren zum weitaus größten theil nicht von 
Plutarch her, sondern stammen aus dessen quellen, hauptsächlich 
aus Iuba. Im dritten capitel werden diejenigen stellen behandelt, an 
denen Plutarch lateinische ausdrücke verwechselt und falsch er- 
klärt hat resp. misverstanden haben soll. Ein theil der bemer- 



204 37. Homeros. Nr. 4. 

kungen ist gegen Thilo gerichtet, dessen ansichten längst auch 
von anderer seite widerlegt sind. Vielfach wird Plutarch von 
dem Vorwurf der Unkenntnis des lateinischen und von fehlem 
in der erklärung lateinischer worte entlastet. Hervorzuheben ist 
namentlich die auseinandersetzung, mit der die handschriftliche lesart 
dtlqiiac agyvQO-vs (Tib. Gracch. 2) gegen die conjektur delquxag 
ägyVQovg vertheidigt wird, ferner die ausführung über die bedeutung 
von dsGfAWTfjQia ßugßaQtxd (Tib. Gracch. 8). Leopold Cohn. 



37. Indicis grammatici ad scholia veneta A exceptis locis He- 
rodiani specimen. Scripsit F. B. Leidenroth. Berolini 1884, 
apud S. Calvary et Socium 8. 65 p. (Berliner Studien für 
class. Philol. I, p. 719—783). 

Wir begrüßen in dieser Schrift den anfang eines schönen 
Unternehmens der allzeit rührigen Verlagsbuchhandlung von Cal- 
vary. Es soll nämlich von allen im codex Venet. A erhaltenen 
Homerscholien mit ausschluß derer des Herodian ein Index gram- 
maticus in der weise verfertigt werden, daß die termini technici 
sowohl anderer scholien, wie der fragmente der werke des Ari- 
stonicus, Didymus und Nikanor in alphabetischer Ordnung auf- 
geführt, erklärt und mit den hauptsächlichsten stellen belegt 
werden. Die in diesem hefte vorliegende probe ist bereits bis 
zum buchstaben s gediehen und wollen wir hiemit dem ganzen werke 
einen möglichst raschen und glücklichen fortgang wünschen ins- 
besondere im interesse aller derer, die sich vermöge der rich- 
tung ihrer Studien zum ersten male mit diesen scholien zu be- 
schäftigen haben. Es war vorauszusehen, daß eine in dieser rich- 
tung mit geschick unternommene Zusammenstellung durch die si- 
chere feststellung des jedem der in frage kommenden gramma- 
tiker eigenthümlichen Sprachgebrauchs einmal eine sichere basis 
schaffen mußte, auf welcher es allein möglich ist, das eine oder 
andere scholion nun endgiltig entweder dem einen oder andern 
autor zuzusprechen ; sodann konnte aber auch der hier noch viel- 
fach unsicher umhertastenden conjecturalkritik durch aufzeigung 
des allein möglichen und zulässigen Sprachgebrauches die Wahr- 
scheinlichkeit oder unwahrscheinlichkeit ihrer versuche klar ge- 
legt werden. Und der Verfasser der vorliegenden probe hat 
ganz recht gethan — mag auch das stockphilologenthum jam- 
mern , daß das denn doch so nicht recht eigentlich im vollen 



Nr. 4. 37. Homeros. 205 

und richtigen sinn ein index sei — daß er manchmal die be- 
liebte Schablone verlassen und auch selbst seine Sammlungen 
nach beiden richtungen meistentheils mit glück ausgenutzt hat. 
So sind wir durch die gute beobachtung, daß arev in den echten 
fragmenten des Aristonicus nicht vorkommt, wohl für immer von 
Cobet's conjectur befreit p. 51 init. Gut ist, was Leidenroth 
p. 22 auch hier von der richtigen beobachtung des Sprachge- 
brauchs ausgehend zu dem scholion des Aristonicus ä 377 be- 
merkt hat. Eichtig scheint mir auch seine anderung zu 2 505 
p. 15. So sind auch die scholien p. 14 unter ulXuyi] yj/övov, 
p. 16 unter i'i/jsTgog und ebendaselbst unter uvaytyvoÖGxEiv un- 
zweifelhaft richtig dem Aristonicus zugewiesen. Auch p. 20 
ist der zweite theil des scholions zu E 75 richtig als aristoni- 
ceisch erkannt; aber mit dem ersten theile wußte auch Leiden- 
roth nichts anzufangen und derselbe ist auch total unverständ- 
lich, wenn man nicht mindestens o«'/ vnziov schreibt. 

Weniger dagegen als man erwarten sollte , ist die arbeit 
Leidenroth's kritisch verwerthet gegen die notizen der recentiores ; 
nur kurze anlaufe sind genommen p. 13 fin., p. 17 med., p. 41 
init., p. 47 fin., p. 57 fin., p. 61 unter Siacpegsiv , p. 63 med. 
Es hängt aber dieser umstand ganz nothwendig mit der kaum 
glücklich zu nennenden anläge des ganzen Werkes zusammen, 
das sich nach seinem titel nur auf die scholien des Venet. A 
beschränken will und wozu der Verfasser leider durch den un- 
glückseligen mißgriff Dindorfs verführt wurde. Hoffentlich ist 
aber durch Dindorfs Vorgang dieser fehler nicht verewigt wor- 
den ; denn sobald einmal die vielen kürzungen und Verstümme- 
lungen der scholien des codex Venet. A erwiesen waren, mußte 
man sich erst recht nach den möglicherweise in andern hand- 
schriften vorliegenden Verbesserungen oder ergänzungen umsehen, 
und das gesetz vernünftiger schriftstellerischer Ökonomie verlangt 
doch auch gebieterisch, daß man dann dieselben nicht in einem 
fünften oder sechsten scholienbande vergräbt , sondern der be- 
quemeren benutzung und der Übersichtlichkeit wegen in unmit- 
telbarer folge an die verstümmelten scholien des Venet. A an- 
reiht. Hätte Dindorf das gethan, dann würde Leidenroth gewiß seine 
arbeit auf das gesammte in einem solchen scholienbande enthaltene 
kritische material ausgedehnt und den werth derselben bedeutend 
erhöht haben. Eine große erleichterung der arbeit würden wir 
Piniol. Anz. XV. 15 



206 37. Homeros. Nr. 4. 

erfahren, wenn wir nun mit hülfe des Index die am texte der 
originale vorgenommenen änderungen bei späteren nachweisen 
könnten. Wie sehr sich aber die ausdehnung des werkes be- 
sonders auf die scholien der Odyssee empfehlen würde , liegt 
doch für alle kenner auf der band und jetzt, wo doch der größte 
theil des daselbst vorliegenden werthvollen materials in zum theil 
guten Sammlungen vorliegt, denke ich mir diese aufgäbe als nicht 
allzu schwer. Haben doch gerade die daselbst vorliegenden 
scholien der viermänner unter der hand ungeschickter redak- 
toren manchmal eine so gründliche Umgestaltung erfahren , daß 
es ganz besonders schwer ist , die originale auch nur einiger- 
maßen mit Sicherheit herzustellen : aber mit hülfe eines hier si- 
cher leitenden index kämen wir wohl der sache schon um einen 
bedeutenden schritt näher. Keinenfalls aber durften die termini 
technici, die daselbst bei Aristonicus, Didymus oder Nikanor be- 
gegnen, aus der vorliegenden Sammlung ausgeschlossen werden. 
Ich will das an einem beispiele zu erhärten suchen. Unter 
ccnläg hat Leidenroth zuerst die stellen besprochen, wo das wort 
in den scholien überhaupt vorkommt, daran die des Aristonicus 
und Didymus gereiht. Aber gerade dasjenige scholion, in wel- 
chem der ausdruck im dienste der höheren kritik die bedeutendste 
rolle spielt, ist hier nicht angeführt. Ich meine die Untersuchung 
über die Lokalitäten der nhivri des Odysseus : es war ein haupt- 
argument, das Aristarch im anschluß an Eratosthenes gegen seine 
gegner ausspielte : bri tolg tönovg ä n X cö g Xiysi „KvxXcöncov ig 
yatav" (i 106) „Aloliijv g ig vyaov" (x 1) • itov 8i stoiv abtat 
.... ovaiti öiaaayei Q zu x. 1. Eine solche stelle sollte doch 
meines erachtens in dem index nicht fehlen. 

Es durfte sich ferner auch empfehlen da, wo uns aus andern 
quellen gute und richtige definitionen der in frage kommenden 
technischen ausdrücke erhalten sind, dieselben mehr als es bisher 
geschehen (vgl. übrigens p. 29, 45, 64) ist, entweder ganz an- 
zuführen oder nur kurz darauf zu verweisen. Ueber umfang 
und Vollständigkeit eines solchen werkes läßt sich natürlich streiten. 
Aber ein so häufig bei Didymus vorkommender ausdruck wie 
8t%mg durfte doch in dem index nicht fehlen. Auch angeneg, 
das in den scholien des Aristonicus eine so traurige rolle spielt 
A 29—31, r 423, /7 130—131, wird ungern vermißt. Für 
aquCuu konnte auch Aristonicus herangezogen werden d 630 



Nr. 4. 38. Homeros. 207 

(oi nalcuot A 76). Ebenso war bei der erwähnung von dno 
p. 37 nee minus significatur anö praepositione, unde notio translata 
coorta sit auf Ariston. A 51 , A 390. 574, N 147, W 273 zu 
verweisen. So konnte auch p. 24 zeile 5 zu tiqos noch erwähnt 
werden, daß es so auch in Verbindung mit dem partieipium vor- 
kommt, wie B 484 nqbg zovg nsQiygdqiovzag ; ferner ist es auch 
fraglich, ob nicht an einigen stellen für nqog zo vielmehr mg 
tö zu schreiben ist, wie Ariston. A^ 456. Kaum glücklich 
scheint mir der Verfasser gewesen zu sein mit der bemerkung 
p. 41 Didymus enim rarissime argumentis falsam lectionem refellit. 
Das ist eben aus dem mehr als traurigen zustand unserer Über- 
lieferung zu erklären uud ich sehe gar nicht ein, warum nicht auch 
einmal ein Didymus, der pißltolüdaq , unter dem drucke eines 
eigenen, wenn auch dummen gedankens sollte gelitten haben. 

Zum Schlüsse möchte ich Leidenroth auf eine der interes- 
santesten stellen in der gesammten scholienlitteratur aufmerksam 
machen und dieselbe eingehender betrachtung empfehlen. Sie 
steht bei Aristonicus I 709 und lautet: v.u\ ort t'y i%ofitvr[ 
'AyaiAffiicof uQiartlti. Wie sind nun diese worte zu deuten? 
Was heißt ?j f^o/<«V?/? die sich anschließende folgende rhapsodie? 
das ist aber der XI. gesang? Also hat die aus V und Eusta- 
thius zu K 1 erhaltene wichtige und vielumstrittene notiz ihre 
volle und gute bedeutung und Aristarch hat den X. gesang als 
unhomerisch verworfen ? Oder ist nicht vielmehr iv zij i^o/ih^ 
fiüxiß zu schreiben? Meines wissens kommt so ij i^OfAsv?] bei 
Aristonicus nicht mehr vor. Unter 6 i%6(iei'OQ versteht er den 
folgenden vers wie B 318 ori Zrjvödotog yqäqisi aoidtjlov xai 
zov i%6 pe vo v 7iQoot : 0>jy.Ev. Hoffentlich wird uns also darüber 
der nächste band des index den gewünschten richtigen aufschluß 
geben. Adolph Roemer. 

38. E. A. Wolf, Prolegomena ad Homerum. Ed. tertia 
quam curavit Rudolfus Peppmüller. Adiectae sunt epistolae 
Wolfii ad Heynium scriptae. Halle , bixchhandlung des Waisen- 
hauses 1884. 8. 307 p. 2 mk, 40 pf. 

Das noch jetzt berühmteste buch der Halleschen waisen- 
hausbuchhandlung ist zum dritten male erschienen (I. aufl. 1795, 
II. 1859), und zwar in splendider ausstattung und authentischer 
correetheit, welche dem musterhaften fleiße R. Peppmüllers ver- 

15* 



208 38. Homeros. Nr. 4. 

dankt wird. Fast jede seite giebt zeugnis von der peinlichen 
revision, welche druckfehler der vorigen auflagen und scholien- 
notizen aus Villoison nach Bekker und Dindorf berichtigt, ver- 
sehen Wolfs nachgewiesen, wünschenswerthe zusätze in noten 
zugefügt und die citate durch nachschlagen sichergestellt und 
bequemer gemacht hat : nee poenitet me laboris in divino opere 
consumpti (VIII). So verdient der reinliche neudruck dieses Haupt- 
werks unserer Homerforschung volles vertrauen. Natürlich fehlen 
die Notae ineditae BekTceri, welche die enggedruckte Editio nova 
der Berliner coneurrenz (1872. 1875) laut als luculenta accessio 
anpries und neben die homerischen blätter zu stellen wagte, in 
der that dreißig ziemlich gleichgültige büchercitate , und ebenso 
ausgeschlossen sind die werthlosen , in der zweiten Berliner 
ausgäbe gedruckten anfange zum „zweiten oder technischen theil" 
der Prolegomena (258), rückständige Untersuchungen, welche 
Wolf noch im märz 1797 lieber „wegen ihrer besonderen ein- 
fachheit eine zeit lang errathen lassen" wollte (306), später 
(wohl wegen buchhändlerischer Schwierigkeiten) nicht vollendete, 
wie er auch die 1795 versprochene deutsche bearbeitung auf- 
gegeben hatte. „Mehrere beiläufige aufklärungen der Prolego- 
mena" liefert die auf Bursians anregung hin gebotene höchst 
willkommene und dankenswerthe zugäbe , die von Volkmann in 
seiner geschichtlichen Übersicht benutzten, aber wohl einem gro- 
ßen theil von lesern unbekannten fünf „briefe an hofrath Heyne 
von professor Wolf. Eine beilage zu den neuesten Untersuchun- 
gen über den Homer" (nebst zwei recensionen Heynes) Berlin 1797 
bei G-. C. Nauck (227 — 307). Der ersten bitte um eine „bestimmte" 
anzeige (18. 11. 1795) begegnete die recension (21. 11. 95) 
„ungefähr auf halbem wege" mit dem compliment, Wolf habe 
Villoisons „Prolegomena" verarbeitet und die resultate seiner Un- 
tersuchung Heyne entwendet, Die „briefe" fordern von der „kunst 
zu schweigen" bis zum 1. 8. 1797 zweimal eine ausdrückliche 
erklärung und constatieren ,,die sanftgrinzende Scheelsucht der 
gekränkten eitelkeit", die litterarische grausamkeit und „beweise 
von malignität", um endlich von allem in Zukunft diese „kunst- 
reiche redekunst abzuwehren". Sie sind ein muster energischer, 
gewandter und geistvoller polemik in Lessing'schem stil und 
bieten viel interessante zeitgemäße bemerkungen, z. b. über „das 
von Pope verschrieene ding", „das äolische digamma, das den 






Nr. 4. 38. Homeros. 2i»9 

alten sänger nichts angeht - , dem „ich weder ein feind noch ein 
freund bin", 259. 272: nach Heyne „war diese ältere aus- 
spräche der Hellenen auch den alten Ioniern gemein'' und „die 
alte epische dichtersprache aus Ionien abgeleitet - ', 269 , 265, 
sätze. die erst jetzt Fick leugnet . über den streit um den vor- 
aristarchischen Homer, philologische kritik der philosophen, „Voß, 
den mann von deutscher rechtschaffenheit und Lutherschem 
sinn'* '298;, denselben, den v. Wiiainowitz in seinen neuerschie- 
nenen Homerischen Untersuchungen kürzlich als „biederen aber 
ungeschlachten oanausen -- bezeichnet hat, u. a. Es darf aber, 
damit wir gegen Herne nicht ungerecht werden, nach dem grund- 
satz audiatur et altera pars hier nicht verschwiegen werden, daß 
Gr. Hermann in seiner schritt über Böckhs behandlung der grie- 
chischen inschriften p. 3 von „Woiis unbilligen ausfällen gegen 
Heyne -- spricht, zum klaren beweis, daß ersterer auch seine Zeit- 
genossen nicht alle auf seine seite gebracht hat. Die prolego- 
mena und die einzelnen in ihnen behandelten punkte haben na- 
türlich je nach dem zeitweiligen stand der forschung oder nach 
der individuellen Überzeugung des einzelnen sehr verschiedene 
beurtheilungen erfahren. Aber erst neuerdings ist v. Wiia- 
mowitz als ein wahrer A< ■<■. ^ i\ua.: gegen „den angeblich gro- 
ßen philologen . den nachiolger des geheimderathes Klotz ", 
„der um die priorität zankte und feilschte'' '400 f. 395), zum 
scharfen anklage? und strengen richter geworden: „lediglich an 
der darstellung liegt es . daß die Prolegomena , das gepriesene 
kritische meisterwerk, noch heute eine köstliche lectüre sind : die 
form ist so vollendet; daß der unbedeutende inhalt unbeachtet 
bleibt -- : ..inhaltlich stellen die Prolegomena fast so wenig einen 
fortschritt dar. wie seine ausgaben -- . „Die zeit hat über seine be- 
weise entschieden: 1) die Schrift ist nicht nur nicht so jung wie 
er sie wollte, sondern so alt wie Homer („diese Staubwolke ist 
verflogen 1- , 288,-. 2> die Pisistratische recension kann für die 
Zusammensetzung der Uias nichts beweisen; 3; die rhapsoden- 
schulen sind eine unerwiesene und. wie Wolf sie faßte, unwahr- 
scheinliche hypothese: ij eine analyse der Ilias aus ihr selbst 
hat er nicht einmal versucht: 5 die textkritik hat er noch we- 
niger als Heyne gefördert und ihre tieferen probleme nicht be- 
griffen : mit der von Bentley erschlossenen esi=tenz des Vau 
wußte Wolf noch weniger als Heyne, der wenigstens ahnte, daß 



210 39. Aiscbylos. Nr. 4. 

die sache bedeutend wäre, etwas anzufangen" (401. 399). Nur 
das läßt v. Wilamowitz als sein verdienst bestehen, „daß er die 
zunftgenossen zu einer Stellungnahme zu den Herderschen Vor- 
stellungen gezwungen hat" (400). — Die bedingte berechtigung 
dieses einschneidenden urtheils ist zweiffellos , aber den großen 
methodischen fortschritt wird die geschichtliche betrachtung stets 
stark anerkennen müssen. Hand in band mit Wolfs „kunstrei- 
cher redekunst" ging in den guten jähren der gewaltige eindruck 
seiner fascinierenden persönlichkeit , was nicht ausschließt, daß 
seine äußere saloppe haltung schon bei eröffhung der Berliner 
Universität dem ausgelassenen spott Clemens Brentanos in einem 
kostbaren brief an die brüder Grimm zum opfer fiel. Kehren 
wir nach dieser abschweifung nun zu Peppmüllers neudruck zu- 
rück , so dürfte es sich für ein anderes mal gewiß empfehlen, 
auch die in der einleitung von Ludwichs Didymos häufig citierte 
recension Wolfs über die Villoison'sche Ilias in der Jenaer lit- 
teraturzeitung von 1791 hier mit aufzunehmen. Durch druck - 
fehler steht p. 259 : Villioison, wohl auch: „ins stecken" (282); 
siehe noch p. 297. 304. 

Gustav Hinrichs. 



39. Aeschyli Agamemno, emendavit David S. Margo- 
liouth. London 1884, Macmillan u. co. 

Der Verfasser nimmt nach den grundsätzen seiner Studio, scenica, 
über welche in heft 5 berichtet werden wird , zahlreiche ände- 
rungen vor. Bei einigen derselben, die nicht neu sind, fehlt die 
angäbe des Urhebers, so daß nicht ersichtlich ist, ob Margoliouth 
sie als selbständige bezeichnen will, oder ob die auslassung von 
einem übersehen herrührt. So schrieb 205 roV, 673 mit Stan- 
ley, 572 ^vfxcpoQag , 603 urdg) Blomfield , 967 vneoreivovaa Ca- 
saubonus, 1079 nqoa^nov Meinecke (im Philol. XX, 72), 1252 
naQExonrjg Härtung, 1454 ßiov strich Butler, 1625 [it'vcov schrieb 
Wieseler s. Klausen, 1626 aia%vrmv Keck, zu 1045 hat Hense 
dieselbe erklärung. — Die perpolita oratio des textes soll einen 
commentar entbehrlich machen , doch ist dem referenten oft 
dunkel oder zweifelhaft geblieben , wie Margoliouth seine ände- 
rungen verstanden wissen will, so 614 mv statt mg, 637 xcogh 
si' ii nt] deov, 984 1-vv ipßöloig xpa^/Aioig nn/xä , 1090 und 91, 
1115 und 1116 [wo cpärov mit yeni vertauscht wird; es ist 






Nr. 4. 39. Aischylos. 211 

wohl nach £vvtvi>og puukt zu setzen und zu construiren : // azd- 
atg (twv 'Equiicov) z<p yivsi cporov "Evvaizta (Sept. 1054 heißen 
sie (jüegoiyereii,-) y.a) d-AntjBzng (qciov) xazoXoXv^uza) = stioq- 
diu&zcü vgl. schol. zu diesem verse und v. 1236], 1198 Q>][ict 
für TTtjuu, 1206 naXai ng, 1388 fivOov für &v(iop, 1422 naoe- 
axevaafieicp, 1447 stsi'vtjg für eivijg. Schwerlich möchte 1230 zev- 
~S,eTai = evasura sit sein. 

Manche änderungen geben guten sinn , sind aber früheren 
oder der überlieferten lesart nicht vorzuziehen, so 10 y.VQsi, 15 
ßtßuiip, 275 asßoifii, 323 oi qiXovize nonapjnoig (Stanley qiiXco), 
336 ooi 8vn8ui)jnrf. 1 = milites Achaei minus felices domum nul- 
lam sortiti. Die überlieferte lesart rot," dvadaiftovsg bezeichnet die 
gefallenen Trojaner, die gleich den siegern (den svÖalpoteg) nun- 
ohne wachen schlafen. 557 azhovtag daxüXXovzag, 597 xuivouv- 
zsg sonst bei Aeschylus nicht nachweisbar, 616 evnotnmv Xc- 
ywv. besser faßt man den genetiv als explicativ zu sQisijievaiv 
(wie 588 äyyeXnc nvQog), 637 x^Q' 1 ^ il Tt M ^ ov ' ^56 (^ er 
hagel wird gleichsam vom regen herabgetrieben), 657 ist wohl 
kaum der noiftfjv Menelaus. Soll uqüvTov noifihog gen. abs. 
sein? 664, 675 gefällt Überlieferung und änderung gleich wenig. 
722 yegttolg , 1211 u&ixrog , 1271 und 72 gewaltsame und un- 
nütze änderung, 1323 genügt Jacobs' Vorschlag f/Xiov , 1443 ist 
tazoroifitj^ neben vavziXcov nt) ttr/ron schwerlich = löznr fnoi^o- 
fihrj. Die Verbindung mit ravtlXmv hat wohl gerade den irr- 
thum mtto statt lao veranlaßt. 1657 spräche für (iÖqovq (statt 
86(xovg) ntnQwiiiiovQ frag. 299, aber der sinn ist hier unpassend. 

Entschieden zu verwerfen sind 7 dvzoXaig, 47, 72 und 226 
dyojyüv (1263 hat es ganz andern sinn), 213 i^avzov statt u/xuq- 
zä»> (weil viel zu mächtig), nach 218 die interpunktion , 361 
azip navalmzov , 473 äXörd', 520 "jfiuai , die Streichung von 
523, 547 nöXn statt azgnrw. Vielleicht ist zu lesen naffelv zi, 
was zu 549, 551, 554 gut paßt, leicht wegen 545 in no&nv 
und dann in nö&tv geändert werden konnte „war ein mißfall 
des heeres — dem zuletzt doch ?l n^TtQunzai folgte — grund 
deines mißmuths über das heer" ? 561 'iiinsSoi aivoi, 566 tjvSsi', 
588 nöXetog, 594 yvvuixsiot vo/ao) für yvtaixsicp vr'fim, 606 eiqsiv, 
697 irvoaiqivXXovg. Hier ist äxzdg d^iqvXXovg eng zu dt 1 sqiv 
ai/juzöiaaar zu ziehen : „dessen blutgedüngte gestade die bäume 
zu üppigem blattschmuck nähren sollten", 730 uycug, 788 schlecht 



212 40. Iophon. Nr. 4. 

erklärt, 913 %i>i> &scöi> el(ioiQ[tery , 934 &e'log rindet sich nicht 
bei Aeschylus, 1020 ob ngonaQ, 1058 wäre in dieser form bit- 
terer höhn, 1133 und 34 zu ändern ist kein grund, 1172 ovg 
ist nie = sanv ovg, 1244 sehr kühn erklärt, 1299 iqovoi (steht 
bei Aeschylus nie pluralisch), 1317 [ia&avay, 1431 6$xiav ■■■«ptjpqv 
&sfitg, 1640 naoutg, 1658 und 59 sind zu vielfach geändert. 
(Ueber einzelne punkte hat Weil, Revue crit. 1884, nr. 28 ge- 
sprochen). 

Befreunden kann man sich mit folgenden theilweise gewin- 
nenden änderungen, so 97 Ae'jfai o', 110 omqioova iuyöv , 111 
ngdxroQi vixag, 119 layivag eqixvuovi cpsoptaTt yenrag, mit der er- 
klärung von 384 und 819, 395 av&eh, 413 aniazog i/Ayurmv 
ideiv, 579 dö^ar, 584 l'jßij, 672 Ttfitjv', 714 xa/jnQoodir, 830 «, 
876 aXXai — 'EXhjviösg, 1075 xlvsiv, 1109 Xöyoiai yaiSoivana, 
1221 xctQÖCa, 1125 gut interpungiert , doch fehlt hinter hvtei 
nach vers 1128 Semikolon, 1479 rtloei, 1605 ,u' eXme, xuö)üp. 
Obwohl diese Verbesserungen beifall verdienen , so ist doch die 
textausgabe Margoliouths mit ihren zahllosen , zum theil phan- 
tastischen änderungen im texte ein unding. Die vorschlage 
würden sich besser ausnehmen , wenn sie bescheiden unter dem 
text ständen. — Druckfehler sind mir aufgefallen zu 224, 236, 
280, 284, 325, 464, 478, 600 (interpunct), 657 note, 777, 800. 

40. Oswald Wolff, de Iophonte poeta tragico. Mis- 
niae, typis C. E. Klinkich ti et hl. 1884. (Leipziger dissertat.). 
26 p. 8. 

Der kurze erste abschnitt dieses schriftchens handelt de Io- 
phontis genere, aetate, familia (p. 4 — 7). Mit recht urtheilt der 
verf. , es liege kein genügender grund vor zu bestreiten , daß 
sowohl Iophon wie Ariston einem söhne den namen Sophokles 
gegeben habe. Schwach ist dagegen die bemerkung (p. 7), der 
söhn des Ariston könne im jähre ol. 95, 4, in welchem er zum 
ersten male den chor erhielt, zwar 30, aber noch keine 35 jähre 
alt gewesen sein, weshalb man ihn nicht für den rapiag des 
jahres ol. 95, 1 halten dürfe. 

Cap. II. Quae necessitudo inter Iophontem et patrem interces- 
serit (p. 8 — 18). Hinsichtlich der bekannten worte in der Vita 
erklärt der verf. für die wahrscheinlichste annähme die von Gr. 
Hermann, daß nach nori. der name des Aristophanes ausgefallen 






Nr. 4. 40. Iophon. 213 

und daß dgäfian ein fehler statt dgäfiaai sei. Unleugbar ist 
Hermanns vermuthung scharfsinnig ausgedacht. Nur kommen 
wir, wenn wir eine erwähnung der Aristophanischen komödie 
Jodfiaza herstellen wollen, mit der bloßen annähme des ausfalls 
von 'Agiazoqtdtijg und des fehlerhaften buchstabens in öqü^uti 
nicht aus. Es steht einmal, wie Dindorf bemerkt hat, das hin- 
zugefügte notd im wege. In seiner gymnasial-abhandlung ,,Quae- 
stiones Iophonteae" (1882) p. 16 hat der verf. hierüber richtig 
gehandelt, während er in der vorliegenden schrift die sache un- 
berührt läßt. Wir müßten die hinzufügung von tiots, wie es 
der verf. a. a. o. thut , auf rechnung des Urhebers der Vita in 
ihrer jetzigen gestalt setzen. Aber auch damit wäre die sache 
noch nicht erledigt; denn der mit f^v yuq ix (isv NiKoaroÜT^g 
begonnene bericht (der sich an die worte q:sos7ai de xui naga 
noXloTg i) nQog iov viov locpmvtcL y sv o fisvtj a v t dp S i x t] rtois 
anschließt), hat nun keinen irgendwie vernünftigen verlauf und 
abschluß. Man wäre also genöthigt, auch noch weitere kürzun- 
gen und entstellungen der älteren fassung anzunehmen, was bei 
der beschaffenheit der Vita gewiß erlaubt ist. Von irgend wel- 
cher probabilität kann aber bei einer hierauf beruhenden hypo- 
these nicht mehr die rede sein. Falsch ist es , wenn der verf. 
p. 16 sagt, der biograph berichte disertis verbis, daß sich die 
nachricht vom vortrage des Oedipus Coloneus apud Satyrum tan- 
tummodo finde. Satyros wird zunächst als zeuge angeführt für 
das wort et \tiv etfti JSoqxMtitjg, ov nuQOMpQorcö ■ si 8t nuQaq.QOvw, 
ovx sifil £oq>o-Al?ig (in welchem einen bezug auf den namen Zo- 
qtoxlijg zu finden mir gesucht und unwahrscheinlich vorkommt): 
vom vortrage des Oedipus Coloneus konnten auch noch andere 
erzählen. Und angenommen, die auffassung des verf. wäre rich- 
tig, was wäre damit für uns bewiesen? Wenn ein autor, der 
den Satyros benutzte , gesagt hat , es sei etwas nur bei Satyros 
zu finden, so hat dies doch bloß den sinn, daß ihm ein anderer 
gewährsmann dafür nicht bekannt war; niemand aber wird es 
ernsthafter weise für denkbar erklären wollen, daß von jenem 
autor (wer er auch gewesen sein mag) alle vor Satyros ver- 
faßten Schriften ntqi nott/iäv . vnofxrvfxata , ßioi u. s. w. nach- 
geschlagen worden seien. Wir sind also nicht im geringsten 
berechtigt, den Satyros für den „erfinder" der fabel zu erklären, 
wie dies der verf. thut. Zutreffend ist dagegen mehrere« , was 



214 40. Iophon. Nr. 4. 

zur bestreitung sonstiger hierauf bezüglicher hypothesen vorge- 
bracht wird. 

Cap. III. De Iophontis poesi (p. 19 — 28). Eine anzahl von 
tragödien wird bei Suidas in den artikeln 'loyäiv und Klsoyojv 
sowohl dem athenischen tragiker Iophon wie auch einem athe- 
nischen tragiker Kleophon beigelegt. Die ansieht D. Volkmanns, 
daß sie sämmtlich dem Kleophon zuzuschreiben seien, weist 
der verf. mit recht zurück, indem er namentlich hervorhebt, daß 
bei einer derselben, den Bax%(ir, die autorschaft des Iophon durch 
Stobäus verbürgt ist. Aber für die mehrzahl pflichtet er doch 
Volkmann bei: unam alter amv e fabularum quas Suidas laudat 
re vera ad Iophontem respicere posse equidem non negaverim sagt 
er p. 20. Hierüber urtheile ich anders. Es ist zunächst ent- 
schieden zu betonen, daß wir, wenn wir von Suidas absehen — 
bei welchem eine confusion auf alle fälle stattfindet — , für tra- 
gödien des Kleophon kein einziges zeugniß besitzen. Es ist al- 
lerdings in Aristoteles 7 Poetik zweimal von poesieen des Kleo- 
phon die rede. Nach cap. 2 p. 1448a hatte er in denselben 
die menschen ganz so wie sie sind dargestellt, weder erhabener, 
wie dies Homer gethan, noch niedriger , wie die Verfasser paro. 
discher dichtungen. Cap. 22 p. 1457a wird die poesie des Kleo- 
phon als beispiel niedrigen stiles angeführt, der sich der ge- 
meinüblichen ausdrücke bediene. Daß es dieselben gedichte 
sind, von denen an diesen beiden stellen die rede ist, liegt klar 
zu tage und wird von niemandem bestritten. Nun dürfen wir 
aber an der ersten stelle , wie der ganze Zusammenhang aufs 
deutlichste zeigt und wie Tyrwhitt richtig erkannt hat, entschie- 
den nicht an tragödien denken ; wir dürfen es also auch nicht 
an der zweiten. Die von Aristoteles erwähnten poesieen des 
Kleophon gehören zu denjenigen litteraturwerken, deren kenntniß 
sich bloß für die voralexandrinische zeit nachweisen läßt. Sie 
mögen mehr oder weniger verwandt gewesen sein sei es mit den 
in iamben abgefaßten anekdoten des Machon, sei es mit den hexa- 
metern bei Athen. V, p. 219 C, sei es mit Theokrits Adonia- 
zusen , oder dergleichen ; bestimmteres läßt sich darüber nicht 
sagen. Der „Mandrobulos" des Kleophon, von Aristoteles er- 
wähnt Soph. El. cap. 15, war gewiß keine tragödie, wohl über- 
haupt keine dichtung (vgl. Susemihl zur Poetik p. 219). Was 
Welcker Griechische tragödien p. 1011 f. als beweise für die ab- 



Nr. 4. 40. Iophon. 215 

fassung von tragödien durch den demagogen Kleophou vorbringt, 
ist so nichtig , daß ich mir eine Widerlegung ersparen kann. 
Wenden wir uns nun hiernach ohne die vorgefaßte meinung von 
einem tragiker Kleophon wieder zu Suidas. Wir finden bei ihm 
einen artikel über den bekannten noch in nachalexandrinischer 
zeit, wenn auch nur ganz vereinzelt, citirten tragiker Iophon 
aus Athen, mit einem tragödienverzeichniß ? in welchem sich 
die durch Stobäus für Iophon bezeugte tragödie Banken befindet, 
und außerdem einen artikel über einen tragiker Kleophon 
aus Athen mit einem ursprünglich offenbar identischen tragö- 
dienverzeichniß, in welchem auch die Bdx%ai nicht fehlen. Kann 
etwas deutlicher sein , als daß wir es hier lediglich mit einer 
der durch verschiedenartige irrthümer entstandenen dubletten zu 
thun haben , wie sie bei Suidas bekanntlich an mehreren stel- 
len nachweisbar sind , und daß folglich alle von Suidas s. v. 
'/ogrcöi genannten tragödien dem Iophon verbleiben müssen? Der 
umstand , daß in dem verzeichniß s. v. Kleoqsäv die alphabe- 
tische folge beobachtet ist, in dem s. v. 'lotpmv nicht, spricht 
keineswegs dagegen ; denn es ist ja nicht von den zwei Ver- 
zeichnissen in der gestalt , wie sie uns vorliegen , das eine aus 
dem anderen entnommen (hierüber macht der verf. p. 20 eine 
richtige bemerkung), sondern das eine wie das andere aus einer 
ursprünglicheren fassung. Somit werden wohl auch die s. v. 
'/oqccöi fehlenden titel Iduqiäyno^ , 'Hoiyorq, jdsvxinnog auf Io- 
phon zu beziehen sein. 

Die conjeetur Nixoqäv statt 'loymv bei Clemens AI. Strom, 
I, 4, 21 wird vom verf. p. 21 mit recht widerlegt. 

Von p. 22 an handelt der verf. über das scholion zu Ari- 
stoph. Ran. 330, speciell über die heillos corrupten worte p. 
285a, 39 ff. ed. Paris. (iv&oXoyovai ö" ev 2dnq> ix 8s fxvgairtjg 
ix 8s rov tid&ovg 8tiai8ulfinti Pstov /.uj ngnacfigsadai tij "Hga, 
insi ydg , mg ijuaiv, i^rjTsho Ttjv \pv%t]v Ttjg 2eiii\i]g tnhg xarm 
&soi'g , xudunsg t]i' inijyysXusvni' , vnoayia&ai Xsyovaiv avrr t iov 
" A>8i]t 7ovto Snüasiv htX. Der verf. nimmt nach 2Jd(*m eine 
lücke an und will dann schreiben ix 8s 7 o v in 7 7 t g n v ga i- 
v ij ,■ nci&ovg 8tiai8aifio v i a &slov /</} ngoaqisQsaüai tv "Hon. 
insi yag <C!Egurjg^>, oog qpaö - «», i^rjTtitn xt\., vnoaysaifai Xsyovaiv 
ai z öi) rbv " ' Ai8ryv xrX. Die hinzufügung von 'Egij^g und die 
an de rang aho) können richtig sein. Die worte in rov ix 7>/c 



216 40. Iophon. Nr. 4. 

(iVQaivijg nä&ovg sollen bedeuten ix zovzov 6 sx tijg (i,VQ<sivijg 
enadt, nämlich Hera. Aber daß Semele in den Olymp gekom- 
men ist , kann nicht als ein n d-6 > o g der Hera bezeichnet wer- 
den, und noch weniger ist die myrte hiervon Ursache oder anlaß. 
Auch erscheint es ganz undenkbar, daß der erzähler dieses nä- 
&og und seine folge für den cultus zuerst in solcher weise er- 
wähnt und alsdann erst genauer berichtet haben sollte. Meines 
erachtens schließt sich die erzählung iael yäo xzl. passend nur 
an die worte z. 36 ff. // pvoaitt] (pxeiazat zoTg %9oviotg &soig, 
Jiovvoov ösdcoxozog ozs dvt'jyaye tr^v £s(A.ih]v an. Der zwischen 
dieser und der oben ausgeschriebenen stelle befindliche satz 
zo'ia yag alioj (axsioazat, xiaaog ufAntXog [tvooivt] ist völlig über- 
flüssig, da es weiter unten an passender stelle heißt zoiwv b'vzcov 
avz^> (idltaza rjya7zt]fxivo3i> , zov zs xiaaov <ixa\ zov ä(xnslov^> 
xal Ttjg fjiVQGlvrjg. Der satz fxv&oloyovai xzl., wie er auch ge- 
lautet haben mag, stand wohl ursprünglich am Schlüsse des scho- 
lions. In seiner jetzigen fassung endet dasselbe mit den Worten 
dqXoi ds xa) 'locpäv 6 Toayixog. Der verf. vermuthet, der in- 
halt des scholions sei von Iophon in einem satyrspiel Hefisl?] 
oder 2e[Aslijg dtaywyt] behandelt worden, indem er meint, ea 
quae in scholio enumerantur satis amplum fabulae argumentum prae- 
bere (p. 25). Dies bezweifle ich, und daher halte ich es für 
wahrscheinlicher, daß die sache von Iophon beiläufig erwähnt 
war, vielleicht in den Bdx%ai , dem einen der beiden dramen, 
deren benutzung nachweisbar ist. 

Das in der Vita befindliche grabepigramm des Sophokles 
schreibt der verf. p. 26 dem Lobon zu, indem er nach Bergks 
früherer conjectur § 16 (ed. Jahn) Ai.ßcav statt laßoav für das 
ursprüngliche hält. Vgl. indessen Rhein, mus. 33, p. 521 und 
529. Er bemerkt ferner : si epigramma integrum exstat, cum BergTcio 
post Xaßovza intercidendum , pro dativo zsp'V vero genetivus ponen- 
dus est, ut postrema pentametri verba habeant quo referantur , cum 
nude posita non arrideant. Die stümperhaftigkeit des epigramms 
wird hierdurch nicht beseitigt. Lautete es etwa ursprünglich 
XQvntm rö)8s tdqicp £<)q>oxl>j avazeia laßovza zijg zgayixyg z&i- 
vjjg a%ri(Aazi aefAvozazqp? 

Ueber Arist. Ran. vs. 74 f. 78f. bemerkt der verf. p. 28 : io- 
cabundum potius quam offenso in Iophontem animo Aristophanem hoc 
iecisse eosque deridere voluisse crediderim , qui lophontis 



Nr. 4. 41. Aristophanes. 217 

facult atem scrib endi in suspicionem vocarent. Diese 
absieht dem Aristophanes beizulegen scheint mir ungerechtfertigt 
und unzulässig. E. Hiller. 

41. Aristophanis Thesmophoriazusae rec. Ad. v. Velsen. 
Lipsiae in aedibus Teubneri 1883. gr. 8. 88 p. 

Das zweite stück von Velsens ausgäbe des Aristophanes 
(1869 Equites, 1878 Thesmophoriazusae [programm Saarbrücken], 
1881 Eanae und Plutus, 1883 Ecclesiazusae) erscheint hiermit 
in zweiter bearbeitung nach einer erneuten, für die gestaltung des 
textes aber so gut wie belanglosen vergleichung der handschriften. 
Ueber die einrichtung der ausgäbe verweise ich auf die anzeigen 
der ersten bearbeitung (Wecklein, Jenaer literaturzeitung 1878, 
nr. 52, p. 729 sqq. Holzinger in Bursians Jahresbericht XXI, 
1880, I, p. 113 sq.) sowie auf meine besprechung der Ranae in 
diesem anzeiger XII, 1882, nr. 9, p. 459 — 462. Zuerst mögen 
hier die abweichungen von der ersten bearbeitung zur spräche 
kommen. 

An eigenen neuen conjekturen hat Velsen dreizehn in der adno- 
tatio critica mitgetheilt und zwei aufgenommen (ich füge die lesarten 
der beiden handschriften R 6 in klammern bei): 93: ib nfjäyna 
nof.txpr)v nai 6(jo8(/ r\v (sx) rov oov rgönov. 162: xai nävzeg 
hiäXnalog). 198 : Ttp^naair (rs^üafAttniv) in Agathons rede, um des 
reimes mit nadrifiaaiv 199 willen. 219 : ai (aviog) Xä/ußars^ um den 
anapäst im vierten fuße, vor dessen länge Personenwechsel eintritt 
(wie Av. 22. Pac. 930 im ersten, N. 664. 849. L. 731. Pac. 
930 im zweiten, Ach. 165. Pac. 233. 1054. Eccl. 1011. 1075 
im vierten, niemals im dritten und fünften fuße), zu beseitigen. 
239: yvXaize (yvXaTrov). 288: qi^'Qovauv (fyovGav). 686: anavz* 
ij8?j (urravKc nag). 743: jqixÖtvXqv 0*5 nwg; Q] ntäg). 857: (ae- 
Xatoei'Qfjiuiq) Xsco {-aiov Xtüiv). 1010 : ai>tjQ (x sor/.sv ov tiijodcoosiv (^ 
fehlt). 1080: spurius videtur. 1115: t»' uxpcdfiat , qige (y.oor{g). 
1181: qiFQs doiptänov &sg i v. n 8 co v } rett^ov, rnSi ((fege Voi/ao.- 
uot' üvm&sv co Tsxvov to8i) cl. Eccl. 507. 1218: tat' ov y" 1 
malm) um den hiatus zu beseitigen. 1225: lacunam statui. An 
acht von diesen stellen hat sich auch Blaydes versucht und ist 
von Velsen nicht unbeachtet geblieben : 93 sucht er ebenfalls 
«x zu beseitigen. 239 : qivXazz ev. 288 : fortasse vitiosum. 686 : 
fortasse nnv aut ti>t>, suspectum nonnihil nag. 857 verdächtigt (Ad- 



218 41. Aristophanes. Nr. 4. 

denda p. 267). 1010: soixi p ov oder 7iQv8c6attr /*' . 1115: lotet 
mendum. 1181: u. a. arm dsg , %a{iat dtg , xüia &eg. Von 
Blaydes zahllosen conjekturen hat Velsen acht aufgenommen : 
171 : zolivv (;'«'(» toi). 884: stdor Hot' ij '^mntog ; (daß das frage- 
zeichen von Blaydes herrührt, scheint Velsen übersehen zu haben). 
885: 7t0iTjX£', (rsdrijHsv). 1108: aü ; (cv). 1119: ntQitcszQafifAiv' 1 
ijv {-(ittov). 1120: intof^a' är g' (im&rijaas). 1179: xmXva 
()^(»}.vö , ). 1214: öießuXXb fx\ a> yQa 1 {ßitfialli- (i 1 6 ygaig). Au- 
ßerdem hat Velsen noch dreißig andere conjekturen oder Ver- 
besserungen in den text gesetzt, darunter 21, die auch bei 
Blaydes aufnähme gefunden haben: je drei von Bentley 360: 
8U£x' (ti^x'). 851: nätrcog ö' {nävicog). 874: nolov nycoztwg ; der 
rvtlj r. gegeben; Lenting97: aH' \ rvcplog (a£v etj»*; (ji — elfi\). 
873: xauonag (xüfuvoviag). 1003: ÖQÜa" 1 (Soäig R. dgäa G.) ; 
Meineke 521: ijiyid)] (tugedij). 590: a^vatv (ayEVOtv). 794: 
rjVQeze (evQEze)] Porson 285: 70 nonavov iva (16 nönuvov oncog). 
580 : /uz) aal {v.a\ utj). 605 : et/n' inseruit. Ferner zwei von Brunck 
512: Jj' yegsv (tj «gp«(>« codd. ; ed. I: /} 'at'qt-Qt Bentley). 610: 
it 70 xaxot", dem Krjd. gegeben; je eine von Dindorf 255: alge 
vvv a7Qvqioi' dem Kij8. gegeben; Elmsley 926: ovdtnozt a (0' 
oidtnoz'')', Herwerden 284: xuiddov (y.ädelt)\ ßeiske 105: tv- 
ntiarwg {sbniozmg)^ Scaliger 479: xa&tjvdsv (xa&eüdea); Val- 
ckenaer 74: ifis (ipo*)] endlich aus Pollux 557: olvov {ahoi'). 
Gebilligt, jedoch nicht aufgenommen hatte Blaydes auch noch 
292: nudi^oifx 1 Bergk (xadiXco^) und 298: IIXövtcovi scholion 
(nioizop). Von den sieben übrigen hatte Blaydes nicht gebilligt 
281 : oaor rö XQW* avsQ^stat zyg liyvvog Iieiske (av£Q%£&' vno) 
und 489 : xi>ß8\ Meineke (ttvßd'), unbekannt waren ihm geblieben 
meine vier vermuthungen 411: in (jsqoov), 412: t&ilei (ösAt/), 
440: fAE7\ av7i~jV (nag 9 avtijg) , 500: o'töv y" 1 vn\ avyag (im' av- 
yag oiot), welche letztere Velsen einer eigenen früheren vorge- 
zogen hat, sowie Schneiders 400 : iav iva 71g nlf.xiß (t'ru fehlt), 
die Velsen nur mit bedenken aufgenommen hat. An 16 stellen 
hat sich Velsen wieder für die lesart der handschrift entschieden 
(204. 625. 716. 789. 811. 819. 867. 1005. 1015. 1102), sogar 
unter aufgäbe eigener vermuthungen (206. 540. 729. 826. 930. 
1102), und hier trifft er fast immer mit Blaydes zusammen, aus- 
genommen 867, wo jener (wie Velsen I) mit Brunck ßhrtlscog 
(statt Merelaog) schreibt, und 1102, wo Blaydes, wie schon 



Nr. 4. 41. Aristophanes. 219 

Velsen I aus eigener vermuthang, ai geschrieben hat, während 
Velsen II tt wiederherstellt. Auf Blaydes geht die bemerkung 
zu 446: injuria /ah' offensioni editori cuidam erat, es fällt auf, 
daß der name nicht wie sonst genannt ist. Von den vorschla- 
gen Schneiders (Jahrbücher für philologie 121, p. 155 — 165) 
hat Velsen nur einen (zu v. 400) berücksichtigt. 

Oefter hat Velsen in der adnotatio critica die angaben der 
urheber von Verbesserungen vervollständigt (135.212.239.462. 
853. 950. 969) oder berichtigt (223. 248), doch bleibt hier noch 
manches zu bessern, wozu hier einige beitrage. 

Zu v. 1 fehlt die angäbe, von wem ugü nott (aga nöte 
E. G.) herrührt. Küster schreibt schon so in der anmerkung, 
aber er übersetzt doch quando tandem? und hat im texte dem 
entsprechend aga noze. Erst Wellauer (de Thesmoph. Breslau 
1820, p. 51 = ed. Invern. VIII, p. 504) schreibt agti. noie 
und übersetzt num quando? (Voß 1821: ob endlich doch?). — 
„206 — 208 personas distribuit Brunck" — vielmehr Reiske (ed. 
Invern. VIII, p. 339) und vor ihm schon Bentley. ,,212 nldtiv 
Dindorf" — vielmehr Brunck (vgl. 1063), der zu Ean. 654 be- 
merkt: scripturam Atticam xXüen ubique apud comicum reposui quod 
semel monuisse satis sit (ed. Invern. V, p. 166 sq.). — 285 und 
948 hat tolv dsolv (für iah dsaiv) zuerst Cobet V. L. p. 70 ge- 
fordert. — „366 xs()8<x)p Eeiske (%o3oag codd.) " — vielmehr: 
%ogag codd., x o ^"i' KtgSeäv Eeiske, aigöüv (deleto x<x>oag) Velsen. 
— „558 al tu Brunck" — so haben schon edd. Farrei 1542 
und Brubach. 1544. — 560 kann Enger schwerlich mit recht 
urheber der aufgenommenen conjektur genannt werden; sagt er 
doch : ab correctione abstinendum videtur ; quodsi mutatione opus 
esset, yvvr) transponendum foret. — 610: die Worte ti n »anov\ 
hat vor Lenting schon Brunck dem xfjStGTijg (Dliijailo^n.,) zu- 
gewiesen. — „746 Xoag Blaydes (xoäg E. %oag G.)" ebenso schon 
Brunck in Addendis (ed. Inv. VIII, p. 429 sq.). — „885 ii- 
övr^s; Blaydes (7tßfrjxtv E.G.)" — genauer: Ttdvtjxs (deleto v) 
Brunck, Tt0n]y.t\ (add. signo int.) Blaydes. — Von wem rührt 
her vw (statt vir) [z. b. 219 von Meineke] in den versen 105. 
107. 195. 213. 255. 256. 279. 380. 485. 1226 (hier wohl von 
Bothe) ; von wem fAsXXyg 7. J^' 8. iögaxag 32 (von Bentley ?). na- 
tanvyov 200. ti oli>; (mit fragezeichen) 208. og 545. al ityas 
701. tl 789. ?ot)v 804. xttgwi 805 u. s. w. ? 



220 41. Aristophanes. Nr. 4. 

Ist dergleichen auch nicht von großer bedeutung, so ist es 
doch jedenfalls von größerem interesse zu erfahren, wem der 
text seine reinigung zu verdanken hat, als z. b. die Schreibfeh- 
ler des aus dem Ravennas selbst abgeschriebenen Augustanus 
(vgl. 324. 328. 337. 492. 618), der meines erachtens überhaupt 
nur da erwähnung (und zwar in der adnotatio critica) verdiente, 
wo er etwa selbständige Verbesserungen bietet. 

Auffällig ist es übrigens , daß , während in der praefatio 
zwischen der ersten verbessernden hand im Ravennas (R 2 ) und 
der hand des Euphrosynus Boninus noch eine zweite verbessernde 
hand (R 3 : vgl. zu Plut. 255. 257. 264) unterschieden wird, den- 
noch Verbesserungen von dieser hand in der scripturae discre- 
pantia der Thesmophoriazusen nirgends erwähnt werden. In der 
ersten ausgäbe war von ihr überhaupt nicht die rede. 

Es folge eine besprechung einzelner stellen. 

V. 27 und 28 sind die worte aianä j6 dvgtov und axovm 
xal Gtconw io &vqioi> entschieden als fragen aufzufassen (siehe 
Enger). — V. 291 hätte Velsen mit Kock (Verisim. p. 219 sqq.) 
schreiben sollen: xul nooQaliaxov rovv i^ovrog xul cpgstui; „pe- 
niculi mente sensuque praediti" — denn das gehört nach anschauung 
der frauen bei Aristophanes nothwendig mit zum häuslichen 
glück (ßivovfisvai %uiQovoiv Eccl. 228); Schneiders erklärung 
(Jahrbücher für philologie 121, p. 156 sqq.) steht nicht im ein- 
klange mit Aristophanes Sprachgebrauch. — V. 398 glaube ich 
nicht, daß Aristophanes schrieb : öqüoui ö' i&' rjf4.lv olöev cöirieQ 
i)v (xal codd.) nqo rov \ ihari — außer dem überlieferten, 
an dem selbst Blaydes keinen anstoß genommen , entspräche 
nur noch utvnsQ tiqotsqov r\v dem sprachgebi-auch des Aristo- 
phanes, welcher in vergleichen entweder xal ngo tov (Pac. 
350. PI. 95. Eccl. 222 — 229) oder tiq6tsqov sagt (V. 780. 
Av. 558. Eccl. 669. PL 402. 1192: vgl. frg. 446). Vgl. meine 
Conjecturae observationesque Aristophaneae p. 46 sq. — V. 400: iuv 
rig nlexrj codd., iuv siu Tig nXixrj Velsen nach einer conjektur 
Schneiders (Jahrbücher für philologie 121, p. 164 sq.), doch fügt 
er hinzu: „sed fortasse propter scholium {vttoti(tcav y.nl igoiiixcöv 
70 OTsqiaionXox&tr) scribendum est: luv via n\ix\\ (sie Bergk)". 
Ich möchte vioatigiav lieber als eigenen zusatz des scholiasten be- 
trachten : die einschränkung via yvrij paßt nicht zu der dar- 
stellung der grau in grau malenden rednerin ; warum sollte sie 



Nr. 4. 41. Aristophanes. 221 

andeuten , der argwöhn der männer treffe nur junge trauen ? 
Vielleicht schrieb Aristophanes: iav [tiv n< nli^ \ yvii) ars- 
qjuinr und fährt dann anakoluthisch fort: xav (== iav 8s). Vgl. 
v. 446. Wehr Quaestt. Aristoph. p. 31. Daran scheint auch 
Lenting gedacht zu haben, als er (Observ. critt. p. 20) vorschlug 
fa* rf. — 414 ist vielleicht t/V uv für tha zu lesen mit Enger 
(Rhein, mus. 19, p. 134 sqq.). — 486 ist mit Enger, Dindorf, 
Meineke , Bluydes eryifis (so hat Suidas s. aquiy.o^) statt szytßev 
zu schreiben, ebenso 1172 iazo für iazlv. Es läßt sich nach- 
weisen , daß Aristophanes vor konsonanten das v nur dann zu- 
setzte , wenn es das metrum erforderte , andernfalls es wegließ 
(z. b. Th. 80. 422. 425. 456. 505. 644. 874. 876. 944. 1177 
im dritten fuße, 90. 133. 374. 883. 1182 im fünften fuße des 
iambischen trimeter), selbst vor einer stärkeren interpunktion, ja 
sogar bei Personenwechsel im verse (vgl. nur Ach. 45. 284. 
910. Eqq. 123. 999. N. 610. 1248 bis. V. 37. 137. L. 122. 
E. 181. 657). "Was Kroschel (Jahrbücher für philologie 123, 
p. 553) über das r iykkxvGiixov bei Aristophanes sagt, ist sehr 
ungenau, zum theil geradezu falsch. — 491 — 501 gehören doch 
wohl nicht hierher (vgl. Oeri Jahrbücher für philologie 101, p. 
384 sq.). Die spräche sticht gegen die vorhergehende wie gegen 
die folgende partie durch mangel an klarheit und eleganz sehr 
ab (was Witten qua arte Aristophanes diverbia composuerit p. 28 
ganz unbeachtet läßt), und die plastische erzählung der zwei be- 
zeichnenden einzelfälle von ehebruch und kindesunterschiebung 
(in je 3 -J- 5 versen) wird in störender weise durch eine allge- 
meine Charakteristik unterbrochen : die Symmetrie des inhalts, 
die auch in der Symmetrie der form zum ausdruck kommt, for- 
dert entschieden die tilgung jener verse. — 621 empfiehlt es 
sich wohl mit Lenting (p. 133) k)v 6Vi « nolov\ zu schreiben. — 
747 möchte ich zoaolzo schreiben; allerdings steht vor einem 
konsonanten, ohne durch das metrum gefordert zu sein , zogovtov 
auch Eqq. 948 und Eccl. 394 (im fünften fuße), aber Eqq. 1234 
(im dritten fuße) zoaovzo jtqwzui-, wie es scheint des Wohlklangs 
wegen; Nub. 832 (dritter fuß) schwanken die handschriften zwi- 
schen Tooolzo und TOGolzoi 7(jüi fxttriär. — 811 halteich xuza 
ntizi t Af)i7u zälavza nicht für richtig: die distributive bedeutung 
{tu ovi8%i^ ixqsattet scholion ; quinquagena talenta Brunck ; schock- 
weis Seeger) ist wohl Vesp. 669 am platze, aber nicht hier, wo 
Philol. Anz. XV. 16 



222 41. Aristophmies. Nr. 1. 

offenbar auf einen bestimmten einzelfall angespielt wird. Hier 
paßt nur die bedeutung non minus quam (Küster) oder „an die 
fünfzig talente" (Droysen) — aber für diese bedeutung kenne 
ich keine belege weder aus den komikern noch aus attikern über- 
haupt (einige stellen aus Herodot giebt Passow I, 2, p. 1599). 
Vielleicht schrieb Aristopbanes xav nerTtjunvTa rdlavrct'. vgl. 
Eqq. 621. N. 1130. Pac. 699. L. 81. 113. (115). 132. 1025. 
R. 585. — V. 1181: die worte cpigs öoiftoLtiov drm&sv geben 
keinen sinn. Velsen vermuthet cfegs 9mpi.ot.ziov &sg ixnodcov und 
vergleicht Eccl. 507 : iptßag ixnoSwv i'&i, aber dort ist die spräche 
absichtlich (parodie?) gesuchter. Richtiger sucht Blaydes vard- 
&ov (vgl. N. 497. Eccl. 512) oder aiibSvdi (Th. 214. 730) 
hineinzubringen, doch ist die herstellung sehr unsicher. — 1226 
ist überliefert zotye tvv xard rnvg xögaxug irrovgtoag. Der tri- 
meter ist auf verschiedene weise vervollständigt: durch akluvov 
zgi'/s von Reisig und Enger, durch za%?(ag nach rvr von Blaydes, 
nach y.6gay.ag von Küster, durch tqi'yj nach inovgiaag von Mei- 
neke und Velsen, durch Verdoppelung von rgi^s wv zuerst von 
Brunck. Aber seltsamer weise hat niemand an xard rovg xö- 
gaxag anstoß genommen, bis auf Blaydes. Dieser sagt : fortasse 
ig rovg xögccxag, quod multo usitatius est. In isto xara latet for- 
tasse ra^ioog". Doch auch ig rovg xöganag ist mir unbekannt : 
ich kenne die redensart nur in der form ig xooaxag (selbst im 
erhabeneren stil: Pac. 117. Eqq. 1314), die bei Aristophanes 30 
mal sich findet (Ach. 864. Eqq. 892. 1314. N. 123. 133. 646. 
789. 871. V. 51. 458. 835. 852. 982. P. 19. 117. 500. 1221. 
Av. 28. 889. 990. Th. 1079 bis. R. 187. 189. 607. PI. 394. 
604. 782. frag. 462. 584), in den fragm. comm. nach Jacobi 
sieben mal. Dieser anstoß wird gehoben und zugleich der 
trimeter vervollständigt, wenn man schreibt: Tgcjffi rvv xard 
rd%og ig xögaxag inovgiaag (anapäst im ersten, tribrachen im 
zweiten und vierten fuße 1 5 mal bei Aristophanes : vgl. Rumpel 
Philol. 28, p. 624). Allerdings findet sich x«r« rd%ng sonst bei 
Aristophanes nicht (e? rd%ti Vesp. 1438. ig rd^og Ach. 686. 
mg rüftog L. 1187. offo» td%og Th. 727), doch x«»9' t]Ov%iav L. 
1224. xaid a^oltjv Eccl. 48. xard atjv fjipTjOtr R. 109. xard 
axorov Eccl. 288. xard rb qiavegop Th 525. xard ndvra rgonov 
Av. 451. Vgl. mein Specimen lexici Aristophanei (progr. Frank- 
furt a. O. 1884) p. 18a. O. Bachmann. 



Nr. 4. 42. HerodotoH. 223 

42. Quid in elocutione Arriani Herodoto debeatur. Scri- 
psit H. E. Grün dm ann. Berlin 1884, Calvary. 88 p. 3 mk. 

Schon Sintenis hatte in der vorrede zu seiner kommentierten 
ausgäbe sich gegen die ansieht, Arrian habe die spräche Xe- 
nophons nachgeahmt , ausgesprochen und dagegen auf die Ver- 
wandtschaft mit Herodots Schreibweise aufmerksam gemacht, ohne 
dabei auf einzelheiten einzugehen ; dies war schon vor ihm von 
Ellendt in der einleitung zu seiner ausgäbe und ganz besonders 
von Krüger in seinem kommentar geschehen, und sie hatten in 
solchen fällen geradezu nachahmung Herodots angenommen. Verf. 
hat diese stellen gesammelt und durch eigene, höchst sorgfältige 
beobachtungen vermehrt und damit eine möglichst vollständige 
Übersicht der verwandten sprachlichen erscheinungen beider au- 
toren zu geben versucht. In wieweit dies ziel erreicht ist, ver- 
mag ich nicht zu entscheiden ; wohl aber bürgt die ganze ar- 
beitsweise des verf.'s dafür , daß nichts wesentliches übersehen 
ist. Eher möchte nach der andern seite hin gefehlt sein, d. h. 
mancherlei als nachahmung Herodots hingestellt sein , was ihm 
nicht entnommen ist oder wenigstens nicht entnommen zu sein 
braucht. Daß allerdings gerade im Zeitalter Hadrians und der 
Antonine Herodot und Thukydides beliebte muster waren, ist 
hinlänglich bekannt , auch ist nachahmung Herodots abgesehen 
von Arrian besonders bei Pausanias , in gewissen punkten wohl 
auch bei Appian , bereits nachgewiesen worden ; und endlich 
müssen wir bei Arrian, der selbst im ionischen dialekt geschrie- 
ben hat, ein ganz besonderes Studium der spräche Herodots vor- 
% aussetzen. Dagegen werden wir nicht im stände sein das ge- 
biet der nachahmung auch nur annähernd genau zu begrenzen, 
bevor wir nicht über den Sprachschatz und den stil der nach- 
klassischen historiker einigermaßen orientiert sind. In dieser 
beziehung lassen uns die lexica vollständig im stich. Es bleibt 
auch gar nicht ausgeschlossen , daß manches , was uns speciell 
herodoteisch erscheint, weil es dem atticismus fremd ist, auch in 
andern dialekten existiert und in der spräche des volkes fort- 
gelebt hat, dann aber nachdem die herrschaft der attischen 
Sprache gebrochen war, auch in der Schriftsprache wieder auf- 
getaucht ist. Endlich sei noch erwähnt, daß manches, was He- 
rodot mit der dichtersprache gemein hat, jene späteren geschichts- 
schreiber nicht aus jenem zu entnehmen brauchten ; denn der 

16* 



224 42. Herodotos. Nr. 4. 

verfall einer spräche pflegt sich ja dadurch am ersten anzuzeigen, 
daß die gattungen der literatur im ausdruck nicht mehr scharf 
gesondert werden. 

Verf. theilt seinen stoff in drei abschnitte: De verborum über- 
täte. Hierzu werden pleonasmen wie [xtyaOü usya^, enopigeiv «£a>, 
lästige Wiederholung desselben wortes gerechnet ; ferner ovzm (#//), 
ivöavzu, Ton (d/j) am anfang des nachsatzes oder nach einem 
participium ; auch gewisse formen der epanalepsis , wie Wieder- 
holung des Subjekts nach einem Zwischensatz oder eines partici- 
piums mit seinem objekt , das zusammenfassen eines nebensatzes 
durch ein participium am anfang des nachsatzes. Letzteres ist 
sicherlich allgemein griechischer gebrauch, ebenso auch das auf- 
treten der oben benannten adverbia im nachsatz (vgl. Krueger, 
Gr. 65, 9, anm. 1 und 2). Auch darin findet verf. eine ähn- 
lichkeit in der spräche beider autoren , daß sie die Verbindung 
zwischen zwei Sätzen durch Wiederholung eines begriffes an der 
spitze des zweiten herstellen. Dies mag wohl bei Arriau auf 
nachahmung beruhen , doch ist hierbei eine eigenthümlichkeit 
des letzteren unbeachtet geblieben. Während nämlich bei He- 
rodot (z. b. III, 1 aites — ui'ree 8t) fast ausnahmslos dieselbe 
sache im zweiten satz eine ergänzung findet , so daß man im 
deutschen mit „und zwar" fortfahren kann , dehnt Arrian die 
handlung des ersten satzes durch hinzufügen eines xai auf einen 
neuen gegenständ aus (z. b. I, 16, 6 e&aipe — ?ita\ps 8s xa(). 
Von den angeführten stellen entspricht nur eine (IV, 6, 6) dem 
herodoteischen Sprachgebrauch. Bei einer andern art des Über- 
ganges , der Wiederholung desselben verbums am anfang des 
zweiten satzes in der form des participiums in Verbindung mit 
der partikel de hält verf. selbst nachahmung nicht für ausge- 
macht. Dasselbe möchte ich auch sagen über den gebrauch von 
ovtoj 8fj am Schluß eines abschnittes ; ganz gewiß aber beruht 
der Übergang mit /jsv 8tj (wv) — 8i nicht auf nachahmung. 
Denn der ist allgemein griechisch, ganz stereotyp aber bei Diodor, 
der doch sicherlich kein nachahmer Herodots ist. Zum schluß 
erwähne ich das auftreten der partikel öd im nachsatz. Verf. 
hat wohl alle fälle erwähnt, auch die, in denen Arrian weiter 
geht als Herodot, hervorgehoben, leider aber seiner disposition 
gemäß getrennt von einander, so daß gerade in dieser interes- 
santen fräse die Übersicht erschwert wird. Auch würde es ihm 



Nr. 4. 42. Horodotos. 225 

bei einer anders geordneten Zusammenstellung wohl nicht ent- 
gangen sein , wie berechtigt Herchers änderung von tv&avza 8e 
in iv&avra 8t/ (VI, 5, 7) ist. Denn das gesetz, das erst jüngst 
Gomperz (Herod. Studien II, p. 26) für Herodot aufgestellt hat, 
daß sich nämlich 84 im nachsatz immer an ein pronomen an- 
lehnt, gilt, wie es scheint auch für Arrian. Nur hätte Hercher 
auch Ind. 25, 5 //<$>/ 8t ändern sollen. 

2) Die Xt'Sjc tigntizuj. Verf. behandelt in anschaulicher 
weise die Vorliebe beider autoren für die parataktische Verbin- 
dung durch 8p, xai, einfaches ts, t? — xai (dieses auch in fällen, 
in denen keine genaue Übereinstimmung der zeit stattfindet), für 
die voranstellung von Sätzen mit yihj , für die Verbindung von 
alhi juq (dieses bei Arrian oft gleich einem einfachen uV.d) 
und für parenthetische ausdrucksweise. Bei dieser gelegenheit 
schlägt er vor II, 16, 5 <7/~c> t$m rl^ ftsyiiXrjg &al(iaoyg zu 
schreiben. Um diese conjectur annehmbar zu machen , müßte 
doch erst durch beispiele erwiesen werden , ob der sogenannte 
chorographische genetiv auch bei meeresbezeichnungen sich findet. 
Hierauf wendet sich verf. zu den beiden autoren gemeinsamen 
anakoluthischen fügungen, wozu er die Verbindung eines partici- 
piums *) oder einer apposition mit einem verbum finitum und 
den plötzlichen Übergang von der oratio recta in die oratio obli- 
qua (oder umgekehrt) rechnet. Letzteres findet sich wohl auch 
sonst bei griechischen Schriftstellern und wird wohl schwerlich 
bei Arrian auf nachahmung gerade Herodots beruhen. Auch 
sätze, wie IV, 4, 4 6 dt (sc. '^Is^nvdgog) — ol 8t xrX. , lassen 
sich nicht mit Herod. VIII, 87 na) % — e8o%t ol xzA. verglei- 
chen; denn gerade bei Soxei kommen auch sonst anakoluthien 
vor (vergl. Krueger zu Xen. An, IV, 2, 2). 

3) Ionismen, seltene konstruktionen , phrasen und Wörter. 
Für diesen abschnitt mag ganz besonders gelten, was ich im ein- 
gange der besprechung geäußert habe ; hier will ich außer kon- 
jekturen des verf. nur noch solche einzelheiten herausgreifen, 
bei denen ich etwas besonderes zu bemerken habe. Peripl. 12, 2 
hat Hercher a>8e e%n für ovtoj^ £%ti gesetzt, eine änderung, die 
verf. im hinblick auf den gebrauch von ovrog für o8s ungerecht- 
fertigt findet. Mit unrecht ; die stelle fehlt im Palatinus , und 

1) Arr. VI , 9 , 5 wollte Krueger xai vor dtjlos fiiv rj» wv ein- 
schieben, verf. achlägt dafür vor tjv zu streichen. 



226 42. HerodotoB. Nr. 4. 

Hercher bemerkt nach anftihrung der stellen, in denen sich a8e 
exei findet — ovzog findet sich nie sonst in beziehung auf das 
folgende — ganz überzeugend ita iam perspicuum est, quid cau- 
sae fuerit, cur qui Palatinum exaravit librarius de verbis tjÖXiv euÖe 
jfyfc« ad to leger deflexerit. — Ind. 7, 4 wird für tiq}v St] wohl 
mit recht das sonst übliche ngiv ye 8i] und Ind. 5, 6 nlr t v ye 
8rj für nlfjv ys vorgeschlagen. — V, 1,1 findet sich Indiz, das 
verf. gegen Krueger vertheidigt. Da es das einzige beispiel ist, 
möchte ich es auch ändern , wenn auch nicht mit Krueger in 
inei rovg — der artikel scheint mir hier vor ' Jvdovg wenig am 
platze zu sein — sondern in ineidi} , wie Arrian gleich darauf 
(§ 5) schreibt. Im folgenden tilgt verf. mit Ellendt og und 
nimmt eine lücke an, die etwa mit den worten <n diovvcag 6 
" Iaxiog> auszufüllen wäre. — ttqYv mit dem konjunktiv ohne 
av, das sich V, 16, 3 findet, scheint mir, weil es eben das ein- 
zige beispiel ist , nicht unbedenklich ; jedenfalls wird es nicht 
auf nachahmung Herodots beruhen. — IV, 26, 5 verlangt verf. 
im hinblick auf IV, 30, 1 an-ntsX'ksv für aviarslXov. Indessen 
entsprechen sich die stellen nicht ganz genau, außerdem hat Ar- 
rian auch sonst den plural des verbums bei einem neutrum. — 
V, 20, 9 verlangt Krüger tov nagnv für rov ttoqov. Verf. ver- 
theidigt die Überlieferung und erklärt die konstruktion ganz ge- 
schickt. Paßt denn aber der begriff nögog überhaupt hierher? 
Mir sieht der genetiv ganz wie ein emblem aus. — xagTtga 
\iä-fi] beruht sicher nicht auf nachahmung ; es ist das einer von 
den ausdrücken , welche die rhetorischen geschichtsschreiber in 
ihrem repertoir für Schlachtbeschreibungen hatten. Diodor z. b. 
braucht es abwechselnd mit ia%voa iwftj^. — III, 30, 3 qgeio ' dli-'l-ar- 
Sjjov on(og XQV W nxf)iv aytiv '^Xs^iivögov Bljaaor. Verf. betrach- 
tet wohl mit recht die wendung ig oxpiv ayuv als eine nachah- 
mung Herodots. Nun setzt aber Herodot dazu entweder den 
dativ oder ig oxpiv 7/jv mit dem genetiv. Es ist also hier ent- 
weder der artikel einzuschieben, wie ihn auch Arrian Ind. 34, 1 
hat, oder — und das möchte ich lieber vorschlagen — das lä- 
stige , völlig überflüssige 'AXs^ärSgov ist zu streichen. Vergl. 
Herod. VIII, 106. — VII, 20, 3 schlägt verf. nach V, 2, 5 xind 
Ind. 22, 7 mit tilgung von na) iSsiv vor xal vir} navioia. av- 
oxior. Etwas gewaltsam; vergl. Krügers emendation. — Bei 
imXtyea&ut ist als einzige, bedentung aecum reputare angeführt; 



Nr. 4. 43. Andrpaikos. 227 

diese hat das wort aber nur lud. 33, 3; sonst ist es = eligere. 
Zweifelhaft kann man V, 9, 3 sein. 

Bevor sich verf. zu seiuem eigentlichen thema wendet, be- 
handelt er seinen autor als nachahmer Xenophons und Thuky- 
dides. Früher aufgestellten behauptungen entgegen sucht er hier 
die nachahmung auf ein enges gebiet zu beschränken , sie aber 
auch in dieser beschränkung sorgfältig darzulegen. Hierbei 
werden folgende vorschlage zu textesänderungen gemacht: VI, 

26, 2 -Ad) 70V70V ^«Ä477(W£ für X«/ 70VX0 OV fJU-X f 77 CO <,' , V, 6, 4 

xou Tovtov nozafxov für die vulgata anb yivdlov nozufxov (Paris. 
A y.a) Avüiov 7i07auov), I, 15, 1 svsßaklov (aygredi) für sßuh- 
|ßj< und V, 6, 6 U4 rts' noTayiäi; für ü<j tu notufiöi. 

Den schluß bilden zwei anhänge: 1) über einige besondere 
eigenheiten Arrians. Es sind dies die Verbindungen von rt-xal 
ä(iu, der ausgebreitete gebrauch von oio^ und 6oo^, iaziv ol u. a. 

V, 42, 2 wird wohl mit recht £r zavvto für ii> jolrqi verlangt, 

VI, 1, 1 für uV.a "na die sonst übliche umgekehrte Stellung; 
VI, 23, 1, wo Krüger ivddti reu nuguTilq) konjiciert hatte, schlägt 
er tiv (= fi//') im nu^an/.oj vor, und VII, 14, 5 soll 'iaziv ol 
ot8 (als nähere beschränkung des voraufgehenden ol 8s) für eauv 
bze ijnä/ti gelesen werden. Letzteres jedensfalls mit unrecht; 
denn wo sonst ähnliche nähere beschiänkungen vorkommen, geht 
nicht ein so allgemein gehaltener ausdruck wie ol de voraus 
(z. b. I, 7, 11 ol yvpidsS). 2) Eine Zusammenstellung von 
sprachlichen erscheinungen aus der Ars tactica zur Vervollstän- 
digung von Försters beweis (Hermes XII, 426) für die ächtheit 
gegen Köchlys angriffe. H. Kallenberg. 



43. Andr onici qui fertur libelli neol naOäv pars prior de 
affectibus Novis codicibus adhibitis recensuit et quaestiones ad 
stoicorum doctrinam de affectibus pertinentes adiecit Xaverus 
Kreuttner. HeidelbergaeinaedibusC. WinteriMDCCCLXXXIV. 
50 p. 8. 

44. Andronici Ehodii qui fertur libelli nsgl na.dwv pars al- 
tera de virtutibus et vitiis. Novis codicibus adhibitis edidit, pro- 
legomena critica scripsit, quaestiones de stoicorum virtutum de- 
finitionibus adiecit Carolus Schuchhardt. Darmstadiae 
formis C. F. Winteri MDCCCLXXXIII. 83 p. 8. 

Im jähre 1593 gab David Höschel nach zwei haudsehriften 



228 43. Andronikos. Nr. 4. 

ein dem peripatetiker Andronikos zugeschriebenes, tibq) nn&mv 
betiteltes büchlein heraus, welches dann im wesentlichen in die- 
ser höchst mangelhaften gestalt in den ausgaben der paraphrase 
(des Heliodoros) von der nikomachischen ethik von Heinsius seit 
1617, ferner von Gaisford und in Mullachs Fragm. philos. gr. III 
wieder abgedruckt ward. Jetzt hat sich nun endlich C. Wachs- 
muth das verdienst erworben durch zwei seiner schüler in ihren 
inauguraldissertationen eine den regeln der kunst entsprechende 
textrecension herstellen zu lassen. Da nämlich das schriftchen 
in zwei theile zerfällt, einen, welcher von den affecten (nüdij) 
und den erlaubten gemüthsbewegungen (shnu&sittt), und einen 
andern, welcher von den tugenden und lästern handelt, so hat 
Kreuttner den ersteren, Schuchhardt den letzteren übernommen. 
Es stehen sich eine vortreffliche alte handschrift aus dem 10. 
Jahrhundert, nämlich ein Coislinianus (C), und eine reihe jünge- 
rer Codices aus dem 15. und 16. Jahrhundert gegenüber, und 
von letzterer art waren auch die beiden von Höschel benutzten, 
welche Schuchhardt noch in zweien der seinen hat wiedererken- 
nen wollen, aber mit unrecht, wie Kreuttner zeigt. C allein ent- 
hält nun einerseits das schlußstück über die laster und ist um- 
gekehrt andrerseits frei von einer unmasse von Zusätzen der jün- 
geren handschriften. Die letzteren zeigen also die allmählich 
fortschreitende interpolation dieses kleinen leitfadens , deren an- 
fange auch schon in C zu spüren sind. Der text mußte dem- 
nach wesentlich nach C hergestellt, jene jüngeren zusätze aber 
in eckigen parenthesen beigefügt werden. Weder der berühmte 
peripatetiker Andronikos noch irgend ein anderer uns bekann- 
ter mann dieses namens ist der Verfasser oder vielmehr compi- 
lator des büchleins. Der erste theil ist rein stoisch: er enthält 
die definition des nädog, seiner vier arten Xvnr], cpnßoc, iniftv- 
(jii'a, jjdoti'j und ihrer Unterarten, dann die der drei arten der sv- 
nu&eirt , nämlich ßovh]6ig , yctQÜ , evkdßetu , und abermals ihrer 
Unterarten ; in dem zweiten dagegen ist das pseudo-aristotelische, 
von einem eklektischen peripatetiker frühestens im 1. Jahrhun- 
dert v. Chr., spätestens im nächsten Jahrhundert verfaßte büch- 
lein nto) ayermv um xc.xiöiv , welches keinerlei stoische bestand- 
theile enthält, wörtlich mit ausnähme des schlußcapitels und mit 
veränderter anordnung ausgeschrieben und mit einer raasse von 
stoischen zuthaten verquickt. Dadurch ward nun hier die auf- 



Nr. 4. 44. Ändronikos. 229 

gäbe der textgestaltung eine ungleich verwickeitere , denn jenes 
pseudo - aristotelische schriftchen rindet sich auch theils im flori- 
legium des Stobaeos, theils in eignen handschriften. Von letz- 
teren haben mehrere erhebliche Schuchhardt nicht zu geböte ge- 
standen, welche ich in meiner inzwischen erschienenen ausgäbe 
jenes schriftchens benutzen konnte ; im übrigen hat mir seine 
arbeit erst diese meine ausgäbe ermöglicht. 

Es erübrigt nun also noch die frage, woher der compilator 
den stoischen bestandtheil des schriftchens nahm, und welcher 
werth folglich dem letzteren nach dieser richtung hin beizulegen 
ist. Und da gelangen beide herausgeber zu dem gleichen er- 
gebniß , daß hier ein sehr zuverlässiger auszug von definitionen 
des Chrysippos ausgeschrieben ist, welcher manches enthält, was 
wir in unsern sonstigen quellen nicht finden, während er in an- 
deren stücken natürlich wieder nach diesen ergänzt werden muß. 
Die Untersuchung von Schuchhardt ist klar , scharf und über- 
sichtlich in gedanken und darstellung , während man der von 
Kreuttner ein gleiches lob in gleichem maße nicht ertheilen kann. 
Schuchhardt zeigt , daß Chrysippos seine definitionen der vier 
cardinaltugenden von Zenon übernahm , im übrigen aber ganz 
seine eignen wege ging, daß er von manchen fugenden verschie- 
dene definitionen gab, und daß daraus die abweichungen in der 
meistentheils gleichfalls chrysippeisches gut enthaltenden darstel- 
lung des Areios Didymos bei Stobäos Ecl. eth. p. 59, 4 ff. Wachs- 
muth (vgl. p. 95, 14 — 18, p. 100, 2 — 6), welche einer genauen 
durchmusterung unterworfen wird , von Pseudo - Ändronikos sich 
erklären. Didymos schöpfte aber überdies aus einem anderen, 
viel weniger genauen und sich nicht ausschließlich an Chry- 
sippos haltenden auszuge , doch weist Schuchhardt gegen Hirzel 
nach, daß nicht schon , wie letzterer wollte , von p. 60, 9 , son- 
dern erst von 62, 15 ab (bis 64, 12) vielmehr ein späterer Stoi- 
ker, vermuthlich Hekaton, die quelle ist. Nach dem obigen er- 
gebniß legt er endlich dar , daß bei Pseudo - Ändronikos nicht 
bloß die zuthaten der jüngeren handschriften, sondern auch be- 
reits ein paar sätze in C, wie gesagt, spätere interpolationen sind, 
daß aber allerdings das nur in einem einzigen codex D sich 
findende stück y.aza Xgvainnov wirklich gleichfalls ächte defini- 
tionen des Chrysippos enthält. 

Daß auch der abschnitt über die affecte bei Areios (Stobaeos 



230 44. Andronikos. Nr. 4. 

a. o. p. 166 f. Heer. 88, 8 ff. W.) aus Hekaton stamme, ist al- 
lerdings eine mindestens überaus unsichere vermuthung von 
Hirzel, aber auf der andern seite sind mir die gegenbemerkungen 
von Kreuttner unverständlich geblieben, vielleicht durch meine 
schuld. Gewiß aber ist die annähme des letzteren , daß Zenon 
von Kition noch die platonische dreitheilung der seele gelehrt 
habe, völlig verkehrt: sie läßt sich durch Tertull. de an. 14 
nicht stützen ; und ihr widerspricht nicht bloß Cicero Acad. I, 10, 39, 
dessen zeugniß damit noch keineswegs werthlos wird, daß es aus 
Antiochos herrührt, sondern auch Plutarchos De virt. mor, 3. 441 C. 
Daß Zenon den affect als aloyog xpvx^ xi'v^dis bezeichnete, be- 
weist nicht im mindesten, daß nicht trotzdem schon er denselben 
aus dem ijyBftovimv herleitete, und wenn er die affecte nicht, 
wie Chrysippos, als urtheile (xo/ffas'), sondern als die folgen von 
urtheilen ansah, so läßt sich auch aus diesem, wie Hirzel richtig 
anerkennt, ziemlich unwesentlichen unterschiede keine solche fol- 
geruug ziehen. Eher mag Kreuttner darin recht haben, daß er 
die lehre von den erlaubten gemüthsbeweguugen erst auf Chry- 
sippos zurückführt. Auch seine bemerkungen gegen Poppelreu- 
ters versuch Poseidonios als die alleinige quelle von Ciceros 
Tusculanen zu erweisen sind triftig. Inzwischen aber hat Hirzel 
die unhaltbarkeit desselben ungleich gründlicher erhärtet, sodann 
aber freilich mit, wie es scheint (siehe besonders Schwenke Phi- 
lologische Jahresberichte XXXV, p. 80 f.), nicht besserem erfolge 
seinerseits Philon an die stelle gesetzt. Ob Kreuttner mit mehr 
glück die vorläge von IV, § 11 — 33 und vom dritten buch 
in Antiochos findet, lasse ich dahingestellt. Nachdem Nietzsche 
und Maaß eingehend dargethan haben , daß die behauptung, 
Suidas oder vielmehr Hesychios habe den Laertios Diogenes 
benutzt, falsch ist, erscheint es etwas stark , daß Kreuttner die- 
selbe einfach wiederholt, als wäre nie ein zweifei gegen sie ge- 
äußert. Die Untersuchung von Bahnsch über die quellen des 
Laertios Diogenes hat durchaus den richtigen weg eröffnet und 
verdient nicht so von oben herab behandelt zu werden , wie es 
von Kreuttner geschieht ; die von Wilamowitz scheint er nicht 
einmal zu kennen. Allein trotz dieser und anderer mäugel, die 
man einem erstlingswerke verzeihen darf, ist auch seine abhand- 
lung immerhin ein dankenswerther beitrag zur geschichte der 
stoischen philosophi« und ihrer fortwirkuugen in weiteren kreisen, 



Xr. 4. 45. Stobaios. 231 

und vor allem sind die reichlichen nachweise der parallelstellen 
unter dem texte von außerordentlichem nutzen. Ihnen entspricht 
bei Schuchhardt, der hiebei allerdings in günstigerer läge war, 
die tabelle stoischer, und zwar im gegensatz zu Kreuttner wörtlich 
mitgetheilter definitioneu aller möglichen tugenden bei allen Schrift- 
stellern, welche sie darbieten. Und so seien denn diese beiden 
arbeiten allen forschern auf dem betreffenden gebiete auf das leb- 
hafteste empfohlen und Wachsmuth, der sie ins leben gerufen hat, 
der wärmste dank dafür ausgesprochen. Fr. Susemihl. 



45. Ioannis Stobaei Anthologium recensuerunt C. Wachs- 
muth et 0. Hense. vol. I et II. — (Besond. titel): Ioannis 
Stobaei Anthologii libri duo priores qui inscribi solent Eclogae 
physicae et ethicae Recensuit C. Wachsmuth. Berolini apud 
Weidmannes 1884. vol. I : XXX, 502 p. vol. II: 332 p. 8. 18 mk. 

Die lange vorbereitete ausgäbe der sogenannten Eklogen des 
Stobaeus, d. i. der beiden ersten bücher des vierbändigen ge- 
sammtwerkes, ist nun erschienen und damit zum ersten male ein 
auf sicherer diplomatischer grundlage ruhender text hergestellt. 
Denn den früheren herausgebern, Canter, Heeren, Gaisford und 
Meineke, fehlte es an jeder einsieht in den werth der hand- 
schriften , und die beiden letzteren haben dadurch, daß sie die 
lesarten des fast ganz bedeutungslosen Augustanus zu gründe 
legten, die textkritik eher gehemmt als gefördert, ein mangel, 
der nur bei Meineke durch eine nicht geringe zahl treffender 
Verbesserungen ausgeglichen wird. Jetzt erst hat Wachsmuths 
Scharfsinn erkennen können, daß für den text der Eklogen nur der 
Farnesinus (F) und der Parisinus (P), die beide aus einer be- 
reits vielfach verstümmelten urhand schritt herstammen, und au- 
ßerdem für einzelne abschnitte, theils neben jenen, theils als al- 
leinige quelle, das Florilegium Laurentianum (L) in betracht 
kommen. 

Dieses Verhältnis sowie die ganze leidensgeschichte der text- 
überlieferung des Stobaeus mit ausnähme der besonderen Schick- 
sale des sogenannten Florilegiums , deren aufhellung 0. Hense 
überlassen bleibt, hat Wachsmuth in den „Studien zu den grie- 
chischen Florilegien" Berlin 1882 näher dargelegt, worüber ich 
im Philol. anz. XIII, suppl. I, p. 683—705 ausführlich berichtet 
habe. Die dort gewonnenen resultate werden in der vorrede 



232 45. Stobaios. Nr. 4. 

zur vorliegenden ausgäbe kurz zusammengefaßt. Hierbei geht 
Wachsmuth auch auf einige einwendungen ein , die ich a. a. o. 
p. 688 ff., ohne seine beweisführung im allgemeinen zu bestreiten, 
gegen einzelne punkte derselben erhoben habe. Zunächst habe 
ich behauptet , daß die sich bereits im verzeichniß des Photios 
vorfindende Vermischung ganz heterogener bestandtheile in den 
kapitelüberschriften I, 57 und 60 (= 56 und 59 Meineke) , da 
sie dem Stobaeus selbst nicht zuzutrauen sei , auf eine lücken- 
hafte Überlieferung des codex Photianus am Schlüsse des ersten 
buches hinzuweisen scheine. Hiergegen macht Wachsmuth in 
bezug auf cap. 60 geltend, daß die dort zusammengefaßten Über- 
schriften von Aetios IV, 22 und 23 gar nicht so verschieden- 
artig seien, da die kvanvo^ nach einer von Stobaeus in eben je- 
nem kapitel angeführten platonischen stelle zu den rrädr] aoa^a- 
rixd gehöre. Ich kann dieser auffassung insofern nicht völlig 
beipflichten, als sich aus dem inhalt von Aetios IV, 23, so weit er 
uns bei Plutarch erhalten ist, ziemlich klar ergiebt , daß unter 
den dort behandelten nü&t] die schmerz- und lustempfindungen 
zu verstehen sind, zu denen das athmen schwerlich gerechnet 
werden darf; doch gebe ich zu, daß Stobaeus, durch die plato- 
nische definition verleitet , diesen unterschied leicht übersehen 
konnte. Was cap. 57 betrifft, so ergänzt Wachsmuth den titel 
jetzt aus Plutarch folgendermaßen: nfo) cpcop?jS xai st aaü^arog 
?] qtnrh y.a) <^7t6it?.v aw&ijtixij // xpvpj xa/> ti ixvrrjQ to rjystui- 
vntor , wodurch allerdings der anstoß , den die überlieferte fas- 
sung erregen mußte, zum theil beseitigt wird ; aber auch so noch 
bleibt die ungleichartigkeit der in dem kapitel verbundenen Über- 
schriften auffällig und scheint mir erheblicher zu sein als in den 
analogen von Wachsmuth angeführten fällen, wie I, 14 und 22. 
Doch läßt sich hier über subjektive muthmaßungen ebenso wenig 
hinauskommen, als in betreff der frage , ob der codex des Pho- 
tios selbst, wie ich dies a. a. o. als möglich hingestellt habe, die 
quelle unsrer handschriften sei. Wenn Wachsmuth meine hy- 
pothese dahin modificirt, daß es unentschieden bleiben müsse, ob 
unsere Überlieferung aus dem von Photios gelesenen codex oder 
einem ähnlichen älteren geflossen sei , der auf denselben arche- 
typos wie jener zurückgeht, und dieselbe in dieser fassung als 
berechtigt anerkennt, so habe ich gegen eine solche abänderung 
nichts einzuwenden. 






Nr. 4. 45. Stobaios. 233 

Auch sonst bietet die vorrede einzelne erwähnenswerthe Zu- 
sätze zu den in den „Studien" enthaltenen ausfuhrungen, wie die 
lehrreiche erörterung über die behandlung der lemmata in den 
handschriften (p. VIII, 59), oder die bemerkung (p. XVII), daß 
die epitome , welche die quelle unserer Codices bildet , vermuth- 
lich von einem schüler des Psellos angefertigt worden war. Ge- 
nauer besprochen werden auch die lücken und Verwirrungen in 
F und P, welche zum guten theil ihren Ursprung bereits in dem 
beiden gemeinsamen archetypos haben, dessen einzelne reihen 
zwischen 40 und 50 bucbstaben enthalten zu haben scheinen. 
Besondere beachtuug endlich verdient der nachweis, daß der 
scholiast des Lukian, der nach der bisher herrschenden annähme 
für die von ihm ausgezogenen abschnitte von Ecl. II, 7 ein im 
vergleich zu unserer Überlieferung vollständigeres exemplar des 
Stobaeus vor äugen gehabt haben würde, in Wahrheit eine den 
unsrigen ganz ähnliche handschrift benutzt und seine excerpte 
mit thörichten oder überflüssigen Zusätzen eigener mache ver- 
sehen hat. 

Die schwierige aufgäbe, aus dem bezeichneten material ei- 
nen zuverlässigen und zugleich lesbaren text herzustellen , hat 
Wachsmuth , wie sich erwarten ließ , in trefflicher weise gelöst. 
Schon äußerlich betrachtet, stellt sich uns die ausgäbe ganz an- 
ders dar als ihre Vorläufer. Die kapitelzahlen sind nach dem 
verzeichniß des Photios berichtigt worden. Die in den hand- 
schriften des Florilegiums versprengten trümmer von II, 1,2 u. 4, 
die bisher in den ausgaben des letzteren als cap. 80 — 82 figu- 
rirten, haben ihre rechtmäßige stelle und reihenfolge erhalten. 
Zur konstituirung des textes in diesen abschnitten hat Wachs- 
muth von den wichtigeren handschriften des florilegiums theils 
durch eigene einsieht kenntniß genommen, theils zuverlässige col- 
lationen anderer benutzt ; die erst nach dem druck von Hense 
ihm mitgetheilten Varianten des Escurialensis (M) sind in die dem 
texte vorangestellten Corrigenda und Addeoda aufgenommen worden. 
Einen noch erheblicheren Zuwachs hat der text erhalten aus den 
auf Stobaeus zurückgehenden partien des zuerst von Gaisford, 
aber vielfach ungenau und unvollständig abgedruckten Florilegium 
Laurentianum (L), und zwar ist das zweite buch um vier Eklo- 
gen vermehrt und somit die große lücke desselben wenigstens zu 
einem theile ausgefüllt worden, während sieben kapitel des ersten 



234 45. Stubaioa. Nr. 4. 

buchs bedeutend bereichert worden sind. Die titel der noch feh- 
lenden kapitel hat Wachsmuth aus Photios unter mitbenutzung 
des leider unvollständigen index in L hinzugefügt und gelegent- 
lich auf grund des schriftstellerverzeichnisses bei Photios, dessen 
Wichtigkeit von Elter De Stobaei codice Photiano nachgewiesen 
worden ist, die muthmaßlich in jenen verlorenen abschnitten ex- 
cerpirten autoren bezeichnet. In der Zählung der einzelnen 
Eklogen jedes kapitels hat sich Wachsmuth mit einigen unver- 
meidlichen ausnahmen an Gaisford und Meineke angeschlossen 
und sich darauf beschränkt, mehrere fälschlich zu einer sentenz 
zusammengezogene oder unförmlich große Eklogen durch hinzu- 
fügung von buchstaben zu theilen. 

Von größerer Wichtigkeit ist die behandlung der lemmata, 
denen Wachsmuth ganz besondere Sorgfalt zugewendet hat. Zu- 
nächst sind aus den handschriften eine große zahl lemmata theils 
hinzugefügt, theils berichtigt (vgl. z. b. I, p 355, 1, wo der 
name einer pythagoreerin /4l(sdga mit großer Wahrscheinlichkeit 
hergestellt ist) oder an ihre rechte stelle gesetzt worden. In den 
zahlreichen fällen ferner, in denen die lemmata verloren gegan- 
gen sind, hat Wachsmuth dieselben, soweit er sie durch genaue 
vergleichung der Schriftsteller ermitteln konnte, in eckigen klam- 
mern dem texte beigefügt, und wo eine nähere angäbe unmög- 
lich war, die lücke wenigstens durch ein tragici (comici, poetae, 
scriptoris) ignoti ausgefüllt. Auch sind, was in den früheren aus- 
gaben nur hin und wieder geschehen war, diejenigen Eklogen, 
welche den noch vorhandenen werken der Schriftsteller entnom- 
men sind, oder sich in fragmentensammlungen , wie denen der 
tragiker , komiker , des Demokrit u. s. w. , finden, genau citirt; 
ja selbst da, wo innerhalb eines längeren excerptes solche stellen 
angeführt werden, ist ein derartiger nachweis in klammern dem 
texte beigegeben worden. 

Was den kritischen kommentar betrifft, so sind die lesarten 
der handschriften F, P und L mit einer gewissenhaftigkeit ver- 
zeichnet, die sich bis auf die lemmata und die namen am rande 
erstreckt, während die übrigen Codices, wie der Augustanus und 
Vaticanus, nur ausnahmsweise und zwar nur da, wo sie beach- 
tenswerthe conjekturen enthalten, erwähnung finden. In den ex- 
cerpten aus noch vorhandenen autoren ist auch die Überlieferung 
der letzteren gebührend berücksichtigt. Doch vermißt man in 



Nr. -1. 45. SfcJbaiog. 285 

den auf Aetios zurückgehenden abschnitten vielfach die abwei- 
chungen der pseudoplutarchischen placita philosophorum und der 
pseudogalenischen historia phüosophiae, die sich doch zu Stobaeus 
kaum anderes als eine handschriftenklasse zur andern verhalten. 
— In größter Vollständigkeit hat Wachsmuth auch die konjec- 
turen neuerer angegeben; selbst die genaueste nachlese dürfte 
nur einen sehr geringen ertrag liefern. So fehlt I, p. 486, 8 
die vermuthung von Hirschig Mise. I, p. 196: ngoy^aOai axti- 
täg sV (uro [avrrji^. Zu II, p. 151, 9 — 15 war zu erwähnen, 
daß Büchsenschütz „Studien zu Aristoteles' politik" p. 17anm. 34 
diesen abschnitt hinter tunoQiu^ zeile 22 gestellt wissen will, 
ebenso zu I, p. 178, 12 sq. der Umstellungsvorschlag von Diels 
Doxogr. p. 462, 21. Zu der stelle aus Theognis (v. 955 sq.), 
II, p. 261, 19 sq. ist die conjektur von Ahrens : reo* re .-7«p' 
avru yjJQcooig (s. Bergk zu der stelle) und zu I, p. 123, 8 Zellers 
vermuthung ro n'kij&ag statt ?or nlrj&ovg (s. Geschichte der grie- 
chischen philosophie II, 1, p. 867 anm.) anzumerken. Zu II, p. 112,9 
hat Heeren neben dem von Wachsmuth erwähnten unocfavTmrjV 
vorgeschlagen: uTToqarim'jr , was das richtige zu sein scheint. 
Ungenau ist die bemerkung zu I, p. 53, 16, aus welcher nicht 
erhellt, daß Meineke nr^tr { v statt nh]jr t v nur unter der Voraus- 
setzung empfiehlt, daß vntQnrjdä nicht in vnsunrjdäi verwandelt wird. 
Eine dankenswerthe bereicherung hat der commentar durch 
die parallelstellen erfahren, welche hier und dort, wo es erfor- 
derlich schien, am häufigsten in dem langen excerpt aus Areios 
Didymos II, 7, eingefügt sind. Auf Vollständigkeit war es hiebei 
von vornherein nicht abgesehen (s. Proleg. p. XXXII). Einige 
wenige stellen , deren erwähnung sich erwarten ließ , sind wohl 
nur übersehen worden. So ist zu II, p. 212, 22 sq. zu verglei- 
chen: Apophth. Vind. 80; zu II, p. 215, 1: Flor. Monac. 182; 
zu II, p. 215, 11: Mon. 200, wo der ausspruch nicht dem Piaton, 
sondern dem Heraklit (ursprünglich vielleicht dem Zenon?) bei- 
gelegt wird; zun, p. 218, 21 sqq.: Stob. Flor. 3, 797, I, p. 89,10 
Mein., ebenda 21, 11, I, p. 317, 21, Diog. Laert. II, 33 und 
Arsenios p. 437; zu II, p. 229, 3 sq.: Stob. Flor. 34, 19, II, 
p. 35, 26 sq.; zu II, 256, 16: Apophth. Vind. 72; zu II, p 261, 
21 sq.: ebenda 73. — Den schluß der ausgäbe bilden eine Über- 
sicht von den Varianten der randscholien des Farnesinus (s. Pro- 
leg, p. XXVI sq.) und drei sehr genaue indices. 



236 45. Stobaios. Nr. 4. 

Wir kommen nun zur gestaltung des textes. Bei der be- 
schaffenheit der handschriftlichen Überlieferung mußte hier der 
conjekturalkritik ein weites feld eingeräumt werden, wenn über- 
haupt ein lesbarer text hergestellt werden sollte. Was Wachs- 
muth auf diesem gebiete geleistet hat, vermag nur der zu wür- 
digen , der die vorliegende ausgäbe mit der letzten und besten 
unter den bisherigen, der Meinekeschen, genau vergleicht. Die 
zahl der neu hinzugekommenen emendationen und emendations- 
vorschläge ist außerordentlich groß. Freilich kommen dieselben 
keineswegs alle auf des herausgebers rechnung. Abgesehen von 
den seit erscheinen der ausgäbe Meinekes von Hense, Diels, 
Hirzel u. a. veröffentlichten conjekturen, hat Usener bei der durch- 
sieht der correkturbogen einen stattlichen beitrag von Verbesse- 
rungsvorschlägen geliefert, die zu einem sehr großen theile von 
Wachsmuth in den text gesetzt werden konnten und von der 
kritischen meisterschaft dieses gelehrten ein neues beredtes zeug- 
niß ablegen. Aber auch nach abzug dieser fremden zuthaten 
bleibt noch eine reiche fülle eigner conjekturen , in denen sich 
der längst erprobte Scharfsinn des herausgebers sowie seine um- 
fassende belesenheit und Vertrautheit mit der griechischen phi- 
losophie glänzend bewähren. Selbstverständlich läßt sich in ein- 
zelnen fällen darüber streiten , ob Wachsmuth recht gethan hat, 
eine vermuthung in den text aufzunehmen oder unter den strich 
zu verweisen. So hätte nach meiner meinung in dem Demokri- 
tischen fragment II, 9, 3, p. 178, 1 das überlieferte ozav tsv 
beibehalten und nicht durch Useners oiat ?' tv ersetzt werden 
sollen. Sehr zweifelhaft scheint auch in einem andern fragment 
Demokrits II, 31, 57, p. 211, 6 die von Wachsmuth in den 
text gesetzte conjektur: ^ijlmnxm^ ö[A,7j novtsiv. Umgekehrt halte 
ich I, p. 84, 5 Canters von Wachsmuth nur im commentar er- 
wähnte vermuthung vqov^hv statt notoi'fttv für völlig zutreffend, 
und das gleiche gilt für Meinekes dt amrog statt 8/u yirovg 
I, p. 405, 21 (cf. p. 426, 19). 

Daß auch jetzt noch viele stellen der bessernden hand har- 
ren, braucht für den kundigen kaum hervorgehoben zu werden ; 
aber eben weil wir jetzt durch Wachsmuths verdienst auf si- 
cherem boden stehen, läßt sich hoffen , daß die kritische thätig- 
keit der philologen , die sich nur allzu gern in ausgefahrenen 
geleisen bewegt, diesen für die griechische poesie wie philosophie 



Nr. 4. 45. Stobaios. 237 

gleich wichtigen autor nicht länger ungebührlich vernachlässigen 
werde. Wenn ich im folgenden mit einer anzahl von Verbesse- 
rungsvorschlägen hervortrete , so verdanke ich die anregung zu 
diesen versuchen vornehmlich der beschäftigung mit der vorlie- 
genden ausgäbe. Zunächst einige die titel und lemmata betref- 
fende vermuthungen. 

Die in II, 9 enthaltenen Sentenzen stimmen allesammt nicht 
zu der Überschrift des kapitels : ort ovdsig sumv novqgög und 
können eher als eine Illustration des gegentheils angesehen werden, 
so daß Heeren guten grund hatte a.xmi> statt tixav zu schreiben. 
Da indeß letzteres durch Stobaeus, Photios und L sicher gestellt 
ist , so ist diese bequeme aushilfe unzulässig. Es scheint viel- 
mehr das kapitel , wie dies mehrfach bei Stobaeus vorkommt, 
ursprünglich in zwei hälften zerfallen zu sein , von denen nur 
noch die zweite übrig ist , die in dem vollständigen werke ver- 
muthlich mit der besonderen Überschrift e/V zo havtiov einge- 
leitet wurde (vgl. II, 2, p 21, 15). Im ersten tbeil befanden 
sich wahrscheinlich außer dem von Wachsmuth angeführten verse 
stellen wie Piaton Apol. p. 25 D sqq. Protag. p. 345 D sqq.; 
vielleicht stand daselbst auch bereits das in II, 31, p. 213, 5 sqq. 
überlieferte fragment des Demokrit. — Die verse des Parmeui- 
des, die jetzt den schluß von I, 15 (p. 144, 11 — 14) bilden, 
gehören ihrem inhalte nach zu dem folgenden kapitel ntyl a^iq- 
ptitmi (vgl. daselbst p. 144, 20; 245, 2. 8—16; 146, 7. 23; 
147, 1), wo sie entweder an erster oder, was vorzuziehen sein 
dürfte, an zweiter stelle, d. h. nach dem homerischen verse, ein- 
zufügen sind. Die beiden darauf folgenden verse (I, 15, 2): 
A\X o ys tzavzo&ev ino* <£.facv^> ttui naynav anstomr | ayatoog 
kvxhitsgtji,', ftnrirj TieQit'flti yatwv , die Wachsmuth in zwei selb- 
ständige eklogen zerlegt, deren erste er einem unbekannten dichter 
zuschreibt, während die zweite durch Simplikios als empedokleisch 
verbürgt ist, halte ich mit Diels für ein zusammenhängendes 
brucbstück des Empedokles. Wenn Wachsmuth für die trennung 
geltend macht, daß bei Simplikios dem zweiten verse nicht der 
erste, sondern ein anderer vorhergeht, so ist dagegen zu bemerken, 
daß bei Empedokles auch sonst mehrfach dieselben verse wört- 
lich oder mit geringen Variationen wiederholt werden. Vgl u. a. 
bei Mullach v. 60 mit 79, 68 sq. mit 151 sq. und 183, 67 mit 
157, 59 mit 159. — I, 26, 1*, p. 219, 14 sq. sind die worte: 
Philo!. Ana. XV. 17 



238 45. Stobaios. Nr. 4. 

KXtavOrjg nvQoetS/j ttjv oe\tji>i]r, niXotidij 8? zw n^ijuari wahr- 
scheinlich von der vorhergehenden öo|a des Zenon, mit der sie 
Diels zu einem fragment des Didymos verbunden hat, zu trennen 
und zu dem folgenden excerpt aus Aetios : FloasiSeönog 8s xa) 
ol nXeiatoi rmv 2twiv.mv mI. zu ziehen, mit dem sie dann ganz 
sachgemäß durch 8s verbunden sind, welches an der spitze einer 
Ekloge aus Aetios bei Stobaeus ohne analogie sein würde. 

Die vorschlage zur Verbesserung des textes, die ich nun 
folgen lasse, beschränken sich auf das umfangreichste kapitel des 
Stobaeus, II, 7, welches das lange ethische excerpt aus Didymos 
enthält, wobei ich der raumersparniß halber auf jede nähere be- 
gründung verzichte und mich begnüge, die fraglichen stellen in 
der gestalt, wie ich sie reconstruirt wissen will, hinzusetzen und 
einige kurze notizen beizufügen. Meine eigenen vermuthungeu 
sind durch den druck hervorgehoben. 

P. 4 4, 4 sq. = 17, 14 sq. Meineke: "Htoi. ydg ndv ndüog 
ogptj nXsovd^ovau tj rct ys nXtTara fisü" 1 ögpr/g <Cn X s ot> a "Qo v a?j g, 
t a v oa tj fiai a, t a 8 s xal ^fx' u a& ev ovarj g (oder sXXsi- 
Tzovaijg? vgl. p. 88, 24) 6gf*rjg^> rd dggoKSTr/fiara {y.ai iv dg- 
QKKSTqfiara). — p. 66, 14 sq. = 35, 8 sq. Meineke: Xsyovai 8s 
xul narr* ev noislv tov ooqov , a n oio v 6 1 dtjXov <^ob8e^>. 
(nom 8r]Xov. FP, notei' 8rjXov . Wachsmuth). — p. 71 , 2 sqq. 
= 29, 13 sqq. Meineke: s&ig 8s /*6rov na) ov Sta&eaeig <Crdg 
evna&sCag, o i o v t r\v % a q d v , z tj v ev q> g o a v v t] v v. ai t d 
o i*o ta x « )7> rd smrrj8ei>(*aru <o i o v r i) v q> iX o f*o v a l ai>"^> 
xal ttjv (so FP, mg rtjv Heeren und Wachsmuth, o'mv rijt Bake) 
qnXoygufifuatittv ((lavrtxfjv FP) na) rd naganh'jGia. Die er- 
gänzungen werden durch die rücksicht auf den parallelismus ge- 
fordert, vgl. zeile 8 — 12. Zu den tnmfidnara vgl. p. 73, 11 sq. 
zu den evnd&siai p. 58,8 und 77,9 sowie Diog. L. VII, 115 sq. 
Plut. virt. mor. 9, p. 449 und Zeller III, 1, p. 268 anm. 2. — 
p. 8 5, 1 = 44, 32 Meineke : nach Xöyor ist eine lücke anzu- 
setzen , die beispiele für das ngotjyfinoi enthalten haben muß, 
wie wir sie p. 80, 23 sqq. finden ; vgl. zeile 3 : na) rd naga- 
8elyi*ara nard rr\v dvaXoylav ravtd, — p. 8 7, 9 s q. = 46, 18 
Meineke: "Sigre (*t'xgi fisv rovroov rsrgaiäg ögi*ijv Xtyen&ai[, 8i- 
%mg 8' dq}ogi*r j v'] , ngogTe&siGijg 8s nrX. Die eingeklammerten 
worte sind zu streichen, wodurch das von Wachsmuth z. 12 nach 
igfAÜv eingeschobene o^jtuj* beseitigt wird. — p. 8 8, 2 2 sq. = 



Nr. 4. 45. Stobaios. 239 

47, 19 sq. Meineke schreibe ich mit benutzung der conjekturen 
von Zeller und Usener: Tlavztav 8s zmr ztjg wvx'ijg nuQcäv inei 
&6%ag < n gogcfäzovg^> alziag Xsyovaiv eliat (vgl. p. 90, 8 sqq.) 
Durch die einschiebung von ngogqäzovg wird die von Heeren 
p. 89, 2 nach vnoXrjifismg angenommene lücke überflüssig. — 
p. 109, 1 3 sq. = 62, 31 sq.: znr zs imo zqg ßaaiXslag (sc. 
ßtov), xu& bv fj avzoe ß aa iX e v oav (ßaai) svasi FP) <)? gvvcop 
ßaailsvai (zusatz von Hirzel)!> pov ag%ixmv (xal uovag^ixoig 
FP, t] [AOtaQxtxäv Heeren und Wachsmuth) %Qt]fjidlzo3v svnog/josi. 
— p. 110, 1 1 sq. = 63, 22 sq. : yu) el /*/) (so FP, oi pt} 
Usener und Wachsmuth) piXXoisv <Cfj. r t 8 s n o t £> eoea&ai aocpoi. 
Vgl. Plut. Comm. not. 12, p. 1064 E und Stoic. rep. 18, p. 
1042 B. MadvigCic.de fin. p. 449 sq. — p. 12 4, 13 = 73,26 
Meineke scheint nach noiti . etwa folgende lücke, die durch p. 
125, 6 — 8 indicirt ist, angenommen werden zu müssen; <!(«! 
s i tj evaio&tjoia q a m ft az t xij z <ä v a y a d cö v satt, n o X v 
fiäXX ov ij \pv^iv.r\ 8 C a v z i)~v av e irj a t g ez ;/ " \pv%rj g 8 e 
i a r i v evuiaürjaia qp g 6 vqo t g • 8 i o n s g av sii] xai cp Q o- 
v tja i g uya&o v 8t 1 a v t 6 aig s'j> z 6 v. 11 a g a n X tj a i o v (Tov 
naganlf t aiov FP) 8' shai Xoyov im när agszmv (äyu&oiv? vgl. 
zeile 19). — p. 12 8, 4 sq. = 76,19 Meineke ist zu interpun- 
giren : xui <C.to^> ngdzzsiv — o'vzs yag axgizov ovz angaaigs- 
zov ovz angaxzov elvai zrjv agsttjv — , äXXa. xzX. — p. 133, 7 sq. 
= 80, 19 sq. Meineke: xa&iineg (xrj 8 s t6v <^i j?!> (nt]8s zov 
FP, rof iArj8' Wachsmuth) oXmg 'i'^ovza zavrt]v. Vgl. p. 98, 17 sqq. 
Aristot. eth. Eudem. p. 1219 b, 13 — 15. — p. 134, 1 sq. = 
81, 6 sq. Meineke: Qg 8s itv nnovSaior täya&a Sforza (s%siv 
FP) xai aviäi (uv7co FB) avfAcpt'geir xu) zoig kX\oig<Z, ovzoag 
x at zov qr a v X o v zu x ax a g ^ o v t a v, a i uvz 6 v ß X an z ZiV 
xki zovg ulXovg~>. — p. 144, 9 sq. = 89, 1 sq. Meineke: 
xu) sguad/jasadai z<r aooqgovu [sgootaA. Das letzte wort ist zu 
tilgen nach Diog. L. V, 31. 

Von druckfehlern habe ich mir, abgesehen von einigen un- 
genauigkeiten der interpunktion sowie den nicht ganz seltenen 
fällen, in denen ein accent oder spiritus abgesprungen sind, fol- 
gende angemerkt , die in den corrigenda nicht erwähnt sind : I, 
p. 41, 21: yvXngosi statt yvXXogoi-l, 59, 13: scpvysh statt «V 
<pvysh, 147, 19: p. 339, 2 statt 339, 3. 149, 20: Siaqiavsv statt 
diuqnisg. 164, 11: sazmaap statt eazöioai'. 241, 10: xazo statt 

17* 



240 46. Isokrates. Nr. 4. 

x«r«. 409, 20: 0Q[ii]nvla statt (OQfiTjxvTa. 426, 2 ei/xaiu statt u- 
j««T«. 456, 8: ngoiöTurai statt ngotaiarai. 497, 4: IV, 19, 11, 
p. 407, 13 statt IV, 19, 1, p. 407,23. II, p. 6, 18: doxog und 
titvAtEi statt öoxot, 1 und thvnzai. 18, 8: gpavAcn statt cpuvloi. 
67 anm. zu zeile 13; 131 statt 121. 177, 7: 'narqrai statt '»«*■ 
atrial. 178,14 ytvti statt yeW(?). 180,1: oxolltjv statt oxoXrijV. 
186, 3: "E/zra statt 'Entd. 187, 24: KßtV« statt x^ive. 221, 23: 
cöqitkovr statt mqislttr. 240, 9 : &L' ?.' statt cöv. 261, 19 : dsikov±- 
statt SetWg. 263 anm. zu zeile 21: Ecl. 4 statt Ecl. 5. 293 
unter Eusebius: 179 statt 178. 330 unter cpvats: 173 statt 178. 
Zum schluß noch zwei fragen. Warum schreibt Wachsmuth fast 
durchweg ico$, zweimal aber (I, 174, 6 und II, 151, 11) icot;? 
Aus welchem gründe findet sich in dem fragment des Onatos I, 
p. 48 — 50 fünfmal iazi neben einmaligem ivzi (p. 48 anm. zu 
zeile 5 — 15), während sonst in den dorischen bruchstücken, z. b. 
I, p. 16 — 18 und p. 90, regelmäßig evii gesetzt ist? 

F. Lortzing. 



46. Bruno Keil, Analecta Isocratea. Prag, Tempsky; 
Leipzig, Freytag 1885. XII, 160 p. gr. 8. 4 mk. 

Ueber die anläge und den zweck seiner arbeit spricht der 
verf. selbst in der praefatio sich mit der wünschenswertesten klar- 
heit aus. Das erste capitel (p. 13 — 72) enthält die citate iso- 
krateischer stellen bei anderen Schriftstellern in kritischer bear- 
beitung. Das zweite, quaestiones criticae Isocrateae betitelt (p. 73 
— 88), entwickelt die geschichte der Überlieferung des Isokrates 
und die sich damit ergebende methode der textbehandlung. Vor- 
aufgeschickt ist eine einleitung (p. 1 — 12), welche auf geringem 
räume eine höchst inhaltreiche nachlese zu der innern lebensge- 
schichte des Isokrates und zu der frage nach der entstehungs- 
zeit und gruppirung seiner werke giebt. Das dritte capitel (p. 
89 — 149) endlich enthält zu allen diesen drei abschnitten ex- 
curse, in denen aber auch noch manches von selbständiger bedeu- 
tung sich findet. Indices und addenda bilden den Schluß. 

Das ergebniß des ersten capitels ist, daß nur 30 lesarten 
aus den citaten bei anderen Schriftstellern im gegensatz zu dem 
besten codex r (Urbinas) in den text aufzunehmen sind (p. 79). 
Dies wird völlig begreiflich durch die resultate des zweiten ca- 
pitels. Hier zeigt sich , daß man schon im zweiten Jahrhundert 



Nr. 4. 46. Isokrates. 241 

n. Chr. die reden des Isokrates nach der in ihrer ursprünglichen 
form nur noch in r erhaltenen anordnung, und daß man im 
wesentlichen nur noch diese auswahl von 21 reden las, daher 
denn auch aus anderen nur so spärliche bruchstücke (p. 101 — 
104) geblieben sind. Diese anordnung umfaßt dreimal sieben 
reden, so jedoch, daß die erste gruppe noch wieder in zwei oder, 
wenn man will, drei unterabtheilungen zerfällt : drei epideiktische 
reden X. XI. XIII, eine zwischen ihnen und den paränetischen in 
der mitte stehende IX und drei paränetische I. II. III; dann folgen 
sieben politische VI. VII. XIV. VIII. V. XII. IV und dann 
sieben gerichtliche XIX. XV. XVI. XVII. XX. (XVIII. XXI). 
Es zeigt sich ferner, daß diese auswahl schon bis kurz vor Dio- 
nysios von Halikarnaß zurückreicht, und daß sowohl die vulgat- 
handschriften (g) als auch Dionysios, der, wie Fuhr zeigte, einer 
zwischen ihnen und r in der mitte stehenden recension (y) sich 
anschloß, aber von den ihm noch bekannten 60 reden 25 ächte 
auslas, dennoch mit JH lediglich an einem und demselben, einzig 
und allein noch übrig gebliebenen archetypos, von dessen sticho- 
metrischen bezeichnungen in r noch spuren erhalten sind , ihre 
gemeinsame quelle haben. Einzelne worte waren in demselben 
bereits völlig zu gründe gegangen , andere beinahe verloschen ; 
die stark von einander abweichenden lesarten der drei redactio- 
nen kennzeichnen sich vielfach als verschiedene ergänzungsver- 
suche oder als verschiedene benutzung der übergeschriebenen 
correcturen oder nachtrage ausgelassener Wörter. Obgleich also 
die redaction F weitaus die beste ist, so verdient sie doch nur 
überall da den vorzug, wo ihr nicht grammatische oder sachliche be- 
denken entgegenstehen. Ob die recensionen g und y älter oder 
jünger als jene waren , und ob die erstere genau dieselbe aus- 
wahl oder mehr oder weniger reden umfaßte, wissen wir nicht; 
jedenfalls ward diese auswahl allmählich so maßgebend, daß man 
auch aus jenen beiden recensionen nur solche reden abschrieb, 
die in ihr enthalten waren ; trotzdem fügte es sich , daß man 
nicht sowohl die recension r als vielmehr namentlich g durch 
abschriften vervielfältigte x ). 

1) Der codex des Gregorios von Korinth kam dem Vaticanus an 
gute mindestens gleich (p. 82, anm. 1). — Daß übrigens an allen die- 
sen ergebnissen auch durch den Marseiller papyros nichts gebessert 
und geändert wird , hat Keil in einer eignen abhandlung im Hermes 
XIX, 1884, p. 596—643 klar gestellt. 



242 46. Isokrates. Nr. 4. 

Hieran dürfte sich nun wohl am zweckmäßigsten der hin- 
weis auf den zweiten excurs (p. 104 — 123) anschließen, in wel- 
chem der gebrauch des reflexivpronomens der dritten person 
avzov htX. für das der ersten und zweiten bei Isokrates behan- 
delt und durch eine genaue Statistik dargethan wird , daß in 
seinem ausschließlichen gebrauch der zweisilbigen formen uvtov 
xtI. ein anschluß an die bevorzugung derselben avrov , auvrov 
y.rX. vor den aus inschriften fast allein belegbaren dreisilbigen 
savrov, asavzov nr\. bei den tragikern zu erblicken ist, und daß, 
wie der von Maaßen festgestellte gebrauch der inschriften ver- 
glichen mit dem der tragiker ergiebt , die Attiker in der Se- 
tzung des v eysXxvGTixov vor consonanten mehr dem gefühl 
als festen regeln folgten, so daß man sich hierin bei Isokrates 
dem Urbinas anzuschließen und nur am ende der kola diesen 
buchstaben überall zu setzen hat, auch da, wo ausnahmsweise 
jene handschrift ihn wegläßt. 

Im ersten abschnitt (p 89 — 94) des zur einleitung gehörigen 
ersten excurses zeigt Keil, daß der compilator Pseudo-Plutarchos 
die berichte seiner beiden gewährsmänner Dionysios und Cä- 
cilius gelegentlich durch der Wahrheit widersprechende zeit- 
partikeln (wie mfira) zusammengeleimt, und daß Blaß, hiedurch 
getäuscht, den verkehr des Isokrates mit den hetären Metaneira 
und Lagiska vor seine verheirathung gesetzt hat , während der- 
selbe erst nach dem tode seiner frau statt fand, endlich daß, wie 
überhaupt H ermippos und Idomeneus , die quellen des Cäcilius» 
bekanntlich sehr unzuverlässig waren, so auch die aus Hermippos 
geflossene nachricht über die schule des Isokrates in Chios keinen 
glauben verdient 2 ). Wenden wir uns nun zunächst zur einlei- 
tung selbst. Isokrates, heißt es hier, habe getrachtet, was früher 
die tragiker wirkten, die zeitgenössischen aber nicht mehr wirken 
konnten , in anderer weise zu leisten ; seine polemik gegen die 
tragische dichtung gelte nur letzteren , und so seien auch nur 
wenige tragiker aus seiner schule hervorgegangen 3 ). So lebhaft 
er ferner seinen athenischen Patriotismus äußerte, so seien doch 

2) Wenn freilich der trapezitikos unächt sein sollte (p. 131, 
anm. 1), so schwinden die von Keil wie früher von mir betonten 
chronologischen Schwierigkeiten. 

3) Aber doch gerade der bedeutendste von allen der damaligen 
zeit Astydamas der ältere, ferner sein eigner stief- und adoptivsohn 
Aphareus und der vielleicht geistreichste von allen seinen schülern 
Theodektes, der freilich zu Piaton abfiel. 






Nr. 4. 46. Isokrates. 243 

von je her (IV, 50) die mehr kosmopolitischen gesainmthelleni- 
schen gesichtspunkte bei ihm in den Vordergrund getreten, und 
dies unterscheide ihn, so wird treffend bemerkt, wesentlich von 
den gewöhnlichen Parteigängern Makedoniens und habe ihn be- 
fähigt die weltgeschichtliche bedeutuug dieser neu auftretenden 
macht annähernd richtig zu merken, was natürlich völlig außer- 
halb des gesichtskreises der patrioten wie Demosthenes und Ly- 
kurgos liegen mußte 4 ). Und als es galt jenen seinen athenischen 
Patriotismus durch opfer zu bethätigen, sei er sehr bald dessen 
überdrüssig geworden, und in diesem seinen eigennutz sei der 
grund für sein plötzlich verändertes auftreten im Symmachikos 
und Areopagitikos zu finden, welche mit der wenig späteren rede 
vom vermögenstausch ebenso einen cyclus bildeten wie einen 
früheren die sophistenrede und der Busiris, einen zweiten die 
drei kyprischen reden und einen dritten der Plataikos und Ar- 
chidamos ; und nicht sei er so beschränkt gewesen, um sich voll- 
ständig täuschen zu können über das unpraktische seiner rath- 
schläge in bezug auf die innere und bundesgenössische politik 
Athens °). Während nämlich der Panegyrikos den ersten spar- 
tanerfreundlichen büchern von Xenophons griechischer geschichte 
entgegentrat , sind der Platai'kos und der Archidamos , von wel- 
chem Keil gegen Blaß nachweist, daß er wirklich schon 366, 
vor der messenischen rede des Alkidamas herausgegeben ward, 
bestimmt bei den Athenern im interesse Spartas gegen Theben 
zu wirken. Die Helena versetzt Keil nach dem Vorgang anderer 
mit recht erst etwa um 365. Vom Amartyros beweist er (p. 7, 
anm. 2), daß wir diese rede nur im auszug besitzen, von der 
rede vom Zweigespann im zweiten abschnitt des ersten excurses 
(p. 94 — 98), daß ein langer abschnitt von ihr verloren gegangen 
ist, und daß sie reminiscenzen an Thukydides zu enthalten scheint 6 ), 

4) Daß indessen der erfolg dieser neuen macht an die stelle des 
hellenenthums die hellenistik setzen mußte, davon hat doch wohl ohne 
zweifei weit mehr Demosthenes eine ahnung gehabt als Isokrates. 

5) Ob sich Isokrates dafür , daß dergestalt sein verstand auf ko- 
sten seines Charakters zu ehren gebracht wird, besonders zu bedanken 
hat, ist freilich eine andere frage. 

6) Auch wenn der beweis für die behauptung, Perikles habe bei 
der gelegenheit, bei welcher Thukydides ihn die berühmte leichenrede 
halten läßt, gar keine gehalten, den ich bisher vermisse, wirklich er- 
bracht werden wird, würde ich noch keineswegs ohne weiteres Keil 
glauben, daß der geschichtschreiber aus Opposition gegen die des Gor- 
gias zu ihrer einflechtung veranlaßt worden sei. 



244 47. C. Iulius Caesar. Nr. 4. 

im dritten (p. 99 — 101) widerlegt er schlagend Bergks verthei- 
digung der echtheit des Demonikos und thut mit einem neuen, 
völlig einleuchtenden gründe dar, daß Isokrates selbst kein rhe- 
torisches lehrbuch veröffentlicht hat. Noch mag endlich der 21. 
excurs (p. 143 — 145), in welchem der verf. über die unechtheit 
des vierten briefes handelt und den beweis für die von seinem 
lehrer Hercher behauptete sämmtlicher briefe sich für die zukunft 
vorbehält, und der 23. und letzte de glossematis et interpretamentis 
Isocrateis kurz hervorgehoben werden. 

Daß nicht alles von Keil ausgeführte unbestreitbar ist, ver- 
steht sich von selbst. Im übrigen halte ich es für völlig un- 
nöthig dieser skizze auch nur ein wort des lobes hinzuzufügen ; es 
würde sich vielleicht auch nicht einmal schicken für mich , der 
ich zu denjenigen seiner lehrer gehöre, welchen er in der prae- 
fatio ein dankbares gedenken widmet. Aber um so mehr schickt 
es sich gerade für mich ihm öffentlich meinen wärmsten glück- 
wunsch zu dieser ungewöhnlichen erstlingsarbeit und meine al- 
lerbesten hoffnungen für die zukünftige zeit auszusprechen. 

Fr. Susemihl. 

47. Ign. Prammer, zur lexikographie von Caesar de 
hello Gallico. Wien 1 884. 8. (Separatabdruck aus dem XXXIV. 
Jahresbericht über das k. k. staatsgymnasium im III. bezirke 
Wiens). 

48. H. Merguet, Lexikon zu den Schriften Cäsars und 
seiner fortsetzer mit angäbe sämmtlicher stellen. Lieff. 1. 2. Jena, 
Gust. Fischer 1884. Lex.-8. 288 p. 16 mk. 

49. Sie gm. Preuß, vollständiges lexikon zu den pseudo- 
Ccäsarischen Schriftwerken. I. theil. Bell. Gall. VIII und Bell. 
Alex. — II. theil. Bell. Afr. und Bell. Hisp. Erlangen, Deichert 
1884. 8. 433 p. 8 mk. 

50. Specimen lexici Caesariani scripserunt Rud. Menge 
et Siegm. Preuß. Voran stehen Vorbemerkungen von Eud. 
Menge. (Beilage zum Jahresbericht über das Karl - Friedrichs- 
gymnasium zu Eisenach). Eisenach, hof buchdruckerei 1884. 
Wird in Leipzig bei Teubner erscheinen. 

51. Lexicon Caesarianum confecit H. Meusel. fasc. 1. 
Berolini, W. Weber 1884. Lex.-8. 192 p. 2 mk. 40 pf. 

Seit dem erscheinen des werks Napnle'on's TIT. ist in Frank- 



Nr. 4. 47. C. Iulius Caesar. 245 

reich der durch die angeordneten Vorstudien zu demselben für 
die erforschung der commentarien angefachte eifer fast erloschen ; 
man wendet sich jetzt dort überwiegend der archäologie und der 
alten geographie des eignen landes zu ; in England pflegt man 
sich überhaupt beinahe nur mit den einfallen des römischen feld- 
herrn in Britannien zu beschäftigen ; bei uns hat es keines äu- 
ßeren austoßes bedurft, um das interesse für die Schriften Cäsars 
wachzurufen und rege zu erhalten : das beweisen die unaufhör- 
lich hier in der letzten zeit darüber erscheinenden großen arbeiten 
und zahlreichen kleinen aufsätze. Zu den ersteren sind , außer 
der neuen kritischen ausgäbe Holders mit vollständigem index, 
die vier in diesem jähre angekündigten special - lexika zu den 
commentarien zu rechnen , die an umfang und ausführlichkeit 
alles ähnliche , was früher unternommen war , weit hinter sich 
zurücklassen; von diesen behandelt Merguets Wörterbuch die 
sämmtlichen Cäsars kriege beschreibenden commentarien unge- 
trennt, Menge-Preuß die sieben bücher des bellum Gallicum und 
das Bellum civile , Preuß allein die Schriften der fortsetzer und 
zwar im ersten theil die des Hirtius, im zweiten die der übrigen, 
endlich Meusel nur die echten werke Cäsars. Fertig liegt bis 
jetzt nur Preuß' lexikon zu den fortsetzungen der commentarien 
vor •, von Menge-Preuß nur ein specimen von jaceo bis in ; von 
Merguet das erste heft bis castra, von Meusel das erste heft bis 
advoco. Diese proben erlauben jedoch schon, wenigstens über 
die von den Verfassern getroffene einrichtung eine vollständige 
einsieht zu gewinnen. 

Aber gleich vorweg drängt es mich , zur empfehlung aller 
dieser mühevollen und zeitraubenden arbeiten zu bemerken, daß 
denen , welche Cäsars commentarien gründlich studiren wollen, 
dadurch hülfsmittel gewährt werden , welche der früheren gene- 
ration nicht zu geböte standen, welche dem künftigen bearbeiter 
und erklärer, wie auch dem lehrer eine erleichterung darbieten, 
die wir altern oft schmerzlich vermißt haben. 

Im zweiten supplementheft des XIII. bandes des Philol. 
anzeigers hat Schiller die ziele , welche der index und welche 
ein vollständiges Wörterbuch in's äuge zu fassen haben , so wie 
den unterschied beider bereits auseinandergesetzt. Wie sich die 
sache bei der benutzung herausstellt , will ich versuchen , aus 
eigner erfahrung au einigen beispielen zu erläutern, muß jedoch 



246 48. C. Mius Caesar. Nr. 4. 

vorher die einrichtung des Holderscheu iudex, der hier allein in 
betracht kommen kann, mit wenigen Worten erklären. 

Holder führt in seinem alphabetischen verzeichniß die Wörter 
nach den verschiedenen formen, in denen sie bei Cäsar vorkommen, 
geordnet auf. Das kann von großem nutzen für die ausübung der 
kritik sein. Ich erinnere mich z. b., daß perspicere oder perspici 
von cupere abhängig vorkommt, und habe diese stelle nöthig; 
ich brauche unter dem worte nur nachzusehen , und die beiden 
fälle, in denen es im infinitiv vorkommt, sind ohne weiteres nach- 
suchen sogleich aus dem index ersichtlich. Das kann aber eben 
so auch in grammatischer wie in kritischer beziehung von Wich- 
tigkeit werden. Will man die stellen, in denen nach Frigell 
(II, 1, 4) die endung is des accusativs im pluralis in den hand- 
schriften vorkommt, mit dem, was in unsern ausgaben, z. b. bei 
Holder , davon erscheint , vergleichen , braucht man nur unter 
hostis , omnis, par , pars, pellis , turris etc. nachzusehen und man 
erhält unter jedem sofort ohne alle Weitläufigkeit die gewünschte 
auskunft ; man wird dabei sehr bald die rathlosigkeit und incon- 
sequenz der herausgeber und das ganz regellose durcheinander- 
schwanken der verschiedenen Massen der handschriften gewahr 
und sieht ein, daß durch diese allein die frage nicht in befrie- 
digender weise gelöst werden kann. Auch neben den vollstän- 
digen Wörterbüchern wird man hiernach einen index von der 
art des Holderschen nicht entbehren wollen , denn wenngleich 
das lexikon auch über diese dinge antwort giebt, hat man doch 
ein langwieriges nachsuchen und bei weitem größere mühe nö- 
thig; namentlich jedoch wird er unentbehrlich, wenn jene, wie 
es bei einigen der fall ist, die eigennamen unberücksichtigt lassen. 
Und obgleich auch ich , außer den von Schiller und Prammer 
angeführten versehen noch verschiedene andere aufgefunden habe *), 
so thut dies doch der benutzung keinen großen eintrag, man 
wird sie leicht zu verbessern finden, mit ausnähme des coeptae 

1) P. 241 accidat 74, 5 (muß heißen VII, 74, 5); p. 241 accipiant 
VII, 90, 6 (VII, 96, 9); p. 243 admirarentur I, 14,2 (I, 14, 12)); p. 248 
appetissent I, 43, 8 (I, 43, 18); p. 255 ceteris in VI, 25, zeile 15 ist 
nicht masc, sondern neut.; p. 260 conßdebunt IUI, 37, 7 (muß heißen 
IUI, 37, 9); p. 263 constitutis II, 12, 9 (II, 12, 10); p. 288 V, 45, 9 
gehört unter has, nicht unter hac; p. 341 renuntiaverunt II, 24, 8 (II, 
25, 8); p. 354 tabulatorum VI, 49, 8 (VI, 29, 8); p. 358 cngunt III, 5, 
5. 8 (IUI, 5, 5. 8). - Auf p. 327 soll VII, 11, 12 posterum acc. gen. 
neutr. sein, es ist masc, aus dem vorhergehenden dicizw ergänzen dum. 



Nr. 4. 48. C. Iulius Caesar. 247 

essent II, 2, 4, welches mir eben so wie Prammer unauffindbar 
geblieben ist und eine Verwechselung mit inciperet zu sein scheint. 
Das lexikon hat dagegen eine andere anordnung zu treffen ; 
hier kommt die bedeutung in betracht, und hier sind die stellen 
nach dem sinne, den das wort in ihnen hat, oder nach den ver- 
schiedenen Verbindungen, in denen es bei dem Schriftsteller mit 
andern Wörtern vorkommt, zu sondern : die phraseologie, in der 
es figurirt, die constructionen , in denen es auftritt, kann man 
sofort aus dem vollständigen Wörterbuch erkennen. So übersieht 
man, daß praestare in den beiden bedeutungen „besser sein" und 
„übertreffen" sich vorfindet , und daß es in der letzteren bei 
Cäsar selbst den dativ (bell. Call. I, 2, 2), bei Hirtius dagegen 
den accusativ regiert (VIII, 6, 2)-, diesen unterschied in der 
behandlung des worts lernt man durch den index nicht kennen, 
man muß ihn schon wissen, wenn man sich die beweisstellen in 
ihm aufsuchen will. Wo die in den handschriften vielfach ver- 
wechselten conjunctive velit und vellet, possit und posset und ähn- 
liche sich in Holders ausgäbe vorfinden , ersieht man zwar aus 
dem index, wo aber präsens oder imperfectum dieser conjunctive 
in bedingungsätzen vorkommen, wird man, ohne erst weiter nach- 
zuschlagen , auf der stelle aus dem Wörterbuch abnehmen , wird 
somit, auch ohne erst selbst eine mühselige Sammlung zu ver- 
anstalten, die gewünschte einsieht , die nöthige entscheidung ge- 
winnen können. Besonders zur prüfung der von andern ge- 
machten oder der selbstversuchten conjeeturen vermag ein spe- 
cial-wörterbuch , aber eben auch nur ein vollständiges, die we- 
sentlichsten dienste zu leisten. Wenn Paul (Zeitschrift für das 
gymnasialwesen XXXII) seine conjeetur zu II, 32, 3 Re renun- 
tiata (statt Re nuntiata) auch damit begründen will, daß nuntiare 
ad bei Cäsar nicht vorkommt, würde so ein lexikon ihm sofort 
gezeigt haben , daß renuntiare bei diesem sonst gleichfalls nur 
mit dem dativ vorkommt; daß ferner gerade re nuntiata allein 
im bell. Gall. an neun stellen gleichsam als stehende redensart 
angewendet wird , nicht ein einziges mal dagegen re renuntiata, 
sondern mit andrer Wendung renuntiatur, renuntiatum est, und das 
bisweilen auch da , wo nicht bemerkt wird , daß der römische 
feldherr leute zur erkundigung ausgeschickt hatte, wie I, 10,1; 
daß endlich das bloße nuntiare selbst dann von ihm gebraucht 
wird , wenn der auftrag dazu ausdrücklich vorher bemerkt ist, 



248 49. C. Iulius Caesar. Nr. 4. 

wie II, 2, 4. VII, 11,8; man vergleiche z. b. die letztere stelle 
Qua re per exploratores nuntiata mit bell. civ. III, 67, 1 Eo signo le- 
gionis illato speculatores Caesari renuntiarunt. Wenn Holder sei- 
nen eignen index hätte befragen können, würde er die conjectur 
nicht in seinen text aufgenommen haben. Wo die Wörterbücher 
bereits fertig vorliegen , überschaut man mit einem blick einen 
in frage stehenden punkt, welcher sonst erst durch ein langdau- 
erndes nachschlagen nach dem index heraustritt. Wer bei 
Meusel unter admiror nachliest, erkennt augenblicklich , daß die 
von Paul zu VII, 44, 2 vorgeschlagene Verwandlung von admi- 
ratus in miratus, unter wie gutem anschein sie sich auch dar- 
stellt, wenigstens nicht nothwendig ist, wenn man nicht zugleich 
noch eine ganze reihe anderer stellen ändern will. Der ge- 
brauch eines vollständigen Speciallexikons wird nicht nur den 
sorgfältigen benutzer zurückhalten mit nicht völlig einwandsfreien 
und nicht durchweg zutreffenden emendationen hervorzutreten, 
sondern ihm auch, indem es das gedächtniß unterstützt und das 
langweilige umhersuchen erspart, zur aufstellung von vorschlagen 
förderlich sein können. 

Ich will auch das an einigen beispielen deutlich zu machen 
versuchen. 

Im dritten kapitel des ersten buchs der commentarien über 
den gallischen krieg fangen in den handschriften und in unsern 
ausgaben zwei sätze hintereinander mit denselben Worten Ad eas 
res conficiendas an. Dies ist schon an sich ein so grober Stilfehler, 
daß man ihn Cäsar, mag er noch so sehr als ciToaTimTixog avtjQ 
geschrieben haben, nicht zutrauen darf. Aber es liegt noch viel 
schlimmeres vor. In dem ersten dieser beiden sätze ist von den 
Vorbereitungen die rede, welche die Helvetier im inneren ihres 
landes für die auswanderung treffen ; dazu paßt der oben ange- 
führte eingang vollkommen ; im zweiten dagegen soll , wie man 
aus der nachfolgenden erzählung der reisen und der maßnahmen 
des Orgetorix sieht , von der regelung der äußern Verhältnisse 
gesprochen werden ; dazu paßt das überhaupt auf nichts hinwei- 
sende Ad eas res conficiendas in keiner weise. Es ist klar, daß 
dieser häuptling zu dem zweck gewählt wurde, die auswärtigen 
angelegenheiten für die Helvetier günstig zu gestalten : was ge- 
sagt werden muß, liegt deutlich vor, nur nicht gleich, mit welchen 
Worten. Man könnte wohl vermnthen, daß zu anfang dieser aus- 



Nr. 4. 49. 0. Iulius Caesar. 249 

einandersetzung Ad exteras nationes concüiandas gestanden habe, 
denn nationes wird öfter von den verschiedenen gallischen volks- 
stämmen gesagt, wie III, 7, 1. 10, 2. 11, 3 etc. Nur ist dann 
nicht recht ersichtlich, wie der abschreiber dazu gekommen sein 
sollte, die Verwechselung zu begehen. Wer aber entweder durch 
langwieriges nachschlagen im index ersehen hat, oder später 
mit aller leichtigkeit aus einem vollständigen Wörterbuch ersehen 
wird , daß Jus constitutis rebus allein im bell. Gall. neunmal vor- 
kommt, wird schnell zu der Überzeugung gelangen, daß Ad ex- 
teras res constituendas den zweiten satz begonnen hat , was denn 
mit dem andern satzanfang leicht vertauscht werden konnte. Dann 
weisen zu gleicher zeit diese worte deutlich zurück auf die vor- 
hergehenden cum proxirnis civitatibus pacem et amicitiam confirmare, 
und dann wird man auch an dem pronomen sibi nicht mehr rüt- 
teln wollen in dem folgenden satze Is sibi legationem ad civitates 
suscepit : Orgetorix hätte nämlich mit dieser gesandtschaft im na- 
men des volkes auch andere beauftragen können , er hatte aber 
seine gründe, sie selbst zu übernehmen. 

Andererseits darf man einer veimuthung nicht deshalb al- 
lein die berechtigung absprechen, weil sie ein wort einführt, das 
Cäsar sonst nicht gebraucht. Die üblichsten Wörter kommen zum 
theil zufällig bei ihm nicht vor , z. b. componere nicht im bell. 
Gall., nur im bell. civ. ; sollte dies wort, wozu ich allerdings 
keine veranlassung sehe, durch eine conjectur dort einzusetzen 
sein, würde sich sicherlich aus seinem sonstigen nichtvorkommen 
kein grund zur abweisung desselben erbringen lassen. In VII, 
56, 2 habe ich früher conjicirt id neutiquam necessario faciendum 
existimabat. Daß neutiquam sonst nicht aus Cäsars Schriften nach- 
gewiesen werden kann , würde demnach keinen einwand gegen 
die annähme dieser vermuthung hergeben. So wie die stelle 
jetzt bei Holder und früher auch bei Frigell gelesen wird, kann 
sie bestimmt nicht richtig sein , von impedire kann ut nicht ab- 
hängig gemacht werden, die einsetzung des ne für ut , welche 
Nipperdey und ihm folgend Kraner , Prammer , Dinter und an- 
dere vornehmen , hilft ihr auch mit den weiteren sehr von ein- 
ander abweichenden Veränderungen der herausgeber an den text- 
worten durchaus nicht auf. Die handschriften der ersten klasse 
haben ut ne metu quidem , die der zweiten id ne metu quidem, 
unter ihnen jedoch h und k ut nemo tunc quidem. Da ich durch 



250 50. C. Iulhis Caesar. Nr. 4, 

befragen des index erfahre, — das vollständige Wörterbuch wird 
das viel unmittelbarer ergeben , da es diese bedeutung nicht 
wird vernachlässigen dürfen — daß ne tum quidem z. b. bell. 
Gall. I, 50, 2. VII, 53, 4 „auch nicht unter diesen umständen", 
eben dasselbe im bell. civ. III, 37, 2 tum quoque — non, das 
bloße tum z. b. bell. Gall. V, 49, 6. VII, 59, 3 „unter diesen 
umständen" besagen will , ist mir ohne weiteres klar geworden, 
daß Cäsar geschrieben haben muß : Nam ut commutato consilio 
iter in provinciam converteret, id ne tum quidem necessario faciendum 
existimdbat et cum infamia atque indignitas rei et oppositus mons 
Cevenna viarumque difficultas impediebat, tum maxime, quod abjuncto 
Labieno atque iis legionibus , quas una miserat, vehementur timebat. 
Das zweite ut, für welches viele handschriften richtig id erhalten 
haben , ist wahrscheinlich durch Wiederholung des ersten ut in 
den satz hineingerathen , et dagegen wegen der vorhergehenden 
endung at ausgefallen. Das tum ist in der form tune noch in 
zwei handschriften stehen geblieben, in den übrigen steckt es in 
der endung tu (von metu); aus der durch den abschreiber des 
archetyps beider klassen begangenen Verdoppelung des ne (hinter 
id oder ut) ist in den meisten ne metu, in den andern nemo tunc 
gemacht worden. — Wer da glaubt, daß Cäsar hätte sagen 
können , daß er sich durch angst (metu) zu einem schritt würde 
bewegen lassen , muß sehr wenig von der ader eines feldherrn 
in sich haben ; und wer sich vorstellt , daß einer seiner legaten 
oder gar der erste beste (non nemo) sich hätte herausnehmen 
dürfen , ihm unaufgefordert einen rath zu geben , hat sich sein 
bild aus den commentarien nur unvollständig hergestellt. 

In der unter nr. 1 verzeichneten broschüre hat Prammer 
sich die mühe gegeben, die versehen un d druckfehler der Wörter- 
bücher zu Cäsar von Eichert und Ebeling anzumerken. Die 
herausgeber dieser Schulbücher werden ihm dafür zu dank ver- 
pflichtet sein und nicht ermangeln, die von ihm vorgeschlagenen 
Verbesserungen vorzunehmen. Die neuen lexika zeigen , soweit 
die vergleichung jetzt möglich ist, die von ihm aufgezählten lücken 
und fehler nicht. Uebrigens ist nicht alles, was Prammer den 
oben genannten Wörterbüchern vorwirft, stichhaltig; nach seiner 
behauptung p. 9 soll nur aggere fossas explere, nicht complere bei 
Cäsar vorkommen, und doch liest man das letztere bell. civ. III, 
62, 3. 63, 6; die redensart agere aliquid cum aliquo findet sich 






Nr. 4. 50. C. Iulius Caesar. 251 

allerdings nicht bell. Gall. V, 43 , aber bell. civ. I, 8, 4 : und 
die von ihm vorgenommenen Wörterbücher beschränken sich ja 
nicht auf das bloße bell. Gallicum. Daß unter aqua die be- 
deutung Wasseruhr fehlt, welche Prammer vermißt, ist nur zu 
billigen ; certae ex aqua mensurae ist der ausdruck dafür. — Ein 
erster anhang bringt eine anzahl von druckfehlern des Holder- 
schen index; ein zweiter (nebst nachtragen) bemerkungen zu der 
neuesten aufläge des Kraner - Dittenbergerschen Bell. Gallicum, 
in welchen nicht nur einige unrichtige citate und druckfehler 
derselben , sondern auch einzelne Verbesserungsvorschläge ange- 
bracht werden. Auch hier sind seine ausstellungen nicht alle 
gerechtfertigt. Chälon (Cabillonum) an der Saone braucht kein 
8 am ende zu haben , wenn es auch sehr oft mit einem solchen 
geschrieben wird ; bei Chälons an der Marne allein ist es noth- 
wendig. 

Preuß legt den Dinterschen text zu gründe ; er läßt die 
eigennamen unberücksichtigt; er theilt die stellen, in welchen 
ein wort vorkommt , nach den bedeutungen desselben ein, wenn 
mehrere vorhanden sind; z. b. bei ago\ wo nur eine bedeutung 
vorhanden ist, wie bei aliqui, aliquis , wird sie gar nicht ange- 
führt; die eintheilung geschieht dann, z. b. gerade bei aliquis, 
nach der Verbindung des worts mit Substantiven, sei es in ne- 
gativen oder affirmativen sätzen , oder nach seiner eigenen sub- 
stantivischen Verwendung ; innerhalb dieser verschiedenen abthei- 
lungen ist wiederum die alphabetische anordnung befolgt. Manche 
eintheilungen scheinen mir überflüssig und, weil unnöthig, eher 
störend durch die vielen mit verschiedenen Ziffern und lateini- 
schen und griechischen buchstaben bezeichneten rubriken und 
ihre unterabtheilungen ; es ist z. b. nichts dagegen einzuwenden, 
daß unter aggredior angriffe auf sachen und auf personen ge- 
trennt werden ; warum aber unter den sachen noch zwischen 
oppidum und castellum einen unterschied machen, wenn man noch 
dazu dem letzteren sumtnum locum, alteram partem insulae etc. 
anreihen muß? Warum unter atque seine Verbindung mit ita 
besonders aufgeführt wird, ist mir nicht klar geworden. — Die 
conjecturen, durch welche die vielen unsichern stellen haben ge- 
bessert werden sollen, habe ich, soweit es mir möglich geworden 
ist , nachzuforschen , alle angeführt gefunden ; um sich zu über- 
zeugen, sehe man z. b. im ersten theil unter cesso, unter ac § 8 



252 51. C. Iulius Caesar. Nr. 4. 

nach ; und auf die an dieser zweiten stelle beigebrachten lesarten 
\ind emendationen wird außerdem noch unter den darin vorkom- 
menden Wörtern circumeo , fossa , transcendo, obgleich das letztere 
nur Nipperdey's conjectur ist, verwiesen. Die arbeit des Ver- 
fassers scheint mir eben so vollständig wie zuverlässig zu sein. 
Eine etwas andere, jedoch nur äußerlich verschiedene ein- 
richtung treffen Menge und Preuß in ihrem Wörterbuch zu den 
echten Cäsariscben schritten. Der Dintersche text bildet auch 
hier die grundlage ; auch hier werden die eigennamen unberück- 
sichtigt bleiben. Aber die verschiedenen bedeutungen eines worts 
— ich wähle als beispiel iam, auf das der Verfasser selbst in 
der vorrede verweist — werden am eingang des artikels unter 
Ziffern zusammengestellt , dann kommt die eintheilung nach der 
Verbindung , in der das wort mit Zeitwörtern oder participien, 
affirmativ oder negativ, für die gegenwart oder die Zukunft auf- 
tritt, und auf seine bedeutung wird durch die wie der exponent 
einer potenz hinaufgerückte ziffer aufmerksam gemacht; die stellen, 
welche eine von den gewöhnlichen bedeutungen haben, werden 
vorn in der Übersicht nur der zahl nach, im text nach den bü- 
chern, kapiteln und paragraphen angeführt, ohne abgedruckt zu 
werden; die bücher des bell. Gall. sind mit arabischen, die des 
bell. civ. mit römischen ziffern angegeben. Noch besser als bei 
iam kann man sich bei idem von der einrichtung des lexikons 
unterrichten. Es werden zuerst die stellen aufgeführt, in welchen 
die variirenden formen z. b. idem und iidem im nom. plur. theils 
in gewisser , theils in ungewisser lesart vorkommen , dann die 
Verbindungen des worts mit den alphabetisch geordneten Sub- 
stantiven , dann das wort als substantivum , theils allein , theils 
mit fürwörtern, theils mit andern adjectiven verbunden, sodann 
durch adverbia wie fere etc. modificirt , endlich in seiner corre- 
lation mit fürwörtern wie qui, quicumque oder in Verbindung mit 
atque etc. Für die letzten unter adnot. zusammengefaßten fälle 
sind — und das scheint auch nicht nöthig — hier die stellen 
nicht abgedruckt, sondern nur angeführt, während Preuß auch 
für diese fälle die etwas abgekürzten sätze auszieht. Man muß 
sich bei dem gebrauch des Wörterbuchs an die hier kurz geschil- 
derten eigenheiten erst gewöhnen , beim ersten anblick gewährt 
der druck stellenweise durch die masse der Ziffern etwas beun- 
ruhigendes, — quite bewildering nennen die Engländer einen 






Nr. 4. 51. C. Iulins Caesar. 253 

solchen eindruck ; — bei näherer prüfuug überzeugt man sich 
von der gewissenhaftigkeit , mit der die Verfasser diese arbeit, 
welche sie sich selbst der abkürzung wegen so schwierig ge- 
macht haben, ausführen. Ich wünsche Menge , daß er zugleich 
seinen nebenzweck, die verschiedenen Verfasser des Bell, civile zu 
kennzeichnen, erreichen möge ; bemerkt habe ich bis jetzt noch 
keine andeutung darüber : der bart ist kraus genug, ob er den 
riegel heben wird':' 

Diesen zweck Menge's kann Merguet nicht in's äuge gefaßt 
haben: sein werk umfaßt unterschiedslos die sämmtlichen ixnter 
Cäsars namen gehenden commentarien, auch die fragmente. Es 
ist somit sein lexikon ein vollständiges repertorium — von 
einem einzelnen schriftsteiler ganz abgesehen — des in der krieg- 
führung jener zeit üblichen Sprachgebrauchs in der militärischen 
darstellung, mit vollständigem abdruck aller betreffenden stellen 
und mit auslassung der speciellen registern überlassenen eigen- 
namen : namentlich derjenige, den die sachen vorzugsweise an- 
gehen, wird diese Zusammenfassung gern sehen. Bei jedem wort 
ist seine bedeutung angegeben , z. b. beneficiarius „gefreiter". 
Wer sich von der ausdehnung , welche ein in dieser weise an- 
gelegtes Wörterbuch erhält, eine Vorstellung machen will, braucht 
nur die präposition ad durchzusehen: sie nimmt 17 J /o quartseiten 
mit zwei spalten ein , davon ad hinter mitto allein über drei 
spalten; mittere ad Caesarem kommt mehr als 40mal vor, die 
stellen gar nicht gerechnet, in denen eum für Caesarem einge- 
treten ist. Unter pertinere ad fehlt Bell. civ. III, 49, 4'omnes rivos, 
qai ad mare pertinebant ; ad specus angustiae (p. 27, zweite spalte) 
steht nicht Bell. civ. II. 41, a, sondern III, 49, a; Merguet ver- 
zeichnet nämlich mit a die erste hälfte , mit b die zweite hälfte 
eines kapitels, welches bei Nipperdey, dessen text er zu gründe 
legt, eine ganze seite einnimmt; es fehlen hierauch die an die- 
ser stelle vorgenommenen emendationen. welche man bei Meusel 
findet. Wenn Merguet \mter adversus, adversum entgegen, nach 
— hin, gegen, gegenüber bei venio Bell. AI. 45 citirt: repente 

adversum ad se venientem navem animadvertit , so hat er 

das nicht aus der Nipperdeyschen ausgäbe , welche , wie die 
übrigen, so viel ich weiß, adversam giebt; es ist auch nicht ein 
druckfehler, da das citat sich nicht unter dem adjectivum ad- 
versus befindet, wo er übrigens, und das macht das versehen um 
Pbilol. Anz. XV. IS 



254 51. C Iulius Caesar. Nr. 4. 

so weniger begreiflich , viermal adversae naves , darunter ut — 
venientibus adversae oecurrerent, anzuführen hat; er hat es, ich 
weiß nicht aus welchem text , als adverbium aufgefaßt , wie es 
in der redensart adversum ire vorkommt. Diese fälle ausgenom- 
men — es sind kleinigkeiten, welche der einigermaßen kundige 
leicht verbessern wird , und welche der immensen arbeit gegen- 
über nicht sehr in's gewicht fallen — haben sich für die übri- 
gen stellen, bei denen ich das lexikon befragt habe, seine an- 
gaben bewährt gefunden. Der druck ist sehr deutlich. 

Das Meuselsche lexikon , welches nur die sieben von Cäsar 
selbst geschriebenen bücher des bell. Gall. und das bell, civ., so 
wie die fragmente behandelt, aixch die nomina propria angiebt, 
ist außerdem noch insofern auf einer breiteren scala als die 
übrigen angelegt, als es die sätze, in denen ein wort vorkommt, 
in größerer ausführlichkeit aushebt; ferner ist der besseren Über- 
sichtlichkeit wegen zwischen den einzelnen citaten ein kleiner 
räum freigelassen und ein fähnchen zur bezeichnung des anfangs 
eines neuen citats angebracht ; dadurch wächst , trotz der be- 
schränkung auf die echten commentarien, der räum für die prä- 
position ad auf 26, für a, ab, abs auf 20 doppelspaltige Seiten 
großen formats an. Der Verfasser hat nicht nur die in Zeit- 
schriften und programmen zerstreuten conjecturen und gramma- 
tischen abhandlungen benutzt, die man bei Merguet vermißt, 
sondern hat auch, wie Menge es verspricht, obgleich ich in der 
bis jetzt erschienenen probe noch kein beispiel angetroffen habe, 
an stellen, bei denen es darauf ankommt, die handschrift oder 
die handschriftenklasse bezeichnet , auf denen ein ausdruck des 
textes beruht , oder die manuscripte , welche von demselben ab- 
weichendes geben, wie man sich gleich von der ersten seite an 
überzeugt. Zu gründe gelegt ist für das BGallicum die neueste 
ausgäbe, nämlich Holders, wie man aus der annähme der von 
ihm gewählten bezeichnung der handschriften erkennt; beim bell, 
civ. hat Meusel, der noth gehorchend , wohl auch eignem trieb, 
zu der nächstneuesten textausgabe, nämlich der Dinters, greifen 
müssen, wie sich aus der Orthographie rnercennarius p. 162, so 
wie aus dem I, 39, 2 citirten satze unter adjecerat schließen 
läßt ; es sind aber in gleicher weise Nipperdey's, Frigell's, Düb- 
ner's, Em. Hoffmann's texte berücksichtigt, auch Schneider und 
Oudendorp zu rathe gezogen , und die lesarten Kraners und 






Nr. 4. 52. Livius. 255 

Prammers angegeben worden. Wo einzelne handschriften zu 
nennen gewesen sind , bedient der Verfasser sich der von Nip- 
perdey eingeführten, von mir erweiterten und von Dinter (mit 
geringen abweichungen) adoptirten bezeicbnung. Die Wörter 
sind nicht verdeutscht ; wo erklärungen beigefügt sind, geschieht 
es in lateinischer spräche. Die arbeit ist im höchsten grade 
sorgfältig und in überraschender weise erschöpfend , der druck 
übersichtlich und für das äuge angenehm. 

Ohne dem geschmack und dem urtheil andrer vorgreifen 
oder dem Verdienste der andern Wörterbücher entgegentreten zu 
wollen , die sich alle gewiß bahn brechen und neben einander 
behaupten werden , muß ich doch zum Schluß das geständniß 
machen , daß ich für meinen gebrauch , neben dem unentbehr- 
lichen Holderschen index , mit Vorliebe das Meuselsche lexikon 
und für die nicht von Cäsar herrührenden commentarien das 
Wörterbuch von Preuß benutzen werde. Freilich, wer sie alle 
vier hat, fährt am besten. H. J. Heller. 

52. T. Livi ab urbe condita libri. Erklärt von W. 
Weissenborn. Vierter band. Erstes heft. Buch XXI. Sie- 
bente aufläge von H. J. Müller, professor, Oberlehrer am Frie- 
drichs- Werderschen gymnasium zu Berlin. Berlin, Weidmannsche 
buchhandlung 1882. 8. VI, 165 p. 1 mk. 50 pf. 

53. Dasselbe. Vierter band. Zweites heft. Buch XXII. 
Siebente aufläge von demselben. Berlin, Weidmannsche buch- 
handlung 1882. 8. IV, 158 p. 1 mk. 20 pf. 

Seit jahren ist es die philologische weit gewohnt, in den 
Jahresberichten des „Philologischen Vereins" hinsichtlich der an 
umfang rasch zunehmenden Livius - litteratur durch die rastlose 
bemühung des berliner professors H. J. Müller auf dem laufen 
den erhalten zu werden; aus derselben feder sah sie Schulaus- 
gaben von buch 24 — 25 des Livius hervorgehen, welche in ihrer 
art mustergiltig geworden sind , und in neuester zeit verdankt 
sie dem unermüdlichen gelehrten die wiederaufnähme und durch- 
arbeitung der bewährten Weißenbornschen ausgäbe, sowie die 
herstellung einer textausgabe für schulzwecke. Aus diesen zahl- 
reichen litterarischen productionen des verdienten mannes wählen 
wir buch 21 — 22 zu einer besprechung aus keinem anderen 
gründe, als weil diese partie des Livianischen werkes von je hel- 
lo* 



256 52. Livius. Nr. 4. 

in weiten kreisen leser und Verbreitung gefunden hat und somit auch 
eine neue ausgäbe derselben auf erhöhtes interesse rechnen kann. 
Der fortsetzer der Weißenborn'schen ausgäbe bedurfte außer 
den an einen herausgeber des Livius jederzeit zu stellenden an- 
forderungen noch einer gewissen pietät gegen das andenken 
Weißenborns die ihn veranlaßte , der ausgäbe ihren ursprüng- 
lichen charakter möglichst zu belassen , ohne sich jedoch gegen 
die in den späteren auflagen immer mehr hervortretenden fehler 
derselben zu verschließen. 

Professor H. J. Müller hat die erforderten eigenschaften in 
hervorragendem maße bethätigt ; seine ausgäbe ist zwar noch 
die Weißenbornsche, aber nicht mehr die alte. Dies zeigt sich: 
I. In der gestaltung des texte s. Es ist bekannt, 
welches eigenthümliche, theils konservative, theils inkonsequente 
verfahren Weißenborn hierin befolgte ; H. J. Müller weiß jedoch 
Weißenborn's vorsieht mit größerer kritischer schärfe zu verbinden. 
Unter benutzung der gesammten neueren litteratur, die er wie 
kaum ein anderer kennt, versteht er seinen weg zwischen Madvig, 
Woelfflin, Frigell, Harant, Riemann u. a. mit Sicherheit zu finden 
und sich in der behandlung des textes Selbständigkeit zu wahren, 
ohne dabei in aufnähme eigener Verbesserungen voreilig zu sein. 
Mit welcher mühe diese Überarbeitung verbunden war, beweist 
der umstand allein, daß in dem kritischen anhange zu buch 21 
gegen 300 , in dem zu buch 22 gegen 450 stellen mehr oder 
weniger ausführlich behandelt sind. Wir gestatten uns nun ei- 
nige derselben zu besprechen , um auch unsererseits zur fest- 
stellung der Wahrheit pro parte beizutragen. 

21, 5, 6 schreibt H. J. Müller eorum, wie auch Wölfflin. 
Sollte nicht in dem handschriftlichen Cartaeorum einfach eine 
verschreibung statt Vaccaeorum vorliegen? 

Cap. 10, 2 magno silentio, non cum adsensu H. J. Müller ; 
dagegen hat Madvig und Harant: magis cum silentio — quam 
cum adsensu, denen ref. beipflichtet. Ein magnum silentium der 
heftig erregten Versammlung gegenüber einem Vertreter der mi- 
norität ist wenig wahrscheinlich. 

Cap. 19, 6 ut adirent civitates et in societatem perlicerent H. 
J. Müller. Jedoch das handschriftliche ut in societatem perlice- 
rent scheint beizubehalten; ut entspricht der officiellen ausdrucks- 
weise eines mit imperatum est angedeuteten Senatsbeschlusses 



' 



Nr. 4. 52. Livius. 257 

vgl. 27, 35, 3 — 4 ut — adiret id concilium, ut — Tarentini ei- 
nes — domos redirent. 

Cap. 20, 9 Hiberum Poenos transrnisisse , dagegen Madvig 
und Wölfflin transisse, was vorzuziehen scheint. 

Cap. 26, 6 ripam amnis armis obtinebant. amnis ist trotz 
allem, was schon Weißenborn zu seiner entschuldigung gesagt 
hat, ein ungemein häßlicher störender zusatz. Derartige un- 
schönheiten des ausdrucks trauen die herausgeber im allgemeinen 
dem Livius nicht selten zu ; es scheint demnach nicht unange- 
messen, darauf hinzuweisen, daß in den nach cod. Spirensis 
emendirten büchern 26 — 30 dergleichen angebliche Stilfehler sel- 
tener geworden sind und daß daraus ein rückschluß wenigstens 
auf frühere bücher derselben dekade statthaft erscheint. 

Cap. 28, 5 cum refugientem in aquam, inde nantem sequeretur. 
Ich finde den fortschritt der erzählung durch inde schwer- 
fällig, und inde überhaupt überflüssig. Vorher konnte der flie- 
hende doch nicht schwimmen. Vielleicht wäre refugientem in 
aquam ac ante se nantem sequeretur zu schreiben, wenn man 
nicht annehmen will , daß Livius einfach : cum refugientem in 
aquam nando sequeretur schrieb; vgl. 44, 42, 6 retro — nando 
repetentes terram. 

Cap. 28, 9 sextum elephanti wie Harant und H. J. Müller nach 
Polybius zu schreiben, hat etwas verlockendes. Folgt man in- 
dessen einmal dem Polybius , so darf auch die zahl der weib- 
lichen elephanten nicht vergessen werden und da Polybius Ovo 
Tioo&sfAEvoi &rilei'ag hat, so wäre etwa zwischen praegredientibus 
— feminis noch duabus einzuschieben. Leider aber erwähnt Li- 
vius in dem ganzen abschnitte die zahl der elephanten gar nicht ; 
erst 21, 56, 6 und 58, 11 spricht er von der zahl. 

Cap. 36, 5 apricosque quosdam colles H. J. Müller, apri- 
cosque Wölfflin. apricosque etiam Madvig. apricosque iam Frigell. 
Letzterem würden wir den Vorzug geben , wenn nicht gleich 
darauf et iam humano folgte. Vermuthlich fehlt noch mehreres, 
da ein dem apricos entsprechendes adjektiv bei volles vermißt wird. 

Cap. 38, 5 Taurini sane Galli. H. J. Müller nach Harant. 
Erhält aber nicht das Madvigsche: semigalli durch § 9 semiger- 
mani eine nachdrückliche bekräftigung? Hannibal hätte auf dem 
angegebenen -wege zu semigermanis kommen müssen , kam aber 
zu semigallü. 



258 53. Livius. Nr. 4. 

Cap. 40, 10. ne, cum vos pugnaveritis. Die entsagung, mit 
der H. J. Müller sich begnügt, seine Verbesserung : ne cui, vos cum 
pugnaveritis in den anhang zu verweisen, verdient alle anerkennung. 

Cap. 41, 4. quia adsequi terra non poteram neque ***, so 
H. J. Müller •, es ist in der that wahrscheinlich, daß noch meh- 
reres ausgefallen. Gerade dem stil der rede entspricht es, nach- 
dem die reiterei mit einer kurzen bemerkung {equestri proelio 
— fudi) abgethan ist, etwas entsprechendes über die infanterie 
hinzuzufügen und dann von den beiden nicht anwesenden hee- 
restheilen auf den feldherrn selbst überzugehen. Vielleicht stand 

da : peditum agmen, , quia adsequi terra non poteram 

neque <^exercitum circumduci licebat , e manibus diraisi; ipse> re- 
gressus ad nävis etc. 

Cap. 44, 9. contemptu m<ortis tehoiC>. Das m der hand- 
schrift scheint in der that auf mortis zu deuten ; auch dürfte die 
Überzeugung von der werthlosigkeit des lebens {contemptu vitae 
Wölfflin) eher muthlos als tapfer machen , eher Selbstmörder als 
beiden hervorbringen. 

Cap. 49, 7. extemplo et circa a praetor e ad civitates missi 
nach jüngeren handschriften. Allein circa ad civitates missi ist 
doch wesentlich anders als die beiden citirten stellen 28, 15, 13 
und 42, 56, 8 , an denen undique circa verbunden rein adver- 
biell ist und wo das folgende ex sich doch wohl eng an undique 
anschließt, welchem wiederum circa nur seine besondere färbung 
giebt. Auch fehlt es für circa — ad an belegen. Am besten 
scheint es, mit Frigell zu schreiben : a praetore et circa civitates 
missi. — Dagegen ist gewiß zu billigen, daß H. J. Müller mit 
Harant hinter intendere et einfügt. 

Cap. 49, 8. dimitti H. J. Müller nach Harant. Zwischen 
den verschiedenen vorschlagen : dimissis, missis; dimissi, missi zu 
wählen, ist schwer; jedenfalls verdient die von Harant herge- 
stellte dreitheilige periode den vorzug, nur schleppt das letzte 
glied etwas lahm nach hinter den Zwischensätzen ut — ut — 
ubi — ne. In den erklärenden anmerkungen zu der stelle hätten 
wir gern die zu teneri gemachte bemerkung wiederholt gesehen, 
um zweifeln vorzubeugen. 

Cap. 54, 4 käme vielleicht: ita mille equitibus, mille pediti- 
bus cum Magone dimissis der Überlieferung am nächsten, vergl. 
Wölfflin zu der stelle. 



Nr. 4. 53. Livius. 259 

Cap. 57, 14. owmzs libidinis ist nach Luchs, programm von 
Erlangen 1882, p. 2 in omne zu ändern. 

Zu 22, 1, 8 vermuthet H. J. Müller tenuerit statt des über- 
lieferten tenuerat, entsprechend quaque patuerit § 11 ; doch findet 
sich der indicativ im prodigienstile nicht selten zur hervorhebung 
eines thatsächlichen umstandes : vgl. 24, 10, 6 quae in eo loco 
erant. 24, 44,8 species, quae nullae crant — vivas. 27, 11, 2 Si- 
gnum, quod in corona erat. 27, 37, 5 nee magnitudine tarn miran- 
dum, quam quod is quoque — natus erat u. o. 

Cap. 13, 1. Romanum, eingefügt nach H. J. Müller und 
Pauly, heißt es im anhange. Doch schreibt schon Wölfflin in 
der anmerkung (1875): vielleicht dietatorem, weil man den Zu- 
satz von Romanum oder im vorhergehenden eine erwähnung der 
römischen Soldaten erwartet. 

Cap. 24, 12. Zu quingentos ducentem. H.J.Müller vermuthet, 
daß adducentem aus ac und ducentem entstanden und ac gleich 
dem Zahlzeichen für sescentos zu lesen sei. (Anhang). Ref. hat 
schon früher vermuthet, daß in den worten octo milia peditum et 
xx equites adducentem zwischen et und equites das Zahlzeichen 
cio = mille ausgefallen sei. Die hohe ziffer der reiter ist er- 
forderlich, weil eben von soeiis die rede ist, welche die doppelte 
zahl der sonst üblichen reiter stellen, vgl. 21, 17, 3 sociorum 
quadraginta milia peditum, quattuor milia et quadringenti equites. 
ib. 5 sociorum sedeeim milia, peditum, equites mille octingenti. 22 
39, 3 ut socii duplicem nurnerum equitum darent und so fort. 

Cap. 27, 4 secuturum H. J. Müller nach jüngeren hand- 
schriften; Put. secuturumque. Dies letzte deutet auf den ausfall 
eines zweiten infinitivs ; Hwg : <^non defuturum^> secuturumque ; 
ref. vermuthet im anschluß an das vorhergehende : ergo <Cconi- 
surum^> secuturumque. 

Cap. 39, 20 schreibt H. J. Müller gloriam qui spreverit, ve- 
ram habebit. Ref. meint aber doch , daß veram einen gegensatz 
mit vanam erfordert ; vanam konnte nach dem dicht vorausge- 
hendem nun quam sehr leicht ausfallen und wird auch § 18 
durch vana gloria neque tua falsa infamia gestützt. 

Cap. 40, 3 sed si Hwg., et si Put. H. J. Müller vermuthet, 
daß et zu streichen und asyndetisch zu lesen sei : si quid. Ref. 
möchte sich den Vorschlag : at si quid erlauben. Ueber at in 
der rede bei Livius 28, 43, 20 anmerkung und anhang des ref. 



260 53. Livius. Nr. 4. 

1. Gestaltung der anmerkungen. Auf diesem ge- 
biete war die aufgäbe des herausgebers, wenn nicht eine schwie- 
rigere , so doch sicher keine weniger mühsame als bei bearbei- 
tung des textes. Hatten sich doch Weißenborn' s anmerkungen 
immer mehr von dem ursprünglichen zwecke, für die schule zu 
sorgen, entfernt und außerdem einen grad von Weitschweifigkeit, 
oft auch mangel an bestimmtheit , ja au richtigkeit erlangt, der 
ihre benutzung auf höheren lehranstalten fast unmöglich und 
auch für andere zwecke recht wenig geeignet machte. Hier ab- 
hülfe zu schaffen konnte keiner mehr berufen sein, als professor 
H. J. Müller. Derselbe hat zunächst alle im anhange erörterten 
stellen in den anmerkungen unbesprochen gelassen , dadurch 
eine bedeutende Verkürzung der anmerkungen erreicht und somit 
platz für andere zwecke gewonnen. Auf den anhang wird ein- 
fach mit einem asteriskos verwiesen, zu diesem ist fast nie etwas 
hinzugefügt und wenn es geschehen ist, so betrifft es nicht die 
textkritik. 

Aber weit schwieriger war die Überarbeitung der anderen 
noten sprachlichen und erklärenden inhaltes , bei denen nicht 
eine einfache Streichung genügte. Welche bedeutende arbeit 
hier gethan und welche leistung erreicht ist, wird am besten 
aus der vergleichung einiger stellen der letzten Weissenbornschen 
ausgäbe mit der Müllerschen erkannt. 

Weissenborn: Müller: 

22, 8, 1 — 3 de paludibus] von de paludibus emersisset] so nur 
den sümpfen herauf ; vgl. emit- hier bei Livius , sonst emergere 
tere de 21, 48, 6. eicere de 40, ex, bei anderen historikern auch 
51,1. Ov. Fast. 2,351 de dura mit bloßem ablativ verbunden, 
tollit humo ; gewöhnlich ist emer- dagegen mit de auch bei Vitr. 
gere ex. 1, 6, 11. Min. Fei. Oct. 1 ; vgl. 

zu 21, 48, 6 emissus est de ma- 

nibus; zu 41, 27, 2 de senatu 

eiecerunt. Cic. de off. 1, 40 ex- 

isset de castris. BAfr. 11 de 

navibus — egredi. 

eap. 5, 8 animus'] die geistige animus] der plural geht auf die 

kraft, animi, kampflust ; der wech- gesammtheit der kämpfenden; 

sei des numerus findet sich auch auch vorher animus ist allgemein: 

1,25,3. animos — «wo 3, G2, 1. == „geistige kraft", läßt aber 



Nr. 4 



53. Liviiis. 



261 



Weisseuborn : Müller : 

zugleich, wie das vorhergehende 
animus suus cuique an die ein- 
zelnen denken. 

haud multo ante . . .] fehlt bei 
Pol. ; der Zeitpunkt ist geeig- 
net, die trauerbotschaft noch ge- 
waltiger auf die ängstlichen ge- 
müther wirken zu lassen. 
quanta moles] ,,ein wie großes 
gewicht das der Stadt Rom sei", 
d. h. eine wie schwierige auf- 
gäbe die einnähme Korns sei-, 
vgl. 26, 6, 9. 

velitis iubeatisne\ e. zu 1, 46. 1. 
Das folgende ist in der direk- 
ut. v. nämlich eam stare, statt ten ausdrucksform beibehalten, 



cap. 6, 8 haud multo] kurz vor 
dem Schlüsse der senatssitzung, 
die nur bis Sonnenuntergang 
dauern durfte, s. § 14. 

cap. 9, 2 moles] die große der 
Stadt und ihre vertheidigungs- 
mittel und deshalb die Schwie- 
rigkeit der erstürmung. 

cap. 10, 2 vel iub, 1, 46, 1 — 
resp. p. R. Q. 1, 13,5 — stet 



des handschriftlichen sie velim. 
Der zusatz von eodem statu, der 
sich sonst bei stare findet, konnte 
a. u. st. bei der traurigen läge 
des Staates nicht eintreten und 
ist durch ut velim wie cap. 9, 10 
durch eodem quo ante bellum 
fuisset statu ersetzt, 
cap. 13, 4 etiam atque\ steht 



der erste satz abhängig zu den- 
ken von rogo vos. 



etiam atque etiam] „wieder und 



sonst gewöhnlich bei monere und wieder", gehört zu promissa] 
ähnlichen worten, aber bisweilen der ausdruck ist nicht selten 
auch bei dem , wozu aufgefor- bei Livius (folgen die stellen), 
dert wird : (folgen die stellen). 

Wir müssen es uns versagen, den spuren des fleißigen über- 
arbeiters weiter zu folgen und zu zeigen, wie oft die Unbestimmt- 
heit durch die präcision , das kleben an äußerlichkeiten durch 
eindringen in den inhalt ersetzt worden ist. Gewiß ist, daß die 
Weissenbornsche ausgäbe der bücher 21 — 22 durch H. J. Müller 
nicht nur eine totale Umarbeitung sondern eine wesentliche Verbes- 
serung erfahren hat, welche sowohl für die zwecke der schule 
als der Wissenschaft fördernd sein wird. 

F. Friedersdorf. 



262 54. Frontinus. Nr. 4. 

54. Guilelnius Hartel, Analecta. — Separatabdruck 
aus den Wiener Studien. Band VI. Wien 1884. 8. 24 p. 

Nachdem Hartel im vorigen jahrgange der Wiener Studien 
einen nachgelassenen aufsatz des früh verstorbenen Zechnieister 
„de luli Frontini strateg ernaton libris" veröffentlicht hatte , liegen 
uns jetzt von ihm selbst die Analecta vor , in denen auf grund 
des von Zechmeister gesammelten , nun in Harteis bänden be- 
findlichen handschriftlichen materials eine anzahl strategeme un- 
tersucht werden: bei der bisherigen Vernachlässigung Frontins 
durch die textkritik eine dankbare aufgäbe. Im hinblick auf 
eine jetzt erscheinende ausgäbe läßt verf. solche stellen beiseite, 
deren heilung sich aus den lesarten der besten handschriften von 
selbst ergiebt. Bei behandlung der in allen handschriften ver- 
derbt überlieferten stellen zieht er nur den Harl. 2666 saec. IX 
(= H) zu rathe, sein verfahren mit der alle andern handschriften 
überragenden vorzüglichkeit des Harleianus rechtfertigend. Zwar 
wird auch die große nachlässigkeit des Schreibers betont (p. 6), 
der sehr oft silben, worte und ganze sätze ausließ, aber einzelne 
Vorschläge dürften doch wohl einer gewissen Überschätzung von 
H entsprungen sein. So lautet I, 1, 9: Claudius Nero ... prae- 
cepit legatis quos relinquebat , ut eaedem (easdem H) stationes vigi- 
liaeque (so, nicht vigiliasque, hat H mit der zweiten classe) age- 
rentur , totidem ignes arderent, eadem fades castrorum servaretur. 
Schon die übrigen verba verbieten, daß man mit verf. schreibt: 
ut easdem stationes vigiliasque agerent , totidem . . . — II, 7, 14 
hat die zweite classe: qui quasi ex proximo citabantur. H: 
cibantur , daraus Hartel ci<e>bantur. Könnte nicht citabantur 
das ursprüngliche sein? — III, 9, 6 schreibt er: Alcibiades ... 
CyzicCJ, c!>um oppugnandae [eius] causa nocte inprovisus acces- 
si<sse>t. Allein eius, welches man. 2 in H mit der zweiten 
classe bietet, wurde sicherlich wie so hundert andere worte von 
man. 1 hier ausgelassen , und man möchte mehr nach Frontins 
gewohnheit schreiben : Alcibiades . . . Cysicum <icum> oppugnan- 
dae eius causa n. impr. accessi<Csse^>t. — IV, 1, 44: ne quis eo- 
rum . . . in Italiam reportaretur, dum Poeni in (Poem H) ea fuis- 
sent (ex fuissent H und Goth.) ; daraus Hartel : dum Poeni inde 
exissent. Gerade in H werden aber x und a noch einige mal 
vertauscht, und fuissent = essent wie auch IV, 5, 7. — I, 1, 10 
rogavit , \ui\ mitterent aliquos ex prineipibus wird ut mit recht als 



Nr. 4. 54. Frontinus. 263 

interpoliert beseitigt, nur ist es, wie an den übrigen angeführten 
stellen Interpolation der zweiten classe allein und fehlt hier in H. 
Uebrigens liest II auch I, 5, 21 beshio ("nicht berbio), II, 3, 17 
numerososque , ein os von man. 1 übergeschrieben (nicht nume- 
rosque) und so auch die zweite classe; III, 3, 4 procurando wie 
der Goth. (nicht procursando) ; III, 13, 1 ab exilio (nicht exilio). 

— Anders zu beurtheilen ist I, 4, 10 Xenophon nlteriorem ripam 
Armeniis tenentibus duos iussit quaeri aditus , et cum a c it er i o r e 
repulsus esset, transiit ad superius ; inde quoque prohibitvs . . . re- 
petiit vadum inferius. Das a citeriore ist in seinem rechte und 
braucht nicht durch ab inferiore ersetzt zu werden : es heißt hier 
„von der nächstgelegenen (fürt)", — III. 15, 3 H i . . . semina 
in praeparatum locum iecerunt consecuti<.([ac~> , ut habere viderentur 
quo victum susteutarent. Daß hier que nothwendig nach Frontins 
Sprachgebrauch einzuschieben sei, wird jedenfalls durch die zum 
beweise beigebrachte stelle nicht bewiesen : III, 15, 1 Romani 
panem in hostem iaetaverunt c onsecuti que, ut abundare commea- 
tibus viderentur, obsidionein toleraverunt. 

Ebenso richtig wie einfach ist dagegen die änderung I, 4, 9 
in flumen (in flumine codd.j equites instituit inmittere , und I, 5, 4 
Croesus alveum flumini (ßuminis codd.) a tergo exercitus suireddidit. 

— Zu I, 1, 5 Caesar . . . inspectioni (inspectione codd.) urbis at- 
que operum ac simul conviviis deditus steht aber inspectioni schon 
als marginalnote eines Scriverianus bei Oudendorp. — Auch III, 
5, 1 ist die correktur des unaquoqne der handschrift in unaque 
schon von C. F. W. Müller bei Fleckeisen Jahrb. 18G6 p. 488 vorge- 
nommen. — Treffend ist die ergänzung II, 3, 14 hostes et <Cpe- 
ditum^> numero et equitatu praevalebant und II, 5, 24 ad Tra- 
sumennum cum arta quaedam via in<.ter lacum et~> radices montis 
in campos patentes duceret (die edd. : in radiee montis) aus Liv. 
XXII, 4, 2. — Aus Dio 40, 29 ist II, 5, 35 Cassius . . . ad- 
versus Parthos ducens aciem (duce sacen der Parisin. 7240, ducem- 
que sacen (nicht sacer) der Harl.) equitem ostendit a fronte das un- 
verständliche ducens aciem gebessert in ducemque Osacen. — IV, 
7, 21 manentibus esse spem aliquam salutis, cedentibus autem per- 
nici<Cem certC>ssimam (auch H hat wie der Goth. perniciosissimam) 
trifft ohne zweifei das richtige; ebenso IV, 1, 39 L. Papirius 
. . . magistratum equitum , quod adversum edictum eius quamvis 
prospere pugnaverat, <iad^> virgas (virgis die zweite classe) poposcit. 



264 Bibliographie. Nr, 4. 

Sehr ansprechend ist IV, 7, 7 terrendi quidem (que codd.) hostis 
causa exercitus suos visendos speculatoribus .... patere. Kurz, es 
sind bei den ca. 80 behandelten stellen eine ganze reihe von 
vorschlagen gemacht, die als emendationen gelten dürfen. 

G. Gundermann. 



Bibliographie. 

Welch ein gutes geschäft die Verlagsbuchhandlung 0. Har- 
rassoioitz in Leipzig mit dem ,,Centralblatt für bibliothekswesen" 
in Frankreich mache, berichtet Münch. allg ztg. 1884, nr. 330. 

Eine reihe wichtiger philologischer werke aus früherer zeit 
bietet T. O. Weigel in Leipzig zu bedeutend ermäßigten preisen 
an, darunter Pindar von Boeckh , Euripides von Matthias , Plu- 
tarchi Moralia von Wyttenbach , Sextus Empiricus von Fabri- 
cius , Stephanus Byzantius von G. Dindorf , Dio Cassius von 
Sturz , Pollux von Dindorf , Etymologicum Magnum von Sturz, 
Virgilius von Peerlkamp, Horatii Epistola ad Pisones von dem- 
selben, Sallustius von Frotscher cett. cett. 

Nach mittheilungen aus Rom wird von Prinz Ibrahim flirmy, 
söhn des exkhediven Ismail pascha in London ein werk unter dem 
titel Egyptian Bibliography erscheinen , 2 bde. , welches alles be- 
spricht , was von den Zeiten der Pharaonen bis zur gegenwart 
über Egypten geschrieben ist (Berl. tageblatt no. 50). 

Ein zweiter bericht über den fortgang der Erlangen- 
Frankfurter gesammtausgabe von dr. Martin Luthers werken ist 
erschienen. 

Im verlag von E. A. Seemann in Leipzig erscheint unter 
redaktion von dr. Ludwig Geiger : vierteljahrsschrift für kultur 
und litteratur der renaissance. 

Ausgegeben sind: neuer bücherverlag ; von Breitkopf u. Härtel 
in Leipzig; — von W. Engelmann in Leipzig; — Mittheilung 
über den wissenschaftlichen verlag von Karl Konegen in Wien ; 
— von der Laupp'schen buchhandlung in Tübingen (A. Ermann 
Aegypten : Rom und römisches leben im alterthum von H. Bender) ; 
■ — von Dietrich Heimer in Berlin (karten von Attika u. s. w.). 

Kataloge von antiquaren : Wilhelm Koebner in Breslau (L. F. 
Marne) katalog nr. 171; — Schweizer, antiquariat in Zürich 
katalog nr. 116; — Carl Steyer in Cannstatt catalog nr. XVIII. 

Ouriositös litteraires, verzeichniß des antiquarischen bücher- 
lagers von Albert Heitz in Stuttgart, no. 5. 

Werth volle dubletten aus dem königlichen münzka- 
binet sind am montag, den 16. d. mts., und an den folgenden 
tagen von dem bekannten miinzanktionator A. Weyl in den auk- 
tionsräumen , Adlerstraße 5 , meistbietend versteigert worden. 
Unter den dubletten befinden sich namentlich sehr schöne und 
sehr seltene denare der römischen republik, so z. b. die beson- 






Nr. 4. Bibliographie. 265 

ders hochgeschätzte Autronia- und Itia-münze , sowie sechs von 
Trajan restituirte familiendenare , sodann noch goldmünzen von 
Cäsar, aus der römischen kaiserzeit von Claudius, Nero u. s. w. 
Unter den zur auktion kommenden griechischen münzen werden 
goldmünzen von Syrakus und Alexander d. gr. genannt. Unter 
den mittelalterlichen und neueren münzen sind viele wohlerhal- 
tene brakteaten und eine große anzahl meist orientalischer gold- 
münzen. Das seltenste stück des mittelalters ist ein schöner 
goldgulden Ioachims und Albrechts , der in Berlin geprägt und 
von allen im münzwesen der Stadt Berlin beschriebenen stücken 
abweicht. An summa umfaßt der besonders ausgegebene 53. 
münzkatalog 873 nummern. 

Verzeichniß der wichtigeren publicationen auf dem gebiete der alter- 

thumswissenschaft 1885. III. 

Deutschland. Oesterreich. Schweiz. 

326. Aeschyli fabulae cum lectionibus et scholiis codicis Medicei 
et in Agamemnoneni codicis Florentini ab Hieron. Vitelli denuo col- 
latis ed. N. Wecklein. 2 partes. Berlin, Calvary u. co. 1885. 8. 
XVI, 471 p.; HI, 316 p. 20 mk. 

327. Benndorf, Otto u. George Niemann, reisen im südwestlichen 
Kleinasien. 1. bd: reisen in Lykien und Karien ausgeführt im auf- 
trage des k. k. ministeriums für eultus und Unterricht, unter dienst- 
licher förderung durch s. niaj. raddampfer Taurus, commandant fürst 
Wrede beschrieben. Mit einer karte von H. Kiepert. 49 taff. und 
zahlreichen illustrationen im text. Wien, Gerold's söhn 1884. fol. 
150 mk. 

328. Beiträge zur historischen syntax der griechischen spräche 
hrsg. von M. Schanz. Bd. 2, heft 2 : entwickelungsgeschichte der ab- 
sichtssätze von Ph. Weber. 2. abth.: die attische prosa und schluß- 
ergebnisse. Würzburg, Stuber 1885. 8. V, 124 p. 4 mk. 

329. Bemays, Jacob, gesammelte abhandlungen hrsg. von XJsener. 
2 bde. Berlin, Hertz 1885. 8. XXVI, 356; IV, 396 p. 18 mk. 

330. Bibliothtca philologica oder geordnete Übersicht aller auf 
dem gebiete der class. altertbumswissenschaft wie der älteren und 
neueren Sprachwissenschaft in Deutschland und dem ausländ neu er- 
schienenen bücher. Hrsg. von dr. Max Heyse. Jahrg. 37. Heft 1: 
jan. — juni 1884. Göttingen, Vandenhoeck und Ruprecht 1884. 8. 
1 mk. 80 pf. 

331. Blümner, H. u. Ose. Schorn , geschichte des kunstgewerbes 
in einzeldarstellungen. II: das kunstgewerbe im alterthum von H. 
Blümner. Abth. II: die erzeugnisse des griechisch - italischen kunst- 
gewerbes. Mit 143 in den text gedr. abbildungen. Prag, Tempsky; 
Leipzig, Freytag 1885. 8. VIII, 234 p. 1 mk. (Aus: das wissen 
der gegenwart, bd. 32). 

332. Boehlau , Io. , quaestiones de re vestiaria Graecorum. Wei- 
mar, Boehlau 1884. 8. 2 mk. 40 pf. 

333. Cesnola, Luigi Palma di, a descriptive atlas of the Cesnola 
Collection of Cypriote antiquities in the metropolitan museum of art. 
With preface by Samuel Birck. 5 parte. Berlin, Asher u. co. fol. 
210 mk. 

334. Christ, W. , Homer und die homeriden. 2. rev. ausgäbe. 
München, Franz 1885. 8. 115 p. 2 mk. 70 pf. (Aus: Sitzungsbe- 
richten der bayer. akad. d. wiss.). 



266 Bibliographie. Nr. 4. 

335. Erman , Adolf, Aegypten und ägyptisches leben im alter- 
thuin. Mit über 300 Jibbild. im text und 10 Vollbildern. In 15 lieff. 
Liefg. 1. Tübingen, Laupp 1885. 8. 48 p. 1 mk. 

336. Häußner, J. , Cruquius und die Horazkritik. Leipzig, Frey- 
tag 1884. 4. 54 p. 1 mk. 60 pf. Vgl. no. 391. 

337. Iudeich, Walter, Caesar im Orient. Kritische Übersicht der 
ereignisse vom 9. aug. 48 bis oct. 47. Mit einer karte u. 4 planen. 
Leipzig, Brockhaus 1885. 8. VIII, 205 p. 5 mk. 

338. Liedloff, Curtius, de tempestatis necyomanteae inferorum 
descriptionibus , quae apud poetas romanos primi p. Ch. saeculi le- 
guntur. Leipzig, (Gräfe) 1884. 8. 28 p. 1 mk. 

339. Loeschcke, G., vermuthungen zur griechischen kunstgeschichte 
und zur topographie Athens. Dorpat, Schnakenburg 1884. 4. 24 p. 

1 mk. 20 pf. 

340. Leivy, Heinr., de civili condicione mulierum Graecarum com- 
mentatio. Breslau, (Preiß u. Jünger) 1885. 8. 1 mk. 20 pf. 

341. Piatonis opera quae feruntur omnia. Ad Codices denuo 
collatos ed. Martin Schanz. Vol. IX: Hippias maior, Hippias minor, 
Io, Menexenus, Clitopho. Leipzig, Taucknitz 1885. 8. XXIV, 103p. 3mk. 

342. Rar.ke , Leopold v. , Weltgeschichte. 1. — 3. aufl. 5. theil. 
2. abth. : die arabische Weltherrschaft und das reich Karls des großen. 
2. abth. Leipzig, Duncker und Humblot 1884. 8. VI, 325; VI, 
306 p. 17 mk. 

343. Richter, Otto, reconstruktion und geschichte der römischen 
rednerbühne. Mit2taff. Berlin, Weidmann 1884. 8. 64 p. 1 mk 80pf. 

344. Roquette, Adalb., de Xenophontis vita. Königsberg, Graefe 
u. Unger 1884. 8. 112 p. 2 mk. 

345. Schmid, Ernst, de Ciceronis commentario de consulatu graece 
scripto a Plutarcho in vita Ciceronis expresso. Lübeck 1884. 8. 
44 p. 60 pf. 

346. Spitzer, Johs. , lautlehre des arkadischen dialektes. Diss. 
Kiel, Lipsius u. Tischer 1883. 8. VIII, 60 p. 1 mk. 60 pf. 

347. Stern, Ernst von, geschichte der spartanischen und theba- 
nischen hegemonie vom königsfrieden bis zur schlacht von Mantinea. 
Dorpat, Karow 1884. 8. X, 248 p. 4 mk. 80 pf. 

348. Weil, Rudolf, die künstlerinschriften der sicilischen münzen. 
Mit 3 lichtdrucktafeln. 44. progr. zum Winckelmannsfest der archäo- 
logischen gesellschaft in Berlin. Berlin, G. Reimer 1884. 4. 31 p. 

2 mk. 40 pf. 

349. Zar begrvßung der XXXVII. Versammlung deutscher philo- 
logen und schulmänner in Dessau. Festschrift des herzogl. Francis- 
cums in Zerbst. Zerbst 1884. 4. 33 p. 75 pf. 

Inhalt: Symbola ed aetatem libelli qui 'A&rjvaiuiv Tiokmia inscri- 
bitur defmiendam. Scr. Arminias Zurborg, p. 1 — 5. Studien zu den 
ceremonien des Konstantinos Porphyrogennetos von Herrn. Waeschke, 
p. 6 — 14. Horatiana von Gottlob Stier, p. 15 — 25. Albanesische 
farbennamen von dr. Gottlob Stier). 

England und Nordamerika. 

350. Aeschylus' Choephoroi. With iutroduction and notes by A. 
Sidgtvick. London, Frowde 1885. 12. 168 p. 3 mk. 

351. Cox, Sir George W., lives of greek statesmen: Solon — The- 
mistokles. London, Longman 1885. 12. 248 p. 2 sh. 6 d. 

352. Kastromenos, P. G. , the monuments of Athens. An histo- 
rical and archaeological description. Translated from the Greek by 
Agnes Smith. London, Stanford 1885. 8. 106 p. 4 sh. 

353. Flautus Mostellaria. With notes critical and exegetical and 



Nr. 4. Bibliographie. 267 

an introduction by E. A. Sonnenschein. London, Bell and Sons 1885. 
3. 164 p. 5 sh. 

354 Reville, A. Prolegomena of the history of religions. Trans- 
lated from the French by A. S. Squire. With an Introduction by 
professor F. Max Müller. London , Williams and Norgate 1885. 8. 
210 p. 10 sh. 6 d. 

Prankreich. 

355. Ciceron, Discours de, contre Verres. Seconde action livre V: 
De suppliciis. Texte latin publie d'apres les travaux les plus re'cents 
avec un commentaire critique et explicatif une introduction et un in- 
dex par Emile Thomas. Paris, Hachette 1885. 8. 173 p. 4 frcs. 
(Collection d'editions savantes). 

356. Delaslre, Edouard, de la Capitis deminutio minima en droit 
romain etc. Paris, Rousseau 1885. 8. 208 p. (These). 

357. Delavaud, Louis, Droit romain: le Cens et la censure etc 
Paris, Larose 1885. 8. 272 p. (These). 

358. Duhois , Marcel, les ligues e'tolienne et acheenne leur hi- 
stoire et leurs institutious nature et duree de leur antagonisme. Paris, 
Thorin 1885. 8. 243 p. (Bibliotheque des ecoles franc. d'Atbenes 
et de Rome fasc. 40). 

359. Duruy , Victor, Histoire des Romains depuis les temps les 
plus recules jusqu'ä la mort de Theodose. Nouv. edition. Tome 7 
Paris, Hachette 1885. 8. 595 p. 7 fr. 50 c. 

360. Euripide, Theätre d', et fragments. Traduction nouvelle 
avec introduction notices et notes par O. Hinstiu. 2 vols. Paris 
Hachette 1885. 8. T. 1. XV, 455 p. T. 2, 453 p. 7 frcs. 

361. Horace , les oeuvres de. Traduction par Jules Janin. 6e 
edition. Paris, Hachette 1885. 8. 3 fr. 50 c. 

362. Jullian , Camille, note sur une inscription de Bordeaux. 
Paris 1884. 8. 11 p. 1 pl. (Extr. du Bullet, du comite des travaux 
historiques 1884, no. 3). 

363. Mudvig , J. N. , l'Etat romain sa Constitution et son admi- 
nistration trad. par C'h. Morel, t. 4. Paris, Vieweg 1885. 8. 276 p. 

364. Palm , Etudes sur les tragiques grecs. Sophocle. 7e ed 
Paris, Hachette 1885. 8. 395 p. 3 fr. 50 c. 

865. Pierron, Alexis, Histoire de la litte rature romaine. 12e ed. 
augmentee d'un appendice bibliographique. Paris, Hachette 1884 8 
VII, 726 p. 4 frcs. 

366. Quicherat, L., Thesaurus poeticus linguae Latinae ou Dic- 
tionnaire prosodique et poetique de la langue latine. 2e ed. Paris 
Hachette 1885. 8 ä 2 colonnes. XXIV, 1255 p. 8 fr. 50 c. 

367. Terzetti, Ad., la Grece ancienne et moderne considere'e sous 
l'aspect religieux. Paris, Leroux 1885. 18. 171 p. 

Italien. 

368. Belletü, G. D. , Studii sulle Satire di Giovenale. Genova 
tip. Ciminago 1885. 16. VII, 130 p. 2 lire. 

369. Calvanna, F., la poesia idillica eampestre di Teocrito Sira- 
cusano. Studio. Oneglia 1884. 8. 29 p. 

370. Canti popolari della Grecia antica illustrati dal D. Zutat 
C'errato. Torino, Loescher 1884. 8. 158 p. (Dalla Rivista di filo- 
logia III, fasc. III/IV. V). 

371. Cicerone, M. Tullio , Le orazione catilinarie commentate da 
A. Pasdera. Torino, Loescher 1885. 8. LH, 145 p. 2 lire 50 c. 

372. — — , settanta lettere scelte commentate da A. Corradi 
Torino, Loescher 1884. 8. XXIV, 197 p. 2,50 1. 

373. Ciceronis, M. Tullii, orationes selectae adnotationibusauctae 



268 Bibliographie. Nr. 4. 

in usum scholarum curante Thoma Vallaurio. Torino, G. B. Paravia 
e C. di J. Vigliardi 1884. 16. 230 p. 1 mk. 60 pf. 

374. Dali' Oca, G. , dei rapporti di Virgilio con Ottaviano Au- 
gusto. In Atti e Meraorie dell' Accad. Virgiliana di Mantova 1882/84. 
Mantova 1884. 8. 

375. Ferrero, E. , iscrizioni e ricerche nuove intorno all' ordina- 
niento delle armate dell' Impero rornano. Torino, Loescher 1884. 4. 
88 p. 7,50 lire. 

376. Garlato, Agoätino, Erinna, antica poetessa greca, Saggio cri- 
tico. Venezia, Naratovieh 1884. 32. 70 p. 1 lira. (cfr. no. 202). 

377. Huffties, L. , storia della geografia e delle scoperte geogra- 
fiche. Parte la: Storia della geografia antica. Torino, Loescher 1885. 
8. 16. XV, 94 p. L. 1,50. 

378. Lisia, ie orazioni contro Eratosteoe e contro Agorato pubbl. 
per uso della scuola con pref. e vocabolario da O. Müller. Torino, 
Loescher 1885. 8. VIII, 48 p. 0,80 1. 

Spanien. 

379. Cicerön, M. Tullio , Obras completas de Marco Tullio Ci- 
cerön, versiön castellana de D. Pedro Simon Abrie. Tomo VII: epi- 
stolas familiäres. Madrid, Navarra 1884. 8. 360 p. 14 reales. 

Beilage A. Schulschriften und programme. 

380. Artel, A., die drei hauptvertreter der satire bei den Römern. 
Villach, staats-gyrnn. 1884. 8. 25 p. 

381. Bauch, R. , das speculative princip der aristotelischen ka- 
tegorien. Th. I. Rostock 1884. 4. (Progr. v. Doberan. Teubner. 
no. 589). 19 p. 

382. Brambs, J. G. , de auctoritate tragoediae Christianae quae 
inscribi solet Xqigios näo%wp Gregorio Nazianzeno falso attributae. 
Eichstadii 1884. 8. 72 p. 

383. Braungarten, Ferd. , die sittliche anschauung und die cha- 
rakterzeichnung nach ihren notizen und tendenzen in Sophokles Elektra. 
Mies 1884. 8. 31 p. (Progr. d. staats-ober-gymn.). 

384. Bre%nik, Fr., erziehung und Unterricht bei den Römern zur 
zeit der könige und des freistaats. Rudolfswerth , obergymn. 1884. 
8. 32 p. 

385. Doering, — , über den Homerus Latinus. Straßburg im Eis., 
Lyceuni 1884. 4. 50 p. (Teubner nr. 466). 

386. Engel, Jakob, Homers liecl vom Odysseus. (Neunter gesang). 
Im gewande der Nibelungenstrophe. Stralsund, realgymn. 1884. 4. 
19 p. (No. 133). 

387. Fe cht , Kuno, zur kritik des Euripides. Freiburg i. Br. 
gymn. 1884. 4. 32 p. (Nr. 551). 

388. Fischer, Heinr. , zu Lessing's Laokoon. Bemerkungen zu 
Blümner's; Laokoonstudien. Heft II: über den fruchtbaren moment. 
Greifswald, städt. gymn. 1884. 4. 24 p. (No. 119). 

389. Fröhlich , Constantin , über die benutzung des Polybius im 
21. u. 22. buche des Livius. Eine quellenuntersuchung. Pforzheim, 
gymn. 1884. 4. 11 p. (No, 558). 

390. Geiger, Wilh., Alexanders feldzüge in Sogdiana. Neustadt 
a/Hardt 1884. 8. 46 p. 

391. Häußner, J., Cruquius und die Horazkritik. Bruchsal, gymn. 
1884. 4. 54 p. (No. 549). Vgl. no. 336. 

392. Hartfelder, Karl, deutsche Übersetzungen klassischer Schrift- 
steller aus dem Heidelberger humanistenkreis. Heidelberg, gymn. 1884 
4. 34 p. (No. 552). 



Nr. 4. Bibliographie. 269 

393. Herzer, Jacob, metaphorische studien zu griechischen dich- 
tem. I: die auf Unglück uud verwandtes bezüglichen metaphern und 
bilder bei den tragikern. Zweibrücken 1884. 8. 47 p. 

394. Hoferer, Max, loannis Monachi liber de miraculis. Ein 
spätlateiuisches Übersetzungswerk besprochen und theilweise edirt. 
Würzburg 1884. 8. (Progr. v. Ascharien bürg). 88 p. 

395. Hofmann, G., sänimtliche bei griechischen und lateinischen 
Schriftstellern des alterthuins erwähnte sonnen- und mondfinsternisse 
neu berechnet Triest, gymn. 1884. 8. 62 p. 

396. Hoffmann, Heinr., der zweite und dritte haupttheil von 
Plato's Theaetet. Offenburg, gymn. 1884. 4. 20 p. (No. 557). 

397. Hopf, Aug. , über die einleitung zum Timaeus. Erlangen 
1884. 8. 39 p. 

398. Jacobi, Franz, grundzüge einer museographie der stadt Rom 
zur zeit des kaisers Augustus. Theil I. Speier 1884. 8. 102 p. 

399. Keppel, Theod., die ansichten der alten Griechen und Römer 
von der gestalt, große und Weitstellung der erde. Schweinfurt 1884. 
8. 58 p. 

400. Klinger, Jos., Hippias minor und Hippias maior. I. theil. 
Wiener-Neustadt 1884. 8. 20 p. 

401. Knod, Gustav, Jacob Spiegel aus Schlettstadt. Straßburg, 
progr. des realgymn. in Schlettstadt 1884. 4. 6<» p. (No. 480). 

402. Kohi, Alois, abhandlung über italischen wein mit bezug- 
nabme auf Horatius. Straubing 1884 8. 46 p. 

403. Krisptn, Karl, Horatiana Böhm.-Leipa, staats-ober-gymn. 
1884. 8. 17 p. 

404. Kuthe , A., römische kriegsalterthümer. Für den schulge- 
brauch. Wismar, große Stadtschule 1884. 4. 30 p. (No. 595). 

405. Lang, Ed. , das Strafverfahren gegen die Catilinarier und 
Caesars und Catos darauf bezügliche reden bei Sallust. Heilbronn 
1884. 4. 34 p. (No. 532). 

406. La Roche , Jacob , die comparation in der griechischen 
spräche. Linz 1884. 8. 25 p. 

407. Loeivner, Heinr., der literarische Charakter des Agricola von 
Tacitus. Eger 1884. 8. 14 p. 

408. Maier, Georg, das land der Skythen bei Herodot. Eine 
geograph. Untersuchung. Theil I. Saaz 1884. 8. 39 p. 

409. Mangelsdorf, W. , zu Xenophons beincht über die schlacht 
bei Kunaxa. Karlsruhe, gymn. 1884. 4. 23 p. (No. 553). 

410. 31 Hier , Conrad, die römischen begräbnißstätten in Würt- 
temberg. Stuttgart, realgymn. 1884. 4. 49 p. (No. 545). 

411. Nies, Aug., zur mineralogie des Plinius. Mainz, realschule 
1884. 4. 27 p. 

412. Nvßhaumer, K., über die platonischen haupttugenden. Görz, 
staatsgymn. 1884. 8. 21 p. 

413. Ohlenschlager, F., die römischen truppen im rechtsrheinischen 
Bayern. München, Maximil.-gymn. 1884. 8. 85 p. 

414. (Jhler , Wilh., über den gebrauch des duals bei Homer. 
Mainz, gym. 1884. 4. 28 p. (No. 577). 

415. Pauly , Franz, Sancti Eucherii Lugdunensis episcopi libellus 
„de formulis spiritalis intellegentiae". Ad optimoruin codicum fidem, 
„portentosa interpolatione" liberavit et recensuit. Graz, erstes staats- 
gymn. 1884. 8. 56 p. 

416. Planck, M., die feuerzeuge der Griechen und Römer und 
ihre Verwendung zu profanen und sakralen zweckeD. Stuttgart, Karls- 
gymn. 1884. 4. 50 p. (No. 541). 

Philol. Ana, XV, 19 



270 Bibliographie. Nr. 4. 

417. Plattner, Joach., private und politische bedeutung des göt- 
terkultus bei den Römern. Hermannstadt 1884. 4. 50 p. (No. 672). 

418. Pokorny, J. , die amphibolie bei Aeschylos und Sophokles. 
Ungar. Hradisch 1884. 8. 37 p. 

419. Prammer, Ign., zur lexikographie von Caesar de bello Gal- 
lico. Wien, staatsgymn. im VIII. bez. 1884. 8. 30 p. 

420. Reich, Heinr. Wilh. , die beweisführung des Aeschines in 
seiner rede gegen Ktesiphon. Ein beitrag zum verständniß des red- 
ners und seiner zeit. Nürnberg 1884. 8. 84 p. 

421. Reichenbach, Carl von, ist die Copa ein Jugendgedicht des 
Vergil? Znaim 1884. 8. 18 p. 

422. Reis, J. Gr. , ein beitrag zur geschichte des kaisers L. Sep- 
timius Severus. Ried 1884. 8. 18 p. 

423. Richter, J. J. , Oidipus und Lear. Eine studie zur verglei- 
chung Shakespeare's mit Sophokles. Theil I. Loerrach 1884. 4. 
18 p. (No. 563). 

424. Roth , Friedr. , zur lehre von der oratio obliqua bei Thu- 
kydides. 1. theil. Kaiserslautern 1884. 8. 36 p. 

425. Saueressig, — , die definitionslehre Piatos. Molsheim, progr. 
v. Oberehnheim 1884. 4. 20 p. (No. 463). 

426. Schaefler, J. , die sogenannten synthetischen graecismen bei 
den Augusteischen dichtem. Amberg 1884. 8. 95 p. 

427. Schiel, Albert, Demosthenes. Eine studie. Kronstadt 1884. 
4. 30 p. (No. 669). 

428. Schirmer, Karl, über die spräche des M. Brutus in den bei 
Cicero überlieferten briefen. Metz, lyceurn 1884. 4. 26 p. (No. 461). 

429. Schmidt, Joh., zu Isidorus. Wien, staatsgymn. im III. bez. 
1884. 8. 16 p. 

430. Schredinger, Carl, Observationes in T. Macci Plauti Epidi- 
cum. Schweinfurt, progr. von Münnerstadt 1884. 8. 78 p. 

431. Schubert, Friedr., textkritische beraerkungen zum Philoktet 
des Sophokles. Prag, obergymn. der Kleinseite 1884. 8. 28 p. 

432. Sörgel, J., Demosthenische studien II. Hof 1884. 8. 40 p. 

433. Stadler von Wolffersgrün, Max, die Vandalen von ihrem 
einbruche in Gallien bis zum tode Geiserich's. Bozen 1884. 8. 46 p. 

434. Steinbrück, Franz, Quibus de causis Ciceronis de oratore 
liber videatur dignissimus qui in prima gymnasii classe legatur. 
Demmin 1884. 4. 19 p. 

435. Steffani, Stephan, archaismen und Vulgarismen in den Ver- 
gilianischen Belogen. Mitterburg 1884. 8. 34 p. 

436. Stitz, A., die metapher bei Tacitus. (Fortsetzung). Krems 
1884. 8. 28 p. 

437. S tow asser , Jos. Maria, Noniana. Freistadt in Oberösterr. 
1884. 8. 28 p. 

438. Weißenborn, J. B., Parataxis Plautina. Burghausen 1884. 
8. 22 p. 

439. Widder, Frid., de Tibulli codicuoi fide atque auetoritate. 
Lahr 1884. 4. 37 p. (No. 555). 

440. Wiedenhofer, Franz , Antiphontis esse orationem quam edi- 
tiones exhibent primain. Wien, staatsgymn. im II. bez. 1884. 8. 29 p. 

441. Wirth, Chn., die ersten drei kapitel der metaphysik des 
Aristoteles. Grundtext deutsche Übersetzung und krit. - exegetischer 
commentar. v Bayreuth 1884. 8. 59 p. 

442. Z&kelj , Friedr., Homerische euphemismen für „tod" und 
„sterben". Laibach 1884. 8. 60 p. 

443. Zehetmayr, Sebastian , die analog vergleichende etymologie 
in beispielen erläutert. Freising 1884. 8. 37 p. 






Nr. 4. Kleine philologische zeitung. 271 

Beilage B. Academica und dissertationen. 
Bonn. 444. Luebbert, Ed., diatriba in Pindari locum de Adrasti 
regno Sicyonio. Bonnae 1884. 4. 22 p. 

445. — — , commentatio de Pindari Clisthenis Sicyonii institu- 
torum censore. Bonn 1884. 4. 18 p. 

446. — — , commentatio de Pindari carminibus dramaticis tra- 
gicis eorumque cum epiniciis cognatione. Bonn 1884. 4 23 p. 

447. Bery, Herrn., de participii temporum usu Appianeo. Bonn 
1884. 8. 57 p. 

448. Brandt , Paul , de Batrachomyomacbia Homerica recogno- 
scenda. Bonn 1884. 8. 43 p. 

449. Heep , Gustav, Quaestiones Callimacheae metricae. Bonn 
1884. 8. 41 p. 

450. Hüpften , Julius , de theatro Attico saeculi a. Chr. quinti. 
Bonn 1884. 8. 36 p. 

451. Kemke, Jon., Philodemi de musica librorum quae extant 
praeter librum quartum ed. Lipsiae 1884. 8. 32 p. 

452. Praetorius, Ernestus, de legibus Platonicis a Philippo Opun- 
tio retractatis. Bonn 1884. 8. 46 p. 

453. Schmitz, loannes, de (fvatwg apud Aristotelem notione eius- 
que ad animam ratione. Bonn 1884. 8. 42 p. 

454. Schumacher, Jacob, de praepositionum cum tribus casibus 
coniunctarum usu Euripideo particula 1. Bonn 1884. 8. 74 p. 

455. Seelmann, Emil, wesen und grundsätze lateinischer accen- 
tuation. Leipzig 1884. 8. 52 p. 

Greifswald. 456. Höhten, Robert, de Stesichori et Ibyci dia- 
lecto et copia verborum. Gryphisw. 1884. 8. 78 p. 

457. Kulcke, Otto, Seneca's einfluß auf Jean de la Peruse's Medee 
und Jean de la Taille's „la Famine ou les Gabeonites. I. ib. 1884. 8. 54p. 

458. Olsen, Waldemar, Quaestionum Plautinarum de verbo sub- 
stantivo specimen. ib. 1884. 8. 105 p. 

459. Ostermayer, Frieder., de historia fabulari in comoediis Plau- 
tinis. ib. 1884. 8. 66 p. 

460. Schuster, Maximil., Quomodo Plautus Attica exemplaria 
transtulerit ib. 1884. 8. 71 p. 

Straßburg. 461. Abraham, Guil., Studia Plautina. Lipsiae 
1884. 8. (p. 181 208 der Jahrb. f. philol. suppl.-bd. XIV). 

462 Bartels, Enno , de Terentii memoria apud Nonium servata. 
Argentorati 1884. 8. 50 p. 

463. Grupe, Ed., de Iustiniani institutionum compositione. ib. 
1884. 8. 45 p. 

464. Luthmer, Job. , de choriambo et ionico a minore diiambi 
loco positis. ib. 1884. 8. 99 p. 

465. Marcks, Erich, die Überlieferung des bundesgenossenkriegs 
91-89 v. Chr. Marburg 1884. 8. 92 p. 

Kleine philologische zeitung. 

In englischen blättern sind mancherlei ansichten und spe- 
ciellere angaben über Schliemanns ausgrabungen in Tiryns ent- 
halten, unter denen folgendes besonders beachtenswerth ist: 
„Schon vor erbauung des palastes und der großen festungsmauer 
haben auf dem hügel von Tiryns ansiedier gewohnt. In einem 
der auf der mittleren akropolis gegrabenen löcher stießen wir, 
etwa fünf meter unterhalb des fußbodens der oberburg, auf ein 

19* 



272 Kleine philologische zeitung. Nr. 1. 

zimmer , dessen wände aus bruchsteinen und lehm , dessen fuß- 
boden aus lehm - estrich besteht. Das innere des zimmers war 
mit holzkohlen und rothem ziegelschutt angefüllt, in welchem 
zahlreiche stücke unfertiger, aus der hand gemachter topfwaaren 
vorkommen, die in ihrer technik und ihrem aussehen vollkommen 
den in den beiden ältesten ansiedelungen von Troja gefundenen 
monochromen vasen entsprechen; denn wir finden hier denselben 
glänzend schwarzen, gelben, rothen oder braunen thon, dieselben 
senkrecht durchbohrten auswüchse an den seiten. Es kommen 
jedoch hin und wieder auch in diesen überbleibsein der ersten 
ansiedelung vasen mit einfachen farbigen streifen , meistentheils 
mit verwaschenen rändern vor. Besonders auffallend unter den- 
selben sind die mattschwarzen vasen mit weißen und die grünen 
gefäße mit schwarzen streifen". Also schon vor dem Tiryns, 
dessen reste wir sehen , stand hier ein bauwerk , das einer an- 
dern bevölkerung, als die, welche Tiryns erbaut hat, seine ent- 
stehung verdankt und somit kehrt denn hier dieselbe erschei- 
nung wieder, welche in Troja sich zeigt, auf einer gestürzten 
stadt ist eine neue erbaut. Vrgl. PhAnz. XIV, 11, p. 581. 

Ueber die 6rrmm-gedenktafel in Kassel berichtet Allg. ztg. 
beil. zu nr. 314: über am 4. Januar als dem einhundertjährigen 
geburtstag Jacob Grimms veranstaltete festlichkeiten und vor- 
trage dieselbe 1885 nr. 1. 2. 6, beil. zu nr. 6. 7, über die be- 
kränzung der gräber in Berlin ebendas. nr. 8, festrede in Hanau 
von Bartsch beil. zu nr. 10; festfeier in München beil. 2 zu 
nr 13. nr. 15, in Marburg ebendas. nr. 17, in Kassel ausstel- 
lung von erinnerungen an die gebrüder Grimm , ebendas. beil. 
zu nr. 18. 

Papyrus des erzherzog Rainer. Die Untersuchung der oben 
XIV, 11, p. 585 erwähnten papyrus hat zu weitern ergebnissen 
geführt. Unter den griechischen stücken fanden sich neuerdings 
umfangreiche fragmente zu der von uns schon erwähnten ästhe- 
tischen abhandlung, die vielleicht auf Aristoteles zurückgeht. In 
die alte liste der griechisch geschriebenen kaiser-papyri fügen 
sich weitere exemplare ein von Marc Aurel, Severus Alexander, 
Gordian und Philippus Arabs ; als ganz neu kamen hinzu Carus 
und Licinius. Auch fand sich ein historisch ungemein wichtiger 
papyrus vor, der, obwohl ganz unansehnlich, doch glücklicher- 
weise die entscheidenden daten enthält, wodurch der bisher noch 
streitige regierungsanfang des kaisers Maximinus Thrax fixiert 
wird. Es geht nämlich aus diesem Schriftstück hervor, daß der 
genannte kaiser bereits ende märz 235 n. Chr. den thron be- 
stiegen habe, während der frühere theil des monats officiell noch 
von der regierung des Severus Alexander ausgefüllt war. Unter 
den seltenen lateinischen papyri sind zwei Quittungen des ac- 
tuars Sergius aus dem jähre 398 n. Chr. aufgefunden worden; 
es sind dies die ältesten datirten lateinischen documente, welche 






Nr. 4. Kleine philologische zeitung. 273 

mau überhaupt keuut. Eiu anderes wuhlerhaltenes Schriftstück 
dieser gruppe aus dem fünften Jahrhundert enthält einen erlaß 
des provincialgouverneurs, mittelst welchem vier Soldaten der V. 
legion abcommandirt werden , um bei der feier des Osterfestes 
in Arsinoe (el Faijumj zu assistiren, wobei ihnen eine remune- 
ration zugewiesen wird. Ein bilinguer , griechisch - lateinischer 
papyrus derselben zeit, bietet hinwieder ein referat über ein ac- 
tenstück des präfectus Augustalis. Viel wichtiges ist auch unter 
den arabischen papyrus gefunden , worüber Münch. allg. ztg. 
beil. zu nr. 318 einiges mittheilt. 

JJie nachtheile, welche die gegenwärtig bestehende einrich- 
tung der einjährig freiwilligen mit sich bringt, scheinen auch in 
militairischen kreisen endlich richtiger gewürdigt und erkannt 
zu werden. Nach der Deutschen heereszeitung, aus welcher die 
Allg. ztg. ur. 318 referirt, bereiten sich verschiedene Verände- 
rungen vor. 

Eine beachtenswerthe anzeige von Paulsen „Geschichte des 
gelehrten Unterrichts auf den deutschen schulen und Universitäten 
vom ausgaiog des mittelalters bis zur gegenwart; mit besonderer 
rücksicht auf den classischen Unterricht" ("Leipzig. Veit 1885) 
rindet sich in beil. zur Allg ztg. 1884, nr 319: Paulsen for- 
dert weitere einschränkung des classischen Studiums : dabei wird 
neben Überschätzung der gegenwart oder neuzeit gar manches 
übersehen: so wenig die Römer und Cicero und später die Römer 
trotz Cicero und Virgil die classischen Griechen nicht entbeh- 
ren konnten, so wenig können wir der Griechen und Römer ent- 
behren , vorausgesetzt, daß nicht barbarische zeiten eintreten, 
in denen Wissenschaft und kunst untergehen. 

Aus den durch einen besuch auf Cypern im sommer 1884 
veranlaßten reiseerinnerungen eines deutschen kaufmanns theilt 
sehr interessantes die beil. d. Allg. ztg. 1884, nr. 321. 322.323 
mit: wir heben daraus nur hervor, daß alt-hellenische sitten bis 
jetzt sich daselbst erhalten haben : so wird noch ein fest der 
Venus von Nasos am 9. juni gefeiert, zu dem die bauern und 
bäuerinnen auf eseln, maulthieren, kameelen geritten kommen um 
sich im meere zu waschen: die behaudlung des weines, gebrauche 
bei den begräbnissen zeigen ähnliches : dabei äußerst ergötzliche 
geschienten über die betrügereien, welche katholische priester mit 
reliquien treiben : beachtet werden auch die ruinen aus dem al- 
terthum, nach alten gräbern wird gesucht, da kostbarkeiten man 
in ihnen vermutbet , übrigens sind auf der insel die Engländer 
gründlich verhaßt. 

Zur erinnerung an Friedrich Gottlieb Welckers auf den 4. 
nov. 1884 fallenden einhuudertjährigen geburtstag findet sich 
ein gutgemeinter artikel von Emil Neubürger in Allg. ztg. 1884, 
beil. zu nr. 323. 

Athen. Wie viel unter dem ministerium Trikupis für he- 



274 Kleine philologische zeitung. Nr. 4. 

bung der schulen und überhaupt für die Wissenschaften geschehe, 
wird in einem bericht der Allg. ztg nr. 328 nachgewiesen. 

Einen erlaß des ministers für cultus und Unterricht in Oe- 
sterreich, freih. von Conrad, in dem er landesschulbehörden zu 
berichten über die Wirkungen des neuen lehrplans auffordert, 
theilt Münch. allg. ztg. 1884 nr. 330 mit. 

Das interessante büchlein von O. Bahr : „eine deutsche stadt 
vor fünfzig jähren" bespricht Allg. ztg. 1884, beil. zu nr. 336. 

Unter der aufschrift Alsatica beginnen Allg. ztg. 1884, beil. 
zu nr. 338 aufsätze von Georg Kaufmann zur geschichte des hu- 
manismus im Elsaß seit ausgang des mittelalters : der erste 
„Wimpfeling und Spiegel" überschrieben, schließt an die Schriften 
von E. Martin, „Germania von Jacob Wimpfeling übersetzt 
und erläutert. Mit ungedruckten briefen von Geiler und Wim- 
pfeling. Ein beitrag zur frage nach der nationalität des El- 
sasses und zur Vorgeschichte der Straßburger Universität Straß- 
burg, Trübner, 1885" und G. Knod, „Jacob Spiegel aus Schlett- 
stadt. Ein beitrag zur geschichte des deutschen humanismus. 
Programm 1884, nr. 480" an und giebt einen auszug aus diesen 
fleißigen schritten: dazu vrgl. Kümmel Geschichte des deutschen 
Schulwesens p. 387: der zweite, ebendas. beil. zu nr. 342 „die 
Elsassische annalistik in staunscher zeit" berichtet über A. Schuttes 
schrift unter gleichem titel. 

Pietole. Am 30. nov. 1884 fand die enthüllung des Vergilius- 
monuments in Pietole, einem marktflecken bei Mantua, statt, denn 
auf der nahegelegenen anhöhe, genannt die Monticelli di Virgilio, 
sucht man nach einer alten tradition die geburtsstätte des dich- 
ters der Aeneis. (Nach der Vita Virgilii war Vergil in Andes, 
einem 30000 schritte von Mantua gelegenen dorfe, geboren und 
dies wird mit Pietole identificirt). An der enthüllungsfeier be- 
theiligten sich die behörden und litterarischen vereine von Mantua, 
denen die denkmal-errichtung zu verdanken, und die beifällig 
aufgenommene festrede hielt der dichter des „Satana", Giosue 
Carducci, der Vergil als poeten und als landwirth feierte, um 
der ländlichen bevölkerung das verständniß der feier in dieser 
weise nahezulegen. — Allg. ztg. beil. zu nr. 343. 

Die Flacon-sammlung des fürsten Baratow giebt G. Böhm ge- 
legenheit über die geschichte des flacon in Allg. ztg. 1884, beil. 
zu nr. 344 allerlei zusammenzustellen. 

Bern. In der sitzung des nationalrathes vom 8. decemb. 
ist, wie das nähere die Allg. ztg. beil. zu nr. 345 berichtet, 
der ankauf der Groß'schen pfahlbautensammlung für den staat 
beschlossen: dieses ist eine der werthvollsten und ist daher die- 
ser ankauf sehr erfreulich. 

Ueber die vorsintfluthlichen thieren und menschen angehö- 
rigen knochen und sonstige reste, welche bei Prerau in Mähren 
gefunden worden, berichtet Allg. ztg. nr. 349. 



Nr. 4. Kleine philologische zeitung. 275 

Worms. Bei Untersuchung der bekannten Römerstraße von 
Mainz nach Speyer und Straßburg ist in der nähe von Worms 
auf dem terrain der fabrik von Doerr u. Reinhart eine große 
anzahl fundgegenstände gewonnen worden, unter denen eine 
menge steinchen des brettspiels (latrunculi) aus thon , schiefer, 
glas , marmor , elfenbein , hörn oder metall höchst merkwürdig 
sind. Besondere erwähnung verdienen zwei reitende matronen- 
figuren von terracotta, welche leider allzusehr verstümmelt sind. 
Die zahl der bildwerke dieser art, welche bis jetzt bekannt ge- 
worden sind, beläuft sich auf 19. — Vor einiger zeit wurde 
zuerst das eine und bald darauf das zweite täfeichen eines rö- 
mischen militairdiploms zu Mainz gefunden, dieses interessante 
stück, welches vom 27. october des jahres 91 datirt ist, wird 
im Paulus-museum aufbewahrt. — Allg. ztg. nr. 350. 

Rom. In der festsitzung des kaiserlich archäologischen in- 
stituts zu Rom vom 12. december 1884 besprach zunächst pro- 
fessor 0. Richter die befestigungen des antiken Ardea. Er er- 
örterte in längerer auseinandersetzuug die nothwendigkeit , die 
noch vorhandenen altitalischen befestigungen auch für das Stu- 
dium der topographie Roms in betracht zu ziehen und durch 
ihre vergleichung über die älteste periode der Stadt, von der 
gründung der Palatinischeu stadt bis zur errichtung der Servia- 
nischen mauer licht zu verbreiten. Die wichtigsten fragen für 
diese zeit, über die stufenweise entwickelung der stadt in dieser 
periode , über das verhältniß der innerhalb des Servianischen 
mauerkreises gefundenen mauerreste zu jenem selbst, lassen sich 
nur auf diesem wege entscheiden. Ein besonders klares bei- 
spiel für die Wichtigkeit der heranziehung jener städte bei den 
Untersuchungen über das älteste Rom liefert die topographie von 
Ardea, von dessen befestigungen plane vorgelegt wurden. Die- 
selben bestanden in drei linien, in weit auseinanderliegenden 
perioden errichtet. Diejenige der ursprünglichen, sehr unbedeu- 
tenden anläge besteht , wo der fels nicht schütz gewährte , aus 
mauern, welche hinsichtlich der fügung den in Rom vorhande- 
nen gleichartig sind. Die beiden anderen linien sind erdwälle, 
von denen namentlich der zuerst errichtete vielfach analogien 
mit dem Servianischen zeigt. Die thore der stadt (im ganzen 
zehn) lassen sich sämmtlich nachweisen. Aus den auf dem bo- 
den der letzteren gefundenen resten ergiebt sich , daß die äu- 
ßerste wallmauer schon aufgegeben und die stadt auf den räum 
bis zum ersten wall beschränkt gewesen sein muß , als Ardea 
unter römischer herrschaft stand, seine blütheperiode also in sehr 
frühe zeit fällt. Es ergiebt sich ferner, daß auch in der zeit 
der weitesten ausdehnung die früheren befestigungen bestehen 
blieben und die bewohner der einzelnen stadttheile durch thore 
mit einander verkehrten. Sodann folgte ein Vortrag des zweiten 
secretairs, professor Heibig, der mit hülfe der monumente die 



276 Kleine philologische zeitung. Nr. 4. 

schwierige frage nach der herkunft der Etrusker zu lösen suchte. 
Indem er sich dabei vorwiegend auf die neuesten ausgrabungen 
in Corneto und Vulci stützte, zeigte er, daß die älteste art von 
gräbern nicht blos dort, sondern in ganz Etrurien die senkrecht 
in die erde oder den felsen eingearbeiteten gräber sind, welche 
ein aschengefäß enthalten (tombe a pozzo). Auf diese folgen die- 
jenigen in form eines viereckigen grabens mit einem unverbrann- 
ten leichnam (tombe a fossa). Daß diese letzteren in ihren spä- 
testen exemplaren Etruskern angehören , beweisen die corinthi- 
schen vasen aus dem sechsten Jahrhundert v. Chr. , welche in 
ihnen vorkommen. Es fragt sich, ob für die älteren dieser gat- 
tung, sowie für die tombe a pozzo ein gleiches gelte, oder ob letz- 
tere früheren bewohnern zuzuschreiben sind. Der vortragende 
zeigte, daß alle gräber, von den ältesten a pozzo bis zu den 
jüngsten a fossa eine ununterbrochene organische entwicklung 
darstellen, welche in der localen keramik und metalltechnik sich 
verfolgen läßt. Viele typen sind beiden arten gemeinsam, manche 
gegenstände aus der älteren schiebt von solchen der jüngeren 
nicht zu unterscheiden. Steht also etruskischer Ursprung für die 
jüngsten gräber a fossa fest , so muß derselbe auch für die äl- 
teren gleicher gattung und nicht weniger für die vorhergehende 
classe angenommen werden. Nun findet sich aber in der ebene 
des Po eine reihe von grabstätten , in denen die gleiche eultur 
erkennbar ist, wie in denen im eigentlichen Etrurien entdeckten 
gräbern der ältesten art, und bereits vor mehreren jähren hat 
der vortragende die ansieht ausgesprochen, daß in ihnen nicht 
blos reste der Italiker, sondern auch der Etrusker enthalten seien, 
daß beide, als sie östlich vom Apennin wohnten, in einem glei- 
chen eulturstadium begriffen gewesen seien, während dessen sie 
das gebirge überschritten und ihre späteren historischen sitze 
eingenommen hätten. Die entdeckungen im eigentlichen Etru- 
rien bestätigen diese vermuthung vollkommen. Damit aber ist 
zugleich die frage nach der herkunft der Etrusker entschieden } 
denn der inhalt der etruskischen gräber a pozzo zeigt sich nahe 
verwandt dem der ältesten latinischen , namentlich albanischen 
gräber, wenn auch letztere einen ärmlicheren character und eine 
geringere mannichfaltigkeit des inhalts zeigen, als die etruski- 
schen. Also sind Italiker und Etrusker mit einer ähnlichen 
eultur am gestade des Mittelmeers eingetroffen, und es erklärt 
sich daraus, wenn sie in der älteren griechischen litteratur nicht 
scharf von einander geschieden werden. Jene ähnlichkeit der 
eultur würde ganz unbegreiflich sein , wären die Etrusker aus 
Kleinasien eingewandert. Vielmehr folgt aus ihr, daß beide 
stamme, bevor sie die westlichen theile Italiens besetzten, in der- 
selben gegend , unter gleichen eulturverbältnissen wohnten. Da 
nun die Italiker sicher aus dem norden kamen und längere zeit 
in der Po-ebene halt machten, so muß ein gleiches für die Etrusker 







4. Kleine philologische zeitung. 277 

angenommen werden. Ferner aber berechtigt die ähulichkeit in 
der cultur beider Völker, bevor sie den Apennin überschritten, 
zu der annähme, daß der Übergang der Etrusker und der der 
Italiker nicht durch eine lange Zwischenzeit getrennt waren, 
sondern ungefähr zu gleicher zeit stattfanden. Eine folge dieser 
bewegung hinwiederum dürfte der Übergang der Siculer nach 
Sicilien gewesen sein. Diese aber werden als bewolmer der süd- 
östlichen küste Italiens noch von dem dichter der Odyssee an- 
geführt, in welcher bekanntlich die vor der dorischen Wande- 
rung bestehenden Völkerverhältnisse geschildert sind. Vor letz- 
terer also saßen die Siculer noch auf dem festlande und müssen 
daher zu derselben zeit, oder bald nachher nach der iusel hin- 
übergegangen sein , wo die griechischen colonisten des achten 
Jahrhunderts sie bereits vorfanden. Wenn nun die auswande- 
rung der Siculer eine folge des Vordringens der Etrusker und 
Italiker war, so muß letzteres gleichfalls mit der dorischen Wan- 
derung gleichzeitig oder wenig später sein. Der vortragende 
wies auf die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenhanges unter den 
gleichzeitigen Völkerbewegungen auf der Balkan- und der Apennin- 
halbinsel hin , welche zu der annähme großer Umwälzungen in 
Mitteleuropa berechtigen, die ein vorrücken der Völker nach Sü- 
den veranlaßten , vielleicht veranlaßt durch den einbruch der 
germanischen stamme. — Allg. ztg. beil. zu nr. 353. 

Beachtenswerth ist die besprechung des buches von A. v. 
Wussow , die erhaltung der denkmäler in den culturstaaten der 
gegenwart (Berlin 1885) in Allg. ztg. 1884, beil. zu nr. 352. 

Ueber die in betreff der neu zu ordnenden Verwaltung der 
landesbibliothek zu Berlin gepflogenen Verhandlungen wird in 
Allg. ztg. nr. 354 allerlei berichtet. 

Einen sehr interessanten nekrolog über Karl Wüte von Fr. 
v. Löher enthält Allg. ztg. beil. zu nr. 356. 357: wir bemer- 
ken dazu, daß als vater und söhn sich in Göttingen aufhielten, 
der söhn wegen seiner liebenswürdigkeit überall gern gesehen 
war, mit dem vater aber niemand verkehren mochte. 

Das buch von A. Adamy, „Architektonik der altchristlichen 
zeit, umfassend die altchristliche, byzantinische, muhaniedanische 
und karolingische kunst" wird besprochen Allg. ztg. beil. zu 
nr. 355. 

Ueber den plan in Oesterreich eine katholische Univer- 
sität zu errichten spricht sich Allg. ztg. nr. 357 aus und zeigt 
welche Unklarheit einem derartigen unternehmen zu gründe liege : 
wie aber der verein , welcher zu solcher gründung zusammen- 
getreten, über die angelegenheit denke, zeigt ein artikel ebendas. 
1885, nr. 1 : dazu vrgl. ebendas. beil. zu nr. 9. 

Kurzen bericht über die feier des 89. geburtstages von Leo- 
pold von Ranke in Berlin bringt Allg. ztg. 1884, beil. zu nr. 357: 
der geburtstag fällt auf den 21. december. 



278 Kleine philologische zeitung. Nr. 4. 

Von der akademie der Wissenschaften zu Berlin werden von 
neuem Untersuchungen über die läge der Varusschlacht an- 
gestellt werden, Allg. ztg. beil. zu nr. 358: sie sind veranlaßt 
durch funde römischer münzen bei Engter im Osnabrücki- 
schen, welche kürzlich seitens des königlichen museums hier ge- 
genständ der Untersuchung gewesen sind : jetzt hat professor 
Mommsen in der sitzung der königlichen akademie der Wissen- 
schaften vom 29. januar c. bericht erstattet. In demselben kommt 
er zu dem resultate, daß diese funde zweiffellos von der großen 
niederlage, welche Armin den legionen des Varus im TeutoburgQr 
walde bereitete, entstammen , und daß somit jene lange vergeb- 
lich und zuletzt mit unrecht im Detmoldischen gesuchten denk- 
würdigen Schlachtfelder nunmehr in jenen bergen bei Engter auf- 
gefunden sind. Schon vor zehn jähren wurde dieser nachweis 
in einem gelegentlich der enthüllung des Hermann - denkmals 
erschienenen buche „Aliso vi u d die gegend der Her- 
mannsschlacht" von M. von Sondermühlen zu führen gesucht. 
Diese von v. Sondermühlen zuerst entwickelte ansieht ist neuer- 
dings dem dr. Hartmann in Lintorf veranlassung geworden , in 
diesem sinne auf die historische Wichtigkeit jener gefundenen 
Römer-münzen hinzuweisen und zwar in dem wenig bekannt ge- 
wordene buche : Wanderungen durch das Wittekinds- oder Wie- 
hengebirge (Westsüntel) von dr. med. Hermann Hartmann, sanitäts- 
rath. Commissions- verlag von Gottfr. Veith in Osnabrück: es 
ist 1881 erschienen, aber nicht in den buchhandel gekommen, 
daher auch in keinem catalog erwähnt: jetzt ist es, so weit der 
vorrath reicht, durch die buchhandlung von Veith in Osnabrück 
zu beziehen. Jetzt soll auch graf Moltke einen hauptmann vom 
generalstabe mit Untersuchung der gegend beauftragt haben. 

Ueber das buch von J. P. Müller in Antwerpen „die deut- 
schen schulen im Auslande" berichtet Allg. ztg. beil. zu nr. 360: 
es hat sich dabei ergeben, daß vorzugsweise die protestantischen 
schulen eine segensreiche Wirksamkeit entwickeln. 

In München ist ein verein für vorgeschichtliche alterthümer 
Bayerns zusammengetreten, über dessen thätigkeit Allg. ztg. 1885, 
beil. 2 zu nr. 4 berichtet. 

J. Walther ein tag in Tunis und Karthago in Allg. ztg. 
1885, beil. zu nr. 13: die bäder der Dido, das haus Hannibals 
giebt es da zu sehen. 

Ueber die Wirksamkeit des Vereins deutscher lehrer in Eng- 
land berichtet Allg. ztg. nr. 19: vgl. Phil. Anz. XIV, 6, p. 352. 

Rom. Bei den grundaushebungen für den bau eines neuen 
theaters in der Via Nazionale in Rom in der nähe der gärten 
Colonna fanden die arbeiter am 9. febr. eine antike bronze- 
statue von 2 metern und 30 centimetern höhe, die eine nackte 
männliche gestalt darstellt. Die Unterschenkel und ein arm la- 
gen abgebrochen dabei, die bruchstücke passen aber vollständig 



Nr. 4. Kleine philologische zeitung. 279 

aneinander, so daß nach anfügung derselben die statue sich im 
besten erhaltungszustande befinden wird. Die figur hält die 
linke hand in die höhe, die rechte rückwärts an den Oberschen- 
kel ; das rechte bein ist gestreckt, das linke nach rückwärts ge- 
bogen. Diese Stellung läßt vermuthen, daß die rechte hand der 
gestalt sich auf eine keule stützte. Man glaubt, daß die statue 
den Herkules darstelle. Dieselbe wird in einem der capitolini- 
schen museen aufgestellt werden. — Nationalztg. 1885, nr. 106, 
beil. 1. 

Berlin. In der Sitzung der Archäologischen gesellschaft hieselbst 
vom 6 januar sprach Conze über die bronzefigur des betenden 
knaben im königl. museum und ihren modernen nachguß in 
der Marciana in Venedig. Wie dieser letztere ohne arme sei, 
so sei man bei den Untersuchungen für den neuen katalog der 
Originalskulpturen des königl. museums unter Vorgang Furtwäng- 
lers zu der Überzeugung gekommen, daß die arme des Berliner 
exemplars beide modern seien. Der vortragende nahm hiernach an, 
daß das Berliner unzweifelhaft antike exemplar im jähre 1586, 
wo ein exemplar in Venedig beglaubigt ist, schon existirt haben 
müsse, daß es damals nach Venedig gekommen und bei späterer 
entfernung von dort durch einen nachguß ersetzt sei. Ueber die 
herkunft unseres exemplars sei nichts beglaubigt, als daß es vom 
vater des marschalls Belleisle an prinz Eugen von Savoyen und 
von diesem an den fürsten Liechtenstein und endlich an Frie- 
drich den großen gekommen sei. Der vortragende behielt sich 
vor, die provenienz noch weiter zu verfolgen. — Robert legte 
zunächst XJrlichs „Beiträge zur kunstgeschichte" und Löschke's 
„Vermuthungen zur griechischen kunstgeschichte und topogra- 
phie Athens" vor. Die in letzterer schrift enthaltene neue deu- 
tung der rechten hälfte des westlichen parthenongiebels : Herakles, 
bisher Aphrodite genannt, im schloß der Melite, neben ihnen 
Demeter Kurotrophos mit den beiden söhnen dieses paares , er- 
kannte der vortragende als bestehend an, jedoch stehe derselben 
der umstand entgegen, daß die auf Herakles gedeutete figur auf 
Carey's Zeichnung, von welcher der sogenannte Pariser anonymus 
nach des vortragenden Überzeugung nur eine an mißverständ- 
nissen reiche kopie sei , eher weiblich als männlich erscheine. 
Sodann machte derselbe darauf aufmerksam, daß sich unter den 
Zeichnungen des Coburgensis auch eine solche des Aachener 
Koresarkophages, den die legende für den sarg Karls des 
großen hält, befinde, welche aus dem ende des 16. Jahrhunderts 
stamme , also das älteste zeugniß für dieses denkmal sei. Die 
unter dem gespanne Plutons neben dem Kerberos auftauchende 
bärtige gestalt sei als janitor Orci, die drei Jünglingsgestalten 
der rechten Schmalseite als frühling, sommer , herbst, wo Köre 
auf der oberweit weile , zu deuten. Eine neue Zeichnung des 
sarkophages der heil. Agatha in Catania , die der vor- 



280 Kleine philologische zeitung. Nr. 4. 

tragende demnächst vorlegte, läßt auf demselben eine von den 
römischen darstellungen stark abweichende kalydonische 
jagd erkennen, die der darstellung einer apulischen vase in 
Berlin (Gerhard, Apul. vasenb. 9) und in einigen punkten auch 
der auf dem grabmal von Gjölbaschi sehr ähnlich ist. Zum 
schluß besprach der vortragende den Madrider Achilleus- 
sarkophag unter vorläge einer Photographie und zeigte, daß 
die stücke C und D (Arch. zeitg 1869 XIII.) zusammengehören 
und die vollständige Vorderseite bilden , während A die rechte, 
B die linke Schmalseite sei. — Trendelenburg verlas einen brief 
des professor A. Springer in Leipzig , welcher erläuterungen zu 
den von Robert in der sitzung vom 4. oktober v. j. besproche- 
nen Petersburger miniaturen enthielt. Springer hält die- 
selben hauptsächlich aus dem gründe für kopien, weil die beiden 
miniaturen ursprünglich verschiedenen werken angehörten , das 
bild mit dem auszug aus Aegypten einem pentateuch, das David- 
bild einem psalter. Hiergegen wandte Robert ein, daß einerseits 
das auszugsbild sehr wohl gleichfalls einem psalter, als Illustra- 
tion des 114. psalms, angehört haben könne und andererseits 
beide miniaturen nicht nothwendig aus derselben handschrift zu 
stammen brauchten. — Schöne legte das soeben erschienene werk 
von 0. Benndorf und G. Niemann vor: „Reise in Lykien 
und Karien, ausgeführt im auftrage des kais. königl. mini- 
steriums für kultus und Unterricht. Wien, C Gerolds söhn, 1884". 
Der vortragende rekapitulirte die bereits durch den „vorläufigen 
bericht" von Benndorf bekannte thatsache, daß die österreichische 
regierung im anschluß an die früheren expeditionen nach Öa- 
mothrake in höchst erfreulicher Würdigung der Wichtigkeit einer 
genaueren erforschung Kleinasiens für die alterthumswissenschaft 
auf Vorschlag des prof. Benndorf 1881 eine neue expedition nach 
Lykien und Karien ausgesandt habe, welche, von dem genannten 
gelehrten in gemeinschaft mit dem architekten G. Niemann, dem 
dr. med. F. v. Luschan und dem hofphotographen W. Burger 
ausgeführt , zu der entdeckung eines ausgedehnten werkes alt- 
lykischer skulptur , des grabdenkmals von Gjölbaschi, geführt 
und sich zu einer geographisch- archäologischen erforschung der 
lykischen und karischen land schaff ausgedehnt hat. Dieselbe hat 
alsdann eine zweite expedition veranlaßt, welche die Überfüh- 
rung des monumentes von Gjölbaschi nach Wien zum ziele hatte 
und unter den auspizien der österreichischen regierung mit den 
mittein eines aus den kreisen der Wiener geburts- und geistes- 
aristokratie zusammengetretenen comites durchgeführt wurde. Das 
vorliegende werk beschränkt sich auf eine darlegung der reichen 
und mit ebensoviel sachkenntniß wie energie gewonnenen ergeb- 
nisse der ersten expedition und greift über dieselbe nur insofern 
hinaus, als prof. Kiepert in der beigegebenen karte auch bereits 
den reichen geographischen ertrag der zweiten expedition ver- 






Nr. 4. Auszüge aus Zeitschriften. 281 

werthet hat. Das durch die fülle lieueu materials ebenso wie 
durch die geschmackvolle darlegung desselben in wort und bild 
bedeutsame werk legt glänzendes zeugniß ab für die umsichtige 
förderang, welche die österreichische regierung den alterthums- 
studien widmet , und für das verständnißvolle entgegenkommen, 
welches sie dabei hndet. — Nationalzeitung vom 39. Januar. 
Morgenausgabe. 

Berlin. Am 19. rnärz fand in der königlichen academie 
der Wissenschaften eine öffentliche sitzung zur feier des bevor- 
stehenden geburtstages des k aisers statt, in welcher Th. 
Mommsen die festrede hielt und darlegte, wie die gründung von 
weitreichen nicht in den gedankenkreisen der germanischen na- 
tionen gelegen, und daß da, wo diese ideen auftauchten, sie von 
dem römischen kaiserthum übernommen wurden. In weiser er- 
kenntniß erblicke auch unser kaiser das heil der nation in der 
beschränkung auf die grenzen des Staatsgebietes. Damit sei un- 
ser herrscher ein hört des Weltfriedens. Im weiteren verlaufe 
der sitzung berichtete professor Kirchhof über die fortschritte 
des werkes über die attischen inschriften, professor Mommsen über 
die Sammlung altrömischer inschriften, professor Duncker über 
die herausgäbe von staatsschriften aus der zeit Friedrichs des 
großen. Berichte über die Bopp - und Humboldt -Stiftung und 
über das archäologische institut beschlossen die sitzung. 

Auszüge aus Zeitschriften. 

Nene Jahrbücher für philologie und paedagogik von A. Fleckeisen, 
CXX1X, 7: 57. Der papyrus Massiliensis des Isocrates , von F. Blaß, 
p. 417. — (55). Zu Horatius öden (I, 1), von L. Reinhardt, p. 429. — 
58. *7J*« nnootvia . von F. Weck, p. 433. — 59. Timaios als quelle 
Diödors für die reden des dreizehnten und vierzehnten buches , von 
E. Barhof, p. 445. — 60. tidoig bei Homer, von W. Heymann, p. 478. 

— 61. Die errichtung der phyle Ptolemais, von J. Beloch, p. 481. — 
62. Zu den geoponika des Cassianus Bassus, von G. Bilfinger, p. 488. 

— 63. Zu Sophokles Antigone, von F. Kern, p. 494. — 64. Ein ver- 
kanntes fragment des Archi iochos, von F. Blaß, p. 496. 

Bft. 8 und 9: 65. Geographische Homerstudien im Pausanias, von 
A. Enmann, p. 497. — 66. Zur textkritik Piatons, von K. J. Liebhold, 
p. 520. — (1). Zur homerischen worterklärung des Aristarchos, von 
E. Kammer, p. 523. — (37). Zu Thucydides, von C. Conradt, p. 529. 

— 67. Zu Theokritos, von Ch. Ziegler, p. 540. — 68. Zu Piatons Kra- 
tylos, von M. Wohlrab, p. 542. — 69. Zu Aristoteles politik, von H. 
Flach, p. 544. — 70. Der römische kalender 218—215 und 63 — 45 vor 
Chr., von G. F. Unger, p. 545. — 71. Zu Vergilius Aeneis (1,108 ff.), 
von Th. Pli/ß, p. 590. — 72. in Senecae de dementia librorum frag- 
menta, von E. Thomas, p. 592. — 73. Zu den beiden ersten biichern 
von Cicero de oratore, von H. Muther, p. 593. — 75. Zu Ciceros 
zweiter Philippica (§ 108), von O. Sieroka, p. 616. — 75. Zur kritik 
und erklärung der briefe Ciceros an M. Brutus, von O. E. Schmidt, 
p. 617. — 76. Quod potui und ähnliches, von K. Roßberg, p. 645. 

Hft. 10 und 11: 77. Chronologische fragmente, der attische dop- 
pelcalender, von Adolf Schmidt, p. 649. — 78. Adverbialer gebrauch 



282 Literatur. Nr. 4. 

von avd, von F. Hultsch, p. 741. — 79. Der absolute genitiv des in- 
finitivs, von demselben, p. 742. — (70). Der römische kalender 218 — 
215 und 63-45 vor Chr. (schluß), von G. F. Unger, p. 745. — 80. 
Anz. von G. Landgraf: Ciceros rede für Sextus Roscius von Aineria. 
(Erlangen 1882—1884), von A. du Me&nil, p. 765. — 81. Anz. von A. 
Riese: die gediente des Catullus (Leipzig 1884), von O. Harnecker, 
p. 763. — 82. Zu Cicero de offieiis und de legibus, von H. Gilbert, 
p. 773. — 83. Zu Cicero de re publica (II, 3, 5), von G. Schweißer, 
p. 775. — 84. Eine glosse bei Tacitus (Hist. II, 28), von K. Meiser, 
p. 775. — 85. Zu Valerius Maximus, vou H. Wensky, p. 777. 

Literatur, 

(dem Philologus und PhAnzeiger zugesandt.) 

Madvigii, Jo. Nie, Adversariorum criticorum ad scriptores Graeeos 
et Latinos. Vol. III. Hauniae, Gyldendal 1884. 8. 

Catullus, die gedickte des, hrsg. und erklärt von Alexander Riese, 
Leipzig, B. G. Teubner 1884. 8. XLIII, 288 p. 

Stangl, Ph., zur textkritik der scholiasten ciceronischer reden. 
(Aus Rhein, museum bd. 39, heft 2. 3. 4). 

Bormann , E. , bemei-kungen zum schriftlichen nachlasse des kai- 
sers Augustus. Marburg 1884. 4. 40 p. 

Ficcolomini , E. , sulla morte favolosa di Eschilo Sofocle Euripide 
Cratino Eupoli. Pisa 1883. 4. 

Sallust's Catilina and Jugurtha ed. with notes by the late George 
Long. Second edition revised with the addition of the chief frag- 
ments of the histories by /. G, Frazer. London, Whittaker and co. 
1884. 8. 

Anacreonteorum sylloge Palatina recensetur et explicatur. Habi- 
litationsschrift von dr. Friedr. Haussen. Leipzig 1884. 8. 37 p. 

Grundmann , Herrn. Rice. , Quid in elocutione Arriani Herodoto 
debeatur. Berolini, Calvary 1884. 8. 

Stern, Ernst von , geschichte der spartanischen und thebanischen 
hegemonie vom königsfrieden bis zur schlacht von Mantinea. Dorpat 
1884. 8. X, 248 p. 

Gregorii Palamae archiepiscopi Thessalonicensis prosopopoeia 
animae aecusantis corpus et corporis se defendentis cum iudicio au- 
reolum libellum ed. emend. adn. Albertus Iahnius. Balis Sax. 1885. 
8. XII, 61 p. 

Fraenkel, Arthur, studien zur römischen geschichte. Heft I : der 
amtsantritt der römischen consuln während der periode 387 - 532 des 
staats. Das verhältniß des römischen calenders zum julianischen wäh- 
rend des Zeitraumes 440 — 552 des staats. Breslau, J. U. Kern 1884. 
8. 136 p. 

. Keil, Bruno, Analecta Isocratea. Prag u. Leipzig, Tempsky und 
Freytag 1885. 8. 160 p. 

Brandt , Paul , de Batrachomyomachia Homerica recognoscenda. 
Bonn 1884. 8. 46 p. 

Gitlbauer, Michael, philologische streifzüge. I. liefg. Freiburg 
im Breisg., Herder 1884. 8. 80 p. 

Plutotiis Laches in usum scholarum rec. et verborum indicem 
add. Michael Gitlbauer. Freiburg im Br., Herder 1884. 8. 49 p. 

Caesar is , C. lulii, commentarii de bello Gallico in usum schola- 
rum rec. M. Gitlbauer. Pars prior (I— V). Freiburg im Br. 1884. 8. 
130 u. CXIV p. 

Lange, Ludov., de viginti quattuor annorum cyclo intercalari com- 
mentatio. Lipsiae 1884. 8. 23 p. 



Nr. 4. Literatur. 283 

Hartfelder, Karl, deutsche Übersetzungen klass. Schriftsteller aus 
dem Heidelberger humanistenkreis. Heidelberg 1884. 4. 34 p. 

Luchs, August, comnientationes prosodiacae Plautinae II. Ei-lan- 
gen 1884. 4. 16 p. 

Sallustii Crispi , C. , bellum Catilinae rec. Augustmus Scheindler. 
Lipsiae, Frey tag 1885. 8. 36 p. 

Ciceronis , M. Tullii , orationes selectae scbolarum in usum ed. 
Herrn. Nohl, Vol II: In Q. Caecilium divinatio. In C. Verrem ac- 
cusationis lib. IV. V. Lipsiae, Freytag 1885. 8. XIV, 134 p. 

Ovidii Nasonis, P., carmina ed. H. St. Sedlmayer, A. Zingerle, O. 
Güthling. Vol. III: Scbolarum in usum ed. Otto Güthling. Lipsiae, 
Freytag 1885. 9. VIII, 354 p. 

Hertz, Martin, Lud. Carrionis in A. Gelli nocticum Atticarum li- 
bros commentarios qui extant castigationum et notarum specimen ex 
ed. princ. Breslau 1885. 4. 17 p. 

Clerici, G. P., il prologo di A Persio Flacco interpretato. ßoma, 
Ferrari 1885. 4. 75 p. 

Eusebii canonum epitome ex Dionysii Telmaharensis chronico pe- 
tita verterunt notisque illustrarunt C. Siegfried et Henr. Geizer. Lip- 
siae, Teubner 1884. 4. VIII, 94 p. 

Iambiichi de vita Pythagorica liber. Ad fidem codicis Florentini 
rec. Aug. Nauck. Accedit epimetrum de Pythagorae aureo carmine. 
Petropoli 1884, 8. LXXXVI, 369 p. 

Blümner, H., das kunstgewerbe im alterthuin. Abtb. I. Leipzig 
u. Prag, Tempsky u. Freytag 1885. 8. 267 p. 

Enni, Q., carminum reliquiae. Accedunt Cn. Naevi belli Poenici 
quae supersunt. Emendavit et adnotavit Lucianus Mueller. Petropoli, 
C. Ricker 1885. 8. XLV1I, 295 p. 

Comicorum Atticorum fragmenta ed. l'heodorus Koch. Vol. II: 
Novae Comoediae fragmenta. Pars I. Lipsiae, Teubner 1884. 8. 582 p. 

Servii grammatici qui feruntur in Vergilii carmina commentarii 
rec. Georqius Thilo et Herrn. Hagen. Vol. LH. Lipsiae, Teubner 
1878—1884. 8. X, p. 307-610. 

Forchhammer, P. W. , erklärung der Ilias. Ein beitrag zur erle- 
digung der homerischen frage. Kiel, Gr. von Maack's buchhandlung 
1884. 4. XI, 162 p. 

Denkmiiler des klassischen alterthums hrsg. von A. Baumeister. 
Liefg. 8—11. München. 

Tibulli, Albii, elegiae cum carminibus Pseudotibullianis edid. 
Eduardus Hiller. Accedit index verborum. Editio stereot. Leipzig, 
Tauchnitz 1884. 8. XXIV, 105 p. 

Grohs, Hugo, der werth des geschichtswerks des Cassius Dio als 
quelle für die geschichte der jähre 49— 44 v.Chr. Berlin, S. Calvary 
1884. 8. 140 p. 

Das JEcce der landesschule Pforta am 22. nov. 1884. Naumburg 
1884. 8. 36 p. 

Seelmann, Emil, die ausspräche des latein nach physiologisch-hi- 
storischen grundsätzen. Heilbroun, Henninger 1885. 8. XIV, 398 p. 

Nügelshach, Carl Friedr. von, homerische theologie. Dritte aufl. 
bearbeitet von Georg Autenrieth. Nürnberg, Geiger lb84. 8. XXXII, 
482 p. 

Shorey, Paul, de Piatonis idearum doctrina atque mentis humanae 
notionibus commentatio. München, Ackermann 1884. 8. 

Abraham, Guil., Studia Plautina. Lipsiae, Teubner 1884. 8. 
p. 179 - 244. 

Homeri Iliadiö carmina seiuncta discreta emendata prolegomenis 



284 Literatur. Nr. 4. 

et apparatu critico instructa ed. Gull. Christ. Pars II. Lipsiae, Teubner 
1884. 8. p. 401—742. 

Weil, Rudolf, die künstlerinschriften der sicilischen münzen. (44. 
Winckelrnannsprogr.). Mit drei tafeln. Berlin , G. Reimer 1884. 
4. 32 p. 

Merguet, H. , lexikon zu den schritten Caesar's und seiner fort- 
setzer mit angäbe sämmtlicher stellen. 2. liefg. : Castra-Educo. Jena, 
Fischer 1884. 4. p. 145—304. 

Cozza- Luzi , Giuseppe, della geografia di Strabone. Frammenti 
scoperti in membraoe palimseste. Parte prima. Roma 1884. 8. 86 p. 

Remy, Edm., de subiunctivo et infinitivo apnd Plinium minorem. 
Lovanii 1884. 8. 69 p. 

Terentius Afer, P. , comoediae. Rec. Carolus Dziatzko. Leipzig, 
B. Tauehnitz 1884. XL, 296 p. 8. 

Tibulli, Albii Elegiae rec. Ed. Hiller. 

Ulbrich, Herrn., der literarische streit über Tacitus' Agricola. 
Wien 1884. 8. (Progr. v. Melk). 63 p. 

Lezius, Iosephus, de Plutarchi in Galba et Othone fontibus. Dor- 
pati 1884. 8. 182 p. 

Roquette , Otto, de Xenophontis vita. Regimonti Pruss. 1884. 
8. 112 p. 

Zamcke , Ed. , Symbolae ad lulii Pollucis tractatum de partibus 
corporis humani. Leipzig, Teubner 18S4. 8. 45 p. 

Baron, J., geschichte des römischen rechts. Bd. I. Berlin, L.Simion. 

Loeschke, G., vermuthungen zur griechischen kunstgeschichte und 
zur topographie Athens. Dorpat 1884. 4. 24 p. 

Karten von Attika, von JE. Curtius. Hft. 2. Berlin, D. Reimer. 

Kopp, Arthur, de Ammonii Eranii aliorum distinctionibus synony- 
micis earumque communi fönte. Regimonti 1883. 8. 108 p. 

Schulze, Ernst Theod., de Q. Aurelii Symmachi vocabulorum for- 
mationibus ad sermonem vulgarem pertinentibus. Halis Saxon. 1884. 
8. 120 p. 

Homeri Uias ed. G. Bindorf. Ed. V cur. C. Hentze. Pars I. 
Lips., Teubner 1884. 8. 

'Pccgdv g , N. B., JiaTQißrj mgl diövov xal dnvtvfictnaiov yQ(t(f<ijg 
irjg tkkqvir.rjg ykwoorjg. Ev Maoocckiec 1884. 8. 20 p. 

Heike/, J. A. , de participiorum apud Herodotum usu. Helsing- 
forsiae 1884. 8. 144 p. 

Lewy, Henricus, de civili condicione mulierum graecarum com- 
mentatio ad Theodorum Thalheim. Vratislaviae 1885. 8. 69 p. 

Han ad onovkog tov Kfoct/ueuog, A. , MavooyoQddiii,og ßtßkio- 
9t]y.t) ijiov ytvixog ntoiygay txug xcadkoyog Tvbv £v lolg dva tip! ccv(tTokr t v 
ßißkioftr t xc<tg tvQiGxo/uivtov tkkrjvixüjv ^iiqoyqdttwv. Tö/uog nQiurog 'Ev 
KiuvcTKvnvovnökii, 1884. 4. 44 u. 4 tatf. und \4vixdoTa ' Ekkrjvixä avy- 
ygauitdiia fyyQtttfäre xcel äkkcc xti/uiva xut ixkoyijv avkkiyevm ix Twv 
iv rtj Mcwq. Bißk dvnyQayoftfvwv %n,QoyQÖ.(f<av ixd. vnb A. Tlctnudo- 
noiikov tov Kigci/Lifojg. Ev Kiavomvnvovnokti 1884. 4. 21 p. 

IJ oog&rj xai tlg tä ow&fxtv« luv ao%cti<ov /utiQok6ya)v £% 'slQ/utvixuiv 
xtiuivinv vvv ngwiov 'Ekkrjviail {limffQctß&ipioiv xttl arjf/tuöotßi nkovna&tv- 
tidv vnb '4. n«nc<donovkov tov Ktoa/uebug, IJgogiTs9>]ßav invygcufui Ttvig 
'Ekkrjvixai Ttjg vtjßov Jiaßov xrt. Ev KwvßTttvnvovnökti, 1884. 4. 

Urlichs, Ludw., beitrüge zur kunstgeschichte. Mit 20 taff. Lpz., 
Weigel 1885. 8. 155 p. 

Plauti, T. Macci, Mostellaria with notes critical and exegetical 
and an introduction by E. A. Sonnenschein. Cambridge, Deighton, 
Bell & Co. 1884. 8. IV, 163 p. 



Nr. 5. 6. 1885. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



Ernst von Leutsch. 



55. G. Curtius, zur kritik der neuesten Sprachforschung. 
Leipzig, Hirzel. 1885. 161 p. 

Im laufe des letzten decenniums sind auf dem gebiete der 
vergleichenden Sprachforschung manche ansichten aufgetaucht 
und allmählich in weitere kreise eingedrungen, welche mit dem, 
was früher galt, in einem scharfen gegensatze stehen. Durch 
diesen umstand hat der verf. , der bekanntlich seit langer zeit 
unausgesetzt bemüht gewesen ist , auf diesem gebiete die spreu 
von dem weizen zu sondern und die gesicherten resultate für 
die classische philologie zugänglich und nutzbar zu machen, sich 
veranlaßt gesehen , die neuen namentlich von der sogenannten 
junggrammatischen schule vertretenen grundsätze und ansichten 
auf ihre richtigkeit und haltbarkeit hin einer eingehenden prü- 
fung zu unterziehen. Das resultat derselben kommt darauf hin- 
aus, daß die neue richtung zwar im einzelnen manche anregung 
biete , auch einige thatsachen aufgedeckt habe , die früher nicht 
beachtet oder unrichtig aufgefaßt seien , daß jedoch im ganzen 
und großen für ihn kein grund vorliege , die anschauungen zu 
widerrufen , die er sich in Jüngern jähren im anschluß an die 
begründer der Wissenschaft gebildet habe (p. 5). Die schrift 
zerfällt in vier abschnitte. Der erste wendet sich gegen das 
„axiom" von der „ausnahmslosigkeit der lautgesetze" und zeigt 
an beispielen , die hauptsächlich aus der griechischen spräche 
entnommen sind, daß dasselbe nicht durchführbar sei (p. 6 — 32). 
Der zweite abschnitt (p. 33 — 89) handelt von der analogiebil- 
dung, welche von der neuen richtung zu einem methodischen 
princip von weitreichendem einfluß auf die Sprachforschung er- 
Philol. Anz. XV. 20 



286 55. Grammatik. Nr. 5. 

hoben ist, während von Curtius mit recht darauf hingewiesen 
wird , daß nur in beschränktem umfange und mit großer vor- 
sieht davon gebrauch gemacht werden dürfe , dies aber auch 
schon früher geschehen sei. Treffend ist hier namentlich der 
nachweis, daß die dritte person sing. impf, qv, die nach Brug- 
man's annähme der ersten person des singular nachgebildet sein soll, 
in Wahrheit viel früher vorkommt, als letztere (p. 48). Im dritten 
abschnitte (p. 90 — 129) bespricht der verf. die „jetzt zu den 
hauptdogmen der jungem grammatik gehörige auffassung", daß 
schon die indogermanische grundsprache den bunten vocalismus 
der europäischen sprachen , insbesondere der griechischen ge- 
kannt habe. Es ist dies ohne zweifei die wichtigste unter allen 
von dem verf. berührten Streitfragen. Denn hier handelt es sich 
nicht um methodische prineipien , die man bei jedem einzelnen 
versuche ihrer anwendung von neuem prüfen und je nach dem 
befunde annehmen und verwerfen kann, sondern um eine sprach- 
geschichtliche thatsache von solcher tragweite , daß , je nachdem 
man sich auf die eine oder die andere seite stellt, eine ganze 
reihe der wichtigsten und schwierigsten erscheinungen der sprach- 
entwicklung ein völlig verschiedenes licht erhält. Deshalb hat 
auch ref. schon in seinen „Sprachgeschichtlichen Studien" zu die- 
ser frage Stellung genommen und dort den beweis zu führen ge- 
sucht , daß das europäische e aus älterm ä sich allmählich her- 
vorgebildet hat, und hieraus den auch durch andere allgemei- 
nere gründe unterstützten Schluß gezogen, daß der arische, nicht 
der europäische vocalismus den urindogermanischen zustand re- 
präsentiert. Auch Curtius verwirft die neue hypothese und meint, 
daß es klüger gewesen wäre „mit der kanonisierung dieses dog- 
mas zu warten , bis man sich zeit genommen , die gründe und 
gegengründe etwas ruhiger und umsichtiger aufs körn zu neh- 
men" (p. 120). Namentlich drei hauptpunkte macht er gegen 
dieselbe geltend : 1) die unerklärbarkeit der entstehung des ari- 
schen a aus ursprachlicher dreiheit ; 2) die Unzulänglichkeit der 
versuche, auch für das arische spuren eines uralten e nachzu- 
weisen; 3) den gänzlichen mangel eines beweises für die exi- 
stenz eines arischen 6. Man könne zwar in dem neugriechischen 
itacismus ein analogon finden 1 ) und diesem einen arischen al- 

1) In der that ist dies mittlerweile geschehen von Q-. Meyer, 
Philol. rundschau V, 4, p. 111. — Beiläufig hier eine berichtigung 1 



Nr. 5. 55. Grammatik. 287 

phacismus entgegenstellen wollen. Aber jener sei ein in seiner 
stufenweisen entstehung durch Zeugnisse von Jahrhunderten wohl 
bezeugter proceß, der alphacismus reine hypothese (p. 97). Dem 
möchte referent noch hinzufügen , daß die entwicklung des ita- 
cismus in einer zeit vor sich ging , in welcher die griechische 
Sprache weit über die grenzen des heimischen bodens sich ver- 
breitet hatte und von fremdsprachlichen Völkern aufgenommen 
war , also in einer periode beginnenden Verfalls , während der 
vermeintliche alphacismus der Arier der blüthezeit dieses volks 
angehören würde. Im vierten abschnitte (p. 130 — 153) kommt 
der verf. auf das viel größere mistrauen, welches man in neue- 
rer zeit den Untersuchungen über die entstehung der ursprach- 
lichen formen entgegen bringe, und bemerkt mit recht, daß ohne 
eingehen in solche fragen eine klarheit über den entwicklungs- 
gang der spräche und über die richtigen ausgangspunkte für 
zahlreiche specialfragen nicht zu erreichen sei, und es besser sei 
bei solchen fragen zu irren, als gar nicht darüber nachzudenken 
(p. 145). Man könnte noch weiter gehen. Will die Sprach- 
vergleichung auf solche fragen sich nicht einlassen, will sie au- 
ßerdem nicht die gesetze der bedeutungsentwicklung — das gei- 
stige element in der spräche — in den bereich ihrer Forschun- 
gen ziehen, so läuft sie gefahr, den Zusammenhang mit der clas- 
sischen philologie, ohne den sie am ende verkümmern muß, gänz- 
lich zu verlieren. 

Hoffentlich wird die gehaltreiche schrift den erfolg haben, 
daß die darin mit ruhe und besonnenheit besprochenen fragen 
auch von den anbängern der neuen richtung mit gleicher ruhe 
und besonnenheit einer erneuten erwägung unterzogen werden. 
Den classischen philologen aber , welche sich für Sprachverglei- 
chung interessieren , ist das Studium derselben aufs wärmste zu 
empfehlen , damit sie sich nicht irre leiten lassen durch die zu- 
versichtlichkeit, mit welcher die neue schule ihre hypothesen als 

G. Meyer sagt a.a.O. p. 113: ,,es wird manchen stutzig machen, wenn 
er in aya, ava und am nur gleichwerthige nebenforruen zu sehen hat", 
indem er dabei auf p. 161 der „Sprachgeschichtlichen studien" ver- 
weist. Dort heißt es aber wörtlich: „daneben führen nun aber aya 
in griechisch ala, ava in sanskr. ava-ni die bedeutung erde, land, 
und dieselbe bedeutung darf auch unbedenklich für die form avi vor- 
ausgesetzt werden , da wir in ihr erwiesenermaßen nur eine gleich- 
werthige nebenform von ava zu sehen haben". Kann man wirklich 
aus diesen worten „mit gutem gewissen" jenen unsinn entnehmen? 

20* 



288 56. Griechische grammatik. Nr. 5. 

unumstößliche Wahrheiten hinzustellen und entgegenstehende an- 
sichten ohne Widerlegung als veraltet oder kurzweg als unwis- 
senschaftlich zu bezeichnen und auf diese bequeme weise aus 
dem wege zu räumen liebt. H. D. Müller. 

56. Franz Krebs, die präpositionsadverbien der spätem 
historischen gräcität. I. theil. München 1884. 64 p. 8. 

Der verf., der 1882 durch seine ausgezeichnete schrift über 
die präpositionen bei Polybius die reihe der von Schanz herausge- 
gebenen beitrage zur historischen syntax der griechischen spräche 
eröffnet hatte (s. Ph. Anz. XIII, 1, p. 24), dehnt in der vorliegen- 
den, ebenfalls höchst empfehlenswerthen abhandlung seine Unter- 
suchungen auf die gesammte historische prosa der hellenistischen 
und der kaiserlichen zeit aus, von der er in der frühern schrift 
bloß Diodor herangezogen, dagegen z.b. Dionysius von Halicarnaß 
nur nach den mittheilungen von Tegge, de Dionysii usu präpo- 
sitionum (Greifswald 1876), — in Hübners Grundriß p. 74 nach- 
zutragen — benutzt hatte. 

Der verf. unterscheidet mit richtigem blick zwei gruppen 
von Schriftstellern : eine ältere , sich kennzeichnend durch sorg- 
fältige meidung. des hiats, beginnt mit Polybius, dem sich am eng- 
sten Diodor anschließt , freilich nicht ohne behutsamkeit gegen- 
über mancher sprachlichen neuerung ; es folgen mit eigenartigen 
Weiterbildungen Dionys von Halicarnaß und Iosephus, über des- 
sen mangelhafte textbeschaffenheit der verf. mit grund klagt, fer- 
ner Plutarch (in seinen biographien). Eine jüngere gruppe be- 
steht aus den beiden historikern des zweiten Jahrhunderts, Arrian 
und Appian, und den beiden des dritten, Dio Cassius und He- 
rodian. Der vom verf. mit den historikern zusammen behan- 
delte Aelian wird der zweiten gruppe zugewiesen , im übrigen 
Sextus Empiricus als Vertreter der philosophischen prosa einige 
mal (p. 45. 61) vorgeführt, auch der Byzantiner beiläufig ge- 
dacht, des Zosimus als eines Polybianers, des Prokop (p. 50. 62) 
als eines von jenem sich sondernden nachahmers der alten. Aga- 
thias hätte neben diesem genannt werden dürfen; die gleichgül- 
tigkeit gegen den hiatus, die enthaltung von den vulgären prä- 
positionsadverbien, der gebrauch von ig, %vv, upcpt u. s. w. weisen 
ihm seine Stellung deutlich genug an. 

Ueber den Ursprung des gegensatzes verliert der verf. nicht 



Nr. 5. 56. Griechische grammatik. 289 

viel worte ; es liegt auch auf der hand , daß nichts anderes als 
ein bewußtes zurückgehen auf die alten historiker, Herodot, Thu- 
kydides , zum theil auch Xenophon , das abgehen von der bis 
dahin beschrittenen bahn veranlaßt hat. Weder die ausschließ- 
liche anwendung von «,■ noch die hiaten lassen sich anders er- 
klären. Auch zweifle ich , ob Krebs Appians Vorliebe für niqi 
und ovvexa mit recht auf die nachahmung gerade poetischer dic- 
tion zurückgeführt habe, ob nicht vielmehr auch hiefür die ar- 
chaische prosa als vorbild zu denken sei. Dagegen ist man ge- 
neigt beizustimmen, wenn er p. 54 anm. Arrian als bahnbrecher 
dieser ganzen richtung bezeichnet. 

Gegenstand der Untersuchung auf diesem weiten gebiet ist 
die Wortklasse , welche man gemeiniglich als die der unechten 
präpositionen bezeichnet. Der verf. hatte über dieselbe bereits 
1882 in einem mir leider unzugänglichen Regensburger gymna- 
sialprogramm, unter beschränkung aufPolybius, gehandelt. Da- 
mals nannte er die betreffenden Wörter präpositionsartige adver- 
bien; jetzt heißen sie ihm präpositionsadverbien. Man kann 
sich mit der bezeichnung zufrieden geben. 

Die Untersuchung ruht auf der sichern grundlage statisti- 
scher beobachtung; p. 4 und 5 sind die frequenzziffern der vor- 
kommenden präpositionsadverbien von ftixQi mit 1955 bis auf 
artvöe, rijXoii (und ueaaijyig, vgl. p. 62) mit je einem belege 
hinab angegeben. Die tabelle ist höchst dankenswerth ; doch 
bedaure ich , daß die Zahlverhältnisse für die einzelnen schrift- 
steiler nicht mitgetheilt sind ; die kurzen bemerkungen auf p. 5, 
in denen zudem Aelians und Dios gar nicht gedacht wird, kön- 
nen dafür nicht ersatz leisten , ebenso wenig die beispielsamm- 
lungen in den hernach folgenden specialabschnitten. In diesen 
letztern wird zuerst von den äußern gebrauchseigenthümlichkeiten 
(lautgestalt, rücksicht auf hiatus, Stellung) gehandelt, im ganzen 
gut, obwohl von dem schwanken zwischen una&fv und ano&sv 
(Lobeck zum Phryn. p. 10) nichts gesagt, noch auch die regel- 
mäßige postposition von ovvsxa betont ist. Der zweite theil ist 
dem „innern wesen" der Wörter gewidmet. Es liegt allerdings 
eine erscheinung vor, die unsere aufmerksamkeit verdient. Weit 
über den attischen gebrauch hinaus sind von Polybius an, beson- 
ders bei den historikern der ersten gruppe , die präpositionsad- 
verbien üblich geworden, altübliche wie h'lqiv viel häufiger ge- 



290 56. Griechische grammatik. Nr. 5. 

braucht, andere wie emg , göre (auch ngiv , das in früherer zeit 
nur einmal bei Pindar casusconstruction hat) erst jetzt so ver- 
wendet, manche wie vnsguvco , anivavri neu gebildet worden. 
Krebs sucht diese erscheinung zum theil aus dem inhalt der Schrift- 
werke zu erklären. Auf der Vorliebe für rhetorische fragen be- 
ruhe das häufige pt'xQ 1 "'*°S und ähnliches, auf der für gleich- 
nisse Sixtjv und tqottov, auf der reflectierenden darstellungsweise 
die zahlreichen belege für causalpartikeln , endlich sei die fre- 
quenz von apa durch die synchronistische anordnung des ge- 
schichtlichen stoffs mitbedingt. Dieses letzte ist richtig, aber 
unwesentlich ; den übrigen forderungen hätte auch ohne adverbia 
dieser art genügt werden können. Auf die sprachgeschichtlichen 
momente hat der verf. zu wenig gewicht gelegt, dieselben auch 
nicht richtig gewürdigt (p. 24 f.). Von seinen „Ursachen äußerer 
art" sind die drei ersten — verlust des temporalen genetivs (z. b. 
bXiycov tjfxsfjäv), wünsch hinter zusammengesetzten verben den 
präpositionellen begriff am nomen nochmals zum ausdruck zu 
bringen, lust an Umschreibungen — zwar thatsächlich wirksam 
gewesen; aber sie hätten ebenso gut eine Vermehrung der ei- 
gentlichen präpositionen herbeiführen können und haben mit ver- 
wandtem vereint thatsächlich solche bewirkt (vgl. des verfs. „prä- 
positionen bei Polyb." p. 5). Dasselbe gilt von der sechsten Ur- 
sache, der beliebtheit präpositioneller infinitivconstructionen. Die 
an vierter stelle namhaft gemachte ersetzung von zsmg durch 
«f^gt tivog ist ohne bedeutung. Das einzig stichhaltige in der 
a. a. o. gegebenen ausführung ist der hinweis auf die „stellver- 
tretende function" der betreffenden adverbien ; doch ist auch die- 
ser ausdruck nicht gerade treffend. Erst durch die § 9 — 11 
gebotenen höchst lehrreichen einzelerörterungen wird uns der 
wirkliche Sachverhalt näher gerückt. Weil die alten präposi- 
tionen abgenutzt sind, werden sie theils durch vortretende ad- 
verbien näher bestimmt: so ig, in), nybg durch ä%gi, sazs, scog, 
(iiXQi (durch letzteres auch nagd), dno durch fiaxguv , nöggco; 
theils durch adverbien, deren bedeutung voller ist, ersetzt: so 
avv, schon bei den Attikern veraltet, durch öfiol, bpooe, dfafxt^ 
und besonders durch dfia, i£ durch l$oo, im durch indvoo, vnlg 
durch cttto, vntgdvm, xadvnegde, vnb durch x«ro, vnov-dtto, ngh 
durch ngiv, nagd durch niga, auch negi durch nigi% und ttvxXqt 
(Krebs, präpp. bei Polyb. p. 105). Sogar das selbst schon 



Nr. 5. 56. Griechische grammatik. 291 

adverbiale uvsv muß dem ionischen mifit^ weichen. Passend 
zieht Krebs p. 46 anm. umständliche bildungen des spätlateins 
zur vergleichung heran. Es wäre zu wünschen, daß man über- 
haupt solcher analogien mehr gewahr würde und sich von den 
latinisten belehren ließe , wie viel keime neues lebens auch so- 
genannter sprachlicher verfall in sich schließt. Der anfang, den 
in dieser richtung Krumbacher „Beiträge zu einer geschichte 
der griechischen spräche I" (Kuhns Zeitschrift 27, 481 — 545) ge- 
macht hat , ist freudigst zu begrüßen (vgl. insbesondere denselben 
p. 491). Dem verf. freilich liegen solche gedanken fern; p. 41 
führt er die ganze Umwälzung im gründe auf schriftstellerische 
willkür zurück , während doch , wie die attischen redner (und 
auch noch Polybius) zeigen , selbst der hiat mit den alten prä- 
positionen umgangen werden konnte. 

Die eben berührte schiefe auffassung tritt besonders bei der 
beurtheilung der beiden historikergruppen zu tage. Die autoren 
der zweiten gruppe sind in diesen adverbien viel sparsamer; 
der jüngste von ihnen, Herodian, geht kaum über den attischen 
gebrauch hinaus, während er allerdings für apa und für fiirä 
c. infinitivo sich an die erste gruppe anschließt (p. 59 ff.). Für 
den verf. kann , nachdem er den reichen gebrauch der adver- 
bien bei den einen aus rhetorischer verirrung hat hervorgehen 
lassen , der sparsame bei den andern natürlich nichts anderes 
sein, als „ruhigere und besonnenere auffassung", oder gar „pu- 
ritanische nüchternheit". Andere werden vorziehen gerade hinter 
dieser einfachheit bewußte kunst zu erkennen , und sie mit der 
sonstigen nachahmung der alten muster zusammenzustellen. Lehr- 
reich ist in dieser beziehung das von Krumbacher a. a. o. be- 
handelte adverb ä Kfirjv , zuerst je einmal gebraucht von Xeno- 
phon , Hyperides und Aristoteles , sowie von dem Verfasser der 
pseudoisokrateischen rede an Demonikos (§ 3), wo der aufbau 
des satzes zwingt es trotz dem Urbinas im texte festzuhalten 
und dadurch ein neuer beweis für die unechtheit gewonnen wird. 
Die hellenistischen Schriftsteller, unter diesen mit besonderer Vor- 
liebe Polyb, aber auch Iosephus und Plutarch (in den moralia), 
gebrauchen es statt des schlichten hi, gerade wie sie xt'xXtp dem 
nsyl vorziehen. Dann verwerfen es die atticisten als unklas- 
sisch; und nun bietet kein historiker der zweiten gruppe ein 
beispiel. 



292 56. Griechische grammatik. Nr. 5. 

Dem was p. 29 — 31 über die casus Verhältnisse bemerkt ist, 
kann ich ebensowenig beistimmen. „Das drei Casussystem, wie es 
in der altepischen spräche ausgebildet vorliegt , ist im laufe der 
zeit auf die rection mit dem genitiv und dativ eingeschrumpft; 
denn der accusativ ist lediglich durch mg vertreten". Sind denn 
bei Homer noch andere adverbia außer cav mit dem accusativ 
verbunden gewesen ? hat nicht umgekehrt die kaiserzeit zu mg f<m 
hinzugefügt, das bei Arrian zweimal mit dem accusativ vorkommt 
(Krebs p. 39)? Es braucht auch gegenüber dem, was Krebs 
a. a. o. weiter bemerkt, nicht ausgeführt zu werden, daß, wenn bei 
den praepositionsadverbien der accusativ weniger dominiert und 
der dativ mehr zur geltung kommt, als bei den präpositionen 
im gleichzeitigen gebrauch, dies nicht aus Vorliebe für die be- 
treffenden casus oder dem streben ein aequivalent zu schaffen, 
erklärt werden kann ; nag* ilnita wurde nicht durch ilniöog n?Qa 
verdrängt, weil man dem genetiv räum schaffen wollte, sondern 
weil nsga passender schien ; der genetiv war nothwendige folge. 
Was p. 48 über die „doppelfälligkeit" von ovveyfvg bemerkt wird, 
ist auch wenig glücklich. 

Durch diese gegenerinnerungen soll das verdienst der ab- 
handlung nicht geschmälert werden. Dasselbe beruht nament- 
lich in der feinheit und Sorgfalt der einzelbeobachtung. Viel 
werthvolles wird im vorbeigehn mitgetheilt. Welchen gewinn 
die literargeschichte aus der schrift ziehen kann, lehrt das oben 
über die gruppierung der historiker angemerkte. Ich verweise 
auch auf die besprechung des Iosephus p. 14 — 16. — Auf was 
für eine Chronologie von Aelians leben ist aber basiert, was p. 59 
zu lesen steht: ,,(die construction von apa tm mit dem infinitiv) 
erreicht bei Herodian eine ansehnliche Stellung, von der sie bei 
Aelian wieder zurücktreten muß, welche sie jedoch bei Zosimus 
wieder erobert " ? Darf man ferner noch jetzt in dem sinn, wie 
der verf. p. 27 und 28 thut, von des Polybius „Pragmatismus" 
sprechen ? 

Als druckfehler merke ich an p. 18 Xen. Cyr. 1, 2, 22 
(lies 1, 6, 22), 4, 2, 11 (lies 10); p. 53 anm. Pol. 4, 78, 8 
(lies 4, 74, 8) und 4, 18,12 (lies 11); p. 9 ist der falsche ac- 
cent xatavTinsgaf (Pol. 9, 41, 11) Hultsch nachgedruckt. 

Was der zweite theil, den das I. auf dem titelblatte an- 
kündigt, enthalten wird, verrätb der verf. nicht. Dagegen wird 



Nr. 5. 57. Griechische grammatik. 293 

p. 11 eine Untersuchung über die besonderheiten der appiani- 
schen spräche und deren mischung mit neuionischen dementen 
versprochen. Man hat grund sich auf die eine wie die andere 
arbeit zu freuen. Jacob WacTcernagel. 

57. Deoptativo futuri, commentatio philologica, quam 
...in academia Monasteriensi in publico defendit Franciscus 
Faßbaender, Rhenanus. Lipsiae 1884. 

Die geschichte einer griechischen Spracherscheinung ist unter 
allen umständen eine dankenswerthe aufgäbe, um so mehr, als 
es zur zeit noch an einer historischen syntax der griechischen 
spräche fehlt und eine solche nur mit hülfe von specialuntersu- 
chungen geschaffen werden kann. Es ist daher auch nicht zu 
verwundern, daß gerade im letzten decennium auf diesem ge- 
biete eifrig gearbeitet worden ist. Davon hat namentlich die 
lehre von den präpositionen und den temporibus bedeutenden 
nutzen gezogen, zumal wenn die betreffenden abhandlungen durch 
linguistische Studien, durch vergleichung mit dem Sprachgebrauch 
anderer indogermanischer Völker vertieft waren. Die vorliegende 
abhandlung über den optativ. futuri nun beschränkt sich ganz 
auf das griechische; naturgemäß, da der optativ. futuri gleich 
dem infinitiv dieses tempus eine neuschöpfung der griechischen 
spräche ist , wie er denn auch von Delbrück im alten sanskrit 
nicht angetroffen worden ist (vgl. Syntaktische forschungen IV, 
p. 99). Daß er bei Homer noch nicht vorkommt 1 ), liegt in der 
natur der sache, und hätte vom Verfasser leicht damit begründet 
werden können , daß dem Homer die oratio obliqua vollständig 
abgeht. Von griechischen autoren, bei denen sich der gebrauch 
des optativ. futuri nachweisen läßt, finden wir aufgezählt : Pindar 
(1), Herodot (3), Aeschylus (2), Sophokles (14), Euripides (2), 
Aristoteles (6), Thukydides (15), Xenophon (141), Plato (32), 
Antiphon (4), Andokides (1), Lysias (6), Isokrates (5), Isäus (5), 
Demosthenes (11). Aeschines, Lykurg, Hyperides, Dinarch ha- 
ben keine beispiele geboten (vgl. p. 59). Ueber die übrigen 
griechischen autoren erhalten wir keine auskunft. Das gebotene 

1) Auch das passive futur von dem mit & gebildeten aoriste und 
das aspirierte perfekt sind den homerischen epen noch fremd (daher 
xixona) und erst später entstanden, während das futur passivi von dem 
starken aoriststamme nur für die verba daqatrat und /uiyqoeofrat nach- 
weisbar ist. 



294 58. Lexicographie. Nr. 5. 

ist sehr zuverlässig, da der verf. mit großer Sorgfalt alle in frage 
kommenden stellen genau geprüft und überall die kritische sonde 
angelegt hat: in einer anzahl von stellen ist daher auch (p. 3 
— 5) der nicht sicher beglaubigte optativ. futuri durch den in- 
dikativ dieses tempus oder durch den konjunktiv resp. optativus 
aoristi oder den optativus präsentis ersetzt worden, ebenso wie p. 
50 — 57 der vielfach überlieferte optativ. futuri mit av durchweg 
als unrichtig und sprachwidrig verworfen und verbessert wird. 
Auch hat der verf. sich angelegen sein lassen, die primär ab- 
hängigen sätze (mit oti und abhängigen fragen) von den sekun- 
där abhängigen (konditionalen, relativen, kausalen, finalen) sorg- 
fältig zu scheiden. Wunderbar ist mir nur erschienen, daß er, 
soweit ich sehe, an keiner stelle seiner schrift einer den gleichen 
gegenständ behandelnden arbeit von Klemens, De futuri optativo, 
Breslau 1855 erwähnung gethan hat. Hat er sie nicht gekannt 
oder absichtlich ignoriert? Wohl hätte ich mir nicht entgehen 
lassen , einen vergleich zwischen beiden anzustellen , wenn mir 
letztere zugänglich gewesen wäre. 0. Weise. 

58. G. A. Saalfeld, deutsch - lateinisches handbüchlein 
der eigennamen aus der alten, mittleren und neuen geographie. 
Leipzig, Wintersche Verlagshandlung. 8. 1884. 

Das vorliegende 24 bogen umfassende buch ist nach dem 
von der Verlagsbuchhandlung ausgegebenen prospekt, „da es 
seiner ganzen anläge nach eine wesentliche ergänzung zu den 
lateinischen lexicis und handwörterbüchern bilde", in erster linie 
für die schüler der oberen klassen höherer lehranstalten ge- 
schrieben , „nicht weniger könne es der Student und der junge 
gelehrte mit vortheil benutzen". So gern wir das letztere zu- 
geben und so freudig wir das buch als gäbe für philologen in 
schule und Universität begrüßen, ebenso entschieden müssen wir 
die unentbehrlichkeit desselben für die schüler in abrede stellen, 
da die schüler höherer lehranstalten wohl häufig in die läge 
kommen, sich über die in den klassischen autoren vorkommenden 
geographischen eigennamen aufklärung zu verschaffen, die ihnen 
jedes gute lateinisch - deutsche handwörterbuch giebt, jedoch 
schwerlich häufig veranlassung finden werden, einen modernen 
namen zu latinisieren. Denn die lateinischen exercitien und 
extemporalien werden wohl meist an die lektüre angeschlossen, 



Nr. 5. 58. Lexicographie. 295 

die antiken geographischen nomina propria aber müssen dem 
schüler, soweit er sie bei scriptis und aufsätzen braucht , durch 
den Unterricht geläufig geworden und bekannt, sein. 

Was nun den inhalt und die anläge des buches betrifft, 
so ist zunächst hervorzuheben , daß der stoff eben mit rücksicht 
auf die angeblichen bedürfnisse der schule mancherlei einschrän- 
kungen erfahren hat. Ferner sind die verschiedenen lateinischen 
namensformen , die im laufe der verschiedenen Jahrhunderte für 
einen und denselben geographischen ausdruck gebräuchlich ge- 
wesen sind und vom verf. gewissenhaft sämmtlich registriert 
werden , durch verschiedenen druck unterschieden , sodaß man 
die gangbarste und beste sofort herausfindet. Quellenangaben 
fehlen. Ueberall sind die adjektiva beigefügt. Das ganze ist 
übersichtlich gruppiert , druck und ausstattung lassen nichts zu 
wünschen übrig. 

Sollte das mit großem fleiße und peinlicher Sorgfalt gear- 
beitete buch, wie wir lebhaft wünschen, eine zweite aufläge er- 
leben, so möchten wir den verf. bitten: 

1. das buch zur benutzung für lehrer und gelehrte zu be- 
stimmen und daher den stoff vollständig vorzuführen. In seiner 
jetzigen gestalt ist es für schüler noch zu ausführlich, sodaß noch 
manches überflüssige hätte entfernt werden können z. b. p. 386 
Menbigz, Mend, Menden, Mendes, Mendris oder p, 174 Fläsch, ge- 
meinde in Graubünden, statt dessen das viel bekanntere Finster- 
münz = venustus mons aufnähme hätte finden können. 

2. die erst im mittelalter oder in der neuzeit gebildeten 
oder übersetzten namen von den altlateinischen durch Sternchen 
zu unterscheiden, was besonders deshalb nöthig ist, weil viele 
von ihnen ein so antikes gepräge haben , daß man ihre späte 
bildung an der form nicht erkennen kann. 

3. soweit als möglich, die etymologie anzugeben, die nur 
sporadisch z. b. bei Golkonda, lateinisch Dachinabades = sans- 
krit Dakshinäpathas verzeichnet ist. Denn dadurch erhält man 
erst einen einblick in das sprachgetriebe und einen besseren 
anhält zur einprägung für die form. So wird die latinisierte 
bezeichnung für Memleben lemelevum erst verständlich , wenn 
man auf die urkundlich überlieferte grundform Imunleba — 
„Immo's hinterlassenschaft" zurückgeht; ebenso giebt die etymo- 
logie auskunft darüber, daß Zwickau (urkundlich Zwikowe 1118), 



296 59. Handschriftenkunde. Nr. 5. 

welches durch latinisierung zu Cygnea, Cygnavia geworden ist, 
von altslovenisch suvejhova, sorbisch svikova „ort am windberge, 
windhausen" herrührt. Die form Cygnavia kommt zuerst auf 
einer nach 1500 von dr. Stella gefertigten und mit 1030 da- 
tierten fälschung vor und hat veranlassung zu der im 15. und 
16. Jahrhunderte entstandenen sage vom schwan und schwanen- 
teiche gegeben. Desgleichen würde beim namen der Ardennen 
(Arduenna) der hinweis auf den für einen früheren theil dieses 
gebirges noch üblichen, wahrscheinlich mit Arduenna identischen 
namen Hohe Venn (vgl. arduus = zendisch eredhva, hoch) am 
platze gewesen sein, u. s. f. 

5. die zahlreichen keltischen ortnamen auf äcum nicht, wie 
z. b. Georges, auf der pänultima mit dem kürzezeichen zu ver- 
sehen, also nicht Mogontiacum (Mainz), Mussiäcum (Moissac), Pau- 
liacum (Pouilly) zu betonen , sondern wie bei Bagäcum richtig 
geschrieben ist , Mogontiacum etc. ; ebenso bei denen auf magus 
und magum überall ein kürzezeichen anzuwenden, also nicht Re- 
mägum oder Noviomagum ohne quantitätsangabe zu schreiben. 

4. im anschluß an die p. IX — XII gegebenen regeln über 
die latinisierung der modernen endungen wie ach, ach in äcum 
oder achium u. s. f. auch die etymologie derselben, die ja ur- 
sprünglich meist substantiva waren , in kürze anzugeben z. b. 
ach = aqua oder slavisch gorod, grod, gard = altslovenisch 
gradü, bürg, schloß oder keltisch magen, z. b. in Remagen, Neu- 
magen = magus, feld u. a. 

Dann wird das buch , dessen brauchbarkeit für philologen 
auch in seiner jetzigen gestalt keinem zweifei unterliegt und das 
daher in keiner gymnasialbibliothek fehlen sollte , den anforde- 
rungen, die gelehrte an dasselbe stellen können, entsprechen. 

O. Weise. 

59. A. Papadopoulos Kerameus, MavQoyooSäzEwg 
ßißlto&rjxt], 1. Lesbos. Constantinopel 1884. — (Den vollstän- 
digen titel s. oben heft 4, p. 284.) 

In bezug auf* die handschriftlichen schätze der klöster des 
griechischen Orient waren wir bis jetzt angewiesen auf Coxe, 
Report to H. M. government on the greek mss. yet remaining 
in the libraries of the Levant, London 1858 und auf die nach- 
gelassenen papiere eines englischen ungenannten reisenden die 



Nr 5. 59. Handschrifteiikunde. 297 

in einem russischen buche abgedruckt sind : Gretscheskia kni- 
gochranilischtsche, Moskau 1871. Beide werke, die trotz ihres 
geringen alters zu den größten bibliographischen Seltenheiten 
gehören, sind sehr kurz und skizzenhaft, und es war hohe zeit 
die arbeit wiederaufzunehmen, oder vielmehr die genauere kata- 
logisirung zu beginnen. 

Bei der großartigen freigiebigkeit für wirklich nationale 
zwecke , welche die reichen Griechen unserer zeit auszeichnet, 
fanden sich bald die nöthigen geldmittel für ein derartiges un- 
ternehmen. Th. Mavrogordatos stellte dem Syllogos in Constan- 
tinopel eine summe von ungefähr 13,000 mark zur Verfügung 
und dieser beauftragte den verf. die griechischen handschriften 
der orientalischen klöster zu katalogisiren. — Ein vielverspre- 
chender anfang dieses mühsamen und weitaussehenden werkes liegt 
uns jetzt in dem ersten bände vor, der sich auf Lesbos bezieht. 

Zuerst gibt der verf. in einem bericht an den Vorsitzenden 
des Syllogos (p.T — ia) rechenschaft über seine Vorgänger, welche 
palaeographische reisen in den orient gemacht haben; in dieser 
liste fehlen aber nicht nur die in Moskau herausgegebenen 
papiere jenes unbekannten Engländers, sondern auch Kondakor, 
Putesestwie na Sinaj v 1881 godu. Odessa 1882. 

Dann folgt (p. ««' — k) ein rechenschaftsbericht über die 
eigene reise nach Lesbos. 

Der daran sich anschließende katalog (p. 1 — 44) beginnt 
mit einem vorwort (p. 16) in dem zunächst die manen des Hel- 
lanikos von Mitylene, Myrsilos von Methymne, Phanias von Eresos 
u. s. w. heraufbeschworen werden und geht dann über zu den 
achtzehn klöstern dieser insel, und einigen Urkunden zur geschichte 
derselben. P. 17 beginnt der eigentliche catalog trjg (xovijk' Au- 
p<nio± (27 nr.), mit nr. 1 einem uncialen evangeliarium, das ref. 
nicht wie der verf. vorauszusetzen scheint dem 11. — 12. Jahr- 
hundert d. h. der jüngsten liturgischen uncialschrift, sondern nach 
der Schriftprobe vielmehr der zeit von 995 zuweisen möchte. 

Dann folgen die anderen handschriften von Lesbos fast 
alle ausschließlich theologischen inbalts, zugleich mit Verweisungen 
auf Fabricius und Migne's Patrologie. Wir müssen dem verf. 
für diese mühsame arbeit dankbar sein, wenn sich auch nicht 
verkennen läßt, daß sie hier und da noch etwas weiter hätte 
fortgeführt sein können : 



298 59. Handschriftenkunde. Nr. 5. 

P. 19 im cod. 2 citirt er: AäBAOT hytiMa ^Caßßdrm ä 
7<x>v NTj<S7fiät>" anfangend £2g nolv ?o nlfj&og nr).. Dieser un- 
bekannte ist vielmehr Nectarius de festo Theodori bei Migne 
Patrol. gr. 39, p. 1821. 

P. 24 cod. 7 (38) ANACTACLOT . . ««I KTÜPIANOT 
ix&eotg owto/aos i^g 6q&o86£qv m'aTtmg findet sich bei Migne 89, 
p. 1400. 

P. 36 cod. 16 (3) MaQTvgiov Atuvvainv rnii 'Agionayirov 
ist abgedruckt bei Migne patrol. gr. 4, p. 590 Symeon Me- 
taphrastes. 

P. 43 cod. 26 (6.) NtiXov ^npa^ov sig tt/v avaiosaiv xzX. 
= Migne 79, p. 589. 
„ „ (10.) Bing xa) noX. A&ccraaCov = Migne 25, 

p. CLXXXV. 
„ „ (16-) Biog rQTjyogiov Na£. = Migne 35, 

p. 244. 

P. 39 cod. 22 heißt es von einer Basiliushandschrift (saec. 
XI) ygacpfp vnb Weofiaia iivbg ictog in zrj Karm 'haXCa. Ein 
solcher Schreiber war bis jetzt nicht bekannt. Sollte hier nicht 
vielmehr zu lesen sein vrro 'Pojfiai'ov? 

Dann folgen vier tafeln die in Chromolithographie nachbil- 
dungen der wichtigeren handschriften geben, deren nummern aber 
in den Unterschriften selbst nicht citirt werden , dadurch wird 
ihr gebrauch bedeutend erschwert. Es ist z. b. dem ref. trotz 
mehrfachen suchens nicht gelungen , aufzufinden , wohin auf der 
ersten tafel das facsimile eines alphabetisch geordneten lexi- 
cons gehört, das nach der Unterschrift im jähre 1263 geschrieben 
wurde. Hoffentlich wird der verf. in den weiteren bänden seine 
Schriftproben deutlich bezeichnen ; auch im text den ganzen hand- 
schriften Überschriften, nicht wie bisher bloß den einzelnen theilen. 

Den beschluß bilden mit besonderer paginirung (p. 1 — 22) 
'AvexSora tXXtjrixä nemlich eine lebensbeschreibung des Germanos 
von Constantinopel und p. 18 briefe des Theophanes und Geor- 
gius aus der renaissancezeit. Das bis jetzt vorliegende bricht 
mit der einleitung zu jenen briefen ab , den eigentlichen text 
dem zweiten bände vorbehaltend. 

Wir sehen der fortsetzung mit Spannung entgegen, nicht in 
der hoffnung dort neue texte für die alterthumswissenschaft zu 
finden , denn die erforschung des Athos und Sinai hat gezeigt 



Nr. 5. 60. Homeros. 299 

daß in dieser beziehung von den bibliotheken der byzantini- 
schen mönche wenig oder garnichts mehr zu hoffen ist , sondern 
in bezug auf die palaeographie , abgesehen natürlich von den 
handschriften die für die theologie wichtig sind. 

Der vorliegende band zeigt daß der verf. seiner aufgäbe 
gewachsen ist ; er besitzt die nöthigen palaeographischen kennt- 
nisse für das lesen und abschreiben der handschriften , ferner 
aber auch fleiß und Sorgfalt für die nothwendigen nachweisungen 
und beweist zugleich eine große Vertrautheit mit den neueren 
litterarischen erscheinungen die seine arbeit unterstützen können. 

V. Gardthausen. 

60. Homeri Iliadis carmina seiuncta discreta emendata pro- 
legomenis et apparatu critico instructa edidit Guilelmus Christ. 
Lipsiae in aedibus B. G. Teubner. 2 voll. 1884. IV, 742 p. 8. 

Die vorliegende ausgäbe mit ihren 185 seiten füllenden pro- 
legomenen bietet eine Zusammenfassung jahrelanger, in zahlreichen 
einzelscbriften niedergelegter Untersuchungen, welche Christ den 
homerischen dichtungen gewidmet hat. Der name eines so her- 
vorragenden und vielseitigen forschers sichert ihr von vornherein 
das vollste interesse, welches durch die umsieht und besonnen- 
heit der arbeit , den unermüdlichen fleiß und unparteiische ge- 
wissenhaftigkeit , feinheit und Originalität der auffassung sich 
nicht getäuscht finden wird. Die einfachheit der darstellung 
und die klarheit der beweisführung werden selbst jene gern und 
willig folgen lassen , welche heute in zunehmender zahl das 
dickicht üppig wuchernder homerischer Specialforschung , durch 
welche die wege immer mehr verlegt erscheinen, zu betreten sich 
bedenken. Ich möchte diese fugenden unseres kühnen führers 
um so lieber anerkennen und anerkannt sehen, als manche end- 
ergebnisse der arbeit kaum auf eine gleich entgegenkommende 
aufnähme zählen können. 

Die dem texte vorausgeschickte einleitung handelt über die 
entstehung der Ilias § 1 — 46 und die geschichte ihres textes 
§ 47 — 113. Die in dem ersten theil dargelegte ansieht des 
verf. 's ist in großen zügen folgende : die Ilias ist nicht aus ein- 
zelnen liedern noch aus mehreren epen verschiedener dichter 
zusammengefügt worden, sondern sie ist in ihrem kern d.i. etwa 
in der hälfte ihres gegenwärtigen bestandes die einheitliche com- 



300 60. Homeros. Nr. 5. 

position und das werk eines dichters, des Homeros, welches 
im laufe der zeit theils durch denselben dichter theils durch an- 
dere erhebliche erweiterungen , durch rhapsoden und redactören 
zusätze erfahren hat , bis es unter Pisistratus die uns überlie- 
ferte form erhielt. Daß das, was wir als Vorzüge eines kunst- 
epos zu erwarten geneigt sind, widerspruchslosigkeit der motive 
und Voraussetzungen der handlung, harmonie und ebenmaß, 
feste Verbindung und enge beziehung der theile, in geringem 
grade vorhanden ist , erklärt sich aus der art , wie Homer 
dichtete und das gedichtete mittheilte. Denn das werk wurde 
stückweise ausgeführt , so daß zwischen der abfassung seiner 
einzelnen theile lange jähre liegen, und diese theile kamen, ohne 
einer ausgleichenden revision unterzogen zu werden, vor abschluß 
des ganzen zum Vortrag (vgl. Prol. p. 22 ff., 55 ff.). Und zwar 
lassen sich nach der letzten rectificirteu meinung des verf.'s 
(Epil. 731 ff. und Abhandlungen der bayerischen akademie I. cl. 
XVI. bd., p. 123 ff.) vier massen unterscheiden, die successive 
entstanden und folgende verse enthalten x ) : 

A: 1 (A 1-305). 2* (A 306—611). 18 (A 1-595). 
25* (O 592—746. 77). 27*. 28*. 29*. (P. 2 1—242). — B: 3* 
{B 87— 284. 780—815). 5 (r 1 — 120.245—461). 6 (F 121— 
244). 7 (J 1—222. 446— 544). 8 (^222—445). — C: 20 (M). 
21 (iV). 22* (S 153—522). 23 (0 1—366). 9 (£1—430). 10* 
(E 431—626. 698—909). 11 [Z 1—117. 237— H 7). 12 (Z 
119—236). 13 (H 8-312). 24. (O 415—591). 26 (72 419— 
867). — D: 29** (2 1—242). 30 (^ 243—355). 32* (T 1 — 
356). 33 (T 357—424. T 381—495). 35 (# 1—227). 37 (# 
526—611. X 1-515). 38 (* 1—256). Vor der Vollendung 
des ganzen d. i. vor hinzufügung von E: 40 (ß 1 — 804) starb 
der dichter und hinterließ das werk seinen schülern, es zu vol- 
lenden und zu erweitern, welche, von kleineren emblemen abge- 
sehen, nach und nach folgende partieen hinzucomponirten : F: 14 
(H 313— ende). 15 (0). 16* (I 89—431. 624— ende). 19* (A 
596—848). 22** (5 1—152). — G: 32** (T 90—351). 34 (T 
75_353). 36 (#227—525). — H: 17 (A). 31* (^369-617). 

1) Die zahlen bezeichnen die von Christ reconstruirten einzellie- 
der, die zahlen mit einem Sternchen * ihre älteren, die mit zwei ** 
ihre jüngeren durch den druck unterschiedenen bestandtheile. Die 
liederumfänge des textes und des Verzeichnisses in den Prol. p. 57 ff. 
stimmen nicht bei 28 (p. 59). 7 (p. 60). 8 (p. 61). 






Nr. 5. 60. Homeros. 301 

39* (»P 257-897). 16** (/ 1—713). 4* (B 484-779). 19** 
\A 596— 748). 31** (2"369— 617). Was dann durch die rhap- 
soden hinzukam, wird § 14 — 18 verzeichnet. 

Schon der allmähliche ausbau des epos, der von Homer her- 
rührt, bedingte Veränderungen des ursprünglichen planes. So 
sollte mit der äußersten bedrängnis , welche Patroklos' tod über 
die Achaeer brachte (2 242), abgeschlossen werden, wie daraus 
hervorgeht, daß der zweite theil der Ilias (DJ jünger ist als der 
alte kern (A) und seine erweiterungen [B und C). Diese selbst 
brachten eine retardierung der handlung mit sich , zu welcher 
sich der dichter „erst nachträglich verstehen konnte , nachdem 
sein gedieht in's große ausgewachsen war und auch solch eine 
retardierung von fünf gesängen (B — H 2 ) verstattete" (Abh. p. 180). 
So mochte anfänglich für die ereignisse des dritten schlachttages 
ein anfang wie für die des zweiten [A) in aussieht genommen 
sein, allmählich kamen die lieder 26. 28 und 20 — 25 hinzu 
(Prol. p. 41). Die zahl der kämpfe wuchs mit der zahl der 
kämpfenden; zu den nördlichen Lykiern gesellten sich die süd- 
lichen. Die einfache lagerbefestiguug wurde durch wall und 
mauern ersetzt. 

Aber nicht bloß aus der langen dauer der dichterischen 
arbeit, sondern noch mehr durch die form derselben erklären 
sich Unebenheiten des tones, lockerungen des Zusammenhanges 
und mannigfache Widersprüche. Homer dichtete nämlich, wie 
das vor ihm üblich war, in der liedform. Nur gesänge mäßigen 
umfangs, nicht lange epen konnten zum vortrage gelangen, und 
jene forderten eine gewisse Selbständigkeit. Die grenzen dieser 
einzellieder , deren 40 angenommen und im texte verzeichnet 
werden, aufzuspüren und festzustellen, läßt sich darum der verf. 
sehr angelegen sein. Sie verlangten nicht, die beziehungen des 
einzelnen liedes mit vorausgebenden und nachfolgenden zu be- 
tonen ; sie ließen den dichter um der actuellen Wirkung willen 
motive einführen, die später niebt wieder aufgenommen wurden, 
indem er sie vergaß ouer von seinen zuhörern für vergessen hielt. 
So konnte Sarpedon E 660 ff. am ersten schlachttag schwer ver- 
wundet werden, am übernächsten (M und /7) sich gesund am 
kämpfe betheiligen •, so konnte der am zweiten tage am arm ver- 
wundete Deiphobos (A 527 ff.j am nächsten tage (X 227 ff.) seinem 
bruder Hector in der todesstunde beistehen. „Denn da jene 
Philol. Anz. XV. 21 



302 60. Homeros. Nr. 5. 

gesänge nicht unmittelbar nach einander vorgetragen wurden, 
so mochte der dichter es seinen zuhörern überlassen sich in- 
zwischen die helden wieder geheilt zu denken" (Abb. a. a. o. 
p. 184). So bravichte der dichter sich nicht zu erinnern A 195, 
daß nach A 423 sämmtliche götter zu den Aethiopen sich be- 
geben hatten. (Sed ut obdormiscendi et obliviscendi copiam face- 
remus, librum primum in duo carmina divisimus et alteram partem 
A 318 — 611 alio die aut saltem interiecto aliquo temporis inter- 
vallo cantatam esse statuimus. Prol. p. 48). Derselbe Diomedes 
kämpft E kühn gegen Aphrodite und Ares, der Z 129 in from- 
mer scheu den kämpf mit göttern ablehnt. So durften ereig- 
nisse unmittelbar folgender tage als längst vergangen oder einst 
geschehen bezeichnet werden (Prol. 45). Wo der Zusammen- 
hang stärker verdunkelt ist wie z. b. zwischen A und den fol- 
genden büchern, in welchen die in A geschaffene läge sich nicht 
bemerkbar macht, oder zwischen E und 77, indem Hector ohne 
des früheren treubruches zu gedenken, neuerdings zum Zwei- 
kampf auffordert, kann die phantasie der hörer aushelfen, indem 
Zeus verschwiegene absiebten ausführt (Neque quidquam est cau- 
sae, cur superbi regis animum a Iove, fastus et superbiae vindice, 
occaecatum et in perniciem, ut aiunt , praeeipitatum fingere voluisse 
poetam negemus Prol. 37, rerum inconcinnitatem ita non defendamus 
sed excusemus, ut causam violati foederis magis ex lovis consilio 
quam ex Troianorum impietate repetendam esse dicamus Prol. 38). 
Selbst contrastirende Situationen , wie der kampfesmuth in A 
nach den schweren niederlagen von & lassen sich so leichter 
ertragen. 

Nur einer gattung von Widersprüchen gegenüber zeigt sich 
der verf. sehr empfindlich, solchen nämlich, die sich auf die lo- 
calität der handlung beziehen , ohne daß gründe für diese ver- 
schiedene abschätzung ersichtlich wären. An sich wird vielen 
die Staffage gleichgültiger scheinen als die handlung; sie werden 
die läge des flusses und der staut für ebenso variable momente 
angesehen wissen wollen, wie die aufstellung der contingente im 
schiffslager, die Ordnung der Achaeer in der Epipolesis und die 
fünftheilung der Troer, von denen es in der abhandlung (p. 185) 
heißt : „solche dinge schafft der dichter , der ja keine general- 
stabskarte entwirft, mit dem spiel der freien phantasie und läßt 
sie wieder fallen , wenn er sie für seine dichterischen zwecke 



Nr. 5. 60. Homeros. 303 

nicht mehr bedarf". Eine controlle durch seine hörer konnte 
ihm in diesen dingen weniger drohen als in anderen. 

Doch ein eingehen auf einzelnes muß sich eine auf engen 
räum beschränkte anzeige versagen, von der man auch zunächst 
ein urtbeil über die hypothese im ganzen erwarten wird. Diese 
erscheint mir nicht schlechter, aber auch nicht besser als andere 
hypothesen, welche bis auf die einzelnen verse durchgeführt wer- 
den wollen. Wir haben es da immer mit rechnungen zu thun, 
die ohne bedeutende reste nicht aufgehen, deren detaillirte aus- 
führung heute zu dem, morgen zu einem anderen resultate führt, 
wie in dem vorliegenden werke eine vergleichung der Prolego- 
mena mit den Epilegomena darthun kann. Daraus ergeben sich 
begründete bedenken, ob mit den uns zu geböte stehenden mit- 
tein das problem eine wissenschaftliche lösung gestatte, ob die 
Zerlegung des ganzen in viele theile verschiedenen Ursprungs 
und verschiedener zeit viel mehr als eine deutlichere veranschau- 
lichung der hypothese bedeuten könne. Gegen die richtigkeit 
der hypothese selbst folgt daraus noch nichts. Diese selbst 
kommt der liedertheorie auf halbem wege entgegen, nicht bloß 
dadurch, daß in bezug auf einzelne partien wie B — H ausdrück- 
lich zugestanden wird, daß der dichter „mehrere einzellieder der 
älteren epoehe des heldengesanges mit in sein neues großes werk 
herein gezogen hat" (Abhandlung a. a. o. p. 180), sondern doch 
auch durch die feststellung von 40 kleineren gesängen , welche 
Homeriden und rhapsoden bei verschiedenen gelegenheiten ge- 
sondert zum Vortrag brachten. Beachtenswerthe indicien für er- 
kenntniß derselben hat Christ in besonderen Untersuchungen (in 
den Jahrb. für phil 1881, p. 145 ff 433 ff.) nachgewiesen, wäh- 
rend die zurückführung ihrer titel bis in die zeit der rhapsoden 
und darüber hinaus nicht erweisbar sein dürfte. Dadurch schei- 
nen mir merkliche und wesentliche züge der ursprünglichen dich- 
tung aufgefunden , deren gewicht auch Christ vermochte , in ihr 
nicht ein epos uns geläufiger Vorstellung, sondern einen epischen 
liederkranz zu erkennen. Das glaubt auch die liedertheorie, 
nur daß diese die grundlinien des planes, dem sich diese lieder 
anschmiegten, durch die sage gezogen denkt, während Christ 
in der conception des planes die große that Homer's erblickt. 
Ich empfinde es mit bezug auf diesen punkt als einen mangel, 
daß Christ uns seine meinung über die grenzen der sage und 

21* 



804 60. Homeroe. Nr. 5. 

dichtung vorenthielt. Allerdings dürfte es ihm von seinem Stand- 
punkt aus schwer sein, den zorn als ein motiv zu erweisen, das 
die sage nicht kannte. Das ist aber das um und auf des planes. 
Noch entschiedener trennt sich Christ von den unitariern, 
wofern von solchen noch die rede sein kann, durch die Überzeu- 
gung, daß umfangreiche jetzt in den büchern M — 591, H 313 — K 
und B — H 1 enthaltene liedergruppen außerhalb des ursprünglichen 
planes lagen und erst nachträglich, wenn auch von Homer selbst 
hinzugefügt worden sind. Diese annähme führt uns auf die eigen- 
tümlichste seite der methode und beweisführung Christs, welcher 
consequenter als irgend einer seiner Vorgänger durch eine ver- 
gleichende prüfuDg ähnlicher scenen, Wendungen und verse, die 
für eine bestimmte Situation gedichtet wurden und an einer an- 
deren stelle verwendet entlehnung oder nachahmung verrathen, eine 
solidere grundlage für die Chronologie, die frühere und spätere 
entstehung der homerischen gesänge zu gewinnen bemüht war. 
Eine frühere abhandlung Christ's über die Wiederholungen ähn- 
licher und gleicher verse in der Ilias (Abhandl. der bayr. akad. 
1880, p. 221 — 272) eröffnete diese Untersuchungen, welche von Sittl 
(die Wiederholungen in der Odyssee, vgl. Ph.Anz. XIII, 1, p. 15) und 
G-emoll (im Hermes XVHI, 34 — 96) in erfolgreicher weise weiterge- 
führt und auf die Odyssee ausgedehnt wurden. Die Prolegomena 
p. 57 — 78 und das fortlaufende verzeichniß der Versus paralleli 
unter dem text lassen in bequemer weise die beziehungen jeder 
partie zu anderen sofort überschauen. Mag auch die natur vieler 
dieser stellen und darunter gar mancher, welche der verf. zuversicht- 
lich in rechnung stellt, ein entscheidendes urtheil über das, was 
original und was copie ist , versagen , mag auch manchmal der 
spätere dichter einen für einen anderen fall gedichteten vers 
glücklicher angewendet haben und können uns auch verse ähn- 
licher oder gleicher art unabhängig von einander erhalten sein, 
indem ihr original mit älteren liedern in verlust gerieth ; es 
bleibt brauchbares material übrig, das wenigstens die chronolo- 
gischen beziehungen zwischen einzigen liedern oder liedercom- 
plexen aufklärt. Wenn aber nach solchen indicien die succes- 
sive entstehung der mit AB C D bezeichneten massen der ur- 
sprünglichen Ilias angenommen wird, wenn daraus daß die verse 
des zweiten theiles des Ilias T 414—5, T 445—8, 53—8 
ungeschickte nachahmungen von A 132 — 3, E 436 — 9, A 403 



I 



Nr. 5. 60. Homeros. 305 

darstellen, gefolgert wird, daß jene später gedichtet sein müssen, 
kommt dadurch nicht der glaube an einen dichter in's wanken? 
Denn Ungeschick, Verkehrtheit, Übertreibung stellen sich doch 
leichter ein, wenn es sich um Wiederholung fremder worte han- 
delt. Selten wird derselbe dichter einen ausdruck individuellen 
gepräges, verse, welche ihn eine eigenartige Situation finden ließ 
und die diese in treuer anschauung widerspiegeln , wieder ge- 
brauchen wollen ; niemals sie an anderen orten wiederholen, daß 
er ihr besonderes gepräge verwischt und als sein eigener unge- 
schickter und gedankenloser nachahmer erscheint. Wo zwei 
stellen wirklich und unverkennbar in dem verhältniß von ori- 
ginal und copie stehen, wird der gedanke an verschiedene hände 
kaum durch den hinweis auf andere gleichheiten zurückgedrängt 
werden können. 

Ich muß es mir versagen , auf andere punkte des ersten 
theiles der Prolegomena näher einzugehen , um noch ein wort 
über den zweiten theil, der sich mit dem text der gedichte be- 
schäftigt und über den kritischen apparat § 47 — 54, über die 
durch die Umschrift aus dem älteren aiphabet entstandenen fehler 
§ 55 — 63 , die aus dem rhythmus des verses zu gewinnenden 
wortformen § 64 71, die äolischen §72 — 77, die altgriechischen 
formen § 78 — 90, das digamma § 91 — 101, offene und contra- 
hirte formen § 102 — 113 handelt, zu erübrigen. Diese Unter- 
suchungen werden, abgesehen von dem zwecke, dem sie dienen, 
ihren werth und ihre bedeutung behaupten ; sie sollen aber die text- 
gestalt rechtfertigen und verständlich machen, in welcher uns der 
verf. die Ilias vorführt, wozu die adnotatio critica selbstverständlich 
allein nicht ausreichen kann. Diese enthält die lesarten der wichti- 
geren handschriften ACD, der scholien und grammatiker, welche an- 
gaben manche berichtigung und ergänzung zulassen, eine auswahl 
von conjecturen, wo nöthig mit kurzer begründung und Verweisun- 
gen auf die Schriften anderer und die in den Prolegomenen enthal- 
tenen Untersuchungen. Das ziel der kritik ist die älteste ge- 
stalt des textes , insoweit sie mit unseren mittein an der hand 
der historischen grammatik erreichbar ist , zu gewinnen , eine 
aufgäbe , welche durch ihre Schwierigkeit wie keine andere die 
forschung lockt und in den letzten decennien die eingehendsten 
Untersuchungen hervorgerufen hat So schließt sich Christs ver- 
fluch an Bekker und Nauck an, nur daß er beide in consequenz 



306 61. Aischylos. Nr. 5. 

und kühnheit der durchführung weit tibertrifft, ohne Fick's ge- 
fährlichere bahnen zu betreten. Principielle bedenken dagegen 
möchte ich nicht laut werden lassen , nicht bloß um nicht von 
Christ unter die nostrates homines gestellt zu werden , welche 
perversa timiditate et animi ohstinatione sich gegen eine solche 
restaurationsarbeit spreizen. Dieselbe ist durch die natur 
dieses textes und seiner überlieferungsgeschichte begründet und 
deshalb nicht erläßlich, weil nicht mehr alle züge des Originals 
hervorgerufen werden können. Wer an sie herantritt, muß den 
muth zu irren haben und auf vielseitigen Widerspruch gefaßt 
sein ; er muß sich oft bescheiden andern zur auffindung des richtigen 
die anregung gegeben zu haben. Indem ich einzelnes der art hervor- 
zuheben mir versage, weise ich nur auf zwei weittragende gesichts- 
punkte hin, welche mir in ihrer durchführung bedenklich erscheinen. 
Der eine betrifft die zahlreichen Veränderungen, welche aus der Um- 
schreibung des textes aus dem älteren aiphabet in das neue ent- 
sprungen sein sollen , eine fehlerquelle , welche sich jetzt beson- 
derer beliebtheit erfreut , gegen welche ich schon vor jähren in 
den Homer, stud. I 2 , 70 ff. mein mißtrauen begründete. Der andere 
bezieht sich auf Wirkungen des digamma , welche ich als uner- 
wiesen hinstellte (Homer, stud. III, 51 ff. 76 ff.), ohne widerlegt 
worden zu sein. Man mag daran zweifeln , ob sich digamma 
mit elision verträgt, daß es aber vor einer liquida gesprochen 
werden konnte , ohne position bilden zu müssen , das verbürgen 
doch die Verbindungen von muta und liquida, vor denen in der 
thesis ein kurzer vokal kurz bleibt, sattsam. Zur lösung dieser 
und anderer Streitfragen wird Christ's Ilias den anstoß gegeben 
und dadurch nicht minder als durch ihre bleibenden resultate 
die anerkennung verdienen, die homerische forschung nachhaltig 
gefördert zu haben. W. Härtet. 

61. Aeschyli tragoediae. Edidit Henricus Weil. 8. 
Lipsiae, Teubner 1884. 

Die letzten monate haben uns auf dem gebiete der aeschy- 
leischen textkritik mit zwei bedeutenden neuen werken beschenkt. 
Weil, der sich durch seine früheren bearbeitungen der aeschy- 
leischen stücke (1858 — 67; Morceaux choisis 1881) allgemein an- 
erkannte Verdienste um die kritik und erklärung des dichters 
erworben , hat uns jetzt eine textausgabe geliefert , die in der 



Nr. 5. 61. Aischylos. 307 

hauptsache dieselben ziele verfolgt wie die Kirchkofische, also in 
erster linie ein treues bild der handschriftlichen Überlieferung zu 
bieten und nur die Verbesserungen in den text zu setzen, die der 
herausgeber für die sichersten und nothwendigsten hält. Die übri- 
gen, die er in reichlicherer auswahl mittheilt als Kirchhoff, ver- 
weist er in die praefatio. Was er mit dieser neuen ausgäbe 
für die emendation des Aischylos geleistet , an wie manchen 
stellen er frühere conjecturen, auch seine eignen , durch bessere 
ersetzt, ja wohl auch bisher übersehene schaden erkannt und in 
glücklicher weise geheilt hat, in wie weit ferner Kirchhoffs aus- 
gäbe auf Weils neueste textconstitution von einfluß gewesen 
und an welchen stellen wir seinem verfahren auch jetzt noch 
unsre beistimmung versagen müssen, das im einzelnen darzulegen 
hoffe ich spätei gelegenheit zu finden. Zu beklagen ist es, daß er 
für die recognitio des textes Weckleins soeben erschienene aus- 
gäbe noch nicht hat benutzen können. Daß alle auf die colla- 
tion des Mediceus bisher verwandten bemühungen ihr ziel , eine 
genaue, die verschiedenen hände scharf unterscheidende feststel- 
lung seiner lesarten, bisher noch nicht erreicht hatten , war seit 
längerer zeit bekannt. Daß die in Weckleins ausgäbe gebotene 
vergleichung Vitellis endlich diesem mangel abhelfe, dürfen wir 
bei der bewährten paläographischen Schulung und Sorgfalt dieses 
gelehrten zuversichtlich hoffen 

Es ist nicht meine absieht noch dieses ortes in eine Würdi- 
gung der ergebnisse dieser neuen vergleichung einzutreten , die 
ich vielmehr einer spätem anzeige von Weckleins Aeschylus 
vorbehalte. Dagegen möchte ich auf das merkwürdige Schauspiel 
hinweisen, das uns die beiden neusten herausgeber des Aeschylus 
durch den frontwechsel darbieten, den sie hinsichtlich der grund- 
frage der aesehyleischen recensio in ihren ausgaben vollzogen 
haben. Während Wecklein , der bis vor kurzem an einer selb- 
ständigen , vom Mediceus unabhängigen quelle für die textge- 
stalt der jüngeren handschriften festhielt, neuerdings in Dindorfs, 
Kirchhoffs u. a. lager übergegangen ist , hat Weil , der früher 
auch für die drei ersten stücke mit Dindorf den Mediceus für 
die grundlage einer vernünftigen kritik erklärte (Septem 1862, 
p. XIX), nun seinerseits die vertheidigung der von jenem preis- 
gegebenen Stellung übernommen. Dies ist verwunderlicher als 
jenes: denn Wecklein hatte sich ja auch früher bereits zu dem 



308 61. Aischylos. Nr. 5. 

allerdings für seine damalige meinung sehr bedenklichen ge- 
ständniß genöthigt gesehen, „daß die Dindorfsche methode zwar 
nicht theoretisch, wohl aber praktisch die richtige sei" und „sich, 
so zu sagen, durch ihre resultate gerechtfertigt habe" (Phil. XXXI, 
720. 716). Um so neugieriger müssen wir auf die gründe sein, 
mit denen Weil seine neue ansieht vertritt. 

Er hat uns die entscheidung für oder gegen ihn recht be- 
quem gemacht, denn er läßt dieselbe lediglich von dem urtheil 
über eine stelle abhängen, die er für den markstein dieser grund- 
frage der aescbyleischen recensio erklärt. Er sagt : cornubus tau- 
rum prendamus ab eo loco exorsi, qui prout de eo sentias in alteram 
utram partem rem deeidit. Es ist dies die stelle Septem 170 ff. 
Kirchhoff, wo alle jüngeren apographa nach 177 einen vers über- 
liefern, der dem Mediceus fehlt: totavza tllv (oder Ö' av) yvvm^l 
avvvaimv fpic. Je nachdem man diesen für acht hält oder nicht) 
ist, urtheilt er, jene frage in seinem oder in dem entgegenge- 
setzten sinn entschieden. Bekanntlich hat Dindorf den vers für 
eine byzantinische interpolation erklärt, und wie viele, wie frü- 
her Weil selbst, hat sich auch Kirchhoff diesem verdict ange- 
schlossen Jetzt giebt Weil zwar zu, daß der vers ohne schaden 
für den gedankenzusammenhang fehlen könne, aber er bestreitet 
zunächst, daß er absurd sei, wofür ihn Dindorf erklärt hat. 
Wenn man den blick allein auf's vorhergehende richtet, so kann 
man einräumen, daß sich der vers als ein abschluß der schelt- 
worte des Eteokles ertragen lasse, obwohl weder die anknüpfung 
durch ts noch durch 8i mir glücklich erscheint. Aber Weil 
selbst ist der meinung, daß die frage nach der ächtheit dieses 
verses nur dann zu seinen gunsten entschieden sei, wenn die 
behauptung der gegner, daß zwischen 177 und 178 Kirchhoff 
auch abgesehen von dem strittigen vers eine lücke zu consta- 
tieren sei, als irrig erkannt werde. Gesetzt, die lücke wäre wirk- 
lich vorhanden , so würde gerade das nach seiner meinung ein 
beweis für die echtheit jenes im Mediceus fehlenden verses sein. 
Denn ein interpolator, der den ausfall erkannte, würde denselben 
doch durch einen einschub ersetzt haben , der die lücke zu 
schließen geeignet wäre, nicht durch einen für diesen zweck un- 
angemessenen, im gründe überflüssigen vers. — Ich fürchte, Weil 
ist da in einen die auslegung und beurtheilung von stellen alter 
autoren so häufig irreleitenden fehler verfallen, .'in den fehler 



Nr. 5. 61 Aischylos. 309 

diesem von ihm freilich nur supponierten Byzantiner das ganze 
maß von logischer consequenz und sorgfältiger bedächtigkeit bei 
der erwägung und ausbesserung dieser stelle zuzutrauen, welches 
ihn selber zu jener argumentation geführt hat. Wir dürfen vielmehr 
sehr wohl annehmen, daß jener nicht ungelehrte grammatiker oder 
abschreiber zwar die lücke in der aeschyleischen rede erkannte, aber 
nicht so viel scharfes nachdenken aufwenden mochte oder konnte, 
um sie durch eine zweckentsprechende iuterpolation aus- 
zufüllen. Belege für solche nicht ausreichende denkkraft oder 
kenntniß der interpolatoren giebt es ja überall die hülle und 
fülle , sie fehlen ja auch nicht in unserem stück (vgl. Ritschi 
Opusc. I, 369. 301). Wie sollten wir sonst auch den interpo- 
lationen auf die spur kommen, soweit nicht, wie in unserm fall, 
die handschriftliche Überlieferung selbst unseren argwöhn weckt? 
Dies Weilsche argument hat also keine kraft. 

Wie steht es aber um die hauptsache? Hat Weil wirklich 
recht, wenn er das Vorhandensein der von Dindorf u. a. zwischen 
177 und 178 angenommenen lücke bestreitet? — Zwar in der 
anknüpfung von 178 mit x«/' empfindet er selber eine Schwierig- 
keit für seine ansieht, aber er glaubt dieselbe beseitigen zu kön- 
nen durch den hinweis auf eine auch sonst in der alterthümlich 
einfachen aeschyleischen rede wahrnehmbare umfänglichere Ver- 
wendung der copulativpartikel. Meine meinung ist, daß keine 
der von ihm zum belege angeführten stellen eine zur Verteidi- 
gung des vu i an der unseren ausreichende analogie biete, aber 
ich will mich an diesen punkt nicht heften, da andere für die 
entscheidung der frage ausreichende instanzen vorhanden sind. — 
Weil behauptet, es sei nichts zu vermissen in dem gedankenzu- 
sammenhang; denn was Eteokles befehle und verbiete, werde 
genugsam durch die worte 183 h8ov 3' oihtu fttj ßlaßtjp r£&bt 
bezeichnet. Allein wenn Eteokles in 178 ff. ein erst im folgen- 
den kund zu gebendes gebot oder verbot im äuge hätte, so würde 
dies irgendwie (zum mindestens etwa durch ein akV slfj/j n^ rvv) 
ausgedrückt :-;ein. Den schlagendsten beweis aber, daß der stricte 
befehl an die frauen, sich ferner nicht um t« £%mdsv zu küm- 
mern und nicht mehr durch ihr angstvolles gebahren draußen 
auf den straßen und platzen der stadt die Stimmung und den 
muth der bürger zu schädigen , sondern sich still zu hause zu 
halten — daß, sage ich, dieser befehl zwischen 177 und 178 



310 62. Aischylos. Nr. 5. 

ausgesprochen war, liefern die worte fielei yug ilr8'Qi\ m// yvi/rj 
ßövXivhm, Tu%m&ev 182 f. Sie werden nur durch diese annähme 
verständlich-, zu 178 — 181 enthalten sie keine erklärung oder 
begründung. Weil will sie offenbar als eine vorweggenommene 
erklärung zu den folgenden worten §v8ov S'ovoa xrl. fassen. 
Aber diese passen ausgezeichnet für eine abschließende Wiederho- 
lung des befehls, nicht aber für die erstmalige kundgebung des- 
selben; andererseits bezweifle ich, daß viele mit Weil Aeschylos 
eine so unnatürliche, durch alle interpretationskünste doch nicht 
einleuchtend zu machende, verwirrte ausdrucksweise und gedan- 
kenfolge zutrauen werden. Vielmehr werden, denke ich, wohl 
die meisten competenten beurtheiler der Überzeugung sein , daß 
aus den angegebenen gründen ein ausfall zwischen dem letzten 
vers von f. 66 b und dem ersten von f. 67 a des Mediceus sich 
nicht in abrede stellen lasse, und daß Weil bei der beurtheilung 
dieser frage den gesunden exegetischen tact und den feinen sinn 
für das natürliche, einfache, vernünftige, den wir sonst an ihm 
bewundern, etwas vermissen lasse. 

Wenn also alle vertheidiger einer in den jüngeren hand- 
schriften fließenden vom Mediceus unabhängigen textüberlieferung 
mit Weil diesen nach Septem 177 in ihnen eingeschobenen vers 
zum eckstein der ganzen controverse machen wollten, so würde 
dieselbe, scheint es, nunmehr endgiltig entschieden sein, so gut 
wie etwa die vieldiscutierte frage wegen der aristotelischen katharsis 
durch die erklärung von Bernays. Nach meiner ansieht ist sie's. 

Johannes Schmidt. 

62. David S. Margoliouth, (fellow of new College, 
Oxford) Studia scenica. Part I. Section I. — Introductory study 
on the text of the Greek dramas. The text of Sophocles' Tra- 
chiniae, 1—390. London, Macmillan Co. 1883. 8. 44 p. 

Nach Margoliouth ist überall, wo wir bei den tragikern auf 
härten oder Schwierigkeiten stoßen , textverderbniß anzunehmen. 
Denn eine gute, leichtverständliche spräche sei erstes erforder- 
niß gewesen, falls der dichter beim publicum beifall finden wollte. 
Da nun alle handschriften des Sophokles durch und durch von 
abschreibern und interpolatoren in ganz unglaublichem grade 
(absolutely unparalleled) verderbt, die scholien aber, weil erst auf 
gruud des verderbten textes entstanden, durchaus werthlos seien, 



Nr. 5. 62. Aischylos. 311 

so meint er, müsse man jene außerordentliche einfachheit (exquisite 
simplicity) der spräche vor äugen haben, um die Verderbnisse zuheilen. 
Es ist also der conjecturalkritik der weiteste Spielraum geöffnet. 

Margoliouth macht nun einen versuch an den ersten 390 
versen der Trachinierinnen, wobei er zahlreiche änderungen an- 
derer sophokleischer und aeschyleischer stelleu (im ganzen 93) 
vornimmt. Dabei begegnet es ihm öfters, daß er eine conjectur 
mit einer anderen stützt. Ein schwankender boden ! Es scheint 
sehr fraglich , ob viele seiner änderungen dem attischen pu- 
blicum verständlicher als die uns überlieferten lesarten gewesen 
sein würden. Die meisten verrathen wenig sinn für poetische spräche, 
wenngleich Margoliouth gelegentlich versichert , sein text sei, 
wenn auch vielleicht nicht gerade so vom dichter hinterlassen, 
doch clear, pointed and worthy of the writer. Einzelne vorschlage 
sind annehmbar, so Tr. 27 ansvaaa 1 statt avauta* (mit bezug auf 
Oed. Tyr. 2). Aehnlich Hense 620. — 85 di statt tj, wie schon 
Hamacher, durch Köchly veranlaßt, schrieb. Tr. 289 vpgovst rvv 
eb<5' tj$ov7a. Phil. 42 v.ai ßaiy für ngogßaiij. Aesch. Supp. 875 
(870) Zvgiutan uvijai*:. Meist jedoch wird von Margoliouth gelten 
müssen, was Hense (einleitung seiner Studien) über Margoliouths 
vorbild, Blaydes, äußert, daß er wie ein plumper restaurator ei- 
nes alten gemäldes die feinen nüancen mit grobem pinselstrich 
verdeckt habe. 

Als beispiel mag dienen Tr. 226, wo Margoliouth das hoch- 
poetische ov8s ti' outtato^ cf>oovQ(t(>) nttor^Mt, tovSt [tij Itvaatw 
arölov ändert in triviales q&ogu 7Z£>oc/JZ#« , was eine gehörige 
grobheit enthalten würde : ich bin nicht blind. Hat Margoliouth 
wohl an die ursprüngliche bedeutung von q:govga = noo-oga 
„die ausschau, der blick" gedacht? Und nun wird im anschluß 
an diese änderung , wo g der Störenfried ist , eine ganze reihe 
anderer vorgenommen, wo o sich für <r, v, 1 : oder wo gy sich 
für /, oder wo % sich für & eingeschlichen haben soll. In ähn- 
licher trockener weise wird Oed. Col. 682 statt dtiau; uncfinoXäv 
zidr^utg geschrieben [#.] «. '/f&tjvag. Sehr ernüchternd sind fol- 
gende änderungen: Tr. 106 nvvov statt nodoi evvä&iv, 145 jfoo- 
gmaiv ßiorav statt ^aigoian- uitov, 159 noXV eig aymvag statt 
noD.oii,- ayävag , 167 aw &solg statt tov %ootov. Margoliouth 
nimmt hier offenbar an toi %guvnv tsXog für ö %govog anstoß. 
Tr. 179 ngog %gtio.v Xöyonv statt ngv*: xagui löyoiv= irqbg yagCtirag 



312 63. Euripides. Nr. 5. 

Xöyovg) und entsprechend Ant. 30 ngog igtiav (für x«P"') ß°P<*C» 
wo man eher noch an das ausgemerzte x a Q" v denken könnte. 
Tr. 195 xvxhm negiOTag statt naganrng. Sie bieten sicher kei- 
nen gewinn für das verständniß. 

Margoliouth richtet an Oberdick die aufforderung, er möge 
ihm eine einzige schwierige stelle nennen, wo die scholien zur 
Verbesserung des Aeschylus beigetragen hätten. Eeferent möchte 
ihn auf Suppl. 444 (Kirchhoff 427) hinweisen. Dort ändert 
Margoliouth ärqt yt 'uei^co in "4rqv ysuit,mr. Die scholien haben 
zov ding f^7zi(AnX<x)V7og xat ysfii^nvTog aitjg ihr yöfxov. 

63. Georg Schmid, Euripidea. De Tone. Lipsiae apud 
Fuesium (R. Reislandum) 1884. 50 p. 8. 

Der verf. hat den Ion sozusagen zu seiner domäne gemacht. 
Die vorliegende abhandlung, in welche auch der inhalt von zwei 
früheren in dem St. Petersburger Journal des ministers der volks- 
auf klärung 1880 und 1882 erschienenen aufsätzen aufnähme ge- 
funden hat, bringt wieder einige treffliche emendationen. Ich 
rechne dazu von den neuen besonders 120 iivgnirag &* ifgä q>6ßa 
(den vokativ hat schon Heath gefordert), 515 tnv8\ 559 ysvt- 
c&at nnt,8l; EOT. <w( ye yiyvfTat, die tilgung von 871, die erklä- 
rung von 922 mit Hesych. xagnolg ■ ßlaariifxaaiv, xaXöv für xaxöv 
in fragm. 506. Anderes ist mehr oder weniger wahrscheinlich, 
wieder anderes wird kaum beifall finden. Wenn z. b. in dem nebenbei 
behandelten fragm. 494 nv ^grj nvrirst'i>fiv für oj' £(»/} rlsla^nt (yXeT- 
adai) gelesen werden soll , so wird diese synizese mit 6 fifj ai>Ttrel- 
vcov nicht gerechtfertigt. Vgl. Krüger's Gramm. II, 14, 8, 1. Wenn 
es in fragm. 501 a 8' f»V auflvnvg agniKov heißen müßte, so 
würde sich die noth wendigkeit ergeben , auch iym qigäooo zu 
schreiben. Das fühlte der verf. wohl, weshalb er nebenbei y>gdam 
vorschlug. Da es aber "ktym heißt, so verlangt eine gute me- 
thode, auch <u 5' smt' zu belassen. Auch die änderung von 288 
ovdp.v £vvni8£v avTQov aia%vi>i]i> nvn dürfte nicht methodisch sein. 
Jedenfalls würde man ^vvmdsv uvtqov aiaxvvrjv ttvi vorziehen. 
Aber gerade die naivetät der Überlieferung : ovder, |«V ■ o28' a*- 
igoimv alajivqv rivd bürgt für die richtigkeit der emendation 
von Tyrwhitt ovSsv |t>*ot<J' ävrgotaiv aio^ivr^v riva. In 1253 
ix yag o't'xcov ngovlaßov ftoXig nnStt fiij öavetv verwandelt Schmid 
ngnvlaßor in nQovßnlot, aber eben durch rtonvlctßnr erhält der 



Nr. 5. 64. Plutarchos. 313 

ausdruck die bedeutung von sq&aau, welche (irj &uieh fordert. 
In der Verbesserung von 1427 Sgdxorzs yng^äom ys, nay^gvato 
yt.rvv halte ich yl für die particula Heathiana. Für die Stellung 
von 5f in 1608 x«i ngiv zovzo <5' ovx üniaiov ?jv verweise ich 
auf fragm. 773 zois nXovzovot zovzo 8' epqivtov, eine änderung 
ist also überflüssig. Schon in den Jahrb. für klass. philol. 1868 
p. 413 hat Schmid die beobachtung gemacht, daß 527 auf 524 
zu folgen hat. Das ist eine treffliebe bemerkung. Die weitere 
Ordnung der verse aber und das festhalten der conjeetur uxpopai 
aov Qvani£coi> in 523 kann ich nicht billigen. Was zunächst 
das letztere betrifft, so muß der sinn sein : „wenn ich mich dei- 
ner person bemächtige, so ist das nicht ein gvatcii^ttp , sondern 
nur eine wegnähme meines eigenthums". Vgl. Aesch. Suppl. 
918 zu.fi oXtoXöd' t'vgCoxmv äym , Soph. 0. K. 832 zovij ipovg 
ayco. Bei diesem sinne ist qüu höchst überflüssig und muß es, 
wie ich schon anderswo gezeigt habe, not qvoiu^co, zu/au <5' tv- 
gioxai uya> heißen. Die richtige Ordnung der verse aber wird 
der augenschein deutlich machen : 

7ßA\ ev q ooi bis {itv\ /, ff' iftTps titol zig, a> |eW, jJXdßt] ; 520 
ZOT. <üs *t S)/ qitvybig fis auvzov yveooiaag zu q.ü.zuzu; 525 
IfilV. ov qiXü qoeioüv apoiQovg v.ai (tefiyvotag £svovg. 526 
ZOT. ov qpooirä, zu qiXzud 1 evoeot m qiXsii iq;it/uui; 521 
JQN. nute, u>) ipavaag zu tut dsov azippaza §Jj%flg X t Q 1 ' ^^2 
ZOT. uipoput, neu Qvatui^oa, zuytu 8 svQtGxav uya>. 523 
ISiN. ov* u?zaX).u£iß tiqiv iiam zö^u 7zXevf.i6pcoi> Xaßeh- 524. 
ZOT. xzbhb xai nifAngri ■ nazgos' yüo, qv xzavißg, l'ff?/ cpovsvg. 527. 

N. Wecklein. 



64. De Plutarchi in Galba et Othone fontibus. 
Dissertatio inauguralis, quam — scripsit Jos. Lezius, Livonus. 
Dorpati Livonorum typis Schnakenburgii , MDCCCLXXXIV. 
184 p. 

Da eine allgemeine behandlung der wichtigen und noch im- 
mer schwebenden frage über das Verhältnis des Plutarcb in den 
biographieen des Galba und Otho zu des Tacitus Historien I, 
1 — II, 50 nach dem wünsche des redakteurs dieses Anzeigers 
für den Philologus aufgehoben werden soll, so begnüge ich mich 
hier damit nur über die oben genannte dissertation zu refe- 
rieren, wie dies bei der methode ihrer Untersuchung auch leicht 



314 64. Plutarchos. Nr. 5, 

ausführbar ist. Der verf. ist sich nämlich der tragweite eines 
sicheren resultates wohl bewußt und spricht sich darüber in der 
litteraturübersicht p. 1 — 13 bestimmt und klar aus, dann aber 
beschränkt er sich, ohne den anspruch auf neuheit seiner ansieht 
zu erheben , darauf die berichte des Tacitus und Plutarch satz 
für satz genau zu vergleichen (p. 13 — 172) und anzumerken, 
was dieser aus Tacitus entlehnt haben kann und was aus einer 
anderen quelle stammen muß. Was außerhalb dieses rahmens 
liegt, läßt er entweder ganz bei seite oder, berührt es nur ge- 
legentlich, z. b. die zeit der abfassung der kaiserbiographieen, 
die er für später hält als die parallelen (p. 72 und 161), wäh- 
rend Mommsen (Hermes IV, p. 296 ff.) bekanntlich für die ent- 
gegengesetzte behauptung eintritt und die kaiserbiographieen be- 
reits unter Domitian verfaßt sein läßt. 

Von größerer bedeutung wäre es gewesen, wenn Lezius an- 
statt nur den sachlichen inhalt zusammenzustellen, die form, in 
welche ihn Tacitus gegossen , auch bei Plutarch nachzuweisen 
unternommen hätte. Denn mag man auch glauben, daß jener 
hin und wieder besonders glückliche ausdrücke und Verbindun- 
gen von gedanken aus seinem autor entlehnt hat, im allgemeinen 
ist doch der charakter der Annalen von anfang bis zu ende ein 
so eigenartig ausgeprägter , daß man , da er in ihnen jedenfalls 
mehrere „hauptquellen" hinter einander benutzt hat, diesen noth- 
wendig als sein litterarisches eigenthum ansehn muß, und dies 
gilt nicht nur von einzelnen Wendungen und bildern, noch mehr 
von der gruppierung des Stoffes im ganzen, der von Tacitus in 
den Annalen mit so einziger kunst geübten „Situationsmalerei", 
deren anfange bereits in den Historien sichtlich sind. 

Nun hat sich zwar Lezius von der Übertreibung Clasons 
(Plutarch und Tacitus 1870) ferngehalten, der bei Plutarch nur 
einen sehr geringen theil übrig läßt , der nicht aus Tacitus ge- 
nommen wäre: mit dem vorurtheil jedoch ist er an die Unter- 
suchung herangetreten, daß Plutarch den Tacitus benutzt haben 
müsse, weil diesem kein so enger anschluß an seine quelle zu- 
getraut werden könne, wie dies nothwendig sein würde, wenn 
beide aus einer gemeinsamen quelle geschöpft hätten. 

Es ist aber überhaupt die Übereinstimmung gar nicht so 
groß, wie vielfach behauptet wird, und auch Lezius irrt, wenn 
er für jenen fall meint (p. 8): Cogitandum esset tttrumque scrijatorem 



Nr. 5. 64. Plutarchos. 315 

fontem cornmunem non retractasse aut emendasse sed vel levissimis in 
rebus religiosissime secutum esse. Die sonst sehr treffende bemer- 
kung (p. 10) Haec ratio nihil aliud est quam scriptorum qui exstant 
obtrectatio ad artem et rationem redacta, eorxim qui int er ierunt, 
summa laudatio findet hier keine anwendung. Die verglei- 
chung stellt vielmehr ein weit freieres Verhältnis zwischen den 
beiden in frage stehenden biographieen Plntarchs und Tacitus 
heraus als zwischen dem Coriolan und Dioriys , welch letzteres 
Verhältnis trotz Michaelis 1 Widerspruch (De ordine vitarum Plut. 
p. 54) immer den ausgangspunkt für eine methodische Untersu- 
chung über die quellenbenutzung Plutarchs abgeben muß , da 
nur für diese vita die unzweifelhafte quelle in den entsprechen- 
den partieen lückenlos erhalten ist. Lezius sieht sich daher 
selbst zu wiederholten malen zu dem Zugeständnis gezwungen, 
daß Plutarch neben Tacitus selbst auch die diesem vorliegende 
quelle zu rathe gezogen hat (für Galba cap. 19 — 21 •, Otho 2, 
z. 11—17-, 13, 6—43-, 16, 1 — 6; 17, 18-31-, auch Galba 23, 
3—10; 27, 8—15; 28, 6 — 15; Otho 9, 1—12; siehe p. 180). 
Wenn wir also auch wissen , daß Plutarch mit den stoischen 
kreisen in der hauptstadt viel verkehrt hat, und vermuthen 
dürfen , daß er den jüngeren Plinius und durch ihn vielleicht 
Tacitus persönlich gekannt hat, ihm also die benutzung seiner 
Historien nahe gelegen hätte : bequem zu gebrauchen waren ihm 
diese jedenfalls nicht ; zunächst wegen der spräche (mag man 
auch mit dem verf. die kaiserbiographieen an das ende seiner schrift- 
stellerischen thätigkeit rücken), namentlich aber wegen der da- 
durch bedingten gestaltung des Stoffes, daß Tacitus seine Histo- 
rien mit dem 1. Januar des jahres 69 beginnt und die für die 
weitere geschichte Galbas wichtigen ereignisse vor diesem termine 
gelegentlich nachzuholen genöthigt ist. 

Muß sogar Lezius einräumen, daß Plutarch nicht allein ne- 
ben Tacitus noch andere autoren gelesen sondern ihm auch des- 
sen hauptquelle vorgelegen hat, so entzieht er damit selbst seiner 
ansieht die grundlage. Unser biograph würde, verstehe ich ihn 
recht , nachdem er auf die quelle des Tacitus gestoßen und sie 
der benutzung für würdig erachtet, diesen selbst bei seite gelegt 
und sich mit einer ehrenvollen erwähnung des damals in Rom 
hochangesehenen namens abgefunden haben, und dies ist um so 
glaublicher, als diese quelle, über deren benennung sich streiten 



316 65. Terentiuß. Nr. 5 

läßt, entweder ein memoirenwerk war, wie es Plutarch bevorzugt, 
oder wenigstens einen memoirenartigen Charakter trug. 

Jedem , der sich eingehend allein mit Tacitus beschäftigt, 
droht die gefahr, über der bewunderung und begeisterung, welche 
er weckt, den unterschied der zeiten zu vergessen und unwill- 
kürlich die vorarbeiten berühmter moderner historiker auch bei 
ihm vorauszusetzen: so erklärt sich die entrüstung, mit welcher 
von vielen Seiten gegen die behauptung, daß die Übereinstim- 
mung zwischen Plutarch und Tacitus auf die benutzung eines 
dritten gemeinsamen autors zurückzuführen sei, protestiert worden 
ist. Die sorgfältige und gewissenhafte vergleichung von Lezius 
lehrt, daß die entgegengesetzte ansieht in unlösbare Schwierig- 
keiten verwickelt, und in dieser beziehung bietet sie auch dem, 
der ihrem Schlußresultat nicht beipflichten kann, werthvolles und 
schätzbares material. 

Eine genauere besprechung einzelner besonders wichtiger 
punkte, deren bedeutung bei Lezius nicht hinlänglich hervortritt, 
z. b. des Verhältnisses der Poppäa zu Otho und Nero und des 
todes des Galba und des Otho soll für den Philologus aufge- 
spart bleiben; es wird sich daraus auch der specielle nachweis 
der beobachtung ergeben, daß gegen Tacitus gehalten Plutarchs 
darstellung in diesen beiden viten den Charakter der zu gründe 
gelegten memoiren in demselben Verhältnis getreuer bewahrt hat, 
wie die allgemeine tendenz seiner biographie ihnen näher steht 
als die künstlerisch höhere und schwierigere aufgäbe, welche sich 
Tacitus gestellt hatte. Hermann Peter. 



65. P. Terenti Afri comoediae. Kecensuit Carolus 
Dziatzko. Editio stereotypa. Ex ofneina Bernhardi Tauch- 
nitz. Lipsiae 1884. XL u. 296 p. 8. 

Die praefatio der vorliegenden textausgabe gibt mit umsichtiger 
kritik eine kurze darstellung dessen , was wir von dem leben, 
den Schicksalen des dichters wissen •, dann erhalten wir auskunft 
über die handschriften, ihren werth und ihr verhältniß zu ein- 
einander und zu der bei Donat vorhandenen Überlieferung. Die 
dem text zunächst vorausgeschickte adnotatio critica ist nach der 
eigenen erklärung des herausgebers nicht ganz erschöpfend, selbst 
da nicht einmal vollständig, wo sämmtliche handschriften von 
dem aufgenommenen Wortlaute abweichen. In diesem falle 






Nr. 5. 65. Terentius. 317 

hätte man aber doch billiger weise Vollständigkeit erwarten können. 
So lesen wir Eun. prol. 12 bei Bentley, Fleckeisen, Dziatzko 
quam illic qui petit, unde is sit thensaurus sibi, die handschriften 
haben, freilich metrisch falsch, quam ille qui petit; Eun. 222 
schreibt Dziatzko wieder mit Bentley und Fleckeisen nimis m e 
indulgeo : es war doch immerhin von interesse, zu erfahren , daß 
so Donat und ein theil der handschriften der recens. Calliop. 
haben, während der andere theil mit dem Bemb. mihi gibt. 

Die komödien selbst sind in chronologischer reihenfolge der 
ersten aufführung geordnet: Andria Haut. Eun. Phorm. Hec. 
Ad. Der text ist festgestellt mit besonnener kritik, welche den 
richtigen weg zwischen ängstlichem festhalten an dem herge- 
brachten und hyperkritischen zweifeln und Verdächtigungen inne 
hält, mit sorgfältiger benutzung des bisher theils in den ausga- 
ben, besonders von Bentley und Fleckeisen , theils in den ver- 
schiedensten abhandlungen , dissertationen u. s. w. geleisteten. 
Die aufgäbe , welche dem herausgeber der Terenzianischen ko- 
mödien , die verhältnismäßig gut überliefert sind , obliegt , hat 
Dziatzko in vortrefflicher weise gelöst : eigene conjekturen hat 
der herausgeber demzufolge nur in geringer zahl aufgenommen. 
So liegt denn nun endlich ein text des Terenz vor, welcher auf 
grundlage genauer collationen der maßgebenden handschriften 
eine kritische revision erfahren hat: das große verdienst, welches 
sich Fleckeisen um den dichter erworben, soll dadurch nicht ge- 
schmälert werden. 

Ein paar stellen möchte ich der weiteren Überlegung Dziatzko's 
und anderer späterer herausgeber anempfehlen. Schon längst 
ist man bemüht gewesen, den groben metrischen fehler Eun. 267 
sed Pärmenonem ante östium Thaidis tristem video wegzuschaffen: 
die zahlreichen versuche sehe man in der praef. bei Dziatzko. 
Dieser selbst schreibt sed Permenonem ante ostium hoc astare 
tristem video, indem er bemerkt, daß Parmeno wohl nicht an der 
thür der Thais gestanden habe, und ein verbum (oder particip) 
stare astare nicht fehlen könne. Aber die beiden häuser, das 
des herrn des Parmeno und das der Thais , müssen neben ein- 
andergelegen haben, 461 sagt Parmeno adibo atque adsimulabo 
quasi nunc exeam, er geht mit diesen Worten auf die eben aus 
ihrem hause tretende Thais zu, sich stellend, als wenn er aus 
seinem hause herauskomme , das war aber nur bei der nächsten 
Philo). An«. XV. 22 



318 66.. Catnllus. Nr. 5. 

nähe der Wohnungen möglich; ferner ruft Parmeno 469, ohne 
sich von der Thais zu entfernen, die noch immer an ihrem hause 
steht, in das haus seines herrn hinein, man solle die äthiopische 
magd und den eunuchen herausschicken. Also konnte Parmeno 
jedenfalls mit ein paar schritten von seiner wohnung zu der 
thür der Thais gelangen und es machte keinen wesentlichen un- 
terschied , oh er hier oder dort stand. Ferner ist es mir auch 
sehr zweifelhaft, ob ein verbum stare in der that hier nothwendig 
sei: Plautus wenigstens sagt Trin. 1093 quid hoc hie clamoris 
audio ante aedis meas, ante aedis meas gehört zu elamores ; ebenso 
Cist. II, 3, 1 : audire vocem visa sum ante aedis modo ; vollständig 
unserem falle gleicht Amph. 292 sed quis hie est homo, quem ante 
aedis video hoc noctis ; Men. 773 f. atque eccam eampse ante aedis 
et eius virum tristem video ; Pers. 738 f. atque optume eceum ipsum 
ante aedis; Truc. 895 sed quid video? er am atque amittam ante 
aedis? Capt. V, 4, 8 sed erum ante ostium eceum ; Cas. III, 3, 11 
sed uxorem ante aedis eccam , III, 4, 3 sed eceum ante aedis ; Aul. 
536 sed eceum adfinem ante aedis. Ich halte demnach an der 
Terenzstelle die conjektur Murets meretricis statt des glossems 
Thaidis für das einfachste und wahrscheinlichste. 

Adelph. 70 wird jetzt allgemein nach dem Bemb. dum id 
rescitum iri credit, tantisper pavet gelesen, während die Callio- 
pische recension cavet hat-, Dziatzko bemerkt dazu in der praef. 
fortasse rede : ich meine , cavet ist ganz gewiß das richtige. Es 
kommt nämlich hier nicht auf die gemüthsstimmung an, sondern 
auf die Handlungsweise : malo coactus qui suom officium facit, der 
hütet sich, so lange er entd eckung fürchtet, dagegen si spe- 
rat fore clam , rursum ad ingenium redit d. h. nicht, „dann ver- 
liert er die furcht", sondern „dann nimmt er sich nicht mehr 
zusammen, macht vielmehr wieder schlechte streiche". 



66. Die gedichte des Catullus, herausgegeben und erklärt 
von Alex. Riese. Leipzig 1884. XLIII, 288 p. 4. 

Ein dem stände der Wissenschaft angemessener Catull-kom- 
mentar ist seit lange als ein bedürfnis und als eine höchst lo- 
ckende aufgäbe empfunden. Seit jähren hatten Schwabe, Baek- 
rens und Biese ihn verheißen. Letzterer ist nunmehr dem bei- 
spiel, das Ellis in seinem dickleibigen Commentary on Catullus 
Oxford 1876 gegeben hatte, gefolgt mit seinem deutschen kom- 



I 



Nr. 5. 66. Catullus. 319 

mentar, dem eine ausführliche einleitung über leben und dichten, 
stil, metrik und Überlieferung des Catull vorausgeht. Riese hatte 
bisher mit seinen zahlreichen kleinen arbeiten über Catull wenig 
glück , seine conjekturen wie seine erörterungen zu ganzen ge- 
dienten waren meist künstlich oder auch aus poetisch-sprachlichen 
gründen unhaltbar. Er hält auch jetzt noch an mancher lieb- 
gewordenen schrulle fest , wenngleich anzuerkennen ist , daß er 
endlich die hypothese über carm. 64 aufgegeben hat. Im übrigen 
aber sind seine Verdienste um die lateinischen dichter anerkannt, 
und mit mannigfachen erwartungen werden viele das obige buch 
in die hand nehmen. ~ Diese erste deutsche erklärende aus- 
gäbe des Catull verheißt im Vorwort nichts geringeres als : „der 
leser wird sich nirgends wie in manchem kommentare einfach 
im stiche gelassen sehen". Sie will kurz und bündig, „nur in- 
soweit sie das Verständnis wirklich fördern", die bereits ausge- 
sprochenen ansichten berücksichtigen, und vor allem „den natur- 
wahrsten dichter der römischen weit einfach und natürlich , in 
den künstlicheren dichtungen aber stilgemäß verstehen und er- 
klären". Ein reizvolles ziel, das zu erreichen aber — konge- 
nialität erfordert. — „Eine andere pflicht", heißt es weiter, 
„suchte ich zu erfüllen, indem ich unsicheres, ja unwißbares nicht 
für sicher ausgab". Dies an und für sich unanfechtbare prineip 
ist dem buche zur verhängnisvollen klippe geworden. Riese er- 
scheint alles schwierigere sei es nun in den historischen bezie- 
hungen oder in der kritik und exegese „unsicher , unwißbar". 
Fast überall vermißt man ein einschneidendes , aufklärendes ur- 
theil. Uebertriebene ängstlichkeit, ewig skrupulöses schwanken in- 
volviert doch schließlich eine gewisse engigkeit der anschauungsart. 
Eine aporie knüpft sich an die andere, aber ein scharfes, dialektisches 
dtannQfTv fehlt, das zu einem erfreulichen sinonsiv führen könnte. 
Und insofern sieht sich der leser nur zu oft trotz des langen 
kommentars ,,im stich gelassen", weil ihm die entscheidung an- 
heimgegeben wird. Wie gerne nähme man lieber einen mehr 
blendenden denn wahren einfall, eine kühne, aber bestimmte deu- 
tung, eine kräftig dreinschlagende bemerkung als dies hin und 
her von zweifelfragen, als diese häufung von „wohl", „oder?" 
„vielleicht", „eher", „am ehesten" u. ä. In geistvoller willkür, 
im genialen irrthum liegt viel mehr Wahrheit versteckt und be- 
sonders viel mehr anregung als in einem knäuel von sehr sorgsam 

22* 



320 66. Catullus. Nr. 5. 

und gewissenhaft gebuchten, aber ungelöst gelassenen zweifeln. — 
Gewiß ist vieles, was Catull betrifft, nicht zu wissen, weder ge- 
burts- noch todesjahr noch vorname u. s. w. steht fest — gut: 
ignoramus ! Aber wenn beispielsweise eine hypothese so trefflich 
gestützt ist wie die der identität *) von Clodia und Lesbia, so er- 
hebt sie sich über das niveau der Unsicherheit zu der überhaupt 
möglichen gewißheit. Riese nennt „die sache nach wie vor un- 
sicher". Als ängstlicher Sittenrichter wittert er eine libertine 
(VIII, 17). Bloß carm. 79 macht ihn stutzig, plötzlich entscheidet 
er sich für die gleichung : Lesbius-Clodius, Lesbia-Clodia. Aber 
frohlocken wir nicht zu früh ! Zu carm. 83 heißt es wieder hy- 
pothetisch : „wenn wirklich Lesbia die vornehme Clodia ist." 
Geradezu komisch wirkt es, wie sich Riese zu carm. 94 dreht 
und windet, ob Mentula wirklich Mamurra ist oder ob es nur 
möglich oder ob es unmöglich ist. — Auch manches über die 
persönlichkeit des Catull ist steif und wunderlich. Gewiß war 
er aus wohlhabender familie , aber trotzdem widerstrebt es, sich 
den leichtlebigen, lebenslustigen dichter immer mit gespickter 
börse zu denken, auch wenn die kleine grisette (carm. 41) von 
ihm ganze 10,000 sesterz. fordert! Wie kann man das ernst 
nehmen! Ebenso 103 und carm. 23 schluß! (Einleitung VII). Er 
mag recht oft recht gehabt haben , wenn er seufzte : tui Catulli 
■plenus sacculus est aranearum. Um die leere kasse zu füllen, ging 
er nach Bithynien ! — Catull ist ein echter Vertreter der römi- 
schen jeunesse doree; daß er nicht blos ein eleganter rou6 ward, 
sondern der größte lyriker Roms, das danken wir der Clodia. 
Sie ist die „ungenannte frau" des carm. 68; Riese zieht es schon 
in der einleitung in frage , und so wirft die unglückliche Zerle- 
gung dieses gedichts in 3 — schreibe drei! — gedichte ihren 
schatten voraus. — Was sagt man aber dazu, daß die auffassung 
von longus amor (76,13 vgl. auch kommentar!) und longa pietas 
(v. 5 nach Riese's Schreibung) als langdauernde liebe angefochten 
wird mit der psychologisch gar zu feinen bemerkung : „Aber wie, 
wenn ihm „die minuten zu ewigkeiten" wurden" ! Nein, es besa- 
gen diese worte die einfache Wahrheit : Lesbia war die eine große 

1) Jeder unbefangene muß Schoell (Jahrb. 1880, p. 481) beistim- 
men, wo vortrefflich Cic. pro Cael. 64 auf Catull gedeutet wird und es 
heißt: „wer das alles in derselben zeit bei zwei verschiedenen perso- 
nen desselben namens für wahrscheinlich oder nur möglich hält, der 
ist ein sonderbarer Schwärmer". 



Nr. 5. 66. Catullus. 321 

liebe seines lebens ! — Catull ist ein so durch und durch frischer 
geselle, daß man manches bei Riese weniger engherzig und sit- 
tenrichterlich wünschte (Einleitung X, XIII, XVI, XVII, XX). 
— Rührend ist sein Verhältnis zu seinem vater geschildert. Nach 
der bithynischen reise „legt er seinem vater rechenschaft ab" 
(XV) , dieser führt die aussöhnung mit Caesar herbei , die dem 
Catull eine glänzende karriere eröffnet, „gewiß zur freude seines 
vaters", und diese gesteigerten aussiebten veranlaßten vielleicht 
die Lesbia, sich ihm wieder zuzukehren ! — Die reihenfolge der 
liebesgedichte wird sich allerdings jeder nach maßnähme der eigenen 
phantasie und der kenntnis des menschlichen herzens rekonstruieren 
müssen ; es läßt sich darüber kaum streiten. — Die meisterschaft 
des Catull in der form schildert Riese p. XXI, zeile 3 — zeile 20 
in einem wahren satzungethüm 2 ) , in welchem das dem „entwe- 
der" entsprechende „oder" weggeglitscht ist ; der Ariadnefaden 
für das labyrinth von worten ist schwer zu finden. Bei erör- 
terung der verschiedenen stilfarbe der gedichte hätte wohl die 
nützliche arbeit von Süß (Erlangen 1878) einmal genannt wer- 
den können, die fleißig auch sonst benutzt, aber kaum vollständig 
citiert wird. Zu caelicola (p. XXVII) war Enn. Ann. 483 zu 
vergleichen, zu sonipes Inc. ine. fab. trag. 237, mirißce: Pompon. 
96, ähnlich laetificum Ann. 45, zu silvicultrix : silvicolae Att. 237, 
zu clarisonus, fluentisonus vgl. suavisona echo Att. 572, zu horrifi- 
cans: horrifieabilis Att. 617, raucisonus: Enn. ann. 509 raueumso- 
nus, naufragus: saxifragus Ann. 564 u. ä. — Beispiele der alli- 
teration, die Riese in den gedichten höheren stils weniger als in 
denen der Umgangssprache finden will, sind legion gerade in 
carm. 63 und 64, sowohl in Verbindung von Substantiv und adjeetiv 
als in ganzen Satzgefügen , wie ein flüchtiger blick jeden lehrt. 
Der text ist „selbständig" festgestellt , „anspruchslos" sind 
die lesarten von und G in auswahl unter dem text vermerkt. 

2) Sonst ist mir an ausdrücken aufgefallen 3, 13: „die traduetio 
(male—malae) athraet pathos und humor" vgl. zu v. 1.11. 17; carm. 12: 
„die tücher haben einen großen affectionswerth" ; 17,23 „tnittere aber 
ändert die dortige (v. 8) phantasie", 35, 5 : „daß er jenen (seinen 
freund) deshalb herbeisprengte"; 29, 2 „erinnert nur scheinbar unwill- 
kürlich an Caesar". Die einleitung zu carm. 61 ist schlecht redigiert: 
p. 112 „die zeit der dichtung ist unbekannt, ihr stil ist der elegante", 
p. 113 „die abfassungszeit ist unbekannt, der stil meist der einer ele- 
ganten spräche, in einzelnen stellen aber höher oder niederer je nach 
dem inhalt". 63, 3 „daß Cybele erst v. 9 genannt wird, trägt auch 
zum unstet schweifenden character des sedichts bei" u. s. w. 



322 66. Catullus. Nr. 5. 

Alle abweichungen von Haupt- Vahlen hier aufzuführen, ist zwecklos. 
Eiese verfährt eklektisch, bald folgt er L. Müller (54, 2 5 68,85), 
bald Eoßberg (55, 22), Bergk (61, 46), Baehrens (29, 20; 62, 
35; 73, 4; 100, 6), Froehlich (41,8; 64,273; 68,93; 110,4), 
Pleitner (113,2), Munro (116,1), bald Muret, Statius, Heinsius, 
Pontanus, Avantius etc. Zahlreich sind kleinere eigene ände- 
rungen, die größeren kann ich nicht glücklich finden wie 6, 12 
nil celare valet, nil tacere, 55,9: avertistis — , v. 11 nudum sinum 
recludens ist ansprechend — , 64, 16: illa felici (dann läßt sich 
alles aus der Überlieferung machen!), v. 109 lateque ruinis obvia 
frangit (trotz Lachmann!), 66, 50 fingere, 67, 12: verum isto in 
populo ianua quid faciet, 68, 61 salso(l) in sudore, v. 118: tum te 
indomitam (denkbarst prosaisch!), über v. 142 und 155 hilft auch 
Riese nicht hinweg ; 76, 5 longa pietate (verunstaltet das gedieht, 
Catull sagt : „und doch bleibt mir noch viel auch bei einem 
langen leben" in longa aetate, nemlich die erinnerung und ein gutes 
gewissen). Manche konjeeturen werden nur versuchsweise vor- 
geschlagen wie 25, 5 cum luna balnearios ostendit oscitantes, 64, 
205: quo tonuit tellus , v. 287 variis , 63, 5: devolsit ieta acuto 
sibi pondera üice etc. — 

Der fleiß, mit dem das material zum kommentar zusammen- 
getragen ist, verdient alle anerkennung, derselbe theilt aber mit 
manchen citaten aus Ellis auch oft die breite — wozu werden 
so oft stellen angeführt , die „nicht zu vergleichen sind" wie 
21, 1; 36, 1 u. h. — , lang weiligkeit und vor allem die unent- 
schiedenheit. Gewiß ist die hingäbe an den gegenständ , wie 
die große belesenheit zu rühmen , neben manchem treffenden 
läuft aber auch manches geschmacklose mit unter. Man lese z. b. 
die anmerk. (!) zu basia dare p. 13; 31, 13 heißt es zu gau- 
dete vosque undae „auch die wellen sollen sich freuen" „da 
dies unnatürlich wäre", argumentiert Riese, ist gaude eine wenig 
geglückte Übersetzung des xuiot (iot. — Nun, dann ist jede stim- 
mungsvolle naturbeseelung unnatürlich! Das von freude bewegte 
gemüth überträgt die eigene empfindung auf die außenweit, und 
diese strahlt jene wieder. Hier giebt übrigens den ausschlag : 1) ist 
salve schon = X a 'Q £ > 2) wird das gaudere durch das ridere noch 
individualisiert, vgl. dazu Enn. Ann. 445 Iuppiter hie risit tem- 
pestatesque serenae | Riserunt omnes risu Jovis omnipotentis. Oefters 
hätte mit leichtem wink auf eine feinheit des poetischen ausdrucks 



Nr. 5. 66, Catullus. 323 

hingewiesen werden können, z. b. wie schön ist carm. 7 die be- 
seelung der auf die sündige liebe der sterblichen herabschauen- 
den Sterne und der schweigenden nacht 3 ): cum tacet noxl — 
Eiese beachtet nur den versschluß nach Ellis' bemerkung a rare 
rhythme — und die echt moderne nietapher der sonnigen glückstage 
in carm. 8 ! Wie geschmacklos ist zu diesem gedieht die para- 
phrase, Catull denke : „Fahre hin, zeit der schönen liebe ! Du 
giebst mich auf, so gebe ich denn auch dich auf". Wie schon 
Einleitung XIX den einzig prägnanten ausbruch eines verrathenen 
liebenden herzens, carm. 85 Odi et amo, in ein bald — bald zer- 
legt, so heißt es im kommentar : „beschreibt (!) Catull's Stimmung 
gegen die ungetreue Lesbia" ! Wo Catull in leidenschaftlicher 
erregung, mit dem echten brustton der empnndung redet , sieht 
Kiese „Übertreibung". So in carm. 8; 14, 17; 21, 1; 29, 2; 
37, 1; 47, 7-, 49, 5: „wie er überhaupt jede empfindung leicht 
übertreibt", 64, 183; 168, 2. 12. 23. 60 etc. Komisch wirkt 
oft die deutung der diminutiva wie 64, 331 languidulos somnos 
„das diminutiv bezeichnet die Zierlichkeit der braut" vgl. 65,6; 
66,16; 69, 4. Sinnig ist die bemerkung zu c. 25 Schluß: „der 
vergleich ist hier präcis und enthält nichts überflüssiges" u.s.w. 
Mit großer Sorgfalt ist das sprachliche, lexicalische bearbeitet 
und den anklängen bei späteren nachgespürt. Schade, daß die 
kritische exegese so viel zu wünschen übrig läßt. Selten wird 
der knoten durch rasche entscheidung zerhauen, auch wenn er 
kein gordischer ist. Die verschiedensten ansichten werden auf- 
getischt, mit parallelstellen verziert , und die entscheidung offen 
gelassen. Um ein beispiel von vielen 4 ) zu nennen: 68, 51 er- 
hält das unglückliche duplex nur fünf erklärungsweisen, schließ- 
lich heißt es : „die erste ist die wahrscheinlichste" = doppel- 
züngig, ränkevoll — mit vollem recht! — , wozu also alles an- 
dere? Wozu nicht einfach : duplex hier doppelzüngig, ränkevoll? 
— Es mögen nun einige randglossen zu den anmerkungen folgen. 

3) Darf ich Riese mein buch über „die entwicklung des natur- 
gefühls bei den Griechen und Römern" Kiel 1882. 84 empfehlen? Da- 
selbst wird er bezügliches material aus der alten literatur finden. 

4) Vgl. 3, 14; 6, 7. 13; 8, 5 und 6; 11, 21 (mit respectet ist re- 
quirere zu vgl. 8, 13; 62, 37 und Tib. I, 1, 41) 12, 2; 14, 14; 21, 17; 
28, 10 tentus: „oder ist doch lentus beizubehalten?" vgl. Ellis!; 38,8; 
47, 2 „oder eher noch", „oder ist iunetae zu lesen?" „Am ehesten 
lese ich famesque munda" ; 50, 18; 61, 33 (was sollte das absolute cu- 
pidaml) v. 136: vilicae oder vitulUi}.)^ 63, 34 u. a. m. 



324 66. -Catalina. Nr. 5. 

Zu novum lepidum libellum I, 1 war vielmehr auf das asyndeton 
(36, 10; 47, 5; 46, 11; 54,2; 115,8) aufmerksam zu machen. 
Die Unsicherheit des argumentierens tritt sogleich I, 8 entgegen : 
es wird schließlich die wähl gelassen, ob man patrona virgo als Mi- 
nerva oder Muse oder als interpolierte Jungfrau Maria auffassen oder 
ein verstecktes patrone wittern soll. Ebenso wenig wird 2, 7 das pro- 
blem gelöst und in unbegreiflicher geschmacklosigkeit 2b mit dem 
reizend in sich abgerundeten passer kontaminiert. — Zu venu- 
stiorum (komparativ am versschluß !) carm. 3 giebt Süß a. a. o. 
das richtige; zu v. 4 und 5 waren die verschiedenen formen der 
anapher resp. epanalepsis 5 ) zu trennen. Zu v. 7 und 8 waren 
68, 132 zu vergleichen. In der sinnigen Übersetzung v. 10 pi- 
pidbat „piepte" soll wohl ein hinweis auf die onomatopoesie lie- 
gen ! — 4, 1 1 lesen wir zu comata silva : „der vergleich der 
belaubten äste und zweige mit dem haar widerstrebt unserer an- 
schauung". Nun, wenigstens nicht der anschauung unserer dich- 
ter ! z. b. Goethe, Chin. - — d. jahres- und tageszeiten VIII „schlan- 
ker weiden haargezweige scherzen auf der nächsten fluth", Groth: 
„wichein (weiden) stat in witte haar, spegelt slapri all de köpp", 
Heyse: „doch giebt's ein gärtchen, da stehn cy pressen, die tragen 
rosen im dunklen haar" und so sescenties. Natürlich findet Riese 
auch die beseelung v. 12 loquente saepe sibilum edidit cotna „künst- 
lich". Zarter ist allerdings Theoer. 1,1 a nlzv^ — 70 ipt&vQtana 
(ieXCads7ai. 8, 14 ist das nullei Roßberg's ein häßlicher alter 
flicken ! nulla zu halten, weil die Verschiebung des adjeetivs und 
adverbs so häufig im altlatein ist, wenn auch Riese in schönem 
deutsch sagt : „nirgends steht nullus beim passiv , wo es auch 
härter wäre"! 9, 13 vgl. Tib. IV, 2, 15—17; v. 17 malignus 
ist knapp, karg, wie benignus = liberalis. 14, 14: wie man 

5) Auch dies gehört zur alexandrinischen technik, daher beson- 
ders in carm. 64, auf das ich mich beschränken will. Eine dreifache 
anapher am anfang der verse begegnet 64, v. 19 — 21; 39 — 41; 257 — 
259; vierfach bei Callim. hymn. del. 260, dreifach Cerer. 4, 109 ; zwei- 
fach v. 29. 99. 215— Theoer. 1, 120. 146; 3, 21; 7, 118, etc., Callim. 
Iov. 6. 72. 87. 95. Apoll. 1. 6. 17. Art. 33. 63. 138. 183. 22 etc. Am 
anfang des verses und nach der trithemimeres v. 70 hymn. Cerer. 123 
— nach der penthemimeris v. 25. 37. 186— Theoer. 1, 12. 78; 2,98; 5,38 
etc., Callim. Iov. 55, Del. 70, 280, Lavacr. 4 — nach der bukolischen 
v. 327— Callim. Iov. 84, Apoll. 43, Artem. 44. 57. 256, Laver. 125, be- 
sonders bei Theoer.: 1, 15. 64. 66. 67. 131; 2, 1.23.118.124.140.165; 
3, 4. 18 etc. — Schluß des voraufgehenden und anfang des folgenden : 
v 61 und 62, v. 132 und 133; 259,403 - Callim. Iov. 74, Apoll. 64 etc. 



Nr. 5. 66. Catullus. 325 

continuo als adverb fassen und von die trennen kann, ist mir 
unerfindlich. „Noch im laufe des tages" heißt es. Zu allen 
möglichen erklärungen macht Riese dann noch die bemerkung : 
noch entsprechender der Wortstellung wäre allerdings die als 
eo die zu fassen, was aber ohne beleg ist: „sofort an diesem 
tage und zwar gar an den Saturn."! — 15, 5 ist gewiß 
nicht mit Baehrens pudicum zu lesen , v. 1 2 gehört paratum zu 
quem. 25 , 1 : was soll zu mollior cuniculi capillo Theoer. 5, 
51 vnvm ua).axooTSQu? 27, 4: klarer und besser Teufel de 
Cat. Tib. Prop. voc. singular. Frib. 1872, p. 21: ebriosa acinal 
— Zu carm. 29 vgl. die originelle Übertragung bei Mommsen 
Eöm. geschichte III 6 , 333. — An der kaum verständlichen Baeh- 
rens'schen conjektur v. 20, die Riese aufnimmt, ist nur gut das 
aufgeben des bisher krampihaft festgehaltenen timet. — Wie 
imperator unice höhnisch gemeint ist, so auch selbstverständ- 
lich v. 22 piissimi — wenn es Catull überhaupt geschrieben hat, 
vgl. Schoell a. a. o. p. 486 anm. — 30, 8 in amorem, Riese fragt: „zur 
Lesbia"? Nein, dich, Alfene, zu lieben! — 31, 3 folgt Riese Ellis, 
uterque Neptunus ist aber sicher mit Haupt u. a. „die gewässer des 
Ostens und westens". Was bedarf es mehr zeugnis als Prop. 
IV, 9, 52, Claud. in Ruf. I, 169; zu v. 4 vgl. Overholthaus 
Syntax. Cat. Goett. 1875, p. 11 f. — 35, 7 vgl. Priap. 52, 11, 
zu viam vorare: viam carpere bei augusteischen dichtem sescenties 
wie z. b. Ovid. Art. am. II, 230; v. 16 bemerken Doering, Ellis 
und Riese zu Sapphica Musa , daß Sapphica als zehnte Muse 
gefeiert sei ; Sapphica Musa aber kann nie die auch als Muse 
gefeierte Sappho heißen. Das wäre nicht blos „auffallend", 
sondern ist rein unmöglich. Sapphica Musa ist nur = Musa Sap- 
phus. — 36, 9 vidit= intellexitl v. 12 nachahmung von Theoer. 
15, 100, vgl. Cat. 64, 69. XJrii kommt niemals vor. Riese 
schreibt trotzdem v. 12 Urios apertos und führt zu apertos sc pro- 
cellis als beleg Sil. VII, 411 portus intrarat apertos an !! Heinsius 
fand das rechte : Uriosque portus. — Die auffassung von carm. 44 
wird durch Riese nicht gefördert, ebensowenig von carm. 45 ; un- 
erträglich heißt es : „vielleicht subinde amanti" — das soll heißen 
„von zeit zu zeit sich küssend"!! — für sinistra ut antel — 
Warum carm. 46, 8 diversae variae nicht analog ist dem asyndeton 
iocose lepide u. ä. , kann ich nicht einsehen. — Sehr potentiell 
ist auch die schließliche auffassung von carm. 49: „es wird doch 



326 66. Catullus. Nr. 5. 

wohl ernst gemeint sein", am anfang heißt es: „wenn ernst ge- 
meint, ist es eine etwas steife, ausgesucht artige , ja überschwäng- 
liche danksagung". Wofür Catull dankt, kann weder Riese 
noch sonst jemand wissen, aber daß Catull und Cicero freunde 
gewesen , will mir nicht einleuchten (vgl. oben), ebenso wenig 
daß das gedieht ironisch gefaßt, „sehr geschraubt und doppel- 
sinnig" wäre. Catull hält sich ebenso wenig für den schlech- 
testen dichter wie den Cicero für den bedeutendsten redner; 
übrigens schließen mit einer beißenden pointe , die Riese am 
schluß bei Catull „nicht oft" finden will, auch carm. 29. 39. 42. 
88. 97. Geistreich heißt es 50, 15 semimortua „nicht = im 
schlaf"! Zu carm. 51 paßt die Überschrift „fesseln der liebe" 
nur auf den letzten vers, der einen ,,fast Heine'schen Umschlag 
der Stimmung" zeigen soll — mir scheint derselbe weder Heinisch 
noch Catullisch — , besser: „liebesentzücken" oder „nähe der ge- 
liebten". Das allerdings wenig poetische geminae findet seine 
stütze 63, 75 und Cul. 150, auch Tib. IV, 2, 5, Prop. IV, 
24, 7. Bei v. 15 ist in erster linie an Paris' liebe und Troja's 
fall zu denken. Carm. 55 und 58 b trennt Riese trotz des gleichen 
metrums und der gleichen Situation •, gelehrsamkeit ist auch an- 
deren kleinen gedichten nicht fremd, vgl. 36, 12 f., 11, 5 f. — 
57, 6 gemelli ist deminutiv von gemini (zwillinge), die nudixoi 
sind eng verbrüdert, schlafen in einem bettchen (v. 7), schöpfen 
an einem bächlein (rivales socii puellularum). 61, 73 at queat 
ist unhaltbar, Peiper mit recht at potest wie 63 und 68. Zum 
intransitiven tardet v. 83 vgl. in der alten latinität noch intran- 
sitive, von adjeetiven abgeleitete verba I wie durare (Amph. 882, 
Cure. 778 etc.), obdurare (Asin. 322, Cat. 8, 11. 19, zu schrei- 
ben PI. Pseud. 236 für cor dura), perdurare (Trin. 291, Ter. 
Hec. 169), geminare, conduplicare, rutilare, verare, nigrare, variare, 
tardare (Acc. fr. 372) 6 ). 

Carm. 61, 94 meint Riese, Heyse fasse in alba parthenice . . 
luteumve papaver den gegensatz „weiß und roth" zu deutsch auf. 
Nein ! Ebenso wie die griechischen dichter lieben auch die rö- 
mischen diesen farbenkontrast, vgl. Enn. A.nn. 355 et simul eru- 
buit ceu lade et purpure rnixta, Cat. 64, 162 und 309, Verg. Aen. 

6) Vergl. hiezu meine dissertation de obiecto interno apud Plau- 
tum et Terentium atque de trausitu verbalium notionum, Kiel 1878, 
p. 11 ff. 



Nr. 5. 66. Catullus. 327 

XII, 65 (Hom. II. IV, 141), Tib. I, 4, 29; Prop. II, 3, 11, 
Ov. Met. II, 607 etc. — Die astronomischen und geographischen 
Schwierigkeiten in carm. 62 werden darin ihre lösung finden, 
daß Catull ein griechisches vorbild (Sappho !), nicht immer sach- 
kundig, übersetzt hat; für ihn bedeutet olympo (siehe die präch- 
tige anmerkung bei Kiese mit den herrlichen citaten !) lumina 
tollit nichts als „er läßt sein licht am himmel leuchten", wie 
Verg. Georg. I, 251, Claud. XIV, 1. 2, und wie v. 6 ostendit 
ignes. Zu v. 3 vgl. Mart. I, 55, 11; v. 35: Cir. 352. 55: 
die früher verbrochene conjektur bubulci hätte Riese lieber mit 
schweigen bedecken sollen ; über die einst geträumten respon- 
sionen hat Schoell wohl Kiese nunmehr aufgeklärt. — Carm. 63 : 
„anlehnung an ein griechisches vorbild wahrscheinlich" ! Viel 
schärfer und richtiger v. Wilamowitz (Hermes XIV, 197, das 
Riese mehr hätte ausbeuten müssen) : „ein meisterstück der nach- 
ahmung alexandrinischer kunst in metrum , spräche und stil" 
(Kallimachos!). v. 6 sine viro vertritt ein adjectiv, wie z. b. sine 
arte bei Ovid so oft (Rem. am. 350 etc ), so auch sine luce faces 
Rem. am. 140, sine igne cinis v. 244, sine voce puella v. 333, 
Met. I, 26 sine pondere caeli etc. Zu celerare v. 26 vgl. meine 
dissertation p 14. v. 30: properante pede ist doch nicht blos 
„aus euphonischen", sondern poetischen gründen Singular , vgl. 
v. 2 und 86. v. 35 und 20 ist domus Cybeles ohne zusatz nur 
„tempel", Riese will darunter die nemora verstehen , auch wir 
sagen, „grüner wal des dorn", v. 63 iuvenis liegt vom hand- 
schriftlichen mulier doch etwas weit ab, letzteres ist zu halten, 
Attis sagt, er habe alle formen durchlaufen, v. 80 zu libere nimis 
vgl. 69, 7, Aen. IX, 472 (Süß a. a. o.). — In der einleitung 
zu carm. 64 durfte Riese nimmermehr der alexandrinischen ein- 
schachtelungen mindestens ähnlicher art vergessen. Mommsen 
behält völlig recht III 2 , 579; vgl. Theoer. I, 27 — 61 (beschrei- 
bung eines bechers) , vgl. XV, 112 ff., Callim. hymn. Dian. 
189 f., Cerer. 31 f., Lavacr. anfang bis 130 etc., auch hier werden 
längere reden und betrachtungen eingeflochten (vgl. Del. 86 f., 
109 f., 122 f., 162—195,215.240.266); von Nonnos ganz zu ge- 
schweigen, der auch hierin die Alexandriner utriert! ■ — Kurz 
und gut: carm. 64 ist im ganzen wie im einzelnen ein echt 
alexandrinisches produet ! Riese führt die behandlung des ero- 
tischen „indirect auf Euripides , direct vielleicht (!) auf Apollo- 



328 66. Catullus. Nr. 5. 

nios" zurück. Nun, sie ist überhaupt alexandrinisch. Mit wel- 
cher Vorliebe malt Theokritos die schmerzen unglücklicher liebe 
{eyJtXiot o't yiltorng XIII, 66), id. 2!, Daphnis , Menalkas, 
Herakles, Polyphem stehen alle unter dem banne des egmg dnt]- 
qo<,\ aoyaling, ßaoiig deog (vgl. 10 anfang, v. 22; 14, 57). Zu 
v. 2 und 3 vgl. Ov. Met. I, 95 und VII, 6; v. 14 Sil. Ital. 
VII, 413 f., v. 18: Met. V, 413. v. 22 bona matrum bleibt ohne 
notiz. Zu v. 236 und 27 war mit Süß auf Dirae 95 und 30 
und 35, sowie auf Cir. 198 zu verweisen. Zu velatum v. 64 
heißt es „ist wohl korrupt", weiter unten „sonst ließe sich auch 
die auffassung : nicht bedeckt mit leichtem gewand auf der ver- 
hüllten brüst vertheidigen , wobei non den ganzen satz negiert". 
Mir ist velatum zweiffellos, vgl. auch meine ausführungen Rhein, mus. 
XXXVI, 322 f. Ich füge hinzu: auch sonst ist, außer 64, 266, 
velare amictu stehend vgl. Ov. a. am. III, 179, Met. X, 1, Verg. 
Aen. III, 405, Cir. 250, zu der ganzen stelle vgl. Cir. 168. — 
Zu v. 96 vgl. Poet. lat. min. IV, 212 Baehrens; v. 100: Ov. 
Met. XI, 110. v. 114: kunstvoll malen die langen worte das 
umhertappen, v. 119 warum nicht lamentata est? v. 140 ist mit 
Magnus mihi miserae als dat. commodi, von sperare abhängig, zu 
fassen, v. 147: nicht mens, sondern mens cupida ist „leidenschaft". 
Ellis spukt vielfach im kommentar zu diesem gedieht (v. 227 
dicet = indicet !) , doch polemisiert Riese auch gegen ihn , ohne 
ihn zu nennen (v. 239). v. 240 : Catull dachte wohl nicht wie 
Ellis und Riese an o(>og iiyösv bei Homer, sondern an die Alpen 
selbst. Vs. 243: infecti ist nothwendig (255). Zu dem schönen 
gleichnis 269 ff. vgl. Aesch. Agam. 1139 ; Hom. II. IV, 422 ähnelt 
allerdings nur sehr theilweise, dagegen dachte Catull sicher an 
eine alexandrinische ausmalung von II. VII, 61, Ovid (Met. V, 5) 
wieder an Catull. — Vs. 299 : Apollo und Artemis fehlen natürlich 
als helf er der Troer, naiv fragt Riese „oder sollte er (Apollo) als 
Sonnengott am himmel bleiben ?" — Vs. 326 vgl. Stat. Silv. 1, 4, 123. 
v.332: die kunstvolle Wortstellung hätte, wie auch sonst gelegent- 
lich, beleuchtet werden können. Solche verschränkung von zwei 
paaren von begriffen begegnet im altlatein noch nicht. — Vs 372 
bleibt optatos «mW ohne notiz. Der excurs 381 f. wird sonderbar 
motiviert. Vielmehr ist der preis des goldenen Zeitalters echt 
alexandrinisch, klingt auch bei den augusteischen dichtem immer 



Nr. 5. 66. Catullus. 329 

alten aberglaubeu von carmina aufzugeben, spricht noch von „Über- 
setzungen?" — Zu carm. 66 vgl. Stat. Silv. III, 4 Capilli Flavi 
Earini. Echt alexandrinisch ist die mischung von galanterie 
und lüsternheit v. 13 f., vgl. 68, 116. v. 23: vgl. Ov. Am. II, 
19,43, Culex 101. v. 26 fxtydüvfxoi; findet sich Callim. Fr. anon. 
269. v. 49: das pereat auf den, der zuerst das eisen entdeckte, 
ist ein mannigfach variiertes motiv bei den augusteischen dich- 
tem, v. 63 : schon vor Lucrez sagt Enu. Ann. 50 u. 66 caeli 
caerula templa vgl. trag. 227. — 67, 29 narrare ursprünglich 
gnararel — Der streit, der in den letzten jähren um carm. 68 
entbrannt ist , hat bereits stark das persönliche gestreift (Baeh- 
rens!), eine einigung scheint kaum mehr möglich, trotzdem 
Magnus (Jahrb. 1875, G. zeitschr. 78), und Schoell (Jahrb. 80) 
das hauptunheil der irrigen Interpretation von v. 39 hinwegge- 
räumt, Kießling (Analecta 1877) und besonders Harnecker (Progr. 
Friedb. 81) das sachliche trefilich erläutert haben. Den gegnern 
der einheit ist aber weder mit nüchtern grammatischen (v. 39) 
nach handschriftlichen (Lachm. v. 11. 30. 66. glänzend!) noch 
sachlichen gründen (beziehungen von 10. 32. 149) beizukommen. 
Riese macht nun aus einem — drei gedichte!: 1 — 40 an Ma- 
lius oder Manlius , 41 — 148 preis des Allius, 149 ff. an Allius! 
Somit hätten wir nun nicht zwei, sondern drei ganz heterogene 
völlig in der luft schwebende gedichte. Es kann hier nicht 
meine aufgäbe sein , alle fragen wieder aufzurühren. Es hat 
auch wenig gefahr, daß Riese's geschmack getheilt wird. Mir 
scheint carm. 68 ein alexandrinisches meisterstück , in dem sich 
die pietät gegen den bruder, die echte freundschaft zu M'Allius 
und die liebe zur Lesbia zu einem schönen ganzen verquicken. — 
Zu v. 10 hätte Harnecker's treffliche Sammlung wohl namhaft 
gemacht werden können, v. 12 soll odisse „übertreibend" anstatt 
neglegere stehen , vielmehr ist es der Umgangssprache entlehnt, 
odiosus ist da „langweilig", v. 50 heißt es : desertus hier „ver- 
lassen" — was sonst? — Vs. 57 — 62 : wie kunstvoll sind die ver- 
schiedenen gleichnisse (53 f.) verschlungen'! Die wunderliche idee, 
qualis zum folgenden talis zu ziehen , bedurfte keiner so ernst- 
haften abwehr. v. 59 : alliteration ! — Vs. 64: Culex 155. v. 99 : obsc. 
vgl. Fest. p. 201 mali ominis. — Vs. 112 : vgl. das griechische: Herod. 
III, 431 ?jKovoi' shai ngwtoi, Theokr. 16, 31. — Naiv ist die 
auffassung von carm. 69; es ist ein bissiges schadenfrohes epigramm. 



830 67. Vergilkus. Nr. 5. 

— Carm. 70 ist j ed enf al ls an Lesbia gerichtet ! Warum soll 
man bei der heranziehung von Iupiter (auch 72, 2) nicht an 
Iuno ßnäni^ denken? — Die einleitung zu carm. 76 mit ihrer 
steifen inhaltsangabe sagt mir nicbt genug. Es ist eins der 
schönsten gedichte des alterthums, von einer ganz modernen Zart- 
heit und sittlichen tiefe des empfindens. Die trauer des herzens 
um schuldlos verlorenes glück hat selten einen so herrlichen 
ausdruck gefunden. Verachtung der geliebten und resignation 
kämpfen einen schweren kämpf mit dankbarkeit und liebe, deren 
leidenschaft trotz alledem den unglücklichen martert: ipse valere 
opto et taetrum hunc deponiere morbum | o di reddite mi hoc pro 
pietate meal — Bei Riese's bedenklichkeit kann es nicht wunder 
nehmen, wenn er carm. 77 wie 69. 71 und gar 100 unter Rufus 
nicht den M. Caelius Eufus verstehen will, doch auch hier müßte 
ein sonderbarer zufall merkwürdiger Übereinstimmungen walten, 
vgl. Schoell p. 483. — Der titel „liebesbeweis" zu carm. 83 ist 
recht geschmacklos, Heyse : „bedenkliche Symptome", das Riese 
für 92 adoptiert : „liebessymptome" ; v. 3 heißt es zu oblita ta- 
ceret: „zur euphonie vgl. Biese Rhein, mus. 1883, p. 634 ff. u . 
Ich war so frei, solche Wiederholung derselben silbe xaxocpmria 
zu nennen und in bestimmten grenzen bei den dichtem nach- 
zuweisen. Zu dem von Riese zu carm. 86 citierten vgl. die schöne 
stelle Ovid. A. am. II, 113 f. — Carm. 95 Hortensius noch immer 
beizubehalten, ist auch geschmacksache. Die identität des Tanu- 
sius und Volusius hat Schwabe neuerdings (Jahrb. 1884) wieder 
gegen Sonnenburg gestützt. Uebrigens wie kann man wirklich 
im ernst noch immer 95 b mit 95 verbinden? — Carm. 101 ist 
weder epikedion noch epitaph , sondern ein rührendes „gelegen- 
heitsgedicht" : „am grabe des bruders". — 

Doch genug! Die fleißige arbeit Riese's zeigt, wie viele 
fragen für Catull noch offen sind resp scheinen, jedenfalls wie 
viel auch jetzt noch für den liebenswürdigen dichter zu thun 
übrig bleibt. — Die druckfehler, circa ein dutzend, sind unbe- 
deutend, 67, 10 lies est statt es. 

Alfred Biese. 



67. Johann Kvicala, Neue beitrage zur erklärung der 
Aeneis nebst mehreren excursen und abhandlungen. Prag, Ver- 
lag von F. Tempsky 1881. VIII, 463 p. 



Nr. 5. 67. Vergilius. 331 

Freudig, wenn auch verspätet begrüßen wir die fortsetzung 
eines werkes, dessen erster theil, „Vergilstudien" 1878, im Phil, 
anz. X, 170 — 178 als vorzügliches buch anerkannt worden ist. 
In den „Neuen beitragen" sind die ersten 14 bogen der bespre- 
chung einzelner stellen des zweiten , dritten und vierten buches 
der Aeneis gewidmet ; die zweite hälfte bilden fünf excurse und 
abhandlungen. Aus der fülle kritischer und exegetischer erör- 
terungen zahlreichere proben herauszuheben unterlassen wir im 
hinblick auf das über die Vergilstudien a. a. o. bemerkte. Nur 
weniges sei hier angeführt von demjenigen, worin wir mit Kvi- 
cala nicht übereinstimmen können. 

Die meisten emendationen , welche Kvicala vorschlägt, bil- 
ligen wir nicht, obschon sie sich fast alle durch leichtigkeit em- 
pfehlen. Uns scheint eben für die betreffenden stellen eine 
genügende, erklärung, zum theil gerade durch das verdienst von 
Kvicala, gefunden zu sein. So läßt sich IV, 415 ne quid inex- 
pertum frustra moritura relinquat , wo Kvicala monitura schreiben 
will, erklären , wenn moritura nur eng zu ne quid inexpertum re- 
linquat bezogen wird : um nicht etwas unversucht zu lassen und 
so ohne grund in den tod zu gehen. Auch folgende emenda- 
tionsvorschläge haben uns nicht überzeugt: II, 87 commisit oder 
ähnliches statt huc misit; II, 107 persequitur statt prosequitur ; III, 327 
enixe statt enixae; III, 333 credita statt reddita; IV, 245 vento se 
statt ventos ; IV, 322 solem ac statt sola; IV, 419 superare statt 
sperare. Seltener differieren wir von Kvicala in der entscheidung 
über die von anderen versuchten emendationen. Wo Kvicala 
die echtheit einzelner verse oder ganzer versgruppen bespricht, 
namentlich wo er athetesen durch seine erklärung abweist, 
pflichten wir ihm meistens bei. Die erklärung übt Kvicala über- 
haupt mit meisterschaft. Ueberall zeigt sich sinnige Vertiefung 
in die intentionen des dichters. Nur selten hat eine gewisse 
klügelei auch dafür eine antwort finden wollen, was wir vom 
dichter nicht erfragen dürfen, z. b. III, 470, ob Helenus, als 
er dem Aeneas rosse und lenker schenkte, auch wohl wagen 
mitgab oder voraussetzte , Aeneas werde sich diese selbst ver- 
schaffen. Treffende deutung des wortsinnes vermißt man, wenn 
Kvicala III, 669 unter ad sonitum vocis nach Servius das ge- 
räusche des geräusches (der rüder) verstehen will. Auch die 
deutung II, 423 ora sono discordia signant „sie zeigen an , daß 



332 67. Vergilius. Nr. 5. 

das aussehen dieser männer ihrer rede widerstreite" ist zu künst- 
lich , um wahr zu sein. Die Wortfügung verkennt Kvicala IV, 
158 f. dari pecora inter inertia votis optat aprum , indem er votis 
als dativ zu dari zieht und nicht als ablativ zu optat, was durch 
X, 279 quod votis optastis gesichert ist. Allzu feinfühlig nimmt 
Kvicala II, 179 quod pelago et curvis secum avexere carinis an 
der „Verbindung der heterogenen ablative" anstoß. Anderswo 
(III, 253) zeigt er sich weniger empfindlich und entgeht dann 
der gefahr, durch das moderne Sprachgefühl beirrt zu werden. 
Dieser gefahr unterliegt er aber, indem er IV, 212 f. cui litus 
arandum cuique loci leges dedimus nach dem von ihm überschätzten 
commentar von Ladewig - Schaper erklärt: „wir haben ihr das 
recht gegeben, gesetze für diesen platz zu erlassen". Die nächst- 
liegende erklärung , nach welcher loci leges die bestimmungen 
für die besitznahme des terrains bedeutet, verwirft Kvicala mit der 
begründung : „da dedimus auch zu litus arandum gehört und hier 
„verleihen" bedeutet, so muß auch in der Verbindung loci leges dedimus 
das verbum dare „verleihen" bedeuten". Aber sagen wir nur „an- 
weisen", so ist auch für uns das object „küste" so gut mit dem 
verbum vereinbar wie das object „bestimmungen". Eine be- 
schönigende deutung versucht Kvicala für die worte der Dido 
an ihre Schwester IV, 11 quem sese ore ferens, quam forti pectore 
et armis. Im anschluß an Goßrau (und Nauck) leitet Kvicala 
armis von arma ab ; aber gerade seine begründung beweist, daß 
armis als plural von armus zu fassen ist. Kvicala citiert Ver- 
gils Vorbild in der Ilias r 194 evgvtegos ö' o}fioiaii> lös arsg- 
poioiv und die nachbildung bei Valer. Flacc. I, 434 f. umeros 
fortes spatiumque superbi pectoris \ dazu gesteht er , daß unserem 
dichter ohne zweifei die verse des Apoll. Rhod. III, 453 ff. vor- 
schwebten. Aber statt hieraus die nothwendige consequenz zu 
ziehen, bemerkt Kvicala, „es liege hier einer von jenen fallen 
vor, in welchen Vergil sehr zu seinem vortheil von seinem vor- 
bilde Apollonius abging". Und dies alles, weil die von Dido 
ausgesprochene Vorstellung der fortes armi ,, unschön" sein soll. 
Wäre sie es nach unserem geschmacke , so läge eben einer von 
jenen fällen vor, in welchen Vergil dem modernen geschmacke 
nicht entspricht, worüber u. a. H. Frommann, Harmlose Studien I 
(Jena 1874) gehandelt hat. Zu gunsten der auffassung, welche 
armis auf arma zurückführt und forti pectore nicht in körper- 






Nr. 5. 67. Vergilius. 333 

liebem sinne verstehen will, verweist Kvicala auf v. 13 dege- 
neres animos timor arguit. Also weil in v. 13 von der furcht 
gemeiner seelen gesprochen wird, soll in v. 11 vom muthe des 
Aeneas die rede sein. Aber wenn v. 11 in der ersten hälfte 
quem sese ore ferens vom angesichte des Aeneas spricht , soll er 
da in der zweiten nicht vielmehr von brüst und schultern als 
von muth und waffen reden. Bevor noch v. 13 den gedanken 
degeneres animos timor arguit einführt , wodurch der nachfolgende 
ausruf der bewunderung des bewährten heldenmuthes vorbereitet 
wird, steht doch in v. 12 der die anführung der körperlichen 
Vorzüge abschließende gedanke : credo . . genus esse deorum , er 
ist schön wie ein gott. Ob wir eine solche äußerung im munde 
der Dido „passend" finden oder nicht, ob wir Diclo „zurückhal- 
tender" wünschen oder nicht, kann für die interpretation nichts 
entscheiden. Bedenklich ist es auch, als kriterium zu betrachten, 
ob uns etwas „ungefällig" erscheint. Dies wagt Kvicala wie- 
derholt, z. b. IV, 381, wo doch der an dem zweifachen aus- 
druck ventis pete regna per undas genommene anstoß durch die 
analogie von v. 310 aquilonibus ire per altum beseitigt wird ; 
denn wenn Kvicala in ire per altum einen „einheitlichen begriff" 
erkennen will, so muß er denselben auch in pete per undas an- 
erkennen. Mit recht aber legt Kvicala gewicht auf den paral- 
lelismus von sequere Italiam ventis und pete regna per undas. Auf 
dieses kriterium hat Kvicala überhaupt wie auf das von der 
alliteration dargebotene mit Vorliebe sich gestützt, zumeist auch 
mit glück , doch nicht immer. Bedenken weckt seine entschei- 
dung III, 627, wo er die lesart trepidi tremerent sub dentibus 
artus auch darum bevorzugt, weil ,,die alliteration trepidi treme- 
j rent noch kräftiger als bei der lesart tepidi" sei. Vielleicht al- 
literiert doch tepidi tremerent „kräftig" genug, und eine littera 
canina wird dabei gespart. Die imitation Ovids Met. XIV, 209 
I semianimes artus, auf welche sich Kvicala auch beruft, kann, 
selbst wenn man sie gelten läßt, nichts beweisen ; denn semianimes 
können die noch dampfenden (tepidi) glieder so gut als die noch 
zuckenden (trepidi) heißen. Sonst hat Kvicala nachahmungen 
bei Ovid öfter passend verwerthet. Auch IV, 208 ff. an te, ge- 
nitor, cum fidmina torques, nequiquam horremus, caecique in nubibus 
ignes terrificant animos würde sich die richtige deutung, auf welche 
Kvicala erst auf Umwegen kommt, sofort ergeben haben, wenn 
Philol. Anz. XV. 23 



334 67. Vergilius. Nr. 5. 

er sich an Ovid Pont. III, 6, 27 f. erinnert hätte. Stellen wie 
Ib. 67 di maris et terrae quique Ms meliora tenetis . . regna oder 
Trist. I, 2, 1 di maris et caeli dürften auch für die richtige auf- 
fassung von III, 528 entscheidend sein, wo Kvicala gegen Ser- 
vius die worte maris et terrae tempestütumque potentes als apposi- 
tion zu di betrachtet. Dem commentar des Servius (und dem 
Daniel'schen commentar) schenkt Kvicala durchweg die gebüh- 
rende beachtung. Auch zu II, 579 natosque, wo nur Hermione 
zu verstehen ist, durfte auf Servius zu X, 532 hingewiesen werden. 
Manche erläuterungen von Kvicala erweitern sich zu excursen, 
so über den einklang zwischen Euripides und Vergil bezüglich 
der Schicksale des Neoptolemus , Helenus und der Andromache, 
über die Stimmung gegen Helena bei Homer, im Epischen cy- 
klus und bei Euripides, über die auguria divom in der Aeneis 
II und III. In betreff des letzteren punktes konnte auf Philol. 
anz. IX, 49 rücksiebt genommen, bezüglich der angeblichen 
mondhelle bei der einnähme von Troja die ausführung im Phil, 
anz. VII, 313 f., in der erörterung über IV, 51 ff. die andeu- 
tung daselbst X, 381 über die Vorstellung des dichters von der 
Jahreszeit beachtet, für IV, 449 die bemerkung über den orbis 
narrationis (vgl. Kvicala p. 66 und 94) ebenda XI, 248 ange- 
führt werden. 

Die zweite hälfte der „Neuen beitrage" wird von zwei ex- 
cursen zum II. buche der Aeneis eröffnet, worin Vergils angaben 
über die eroberung Trojas mit den entsprechenden bei anderen 
autoren zusammengestellt und die differenzen der angaben bei 
Vergil und bei den anderen verzeichnet sind. Es folgt eine 
kleine abhandlung über den anfang und schluß der reden, der 
bei Vergil und den römischen epikern abweichend vom griechi- 
schen epos nicht regelmäßig mit dem anfang und Schlüsse eines 
verses zusammenfällt. Die nächste abhandlung über wortsym- 
metrie setzt einen in den „Vergilstudien" begonnenen nachweis 
fort, dessen werth für die interpretation schon im Phil. anz. X, 
176 hervorgehoben wurde. Die umfangreiche letzte abhandlung 
bespricht die alliteration in der Aeneis. Schon früher wurde im 
Phil. anz. VII, 314 darauf hingewiesen, welch wichtiges moment 
für die erklärung des Vergil die alliteration ist , die zwar der 
lateinischen spräche überhaupt und den römischen dichtem be- 
sonders der älteren zeit sehr geläufig, in der augusteischen pe- 



Nr. 5. 68. Coelius Antipater. 335 

riode aber namentlich von Vergil mit Vorliebe und in weitem 
maße gebraucht war. Ebenda wurde die alliteration beispiels- 
weise als kriterium für eine lesart (I, 117 vorat aequore vortex) 
verwendet, für welche sie jetzt auch Kvicala in anspruch nimmt. 
Ferner wurde daselbst an einem beispiele (I, 55 f. magno cum 
murmure montis) die Wichtigkeit des alliterationsprincips für die 
exegese gezeigt, wie es jetzt Kvicala für eine reihe von fällen 
verwerthet. Auch auf Näke's aufsatz De allitteratione sermonis 
latini wurde schon im Phil. anz. VII, 315 verwiesen. Kvicala 
hat die belege für die bemerkenswertheren erscheinungsformen 
der alliteration in geordneten gruppen vorgeführt. Daran schließt 
er eine Übersicht sämmtlicher in der Aeneis vorkommenden fälle, 
in welchen ihm die alliteration „in absichtlicher und bewußter 
weise" angewendet zu sein scheint. Am Schlüsse des nicht we- 
niger als 7178 verse umfassenden Verzeichnisses erklärt sich je- 
doch Kvicala „weit davon entfernt, zu behaupten , daß in allen 
diesen versen die alliteration eine vom dichter beabsichtigte ist". 
Aber auch nach beseitigung der unsicheren beispiele bleibt, wie 
Kvicala meint , eine große zahl , etwa zwei drittel (irrthümlich 
steht „ 2 /3 procent" gedruckt) aller verse der Aeneis übrig, „für 
welche die absieht des dichters mit evidenz oder wenigstens 
mit Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist". Auch über den reim 
bei Vergil spricht Kvicala gelegentlich, leider ohne W. Grimm's 
abhandlung zur geschichte des reims zu kennen. 

Kvicala verspricht eine fortsetzung seiner Untersuchungen, 
welche die bücher V — XII der Aeneis und die übrigen gedichte 
Vergils behandeln , auch nachtrage zu den „Vergilstudien" und 
den „Neuen beitragen" bringen soll. Sie wird willkommen sein. 

68. Ioannes Baptista Sturm, quae ratio inter tertiam 
T. Livi decadem et L. Coeli Antipatri historias intercedat. Diss. 
Würzburg 1883. 8. 54 p. 

So sehr auch die meinungen über die quellen des zweiten 
punischen krieges im einzelnen auseinandergehen, darüber herrscht 
nahezu einstimmigkeit , daß eine der quellen, welche Livius in 
der dritten dekade benutzte , das geschichtswerk des L. Coelius 
Antipater sei. Der Verfasser vorliegender dissertation ist ande- 
rer meinung : sie enim statuimus et iudicamus a T. Livio in hello 
Hannibalico narrando (vel in tertia decade) L. Coelium Antipatrum 

23* 



336 68. Coelius Antipater. Nr. 5. 

non adhibitum esse auctorem (p. 6). Diese ansieht sucht der Ver- 
fasser in der weise zu begründen, daß er sämmtliche fragmente 
des Coelius analysiert und mit Livius vergleicht. Er findet bei 
dieser vergleichung , daß von den fragmenten des Coelius elf 
mit der erzählung des Livius nicht übereinstimmen, drei ihrem 
inhalte nach von Livius nicht benutzt sind, 37 bei Livius gar 
nicht vorkommen uud nur sechs mit Livius übereinstimmen oder 
ihm nicht widersprechen. Dieses resultat mag manchem frap- 
pant erscheinen. Aber der vom Verfasser daraus gezogene schluß, 
daß Livius das werk des Coelius überhaupt nicht benutzt habe, 
ist nichts desto weniger verfehlt. Zunächst ist die beweisführung, 
durch welche dieses resultat gewonnen wird, nicht durchweg 
überzeugend. Die art und weise, wie der Verfasser Widersprüche 
der Livianischen erzählung mit fragmenten des Coelius zu con- 
struieren bemüht ist, streift bisweilen an hyperkritik. Wenn 
er ausdrücke und Wendungen wie in quiete (Livius) für in somnis 
(Coelius) , multarum urbium . . . partes prostravit (Livius) für ut 
multa oppida corruerint (Coelius) , mare fluminibus invexit (Livius) 
für in amnes mare influxerit (Coelius) und den umstand, daß ein- 
zelne worte des Coelius bei Livius und worte des Livius bei 
Coelius fehlen , als beweise für die nichtbenutzung des Coelius 
verwendet, so hat er offenbar eine zu geringe Vorstellung von 
Livius' fähigkeiten, er muß ihn hiernach mehr für einen mecha- 
nischen abschreiber als für einen historiker halten. Daß auf 
diese weise leicht Widersprüche constatirt werden können, wo 
andere Übereinstimmung finden, ist begreiflich. Z. b. ist die 
differenz zwischen Livius' erzählung vom träume Hannibals und 
Coel. frg. 11 und zwischen Liv. XXII, 5, 8 und Coel. frg. 20 
nicht so bedeutend, daß Coelius nicht die quelle des Livius 
sein könnte. Die auffallende Übereinstimmung in dem ausdruck 
vastitatem esse Italiae sucht Sturm vergebens mit den worten 
e quibus quidquam efficere nemini licet (p. 8) als irrelevant bei 
seite zu schieben. — Aber selbst angenommen , das resultat 
der Untersuchung wäre unanfechtbar, so berechtigt es dennoch 
nicht zu der folgerung , die der Verfasser daraus gezogen hat. 
Daß für eine so große anzahl von fragmenten des Coelius sich 
bei Livius keine parallele findet, ist von geringer bedeutung, 
da dieselben meist in kurzen sätzen und einzelnen ausdrücken 
bestehen. Auch dem umstände, daß Livius an vielen stellen 



Nr. 5, 68. Coelius Antipater. 337 

wo er den Coelius nennt, ihn für die betreffende erzählung nicht 
benutzt hat, ist kein großes gewicht beizulegen. Der Verfasser 
ignoriert völlig die bekannte thatsache, daß die alten historiker 
im allgemeinen ihre gewährsmänner mit Vorliebe dann zu nennen 
pflegen, wenn sie bei ihnen etwas zu tadeln oder zu berichtigen 
oder Widersprüche aufzudecken haben. Wenn also Coelius viel- 
fach da, wo ihn Livius nennt, in dem betreffenden abschnitt 
nicht als quelle gedient hat, so ist damit nicht ausgeschlossen, 
daß Livius ihm anderswo gefolgt ist. — Ein verdienst wollen 
wir dem Verfasser gern einräumen. Mehrfach ist angenommen 
worden, daß Coelius Antipater die hauptquelle des Livius für 
den zweiten punischen krieg gewesen sei. Es war immerhin 
nützlich , den anhängern der auch sonst genugsam widerlegten 
einquellentheorie an der band der fragmente des Coelius zu zei- 
gen , daß der inhalt derselben zum nicht geringen theile ent- 
weder von der darstellung des Livius abweicht oder sich bei ihm 
gar nicht findet. Aber weiter zu gehen und zu behaupten, daß 
Coelius überhaupt nicht von Livius benutzt ist, dazu liegt kein 
grund vor. Livius citirt den Coelius elfmal an verschiedenen 
stellen der dritten dekade und er spricht in einer weise von 
ihm , daß man annehmen muß , er habe ihn als gewährsmann 
sehr hoch geschätzt. Coelius' werk war die einzige römische 
specialgeschichte des zweiten punischen krieges, und in welchem 
ansehen Coelius als historiker stand , ersieht man aus Cicero. 
Auch der rhetorische Charakter der darstellung des Coelius mußte 
Livius seiner ganzen natur nach sehr zusagen. Es genügt voll- 
kommen dieser momente eingedenk zu sein, um zu wissen, was 
man von der erklärung zu halten habe , welche der Verfasser 
für die häufige erwähnung des Coelius bei Livius aufstellt: in 
hac enim opinione sumus Livium tertia decade iam perfecta in opus 
Coelianum incidisse. quapropter cum Titus Antipatri Mstorias de hello 
Pun. II sibi bellum Hannibalicum scribenti haud parvi pretii futuras 
fuisse intellexisset, libros tertiae decadis iterum perspiciens atque per- 
censens cum opere Coelii comparavit iisque locis, quibus narratio cum 
Coelio non consenserat, famam Coelianam adnotationibus parvis . . . 
suae addidit, ita ut neglecta repararet compensaretque et quasi quodam 
modo praetermissa revocaret (p. 53). Es ist schlechterdings un- 
glaublich, daß Livius , als er an die darstellung des Hannibali- 
schen krieges ging, das geschichtswerk des Coelius Antipater 



338 69. Sallustius. Nr. 5. 

nicht gekannt haben sollte. Der Verfasser verkennt übrigens 
nicht, daß eine solche nachrevision in jener zeit besondere Schwie- 
rigkeiten hatte, er sieht sich daher zu einer weiteren hypothese 
genöthigt : norme scriptori nostro licuit libros adnotationibus Ulis 
auetos dermo totos exscribere? (p. 54). Ganz unzutreffend ist auch, 
was der Verfasser über die stelle Liv. XXIII, 6, 8 sagt, welche 
ganz entschieden gegen seine ansieht spricht. 

Leopold Colin. 

69. Sallust's Catilina and Iugurtha. Edited with 
notes by the late George Long. Second edition, revised, 
with the addition ofthe chieffragmentsofthehisto- 
ries. By J. G. Frazer. London, Whittaker & Co., George 
Bell & Sons 1884. XXXII, 372 p. 

Es ist erfreulich zu sehen, wie eifrig in England die lec- 
türe des Sallust betrieben wird. Vor uns liegen drei englische 
ausgaben, die im laufe weniger monate erschienen : eine ausgäbe 
des Catilina von A. M. Cook, die zu Macmillan's Classical se- 
ries for Colleges and schools gehört; Catilina und Iugurtha von 
W. W. Capes in der oxforder Clarendon press series; die in 
der Überschrift bezeichnete ausgäbe, welche außer den beiden 
monographien auch die reden und briefe sowie die Berliner und 
Vaticanischen fragmente der Historiae enthält. Indem wir über 
die zuletzt genannte berichten, haben wir nicht sowohl G. Long's 
arbeit ins äuge zu fassen, die schon vor einem vierteljahrhundert 
erschien, als J. G. Frazer's bearbeitung der neuen aufläge. So 
übergehen wir die einleitung über Sallust's leben und Schriften, 
zu welcher Frazer nur ein paar noten beigesteuert hat, und 
verweilen beim text und commentar. Dieser ist in seinem ur- 
sprünglichen bestände nur wenig gekürzt, hat aber durch zahl- 
reiche ergänzungen und berichtigungen, die Frazer durch klam- 
mern bezeichnet, eine neue gestalt gewonnen. Man erkennt, daß 
diese zusätze auf eindringendem Studium und ausgedehnter, wenn 
auch noch lückenhafter literaturkenntnis beruhen; doch vermißt 
man bisweilen sicheres urtheil über das im einzelnen falle zu- 
treffende und ausscheidung des nicht verwendbaren gelehrten 
materials. Dem texte ist Jordan's zweite recognition zu gründe 
gelegt; indessen weicht Frazer an mehr als 30 stellen im Catilina, 
an mehr als 70 im Iugurtha von Jordan ab, wie die angehängte 






Nr. 5. 69. Sallustius. 339 

Übersicht der Varianten nachweist. Dieses Verzeichnis ist übri- 
gens nicht ganz vollständig: so fehlt lug. 14, 1 die lesart in 
adfinium locum, wie Frazer nach PC schreibt, statt der von Jordan 
aus V aufgenommenen adfinium loco. Es wäre zu wünschen, 
daß sie auch im texte nicht stände. Von allen zu ihrer recht- 
fertigung angeführten beispielen ist nur ein einziges scheinbar 
ähnlich, nämlich lug. 85, 26 modestiam in conscientiam duceret\ 
aber auch dieses ist im gründe verschieden. Hier bedeutet du- 
cere in alqd. aus einem begriff oder ding in der auffassung und 
darstellung etwas anderes machen , wie 82, 3 rem in superbiam 
vortere oder 92, 2 non bene consulta in virtutem trahere. Daß du- 
cere in locum alicuius mit persönlichem object solche bedeutung 
haben könne, ist nicht belegt. Wenn von anderer seite Cic. 
De or. I, 40, 183 in concubinae locum duceretur verglichen wurde, 
so blieb unbeachtet, daß dort, wo von nuptiae und divortium die 
rede ist, uxorem duci vorschwebt, wie die ausleger längst bemerkt 
haben. Sonst hat Frazer, wenn er von Jordan abweicht, sich 
häufig an Wirz angeschlossen, der ihm zumeist ein guter führer 
war. Glosseme schließt Frazer nur selten in klammern: lug. 91,7 
ante, 99, 1 iubet, 113,2 in colloquium uti de pace veniretur, 113,3 
quae scilicet tacente ipso occulta pectoris patefecisse (100, 1 profi- 
ciscitur quae sollte nicht in klammern gestellt , sondern cursiv 
gedruckt sein). In der regel werden die worte, welche Frazer 
für unecht hält, einfach weggelassen: lug. 5, 5 sed; 10, 1 Übe- 
ris) 15, 2 senatus] 32, 4 m; 38, 2 ita delicta occultiora fuere ; 
41, 1 popularium; 44, 5 et vor palantes ; 92, 7 et vor frumenti; 
97, 5 novique; 102, 6 inopi. Von sonstigen eigenthümlichkeiten 
im texte des Iugurtha heben wir nur zwei vermuthungen von 
J. P. Postgate hervor: 3, 1 quibus per fraudem via fuit und 
53, 5 proelio fessi laeti quierant. Im Catilina begegnen zwei 
kreuze der Verzweiflung: 43, 1 und 57,4. Aber an der ersten 
stelle ist das überlieferte in agrum Faesulanum vielleicht richtig, 
da auch Polyb. II, 25, 6 und Liv. XXII, 3, 6 auf ein in der 
nähe von Cortona gelegenes Faesulae hinweisen; vgl. G. Faltin, 
Herrn. XX, 81 f. Auch für die zweite stelle expeditos in fuga 
hat Ph. Klimscha, Zeitschrift für die österr. gymn. XXX, 825 f. 
eine erklärung versucht, die nicht ohne weiteres abzulehnen ist. 
Als vermeintliche glosseme sind aus dem texte des Catilina ver- 
schwunden: 22, 2 atque eo dictitare fecisse; 32, 1 multa vor an- 



340 69. Sallustius. Nr. 5. 

tecapere; 37, 5 qui nach, alii; 46, 5 in senatum] 50, 2 in auda- 
ciam; 51, 27 re&ws und ems; 55, 1 ad; 60, 2 cmra. Es sind 
dies vielbesprochene stellen, auf die wir nicht eingehen wollen ; 
nur für 50, 2 orabat in audaciam muß auf Heerdegens Unter- 
tersuchungen III, 49 verwiesen und zu 37, 5 erinnert werdeü, 
daß qui vielleicht auf eine lücke schließen läßt. Sallust kann 
geschrieben haben alii qui per dedecora alebantur patrimoniis 
amissis ; vgl. Tac. Hist. I, 4 aut qui adesis bonis per dedecus Ne- 
ronis alebantur. Auch auf die 53, 5 zwischen effeta und parentum 
angenommene und nach Dietsch durch aetate ausgefüllte lücke sei 
hier nur hingedeutet. Wenn Cat. 9,5 das in der besseren Über- 
lieferung fehlende oder vor quam stehende magis transponiert und 
quod benificiis quam metu imperium magis agitabant geschrieben 
wird, so ist der rücksicht, daß zwischen m und agit der ausfall 
von magis sich leichter erklärt , zu viel geopfert. Der Sprach- 
gebrauch zeugt gegen die dadurch herbeigeführte Wortstellung, 
wie gerade die von Frazer für dieselbe vorgebrachten beispiele 
zeigen. Die Überlieferung 33, 1 plerique patriae sed omnes fama 
atque fortunis expertes hat Frazer mit recht geändert, doch würde 
die emendation patriae sedis nur einfache verderbniß voraus- 
setzen, während das aufgenommene patria sede eine doppelte zur 
Voraussetzung hat, die sich überdies minder leicht erklärt. Die 
spräche des Sallust ist eben eigenartig und heischt besondere 
vorsieht in der emendation. Wenn 51, 4 quae reges . . consu- 
luerint statt des in PC überlieferten qui geschrieben wird, so ist 
es freilich wahr, daß ein ursprüngliches quae durch assimilation 
vor reges sehr leicht in qui verwandelt werden konnte ; aber wer 
die directe Überlieferung über die indirecte und P über V stellt, 
wird doch erst den nachweis fordern, daß qui unhaltbar sei. 
Falsch ist die bemerkung von Frazer: The antithesis („ea malo 
dicere quae' 1 ) is in favour of „quae" here; sie verkennt eine ei- 
genthümlichkeit des Schriftstellers. So wird 50, 4 in sententiam 
Ti. Neronis iturum se dixerat, quod . . censuerat das auffälligere 
quod durch qui ersetzt ; aber 40, 5 ist beibehalten in domum D. 
Bruti perducit, quod foro propinqua erat. 52,29 wird das unge- 
wöhnliche prospera omnia cedunt durch das geläufige prospere 
verdrängt; aber 26, 5 steht quae oeculte temptaverat, aspera foe- 
daque evenerant. Nach dem bekannten Zeugnisse des Gellius X, 20, 10 



Nr. 5. 70. Apollinaris Sidonius. 341 

war Sallustius proprietatum in verbis retinentissimus ; aber 55, 6 wird 
das im eigentlichsten sinne gebrauchte exitium vitae in das übliche 
exitum verändert. Doch genug der einzelheiten, für die Frazer nicht 
als Urheber verantwortlich ist, sondern nur insofern er dem vorgange 
anderer folgt. Daß er in anderen, vielleicht zahlreicheren fällen rich- 
tig entschieden hat, sei hiemit anerkannt. Die ausgäbe und erläute- 
rung der größeren bruchstücke von Sallust's Historiae, die Long nicht 
aufgenommen hatte, ist Frazer's eigenes werk. Indem wir dasselbe 
im ganzen als gründlich und gehaltreich bezeichnen, behalten wir 
uns einige eingehende bemerkungen für eine andere stelle vor. 

70. De Apollinari Sidonio emendando. Scripsit Fridol- 
fus V. Gustafsson. Helsingfors 1882. XVIII, 123 p. 

Zu einer zeit , wo zwei neue kritische ausgaben des Apol- 
linaris Sidonius in Vorbereitung sind , diejenige , welche einen 
bestandtheil der Monumenta Germanica historica zu bilden be- 
stimmt ist, und die des um Sidonius schon hochverdienten Fran- 
zosen Chatelain, tritt nun auch Gustafsson mit einer ansehnlichen 
zahl von bemerkungen zur textkritik des Sidonius hervor, welche 
als dankenswerthe Vorarbeit für jene ausgaben betrachtet wer- 
den dürfen. 

Die von Gustafsson benutzten handschriften sind ziemlich 
dieselben, die auch Chatelain bei seinen vorbereitenden arbeiten 
zu geböte standen. Hinsichtlich dieser handschriften kommt Gu- 
stafsson zu dem wohl unbestreitbaren resultate , daß schon vor 
dem 10. Jahrhundert zwei familien existiert haben, eine vollstän- 
dige und eine lückenhafte, die besonders im buch VI und VII 
der episteln viel Verwirrung zeigt. Als hauptvertreter der ersten 
familie ist jetzt nur noch der aus dem 9. oder 10. Jahrhundert 
stammende cod. Vaticanus n. 3421 (A) anzusehen; die zweite 
familie gliedert sich wieder in solche, welche die lücken beibe- 
halten haben, wie Vaticanus n. 1783 (V), mit A gleichaltrig, 
und Parisiensis n. 18584 (N), ein von Chatelain benutzter codex 
des 10. Jahrhunderts, und in solche, welche aus einem vollstän- 
digen codex die lücken ergänzt haben, z. b. der dem 11. Jahr- 
hundert angehörende cod. Holmiensis (H) und der Florentinus 
n. 554 (F) aus dem 10. oder 11. Jahrhundert. 

Gustafsson ist ein konservativer kritiker, der nur ungern 
sich entschließt, gegen die autorität der im ganzen zuverlässigen 



342 70. Apollmaris Sidonius. Nr. 5. 

handschriftlichen Überlieferung mit eignen konjekturen hervor- 
zutreten. Dabei stützt er sich mit recht vorzugsweise auf den 
erwähnten codex A, der an zahlreichen stellen allein die un- 
zweifelhaft richtige lesart bietet, so z. b. Epist. 1, 2 (n. 7 bei 
Gustafsson), wo statt des unverständlichen actionem diutumam, 
das sich selbst noch bei neueren herausgebern (Migne, Baret) 
findet, cod. A neben einigen jüngeren handschriften das sinnge- 
mäße diurnam bietet. Einige zeilen weiter (n. 10) hat nur A 
religione, den richtigen gegensatz gegen consuetudine, während die 
sonstige handschriftliche Überlieferung ratione zeigt. Ep. 3, 13 
(nr. 226) haben die meisten codd. colorat, V decolorat, A decorat. 
Letzteres paßt jedenfalls am besten zu den folgenden worten, 
in denen deprecatur denselben sinn wiedergiebt. Auch daß in 
cod. V sich die silbe de vorfindet, spricht für die richtigkeit der 
lesart des codex A. Aehnliche belege lassen sich in großer an- 
zahl beibringen, und Gustafsson hat die hauptsächlichsten von 
ihnen p. XII zusammengestellt. An einzelnen stellen hat auch 
A die richtige lesart nur verderbt, aber doch so, daß aus den 
dort vorhandenen zeichen das ursprüngliche leicht herausgefun- 
den werden kann, während die übrigen handschriften ganz feh- 
lerhafte lesarten bringen, so z. b. Ep. 1, 9 (n. 101), wo aus 
cö mictio ferocissimo leicht comico ferocissimo hergestellt wird. Die 
übrigen handschriften bieten hier ferocissime, ferocis simie, ferocisse 
und ähnliche fehler. 

So dürfen wir Gustafsson jedenfalls beistimmen, wenn er 
den cod. A für die hauptgrundlage der textrevision hält. Auch 
an manchen stellen, wo Gustafsson bedenken hegt , dem cod. A 
zu folgen, möchte ich dessen lesart den vorzug geben, so Ep. 
2, 8 (162), wo die übrigen codd. das triviale decessit bieten, 
cod. A das wesentlich effektvollere decedit, welches in der an- 
geführten stelle, Ep. 3, 5 seine parallele findet. Auch Ep. 2, 7 
(n. 161) halte ich die der lesart des cod. A propendunt entge- 
gengestellten bedenken für nicht zwingend. 

In einer ganzen reihe von bemerkungen tritt Gustafsson 
den vorschlagen Mohrs entgegen, welcher in den Act. philol. 
Lips. und in einem programm des gymnasiums zu Sondershausen 
sich mit unsrem Schriftsteller beschäftigt hat. Mohr stützt sich 
bei seinen Verbesserungsvorschlägen auf einen Wolfenbüttler codex 
aus dem 13. Jahrhundert, dessen autorität sich mit der der codd. 



Nr. 5. 70. Äpollinaris Sidonius. 343 

AV nicht messen kann. Mit recht hält denn auch Gustafsson 
an der Überlieferung jener alten handschriften gegen Mohr fest, 
der die bedeutung seines codex bei weitem überschätzt. So Ep. 
1, 6 (n. 40), wo Mohr für id est, unter weglassung des folgen- 
den via, Her setzen will. Die scharfe hervorhebung des an die 
spitze des satzes gestellten iter widerspricht offenbar dem Zusam- 
menhang. Ep. 1, 11 (n. 107) schlägt Mohr ohne handschrift- 
liche grundlage atqui für itaque vor, was um so bedenklicher ist, 
als eine Verschiedenheit der handschriftlichen Überlieferung durch- 
aus nicht vorliegt, und mit recht von Gustafsson zurückgewiesen 
wird. Ebenso tritt er Mohr als vertheidiger der handschrift- 
lichen Überlieferung entgegen in den n. 113. 253 und 359, wo 
er durch eine kleine interpunktionsänderung die konjektur Mohrs 
überflüssig macht. 

Bei dieser gelegenheit mag erwähnt werden, daß Gustafsson 
sehr häufig auch die herausgeber der französischen Übersetzung, 
Gregoire und Collombet, einer sehr scharfen kritik unterzieht, 
was bei dem wenig wissenschaftlichen charakter dieser dilettan- 
tischen arbeit nur gebilligt werden kann. 

Haben wir bisher der methode und den resultaten Gustafssons 
uns fast durchweg anschließen dürfen, so ist dies nicht in dem- 
selben maße da der fall, wo er das gebiet der selbständigen 
konjektur betritt. An diesen allerdings nicht zahlreichen stellen 
vermisse ich häufig den besonnenen charakter, der im übrigen 
seiner methode eigenthümlich ist. Zwar gelingt es Gustafsson 
gewöhnlich , einen lesbaren text herzustellen , aber meist unter 
so geringer anlehnung an die handschrift, daß wir seinem Scharf- 
sinne zwar unsre anerkennung nicht versagen können, aber doch 
oft bedenken tragen werden, ihm auf seinem wege zu folgen. 

Ep. 1, 5 (n. 32) haben alle handschriften insuper oppidum 
duplex pars interluit Padi certa pars alluit. Aus diesen unver- 
ständlichen worten macht Gustafsson insuper oppidum duplex Pa~ 
dusa interluit, Padi pars alluit, indem er meint, zu Padusa sei 
die bemerkung pars Padi certa hinzugefügt worden, und diese 
habe sich schließlich an stelle des namens Padusa selbst in den 
text eingeschlichen. Hiergegen spricht mancherlei. Auch die 
Padusa war eine pars Padi, eine zweite pars Padi könnte also 
wohl kaum ohne ein besonderes attribut hinzugefügt werden. 
Vor allem aber wäre es zu verwundern, daß von der Ursprung- 



344 70. Apollinaris Hidonius. Nr. 5. 

liehen lesart gar keine spur mehr in den vorhandenen verschie- 
denen handschriftenfamilien übrig geblieben wäre. Mir gefällt 
wesentlich besser, was Wouweren und Savaro schreiben : insuper 
oppidum duplex pars interluit Padi, cetera pars alluit. Es ist von 
verschiedenen armen oder kanälen die rede, welche in verschie- 
dener weise die stadt bespülen; in welcher? kann nur jemand 
bestimmen , der mit der alten topographie Ravennas vertrauter 
ist als Schreiber dieser zeilen. — Ep. 3, 3 (n. 199) sucht Gu- 
stafsson eine vorhandene Schwierigkeit durch einschiebung des 
partieipiums antepollentes zu heben , von welchem in den hand- 
schriften keine spur sich findet — gewiß ein recht verwegener 
und nicht zu billigender Verbesserungsversuch. — Die schwie- 
rige stelle Ep. 5, 1 (n. 299) cui meis e pagillaribus transferre 
quae iusseras non vacans, per quam provinciam (provincia A H etc.) 
fuit, Mc volis . . . detulit sucht Gustafsson dadurch lesbar zu 
machen , daß er qui für cui und proquam provincia fuit für per 
quam provincia fuit schreibt. Wenn man nun transferre in der 
bedeutung von transscribere faßt und annimmt , daß die worte 
proquam provincia fuit so viel heißen können als quanta erant 
negotia, so erhält man einen völlig verständlichen satz. Gerade 
in letzterer beziehung ist aber schon Gustafsson selbst zweifel- 
haft, und ich muß gestehen, daß mir diese Übersetzung von pro- 
quam provincia fuit unmöglich erscheint , so daß meiner ansieht 
nach auch diese frage noch der richtigen lösung harrt. — Ep. 
9, 1 (n. 375) schreiben die herausgeber etsi Apollinaris tuus, cui 
Studium in ceteris rebus, est in hac certe neglegentissimus. Studium 
aber findet sich in den besten handschriften nicht. A hat: etsi 
Apollinaris tuus cuius atnns cü i ceteris rebus est, in hac certe ne- 
glegentissimus. Sirmond bringt noch die lesart bei cuius ani- 
mus cum in ceteris rebus, tum est in hac certe negligentissimus. 
Daß die lesart der herausgeber, die wenigstens einen sinn 
giebt, nicht dem archetypus angehört, muß Gustafsson zuge- 
geben werden. Nun haben wir die wähl, ob wir est in hac 
certe neglegentissimus als praedikat zu Apollinaris ziehen, oder ob 
wir diese worte als bestandtheil des mit cuius beginnenden re- 
lativsatzes fassen wollen. Das erstere thut Gustafsson , indem 
er ein prädikat für den relativsatz durch die konjektur iacet et 
für cum gewinnt. Daß der satz dadurch lesbar wird , ist un- 



Nr. 5. 70. Apollinaris Sidonius. 345 

von iacet ? Mir erscheint die von Sirmond beigebrachte lesart 
recht beachtenswerth ; nur müßte dann aus den folgenden worten 
noch ein praedikat für Apollinaris gewonnen werden. Erweist 
sich dies als ixnmöglich, so scheint allerdings ein fehler in dem 
relativsatz zu liegen, wie er im cod. A enthalten ist, und es 
wäre wünschenswert!], daß sich hierfür eine weniger gewaltsame 
heilung finden ließe, als die Gustafssons es ist. — Aehnlich 
verhält es sich mit Ep. 9, 11 (n. 394), wo Gustafsson vorschlägt: 
sed quorsum phira etiam quam moris est. Der gedanke wird da- 
durch allerdings verständlich ; aber etiam hat auch nicht die ge- 
ringste handschriftliche beglaubigung. 

Ep. 7, 6 (n. 345) schreiben die herausgeber: quanti subri- 
piantur episcopi. Dies stimmt nicht mit der Überlieferung der 
älteren handschriften. Cod. A hat : quanto sub rete premitis epi- 
scopos. Der sinn der stelle ist der : so viele bischofsstühle ihr 
(unter bestimmten Voraussetzungen) unbesetzt laßt , so viele 
Völker . . . Diesen sinn , der in subripere und mehr noch in 
dem von Wouweren aus vier handschriften angeführten suppri- 
mere ohne zweifei liegt, will Gustafsson auch den Worten sub 
rete premere unterschieben , was ich für kaum möglich halte , da 
wohl nirgends sich eine ähnliche redensart nachweisen lassen 
dürfte. Auch die beispiele, welche Gustafsson für einen derar- 
tigen übertragenen gebrauch von rete aus Sidonius selbst bei- 
bringt, beweisen meiner ansieht nach nichts, weil in beiden fällen 
die beziehung auf den fischfang ausdrücklich vorliegt, Ep. 2, 2 
in den Worten invitanti tibi in piscationem, Ep. 8, 9 ut pisciculi 
retibus amiciuntur, wo also die maerores mit netzen nur verglichen 
werden. Sollte sich nicht vielmehr die stelle auf die weise heilen 
lassen, daß man schriebe quantos supprimitis episcopos? Das theil- 
weise in abkürzung geschriebene rete (r & e) wäre dann aller- 
dings als einschiebsei zu entfernen. 

Ep. 9, 9 (n. 390) will Gustafsson nach cod. A volatili für 
das sonst überlieferte volatico schreiben. Dagegen läßt sich nichts 
einwenden. Der beweisführung dagegen, wonach volatico unmög- 
lich sein soll, vermag ich mich nicht anzuschließen. Gustafsson 
sagt nämlich , volaticus habe nur die ursprüngliche bedeutung 
= alatus, nicht auch die übertragene = velox, und erklärt die 
stelle Cicero, Harusp. resp. 22, 46 wo volaticos impetus jeden- 
falls = impetus veloces zu fassen ist , durch eine gewisse turbu- 



346 71. Geographie. Nr. 5. 

lenta inconstantia Ciceros. Warum soll nun aber eine solche tur- 
bulente/, inconstantia nicht auch bei Sidonius möglich sein ? Ferner 
wird volaticus noch an mehreren stellen in einem übertragenen 
sinn gebraucht, der, wenn er sich auch nicht völlig mit dem 
hier verlangten deckt, doch demselben recht nahe kommt, so 
Cic. Att. 13. 25. 3. App. Met. 5. Tert. ad ux. 1, 4. Idem 
Poen. 11. 

An anderen stellen kann ich mich den konjekturen Gu- 
stafssons völlig anschließen, so Ep. 8, 8 (n. 368), wo er statt 
des duc ante Raciliam der herausgeber in höchst geistreicher weise 
duc cito Raciliam herstellt, Ep. 7, 2 (n. 336), wo er salario statt 
des unverständlichen solatio vermuthet, Ep. 7, 7 (n. 346), wo 
er aus dem aut des cod. A ein ante macht und dadurch die 
vorhandenen Schwierigkeiten hebt. Ernst Bösser. 



71. Orbis terrarum antiquus in scholarum usum 
descriptus ab Alb. van Kampen. Gothae, Perthes 1884. 
2 mk. 

Der Verfasser, bekannt durch seine plane zu Caesar, hat 
von der Verlagsbuchhandlung die aufforderung erhalten, mit be- 
nutzung der älteren atlanten derselben offizin einen schulatlas 
der alten weit herauszugeben. Derselbe liegt jetzt in 16 tafeln 
vor. Wie von einem Perthes'schen kartenwerke zu erwarten ist, 
bietet diese publikation der äußeren ausstattung nach bedeutende 
Vorzüge. Die große der blätter ist schillern gemäß, der stich 
geradezu vortrefflich , besonders die berge gut wiedergegeben. 
Die angemessene, für schulkarten so nöthige räumigkeit tritt 
wohlthuend hervor, wenn man etwa den nun schon in achter 
aufläge erschienenen atlas von Dittmar - Völter mit seiner über- 
fülltheit der tafeln und augenverderbenden kleinheit der schrift- 
züge dagegen hält. 

Schulatlanten sollen überhaupt drei Vorzüge besitzen, den 
der deutlichkeit , billigkeit und correetheit. Die beiden ersten 
können wir dem vorliegenden unbedingt zusprechen, wenn auch 
die fabelhafte wohlfeilheit der geographischen anstalt von Vel- 
hagen und Klasing nicht erreicht ist. Bezugs des dritten punktes 
müssen wir aber um so strenger mit neuerscheinendem ins ge- 
richt gehen, als an wirklich guten größeren und älteren werken, 
deren ausnutzung zu schulzwecken freisteht, gewiß kein mangel 



' 



Nr. 5. 71. Geographie. 347 

ist, und der markt von Schulbüchern dermaßen überschwemmt 
wird, daß zum ankaufund zur einführung wirklich nur das beste 
gut genug erscheint. Lag doch hier auch der sorgfältige atlas 
von Menke als quelle vor, der bequeme möglichkeit bot, alles 
gute zu behalten und veraltetes auszuscheiden. 

Unter dem titel der correctheit darf man zunächst ein 
vernünftiges princip verlangen für die auswahl dessen, was auf 
jeder einzelnen karte aufnähme finden soll, damit nicht die he- 
terogensten namen zusammenstehen. Menke hatte einen ganz 
guten grundsatz: er begrenzte sich die zeit und entwarf z. b. 
den westlichen theil der küstenländer des Mittelmeers inde a se- 
cundi belli Puniei tempore usque ad Augustum. Dann ist genau 
zu sagen, was hinein gehört, und was nicht. Er zeichnet Grie- 
chenland zur zeit des peloponnesischen krieges und kennzeichnet 
die nomina antiquioris und recentioris aevi durch besonderen stich ; 
auf der karte des persischen reiches (taf. 7) sind die von Alex- 
ander gegründeten städte blau unterstrichen. So ist's in der 
Ordnung. Der schüler soll nicht ohne Unterscheidung namen 
von städten neben einander finden, die nicht neben einander 
gestanden haben. 

Diese methode wirft van Kampen doch etwas leichtherzig 
bei seite, wenn er in der vorrede erklärt : in eligendis tabulis non 
id egi, ut singularum aetatum exprimerentur propriae imagines — 
nam quae sunt vicissitudines regnorum, maiore numero tabularum opus 
fuit quam qui libro in usum scholarum edito continerentur — sed 
ut quae nomina regnorum, oppidorum, fiuminum, montium occurrerent 
discipulis in legendis veterum auctoribus aut in tractanda historia, 
ea ut facile inveniri possent, diligenter studui. Dies führt aufrecht 
schwankenden boden, weil jetzt nicht nur aus verschiedenen pe- 
rioden der alten geschichte, sondern auch aus der neuzeit be- 
liebige namen aufgenommen werden, die der schüler etwa suchen 
könnte. Dabei ist die Unterscheidung durch andere schritt oder 
durch klammern wohl meist angewandt, aber nicht einheitlich 
durchgeführt. Auf der karte von Griechenland (taf. 6) erscheint 
zwar Demetrias und Actia Nicopolis mit dünneren schriftzügen, 
Megalopolis und Messene aber nicht. Aber eine schulkarte soll 
klar und einheitlich und das gerade gegentheil von confus sein, 
lieber zu wenig als zu viel enthalten. Es schadet nicht soviel, 
wenn der schüler einmal einen namen einer andern zeitperiode 



348 71. Geographie. Nr. 5. 

nicht findet — die Städte Kana (Johan. 2) und Chorazin (Matth. 11) 
in Galiläa hätten übrigens wohl platz finden können — als 
wenn er die verschiedensten zeiten zusammen abgebildet sieht. 

So bin ich durchaus damit einverstanden, daß auf der karte 
von Palaestina nicht wie bei Putzger ein Jaffa und eine kirche 
des heiligen grabes zu finden ist. Aber dann soll auch nicht 
auf der karte von Aegypten ein Gebel Musa und Serabit el 
Khädem zu lesen sein. Wie auf die karte von Palästina nur 
die alten hebräischen und die griechisch-römischen namen ge- 
hören , so consequenter weise auf die karte von Aegypten nur 
die alt-ägyptischen und die klassischen — das arabische hat hier 
keinen platz. Die sanskrit - namen auf Menkes tafel 8 hat van 
Kampen mit recht ausgemerzt; dafür bringt er aber modernes 
in großer menge. Neben den alten Alexanderstädten steht Herat 
und Kandahar (taf. 5), neben Vitodurum steht Winterthur und 
bei Divodurum Metz (taf. 16); da muß man sich doch gewiß 
wundern, weshalb Burdigala, Nemausus und soviele andere Städte 
keine Übersetzung finden. Aber nun gar eine Ortschaft Bülbüli 
bei Arbela, Oertüldje beim Grauicus — das geht wirklich nicht, 
ebensowenig wie Monteaperto und Porto Empedocle bei Agri- 
gentum, Sebcha el-Ruan und Goletta bei Carthago. Pläne, wie 
sie ein reisender zur illustration einer von ihm besuchten antiken 
schlachtstätte macht, gehören nicht ohne weiteres in einen schulatlas. 

Ueberhaupt bieten die kleinen Sonderkarten des guten zu- 
viel. Es ist ja durchaus erfreulich , daß man die glänzenden 
spezialpublikationen der letzten jähre für die schule nutzbar 
macht. Aber wie verworren sieht jetzt die herrliche karte des 
Curtius-Kaupert'schen atlas aus, da die brillante art des schwachen 
unterdrucks doch nicht wiedergegeben werden konnte. Hätte 
man doch die straföenzüge des modernen Athen ganz wegge- 
lassen. Jetzt sollen die schüler scheiden zwischen Novae Athenae, 
der Stadt des kaisers Hadrian und Athenae Novae, der Stadt des 
königs Georg, eine Unterscheidung, die ihnen wohl schwer fallen 
wird. Auch den Kaupert'schen Peiraieus finden wir hier, nur 
etwas sehr klein ; Alexandreia nach Mahmud Bey, auch Olympia 
nach den neuesten publikationen. Der niedliche plan von Rhodos 
beruht meist auf phantasie (vgl. meinen aufsatz im 42. bände 
des Philologus). Mit den kärtchen zu den schlachten Alexan- 
ders des großen wird man noch weniger anfangen können: um 



Nr. 5. 71. Geographie. 349 

den verlauf der militärischen Operationen verfolgen zu können, 
müßte man das gelände doch deutlicher sehen, der maßstab 
größer sein. 

So scheint mir der atlas hier zuviel zu geben , was bei 
Schulbüchern ja überhaupt sitte zu werden droht. Möchte man 
doch immer wieder die alte Weisheit wiederholen , daß es beim 
Unterricht nicht auf erschöpfung und Vollständigkeit ankommt, 
sondern auf gute auswahl und möglichste correctheit des aus- 
gewählten. 

In dieser correctheit im kleinen aber ist der van 
Kampen'sche atlas auch nicht tadellos. Gleich auf den orienta- 
lischen karten vermisse ich ein sicheres princip in der transcri- 
ption aus dem hebräischen. Wenn qoph durch k gegeben wird, 
wie in Kir Moab, Jabbok und Kedesch (taf. 1), dann darf nicht 
Thecoa geschrieben werden ; für kaph steht auch einmal Askenas, 
einmal Succoth. Hier ist nun wohl die lateinische ausspräche 
maßgebend gewesen; aber welche regel gilt für schin? Oefter s 
wird es mit seh wiedergegeben, sogar die berühmte ebene heißt 
Scharon ; und daneben doch wieder Beerseba , Sichern , Jabes, 
Askenas. Für tav ist th , für tet t gesetzt , aber auf taf. 2 
lesen wir Riphat. Für chet rinden wird h und ch , Bethlehem, 
aber Jam hammelach und Cheschbon. Für Hauran findet sich 
auch Chavran, Auranitis und Haverän, wobei die letzte Schreib- 
weise gewiß vom übel ist. Lange vokale werden nur sehr ver- 
einzelt mit einem circumflex bezeichnet. Isachar ist zwar nach 
der punktuation des qri gebildet, aber die geläufigere Schreib- 
weise wäre doch vorzuziehn gewesen. 

Auf taf. 1 steht Rabboth Ammon, auf taf. 2 Dommesek, 
Susia m a •, . die phönicische kolonie heißt Utico; auf taf. 3 be- 
findet sich ein Aela n t icus sinus , auf taf. 4 eine Stadt Cstesi- 
phon , der durch Xenophon bekannte fluß heißt C o n trites , die 
berühmte Stadt an der Propontis muß sich Cycicus, auf taf. 9 gar Ci- 
zicus schreiben lassen. Weshalb sagt van Kampen Ivernia statt 
des doch viel üblicheren Hibernia ? Jope und Palantia mit ein- 
fachem consonanten und Gordieum für das Gordion des Xeno- 
phon und Arrian sind zwar durch Stephanus von Byzanz begründet, 
aber die einführung solcher uns fremd anmutenden formen ist 
doch bedenklich. Mindestens darf nicht mehrmals Joppe und 
plötzlich (auf taf. 9) Jope stehen, auf taf. 12 Pallantia und auf 
Pbilol. Anz. XV. 24 



350 72. Römische alterthümer. Nr. 5. 

tafel 14 Palantia. Juvaurn (taf. 12) soll wohlJuvavum heißen; 
Sobratha (taf. 14) und Karthado (taf. 2) betrachte ich als stich- 
fehler für Sab rata und Karthada; auch Thaenae (taf. 14) für 
Thenae dürfte sich nicht halten lassen. Auf taf. 5 ist die strecke 
des Alexanderzuges von Bactra über Maracanda nach Alexandria 
eschata nicht kolorirt. Endlich mache ich darauf aufmerksam, 
daß das große C und G sich häufig kaum unterscheiden lassen. 
Alles dies sind ja übrigens — jedes für sich betrachtet — 
kleinigkeiten ; und — wir wollen nicht ungerecht sein — eine 
erste aufläge wird sich schwerlich je von versehen dieser letzten 
gattung ganz frei halten können. Bei einer doch wohl zu erwar- 
tenden zweiten aufläge wird der Verfasser ja gewiß auch solche 
kleine ausstellungen überflüssig machen. M. Erdmann. 



72. Ludov. Lange, de viginti quattuor annorum cyclo 
intercalari. Progr. d. univ. Leipzig 1884. 23 p. 4. 

Um die frage , wie die römischen tagdata aus den zeiten 
der republik auf julianischen stil umzusetzen sind , zu lösen ist 
es nöthig die zeitlage eines normaljahres des römischen kalen- 
ders zu ermitteln, d. i. eines von den jähren vor Christi geburt 
aufzufinden, in welchen sich der 24jährige Schaltkreis desselben 
erneuert hat. Dies versucht Lange an der band der angäbe 
Ciceros De rep. I, 16, 25, nach Ennius sei um das jähr 350 
der stadt an den juniusnonen eine sonnenfinsterniß eingetroffen : 
indem er die beliebte deutung derselben auf die finsterniß des 
21. juni 400 v.Chr. als erwiesen ansieht und mit Hartmann als 
kalenderneujahr die kaienden des januarius, nicht des martius, 
nimmt, findet er daß damals das 21. jähr des cyklus im gange 
gewesen sei, dieser also 420 v. Chr., der vorhergehende 444 
begonnen habe. Um diese zeit, in der mitte des fünften Jahr- 
hunderts regierten die decemvirn und von dem zweiten colle- 
gium derselben wird wenigstens ein die einschaltung betreffender 
antrag berichtet, Macrob. Sat. I, 13 de intercalando rogasse; die- 
sem legt daher Lange die einführung des 24jährigen Schaltkreises 
bei und fügt dem, jedoch ohne nachweis, hinzu, bis zur einse- 
tzung plebeiischer pontifices Varr. 454/300 v. Chr. sei derselbe 
ordnungsmäßig gehandhabt worden, von da bis Caesar habe Un- 
ordnung im kalender geherrscht. 

Wir glauben nicht , daß die finsterniß des Ennius eine si- 



Nr. 5. 72. Kölnische alterthümer. 351 

chere grundlage für die Wiederherstellung des römischen schalt- 
cyklus bietet. Ciceros stadtjahr 350 = Varr. 353 oder 354 
fällt nicht auf 400, sondern 391 — 389 v. Chr ; was jüngst Matzat 
gegen diese gleichung vorgebracht hat , besteht größtenteils in 
unmotivirten behauptungen : das einzige greifbare ist (II, 132) 
seine vertheidigung der handschriftlichen lesart iv grjtm bei Theo- 
phrast. Hist. plant. IV, 5, 6 gegen die emendation iv 'Pqyiqp, 
dieselbe besteht aber in einem aus mangelhafter kenntniß der 
griechischen spräche und exegetischer confusion hervorgegan- 
genen gallimathias. Jenes ei öi^oj soll so viel bedeuten wie 
iv reo &QoeiQi]i*EMj) und Plinius, welcher Nat. hist. XII, 7 den 
namen Rhegion aus Theophrast a. a. o. entnommen hat, soll ein 
schlechter zeuge sein : er habe auch die worte anaviav Ös na) 
iv 'ItaXlct ndoij verkehrt mit in Italia ac nominatim Hispania 
übersetzt. Daß Plinius die barbarische form Spania nicht kannte 
und daß seine vorhergehenden worte nee alias fuisse das adjektiv 
anaviav voraussetzen, sollte man nicht erst in erinnerung brin- 
gen müssen. Cicero aber hat wahrscheinlich ein anderes als 
das 350. jähr der Stadt im äuge gehabt. Die ächte handschrift- 
liche Überlieferung lautet: anno quinquagesimo fere; am ende des 
zahlworts steht über der zeile CCC, was offenbar einer von den 
eigenmächtigen Zusätzen des correctors ist : denn Cicero würde 
nicht quinquagesimo trecentesimo geschrieben haben. Aus der angäbe 
Ciceros, von jener finsterniß aus seien alle früheren bis zurück 
auf die beim abscheiden des ßomulus am 7. quintilis eingetroffene 
berechnet worden, ersah jener, daß ein Zeitraum von 12 — 13 
jahren (37 oder 38 bis 50 der stadt) viel zu klein ist, verkannte 
aber, was auch (den ref. eingeschlossen) von allen neueren ver- 
kannt worden ist, daß die chaldäische periode der finsterniß von 
18 jahren ll^/s tagen, welche das mittel zu solchen berechnun- 
gen bot, nicht in 3 — 4, sondern erst in 5 — 6 Jahrhunderten ei- 
nen so großen tagüberschuß liefert, daß man vom 5. junius auf 
den 7. quintilis gelangen konnte. Die finsterniß hat Ennius 
selbst erlebt: denn Cicero behandelt ihn a. a. o. als selbständi- 
gen zeugen neben der stadtchronik ; es ist quingentesimo quinqua- 
gesimo zu schreiben. Der 5. junius 551 Varr. entsprach, wie sei- 
nerzeit erwiesen werden soll, dem 6. mai 203 v. Chr. ; auf die- 
sen tag entfällt eine finsterniß , auf welche im sinne dieser aus- 
einandersetzung D. literaturz. 1884 nr. 26 hingewiesen worden ist. 

24* 



352 Bibliographie. Nr. 6. 

Die läge des altrömischen normaljahres kann nur auf grund 
der spätesten, von Caesar vorgefundenen kalenderverhältnisse er- 
mittelt werden; dies ist in Fleckeisens Jahrbb. 1884 p. 745 ff. 
unternommen worden. U. 



Bibliographie. 

Unter der Überschrift: „zur bewegung auf dem gebiete des 
bibliothekwesens" wird in Allg. ztg. nr. 75 der erste Jahrgang 
des von 0. Hartwig und H. Schuh herausgegebenen „Central- 
blattes für bibliothekwesen" besprochen und sein reicher inhalt 
gebührend hervorgehoben , dabei auch auf die Stellung der bib- 
liothekbeamten und die Verwaltung der bibliotheken rücksicht 
genommen : es wird sich wohl bald gelegenheit finden, auch hier 
auf diesen gegenständ näher einzugehen, da eine neue Organi- 
sation der bibliotheksverwaltung vom cultusministerium vorbe- 
reitet wird. 

Eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt Ant- 
werpen ist die domus Plantiniana oder wie es jetzt heißt Musee 
Plantin-Moretus , der zweite name stammt von einem der Schwie- 
gersöhne Christoph Plantins. Das neuerdings von der Stadt er- 
worbene museum enthält das im lauf zweier Jahrhunderte er- 
worbene inventar und die Sammlungen, correspondenzen u. s. w. 
der familie und nachkommen Plantins , der niedriger herkunft 
und arm 1548 aus Frankreich nach Antwerpen kam, sich da- 
selbst zuerst als buchbinder, dann als buchdrucker und Verleger 
etablirte und bald ein bedeutendes vermögen erwarb , welches, 
obgleich er selbst in folge der Herstellung der Biblia polyglotta 
und besonders durch den druck der inquisition am ende seines 
lebens viel verloren, von seinen nachkommen erweitert und er- 
halten worden ist. Plantin , ein freund von Lipsius und Meur- 
sius, hat viele klassiker und philologische werke gedruckt und 
verlegt , aber allmählich ist dieser zweig aufgegeben und durch 
gebetbücher und mit Illustrationen versehene werke neuern Stoffes 
ersetzt: letzteres macht ihn also zum Vorläufer einer jetzt sehr 
ausgedehnten richtung. Plantin siedelte später nach Leyden 
über, wo er am 1. juli 1588 gestorben, das hauptgeschäft blieb 
aber in Antwerpen. Ueber alles dies, wie namentlich auch über 
das leben Plantins verdanken wir äußerst interessante publica- 
tionen dem jetzigen director des museums Max Rooses, nach de- 
nen über dieses museum einen sehr lesenswerthen artikel 
Braun -Wiesbaden der Allg. ztg. beil. zu nr. 112. 113 einver- 
leibt hat. 

Für das theuerste buch in der weit galt bis jetzt eine in 
Mainz gedruckte Vulgata von 1450/1455: jetzt ist es aber der 
Psalmorum codex, latine, cum Hymnis, Oratione domenica, Sym- 



Nr. 6. Bibliographie. 353 

bolis et notis musicis. Folio. Moguntiae, 1449, Fust et Schoeffer, 
den auf einer auction in London Quaritsch für 4950 pf. sterl. 
oder 99000 mark erstanden hat. So Allg. ztg. nr. 31. 

Der streit über die von Wellmer herausgegebenen memoi- 
ren der Caroline Bauer , von dem wir seiner zeit in der kürze 
berichteten, PhAnz. IX, 4, p. 236, hat durch einen aufsatz von 
Mao: Müller in der Times, über den Allg. ztg. nr. 35 berichtet, 
wieder neue nahrnng erhalten : denn gegen M. Müllers angriffe 
vertheidigt seine verstorbene gattin graf L. von Broel Plater in 
Allg. ztg. beil. zu nr. 39. 

Ueber den deutschen buchhandel im j. 1885 bringt nach 
anleitung des von Hermann Schultz herausgegebenen addreßbuches 
für den deutschen buchhandel interessante statistische notizen 
Allg. ztg. 1885 beil. zu nr. 74. 

Versandt sind : Antiquarischer katalog von F. A. Brockhaus 
Sortiment und antiquarium in Leipzig, I. abtheilung, griechische 
Schriftsteller ; — Verzeichniß (nr. 33) des antiquarischen bücher- 
lagers der Dieterich'schen Sortiments - buchhandlung (A. Hoyer) 
zu Göttingen (classische philologie und alterthumskunde) ; — 
Verzeichniß der lehr- und hülfsbücher aus der Herder'schen ver- 
lagshandlung in Freiburg im Breisgau ; — Academische Ver- 
lagsbuchhandlung von J. C. B. Mohr (P. Siebeck) in Freiburg 
i. B., bericht von jan. 1883 bis decemb. 1884. 

Mittheilungen der Verlagsbuchhandlung von B. G. Teubner 
1885, hft. 1: Anzeigen über künftig erscheinende bücher: die 
rhetorik der Griechen und Bömer in systematischer Übersicht 
dargestellt von dr. Richard Volkmann ; — Clementis Alexan- 
drini Opera ediderunt E. Hiller et K. J. Neumann. 5 voll. ; — 
E. Zarnclce , Symbolae ad Iulii Pollucis tractatum de partibus 
corporis ; — Gustav Gilbert, handbuch der griechischen staatsalter- 
thümer bd. II ; — Horaz ; entdeckungen und forschungen von 
R. Bobrih , bd. I ; — C. Vettii Aquilini Iuvenci historia evan- 
gelica. Eecognovit C. MarcJe; — Das tironische psalterium der 
Wolfenbütteler bibliothek, herausgegeben vom königlichen steno- 
graphischen institut zu Dresden, von dr. A. Lehmann ; — Catalogue 
de livres pour l'etude des langues: catalog nr. 185 J. Scheibler, 
antiquariat und Verlagsbuchhandlung in Stuttgart, linguistik. 

Eine beachtenswerthe und in seiner eigenthümlichkeit wohl 
seltene erscheinung ist: Collection J. Greau, — Catalogue des 
Bronzes antiques et des objets d'art du moyen-age et de la re- 
naissance dont la vente aura lieu ä l'hotel Drouot, Salle no. 3 
du Lundi 1er au Mardi 9 Juin 1885 ä deux heures par le mi- 
nistere de Me Maurice Delestre , Commissaire - Priseur. 27 rue 
Drouot 27 — Experts M. H. Hoffmann 1 , rue du Bac. M. 
Charles Mannheim 7, rue Saint - Georges. Expositions, particu- 
liere le Samedi 30 Mai 1885, publique le Dimanche 31 Mai 
1885 de une heure ä cinq heures. Paris 1885, 4., mit der 



354 Bibliographie. Nr. 6. 

appendice 281 pp. des prächtigsten drucks, dazu 47 ausgezeich- 
net ausgeführte tafeln mit photographischen abbildungen der 
im texte beschriebenen gegenstände: der text selbst enthält 
auch vielfache abbildungen , das ganze in prächtigem um- 
schlage. Hier kann nur der erste theil , les bronzes antiques, 
decrits par W. Froeliner, p. 1—245 kurz berücksichtigt wer- 
den : in welchem die bronzen unter folgende abschnitte vertheilt 
sind: I. Le culte, nr. 1 — 62, p. 1 — 17, taf. 1. 2. 3, büsten 
von Jupiter, Neptun , Mars zu beachten ; IL La maison d'habi- 
tation, in sieben unterabtheilungen , p. 18 — 127: 1. mobilier, 
nr. 63 — 137-, 2. la salle ä manger, nr. 138 — 287; 3. cuisine, 
nr. 288 — 311; 4. balance et pesons, re*cipient monetaire etc., 
nr. 312 — 324, wo das letzte nach der darauf befindlichen latei- 
nischen inschrift das Siegel des Secundus, eines sclaven des Do- 
mitian ist, p. 68 ; 5. chauffage et eclairage, trepieds, candelabres 
et lampes, nr. 325 — 366, wo tab. VIII wichtig, Herkules und 
Telephos darstellend-, 6. utensiles de toilette, nr. 367 — 611, in 
sieben unterabtheilungen : die Spiegel sind besonders interessant, 
vrgl. taf. XI. XII; 7. ecurie et remise, nr. 612—625. — III. 
Mobilier funeraire, p. 128, nr. 627 — 641. — IV. La palestre, 
p. 131, nr. 642 — 645. — V. Armes, p. 132, in sieben unter- 
abtheilungen, nr. 646 — 749. — VI. Arts et metiers, p. 151, 
nr. 750 — 771. — VII. Objets indetermines , nr. 772 — 783, p. 
154. — VIII. Figurines, p. 158 — 245, der reichste theil, nr. 
784 — 1165, zu dem auch die meisten tafeln gehören: die bron- 
zen sind hier nach den ländern, denen sie angehören, geordnet 
und zerfallen in zehn abschnitte : Egypte, figurines e'gypto-grec- 
ques , Phenicie , Etrurie, art italique , Grece, ßome, Gaule, figu- 
rines gallo - romaines , fragments de figurines : des interessanten 
findet sich darunter viel : so ein köpf des kaisers Augustus, nr, 
1030, vrgl. taf. XVII, Statuette der Livia, taf. XLI, des Nero 
im Jünglingsalter, taf. XXXIX, Alexander des großen, taf. 
XXIX, nr. 959, mehrere des Mars, taf. 18 flgg., der Venus, taf. 
XXIV, nr. 921 flgg., zwei ringer, taf. XXXIII, löwen , pferde 
u. s. w. Die beschreibungen der bronzen sind kurz und bestimmt, 
dabei angegeben, wenn anderswo sie schon publicirt sind : daß 
dabei manches stück nicht sicher hat bestimmt werden können, 
kann nicht auffallen. 

Verzeichniß der wichtigeren publicationen auf dem gebiete der alter- 

thumswissenschaft 1885. IV. 

Deutschland. Oesterreich. Schweiz. 

466. Arnold, Bruno, de Graecis florum et arborum amantissimis. 
Goettingen , Vandenhoeck u. Ruprecht 1885. 8. XII, 113 p. 3 nik. 

467. Bardey , Ernst, das sechste consulat des Marius oder das 
jähr 100 in der römischen Verfassungsgeschichte. Brandenburg 1884. 
8. (Diss. Lips.) 66 p. 1 nak. 

468. Bechtel , Fritz, thasische inschriften jonischen dialekts im 
Louvre. Göttingen, Dieterich 1884. 4. 32 p. 2 mk. (Aus Abhand- 
lungen der Göttinger gesellsch. d. Wiss.). 



Nr. 6. Bibliographie. 355 

469. Blaß, Prid., dissertatio de Phaetontis Euripideae fraginentis 
Claroniontanis. Accedit tabula photolithogr. Kiel, univ.-buchhdlg. 
1885. 4. 19 p. 1 mk. 

670. Hohn, Rieh., der tempel des Dionysos zu Perganion. Berl., 
Dümmler 1885. 4. 11p. 1 tafel. 2 Vignetten. (Aus Abhandlungen 
der Berliner akadeniie). 

471. Brandt, Samuel, der St. Galler palimpsest der divinae in- 
stitutiones des Lactantius. Wien, Gerold's söhn 1885. 8. 110 p. 1 
tafel. (Aus Sitzungsberichten der Wiener akad.). 

472. Brinker, Karl, de Theocriti vita carminibusque subditieiis. 
Diss. phil. Rostochii 1884. 8. 71 p. 1 nik. 80 pf. 

473. Buchholz, E. , Yindiciae carminum Honiericorum. Vol. I. 
Leipzig, Engelmann 1884. 8. VIII, 157 p. 5 mk. 

474. Bullinger, Anton, zu Aristoteles Nuslebre. Offener briet 
an prof. Frz. Susemihl. München, Ackermann 1884. 8. 26 p. 

475. Chronicon Parium rec. et praefatus est loa. Flach. Acce- 
dunt appendix chronicorum reliquias continens et marmoris speeimen 
partim ex Seldeni apographo partim ex Maassii ectypo descriptum. 
Tübingen, Fues 1884. 8. XVII, 44 p. 2 taff. 2 mk. 40 pf. 

476. Cicero, M. Tullius, Cato maior de senectute. Für den schul- 
gebrauch erkl. von Carl Meißner. 2. umgearb. aufl. Leipzig, Teub- 
ner 1885. 8. IV, 64 p. 60 pf. 

477. Cicero's rede über das imperium des Cn. Pompeius. Für 
den schulgebrauch erklärt von prof. A. Deuerling. Gotha , Perthes 
1884. 8. IV, 65 p. 80 pf. 

478 — Laelius de amicitia. F. d. schulgebr. erkl. v. A. Strelitz. 
Gotha, Perthes 1884. 8. 87 p. 1 mk. 

479. Corpus scriptorum ecclesiasticorum Latinorum. Ed. consil. 
et imp. acad. litt. Caesar. Vindob. Vol. X Sedulii opera omnia rec. et 
comm. critico instr. Joh. Huemer. Accedunt excerpta ex Bemigii ex- 
positione in Sedulii paschale carmen. Wien, Gerold 1885. 8. LH, 
414 p. 9 mk. — Vol. X Claudiani Mamerti opera. Rec. et comment. 
critico instr. Aug. Engelbrecht, ib. 1885. 8. XLIX , 262 p. 6 mk. 

480. Curtius , Georg, zur kritik der neuesten Sprachforschung. 
Leipzig, Hirzel 1885. 8. 2 mk. 60 pf. 

481. Czoernig, Carl freiherr von, die alten Völker Oberitaliens, 
Italiker [Umbrer], Raeto-Etrusker, Raeto-Ladiner, Veneter, Kelto-Ro- 
manen. Eine ethnologische skizze. Wien , Hoelder 1885. 8. III, 
311 p. 9 mk. 60 pf. 

482. Duncker, Max, Joh. Gustav Droysen. Ein nachruf. Berlin, 
Calvary 1885. 8. 12 p. 1 mk. 20 pf. 

483. Flach , Hans , geschichte der griechischen lyrik nach den 
quellen dargestellt. 2. abth. Tübingen, Fues 1885. 8. XIII u. p. 
359-698. 6 mk. 60 pf. 

484. Gilbert, Otto, geschiebte u. topographie der stadt Rom im 
alterthum. 2. abthlg. Leipzig, Teubner 1885. 8. III, 456 p. 8mk. 

485. Gomperz, Theod., zu Philodems büchern von der musik. Ein 
kritischer beitrag. Wien, Hoelder 1885. 8. 40 p. 1 mk. 20 pf. 

486. Hachtmann , Carl , symbolae criticae ad T. Livii decadem 
tertiam. — Ferd. Seelmann , de nonnullis epithetis Homericis com- 
mentatio. Dessoviae 1884. 8. 48 p. 1 mk. 

487. Haenny , Louis, Schriftsteller und bucbhändler in Born. 
(Diss.). Halle 1884. 8. 118 p. 2 mk. 40 pf. 

488. Hagen, Herrn., Berner palimpsestblätter aus dem 5.-6. 
jahrh. zur Passio Sancti Sebastiani. Wien , Gerolds söhn 1884. 8. 
34 p. 50 pf. 

489. Haupt, Herrn., der römische grenzwall in Deutschland nach 



356 Bibliographie. Nr. 6. 

den neueren forschuugen. Mit besonderer berücksichtigung Unter- 
frankens geschildert. Würzberg, Stuber 1885. 8. 54 p. 1 karte. 
2 mk. 50 pf. 

490. Heikel, J. A., de participiorum apud Herodotum usu. Hel- 
singfors 1884. 8. VII, 144 p. 2 mk. 40 pf. 

491. Heister bergk , B. , name und begriff des Ius italicurn. Tü- 
bingen, Laupp 1885. 8. VIII, 191 p. 4 mk. 

492. Hertzberg , Grust. Friedr. , Athen. Historisch-topographisch 
dargestellt. Mit l plane von Athen. Halle , Waisenhaus 1885. 8. 
VII, 243 p. 2 mk. 80 pf. 

493. * Heydemann , Eeinr. , vase Caputi mit theaterdarstellungen. 
Mit 2 lith. taff. u. 2 holzschn. 9. Hallesches Winckelmannsprogr. 
Halle, Niemeyer 1884. 4. 22 p. 2 mk. 

494. Hoefer, Paul, der feldzug des Germanicus im jähre 16 n. 
Chr. Mit 1 karte. 2. ausg. Bernburg , Bacmeister 1885. 8. IV, 
104 p. 2 mk. 40 pf. 

495. Klein, Wilh., zur Kypsele der Kypseliden in Olympia. Wien, 
Gerold 1885. 8. 35 p. (Aus Sitzungsberichten der Wiener akad.). 

496. Kuklinski , Bob. , critica Plautina commentationibus gram- 
maticis illustrata. Berlin, Weidmann 1884. 8. 55 p. 1 mk. 20 pf. 

497. Kukala , Eich. Cornelius, de Cruquii codice vetustissimo. 
Wien, Gerold 1885. 8. 70 p. 2 mk.^ 

498. Lagarde , Paul de, probe einer neuen ausgäbe der lateini- 
schen Übersetzungen des alten testaments. Göttingen, Dieterich 1885. 
8. 48 p. 2 mk. 

499. Lange, Konrad, haus und halle. Studien zur geschichte des 
antiken Wohnhauses und der basilika. Mit 9 lith. tafeln und 10 ab- 
bildungen im text. Leipzig, Veit u. co. 1885. 8. XII, 377 p. 14 mk. 

500. Lexicon Homericum compos. F. Albrecht , C. Capelle etc. 
Ed. H. Ebeling. Vol. I, fasc. 17. 18. Leipzig, Teubner 1884. 8. 
p. 913—1024. 4 mk. 

501. Livii , T. , ab urbe condita über IL F. d. schulgebr. erkl. 
v. Th. Elett. Gotha, Perthes 1884. 8. III, 99 p. 1 mk. 

502. Menge, Rud. et Siegm. Preuß, lexicon Caesarianum. Fasc. 1. 
Leipzig, Teubner 1885. 8. 1 mk. 60 pf. 

503. Meyer, Gustav, essays und studien zur Sprachgeschichte u. 
Volkskunde. Berlin, Oppenheim 1885. 8. VII, 412 p. 7 mk. 

504. — Wilh., anfang und Ursprung der lateinischen und griechi- 
schen rhythmischen dichtung. München, Franz verl. 1885. 4. 186 p. 
5 mk. 50 pf. (Aus Abhandlungen der bayr. akad. d. wiss.). 

505. Mommsen , Theod. , römische geschichte. 5. bd. : die pro- 
vinzen von Caesar bis Diocletian. Mit 10 karten von H. Kiepert. 
Berlin, Weidmann 1885. 8. VIII, 659 p. 9 mk. 

506. Neumann, Carl u. J. Partsch, physikalische geographie von 
Griechenland mit besonderer rücksicht auf das alterthum. Breslau, 
Koebner 1885. 8. XII, 475 p. 9 mk. 

507. Piatonis opera omnia. Rec. prolegomenis et commentariis 
instruxit Godofr. Stallbaum. Vol. VI, sect. IL Ed. IL Meno et Eu- 
typhro. Incerti scriptoris Theages Erastae Hipparchus. Rec. prole- 
gomenis et commentariis instruxit Ad. Rieh. Fritzsche. Leipzig, Teub- 
ner 1885. 8. VIII, 347 p. 6 mk. 

508. Schwarlz, W. , indogermanischer Volksglaube. Ein beitrag 
zur religionsgeschichte der urzeit. Berlin, Seebagen 1885. 8. XXIV, 
280 p. 8 mk. 

509. Schmelzer , C. , eine vertheidigung Plato's. Studie. Bonn, 
Cohen u. s. 1885. 8. 34 p. 60 pf. 



Nr. 6. Bibliographie. 357 

510. Sophokles Elektra. Für den schulgebr. erkl. von Gerh. 
Heinr. Müller. Gotha, Perthes 1885. 8. IV, 92 p. 1 mk. 20 pf. 

511. — — König Oedipus. Für den schulgebr. erkl. von Georg 
Kern. Gotha, Perthes 1884. 8. VI, 91 p. 1 mk. 

512. Sophokles tragödien erkl. von C. Schmelzer. 1. bd. : könig 
Oedipus, Berlin, Habel 1885. 8. 152 p. 1 mk. 80 pf. 

513. f. d. schulgebr. erkl. v. Gust. Wolff. 3. theil : Anti- 
gene. 4. aufl. bearb. v. Ludw. Bellermann. Leipzig, Teubner 1885. 
8. VIII, 180 p. 1 mk. 20 pf. 

514. Terentius Afer, P. , ausgewählte komödien zur einführung 
in die lectüre der altlatein. lustspiele erkl. von Karl Dziatzko. 1. 
bdch. : Phormio. 2 veränd. aufl. Leipzig, Teubner 1885. 8. Irak. 50 pf. 

515. Theophanis chronographia rec. Carolus de Boor. Vol. IL 
Theophanis vitas, Anastasii bibliothecarii historiam tripertitam disser- 
tationem de codicibus operis Theophanei indices continens. Leipzig, 
Teubner 1885. 8. 788 p. 30 mk. 

516. Urlichs, L. von, römischer bilderhandel. 17. progr. zur Stif- 
tungsfeier des Wagner'schen kunstinstituts. Würzburg, Stahel 1885. 
8. 24 p. 80 pf. 

517. — — beitrage zur kunstgeschichte. Mit 20 taff. Leipzig, 
Weigel 1885. 8. VIII, 156 p. 8 mk. 

518. Ursin, Nie. R. af, de Lusitania provincia Romana. Hel- 
aingiae 1884. 8. 150 p. 2 mk. 50 pf. 

519. Vergilü Moronis, P., Aeneis. Für den schulgebr. erkl. von 
Oskar Brosin. 2. bdehn. Buch IV— VI. Gotha, Perthes 1884. 8. 
p. 253-506. 2 mk. 40 pf. 

520. Vorträge philosophische , hrsg. von der philos. gesellschaft 
zu Berlin. Neue folge. 8. heft. Fr. Michelis , über die bedeutung 
des neuplatonismus für die entwickelung der christl. speculation. 
Halle, Pfeffer 1885. 8. 1 mk. 20 pf. 

521. Wetze l, M., beitrage zur lehre von der Consecutio temporum 
im lateinischen. Paderborn , Scboeningh 1885. 8. IV, 72 p. 1 mk. 

522. Wieseler , Fr. , über einige beachtenswerthe geschnittene 
steine des 4. jahrh. n. Chr. 1. abth. u. 2. abth. 1. hälfte. Nebst 
je 1 lichtdrucktafel. Göttingen, Dieterich 1883. 1884. 4. (Aus Ab- 
handlungen der Goett. gesellscb. d. wiss.). 5 mk. 

523. Zoeller , Max. , römische Staats- u. rechtsalterthümer. Ein 
compendium für studirende und gymn.-lehrer. Breslau, Koebner 1885. 
8. XII, 438 p. 6 mk. 

England und Amerika. 

524. Cicero, letters of ; selected and edited with introduetion and 
notes by J. H. Muirhead. London, Rivingtons 1885. 8. 316 p. 6sh. 

525. Duruy, Victor, History of Rome and the roman people from 
its origin to the establishment of the Christian empire. Ed. by J. 
P. Mahaffy. VoJ. III, pts. 1. 2. London, Paul 1885. 8. 30 sh. 

526. Virgil's Aeneid. Translated into English by J. W. Mackail. 
London, Macmillan 1885. 8. 290 p. 7 sh. 6 d. 

527. Timayenis, T. T. , Greece in the times of Homer: an ac- 
count of the life customs and habits of the Greeks during the Homeric 
period. New York 1885. 16. 7 sh. 6 d. 

Frankreich. 

528. Albert, Paul, Histoire de la litterature romaine. 4e ed. 
T. 1. 392 p. T. 2. 476 p. Paris, Delagrave 1885. 18. 

529. Audibert, Raoul , funerailles et sepultures de la Rome pai- 
enne; des sepultures et de la liberte des funerailles en droit civil. 
Paris, Rousseau 1885. 8. 236 p. 



358 Bibliographie. Nr. 6. 

530. Breal, Michel et Anatole Bailly, lecons de inots. Cours su- 
perieur. Dictionnaire etymologique latin. Paris, Hachette 1885. 8. 
Vin, 465 p. 9 free. 

531. Burckhardt , J. Le Cicerone, guide de l'art antique et de 
l'art moderne en Italic Traduit par Auguste Gerard sur la 5e edi- 
tion revue et completee par Willi. Bode avec la collaboration de plu- 
sieurs specialistes. Premiere partie. Art ancien. Paris, Firmin-Didot 
1885. 8. XLVII1, 200 p. 4 pl. 

532. JDeltour, F., Histoire de la litterature grecque. Paris, De- 
lagrave 1885. 18. 

533. Dictionnaire des antiquites grecques et romaines d'apres les 
textes et les monuments contenant l'explication des termes qui se 
rapportent aux moeurs aux institutions a la religion aux arts aux 
sciences etc. sous la direction de Ch. Daremberg et Edm. Saglio. Fa- 
scicule Coe-Con. Paris, Hachette 1885. 4. (p. 1281—1440). 

534. Euripide traduction nouvelle par Leconte de Liste. T. 2. 
Paris, Lemerre 1885. 8. 671 p. 10 frcs. 

535. Hochart, P. , Etudes sur la vie de Seneque. Paris, Leroux 
1885. 8. VII, 285 p. 6 frcs. 

536. Lepaulle. E., Etüde historique sur M. Aur. Probus d'apres 
la numismatique du regne de cet empereur. Lyon et Bäle , Georg 
1885. 8. 111 p. 12 frcs. 

537. — — , note sur l'atelier monetaire de Lyon ä l'epoque de 
la re'forme de Diocletien. A propos d'une trouvaille faite a Lancie 
en 1880. Lyon et Bäle, Georg 1885. 8. 25 p. 1 pl. 12 frcs. ■ 

538. Blaute, theatre de. Traduction nouvelle accompagnee de 
notes par J. Naudet. Nouv. Edition. T. 4. Paris, Garnier 1885. 18. 
739 p. (Bibliotheque latine-frar^aise). 

539. Quicherat, Jules, Melanges d'archeologie et d'histoire. An- 
tiquites celtiques, romaines et gallo - romaines memoires et fragments 
reunis et mis en ordre par Arthur Giry et Auguste Castan precedes 
d'une notice sur la vie et les travaux de J. Quicherat par Robert de 
Lasteyrie et d'une bibliographie de ses oeuvres. Paris, Picard 1885. 
8. Vni, 581 p. 8 pl. 

540. Quintiliani, M. Fabi, Institutionis oratoriae über X. Texte 
latin publie avec un commentaire explicatif par J. A. Hild. Paris, 
Klincksieck 1885. 8. _ XXVIII, 178 p. 

541. Sallusti, Crispi opera C, oeuvres de Salluste. Texte latin, 
publie d'apres les travaux les plus recents avec un commentaire cri- 
tique et explicatif et une introduction par R. Ballier. Guerre de Iu- 
gurtha. Paris, Hachette 1885. 8. XI, 168 p. 4 frcs. (Collection 
d'e'ditions savantes). 

542. Thiaucourt , C. , Essai sur les traites philosophiques de Ci- 
ceron et leurs sources grecques. Paris, Hachette 1885. 8. VII, 363 p. 

Italien. 

543. Andreoli, Eliodoro, storia della scrittura dai geroglifici fino 
ai nostri giorni illustrata da 24 tavv. di fac-simili, specialmente dei 
carratteri greci e romani. Milano , autore , 1884. 4. 66 p. 15 lire. 

544. Antonelli, G. , indice dei manoscritti della civica biblioteca 
di Ferrara parte I. Ferrara, Taddei 1884. 4. 311 p. 5 lire. 

545. Cara, Cesare A. de, errori mitologici dei prof. Angelo de 
Gubernatis: saggio critico. Prato 1883. 8. 94 p. 12 1. 25 c. 

546. Curzio Rufo, la storia di Alessandro il Grande commentata 
da Enrico Cocchia. Vol. 2. Torino, Loescher 1885. 8. 247 p. con 
una carta. 3 lire. 



Nr. 6, Bibliographie. 359 

547. Feraglia , N. F., delle credenze religiöse dei Greci e dei 
Latini: manuale di niitologia. Napoli, Morano 1884. 16. VII, 
126 p. 1,50 lire. 

548. Ferrero, E., iscrizione e ricerche nuove intorno all' ordina- 
mento delle arniate dell' impero roniano in Memorie dell' accademia 
delle scieuze di Torino. Serie II, tomo 36. Torino 1884. 4. 

549. Gay, R., le conquiste dell 1 Italia antica; sorninario storico. 
Milano 1884. 16. 132 p. 1 1. 22 c. 

550. Giussani, C, studii di ietteratura roniana. Milano , Hoepli 
1884. 16. IV, 205 p. 2 lire. 

551. Inama, Vigilio, Ietteratura greca 4a ediz. Milano, Hoepli 
1884. 16. 214 p. 2 lire. 

552. Ilaisto, F. P. , Memorie storico-critiche sulla vita di S. El- 
pidio vescovo africano e patrono di Sant' Arpino con alcuni cenni in- 
torno ad Atella antica cittä della Campania al villaggio di Sant' 
Arpino ed all' Africa nel secolo V. Napoli, Festa 1884. 16. 184 p. 2 1. 

552a. Mantegazza, L., la patria diEnnio; una dissertazione di En- 
rico Coccliia esaruinata. Bergamo 1885. 8. 19 p. 

553. Martini, Salvator, Autobiographia. Ex Tulli scriptis collegit 
prooemio notis illustr. Augustae. Taurin , Bocca 1885. 8. LX, 
110 p. 5 lire. 

554. Marucchi, H. , description du Forum romain et guide pour 
le visiter : traduction francaise revue et augmentee par l'auteur. Rome 
Loescher 1884. 16. 208 p. 3,50 1. 

555. Monumenti paleografici di Roma pubbl. della Societä di 
Storia patria. fasc. 1. Roma, Martelli 1884. folio. VIII, p. 10 tavv. 
14 lire 90 c. 

556. Pais, A. , Osservazioni intorno ad una iscrizione scoperta a 
Tegea. Cagliari 1884. 8. 10 p. 

557. Plauti Trinummus con proemio e note di F. Zambaldi. 
Milano, Paravia 1885. 16. IV, 112 p. 1,25 1. 

558. Rusconi, A., il cippo di L. Valerio Augustale scoperto sotto 
il duomo di Novara. Novara 1884. 16. 124 p. 2 lire. 

559. Salza, N., Cartagine dalle origine alle guerre puniche: ri- 
cerche storiche. Casale 1884. 16. XIV, 96 p. 

Beilage B. Academica und dissertationen. 

Erlangen. 560. Luchs, Aug., Commentationes prosodiacae 
Plautinae. I. Erlangen 1884. 4. 

561. Hausleiter, Joh., de versionibus Pastoris Hermae latinis. I. 
Erlangen 1884. 8. 

Freiburg. 562. Herzog, Aug., die olympischen göttervereine 
in der griechischen kunst. Leipzig 1884. 8. 

563. Steinhoff, Julius, de usu nominum urbium insularum terra- 
rum Curtiano. Freiburg 1883. 8. 

Genf. 564. Bussy, Leon, Jovinien et Vigilance ou deux prote- 
stants a la fin du IVe siecle. Geneve 1884. 8. 

Gi essen. 565. Dingeldein, Otto, de participio Homerico quae- 
stionum specimen. Giessen 1884. 8. 

566. Willenbrücher , Hugo , de nonnullis scriptorum Graecorum 
locis difficilioribus. Giessen 1883. 8. 

Jena. 567. JBasiliades , Demetrius , dioQSwnxci dg lä ä^ala iis 
rbv Aovxiavhv Ctfoha. Jenae 1884. 8. 

568. Carstens, C, de accusativi usu Euripideo. Jenae 1884. 8. 

569. Fischer, Franc, de patriarcharum Constantinopolitarum ca- 
talogis et de chronologia octo primorum patriarcharum. Lipsiae 1884. 8 S 



360 Bibliographie. Nr. 6. 

570. Keller, Rudolf, Stilicho oder die geschiente des weströmi- 
schen reiches von 395—468. Berlin 1884. 8. 

471. Krüger, Gustav, nionophysitische Streitigkeiten im zusammen- 
hange mit der reichspolitik. Jena 1884. 8. 

572. Lange, Konrad, die königshalle in Athen. Leipzig 1884. 8. 

573. Paul, Max, quaestionum grammaticarum particula. Jena 
1884. 8. 

574. Schmidt, Ernestus, de Ciceronis commentario de consulatu 
graece scripto a Plutarcho in vita Ciceronis expresso. Lubecae 1884. 8. 

575. Tzenos , Panagiotis, ici 'Avkxqsövthv. ykwaotxwis QtTu^öfAtvu 
nÖQQ(o rtjs twv doxi/uwv cvvtjO-tias ctne/ovaiy. Jena 1884. 8. 

Kiel. 576. Foerster, Rieh., de translatione latina physioguomi- 
corum quae feruntur Aristotelis. Kiel 1882. 4. 

577. — — , die physiognomik der Griechen. Kiel 1884. 8. 

578. Nitzsch, Fr., Luther und Aristoteles. Festschr. Kiel 1883. 8. 

579. Spitzer, Jon., lautlehre des arkadischen dialekts. Kiel 1883. 8. 

580. Waßner, Jul., de heroum apud Graecos eultu. Kiel 1883. 8. 
Königsberg. 581. Jordan, Henr., Quaestiones Tullianae. Re- 

gimontii 1884. 4. 8 p. 

582. Baecker , Elimar, de canum uominibus Graecis. ib. 1884. 
8. 78 p. 

583. Baske, Joh. , de alliterationis usu Plautino particula I. ib. 
1884. 38 p. 

584. Brosmv , Aug., Quomodo sit Apollonius sophista ex Etymo- 
logico Magno explendus atque emendandus. ib. 1884. 8. 51 p. 

585. Hemiig, Maxim., de Nonii Marcelli locis Plautinis. ib. 1884. 
8. 39 p. 

586. Hirsch, Paul, Phrygiae de nominibus oppidorum. ib. 1884. 
8. 32 p. 

587. Krenkel, Franc, Epilegomenorum ad poetas Latinos poste- 
riores particula I de Aurelii Prudentii Clementis re metrica. Rudol- 
stadt 1884. 8. 65 p. 

588. Sockel, Carl Joh. , de allocutionis usu qualis sit apud Thu- 
cydidem Xenophontem oratores atticos, Dionem, Aristidem. ib. 1884. 
8. 56 p. 

589. Obricatis , Ric, de per praepositionis latinae et cum casu 
coniunetae et cum verbis nominibusque compositae usu qualis obtinue- 
rit ante Ciceronis aetatem. ib. 1884. 8. 60 p. 

590. Roquette, Adalbert, de Xenophontis vita. ib. 1884. 8. 112 p. 

591. Scheffler, Albert, de Mercurio puero. ib. 1884. 8. 53 p. 

592. Teichert, Paul, de fontibus Quintiliani rhetoricis. Bruns- 
bergae 1884. 8. 58 p. 

593. Tichelmann, Ludov., de versibus Ionicis a minore apud poe- 
tas Graecos obviis. ib. 1884. 8. 64 p. 

594. Vogelreuter, Otto, de praepositionibus quae cum ternis ca- 
sibus construuntur apud Aristophanem. ib. 1884. 8. 67 p. 

Leipzig. 595. Kahnis, Carl Friedr. Aug., über das verhältniß 
der alten philosophie zum christenthum. Leipzig 1883. 4. (Recto- 
rathsprogramm). 

596. Lange, Lud., de sacrosanetae potestatis tribuniciae natura 
eiusque origine commentatio. ib. 1883. 4. 

597. Bischoff, Ernst, de fastis Graecorum antiquioribus. ib. 
1884. 8. 

598. Cohn, Arthur, Quibus ex fontibus S. Aurelii Victoris et libri 
de Caesaribus et epitomes undeeim capita priora fiuxerint. Berlin 
1884. 8. 



Nr. 6. Kleine philologische zeitung. 361 

599. Freericks, Herrn., de Aeschyli Supplicium choro. Duder- 
derstadt 1883. 8. 

600. Graf, Heinr. Ernst , ad aureae aetatis fabularn symbola. 
ib. 1884. 8. 

601. Grohs , Hugo, der werth des geschichtswerkes des Cassius 
Dio als quelle für die geschiente der jähre 49 — 44 v. Chr. Züllichau 
1884. 8. 

602. Grundmann, Herrn. Rieh., Quid in elocutione Arriani Hero- 
doto debeatur. Berlin 1884. 8. 

603. Haussen, Friedr. , Anacreonteorum sylloge Palatina recen- 
setnr et explicatur. ib. 1884. 8. 

604. Hartwig, Reinh. Paul, Herakles mit dem füllhorn. ib. 1883. 8. 

605. Haupt, Ernst Joh. , de nominum in -ivs exeuntium flexione 
Homerica. ib. 1883. 8. 

606. Hildebrand , Hugo , Aristoteles Stellung zum determinismus 
und indeterminismus. Chemnitz 1884. 8. 

607. Holland, Georg Rieh., de Polyphemo et Galathea. ib. 1884. 8. 

608. Keseberg, Aug. , Quaestiones Plautinae et Terentianae ad 
religionem speetantes. ib. 1884. 8. 

609. Klinger, Georg, de deeimi Livii libri fontibus. ib. 1884. 8. 

610. Leidenroth , F. B. , Indicis grammatici ad scholia codicis 
Veneti A speeimen. Berlin 1884. 8. 

611. Liedloff, Curtius, de tempestatis, necyomanteae inferorum 
descriptionibus quae apud poetas Romanos primi p. Ch. saeculi le- 
guntur. ib. 1884. 8. 

612. Lincke, Ernst Martin, de elocutione Isaei. ib. 1884. 8. 

613. Marx, Anton, de S. Propertii vita et librorum ordine tern- 
poribusque. ib. 1884. 8. 

614. Meyer, Kuno, eine irische version der Alexandersage. ib. 
1884. 8. 

615. Hosenstein, Alfr. , die psychologischen bedingungen des be- 
deutungswechsels der Wörter. Danzig 1884. 8. 

616. Rudolph, Felix, de fontibus quibus Aelianus in varia hi- 
storia componenda usus sit. ib. 1884. 8. 

617. Scheidemantel, Eduardus, Quaestiones Euanthianae. ib. 1883. 8. 

618. Schoenfeld, Georg, de Taciti studiis Sallustianis. ib. 1884. 8. 

619. Thurm , Emil Alfr. , de Romanorum legatis reipublicae li- 
berae temporibus ad exteras nationes missis. ib. 1883. 8. 

620. Uhle, Paul, Quaestiones de orationum Demostheni falso ad- 
ditarum scriptoribus particula I. Hagen 1883. 8. 

621. Wagler, Paul Reinhold, de Aetna poemate quaestiones cri- 
ticae. ib. 1884. 8. 

622. Wolff, Osw., de Iophonte poeta tragico. Mesniae 1884. 8. 
Rostock. 623. Reuter, Ad., de Promethei Septem Persarum 

Aeschyli fabularum codieibus recentioribus. Cervimontii 1883. 8. 

624. Rickmann, Ern. , in cumulandis epithetis quas leges sibi 
scripserint poetae Graeci maxime Ij-rici. ib. 1884. 8. 

625. Wagner, Rieh., de priore quae Demosthenis fertur adversus 
Aristogitonem oratione. ib. 1883. 8. 

Kleine philologische zeilung. 

Berlin. Im anfang des märz ward feierlich das städtische 
schulmuseum eröffnet, eine Schöpfung, durchweiche der ma- 
gistrat der Stadt Berlin ein äußerst nachahmungswürdiges bei- 
spiel gegeben: es enthält dies museum, welches aus kleinen an- 



3t>2 Kleine philologische zeitung. Nr. 6. 

fangen hervorgegangen, durch neun volle jähre hindurch inne- 
gehaltenen umsichtigen fleiß das geworden, was es jetzt ist, eine 
für schulzwecke auserlesene bibliothek von beiläufig 6200 bän- 
den nebst karten , atlanten und sonstigen lehrmittelsammlungen, 
also das für das gedeihen der schule unumgänglich nothwendige : 
vrgl. Berl. Zeitungen vom 5. — 10. märz. Denn soll die schule 
ihre große aufgäbe wirklich erfüllen, so müssen tüchtige lehrer 
an ihr wirken , tüchtige lehrer kann man aber nur dann er- 
halten , wenn man den lehrern ermöglicht , den fortschritten der 
Wissenschaft zu folgen, sich somit selbst weiter zu bilden und 
eignen Studien obzuliegen, auch so weit möglich selbstthätig an 
der entwicklung der Wissenschaft sich zu betheiligen : dies zu- 
gleich der einzige weg dem jetzt schon verbreiteten maschinenar- 
tigen lehren vorzubeugen. Vor allem gilt dies aber von den 
anstalten, die dem Staate als zu dessen blüthe unumgänglich 
nothwendig , besonders gepflegt werden sollten , den gymnasien : 
wie traurig es hinsichtlich der gymnasial - bibliotheken bei uns 
noch aussieht, ist oft genug schon laut beklagt; aber unsre mi- 
nisterien für Unterrichts- und sonstiges wesen lassen sich dadurch 
in ihrer ruhe nicht stören. 

Interessante notizen über das wachsthum und den einfluß 
der Universität zu Athen bringt Allg. ztg. beil. zu nr. 24. 

Zur Grimmfeier — s. ob. nr. 3, p. 184 — fügen wir den 
aufsatz von Sepp in Allg. ztg. nr. 22 beil. 1 und die notiz über 
die feier in Leipzig ebendas. nr. 25 ; die in der academie der 
Wissenschaften in Berlin gehaltene rede von H. von Sybel über 
Jacob Grimm, Allg. ztg. nr. 31. 

Von einem quellenfinder Boraz in München berichtet Allg. 
ztg. beil. 2 zu 28: es erinnert dies an die gleiche, auch in Rom, 
wie Aemilius Paullus zeigt, sehr geschätzte uralte kunst der 
Tusker, Liv. XLIV, 34, 1. Plutarch. Aem. Pauli. 12, vgl. 0. 
Müll. Etrusk. II, p. 341. 

Eine beachtenswerthe abhandlung ist die von Johannes Schrott : 
Marc Aurel in Carnuntum und Vindobona in Allg. ztg. beil. zu 
nr. 29. 30. 31. 

Im Januar d. j. ist in Athen zwischen dem tempel des 
Zeus Olympius und dem neuen militärhospital eine inschrift auf- 
gegraben, welche eine Umzäunung um den tempel des Kodros 
anordnet : sehr wichtig , da ein tempel des Kodros in Athen 
bisher unbekannt war. Die inschrift ist in den besitz der ar- 
chäologischen gesellschaft in Athen gekommen. Allg. ztg. nr. 31. 

Ein referat über das buch von K. Schmelzer, zur Vertei- 
digung Piatos, Bonn 1885, findet sich unter der aufschrift „zur 
neuesten forschung über Piatos verhältniß zur dichtkunst" von 
O. Weddigen in Allg. ztg. beil. zu nr. 35: die feindliche Stel- 
lung Piatos zur dichtkunst wird bestritten und das verhältniß 
des philosophen zu ihr richtig zu bestimmen gesucht. 






Nr. 6, Kleine philologische zeltung. 363 

Karl Giussani, professor in Mailand, hat jetzt Studien über 
römische literatur (s. ob. Verzeichniß p. 359, nr. 550) erscheinen 
lassen, in denen nach Allg. ztg. beil. zu nr. 38 ausführlich über Vir- 
gil, Catullus, Seneca, Tacitus, Apuleius, Fronto gehandelt wird. 

Ein gelehrter Amerikaner, dr. Sterret hat veröffentlicht ein 
Preliminary report of an archaeological joumey made in Asia minor 
during the summer of 1884, Boston, 1885: es werden darin über 
60 tbeils griechische, theils lateinische inschriften publicirt, dar- 
unter drei felseninscbriften in hexametern , eine davon in di- 
stichen , aus denen man ersieht , daß das gebirge Proion hieß, 
ein ort in der nähe öabagena, wo vorzügliche bäder waren, aber 
in der nähe auch baren, die das leben der menseben gefährdeten. 
Allg. ztg. beil. zu nr. 50. 

Bei Rebbio in Oberitalien ward eine alte grabstätte entdeckt, 
die theils prähistorischen , theils römischen Ursprungs zu sein 
scheint: kurze mittheilung darüber in Allg. ztg. nr. 52. 

Ueber die ausstellung von historischen alterthümern Bayerns 
in München berichtet Allg. ztg. beil. II zu nr. 52. 66. 69. 71. 

Ueber die 1884 vorgenommenen ausgrabungen in der nähe 
von Frankfurt a. M. — bei Heddernheim und Bornheim — lie- 
fert der achte Jahresbericht des Vereins für das historische mu- 
seum äußerst interessante nachrichten und aus diesem Allg. ztg. 
nr. 59 : besonders hervorgehoben wird ein heim aus bronze von 
einer künstlerischen Vollendung , wie noch keiner diesseits der 
Alpen gefunden worden sei. 

Erwähnen wollen wir auch hier die „Erinnerungen an Frie- 
drich von Uechtritz und seine zeit in briefen von ihm und an 
ihn. Mit einem Vorworte von Heinrich von Sybel. Leipzig, 
Hirzel" 1884 und die besprechung von Horawitz in Allg. ztg. 
beil. zu nr. 60 und in nr. 61 : sie enthalten wichtige beitrage 
für das leben vieler der bedeutendsten männer und philologen 
unseres Jahrhunderts. 

Ueber die fortschreitende russificirung der schulen in den 
russischen Ostseeprovinzen berichtet Allg. ztg. nr. 63. 

Auf anlaß des von Ippel herausgegebenen briefwechsels 
zwischen Jacob und Wilhelm Grimm , Dahlmann und Gervinus 
(Berlin , Dümmler) enthält Allg. ztg. beil. zu nr. 64 einen auf- 
satz über Dahlmann und die gebrüder Grimm. 

Die von Karl Krause edirten briefe des Mutianus Rufus 
werden in Allg. ztg. beil. zu nr. 64 kurz besprochen. 

„Die Ilias und der epische kyklos" ist ein aufsatz Forch- 
hammers in der Allg. ztg. beil. zu nr. 69 überschrieben, in dem 
dieser gelehrte seine oft schon vorgetragenen ansichten über den 
angeblich tieferen sinn dieser gedichte vorträgt. 

Ueber den römischen grenzwall in Deutschland findet sich 
eine kurze die literatur über denselben betreffende notiz in Allg. 
ztg. beil. zu nr. 69: dazu beil. zu nr. 133. 



364 Kleine philologische zeitung. Nr. 6. 

Nach einem im Journal des Debats veröffentlichten berichte 
des museumsdirectors Maspero (s. Allg. ztg. beil. zu nr. 74) 
schreiten die ausgrabungen am tempel zu Luxor rüstig vorwärts 
und läßt sich jetzt der großartige bau erkennen. 

In Allg. ztg. beil. zu nr. 76 erörtert Johannes Walther unter 
der Überschrift : „die geologische katastrophe der sintfluth" unter 
hinzuziehung der assyrischen und andern quellen die entstehung 
so wie das local dieses ereignisses und führt es auf seine natür- 
lichen Ursachen zurück. 

Der papst hat der in Salzburg zu gründenden freien 
katholischen Universität seinen apostolischen segen ertheilt : dies 
und ähnliches berichtet beil. z. Allg. ztg. nr. 81. 

In der nähe von StocJcstadt hat man ein römisches castell 
von großem umfang ausgegraben, dabei auch die entdeckung 
gemacht, daß der Main früher seine richtung nach Stockstadt 
hatte und erst später seine Strömung nächst Aschaffenburg er- 
hielt. Allg. ztg. 2. beil. zu nr. 84. 

Berlin 1 . april. Zur feier des Jubiläums des fürsten Bismarck 
bespricht unter der Überschrift : „der politische erzieher der Deut- 
schen" in Allg. ztg. nr. 91 Fr. v. Löher mit seltner sachkennt- 
niß in bekannter schöner form die politische laufbahn und thä- 
tigkeit des reichskanzlers : nur eins ist in dem nicht genug zu 
empfehlenden Schriftstück übersehen oder verschwiegen, nämlich 
daß ohne die tiefe Weisheit und unerschütterliche festigkeit des 
kaisers fürst Bismarck nie das hätte leisten und werden können, 
was er geworden ist, eine Wahrheit, der niemand häufiger und 
ergreifender ausdruck gegeben hat, als fürst Bismarck selbst, eine 
erkenntniß, die dem fürsten zu besonderer ehre gereicht. 

In Italien beunruhigen die an verschiedenen Universitäten 
— Turin, Padua, Neapel — unter den Studenten ausgebrochenen 
tumulte: Allg. ztg. nr. 92: der kultusminister ist mit großer 
energie den ausschreitungen , zu denen jeder anlaß zu fehlen 
scheint, entgegengetreten. Allg. ztg. außerord. beil. zn nr 74, 
nr. 97 : vrgl. nr. 100. 104. 109. 116. 125. Beachtenswerth ist aber, 
daß in letzter zeit so oft von Unruhen auf auswärtigen Univer- 
sitäten berichtet wird : so aus Spanien , Allg. ztg. nr. 45 , von 
unruhen in Zürich, ebendas. nr. 48, in Paris, nr. 51. 57. 59, 
in Montpellier, nr. 110. 

Ueber Leopold von Ranke's Jubiläum berichtet Allg. ztg. 
nr. 92: vrgl. ob. nr. 1, p. 277. 

Ueber Verleihung von reise - Stipendien an studirende giebt 
nachweisungen Allg. ztg. nr. 95 beil. 2. 

Ueber die auffindung alter grabstätten bei Mecio (Mechel 
auf den karten) in Süd - Tirol und auf dem Nonsberg berichtet 
ausführlich das Archivio Trentino Jahrg. III, bd. II und daraus 
kurz Allg. ztg. beil. zu nr. 98. 

Bei Kehlheim in Baiern sind zufällig die reste einer römi- 



Nr. 6. Kleine philologische zeitung. 365 

sehen militairstation aufgedeckt, welche aus dem zweiten Jahr- 
hundert p. Chr. zu stammen scheint: man hofft eine bedeutende 
fundstätte entdeckt zn haben, s. Allg. ztg. beil. II zu nr. 99. 

Göttingen. Das oben nr. 4, p. 273 angeführte werk von Paulsen 
ist seitdem mehrfach beurtheilt: auf ganz ungenügende weise 
von G. Voigt in Deutsche litteraturztg. 1885, nr. 6 : scharf und 
die resultate verwerfend , jedoch an einzelnes zu sehr sich hal- 
tend Zarnck. Lit. Centralbl. 1885, nr. 7 : begonnen hat eine be- 
urtheilung Mauthner im Zeitgeist, einem beiblatt zum Berliner 
tageblatt, vom 27. april 1885, Tagebl. nr. 210. Aber zuerst 
energisch und mit überlegener sachkenntniß bekämpft es Ziegler 
in Allg. ztg. 1885 beil. zu nr. 77: er bezeichnet dasselbe als 
eine tendenzschrift , deren grundansichten zu verwerfen seien, 
sucht die gegenwärtige einrichtung der gymnasien wie auch die 
gymnasiallehrer gegen die zum theil ungerechten vorwürfe Paul- 
sens zu rechtfertigen , greift daneben die behandlung des Unter- 
richts im griechischen bei diesem an und wirft ihm unkenntniß 
in der sache vor, wie denn z. b. das gymnasialwesen in Wür- 
temberg gar nicht beachtet sei: es ist das freilich auffallend, da 
grade dort die Organisation des Schulwesens bis in die mitte 
dieses Jahrhunderts vortrefflich war. Gegen diese kritik, welche, 
in etwas erregter Stimmung geschrieben , die worte ab und an 
nicht vorsichtig genug gewählt, auch wohl das gute an dem 
buche nicht genug hervorgehoben haben mag , hat Paulsen eine 
abwehr in Allg. ztg. beil. zu nr. 100 gerichtet, aus der wir nur 
hervorheben , daß er darin seine Stellung zum griechischen be- 
stimmt formulirt : er sagt : „nicht das ist die frage, hat die grie- 
chische literatur für uns überhaupt noch werth? sondern ist es 
zweckmäßig, daß wir fortfahren, alle diejenigen, welche sich auf 
das Universitätsstudium vorbereiten , zu nöthigen , so viel grie- 
chisch zu lernen , als auf unsern gymnasien thatsächlich gelernt 
wird?", eine frage, welche er verneint: im übrigen aber zeigt 
diese entgegnung von neuem, wie schwer es bei uns in Deutsch- 
land hält, den richtigen ton in der polemik zu treffen. Ziegler 
lehnt in einer kurzen zuschritt in Allg. ztg. beil. zu nr. 108 ab, 
auf diese entgegnung Paulsens ihres tons wegen einzugehen: 
wir bedauern dies : man soll durch nichts sich vom kämpfe für 
die gute sache abhalten lassen. Indessen hat Kaufmann in 
Zeitschrift für deutsche alterth. XXIX, p. 224 das buch be- 
sprochen: wenn nun Ziegler's kritik Paulsen so sehr erregt hat, 
was wird er zu dieser sagen? Freilich auf den ersten blick 
erscheint sie ruhig , in einem ich möchte sagen diplomatisch 
feinen tone gehalten : aber genauer zugesehen verurtheilt sie 
trotz des gespendeten lobes das buch überzeugender und rück- 
haltsloser als irgend eine der vorhin genannten , trifft also auch 
mit Ziegler oft genug zusammen. Auch Kaufmann vermißt 
kenntniß der sache und zum beweise führt er eine ganze reihe 
Philol. Anz. XV. 25 



366 Kleine philologische zeitung. Nr. 6. 

für die gestaltung des classischen Unterrichts auf den gymna- 
sien nothwendiger einrichtungen und Verhältnisse auf, welche 
Paulsen unbekannt geblieben : es wird ferner die im buche vor- 
liegende kenntniß des mittelalters als unzureichend und lücken- 
haft bezeichnet , woraus sich dann die gänzlich verfehlte auffas- 
sung der Scholastik und des humanismus erklärt: der letztere 
namentlich ist weder in seinen anfangen noch in seiner heu- 
tigen entwicklung begriffen, womit denn die Ungunst zusammen- 
hängt , welche der griechische Unterricht in dieser darstellung 
findet. Dies alles aber bewirkt, daß Paulsen, ein Vertreter, wie 
er sagt, freier forschung, in seinen resultaten mit Janssen zu- 
sammentrifft, dem päbstlichen historiker (p. 225), gewiß eine 
beklagenswerthe erscheinung, die aber ultramontane wie radicale 
und realschulkünstler begrüßen und auszubeuten suchen werden. 
Paulsens angriffe gegen das heutige gymnasium beruhen dem- 
nach auf schwacher grundlage ; trotzdem halten wir sie theils 
wegen der gewandten darstellung für gefährlich, theils weil das 
größere jetzt gegen die gymnasien leider nicht mit unrecht ein- 
genommene publicum solchen angriffen nur zu leicht gehör giebt, 
es steht aber als thatsache fest, daß durch die schuld der lei- 
tenden behörden das gymnasium allmählich so organisirt ist, daß 
der classische Unterricht seine unübertreffliche lehrkraft nicht 
zu entfalten vermag : daher die klagen und angriffe. Dies ver- 
schweigt auch Kaufmann nicht, führt vielmehr kurz der gele- 
genheit gemäß manches von dem was das gymnasium drückt an, 
jedoch nicht ohne den umsichtigen Sachkenner beweisende mittel 
zur abhülfe der übelstände anzudeuten. Dazu möchten wir ei- 
nen kleinen beitrag liefern und weisen deshalb auf einen punkt 
in dem abiturienten-examen der gymnasien hin: in diesem näm- 
lich hat man das griechische scriptum abgeschafft und an dessen 
stelle Übersetzung eines dictierten Stücks aus einem attischen 
prosaiker gesetzt, eine zwecklose und zu philologische einrichtung, 
welche wie die frühere den lehrer zwingt auf einprägung des 
attischen dialekts hinzuarbeiten statt die edle zeit der lektüre 
des Homer zuzulegen, da dieser dichter jetzt viel zu wenig auf 
dem gymnasium getrieben wird ; denn wie kein andrer weiß 
dieser schon den knaben zu fesseln, die erweckte liebe von jähr zu 
jähr zu steigern und zu einem vollen und wahren verständniß des 
edlen und schönen zu gestalten : diesen durch ein günstiges ge- 
schick wunderbar uns erhaltenen schätz meint man durch alt- 
deutsche und französische alltäglichkeit zu ersetzen ! Woher nun 
diese traurigen zustände ? Es genügt nicht wie oben die schwan- 
kende haltung der leitenden behörden anzuklagen : richtig findet 
Kaufmann den feind in der bureaukratie , der bureaukratischen 
gewaltthätigkeit , wie er p. 227 sagt. Daß diese über solche 
macht in unsern tagen verfügt, dankt sie zunächst dem militair- 
staat , in dem wir leben ; denn dieser begünstigt gar manche 



Nr. 6. Kleine philologische zeituug. 367 

ihrer bestrebungen, z. b. die gleichmacherei, an der das Schul- 
wesen so sehr zu leiden hat : sie dankt es aber auch der con- 
stitutionellen Verfassung der gegenwart ; denn diese ist noch im 
werden begriffen und versteht noch nicht, den übergriffen mit 
der nöthigen kraft entgegenzutreten, läßt sich vielmehr geschickt 
benutzen unbequemes zu beseitigen, s. ob. hft. 1, p. 111. Da- 
mit dürfte in kurzem umrisse die läge und aufgäbe derer be- 
zeichnet sein, welche für die classischen Studien als grundlage 
des gymnasialunterrichts kämpfen : diese grundlage muß bleiben, 
soll anders der besten anleitung zu freier forschung und wahrer 
bildung das deutsche volk sich erfreuen, deren einfluß auf das ganze 
folgende leben veredelnd wirkt. Und der hoffnung, daß trotz 
Paulsen und Janssen und sonstiger reaction die gute sache 
den sieg wenn auch vielleicht nach langem und hartem kämpfe 
erringen werde, darf man sich hingeben-, denn die bisheri- 
gen Schwankungen der leitung des unterrichtswesens in Preu- 
ßen, man kann auch sagen in Deutschland, erklären sich unsres 
erachtens zum guten theil aus der schwierigen Stellung Preußens 
als großmacht in der frühern zeit : dies hat sich geändert : aber 
die wunderbar großartige änderung kann nicbt sofort alle zweige 
des großen Staatsorganismus durchdringen und scheint es daher 
gar manchen Staatsmännern schwer zu werden, aus dem seichten 
und gefährlichen fahrwasser in das tiefe und sichere sich zu be- 
geben: doch die Weisheit des kaisers und die gesunde kraft des 
Volkes wird schon männer heraufführen, unter deren leitung das 
was der humanismus gestützt auf den protestantismus unter den 
schwierigsten Verhältnissen schon herrlich erkämpft hat, in immer 
weitere kreise geleitet und zu immer segensreicherer blüthe ge- 
zeitigt wird. — E. v. L. 

Ueber die sehr beachtenswerthe römische abtheilung des 
Paulus - museum der stadt Worms giebt nach anleitung eines in 
diesem jähre in "Worms erschienenen programms einen interes- 
santen bericht Allg. ztg beil. zu nr. 104. 

Ueber die ausgrabungen einer römischen niederlassung in 
der nähe von Regensburg, welche sehr wichtig zu werden schei- 
nen, wird in Allg. ztg. II beil. zu nr. 164. 167 berichtet. 

Ueber NavilWs ausgrabungen in Gosen und die historicität 
des aufenthalts der Juden in Aegypten steht in Allg. ztg. beil. 
zu nr. 110. 111 ein überaus wortreicher und daher langweiliger 
aufsatz von Georg Ebers. 

Von der festsitzung des Archäologischen instituts in Rom 
am 18. april berichtet Allg. ztg. beil. zu nr. 111 wie folgt: 
Anknüpfend an die eben erfolgte herausgäbe des Werkes Gae- 
tano Marini's über die antiken doliar- inschriften, gab dr. 
Dressel eine kurze Übersicht über die entwicklung der stadtrö- 
mischen Ziegeleien in der kaiserzeit. Während in den anfangen 
der letzteren die fabrication von ziegeln in Rom und umgegend 

25* 



368 Kleine philologische zeitung. Nr. 6. 

fast ausschließlich von Privatunternehmern betrieben wurde, 
suchte bald das kaiserliche haus durch anläge von Ziegeleien 
auf eigenem boden einen theil dieses Industriezweiges an sich 
zu bringen. Noch gegen ende des ersten Jahrhunderts ist die 
reiche familie der Domitier im besitze fast aller römischer Ziege- 
leien , von da an aber bezeichnen die ziegelstempel immer häu- 
figer kaiser und kaiserinnen als besitzer von öfen und von 
prädien, auf denen ziegel angefertigt werden, ohne daß jedoch 
die kaiser ein ausschließliches monopol angestrebt hätten. Waren 
doch zahlreiche öfen im besitz von leuten aus der nobilität und 
sonstiger einflußreicher personen, denen die kaiser gewisse rück- 
sichten schuldig waren. Später hatten die politischen ereignisse 
seit dem beginne des dritten Jahrhunderts auf die ziegelfabrica- 
tion einen entschiedenen einfluß. Die ziegelstempel verschwinden 
mit Septimius Severus und Caracalla und treten erst in der pe- 
riode der neugestaltung unter Diocletian und Constantin wieder 
auf, freilich in anderer gestalt und mit anderen formein. Den 
letzten abschnitt bilden die dachziegel mit dem namen des Theo- 
dorich und Athalarich. Der vortragende behandelte hierauf die 
ziegelstempel als hülfsmittel für die chronologische bestimmung 
der antiken gebäude. Nur ein geringer theil der Stempel trägt 
die bezeichnung des Jahres , in welchem die ziegel verfertigt 
sind, andere lassen sich nur annähernd einem bestimmten Zeit- 
abschnitt zuweisen. Die consulardaten beginnen erst im jähre 
110. Unter Hadrian erreicht die ziegelfabrikation die höchste 
blüthe, zumal im jähre 123 und dann wieder im jähre 134, in 
welchem der kaiser von seinen reisen definitiv nach Rom zu- 
rückkehrte. Mit dem jähre 164 hört die bezeichnung des datums 
auf den ziegeln plötzlich auf und verliert sich auf immer, was 
der vortragende durch die große pest erklärte, welche, aus dem 
Orient im jähre 162 eingeschleppt, in Rom ungefähr im jähre 
167 ausbrach und auf lange zeit hinaus jedes geschäft lähmte. — 
Es folgte ein Vortrag des professor Jordan aus Königsberg über 
ausgrabungen, welche er in den letzten tagen mit erlaubniß der 
generaldirection der alterthümer am Vestatempel hatte vornehmen 
lassen. Dieselben führten zu wichtigen aufschlüssen über die 
Säulenstellung und die stufen, welche zum tempel emporführten, 
ferner zur entdeckung eines brunnenartigen, aus großen peperin- 
tafeln sehr genau zusammengefügten behälters, der nach der ver- 
muthung des vortragenden zur vorläufigen aufbewahrung des 
stercus Vestae diente , welches bekanntlich nur einmal im jähre 
feierlich nach dem clivus Capitolinus übertragen wurde. Zugleich 
besprach er ein kürzlich in der cella penaria des Vestalenhauses 
aufgefundenes alterthümliches rohes gefäß , das wahrscheinlich 
ebenfalls zwecken des cultus diente, und einige besonderheiten 
in der bekleidung der schon früher entdeckten statuen der Ve- 
stalen. — Prof. Mommsen theilte ein bei einem ausfluge nach Pra- 



Nr. 6. Kleine philologische zeitung. 369 

tica, dem alten Lavinium von ihm copirtes inschrift-fragment mit, 
welches demselben Sp. Turranius Proculus Gellianus angehört, 
von dem eine sehr wichtige inschrift in Pompeji gefunden wurde. 
Die erwähnung der sacra principia populi Romani machte die 
mittheilung ganz besonders geeignet für die dem gedächtniß der 
gründung Eoms gewidmete sitzung. — Zum Schluß behandelte der 
erste secretär , prof. Henzen , eine kürzlich in der gegend des 
Monte Testaccio ausgegrabene inschrift, die ein collegium salutare, 
unter anrufung der gottheit des kaiserlichen hauses , dem gotte 
Aesculapius und der Salus Augusta errichtete, und zwar an ei- 
nem von dem procurator patrimonii Caesaris dazu bewilligten orte. 
An der spitze des collegium stehen drei vilici praediorum Galba- 
norurn. Der vortragende schloß aus der vorhergehenden erwäh- 
nung des procurator patrimonii, daß diese praedia, und also auch 
wohl die oft erwähnten horrea Galbana oder Galbiana, der kai- 
serlichen domäne angehört haben müssen , und besprach dann 
ausführlicher die zum zwecke gemeinsamer bestattung gegrün- 
deten collegia salutaria, sowie die auf die collegien bezügliche 
römische gesetzgebung. Die inschrift selbst wurde von ihm mit 
rücksicht auf den character der schrift und unter vergleichung 
der in ihr erwähnten namen etwa der späteren zeit des Hadrian 
zugeschrieben. Er schloß mit einigen worten des dankes für den 
baron von Platner, welcher, nachdem er vor nunmehr 6 jähren 
dem institut eine ansehnliche Sammlung italienischer municipal- 
geschichten zum geschenk gemacht, jetzt durch eine neue Schen- 
kung den bestand derselben mehr als verdreifacht hat. Die 
bibliotheca Platneriana , die jetzt mehr als 6000 werke umfaßt, 
wird eine gesonderte abtheilung der institutsbibliothek bilden 
und eine sehr empfindliche lücke in den römischen büchersamm- 
lungen ausfüllen, vielleicht überhaupt keiner italienischen biblio- 
thek an Wichtigkeit für das Studium der municipalgeschichte 
nachstehen. 

Zur Unterrichtssprache in Polen wird jetzt das russische 
eingeführt, Allg. ztg. nr. 112: also derselbe weg wie in den 
Ostseeprovinzen. Aehnliches scheint sich in Armenien vorzube- 
reiten, wo die schulen, welche sich einer russischen Oberaufsicht 
nicht unterwerfen wollen, geschlossen sind, Allg. ztg. nr. 117. 

In München soll ein viertes humanistisches gymnasium er- 
richtet werden. Allg. ztg. beil. II zu nr. 114. 

Die Übergabe der ruthenischen (griechisch-katholischen) Ba- 
silianerklöster und schulen in Galizien an die Jesuiten und die 
damit verbundenen Umtriebe schildert nach artikeln in der Freien 
presse Allg. ztg. nr. 120 , eine Schilderung die aber ebendas. 
nr. 121 als in vielen punkten übertrieben bezeichnet wird. Doch 
lassen auch diese dinge die gefährliche thätigkeit erkennen, welche 
Rom und die ultramontanen unausgesetzt entwickeln. 



370 Kleine philologische zeitung. Nr. 6 

Rom. Der unterrichtsminister hat eine sehr strenge Ver- 
ordnung gegen die Studentenvereine erlassen, vrgl. ob. p. 364: 
erfordert von den behörden , daß namentlich dem Umsichgreifen 
politischer parteitendenzen entgegengetreten werde. Allg. ztg. 
nr. 128: dazu auch nr. 166. 

Neapel. Ueber ausbräche des Vesuv, namentlich in der 
richtung von Pompeji hin, wird berichtet Allg. ztg. nr. 128. 

Regensburg, 21. mai. Die kenntniß von der hiesigen römi- 
schen militairstadt war früher sehr gering, so daß in der 1859 
erschienenen, gründlich ausgearbeiteten geschichte der militär- 
architektur des früheren mittelalters (Stuttgart, Cotta) von Krieg 
v. Hochfelden castra regina , keine erwähnung fand. Auch in 
Eegensburg lebte keine ahnung mehr , daß der gewaltige halb- 
runde thurm , welcher halb in die brauerei des bischofshofes 
hineinragt , zum kleineren theil auf der Straße steht , römischen 
Ursprungs sei, und daß derselbe einen bestandtheil eines gewal- 
tigen römischen thorbaues bilde. Erst die Studien, welche graf 
v. Walderdorff, für seine schrift „Eegensburg in seiner Vergan- 
genheit und gegenwart" über die hiesige Römerstadt machte, 
führten hinsichtlich der grenzen derselben zu meist sicheren re- 
sultaten, zu deren wichtigsten die feststellung der porta praetoria 
gehörte. Freilich konnte die Zeichnung des grundrisses dersel- 
ben theilweise nur auf vermuthung beruhen , da erst die neue- 
sten forschungen das Vorhandensein des mittelbaues und des 
rechten (westlichen) propugnaculums nachwiesen. Wir haben 
also hier, von den Römerbauten in Trier und einzelnen thürmen 
anderwärts abgesehen, den einzigen auf deutschem boden erhal- 
tenen römischen hochbau vor uns und können nicht nur den 
ganzen grundriß des aus mächtigen quadern aufgeführten thor- 
baues nach form und maß reconstruiren , sondern es zeigt sich 
auch das bild eines vollkommen erhaltenen befestigungsthurmes 
und des von norden in das innere des thorhofes führenden bo- 
gens. Derselbe mißt 7,70 meter in der höhe, wovon 2,50 m 
aus dem boden gegraben werden mußten ; die thorbreite beträgt 
4,15 m. , diejenige eines jeden thurmes 6,5 m., der Zwischen- 
raum zwischen dem thor und den beiden thürmen je 6,80 m., 
so daß sich die ganze thoranlage in einer breite von ungefähr 
30 meter erstreckt. Die einzelnen steine zeigen starke und sehr 
unregelmäßige buckel ohne glatten randbeschlag; der fugenschnitt 
ist fein gefügt und die rustica des bogens scheinen ohne mörtel 
aneinander gefügt. Die zeit der erbauung dieses befestigungs- 
werkes ist aller Wahrscheinlichkeit nach das ende des zweiten 
Jahrhunderts , aus welcher auch die vor mehreren jähren aufge- 
fundene inschrift der porta principalis sinistra herrührt , durch 
welche nachgewiesen wurde, daß dieser bau ein werk des kai- 
sers Marc Aurel war. Ueber das künftige Schicksal der nun 
wieder aufgefundenen porta praetoria ist dem vernehmen nach 



Nr. 6 Kleine philologische zeitung. 371 

nichts entschieden: hoffen wir, daß für ihre erhaltung gesorgt 
werde. — Münchener allg. ztg. beil. 2 zu nr. 143. 

Göttingen. Die vielfachen angriffe , welche in Deutschland 
gegen die alten classiker und insbesondre gegen das griechische 
als Unterrichtsmittel in unserer so hochmüthigen zeit gerichtet wer- 
den, lassen unwillkürlich die frage entstehen, ob nicht dieselbe zeit 
den Verehrern und vertheidigern des uns überlieferten classischen 
bildungsstoffes zur Sicherung desselben neue und wirksame mittel 
und wege eröffne und schaffe: denn was in dieser hinsieht aus 
den Schriften der alten und aus der neuern pädagogik und Wissen- 
schaft zu entnehmen , ist oft genug in den verschiedensten for- 
men gesagt und geschrieben worden. An derartigem neuen 
fehlt es auch nicht : die großartigen entdeckungen in Olympia 
und Pergamum, in Troja, Tiryns, in Gjölbaschi (s. Phil. anz. 
XIII, 2, p. 148), auch, wenn gleich weniger hervortretend, in 
Athen, Rom und anderwärts haben in allen kreisen des durch 
parteigeist nicht geblendeten publicum die ererbte Vorliebe 
für die classische weit neu belebt und die frühere Überzeugung 
von der dieser weit innewohnenden bildungskraft so mächtig wie- 
dererweckt , daß der sicher rechnende buchhandel davon durch 
immer zahlreicher werdende illustrirte und kostspielige werke 
über das alterthum seinen nutzen zieht , daß ferner auch die 
tagespresse , die aufmerksame dienerin jeder etwas lauten be- 
wegung im volke , dieser Stimmung , wenn auch hie und da 
widerwillig , rechnung tragen muß : am eifrigsten unter den 
großen Zeitungen die (Münchener) Allgemeine zeitung, wie 
aus diesen blättern zu ersehen , viel sparsamer die Kölner 
und andre: so erinnert die Nationalzeitung 1884 sonntagsbeil. 
nr. 19 und der Reichsanzeiger die besucher des museums in 
Berlin von wegen der Laokoongruppe und des Gigantenfries aus 
Pergamum an eine schritt von Trendelenburg (s. PhAnzeig. XIV, 
6, p. 350) und giebt auszüge daraus, das Berliner tageblatt 
1885 bespricht beil. 1 zu nr. 196 die in Berlin vorgenommene 
ausbesserung und reinigung der gipsabgüsse des museums, be- 
richtet in beibl. 1 zu nr. 249 und nr. 255 über das jetzt ge- 
nehmigte projeet der bauräthe Kulimann und Hey den, zur Ver- 
herrlichung der feier des 100jährigen bestehens der academie 
der künste zu Berlin daselbst den großen pergamenischen altar 
nebst Säulenhallen und den tempel des Zeus Panhellenios in 
Olympia genau im maßstabe der originale aufzubauen. Dies 
projeet erscheint übrigens als ein ereigniß , welches bei weitem 
mehr als obige zeitungsstimmen die stärke der hier berührten 
bewegung kennzeichnet. Dies möge genügen: benutzen nun die 
philologen und alterthumsforscher die ihnen geschenkte gunst, 
welche noch durch die wunderbaren entdeckungen im Orient, 
in Egypten , Ninive u. s. w. genährt und gestärkt wird , eifrig 
und nach gebühr , verstehen sie neben ihren wissenschaftlichen, 



372 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 6. 

zum theil großartigen Schöpfungen dem publicum klar zu machen, 
daß das verständniß und somit die nutzbarmachung der antiken 
kunst für die gegenwart nur durch die kenntniß und das ver- 
ständniß der classischen Schriftwerke ermöglicht werde, verstehen 
sie diese Schriftwerke auf eine der gegenwart und deren bedürf- 
nissen entsprechende weise geschmackvoll zu erklären und der 
gegenwart näher zu bringen, wähnen sie nicht durch die lei- 
der immer häufiger werdenden Schulbücher und Schulausgaben 
niedriger art großes zu leisten, mit einem worte: thun sie ihre 
pflicht, so dürfen sie in dem kämpf um die höchsten und besten 
Unterrichtsmittel die angriffe der rührigen ultramontanen wie die 
strategeme Paulsens und genossen mit ruhe erwägen und wider- 
legen und um so sicherer auf den gewünschten erfolg rechnen, 
weil sie williges gehör und dauernde Unterstützung sich bei dem 
bessern theil der nation errungen haben werden. — E. v. L. 



Auszüge aus zeitschrifteil. 

Göttingische gelehrte anzeigen, 1882, st. 1 : K. L. Kaiser , home- 
rische abhandlungen , herausgegeben von L. Usener, anzeige von B. 
Niese. — St. 2 : Th. Keim, Rom und das christenthuin, anzeige von 
Fr. Overbeck. — St. 3. 4: H. Müller - Strübing , Thukydideische for- 
schungen, anzeige von J. M. Stahl. — St. 6. 7 : V. Gardthausen, grie- 
chische paläographie, angezeigt von M. Gitlbauer. — St. 8: L.Brunn, 
ccxarog, anzeige von R. Werner (vgl. Philol. 43, p. 297). — W. Früh- 
ner, Terres cuites d'Asie mineure, von Fr. Wieseler (vrgl. PhAnz. 15, 
nr. 2, p. 136). — St. 13: Pauli Orosii opera rec. C. Zangemeister, an- 
zeige von P. de Lagarde. — The Nicomachean ethics of Aristotle 
translated by F. FL. Peters, anzeige von F. R. Susemihl. — St. 18: 
Monuments de l'art antique , publies sous la direction de N. Olivier 
Rayet, livr. 2. 3, anzeige von G. Hirschfeld. — St. 20 : Antike bild- 
werke in Rom , mit ausschluß der größern Sammlungen beschrieben 
von Fr. Matz . . . ., herausgegeben von F. v. Duhn , angezeigt von 
Th. Schreiber. — St. 21 : Fr. de Allen, Remnants of early latin, an- 
gezeigt von Keller. — St. 25: E. L. Hicks, a manuel of grek histo- 
rical inscriptions , angezeigt von F. Blaß. — St. 26. 27 : kritischer 
commentar zu Ovids Heroiden , von H. St. Sedlmeyer, angezeigt von 
Th. Birt. — St. 29: J. Overbeck. geschichte der griechischen plastik, 
von Conze. — St. 35: J. Bernays, Phokion und seine neueren beur- 
theiler, angezeigt von F. Blaß. — St. 36. 37: Lauth, die egyptische 
Chronologie gegenüber der historischen kritik des hrn. A. von Gut- 
schmid, anzeige von A. Erman. — St. 43: M. T. Ciceronis de natura 
deorum 11. III, edit. J. B. Major, anzeige von Iwan Müller. — St. 47: 
Aristides Quintilianus de musica. Nunc primum separatim edidit . . . 
A. Jahnus, tom. I, anzeige v. H. Sauppe. — St. 49: Th. Birt, das an- 
tike buchwesen in seinem verhältniß zur literatur, anzeige von E. 
Rohde (vrgl. PhAnz. XIV, nr. 7, p. 257). — St. 50: Leo Meyer, ver- 
gleichende grammatik der griechischen und lateinischen spräche. 2. 
aufl. Bd. 1, selbstanzeige. (Vrgl. PhAnz. XIV, nr. 10, p. 487). 

1883. St. 3. 4: Inscriptiones graecae antiquissimae . . . edidit 
H. Roehl, anzeige von A. Fick. — St. 7. 8: 'AQusrorikovg ntgi noitjU' 
xJjs . . mit commentar versehen von Fr. Brandscheid, anzeige von F. 
R. Susemihl. - St. 13: Fr. Krebs, die präpositionen bei Polybius, 



Nr. 6. Auszüge aus Zeitschriften. 373 

anzeige von F. Blaß (s. PbAnz. XIII, nr. 1, p. 24). — St. 17. 18: die 
pseudo- aristotelische schrift über das reine gute, bekannt unter dem 
namen über de causis. Im auftrage der Görres-gesellschaft bearbeitet 
von 0. Bardenhever , anzeige von D. Kaufmann. — J. E. Kuntze, 
Prolegomena zur geschichte Roms, angezeigt von Deecke. — St. 19: 
das Zeitalter der punischen kriege , von dr. K. Neumann . . . ., an- 
zeige von H. Schiller. — Fr. Stolz, zur lateinischen verbalflexion, 
hft. 1, anzeige von A. Fick. — A. Heller, geschichte der physik von 
Aristoteles bis auf die neueste zeit, bd. I, anzeige von Kurt Lasswitz. 

— St. 20: Urkundenbuch der abtei St Gallen, bd. III, anzeige von 
G. Meyer von Knonau. — St. 21. 22: die lateinischen Übersetzungen 
des Ignatius, herausgegeben von P. de Lagarde, selbstanzeige. — 
St. 24: Emendationes et adnotationes ad Titum Livium, auctore AI. 
Harant, angezeigt von M. Müller. — St. 30: die Athene Parthenos 
des Phidias und ihre nachbildungen . . . von Th. Schreiber, anzeige 
von K. Lange. — St. 32 : 31. Schiveisthal, essay sur la valeur phone- 
tique de l'alphabet latin . . . ., angezeigt von H. Jordan. — Fr.Bern- 
hüft, staat und recht der römischen königszeit im verhältniß zu ver- 
wandten rechten, angezeigt von 0. Seeck. — St. 39: de Lucili Satu- 
rarum scriptoris genere dicendi scr. 31. Kleinschmidt , angezeigt von 
Mars. — St. 40 : Librorum veteris testamenti canonicorum pars prior, 
Graece Pauli de Lagarde studio et sumptibus edita, selbstanzeige. — 
Soltau, ursprüngliche bedeutung und competenz der aediles plebis, 
anzeige von J. Plew. — Schröter, geschichte der deutschen homer- 
übersetzungen im 18. Jahrhundert, anzeige von J. Minor. — St. 45: 
Gemoll, Untersuchungen über die quellen und abfassungszeii der Geo- 
ponica, angezeigt von P. de Lagarde (vrgl. PhAnz. XIV, nr. 8, p. 435). 

— St. 51: Geschichte der römischen kaiserzeit von H. Schiller, bd. I, 
angezeigt von Fr. Bühl. — St. 52: Magni Felicis Ennodii opera omnia 
recensuit . . . G. Hartel, anzeige von J. Neumann. 

1884. Nr. 1 : Th. Bergk's fünf abhandlungen . . . herausgegeben von 
G. Hinrichs, anzeige von E. Rohde vgl. dazu nr. 1 1, p. 448 (vgl. PhAnz. XIV, 
nr. 4, p. 190). — Nr. 2: 3Iax Duncker, geschichte des alterthums. Bd. V. 
VI. VII, 3. 4. 5. aufl., besprochen von B. Niese. — Nr. 4: K. Neumann, 
geschichte Roms während des Verfalls der republik . . . herausgege- 
ben von dr. E. Gotheim, besprochen von H. Schiller. — Nr. 5: eine 
verlorene geschichte der römischen kaiser und das buch de viris illu- 
stribus urbis Romae von A. Enmann , besprochen von J. Plew. — 
Nr. 8: Grumbholz , de Asiae minoris satrapis Persicis, besprochen von 
Th. Nöldecke. — Nr. 9 : J. Flemming , die große steinplatteninschrift 
Nebukadnezars II im transcribirten babylonischen grundtext . . . ., 
doctordissertation, besprochen von J. Oppert. — 0. Keller, der satur- 
nische vers als rhythmisch erwiesen, besprochen von R. Westphal. — 
J. Cornelissen , M. Minucii Felicis Octavius , besprochen von K. J. 
Neumann. — Nr. 11 : R. Westphal, Aristoxenus' von Tarent metrik 
und rhythmik des classischen Hellenenthums. — Desselben musik des 
griechischen alterthums, besprochen von Ernst von Stockhausen. — 
Nr. 14: L. Wiese, pädagogische ideale und proteste, angezeigt von 
E. von Salluürk. — Nr. 15: Homeri Iliadis carmina seiuncta, discreta, 
emendata prolegomenis et apparatu critico instructa edidit G. Chi-ist, 
2 voll., besprochen von A. Gemoll (vrgl. PhAnz. XV, 5, p. 299). — 
Nr. 17: Baffey, die memoiren der kaiserin Agrippina , angezeigt von 
H. Schiller (vrgl. PhAnz. XV, nr. 1, p. 92). — Nr. 19: Westdeutsche 
Zeitschrift für geschichte und kunst , Erg.-hft. 1 , besprochen von A. 
Schulte. — A. Hart, die ethik des Protagoras, besprochen von P. Na- 
torp. — Dionysii Thracis ars grammatica . . . edidit G. TJhlig, an- 
zeige von F. Blaß. — Nr. 22: M. Voigt, das civil- und criminahecht 



374 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 6. 

der XII tafeln, besprochen von W. Soltau. — Nr. 23: Plutarchs The- 
mistokles für quellen - kritische Übungen commentirt , herausgegeben 
von A. Sauer, besprochen von H. Landwehr. — Nr. 25 : G. Ennius, 
eine einleitung in das studium der römischen poesie, von Lucian 
Müller, angezeigt von 0. Keller. — E. Meier, geschichte des alter- 
thums. ßd. I : geschichte des Orients bis zur gründung des Perserreichs, 
besprochen von A. Bauer. — W. Soltau, die gültigkeit der plebiscite, 
anzeige von Herzog (PhAnz. XV, nr. 7). 

Nachrichten von der königl. gesellschaft der wissensch. zu Göttingen, 
1882: nr. 9, p.201: Fr. Wieseler, über die Biehlersche gemmensamm- 
lung. — Nr. 10, p. 297: H. Sauppe, ein capitel aus Xenophons Hel- 
lenica, betrifft VII, 2 und Phlius. — Nr. 15, p. 431: Gildemeister, über 
arabisches scbriftwesen. — Nr. 23, p. 709: Fr. Wieseler, über einen 
bisher nicht bekannten onyx-cameo mit einer replik der darstellungen 
auf dem obern und mittleren streifen des großen Pariser cameo de la 
sainte chapelle. 

Der Jahrgang 1883 enthält nichts philologisches. 

Nachrichten 1884, nr. 1 : P. de Lagarde , die handschriften-samm- 
lungen des grafen Ashburham , p. 14 (vrgl. PhAnz. XIII, nr. 8, p. 
402). — Nr. 12: Fr. Wieseler, über einige beachtenswerthe bildwerke 
zu Trier. 

Annuaire x ) de V association pour Vencourayement des etudes grecques 
en France 18. Annee 1884. 1885. Paris. H. Weil, l'origine du mot „poete". 

— E. Miller, lettres de Theodore Balsam on. — Ch. Huit, etudes sur 
Piaton. — M. Croiset, Etudes sur l'Iliade. — E. Egger, esquisse d'un 
examen critique de la Theogonie d'Hesiode. — R. Dareste , sur un 
passage de l'Iliade (XVIII, 497 — 508). — E. J. Bourquin , essai sur 
l'Heroique de Philostrate. — E. Groussard, Traduction d'une decla- 
mation de Thomas Magister. — H Houssaye, la loi agraire ä Sparta. 

— Ch. Gidel, P. B. Merigon. — J. Dupuis, le nombre geometrique 
de Piaton. 

Archiv für lateinische lexikographie und grammatik hrsg. von Ed. 
W'ölfflin. Jahrg. IL Heft 1. 1885. E. W'ölfflin, frustra, nequiquam 
und synonyma. — P. Geyer, beitrage zur kenntniß des gallischen la- 
teins. — F. Härder, Aquipotens. — PA. Thielmann, habere mit dem 
infinitiv und die entstehung des romanischen futurums. — E. W'ölfflin, 
zu nequiquam. — id., das adverbielle cetera, alia, omnia. — G. Groeber, 
vulgärlateinische Substrate romanischer Wörter. — Haider, Thesauri 
Latini specimen III. Addenda lexicis Latinis. — E. Rohde, Simitu. 

— F. Bücheier, zu Plautus Seneca und Persius. — Th. Korsch , De- 
cretum. — M iscellen: O. Ribbeck, culleolum callicula aris speculum 
trux. — F. Schoell, das verbum purare. Zu Albinus. — J. Stowasser, 
Coniectanea. — G. Helmreich, Paullum, pusillum , parum und Syno- 
nyma. — Rück, zu den differentiae verborum. — M. Bonnet, agnaphus, 
exagillum. — Konr. Hofmann, Tranix. — K. Sittl, spacus ital. spago. 

— C. Nauck, iustabilis innabilis. — L. Havet, pauciloquus. Gremia. 

— E. Wölfflin, est videre. Litteratur etc. — 

Archivio giuridico diritto da F. Seraßni. Vol. XXXIV. 1885. 
1. C. Fadda, anzeige von Gius. Brini, il diritto della vita in Roma 
antica. — 2. Landucci, d'una pessima edizione del Corpus iuris civilis. 

Archivio glottologico italiuno dir. da G. J. Ascoli. Vol. IX, 1. 
Torino 1885. 8. F. d'Ovidio, sui pronomi personali e possessivi. — 
G. J. Ascoli, retia retiare retiaculum. 

Blätter für das bayerische gymnusiulschulioesen red. von A. Heuer- 
ling. Bd. 21. 1885. Heft 1. 2: Nisser, textkritische erörterungen 

1) Hier beginnen die auszüge aus Zeitschriften vom jähr 1885. 



Nr. 6. Auszüge aus Zeitschriften, 375 

zu Plato's Protagoras. — Röchl, studien zu byzantinischen geschichts- 
schreibern. — Laurer, zu Caesar de belle- G. V, 7, 17. VH, 35, 10. — 
Th. Stangl, zu Valerius Maximus. — Ders. , die handschriften von 
Lodi und Avranches (Cicero's Orator). — Seibel, erwiderung (über 
Eiene's epen des Homer). 

Bulletin de correspondance hellenique IX annee 1885. I. B. Haus- 
souUier, inscriptions de Crete ; Inscriptions archa'iques d'Axos et de 
Lyttos; Conventions entre villes; dedicaces; inscriptions funeraires. — 
Diehl, la pierre de Cana. — A. Collignon, Bronze grec du Musee de 
Tschinli-Kiosk a Constantinople. — Cousin et Durrbach, inscriptions 
de Lemnos. — Blavette, legende du plan d'Eleusis. — Paris et Holleaux, 
inscriptions de Carie. 1. Aphrodisias. 

II. Holleaux et Diehl, inscriptions de Rhodes. — Clerk, inscri- 
ption de Nysa. — Miller, inscriptions grecques de l'Egypte. — Paris, 
inscription choragique de Delos. — Pottier et Reinach, Nike et Psyche. 

— Cousin, Inscription du musee de Constantinople. 

Bullettino delV instituto di corrispondenza archeologica 1885. Adu- 
nanze 19. dez. 1884. 2. 9. 16 Genn. 1885. G. Henzen, iscrizioni sco- 
perte in Villa Bonaparte sulla via Salaria. — F. Salvatore Dino, Is- 
crizioni di Literno. — II. Adunanze 23. 30. Genn. 9. febbr. G. Henzen, 
ulteriori scoperte epigrafiche nella Villa Bonaparte. — P. Orsi, Sco- 
perte archeologiche nell' Istria. — 0. Roßbach, Origini del tipo di 
Sileno. 

Gazette archeologique publ. par J. de Witte et Robert de Ijusteyrie. 
X, 1885. No. 1-2: Babelon , tete d'aveugle du Muse'e d'Orleans. — 
Schlumberger , bandeaux d'or estampes trouves pres de Caceres. — 
Reinach, tetes chypriotes du Musee de Constantinople. — Hauser, note 
sur un miroir grec du cabinet des rnedailles. — Lasteyrie, miniatures 
inedites de l'Hortus deliciarum. — Ravaisson , l'Hercule epitrapezios 
de Lysippe. 

Hermes, hrsg. v. G. Kaibel und C. Robert. Bd. 20. Heft 1. W. 
Dittenberger , die eleusinischen Keryken. — L. v. Sybel , Toxaris. — 
H. Nohl, die Wolfenbüttler handschriften der IV. u. V. rede gegen 
Verres. — XI. v. Wilamoivitz-Möllen durff, ein altattisches epigramm. — 
G. Faltin, der einbrach Hannibals in Etrurien. — 0. Richter, Insula 
p. 91. — M. Mayer, der Protesilaus des Euripides. — Th. Mommsen, 
Zama. — Mise eilen: A. Kirchhoff, eine altth essaiische grabschrift. 

— F. Haverßeld, zu Aurelius Victor. 

Heft 2: A. Kopp, Apio's Homerlexikon. — H. Kühleivein , der 
text des Hippokratischen buches über die kopfwunden und der me- 
diceus B. — R. Mommsen , über die abfassungszeit der geschichten 
des Polybius. — J. Beloch , das Volksvermögen von Attika. — TV. 
Soltau, die manipulartaktik. — Th. Mommsen, der rechtsstreit zwischen 
Oropos und den römischen steuerpächtern. — Th. Koch, Emendatio- 
nes Aeschyleae. — Miscellen: J. H. Mordtmann, 1. Senator, 2. zu 
bd. XVI, 161 ff — G. Hinrichs, Navctxäa. — J. van der Vliet, Li- 
viana. — Th. Mommsen , quingenta milia. — Th. v. Oppolzer, die 
sonnenfinsterniß des Jahres 202 v. Chr. 

Jahrbücher, neue, für philologie, hrsg. von A. Fleckeisen, bd. 131. 
1885. Heft. 1 : H. Geher, anzeige von E. Meyer. Geschichte des 
alterthums I. — M. Sorof, die anaywyrj. — A. Römer, anzeige von 
H. Schrader's Porphyrius fasc. II, p. 17. — Zucker, homerisches (vwra 
ditjPixscc). — Roßbach, Xifiaioa, alytg. — Mor. Schmidt, zu Antiphon. 

— Lentz, zu Plutarchos. — Zimmermann, zu Quintus Smyrnaeus Post- 
horn erica. — A. Kannengießer, Memmius im gedichte des Lucretius. 

— Braune, zu Terentius. — A. Draeger, zu Tacit. ann. III, 58. — 
Hamtcker, die träger des namens Hermagoras. — P. Stengel, sagen 



376 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 6. 

von der geburt der Athene und der Aphrodite ; noch einmal die afyis 
bei Homer. 

Heft 2: A. Breusing, nautisches zu Homer. — P. Stengel, home- 
risches I — IV. — F. Heerdegen, zu Cicero's Brutus und Orator. — 
H. Kinderlin, zu Quintilianus. — F. Härder, zuLivius I, 21,4. 14,7. 

— H. Frohst, die siebente ode im vierten buche des Horatius. 

Journal of philology , ed. by W. Aldis Wright, Ingram By water 
and Henry Jackson. Vol. XIII, no. 26, 1885: Bentleiana. — Nettleship, 
notes on latin lexicography. — id., notes on a few of the glosses quo- 
ted in Hagens Gradus ad criticen. — id., jus gentium. — Campbell, 
the Interpretation of tragedy. — id., Aeschylea. — Leaf, the codex 
Mori of the Iliad. — Jackson, Platonica. — Mayor, in puris natura- 
libus. — id., alloquimur in Senec. ep. 121. — id., notes on Plin. Ep. 
I, 5, 3 and Juvenal I, 144—6. — Roby, Horat. sat. I, 9. 39; 75. — 
Jackson, Platon's later theory of ideas. — Monro, note on Homeric 
geography. — Scott, a new identified fragment of Epicurus negi cpv- 
ascog. — Haverßeld, lexicogiaphical notes. — Huleatt, Catull. 61, 227. 
Prop. V, 2, 39; 4, 47. 

Mnemosyne coli. C. G. Cobet, H. W. van der Mey. N. S. XIII, 1885. I. 
Cobet, ad Galenum. — van Herwerden, Herodotea. — Francken, ad 
Ciceronis palimpsestos. — Naber, observationes criticae in Herodotum. 

— van Herwerden, de Herod. editionis meae vol. I. — Schwartz, ad 
Lucianum. — id., ad Dionysii Halic. Antiq. Rom. Hb. I. — v. d. Mey, 
ad Diodorum Siculum. 

IL Cornelissen, ad Frontonem. — van Herwerden, Herodotea. — 
Francken, ad Tibullum. — Cornelissen, ad. Tac. Ann. XU, 38. — van 
Leeuicen jr., disquisitiones de pronominum personalium formis Home- 
ricis. — van der Vliet, de Apulei Apologia. — Hartmann, ad Sopho- 
clis Antigonam. 

Museo italiano di antichita classica diretto da Domenico Comparetti. 
Vol. I. Punt. 1. G. Vitelli, Spicilegio Fiorentino. (Frammenti di 
testi e codici ecc). — E. Pais, le colonie militari dedotte in Italia 
dai triumviri e da Augusto ed il catalogo delle colonie italiane di 
Plinio. — D. Comparetti, frammenti dell' Etica di Epicuro (Papiro Erco- 
lanese). — L. A. Milani, i frontoni di un tempio tuscanico in Luni. 

— G. Setti, il linguaggio del uso comune presso Aristofane. — L. 
A. Milani, dattilioteca lunese. — Punt. 2. D. Comparetti, Iscrizione 
cretese in Venezia. — id., su di una iscrizione di Alicarnasso. — G. 
Vitelli, Spicilegio fiorentino. — D. Comparetti , l'iscrizione del vaso 
Dressel. — F. Halbherr, iscrizione di Keos. — D. Comparetti, Varietä 
epigrafiche : Keos Amorgos, iscrizioni di vasi — iscrizioni arcaiche di 
Gortyna. 

Museum , Rheinisches , für philologie , hrsg. v. O. Ribbeck und F. 
Bücheier. N. f. Bd. 40. 1885. Heft 1: F. Blaß, zu Bergk's Poetae 
lyrici ed. IV, vol. III, p. 1. — Schwabe, Iuvenals geburtsjahr p. 25. — 
Wellmann, cod. Hamilton 329 (Galenos). — Nissen, über tempel-orien- 
tirung III, p. 38. — Rohde, zu Apuleius, p. 66. — Koepp, über die 
Galaterkriege der Attaliden, p. 114. — Deecke, zur entzifferung der 
messapischeninschriftenlll,p. 133. — Mise eilen: Nake, zu Soph. könig 
Oedipus. - Münzet, Antisthenis fragm. — Bücheier, Naevius bellum 
Pun. bei den grammatikern. — E. Hoffmann, zu Ovids Ibis. — Traube, 
Demetrius der kyniker; zu Florus; zu Granius Licinianus. — Van der 
Vliet, Coniectanea. - Busolt, zur schlacht bei Himera. — Aufrecht, 
ofxvvfti,. — Sommerbrodt, nachtrag. 

Revue, nouvelle, historique de droit franeuis et etranger 1885, no. 1. 
Janv.-l'evr. Dareste, les inscriptions hypothecaires en Grece. — Mis- 



Nr. 6. Auszüge aus Zeitschriften. 377 

poulet, du noiu et de la condition de l'enfant naturel rornain. — Ed- 
mond Le Blant, des voies d'exception einployees contre les martyrs. 

Revue de jihilologie. N. s. continuee par O. Riemann et O. C'ha- 
telain. IX. 1885. Livr. 1. Riemann, A. Dumont. — H. Weil, un 
fragment sur papyrus de la Vie d'Esope. — Havel, Ennius ap. Festuin 
325. — Desrousseaux , notes critiques sur les dialogues des uiorts de 
Lucien. — id., Aristote de la divination par les songes eh. 1. — Rie- 
mann, le dialecte attique d'apres les inscriptions. — J. van der Vliet, 
Ad Apulei nietamorphoses. — Havet, Piaute Mercator 6 — 7. — Weil, 
Latina et Graeca varia. 

Revue des questions historiques. Armee XIX. 1885. Livr. 73: P. 
P. Marsin, Origene et la critique textuelle du nouveau testament. 
Livr. 74: P. Allard, l'hagiographie au IVe siecle. Martyres de 
S. Hippolyte, S. Laurent, S. Agnes, S. Cassien d'apres les poemes de 
Prudence. 

Rivista di ßlologia e d'istruzione classica. Direttori Domenico Com- 
paretti Giuseppe Müller Giov. Flecchia, 1885, Gennaio Febbrajo. (Anno 
XIII, fasc. 7. 8). L. Cerrato , i canti popolari della Grecia antica 
(Fine). — Erm. Ferrero, anzeigen von J. Martha, Manuel d'archeolo- 
gie etrusque et romaine ; und Jurien de la Graviere , la marine des 
Ptolemees et la marine des Romains. — F. Ramorino, sui lexici Ce- 
sariani di Ebeling, Prammer, Merguet, Menge, Preuß, Meusel e Petoello. 

Studien , Wiener. Zeitschrift für classische philologie. Red. W . 
v. Hartel, K. SchenU. Jahrg. VII. 1885. Heft 1. Kubitschek, die 
erdtafel des Julius Honorius. — Hauler, textkritische bemerkungen 
zu Theokrits cpaQfiazfvTQKu. — Stowasser, Satura. — Thumser, Unter- 
suchungen über die attischen metöken. — Wessely, analekten. — 
Zycha, gebrauch von Inti insintQ Insidrj intM?qntQ. — Wessely, die Faj- 
jumer reste einer Thukydideshandschrift. — Wessely, neue griechische 
papyri aus This undPanopolis. — Hartel, Analecta (zu Phaedrus). — 
Miscellen: Petschenig, scobere. — Wachsmuth , zur geschichte des 
attischen bürgerrechts. — Krall, zu üerodot II, 4. — Goldbacher, T. 
Terenti Phorm. 175. — id., Tibull. I, 3, 17. — Stowasser, zu Phocas 
(G. L. V, 439 — 441). — Huemer, ein bücherverzeichniß aus dem XIII. 
jahrh. — Kubitschek, epigraphisches. — O. Hirschfeld, zum Monu- 
mentum Ancyranum. 

Zeitschrift, iv estdeutsche, für geschichte und kunst, hrsg. von Hetiner 
und Lamprecht. Jahrg. IV. Heft 1. Trier 1885. Düntzer, der um- 
fang des ältesten römischen Köln. — Th. Mommsen, der oberrhei- 
nische limes. — Haug, anzeige von Cohausen, der römische grenzwall. 

Zeitschrift für das gymnasialwesen , hrsg. von H. Kern und H. J. 
Müller. 39. jahrg. 1885. Januar. H. J. Müller, zu Livius. — G. 
Andresen, Jahresbericht über Tacitus (mit ausschluß der Germania). 

Zeitschrift für die österreichischen gymnasien von W. v. Hartel 
und K. Schenkt. Jahrg. 36. 1885. Heft 1 : beitrage zu einer aus- 
gäbe von Lucians Kataplus, p. 1. — Prammer, zu Tacit. Hist. III. 
IV. V, p. 7. 

Heft 2. F. Maixner, über quippeni, quippini. — H. Rö'nsch, No- 
nius Marcellus u. d. Itala. Anzeigen. 

Zeitschrift für bildende kunst, hrsg. v. Carl von Lützow. Jahrg. 20. 
Heft 7. 1885. Kaiesse, zur altmorgenländischen vasenkunde. 

Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung hrsg. von E. Kuhn 
und /. Schmidt. Bd. XXVII. N. f. Bd. 7. Heft 6. Baunack, wurzel 
vas „essen" im griechischen ioqs, tgqg und Xq^v. — Brugmann, das w 
in Iwvfu ?(ävvv(xi, xooivvvfii und ähnlichen prä9entien. — W. Schulze, 
etymologisches (^ vnh$ und seine verwandten. — yöog, — vnyünos. — « 



378 Literatur. — Versammlung. — Berichtigungen. Nr. 6. 

privat.) — Hintner, 6iü> oioficu. — Haussen, der griechische circum- 
flex stammt aus der Ursprache. 

Zeitschrift für Völkerpsychologie und Sprachwissenschaft , hrsg. von 
M. Lazarus und H. Steinthal. 'Bd. XVI. 1885. Heft 1. 2. A. F. 
Pott, verschiedene bezeichnung des perfects in einigen sprachen und 
lautsymbolik. — Guggenheim, anzeige von L. Schmidt, die ethik der 
alten Griechen. 

Literatur 1SS5, 
(dem Philologus und PhAnzeiger zugesandt). 

Erman, Adolf, Aegypten und ägyptisches leben im alterthum. 
10 lieferungen. Liefg. 1. Tübingen, Laupp 1885. 4. 48 p. 

Heisterberqk , B., name und begriff des Ius italicum. Tübingen, 
Laupp 1885. 8. 196 p. 4 mk. 

Zoeller, Max , römische Staats- und rechtsalterthümer. Ein com- 
pendium für studierende und gymnasiallehrer. Breslau, W. Koebner 
1885. 8. 

Peine , Selmar , de ornamentis triumphalibus. Berolini , Calvary 
1885. 8. 85 p. 

Illing, Carl Emil, de antidosi. Berlin 1885. 8. 37 p. 

Aeschyli fabulae cum lectionibus et scholiis codicis Medicei etc. 
ab Hieronymo Vitelli denuo collatis ed. N. Wecklein. Vol. I. II. 
Berlin, Calvary 1885. 8. XVI, 472, 316 p. 

Neumann , Carl , geschichte Roms während des Verfalles der re- 
publik. Bd. 2 hrsg. von G. Faltin. Breslau, Koebner 1884. 8. 312 p. 

Kukula, Rice. Cornelius, de Cruquii codice vetnstissimo. Vindo- 
bonae, Gerold 1885. 8. 70 p. 

38. Versammlung deutscher philologen und Schulmänner. 

Die 38. Versammlung deutscher philo! ogen und Schulmänner wird 
in den tagen vom 30. September — 3. october dieses jahres in hiesiger 
stadt abgehalten werden. 

Gießen im mai 1885. Das präsidium 

Schiller. Oncken. 

Berichtigungen. 

Lies ob. p. 306 z. 1 v. u. statt: „eine . . . bild" folgendes „eine text- 
ausgabe geliefert, die im vergleich zu jenen mehr wie die Kirchhoffsche 
das ziel verfolgt ein treues bild . . .". Die oben gedruckten worte 
könnten die auffassung erwecken , als wollte ich Weil's ausgäbe in 
ihrer ganzen art mit Kirchhoffs auf eine linie stellen, während es mir 
nur darauf ankam , den unterschied der früheren bearbeitungen des 
Aeschylus durch Weil von der jüngsten zu bezeichnen. Daß Weil in 
dieser bei aller Verschiedenheit in den resultaten gleichwohl , wenn 
auch in geringerem maße , von demselben bestreben wie Kirchhoff 
mitgeleitet wurde, geht daraus hervor, daß er in der praefatio sehr 
oft seine früheren emendationen als auch jetzt noch von ihm festge- 
haltene vermuthungen mittheilt, ohne sie doch, wie in den früheren 
ausgaben, in den text zu setzen. 

Heft IV p. 231 z. 25 f. lies statt : jetzt erst . . . können, das fol- 
gende: erst Wachsmuths Scharfsinn hat erkannt. — Pag. 238 z. 19 ist 
hinter op^O* ei* 1 komma und z. 20 hinter dgQwöT^/jtatcc einzufügen: FP. 



Nr. 7. 8. 1885. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



Ernst von Lentsch. 



73. B. Delbrück, die neueste Sprachforschung. Betrach- 
tungen über Georg Curtius' schritt zur kritik der neuesten Sprach- 
forschung. Leipzig 1885, Breitkopf u Härtel. 49 p. 

In dieser schrift will der verf. „als einer der betheiligten 
dem philologischen publicum dasjenige vorlegen, was er im au- 
genblick über oder gegen die schrift von Curtius auf dem herzen 
hat" (p. 4). Im anschluß an die genannte schrift bespricht er: 
1) die lautgesetze (p. 8 — 21); 2) die associationsbildungen (p. 
21 — 29); 3) den vocalismus (p. 30 — 44), 4) die Ursprache (p. 
44 — 49). In dem ersten abschnitt äußert er über die „bren- 
nende frage" der ausnahmslosigkeit der lautgesetze : „wer sich 
zu der lehre von der ausnahmslosigkeit der lautgesetze bekennt, 
behauptet damit nicht , im besitze eines mittels zu sein , durch 
welches er alle ausnahmen erklären könne. Für jeden forscher 
bleiben selbstverständlich eine menge Schwierigkeiten übrig, die 
er nicht lösen kann" (p. 11). Mit solcher einschränkung wird 
man natürlich gern bereit sein, das genannte axiom zu acceptie- 
ren ; man fragt aber billig , wozu so viel aufhebens um einen 
satz, der sich, so eingeschränkt, im gründe von selbst versteht; 
ist doch damit kaum etwas anderes gesagt , als daß ein lautge- 
setz für ausnahmslos nur dann gelten kann, wenn es richtig und 
umfassend genug formuliert ist, so daß eben ausnahmen nicht 
leicht übrig bleiben, Stellt man z. b. das gesetz auf, daß wur- 
zeln mit zwei aspiraten im griechischen die eine aspirata in die 
tenuis desselben organs verwandeln, so müssen zahlreiche aus- 
nahmen statuiert werden , da sehr häufig statt der tenuis die 
media erscheint und obendrein bei unmittelbarem contact mit 
Piniol. Anz. XV. 26 



380 73. Grammatik. Nr. 7. 

einer liquida oder einem nasal auch die andere aspirata in die 
media übergehen kann (vgl. meine „Sprachgesch. stud." p. 46 ' 
anm. 1 und 56 anm. 2); dagegen wird ausnahmslosigkeit zuge- ; 
standen werden können , wenn man sagt , daß wurzeln der ge- 
nannten art die eine aspirata entweder in die tenuis oder in 
die media umwandeln, öfter auch bei unmittelbarem contact mit 
einer liquida oder einem nasal zugleich die andere aspirata in 
die media übergeht. Hinsichtlich der analogie™ oder associations- d 
bildungen befindet der verf. sich nicht in einem principiellen 
Widerspruch mit Curtius. Letzterer „ist der meinung , daß die- 
ses mittel der erklärung heutzutage zu viel gebraucht werde", 
und der verf. gibt zu , „daß viele erklärungen durch analogie ! 
aufgestellt sind, welche unwahrscheinlich sind" (p. 21 f.). Eins 
der abschreckendsten beispiele dafür hat Brugmann gegeben, I 
wenn er das griechische perfect dsdcoxa nicht von diSa-tpi ableitet, 
sondern mit sanskr. dadäca von w. dag identificiert und nach 
diesem muster alle griechischen perfecta auf -v.o. gebildet sein 
läßt (KZ XXV, p. 212 ff., Morphol. unters. III, p. 26). 

Weiter auf diese beiden abschnitte und den sehr kurzen 
vierten einzugehen unterlasse ich , weil ich den mir verstatteten 
räum benutzen möchte zu einer etwas genauem besprechung 
des im dritten abschnitte gemachten Versuches , die hypothese 
von der grundsprachlichen vocaldreiheit a e o gegen die von 
Curtius erhobenen ein wen düngen durch neue gründe zu stützen. 
Curtius hatte dagegen geltend gemacht: 1) die unerklärbarkeit 
der entstehung des arischen a aus ursprachlicher dreiheit; 2) die 
Unzulänglichkeit der versuche, auch für das arische spuren eines 
alten e nachzuweisen ; 3) den gänzlichen mangel eines beweises 
für die existenz eines arischen o. Hierauf erwiedert der verf. 
zunächst p. 35 : „Hat es an und für sich etwas unglaubliches, 
daß e zu a, oder daß o zu a wird? Gewiß nicht. Der genau 
entsprechende Vorgang vollzog sich im gothischen. Das gothische 
hat ein indogermanisches i und verwandelte trotzdem , obgleich 
dadurch frühere unterschiede verwüstet werden, das europäische 
e in i. Niemand wird ferner leugnen, daß das lateinische mas- 
senhafte alte o zu u verwandelt hat , so die o der zweiten de- 
clination, obgleich diese nun mit den alten u zusammenfielen und 
damit einstens vorhandene reinliche unterschiede aufgehoben 
wurden. Auch auf dem gebiete der consonanten hat sich ahn 



; 






Nr. 7. 73. Grammatik. 381 

liches ereignet. Im indogermanischen waren nach allgemeine!' 
annähme tönende aspiraten (gh, dh, bli) und tönende mediae 
(g, d, b) vorhanden. Die Kelten haben kein bedenken getragen, 
gh, dh, bh in mediae zu verwandeln, so daß diese neuen mediae 
mit den alten zusammenfallen. Das scheinen mir genügende 
analoga für den Übergang von e in a und o in a". Mir schei- 
nen sie keineswegs genügend. Es spricht dagegen dasselbe ar- 
gument, welches Curtius p. 97 gegen die heranziehung des neu- 
griechischen itacismus als analogon geltend macht, daß dieser 
ein in seiner stufenweisen entstehung wohl bezeugter proceß sei, 
der Übergang von e und o in arisches a dagegen eine reine hy- 
pothese. Den Übergang der alten aspiraten in mediae kennen 
nämlich auch andere sprachen , selbst im lateinischen zeigt er 
sich öfter im inlaute , ebenso unter umständen im griechischen, 
wie wir vorhin gesehen haben. Gothisches i für europäisches e 
erscheint namentlich im präsensstamm, und auf welchen gründen 
dieser Übergang beruht, habe ich a. a. o. p. 8 f. nachgewiesen 
Der Übergang eines o in u liegt im lateinischen noch so deut- 
lich vor, daß selbst die schulgrammatik davon notiz nehmen muß. 
Dazu kommt aber noch der gewichtige umstand , daß dieser 
Übergang nur in gewissen fällen eintritt , das alte o daneben 
in andern fällen sich erhält ; ebenso im gothischen, wofern man 
die gothische s. g. brechung ai — e setzen will (gothisches baira 
= qitQoa). Für ein völliges aufgehen zweier vocale in ei- 
nem dritten, welches die anhänger der bypothese für das arische 
annehmen müssen, ohne auch nur den geringsten grund für die- 
sen so auffälligen Vorgang anführen zu können, dürfen also die 
angeführten fälle durchaus nicht als genügende analoga gelten. 
Weiterhin verweist der verf. auf den im arischen vor ä vorkom- 
menden Übergang von gutturalen in palatale , auf welchen Col- 
litz und J. Schmidt, wie bekannt, die annähme eines grund- 
sprachlichen e hauptsächlich gestützt haben, übersieht aber dabei, 
daß diese stütze hinfällig geworden ist durch meine darauf be- 
züglichen Untersuchungen a. a. o. p. 1 — 40, die ihm doch, wenn 
nicht früher, wenigstens aus der anmerkung bei Curtius p. 90 
bekannt sein mußten. Eine indirecte beziehung auf dieselben 
liegt freilich vor in der äußerung auf p. 38 , daß es „gleich- 
gültig sei, ob wir für die Ursprache eine palatalis ansetzen oder 
nicht", die sich gegen die bemerkmig von Curtius auf p. 103 

26* 



382 73. Grammatik. Nr. 7. 

wendet , mit welcher dieser die (gegen mich gerichtete) gleiche 
behauptung Brugmann's, Liter, centralbl. 1884, p. 1565, zurück- 
weist. Mit dieser behauptung wollte nämlich Brugmann offenbar 
dem Widerspruche aus dem wege gehen, den ich a. a. o. p. 34 
nachweise mit den worten : „wo in den arischen sprachen, so 
meint man, ein palatal vor dem vocal ä steht, da soll jener aus 
der grundsprache stammen, dieser aber dort ehemals ein e ge- 
wesen sein und eben als e die Umwandlung eines frühern gut- 
turalen in den palatalen hervorgerufen haben. Diesen vocal e, 
die wirkende Ursache der palatisierung, haben dann die arischen 
sprachen — aus ganz unbekannten gründen — aufgegeben und 
dafür ä eintreten lassen, die Wirkung aber, den palatalen, festge- 
halten ; umgekehrt haben die europäischen sprachen , die slavi- 
schen ausgenommen , den palatalen ganz oder bis auf geringe 
spuren aufgegeben, den vocal e dagegen behalten. Das ist ein 
so schneidender Widerspruch , daß ich keine möglichkeit sehe, 
darüber hinweg zu kommen". Dieser Widerspruch bleibt aber 
in kaum geringerm maße auch dann bestehen ,* wenn man den 
arischen palatalismus nicht mit Collitz und J. Schmidt der Ur- 
sprache zuschreibt, sondern erst später entstanden denkt. Dann 
ist nämlich im arischen das alte e, nachdem es die Umwandlung 
eines davor stehenden gutturalen in den palatal bewirkt hat, 
verschwunden, aber der durch das e hervorgerufene palatal, der 
nun doch keinen grund mehr hatte, hat sich trotzdem erhalten ; 
umgekehrt haben die europäischen sprachen das alte e beibe- 
halten, aber die davon zu erwartende Wirkung, die Umwandlung 
des davorstehenden gutturalen in den palatal, ist, mit wenigen 
ausnahmen, nicht eingetreten. 

Endlich glaubt der verf. aus bildungen wie aansacpogog mit 
hoher Wahrscheinlichkeit entnehmen zu können, daß der Wechsel 
zwischen e und einem andern vocal [o] schon indogermanisch 
gewesen sei und meint damit einen neuen grund für die grund- 
sprachliche vocaldreiheit gewonnen zu haben. Er argumentiert 
(p. 40 f.) folgendermaßen. Im sanskrit gelte für die ersten glie- 
der der composita die regel, daß bei stammabstufenden Wörtern 
die schwache, und bei mehr als zwei stufen die mittlere form 
gewählt werde. Nun sei aber aansa- in aanta^oQog die schwache 
form des Stammes, welche nach einem indogermanischen, in Asien 
noch deutlich erhaltenen , aber in Griechenland kaum mehr er- 



Nr. 7. 73. Grammatik. 383 

kennbaren gesetze im ersten gliede des composituras gesetzt 
werde. Darum werde man annehmen müssen, daß diese schwache 
form als vorderglied eines compositums schon indogermanisch 
gewesen sei, und damit sei mindestens eine neue stütze für das 
indogermanische e gewonnen; aber auch eine Wahrscheinlichkeit 
für das o, denn wenn die eine stufe dagewesen, so werde auch 
die andere nicht gefehlt haben. Wie kann aber der verf. hier 
den Wechsel von o und s in (jaxng und aay.ea- unter den ge- 
sichtspunkt der stammabstufung bringen , da doch die entspre- 
chenden sanskritischen substantiva auf -as nur im nom. acc. 
voc. des pluralis die starke form haben (sanskrit. manänsi = 
griech. (iFvt^a), in allen andern casus dagegen unverändertes a, 
also die schwache form, während die griechischen stamme im 
nom. acc. voc. des singularis auf -og (die angeblich starke form), 
sonst auf -sg ausgehen? Und mit welchem rechte kann er auf 
diesen Wechsel jenes „in Griechenland kaum mehr erkennbare 
gesetz" anwenden? Daß und auf welche weise jener Wechsel 
von o und e erst im gräcoitalischen entstanden ist, habe ich ge- 
zeigt a. a. o. p. 20, und für die Verwendung der form aa-Asa- 
im ersten gliede der composition braucht man auch nicht den 
grund aus Indien zu holen. Es ist nämlich klar, daß ein com- 
positum wie caxsocpÖQog oder wenigstens das zu gründe liegende 
bildungsprincip aus einer zeit stammt, wo man noch auxog, aä- 
y.eaog u. s. w. declinierte, das a zwischen zwei vocalen noch nicht 
geschwunden war. Nun gilt aber im griechischen, mit wenigen 
ausnahmen, das gesetz, daß für nominalcomposita im ersten gliede 
die Stammform verwendet wird; als Stammform konnte aber dem 
griechischen Sprachgefühle nicht die den nom. acc. voc. singu- 
laris vertretende form adxog, sondern nur die allen übrigen ca- 
sus zu gründe liegende form aaxea- gelten. 

Man sieht, daß die argumente , mit welchen der verf. die 
angegriffene hypothese aufs neue hat stützen wollen, sehr schwach 
sind. Wenn er nun dennoch darauf die erklärung gründet, bei 
seiner früher ausgesprochenen meinung bleiben zu wollen, „daß 
mit Sicherheit ein indogermanisches e, mit Wahrscheinlichkeit ein 
gleiches o anzunehmen sei" (p. 42) , so glaube ich mit größerm 
rechte erklären zu dürfen, daß jene hypothese so lange für abgethan 
gelten muß, bis die von G. Curtius und mir erhobenen einwendungen 
mit besserm erfolge bestritten und entkräftet sind. H. D. Müller. 



384 74. Grammatik. Nr. 7. 

74. Karl Brugmann, zum heutigen stand der Sprach- 
wissenschaft. Straßburg 1885. 144 p. 

Die schrift zerfällt in zwei theile : I. Sprachwissenschaft und 
philologie, eine akademische antritts Vorlesung (p. 1 — 42). II. Er- 
wiederung auf Georg Curtius' schrift ,,Zur kritik der neuesten 
Sprachforschung" (p. 43 — 128). Ein anhang bringt „Bemerkun- 
gen zu Joh. Schmidt's beurtheilung der neuern entwicklung der 
indogermanischen Sprachwissenschaft". 

In I sucht der verf. zu zeigen , daß es unmöglich sei phi- 
lologie und vergleichende Sprachwissenschaft begrifflich ausein- 
ander zu bringen (p. 25), und verfolgt damit offenbar den zweck, 
beide Wissenschaften auch praktisch einander mehr zu nähern. 
Dieser zweck würde aber viel besser erreicht, wenn die verglei- 
chende Sprachwissenschaft sich nicht so überwiegend mit phono- 
logischen hypothesen beschäftigen , sondern auch ein wenig der 
bedeutungslehre sich zuwenden wollte, die doch, wie Curtius 
Grundzüge 5 , p. VIII mit recht bemerkt, der classischen philo- 
logie am nächsten liegt. 

Den hauptinhalt der schrift bildet theil II. Daß Brugmann 
als einer der väter der „neuen aera" Curtius gegenüber auf eine 
erwiederung nicht verzichten würde , war vorauszusehen. Die- 
selbe wendet sich, den abschnitten der „kritik" folgend, zuerst 
gegen das , was Curtius gegen das dogma von der ausnahmslo- 
sigkeit der lautgesetze in seiner schrift gesagt hatte. Brugmann 
greift hier einige punkte aus dieser schrift heraus, um dieselben 
zu widerlegen, während er im übrigen glaubt, „die ausnahmen, 
welche Curtius als unerklärte vorbringt, auf sich beruhen lassen 
zu können" (p. 62). Aehnlich wird in betreff des abschnittes 
über die analogiebildung zu werke gegangen. Dabei wird es 
Curtius wiederholt zum vorwürfe gemacht, daß er sich auf die 
principiellen fragen , welche die neuere Sprachforschung aufge- 
worfen und zu beantworten gesucht habe, sich so gut wie gar nicht 
einlasse. Daß Curtius so verfahren ist, begreift sich leicht. Denn 
wenn die junggrammatische schule , wie es regel ist bei unpro- 
ductiven richtungen in der Wissenschaft, es liebt sich bei jeder 
gelegenheit in den principienmantel zu hüllen, ohne jedoch un- 
befangenen äugen die darunter hervorscheinenden bloßen verber- 
gen zu können, so wird es förderlicher sein, diese aufzudecken, 
als sich in allgemeines gerede einzulassen. Act zu nehmen ist 



Nr. 7. 74. Grammatik. 385 

von dem satze , daß das dogma von der ausuahmslosigkeit der 
lautgesetze „an die praxis die forderung stelle, überall nach 
einer erklärung der Unregelmäßigkeiten (d. h. der ausnahmen) 
zu suchen" (p. 49) — eine forderung , welche jede verständige 
forschung nach kräften zu erfüllen sucht, wenn sie auch nicht 
geneigt ist, den vielgepriesenen „fundamentalsatz unserer for- 
schung" bedingungslos zu unterschreiben. Hervorzuheben ist 
auch, daß Brugmann eingesteht, zuweilen „formassociationen" an- 
genommen zu haben, ohne sie zu beweisen (p. 139), was auch 
von andern seiner Parteigenossen behauptet werden muß. Vor 
allem aber erscheint es nöthig zu betonen , daß die beiden me- 
thodischen principien , mit welchen die Junggrammatiker aus- 
schließlich operieren , bei weitem nicht ausreichen , um die auf- 
gäbe zu lösen, welche die vergleichende Sprachwissenschaft sich 
stellen muß — die entwicklung der spräche in ihrem vollen 
umfange zu wissenschaftlichem Verständnis zu bringen. Denn 
dazu gehört doch vor allem auch , daß man das Verhältnis der 
lautgebilde (sowohl der wurzeln und wortstämme , als auch der 
flexions- und wortbildungssuffixe) zu der bedeutung , deren trä- 
ger sie sind, zu erkennen sich bemüht, was von den anhängern 
jener methodischen principien bis jetzt so wenig geschehen ist, 
daß sie gelegentlich sogar diese seite der forschung geradezu 
von sich weisen (vgl. Lit. centralbl. 1878, p. 1040). Damit wird 
aber die vgl. Sprachwissenschaft zu bloßer phonologie degradiert. 
In dem folgenden abschnitt sucht Brugmann den „buntvo- 
calismus" zu vertheidigen. (Ein neckischer druckfehler auf p. 101 
bezeichnet die anhänger desselben als „bundvocalisten"). Der 
von Curtius mit recht gestellten forderung, daß man das gesetz 
nachweise, nach welchem e und o durchweg in das eine (arische) a 
sich verwandelt habe, und analoga für diesen seltsamen Vorgang 
vorbringe, begegnet er (p. 102) mit der frage: „nach welchem 
gesetz sind im neugriechischen i, i>, si, m, r\ in i zusammenge- 
fallen, nach welchem sind urgriechische e und ä im elischen in 
ä, nach welchem indogermanisches ei (nach Curtius ai) und l im 
germanischen und lateinischen in l, nach welchem indogermani- 
sches s- und i- (j) im griechischen in h-, nach welchem die in- 
dogermanischen rnediae und mediae aspiratae im iranischen , bal- 
tisch-slavischen und keltischen in g, ä, b zusammengeflossen?" 
Was auf diese gegenfrage zu antworten ist, habe ich schon oben 



386 75. Griechische grammatik. Nr. 7. 

p. 287 und 379 ausgesprochen. Hier will ich nur bemerken, 
daß mit solchen analogieen , wie sie Brugmann vorbringt , auch 
wenn sie zutreffender wären, als sie sind, dennoch höchstens nur 
bewiesen werden könnte, daß ein solcher Vorgang möglich wäre, 
aber nicht, daß er wirklich stattgefunden hat. Hie 
Rhodus, hie salta ! Man zeige zunächst , daß arisches a , wo es 
europäischem e begegnet (denn daß das indogermanische o „nicht 
ebenso sicher ist als e", wird von Brugmann selbst p. 111 „sehr 
gerne zugegeben") in der that aus indogermanischem e hervor- 
gegangen ist , und weise die gründe nach , durch welche dieser 
Vorgang herbeigeführt ist — liegt doch auch hier eine „Unre- 
gelmäßigkeit" vor, die eine „erklärung" verlangt, von der man 
sich nicht willkürlich dispensieren darf. — Daß der arische pa- 
latalismus , den man dafür in anspruch genommen hat , nichts 
dafür beweist, habe ich Sprachgeschichtliche Studien p. 1 ff. ge- 
zeigt, zugleich aber dargethan, daß umgekehrt für die hervor- 
bildung eines europäischen e aus ursprünglichem a in mehreren 
besonders hervortretenden fällen bestimmte gründe sich nach- 
weisen lassen. Auf diese meine beweisführung geht Brugmann 
gar nicht ein, insoweit mit recht, als er es ja zunächst nur mit 
Curtius zu thun hat. Allein wenn er p. 111 sich für berech- 
tigt hält, „die alte vocalismustheorie als definitiv beseitigt zu be- 
zeichnen", ohne auch nur einen versuch zu machen, meine das 
gegentheil beweisende argumentation zu entkräften (nur p. 105 
ist meine schrift flüchtig erwähnt), so muß ich meinerseits dies mit 
seinen eigenen Worten als „ein völlig unwissenschaftliches gebahren" 
bezeichnen. Denn Wahrhaftigkeit ist das erste gebot der Wissenschaft. 
Uebrigens theile ich mit J. Schmidt die meinung, daß „all- 
gemeine erörterungen über die methode der Sprachforschung, mit 
denen wir seit jähren übersättigt sind, die sache nicht fördern". 
Ein jeder bemühe sich nach kräften resultate zu gewinnen , die 
stichhaltig sind, und erhalte sich daneben die fähigkeit, was von 
andern geboten wird, sich anzueignen, auch wenn er es mit sei- 
nen „prineipien" nicht sofort in einklang zu bringen vermag. 
Doctrinarismus fördert in der Wissenschaft eben so wenig, wie 
in der politik. H. D. Müller. 



75. Johann Conrad, erläuterungen zur griechischen 
tempus- und moduslehre, p. 99 — 127. gr. 8. 



Nr. 7. 75. Griechische grannnatik. 387 

Die vorliegende Untersuchung 1 ) ist aus der praxis des grie- 
chischen Unterrichts hervorgegangen. Der Verfasser bemerkt es 
selbst , und die wähl der beispiele , die zum größten theile aus 
Homer und Xenophon entnommen sind, verräth den schulmann, 
weniger die anordnung und der ausdruck , wenn anders klar- 
heit und einfachheit der darlegung zu den tugenden eines pä- 
dagogen gehören sollen. Es ist ein mühsames geschäft sich 
durch die paar seiten hindurchzuarbeiten. Aber wer es gethan, 
bleibt nicht ganz unbelohnt. Einiges freilich ist nach wie vor 
unverständlich; es ist z. b. unmöglich aus dem was p. 103 f. 
über den aorist gesagt wird , klug zu werden. Aber der verf. 
versteht es doch durch mancherlei feinsinnige bemerkungen dem 
leser den satz nahe zu bringen , daß dem Griechen hauptsäch- 
lich an dem ausdruck der beschaffenheit der handlung (d. h. wie 
andere sagen , der zeitart) gelegen gewesen sei und er darüber 
andere gesichtspuncte, unter welche die handlungen fallen, un- 
berücksichtigt gelassen habe. In zweierlei namentlich soll sich 
das geltend machen. Erstlich darin, daß die „Vorzeitigkeit" und 
die gleichzeitigkeit unter- oder gleichgeordneter handlungen nicht 
selten unbezeichnet bleibt. Dies wird p. 105 ff. mit homerischen 
beispielen an dem gebrauch der hauptsätze, p. 111 ff. an dem 
fehlen eines ausgebildeten futurum exactum, später an den modi 
und am particip dargethan. Den betreffenden erörterungen wird 
wenigstens im princip jeder recht geben, ob man nun glaubt, 
daß das griechische einst noch einen plusquamaorist und ein 
plusquampräteritum besessen habe oder daß es, was bei weitem 
wahrscheinlicher ist, im allgemeinen den tempusgebrauch des in- 
dogermanischen verbums wiedergebe. 

Weniger einleuchtend ist die zweite reihe von fällen , die 

1) Diese abhandlung ist publicirt in der „Festschrift zu dem drei- 
hundertjährigen Jubiläum des königlichen gymnasium in Stolberg. 
Herausgegeben von dem director des gymnasiums dr. J. F. Binsfeld. 
8. Koblenz 1882'': es enthält dieselbe: 1) Adversaria critica, scripsit 
Ioannes Petrus Binsfeld. Dr. Binsfeld, bemerkungen zu stellen aus 
Cicero, Sallustius, Livius, Rutilius Lupus, Tacitus, Plorus, Aquila Ro- 
manus, Julius Obsequens , ßontius; 2. der trochäus und die deutsche 
spräche, von dt-. Becker, p. 17; 3. Miscella critica. Scripsit dr. Weig- 
gen, p. 33: behandelt stellen aus Thukydides , Sophokles, Euripides, 
Horaz und Tacitus; 4. die rose, eins der drei Wahrzeichen deutscher 
dicbtnng, von dr. R. Finsterwalder, p. 51; 5. die zahlangaben Genesis; 
X und XI, nach dem hebräischen texte und nach den siebenzig in 
ihrer Verwendung für die universale Chronologie von dr. Schubach, 
p. 75; 6. die oben angeführte schrift von Conrad, p. 99. — E. v. L. 



388 75, Griechische grammatik. Nr. 7. 

der verf. aufstellt. Zu ihr gehören (um mich hier auf den in- 
dicativ zu beschränken) präsentia wie anovca „ich habe gehört", 
vixm „ich habe gesiegt" ; der gnomische aorist ; der aorist, welcher 
die der gegenwart unmittelbar vorangehende handlung bezeich- 
net : iarjvsoa und <ii (ovv) ovx slf^ag u. s. w. ; das imperfect in 
den ausdrücken des sollens und müssens (e8ei, agshtov rjv); die 
irrealen bedingungssätze. Es sind meistens fälle, wo die prä- 
terita etwas nach unserer auffassung gegenwärtiges, vielleicht 
auch zukünftiges aussagen. Aber woher weiß der verf. , daß 
dies bloß darum geschah , weil man vor allem die zeitart aus- 
drücken wollte ? wenn in den irrealen bedingungssätzen das 
geschehen oder das geschehensein durch den aorist, die dauer 
aber durch das imperfectum oder das plusquamperfectum aus- 
gesagt wird (p. 110), so paßt dies vielleicht zu der theorie. 
Aber wie bei den andern? Richtig ist nur, was der verf. wie- 
derholt andeutet, daß das griechische im tempusgebrauch eben 
nicht alles wirklich ausdrückt, was sich Sprecher und hörer bei 
der betreffenden aussage denken. Aber dies gilt nicht bloß für 
den tempusgebrauch und nicht bloß für das griechische. 

Die abhandlung mag geeignet sein das grammatische Ver- 
ständnis mancher einzelnen stellen zu erleichtern. Es laufen in- 
deß auch ungeeignete belege mit unter. So aus Thucydides 
(den der verf. durchweg nur nach kapiteln zu citieren für gut 
findet): p. 109 erscheint 8, 86, 4 iv <£) aaqieazara 'loiviav Kai 
' E\\r\gnovtov sv&vg sl^ov ol nolifiioi ohne weitere bemerkung als 
beleg für den irrealen gebrauch des imperfects ohne av. Daß 
Dobree und ihm folgend Stahl in seinen beiden ausgaben aa- 
(fiarat^ av schreibt, hätte um so eher berücksichtigt werden dür- 
fen , als an den von Classen zu gunsten der Überlieferung an- 
geführten stellen [3, 84, 2] und 6, 55, 3 zwar iv q> mit einem 
irrealen präteritum ohne av verbunden erscheint, aber nur weil 
der hauptsatz schon irreal ist, an der erstem stelle durch av, 
an der zweiten durch die negation während hier ohne av die 
irrealität ganz unausgedrückt bliebe. In Plat. Symp. 190 C, vom 
verf. an gleicher stelle aufgeführt, schreibt Schanz al tifial yäg 
<«i'> .... avroig Tjcpuvi&ro. — Nach p. 112 entspricht Thuc. 
6, 91, 3 (sl avn] ?j 77ohig fajCp&tjOFTai, s%srai xa\ r\ näoa 2!i- 
xsl(a), das Irjcfd/jOETai einem lateinischen futurum exactum ; aber 
das präsens g^«r«/ zeigt die gleichzeitigkeit der beiden hand- 



Nr. 7. 76. Lateinische grammatik. 389 

hingen an. — Das schimrnste begegnet p. 121: da wird für 
den gebrauch des optativs mit av auch von vergangenen mög- 
lichkeiten , der bekanntlich bei Homer und Herodot häufig ist 
(vgl. die belege des Verfassers, der aber Herodot 7, 184 und 
8, 136 übersehen hat und 9, 16 fälschlich zusetzt), auch Thuc. 
1, 9, 4 aiiai de ovx av noXXal eitjaizv angeführt. Er hat hierin 
zwar Krüger zum Vorgänger, der, offenbar um die wendung als 
attisch zu erweisen , die übrigens nicht beweiskräftige stelle 
Lys. 7, 16 beibringt, aber den Zusammenhang gegen sich. 
Gienge iitjaav auf die Vergangenheit, so würde Thucydides sagen : 
„wenn Homer B 108 den Agamemnon no^Xr^iv vijaoiai ttai "A^ti 
navi) avüaaaiv läßt, so bezeugt er damit, daß er auch noch an- 
dere inseln außer den neoioixCöeg besaß; denn diese (die rl^m 
neotomideg) werden wohl nicht zahlreich gewesen sein" •, Thucy- 
dides würde also nicht wissen , ob viel oder wenig inseln um 
Argos herumlagen. Eichtig ist allein Classens Übersetzung „die 
aber könnten doch nicht no\lai heißen". 

Jacob Wachernagel. 

76. Die sogenannten syntaktischen graecismen bei den au- 
gusteischen dichtem. Münchener inauguraldissertation von J. 
Schaf ler, gymnasial - assistent in Amberg. Amberg, buchdr. 
von E. Pohl 1884. 95 p. 8. 

Der umfang des gräcismus in der lateinischen syntax läßt 
sich für eine reihe von constructionen , welche erst die gräcisie- 
rende kunstrichtung seitCatull eingebürgert hat, feststellen durch 
den nachweis, daß diese constructionen vor Catull nicht vorkom- 
men ; wie weit es aber gelingen kann, über diese grenze hinaus 
das auf römischem boden erwachsene von dem aus Griechenland 
importierten streng zu sondern, bleibt noch dahingestellt. Früher 
machte man Verkehrtheiten , indem man vom griechischen aus- 
ging und wähnte , das lateinische habe sich ohne alle originale 
kraft nur nach griechischer Schablone entwickelt, jetzt ist schon 
behauptet worden , es gebe überall keinen gräcismus im lateini- 
schen, sondern die Sprachvergleichung lehre, daß die fälschlich 
als gräcismen angesehenen structuren vielmehr gemeinsames in- 
dogermanisches resp. gräkoitalisches eigenthum seien. Eine solche 
reaction war natürlich und hat ihr gutes , aber man darf nicht 
das kind mit dem bade auschütten. Schäfler stellt sich nun auf 



390 76. Lateinische graramatik. Nr. 7. 

den einzig richtigen Standpunkt der historischen methode und 
sucht für die augusteischen dichter den umfang des gräcismus 
in einer reihe von kapiteln der syntax genauer, als es bisher 
geschehen ist, zu fixieren. In jedem einzelnen abschnitte ist ihm 
darum zu thun , ein vollständiges bild der betreffenden erschei- 
nung zu geben, wodurch sich allerdings viele Wiederholungen 
aus Dräger und der seit dessen zweiter ausgäbe erschienenen 
nicht unbeträchtlichen und zum theil werthvollen monographien- 
litteratur vernothwendigen , aber der verf. weiß durch selbstän- 
dige kritik auch dem bekannten material hin und wieder neue 
seiten abzugewinnen. Daß diese Wiederholungen alle aus den 
quellen selbst stammen und nicht einfach entlehnt sind, brauchte 
der verf. nicht ausdrücklich (p. 5, p. 62) zu versichern ; bereits 
vorhandene Sammlungen können wohl zur controle der eigenen 
dienen, aber sie niemals ersetzen und man merkt es zudem der 
gediegenheit der abhandlung sehr bald an , daß sie aus dem 
vollen schöpft. In dem ersten abschnitte über den accusativ 
hätte Schäfler indessen die Vorliebe für seine collectionen etwas 
zügeln und es dem leser bequemer machen können, wenn er der 
Drägerschen eintheilung der verba, die er im wesentlichen ja 
übernommen hat, genau gefolgt wäre oder noch besser, wenn er 
bloß die betreffenden nachtrage dazu geliefert hätte , denn es 
handelt sich beim transitiven accusativ nach medialen und pas- 
siven verbis nur um den umfang der erscheinung , nicht um 
ihren erklärungsgrund , in welchem Schäfler (p. 26) mit Dräger 
(I. 362) übereinstimmt. Bei vincire p. 14 ist die von Dräger 
citierte stelle Aen. XII. 120 wohl nur versehentlich ausgefallen; 
nicht praktisch ist es, dasselbe wort an zwei stellen, wie religare 
p. 18 und 22 zu behandeln. Zu Cyclopa tnovetur, Cyclopa sal- 
taret p. 25 könnte auch Ilionam edormit Hör. Sat. I, 5, 63 her- 
angezogen werden. Unter dem accusativ bei einem prädicativen 
adjectivum ist p. 34 zu Hör. Carm. I, 21, 11 die Schützsche 
erklärung mit recht verworfen , auch Kießling theilt neuerdings 
die Bentleysche auffassung, unverständlich ist aber die folgende 
bemerkung über vers 5 derselben ode. In dem abschnitt über 
den genetiv , der viele hübsche beobachtungen enthält , handelt 
es sich p. 40 bei bibulus nicht darum, ob Ep. I, 18, 91 interpoliert 
ist oder" nicht, sondern darum, daß die fragliche construction Ep. I, 
14, 34 in dem unzweifelhaft echten verse vorkommt, es ist also 



Nr. 7. 77. Lateinische grammatik. 391 

derselbe fall wie bei suspendo p. 12. In dem abschnitt über 
das prädicative adjectiv pro adverbio heißt es p. 60 : „der grund 
liegt sehr häufig in dem metrischen bedürfnisse — vor 
allem bei den adjectiven auf Ulis idus oder bei der adverbial- 
endung iter u und als beispiel wird u. a. Hör. Carm. I, 24, 9 
midtis ille bonis flebilis occidit angeführt. Hier hatte dem verf. 
Hör. C. IV, 12, 5 nidum ponit Ityn fiebiliter gernens infelix avis 
sagen können, daß die berufung auf den zwang des metrums 
nicht am platze ist ; überhaupt wird dem metrum durch die 
ganze schritt hindurch ein zu großer einfluß auf den ausdruck 
eingeräumt und das metri causa der alten grammatiker, das diese 
oft brauchen, wenn sie nichts besseres anführen können, figuriert 
fast regelmäßig als einer der wichtigsten erklärungsgründe. Die 
vergleichung des flebilis und fiebiliter in den beiden Horazstellen 
hätte aber dem verf. auch gezeigt, daß in solchen fällen das 
adjectiv nicht einfach statt des adverb gesetzt ist. Dräger 
sagt I, 352 kurz und bündig: „prädicative adjective , welche 
scheinbar für ein adverb stehen, finden sich bereits bei den 
komikern". Flebilis occidit ist so viel wie Cic. De or. III, 3, 9 
Crassi mortem, quae est a multis saepe defleta, während fiebiliter 
occidit nur auf die todesart hinweisen würde. Aber derartige 
ausstellungen thun dem werthe der schritt keinen wesentlichen 
abbruch : sie zeugt von sammelfleiß , litteraturkenntniß, eindrin- 
gendem grammatischen verständniß und gesundem urtheil und 
hat die sache entschieden gefördert. Kapitel I — IV behandeln 
die casuslehre, kapitel V adjectiva und adverbia, kapitel VI die 
syntax des Infinitivs (ein besonders anregender abschnitt) und 
kapitel VH enthält einige kurze bemerkungen zur lehre der 
relativ- und fragesätze. Die darstellung — warum aber nicht 
lateinisch? — ist klar und gut, der druck sehr correct (fehler 
p. 25 z. 9 lies Hör. Ep. I, 1, 96, p. 28 z. 6 v. u. Hör. Sat. 
H, 3, 63, p. 44 z. 25 Hör. Ep. I, 17, 21, p. 45 mitte steht 
usu doppelt u. a.) und die ausstattung angemessen. Wir können 
nur wünschen dem verf. recht bald wieder auf diesem gebiete 
zu begegnen. Th. Fritzsche. 

77. De subiunctivo et infinitivo apud Plinium Minorem disser- 
tatio philologica, quam conscripsit Edmundus Kemy. Lovanii 
1884. 69 p. 



392 77. Lateinische grammatik. Nr. 7. 

Die vorliegende arbeit (in französischer spräche geschrieben) 
behandelt den gebrauch des coniunctivs und infinitivs in der art, 
daß sie zahlreiche ergänzungen zu dem bei Dräger zusammen- 
gestellten material bietet. — In der erklärung der sprachlichen 
erscheinungen sind nicht gerade neue bahnen betreten. — Auch 
besonders frappante erscheinungen finden sich nicht, hieran trägt 
allerdings der stoff selbst die hauptschuld, es liegt nämlich in 
der natur des thema daß die resultate in vielen berichtigungen 
im einzelnen bestehen. — Der Verfasser sucht in manchen 
punkten einen unterschied zwischen der darstellung des Pane- 
gyricus und dem stil der briefe zu machen. Dieses bestreben 
hat entschieden seine berechtigung, nur muß es noch durch zahl- 
reiche Observationen auf anderen gebieten der grammatik und 
Stilistik unterstützt werden. Wenn dagegen im Zusammenhang 
mit diesem bestreben p. 10 der umstand, daß sich nur im Pa- 
negyricus ein beispiel des indicativs im hauptsatz der hypothe- 
tischen periode findet, damit erklärt wird, daß der briefstil solche 
constructions hardies et recherchees nicht zulasse und andererseits 
das häufigere vorkommen dieser erscheinung bei Quintilian auf 
die mehr rednerische färbung seines werkes zurückgeführt wird, 
so möchte ich dagegen erinnern, daß auch die briefe des Pli- 
nius des rhetorischen colorits keineswegs entbehren , daß ferner 
sprachliche kühnheiten sonst gerade dem briefstil eigen zu sein 
pflegen. Ich schließe vielmehr aus der thatsache , daß die be- 
treffende construction sich bei Plinius nur einmal findet und 
dazu nur in einem werke , das seiner natur nach einen beson- 
deren stil erforderte, daß sie eben dem Plinius nicht besonders 
geläufig war und nicht zu dem gehörte, was man die stilistische 
manier eines Schriftstellers nennen könnte. — Im übrigen ist 
noch hervorzuheben, daß der Verfasser neben Plinius besonders 
den schon oben erwähnten Quintilian, als lehrer, und ab und 
zu auch den Tacitus, als Studiengenosse des Plinius, in betracht 
zieht. Die berücksichtigung solcher beziehungen verräth ent- 
schieden eine anerkennenswerthe Sorgfalt und hat eine gewisse 
berechtigung in der auch vom verf. p. 20 angedeuteten that- 
sache, daß bei den römischen Schriftstellern der persönliche ge- 
schmack und, wenn er bei einer größeren anzahl anklang fand, 
die mode einen unleugbaren einfluß besaß , aber auch solche 
beobachtungen müssen auf einem größeren gebiet angestellt 



Nr. 7. 77. Lateinische grammatik 393 

worden sein, wenn sie im einzelnen fall bedeutung haben 
sollen. — Was nun die einzelheiten anlangt, so wäre über den 
ersten abschnitt, der den coniunctiv behandelt, folgendes zu 
bemerken. 

P. 8 sagt Remy, daß in das gebiet der potentialität bei 
Plinius in hervorragender weise der indicativus praesentis oder 
futuri eingedrungen sei. — Diese beiden dinge hätten von dem 
Verfasser auseinandergehalten werden sollen , denn der indicativ 
futuri kommt dem ausdruck der potentialität, die im coniunctivus 
praesentis liegt, sehr nahe. Bei Cato z. b. finden wir vielfach 
das futurum angewandt um einen angenommenen fall zu be- 
zeichnen ; s. De ER. 4 si aedificabis, adiuvabunt. Auch indicative, 
wie potest, oportet und ähnliche , die dazu dienen eine handlung 
als nicht thatsächlich hinzustellen, sind auszuscheiden. 

P. 13 veranlaßt der umstand , daß quamquam und quamvis 
auch zur bezeichnung realer thatsachen unterschiedslos mit dem 
coniunctiv verbunden werden , Remy zu behaupten in vielen 
fällen hätten die späteren autoren den unterschied zwischen in- 
dicativ und conjunctiv nicht mehr recht zu würdigen verstanden. 
Hierin dürfte er zu weit gegangen sein. — Am allerwenigsten 
aber kann man ihm beistimmen , wenn es sich um eine erwei- 
terung des gebietes des coniunctivs handelt, wo der indicativ 
als das naturgemäße erscheint. In diesem falle dürfte eher an 
uns die reihe sein einzugestehen , daß wir nicht alle nüancen 
im gebrauch des coniunctivs zu würdigen vermögen. 

P. 13 bemerkt Remy bezüglich des indicativ oder coniunc- 
tiv nach non qu'ia Plinius drücke durch den coniunctiv eine hand- 
lung aus, di